Google will wissen, was uns wichtig ist

On 17. Oktober 2010, in Technik, by Ingo

Unter dem Begriff „Sortierter Posteingang“ veröffentlicht Google den neusten Coup: Eine Analysesoftware für E-Mails, die herausfinden soll, was dem Mailschreiber besonders wichtig ist. Klingt zunächst genial. Aber ist es das auch?

Mit einem witzigen Teaservideo (dessen musikalische Untermalung allerdings auch gleich den ein oder anderen in den Wahnsinn treiben kann) wird erklärt, was die Funktion „Sortierter Posteingang“ können soll. Wir alle, die wir Google Mail benutzen wisse, dass der Suchmaschinenriese unsere E-Mails liest. Nun, vielleicht nicht direkt und persönlich (vielleicht aber doch), sondern mithilfe eines Suchalgorithmus.
Die neue Funktion unterstützt jetzt aber nicht nur die mehr oder weniger anonymisierte Indexierung unserer E-Mails – sie geht viel weiter. Wie das kleine, witzige, Werbevideo zeigt, werden die Mails danach überprüft, ob wir sie gelesen und beantwortet haben. Dargestellt wird die Funktion anhand eines symbolisierten Liebesbriefes.

An und für sich ist das ja schon eine ganz nette Idee. Wenn ich an die 200 Mails denke, die sich alle 3 Tage in meinem Postfach verirren, dann wäre es schon ganz schön zu sehen, was davon Unfug ist und was wirklich interessant.

Das ganze hat nur schon mal einen technischen Haken: Man ist gezwungen, die Google-Webmail-Oberfläche zu benutzen. Outlook dürfte auf diese Markierung von E-Mails wohl etwas seltsam reagieren. Aber das habe ich noch nicht ausprobiert – werde ich auch nicht.

Warum nicht? Klingt doch erst mal toll!
Joa. Aber nur, solange man nicht darüber nachdenkt, was da eigentlich passiert. Google Mail bestimmt, was uns wichtig ist, anhand unseres Lese- und Antwortverhaltens. Es lernt dadurch, welche Menschen uns wichtig sind, welche Themen für uns bedeutsam sind und was uns am ehesten interessieren könnte. Damit gäben wir einen weiteren Teil unserer Persönlichkeit in die Hände des Suchmaschinenriesen. Und was wäre die Konsequenz? Je besser uns das Unternehmen kennenlernt, desto besser kann Werbung angepasst werden. Möglicherweise kennt uns Google dann bald besser, als wir uns selbst kennen? Weiß schon durch Berechnungen im Voraus, was wir kaufen wollen, wohin wir gern in den Urlaub fahren würden oder gar, welcher Partner am besten zu uns passt.

Partnersuche? Wäre doch mal eine ganz tolle, neue Funktion für Google oder? Man nehme einfach die Eingaben, Interessen, Vorlieben, Suchmuster und E-Mail-Daten der User und errechne statistisch, wer am besten zu wem passen würde. Wenn man den Umfang der Google-Datenbank bedenkt, wäre Parship sofort pleite.

Und das Schlimmste ist: Es würde funktionieren!

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