Das große Thema der heutigen Zeit ist der Datenschutz. Die meisten von uns kümmern sich nicht wirklich darum, was mit unseren Daten passiert, wenn wir sie bei Google angeben oder unser Leben bei Facebook mit unseren Freunden teilen. Noch weniger Leute machen sich Gedanken darüber, warum gerade Kathie McDonnald aus Nebraska (Daten frei erfunden) mit uns befreundet sein möchte, nur weil wir bei FarmVille zufällig ein einsames Schaf gefunden haben und sie es gerade gebrauchen konnte.

In der 3rd Summer School on Network and Information Security wird derweil auch mal wieder darüber diskutiert, wie es um unser Privatleben im Netz so steht. So äußert sich zum Beispiel Bruce Schneier, seines Zeichens leitender Sicherheitstechniker der Brittish Telecom dazu, dass das Problem mit den Daten im Netz darin bestünde, dass wir unser soziales Umfeld sehr schnell in ein technologisches Umfeld transferieren. „Denn Google, Facebook und Co machen das Leben einfach öffentlicher“, so Schneier.

„Menschen sind es gewohnt, Freunden in einem sozialen Kontext Dinge anzuvertrauen“, erklärt er. Was ja auch völlig verständlich ist. In unserem privaten Umfeld vertrauen wir den Menschen recht schnell und intuitiv private Dinge an. Besten Freunden vielleicht sogar intime Dinge. Dies geschieht allerdings meistens in Situationen in denen man sich gegenüber sitzt oder zumindest miteinander telefoniert. Mittlerweile verlagern sich diese Kommunikationswege ins Netz – werden Mitteilungen bei Facebook ausgetauscht oder der persönliche Status für einen größeren Freundeskreis aktualisiert. Dabei entsteht nicht selten ein gewisser Gruppenzwang. Je mehr Leute aus dem persönlichen Umfeld „dabei sind“ desto größer wird der soziale Druck, sich dem Geschehen anzuschließen. Dabei ist es dann kaum bis gar nicht möglich, diesem Gruppenzwang stand zu halten. Immerhin: Es ist schon praktisch mit einer einzigen Eingabe von ein paar Zeichen mit allen „Freunden“ ein lustiges Youtube-Video zu teilen oder einen Link weiter zu schicken, mal eben danach zu fragen, wer denn heute mal Zeit hat um etwas zu unternehmen oder den neusten Klatsch und Tratsch gleich mit der ganzen Clique auszutauschen.

Praktisch ist das schon. Und auch total einfach. Dabei wird nur gerne schnell übersehen, wie einfach diese Informationen auch von Dritten eingesehen werden können, denen man sie eigentlich nicht zugänglich machen wollte. Die Datenschutzeinstellungen der meisten Plattformen sind standardgemäß recht offen. Man muss schon einiges dafür tun, damit nicht jeder alles lesen kann. Bei Facebook zum Beispiel muss man sich erst einmal durch nicht ganz so übersichtliche Menüs hangeln, Gruppen erstellen und seine „Freunde“ in diese Gruppen verschieben, damit man so sicherstellen kann, dass nur eine bestimmte Gruppe von Leuten bestimmte Informationen bekommen. Hilfsweise lässt sich auch bei jedem Eintrag mit einem Klick auf das Schlösschen festlegen, ob nicht vielleicht nur einzelne Personen die aktuellen Beiträge sehen dürfen.

Hinter diesen komplexen und nicht unbedingt einfachen Einstellungen steckt System. Man soll nicht alles sofort finden und verstehen – immerhin sind die Daten, die man dort eingibt, bares Geld wert. Und es wäre doch schade, wenn man sie nur mit einem kleinen, elitären Kreis teilt oder?

„Man ist nicht Googles Kunde oder Facebooks Kunde, man ist das Produkt“, sagt der Sicherheitsexperte der Brittish Telecom dazu. Exakt. Denn mit reiner Menschenfreundlichkeit lassen sich all die Serverfarmen, Rechenzentren, Techniker, Programmierer und Verwaltungsangestelten die dazu nötig sind, um uns Suchergebnisse blitzschnell anzuzeigen oder Partyfotos zu teilen, auch nicht bezahlen. Geld verdient man mit Werbung – und je mehr Daten man hat, desto besser kann man die Werbung auf die Menschen, die man damit erreichen will zuschneiden. Nun ja – und je besser diese Werbung zugeschnitten ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Produkt auch wirklich verkauft.

Dabei entgleitet die Privatsphäre den Nutzern von sozialen Netzen immer weiter. Sofern man die eigene Verlinkung nicht untersagt hat, kann man kaum verhindern, dass die Fotos der letzten Party von „Freunden“ ins Netz gestellt werden. Und selbst dann kann man den eigenen Namen immer noch gern auf Bildunterschriften wiederfinden. Dabei verliert man sukzessive die Kontrolle über die eigene Privatsphäre, wobei sich das Leben immer weiter in die Öffentlichkeit verlagert.

Wie üblich gilt die goldene Regel: Schreib keinen Beitrag bei Facebook, wenn du das, was du schreibst, nicht auch deinem Nachbarn oder deinem Chef erzählen würdest.

Quelle: pressetext

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