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Die Prügelmaschine. Bildquelle: Newscientist

An der Universität von Ljubljana experimentiert man mit Robotern, die Menschen schlagen. Immer und immer wieder. Sie sollen der Versuchsperson Schmerzen in verschiedenen Intenstitätsgraden zufügen.

Warum Maschinen Gewalt gegen Menschen anwenden sollen? Eine einfache Antwort: Um zu lernen, was Gewalt ist. Es soll den Maschinen auf diese Art und Weise beigebracht werden, das erste Asimowsche Gesetz zu befolgen: Ein Roboter soll einen Menschen nicht verletzen.

Der Gedanke ist einfach wie genial: Damit eine Maschine lernt, einen Menschen nicht zu verletzten, muss sie erst einmal lernen, ab wann ein Mensch verletzt ist. Denn sogar ein Robotoer, die die Asimowschen Gesetze befolgt, kann mit einem Menschen zusammenstoßen. Das lässt sich nicht verhindern. An der Universität Ljuljana arbeitet man deswegen eher daraufhin, diesen Zusammenstoß möglichst ein wenig abzumildern. Die Grenzen von Geschwindigkeit und Beschleunigung der Maschinen soll reduziert, die Form und Größe der Werkzeuge die sie benutzen auf ein Idealmaß für die Zusammenarbeit mit Menschen angepasst werden.

Bei den Tests wurden die Versuchspersonen mehrmals mit verschiedenen Werkzeugen und in verschiedenen Stärken geschlagen. Sie sollten dabei angeben, ob der Aufprall schmerzlos, ein wenig schmerzhaft, schmerzhaft, schrecklich oder unerträglich war. Die Versuche werden dann mit einem künstlichen Arm fortgesetzt, mit dem die Stärke des Aufpralls gemessen werden kann, sodass die Information „schmerzhaft“ in eine für die Maschine verständliche Form (messbare Kraftausübung und messbare Aufprallenergie) umgesetzt werden kann.

Das soll dazu führen, dass die Geschwindigkeit mit der Roboter arbeiten, automatisch reduziert werden kann, sobald ein Mensch in der Nähe registriert wird. Die Maschinen sollen die so eingestellten Begrenzungen nicht überschreiten.

Nun, durch diese Studie könnten schwere Verletzungen um Umgang mit Maschinen durchaus verhindert werden. Was nun aber fraglich ist, ist ob der Schmerz als solches wirklich begrenzt werden kann.

Schmerz als solches wird perspektivisch subjektiv wahrgenommen. Meinen Schmerz empfinde nur ich und kann nur aus meiner Perspektive beurteilen, wie andere Menschen diesen Schmerz empfinden mögen. In der Neuropsychologie hat man mittlerweile die Theorie aufgestellt, dass die sogenannten Spiegelneuronen in der Lage sind, das Schmerzempfinden anderer Menschen verständlich zu machen. Wenn wir jemanden sehen, der sich gerade in den Finger sticht, dann zucken wir zusammen – auch ohne einen eigenen Schmerz zu empfinden. Die Spiegelneuronen übernehmen hier die Funktion, die gleiche Reaktion auszulösen, als würden wir uns selbst in den Finger stechen. Sie sind, einfach ausgedrückt, unser empathisches Zentrum und zugleich dazu da, Handlungsabläufe durch Beobachtung zu erlernen.

Was sich nun nicht ändert, ist die Tatsache, dass ich niemals in der Lage sein werde, den Schmerz eines anderen Menschen tatsächlich zu fühlen. Selbst wenn ich ihn identisch nachempfinden würde, wäre es mein Schmerz. Die gleiche Verletzung oder der gleiche Schlag kann bei mir also ein gänzlich anderes Schmerzempfinden auslösen, als bei jedem anderen Menschen.

Die Maschine könnte hier nur statistische Standardwerte errechnen, bei welcher Intensität des Aufpralls welche Intensität von Schmerz ausgelöst wird. Wirklich verstehen, wann und wie etwas schmerzt, wird sie nie. Das können ja nicht einmal wir Menschen.

Ich zumindest muss unweigerlich an Terminator 2 denken:

„Tut dir das denn nicht weh?“

„Ich registriere jeden Treffer. Diese Daten könnte man als Schmerz bezeichnen.“

Etwas, woran die Wissenschaftler, die daran forschen, (wohlmöglich) nicht denken, ist: Eine Maschine, die statistisch berechnen kann, wann Menschen im allgemeinen unerträgliche Schmerzen erleiden, kann dazu eingesetzt werden, Menschen unerträglliche Schmerzen zuzufügen. Ein mechanischer Folterknecht. Ohne Gewissen und ohne Reue. Welch eine praktische Erfindung für das Quantanamo des 21. Jahrhunderts.

Quelle: Newscientist

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