Vorhin beim Einkauen ist mir der Kragen geplatzt. Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Kleinigkeiten – Zutaten für’s Abendessen – auf die Schnelle einkaufen und um so schneller den hungrigen Magen gefüllt bekommen. Nichts leichter als das – also eben zum Penny um die Ecke gelaufen, gestöbert, festgestellt, dass ich nicht das finden würde, was ich brauche – und wollte wieder verschwinden. Soweit, so gut. Allerdings war eine etwas überambitionierte Kassiererin der Ansicht, doch mal einen Blick in meine Tasche werfen zu wollen.

Nachdem ich das dann verweigerte (warum sollte man auch wildfremde Menschen einfach so in seine Taschen gucken lassen?!?), war ein weiterer Kunde der Ansicht, mich am Gehen hindern zu wollen und die nette Dame an der Kasse drohte damit, die Polizei zu rufen, denn die würde ja sicherlich in die Tasche gucken dürfen. Damit irrt die gute Frau leider gleich zum zweiten Mal. Weder darf sie in meine Tasche gucken, denn sie ist ja keine Polizistin – noch darf die Polizei das nachträglich, denn es besteht ja immerhin kein dringender Tatverdacht, nur weil jemand mit einer Tasche durch einen Laden läuft.

Da sich die gute Dame allerdings auch nicht eines besseren hat belehren lassen und auch die Kollegin, sowie die anderen Kunden fest davon überzeugt waren, dass „das in Deutschland ja so üblich wäre“, Taschen verdachtunabhängig kontrollieren zu dürfen. Das ist allerdings völliger Unsinn. Hätte ich nicht wutentbrannt mein Portemonaie und mein Brillenetui sowie ein paar Kassenzettel und sonstiger Müll auf die Kasse geknallt, würde ich vermutlich jetzt noch da stehen und sinnlose Diskussionen (unter anderem mit der Polizei) führen.

Was die guten Mitarbeiter beim Penny entweder nicht wissen oder – was dramatischer wäre – ignorieren, ist dass es zwei Urteile vom Bundesgerichtshof gibt, (VIII ZR 106/93 und VIII ZR 221/95) in denen es untersagt ist, in Taschen zu gucken, zumal das Persönlichkeitsrecht hier schwerer wiegt. Zudem darf eine Kontrolle nur durchgeführt werden, wenn eine konkreter Verdacht besteht – nicht etwa, wie die Kassiererin behauptete, „weil wir viele Kunden haben, die einfach mal was mitgehen lassen“. Pardon, liebe Firma Rewe (zu der ja auch de Penny Märkte gehören): Gehört es zum Geschäftsgebahren, Kunden unter Generalverdacht zu stellen? Das die Polizei theoretisch (wenn denn ein konkreter Tatverdacht vorliegt) eine Tasche kontrollieren dürfte ist dabei unstrittig. Aber allein damit zu drohen, die Polizei zu rufen und einen Kunden am Verlassen des Ladens zu hindern stellt vermutlich den Tatbestand der Nötigung dar – im Zweifel den Versuch der Nötigung und auch der ist strafbar.

Nun, ich habe nicht lange gefackelt und Strafanzeige erstattet (das kann man, so sagte mir die örtliche Polizeidienststelle, auch einfach online machen (ich dachte bisher immer, das ginge nur bei Online-Straftaten)) und eine nette und umfangreiche Beschwerde über diese junge Dame zu schreiben, die ihr Chef spätestens Dienstag auf dem Schreibtisch haben wird. Der Penny hat heute dann zumindest doppelt verloren: Einen Kunden – und hoffentlich auch eine Mitarbeiterin.

Man muss sich hier die Frage stellen, wie man mit Kunden umghen möchte. Einen Vertrag zu schließen setzt ein gewisses Vertrauen in den anderen voraus. Vertrauen darin, dass sich der andere an den Vertrag hält – und darin, dass er auch die Rahmenbedingungen des Vertrages akzeptiert. Vertrauen ist bei gegenseitigen Abmachungen, nichts anderes ist ein Vertrag, allesentscheidend. Vertraut man seinen Kunden nicht und will sie lieber auf Schritt und Tritt überwachen, möchten die Kunden wohlmöglich lieber woanders einkaufen gehen. Schließlich möchte man wie ein freier und mündiger Mensch behandelt werden, nicht wie ein potenzieller Dieb. Alles andere ist, und das kann man nicht anders ausdrücken, eine bodenlose Unverschämtheit. Eine Unverschämtheit, die sich all zu viele Menschen gefallen lassen, weil „das ja nun mal so ist“. Sie wissen vermutlich nicht einmal, dass sie sich derartigen Kontrollzwang nicht gefallen lassen müssen. Vermutlich glauben sie, die Ladeninhaber hätten schon Recht und sie wollen es sich ja auch nicht mit ihnen verscherzen.

Es sich verscherzen ist übrigens schwer: Ein Ladeninhaber darf beispielsweise kein Hausverbot erteilen, weil man sich einer unrechtmäßigen Untersuchung verweigert und auf dieses Unrecht hinweist. Das wäre ja auch noch schöner. Aber auch das wissen die wenigsten und fürchten damit Konsequenzen die faktisch nicht existieren. Aber das scheint eine allgemeine, all zu menschliche Regung zu sein, sich vor Dingen zu fürchten, die nicht existieren – oder nur im Hörensagen.

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