Der Künstler und der Philosoph

On 19. Juli 2011, in Philosophie, by Ingo

Gestern sprach mich der schweizer Künstler Matthias Zimmermann in einem Chat an, ob ich nicht Interesse daran hätte, seine Werke einer philosophischen Analyse zu unterziehen. Es gäbe zwar schon den einen oder anderen Artikel in verschiedenen Zeitungen über seine Werke, allerdings seien diese eher im Pressestil gehalten. Was ihn interessiert, ist die Frage, welche Perspektive wohl die Philosophie auf seine Kunst haben könnte. Auf mich schien er da besonders aufmerksam geworden zu sein, zumal ich mich intensiv mit virtuellen Realitäten, digitaler Technik und dem Internet auseinandersetze.

Nun, die Idee ist durchaus verlockend. Allerdings ist nur all zu klar, dass es „die Philosophie“ nicht gibt, sondern lediglich eine Vielzahl von Denkrichtungen, die sich allesamt philosophisch gestalten. Es wäre also mehr oder weniger „meine eigene“ Philosophie, die sich dieser sehr speziellen Kunst annähme. Eine durchaus interssante Herausforderung, der ich mich nur zu gern stelle. Es kommt immerhin nicht all zu häufig vor, dass sich Künstler nach philosophischen Deutungen fragen. Möglicherweise dient das, was ich dazu dann denke, als Bestätigung des Schaffens – möglicherweise aber auch als Inspirationsquelle. In jedem Fall sollte es durchleuchten, was eigentlich der Kern der Sache, des künstlerischen Werkes, für sich genommen ist.

Allerdings ist nun das erste Problem, vor dem ich stehe, das Finden einer passenden Frage, die es zu verstehen gilt. Zimmermann selbst, beschreibt seine Kunst als „virtuell“, weil sie räumlich und zeitlich von der Wirklichkeit abgelöst ist. Das wäre ein interessanter Ansatzpunkt, den es festzunageln gilt. Es ist nämlich, unter dieser Deutungsweise, nicht ganz klar, ob damit nicht einfach jede Kunst virtuell ist. Wird ein Bild gemalt, entsteht es über die Zeit – und wenn der Maler es aus dem Geiste und nicht an Ort und Stelle malt, dann entsteht es auch räumlich getrennt von der Vorlage. Ist also diese spezielle Kunst virtueller als jede andere Kunst? Ich denke nicht.
Ein weiterer interessanter Ansatzpunkt ist die erwähnte Formensprache. Das Übersetzen der Wirklichkeit in Symbolwerte. Damit bedarf es dann einer Interpretation, deren Gehalt sich im Werk selbst verbirgt. Hier muss man sich dann fragen: Gibt es neben dem, was das Bild selbst darstellt (nämlich eine reduzierte, abstrakte Form der Wirklichkeit) noch eine in dem Dargestellten selbst, auf Basis dieser Formensprache mitgeteilten, übermittelte Botschaft? Und wenn es sie gibt: Wer ist der Empfänger? Denn jede Form von Kommunikation muss verstanden werden, um Kommunikation zu sein.

Nun, ich bin gespannt, was sich philosophisch aus den Werken ziehen lässt. Letztlich kann ich ja nur beschreiben was ist, nicht was man interpretieren könnte. Denn das ist letztlich seit je her die Beschäftigung der Philosophen: Nehmen, was andere schon wissen (das etwas ist) und versuchen zu erklären, warum es so ist. Und, was die analytische Philosophie angeht, herausfinden, ob die verwendeten Begriffe korrekt sind oder ob es nicht vielmehr anders gefasst werden muss. Ein spannendes Projekt. 🙂

 

 

 

 

 

 

 

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