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Technische Darstellung des Vitality-Sensors, wie er zum Patent angemeldet wurde. Bildquelle: Siliconera

Mit dem Vitality-Sensor ist es Nintendo möglich, ein Spiel mit den Vitalwerten der Spieler zu machen. Nachdem Microsoft mit dem Kinect-Sensor den Körper zum Controller gemacht hat, macht Nintendo die Körperfunktionen zum Controller.

In einem Patentantrag für den Vitality-Sensor ist die Rede davon, dass der Puls, der Blutfluss im Finger und damit sogar die Atemfrequenz über die Infrarotabsorbtionsrate des Hämoglobins gemessen werden soll.

Fragt sich nur, ob man das wirklich will. Es ist ja schön, dass man solcherlei Körperfunktionen so genau messen kann. Aber muss man das für die Unterhaltungsindustrie ausnutzen?

Wie erst kürzlich bekannt wurde, stellen Spielkonsolen in Unternehmen größere Sicherheitsrisiken dar, da sie ohne großen Aufwand mit einem Virus infiziert werden können, mit dessen Hilfe sich dann Zugang zum gesamten Firmennetz verschafft werden kann. Was hindert nun jemanden, mit ausreichend Interesse und Energie, die Biodaten auszulesen und zu vermarkten? Krankenkassen würden sich sicher über eine Sammlung von Vitalwerten freuen, nach denen sie dann Risikopatienten mit unregelmäßigem Herzrythmus einstufen könnten. Und da Menschen, die Videospiele spielen ohnehin ja maßgeblich wenig Bewegung bekommen, sind sie gleich doppelt gefährdet.

Die Frage ist auch, wie weit die Kontrolle des Körpers über Technologie gehen darf oder sollte. Muss man alles mit dem Körper steuern? Muss man wirklich auf klassische Controller verzichten? Ist es wirklich notwendig, erst Bewegung und jetzt Vitalfunktionen und in Zukunft sogar Gedanken (auch das existiert schon als Prototyp) als Steuerelement für Technologie zu benutzen?

Keine einfachen Fragen. Vor allem nicht unproblematisch zu beantworten. Immerhin führt diese Kombination aus Körper und Technologie zu einer immer weiteren Mensch-Maschine-Verschmelzung. Die Grenzen menschlicher Wahrnehmung und der Kontrollfähigkeit werden in jedem Fall massiv ausgeweitet. Vermutlich wird das auch neurologisch nicht ohne Folgen bleiben.

Zum Vergleich: Wenn man einen Stock in die Hand nimmt, erweitert das Gehirn das „virtuelle Abbild“ des Körpers um diesen Stock. Die Wahrnehmungsgrenzen werden also um das Werkzeug herum ausgeweitet. Gleiches geschieht beim Autofahren. Das Gehirn dehnt die wahrgenommene Grenze des Körpers auf die Begrenzungen des Fahrzeugs aus. Das ist das eigentliche Geheimnis dahinter, warum man auch ohne genau zu gucken oder zu messen noch durch enge Lücken fahren kann.

Wenn nun aber kein Werkzeug mehr im Weg steht, um welches das Gehirn seine Wahrnehmungsgrenze ausweiten kann, sondern interaktive Medien mit dem Körper selbst gesteuert werden – also der Körper als virtuelle Selbstrepräsentation Funktionen wie Linkskurven, Sprünge oder Schüsse ausführt, dann liegt hier eine deutliche Erweiterung der (Selbst-)Wahrnehmung vor.

In jedem Fall sollten Langzeitstudien durchgeführt werden, was diese neuen Eingabemöglichkeiten anbelangt, die den Körper oder seine Funktionen direkt als Steuerungsmöglichkeit für interaktive Medien nutzen.

Quelle: Siliconera

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