Gedanken zu flattr

On 26. Juni 2011, in Gesellschaft, Philosophie, by Ingo

Flattr gibt es ja nun schon seit einer Weile – und nun probiere auch ich das mal aus. Die Idee dahinter ist an sich gar nicht so schlecht – und es ist auch gar nicht mit so viel Kostenaufwand verbunden. Das spannende an flattr ist, wie ich finde, der philosophische Kern des Bezahlungssystems.

Wann immer man etwas ins Internet stellt, ist es zunächst völlig umsonst. Wortwörtlich, denn selbst die komplexesten und tollsten Gedanken oder Werke sind, abgesehen von den urheberrechtlichen Problemen, die das mit sich bringen könnte, zunächst ein mal für jeden frei und offen zugänglich. Nun möchte man aber vielleicht doch etwas damit verdienen – schließlich kostet die Arbeit, die man in das Erstellen eines Beitrags, eines Bildes oder eines sonstigen Inhaltes gesteckt hat, ja Zeit. Server sind auch nicht kostenlos und Webspace möchte auch bezahlt werden. Das Problem lässt sich über Werbung lösen – aber bis sich das dann wirklich lohnt, vergeht eine ganze lange Zeit. Immerhin müssen die Leute die Werbung nicht nur anzeigen lassen (Werbeblocker eleminieren die Banner meist ja schon im Voraus) – sie müssen dann auch noch darauf klicken. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das ist nicht unbedingt sehr effektiv.

Nun, flattr geht da einen anderen Weg. Es ermöglicht den Leuten für Inhalte zu bezahlen, wenn sie es wollen. Dabei wird dann zwar eine gewisse Summe, die vorher festgelegt werden muss, auf die entsprechenden Beiträge, die angeklickt wurden aufgeteilt, sodass eher wenig dabei rumkommt – aber das hängt dann auch von dem Bekanntheitsgrad und der Besucherzahl der Internetseite ab, die man betreibt. Es braucht also viele Leute die die Inhalte mögen und bereit sind, zuminest eine Kleinigkeit (pro Klick sind es nur ein paar Cent, tut also eigentlich niemandem weh) für die erstellten Inhalte zu spenden.

Genau das macht das System für mich so spanned. Es ist eben nicht so, dass man einen Inhalt nur für eine bestimmte Summe Geld anbietet. Vielmehr bietet man die Inhalte immer noch frei und kostenlos an und die Nutzer können selbst entscheiden, ob es ihnen Wert ist, eine Kleinigkeit dafür zu geben. Ein System, dass ich dementsprechend einfach mal testen werde – denn es gibt da einige tolle Inhalte, die ich damit nun durchaus ein wenig fördern kann – und wenn es auch nur mit einer Kleinigkeit ist. 🙂

Was mir allerdings kritisch dazu einfällt, ist die Frage, ob allein die Anwesenheit des Flattr-Buttons schon eine Art sozialen Druck auslöst. Könnte es sein, dass die Leser einen solchen Button sehen und ihn als „Zahlungsaufforderung“ verstehen? Wenn das so wäre, dann wäre hier wohl die „symbolische Gewalt“, frei nach Bourdieu am Werke, die dazu führt, dass die Leute geradezu dazu gezwungen werden, zu flattrn und ansonsten ein schlechtes Gewissen haben. Um das genauer herauszufinden, müsste ich allerdings erst eine größere, repräsentative Gruppe von Flattr-Nutzern befragen, ob sie sich wirklich dazu verleitet fühlen, auf einen Button zu klicken „nur weil er da ist“ – oder ob sie wirklich eher nach der Qualität der Beiträge gehen.

Wohlan – experimentieren wir mal ein wenig mit der schönen, neuen Flattr-Welt. Ich bin gespannt, ob es Leute gibt, die meinem Geschreibsel auch ein paar Cent Wert beimessen. Wenn nicht, dann nicht – das System ist auf jeden Fall total spannend. 🙂

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