Die Verantwortung für den Bürger-PC

On 18. Oktober 2010, in Gesellschaft, Technik, by Ingo

Der neue Personalausweis wird zur Zeit von der Presse zerpflückt. Die einen halten ihn für unsicher, die anderen loben ihn für seine einfachen Authentifizierungsmöglichkeiten und die Fähigkeit zur digitalen Signatur.

Die Verantwortung für die Sicherheit, so scheint es, wird hier allerdings zum großen Teil in die Hand des Bürgers gelegt. Aber ist das überhaupt so einfach machbar? Und vor allem: Stellt das nicht den Sinn und den Zweck eines Personalausweises auf den Kopf? Aber gehen wir das ganze mal langsam an.

Der alte Personalausweis galt bisweilen als fälschungssicher. Zumindest war es nicht ganz so einfach. Es gab Hologramme, das Lichtbild ist auf eine bestimmte Art und Weise zerstückelt und eine eindeutige Identifikationsnummer rundet das ganze ab. Eigentlich eine tolle Sache.

Kurz und gut: Es gibt zwar keine Pflicht, einen Personalausweis zu besitzen (es muss nur „irgendein“ Ausweispapier vorhanden sein – aber nicht zwingend eine Personalausweis), aber der Staat hat ein solches Dokument geschaffen, dass die Eigenschaft hat, sicher zu sein. Für die Sicherheit der Ausweise trug bisweilen auch der Staat die Verantwortung – also für die fälschungssichere Gestaltung.
Sicher, jemand könnte meine Ausweis stehlen – aber der müsste mir dann schon verdammt ähnlich sehen, um sich wirklich für mich ausgeben zu können.

Was haben wir nun? Der neue Personalausweis enthält, da sind sich auch die „Experten“ einig, ein gewisses Restrisiko. Da müssen halt die Bürger dafür sorgen, dass dieses Restrisiko ausgeschaltet wird. Die Bürger müssen ihren ihren PC mit Antivirensoftware und Firewalls ausstatten, damit der Computer gegen Angriffe geschützt sei.

Halten wir kurz inne und lassen uns das mal auf der Zunge zergehen:

Der Staat schafft ein Ausweisdokument, dass mit simplen Mitteln, die jeder kleine Hobbykriminelle am Küchentisch benutzen könnte, angegriffen werden kann. Und die Verantwortung für die Sicherheit wird an den Bürger übertragen.

Irgendwie komisch. Es wirkt fast so, als würde das Verhältnis zwischen Bürger und Staat kurz mal auf den Kopf gestellt.

Das beste daran ist, dass die Bürger nun, was den Kompetenzbereich Computersicherheit angeht, deutlich aufrüsten müssen. Und genau da sehe ich ein größeres Problem. Die meisten sind ja nicht einmal in der Lage, ihre Maschinen fehlerfrei zu bedienen. Sie laufen bei Fehlermeldungen zum Techniker um die Ecke, sind nicht in der Lage selbstständig ein Betriebsystem zu installieren, geschweige denn Sicherheitssoftware korrekt zu konfigurieren und sollen dann selbst für die Sicherheit ihres Ausweises verantwortlich sein?

Ich denke da an die Generation 50+, die „Nur-Nutzer“, die durchaus in der Lage sind, einen Computer zu bedienen – aber sich auch mit der Bedienung völlig zufriedengeben. Sie machen sich nicht viel aus Sicherheitsfragen (meist wissen sie nicht mal was davon), oder aber übertreiben es völlig, weil sie lauter Fehlinformationen haben.

Denken wir noch ein Stück weiter: Das ist die Generation, die den Großteil der Bevölkerung ausmacht (demographischer Wandel? Na? Klingelts?).

Der Großteil der Bevölkerung ist also, sobald sie den neuen Personalausweis erst einmal hat, angreifbar. Unsicher. Und selbst Schuld, wenn was passiert.

Klingt jetzt weniger berauschend. Aber vielleicht gibt es demnächst kostenpflichtige Sicherheitsschulungen für Bürger ab 50. Irgendwie muss der Staat ja wider ein bisschen Geld in die Kassen bekommen.

 

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: