Chalmers und die Zombies

On 24. Juni 2011, in Philosophie, by Ingo

Eine weitere Hausarbeit an der ich arbeite, beschäftigt sich mit David Chalmers „The Conscious Mind“ und der Zombie-Welt, in der es keinerlei Quale gibt. Die Zombie-Welt ist eine logisch mögliche Welt, in der die Bewohner exakt den gleichen physikalischen Gesetzen ausgesetzt sind, wie in unserer Welt – sie ist auch physikalisch völlig identisch strukturiert – einzig haben die Bewohner der Zombie-Welt keinerlei phänomenales Bewusstsein. Wem das nun schon zu kompliziert wird, für den versuche ich’s auch direkt noch einmal ein wenig einfacher zu erklären. Dürfte auch für mich sinnvoller sein, schließlich habe auch ich die ganze Materie noch nicht gänzlich durchdrungen. Wichtig an der Zombie-Welt ist, dass es sich um eine Intuition handelt (und die muss man ja nicht zwingend teilen). Ziemlich deutlich handelt es sich nicht um eine vortheoretische Intution, sondern vielmehr eine stark theoriebelastete. Aber nun gut.

Es gibt also eine logisch mögliche Welt, in der die Bewohner exakt die gleichen physikalischen Bedingungen vorfinden, wie in unserer Welt. Nehmen wir also der Einfachheit halber einmal an, dass sie 1:1 kopiert ist. Molekül für Molekül und Atom für Atom. Die Zombie-Welt weicht von unserer Welt allerdings in dem Detail ab, dass keiner der Einwohner Qualia wahrnimmt. Ein Quale ist die Eigenschaft eines Dings. Also seine ihm innewohnende Qualität (daher ja auch das Wort). Sieht also einer der Zombies eine rote Blume, so hat er keinerlei „Rotempfinden“. So wie er auch Minzbonbons lutschen kann, ohne dass er irgendeine Geschmackswahrnehmung davon hat. Tritt man einen Zombie zuckt er zwar und würde auch schreien, denn seine neuronalen Zustände wären ja identisch mit unseren, wenn wir getreten würden, er hätte nur keinerlei Schmerzempfinden.

Nun gut. Die Idee geht auch nur auf, wenn man Chalmers‘ gesamten theoretischen Vorbau, die Supervenienz-Theorien und und und schluckt. Vor allem, wenn man bereit ist, zu akzeptieren, dass das phänomenale Bewusstsein nicht logisch über die physikalischen Tatsachen superveniert. Nur warum sollte es das nicht tun? Chalmers schreibt selbst, dass sich das phänomenale Bewusstsein aus den physikalsichen Tatsachen ergibt. Also: Wir haben einen so-und-so gearteten neuronalen Zustand, der auf einer bestimmen Teilchenkonfiguration in unserem Gehirn basiert – und schon entsteht daraus ein Schmerzempfinden oder ein Roteindruck oder der Geschmack eines Minzbonbons. Ja. Natürlich! Wie sollte es auch sonst sein? Das heißt meines Erachtens nichts anderes, dass eine immer gleiche Konfiguration von Verschaltungen im Gehirn eine immer gleiche Empfindung hervorrufen. Wäre es an dieser Stelle begrifflich falsch zu sagen, dass eben diese neuralen Verschaltungen identisch mit der Empfindung sind? Vermutlich schon. Zu sagen „etwas entsteht aus etwas“ und „etwas ist identisch mit etwas“ sind immerhin zwei verschiedene Aussagen. Aus einem Ei kann ein Huhn entstehen, aber das Ei ist nicht identisch mit dem Huhn.

Nun gut, ich stimme also der naturalistischen These zu, dass Wahrnehmung aus einer bestimmen physikalischen Konfiguration entstehen können, wohl aber nicht identisch mit ihr sind. Aber warum sollten sie dann nicht logisch supervenieren? Ich habe eine Wahrnehmung, dann und nur dann wenn mein Gehirn eine bestimmte Konfiguration einnimmt. W <-> K Anders ausgedrückt: Ich habe eine Wahrnehmung, dann und nur dann wenn die physikalischen Bedingung für diese Wahrnehmung vorliegen. W <-> P

Mhm. Außerdem kann ich der Zombie-Intuition demnach auch nicht zustimmen. Selbst dann, wenn aus einer bestimmten physikalischen Konfiguration eine bestimmte Wahrnehmung entsteht, müsste das immer so sein. Die Zombies hätten demnach auch Wahrnehmungsinhalte, wenn sie den gleichen physikalischen Gesetzen ausgesetzt sind, wie wir. Wie Chalmers behaupten, dass es „irgendetwas anderes“ gibt, dass sie eben so handeln lässt, wie sie handeln, erscheint mir doch deutlich kontraintuitiv.  Hier werde ich versuchen, die Intuition mit einer Kontraintuition anzugreifen – denn es handelt sich zwar um eine logisch mögliche Welt aber nicht um eine logische Argumentaion (sondern eben um eine Intuition). Möglicherweise lässt sich ein wenig bei Daniel Dennett grasen, um noch ein wenig Schützenhilfe gegen das Zombie-Argument zu finden.

Deutlich wird mir zumindest nicht, was es mit den Zombies auf sich haben soll – und was genau sie nun so intuitiv macht.

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