Fallout: New Vegas – New Bugs

On 21. Oktober 2010, in Games, by Ingo

Kaum ein Spiel habe ich sehnlicher erwartet als Fallout: New Vegas. Doch leider musste ich, als das Spiel gestern endlich in die Xbox 360 schob, musste ich meine Erwartungshaltung doch stark revidieren. Fallout: New Vegas hat einige Bugs, die sich schlicht und ergreifend nicht erschießen lassen.

Aller Anfang ist schwer. Manchmal…

Erinnert ihr euch noch an den epischen Anfang von Fallout 3? Man wurde geboren, durfte das Aussehen seines Chars bestimmen, bekam die ersten Laufübungen und durfte seine Charakterwerte festlegen und über den GOAT-Test ließen sich besondere Fähigkeiten festlegen.

Fallout: New Vegas begrüßt uns mit einem Kopfschuss. Wir wachen nach einem kurzen Einführungsvideo in einer Art behelfsmäßigem Krankenhaus auf und dürfen zunächst das Aussehen unseres Chars bestimmen – weil es ja hätte sein können, dass bei der Operation, die die Kugel aus dem Kopf entfernt hat, etwas nicht mehr an der richtigen Stelle ist. Ist das erledigt, geht es zu einem Gerät, mit dem wir unsere Char-Werte einstellen können. Sind dann die wenigen Punkte für Stärke, Intelligenz, Charisma, etc. vergeben, geht es ins Nebenzimmer. Dort gibt es ebenso wenige psychologische Fragen, mit denen die Spezialfähigkeiten des Chars bestimmt werden sollen. Und abschließend soll man noch etwas über die Krankengeschichte erzählen, was zwei neue Funktionen der Spielmechanik aktiviert.

Gefühlt stellt man das alles „so im Vorbeigehen“ ein. Das epische Gefühl von Fallout 3 ist lang vergessen. Der gemeine Casual-Spieler soll nur schnell ins Spiel geworfen werden. Ein paar Tutorial-Quests führen dabei ein wenig in die neuen Möglichkeiten ein, die New Vegas bietet. Aber leider nicht ausführlich genug.

Blümchen pflücken, Tierchen verjagen, Drogen Kochkurs belegen

Hat man das Haus des Doktors verlassen, so trifft man recht bald auf „Sunny Smiles“. Ihre Rolle ist nicht ganz eindeutig. Sie ist nicht der Dorfsheriff, hat aber eine ähnliche Funktion. Nun, dafür hält sie das Ödlandgetier auf Abstand und ist sowas wie die gute Fee des Dorfs. Sie könnte auch die hübsche Zwillingsschwester von Moira Brown sein. Nur weniger verrückt und irgendwie kuschlig weichgespült für das harte Leben in der verstrahlten Postpokalypse.

Auf jeden Fall bekommen wir hier die ersten Quests. Ein paar Viecher killen – kein Problem. Die Waffe (ein 5,56 mm Kleinkaliber, bei dem man unweigerlich an Lee Harvey Oswald denken muss) lädt zwar langsam nach, ist nicht all zu durchschlagskräftig und von Zielgenauigkeit kann nicht die Rede sein… aber es ist nicht all zu problematisch, die paar Tierchen wegzuknallen.

Tierchen wegknallen? Oh ja… da war was. Die meisten Tierchen reagieren äußerst träge. Auf dem Weg zum Friedhof (man soll ein paar Blümchen pflücken, die man hinterher zu Drogen kochen kann), begegnet man einer Gruppe Kojoten. Die habe ich dann aus der Entfernung mit dem ungenauen Schießprügel schon mal angeschossen – und als sie fast nur noch die Hälfte ihrer Lebensenergie hatten, kamen sie auch tatsächlich mal angelaufen. Dass die verbliebenen 2 von 3 dann im Anlauf fielen, war klar.

Direkt am Friedhof ein ähnliches Trauerspiel. Der erste, halbwegs ernst zu nehmende, Gegner, ein Rindenskorpion (etwa halb so groß wie ein Rad-Skorpion), blieb prompt in einem Stein stecken und krabbelte hilflos auf mich zu. In aller Gemütsruhe in die Hocke gegangen, die Kippe lässig im Mundwinkel, mit ruhiger Hand und ganz viel Geduld gezielt… joa… und da lag er dann. Keine Spur davon, dass er sich mal befreit (was bei Fallout 3 durchaus mal vorkam, wenn ein Gegner stecken blieb – der wurde dann von der Engine einfach vor das Hindernis gesetzt). Keine Spur von Gegenwehr.

Die Blähfliegen direkt auf dem Friedhof verhielten sich ähnlich. Hochlaufen, in einer Entfernung von 10 Metern stehen bleiben… umgucken. Keine Reaktion. Hin und her laufen, auf und ab springen, wild winken. Keine Reaktion. Blähfliege anschießen – immer noch keine Reaktion. Erst als sie dann einen schweren Treffer einstecken musste, kam sie doch tatsächlich mal auf die Idee anzugreifen.

Aber was soll ich sagen? Die Blähfliegen scheinen nicht nur die Reaktionsgeschwindigkeit eines volltrunkenen Berufskiffers zu haben. Sie treffen mit ihrem Stachel auch mindestens genau so gut. Die Viecher würden vermutlich einen Mammutarsch auf 2 Meter Distanz noch verfehlen.

Gut, OK – blöde Gegner erhöhen die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich – aber nehmen auch irgendwie völlig den Spielspaß. Wo ist das Feeling hin? Mit viel zu wenig Munition gegen viel zu viele Gegner im Ödland antreten, sich verstecken müssen, flüchten, auf Stimpacks hoffen…

Nö. Das ist durch. Munition gibts genug, die Gegner sind meist doof, langsam und flüchten, sobald sie schwer genug getroffen wurden.

Und bevor ich‘s vergesse: Es gibt tatsächlich Pflanzen, die zwar im Boden stecken und angezeigt werden, aber nicht pflückbar sind. Man kann über sie hinweg laufen, sie anvisieren, darauf rumspringen oder drumherum tanzen – nichts. Keine Reaktion.

Fazit

New Vegas ist vor allem New. Das Radio plärrt Country oder Schmusemusik, der New-Vegas Radiosprecher ist mit Three Dog nicht im Ansatz zu vergleichen. Gefühlt, befindet man sich mehr in Texas als in Vegas. Die Gegner sind dumm und langsam, die Karte scheint deutlich kleiner zu sein – dafür sind die Waffen ein wenig realistischer ausballlanciert. Die PC-Version soll bereits den ersten Patch bekommen haben – und für die Xbox sollte der dann auch nicht lange auf sich warten lassen. Hoffe ich zumindest.

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