Wir sind Borg

On 28. September 2010, in Menschen, Philosophie, Technik, by Ingo

Für Star Trek Fans ein Ausspruch, der gerne mal gemischte Gefühle hervorruft. Die einen bekommen Gänsehaut, die anderen freuen sich auf eine actionreiche Weltraumschlacht. Die Borg sind die ultimativen Gegner im Star-Trek-Universum. Eine kybernetische Rasse, halb Maschine, halb Lebewesen, deren einzelne Entitäten weder über einen eigenen Willen, noch ein Gewissen verfügen. Entscheidend ist das Kollektiv. Alles wonach sie streben, ist sich selbst zu verbessern, Perfektion zu erlangen – in dem sie andere Rassen assimilieren und ihrem kollektiven Willen unterwerfen.

Nein, ich will hier nicht über Star Trek nachdenken. Viel interessanter ist die Frage, wie weit wir selbst noch von einer ähnlichen Entwicklung entfernt sind.

US-Wissenschaftler haben kürzlich eine Möglichkeit gefunden, mit Hilfe von Glasfasern, eine Verbindung zwischen Nerven und Prothesen herzustellen. Mit dieser Technologie würde es möglich, Prothesen zum vollständigen Ersatz für abgetrennte Gliedmaßen zu machen. Ein faseroptisches Interface ermöglicht dabei eine bidirektionale Datenübertragung. Es wäre damit also auch möglich, über integrierte Sensoren zu „tasten“. Natürlich ist die Forschung hier nicht ausschließlich ziviler Natur. Auch das Militär hat durchaus Interesse daran, im Kampf verwundete Soldaten mit neuen Gliedmaßen auszustatten. Stellte man diese Gliedmaßen aus einem schusssicheren Material her, wäre das natürlich noch praktischer für die militärische Nutzung.

Eine weitere, spannende, Frage ist: Woher weiß der Computer, wie sich die Daten, die er dem Prothesenträger übermittelt, anfühlen? Das faseroptische Interface soll Informationen wie Druck oder Hitze vermitteln können. Sicherlich: Über unsere Tastsinne werden lediglich Nervenimpulse an das Gehirn weitergeleitet. Aber ist es ohne Weiteres möglich, diese Impulse zu kopieren? Immerhin müsste man sie an der Quelle simulieren. Einfach nur irgendeinen Impuls weitergeben, reicht hier bei Weitem nicht aus. Man müsste hier das genaue Muster erforschen, mit dem Nervenzellen bei einem bestimmten Reiz feuern, dieses Muster bei seiner Weiterleitung beobachten, damit dann am Ende nicht völlig falsche Sinneseindrücke entstehen.

All zu viel wissen wir auch noch gar nicht darüber, wie Sinneseindrücke überhaupt entstehen. Sicher, die Daten werden an verschiedene Hirnareale weitergeleitet. Aber wenn schon an der Quelle (nämlich den Sensoren in der Prothese), die Informationen fehlerhaft erfasst werden oder das Interface Fehler bei der Berechnung macht, könnte es dazu führen, dass statt Druck etwas wie Kitzeln übermittelt wird oder gar viel zu viele Informationen ankommen. Etwas simples wie Wärme könnte zu brennender Hitze werden.

Diejenigen, die diese Prothesen in Zukunft dann tragen, dürften dafür dann eine ganz neue Erfahrung machen. Sie sind die ersten, die herausfinden, wie ein Computer fühlt.

Quelle: pressetext

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