Die Tage des Löwen

On 27. Juli 2011, in Technik, by Ingo

Seit ein paar Tagen fühlt sich nun Mac OS X Lion auf meinem MacBook heimisch – und ich muss sagen, dass die Mieze nun eine Mischung aus „tolle sinnvolle Verbesserung“ und „völlig nervige und überflüssige Fehler“ mit sich bringt. Aber so ist das vermutlich bei jedem neuen Softwareupdate. Es wird halt erstmal darauf getestet, ob es denn auch wirklich auf der eigenen Hardware läuft – die „exotische“ welche die Kunden sonst so herumliegen haben, wird dann entdeckt, sobald die Leute motzen. 😉

Fein – alles sieht nun etwas aufgeräumter aus, die Optik ist insgesamt hübscher, die integrierten Wörterbücher funktionieren nicht nur gewohnt systemübergreifend, sondern machen Vorschläge, wie man sie aus iOS kennt – und sogar das invertierte Scrolling, das mich Anfangs völlig irritiert hatte (ich dachte ernsthaft, das Trackpad wäre kaputt, weil sich nichts rührte), lässt sich abschalten.

Dafür fordert das neue Betriebssystem seinen Tribut. Man sollte meinen ein 2,4 Ghz Intel Core2Duo ist für einen Mac nach wie vor durchaus schnell genug. Nun – ist er! Alle Anwendungen laufen nach wie vor schnell, flüssig und stabil. Allerdings wird der keine Prozessor unter OS X Lion schlagartig heiß. Zunächst beim Starten von Mail, später beim Starten anderer Anwendungen. Ein Hoch auf den Kundenservice – der ist mit mir nämlich erstmal etwa anderthalb Stunden lang mit Engelsgeduld durch verschiedene Einstellungen, Menüs und Reparatureinstellungen gegangen, sodass sich die anfänglichen Schwierigkeiten tatsächlich lösen ließen. Allerdings hege ich eine Vermutung, woran das plötzliche Hochtouren des Prozessors liegen könnte.

Mac OS X 10.7 bringt eine Funktion namens Resume mit sich. Diese sorgt dafür, dass die Fenster, die man geöffnet hatte, wiederhergestellt werden, wenn man den Computer neu startet und stellt alle Anwendungen genau so wieder her, wie man sie verlassen hat. Das gilt übrigens auch für Safari (eine Funktion, die früher nur das Plugin Saft beherrschte und welches nunmehr obsolet wird). Das Dumme ist nur: Wenn man nun ein Safari-Fenster mit mehreren Tabs offen hat, schließt man es gewohnheitsmäßig einfach, wenn man es nicht mehr braucht. Öffnet man Safari dann wieder, in dem man z. B. auf den Link in einer Mail klickt, öffnet sich ein neues Fenster mit neuen Tabs. Wiederholt man das Spielchen zwei oder drei Mal, öffnet man den Browser irgendwann, und der Prozessorlüfter wird deutlich lauter, der Prozessor selbst bekommt an die 70°C und man wundert sich. Ein Blick in das nagelneue Mission Control erklärt das Problem: Da sind drei bis vier Safari-Fenster mit jeweils vier bis fünf Tabs, die alle geladen, berechnet, gerendert und erstellt werden müssen. Das kostet Leistung.
Ich schätze, ich muss mich erst einmal ein wenig umgewöhnen und darauf achten, was das neue OS X da nun mit den verschiedenen Fenstern im Hintergrund veranstaltet.

Die Tatsache, dass sich das Dashboard nun auf einer undurchsichtigen Seite befindet, ist auch nicht gerade schön. Mit Snow Leopard konnte man im Hintergrund z. B. noch Webseiten sehen, sodass man irgendwelche komplizierten Worte, die es zu Übersetzen gilt, einfacher in das Leo.org-Widget abschreiben konnte. Und mein Congstar-Surfstick scheint ebenfalls gar nicht erst erkannt zu werden – wobei fraglich ist, ob der Stick oder das OS X dafür ein Update braucht.

Recht angenehm ist dafür, dass FileVault jetzt die komplette Festplatte verschlüsselt, statt nur das Home-Verzeichnis (was bei mobilen Rechnern durchaus praktisch ist) – auch wenn Apples Verschlüsselung nun für Leute, die sich auskennen, nicht unbedingt schwer zu knacken (Video beginnt ab 09:20 Min.) ist. Noob-Diebe sollten sich damit zumindest fünf Minuten länger schwer tun. 😉

Für alle, die sich den Programme-Ordner als Stapel ins Dock gezogen haben, ist die neue Launchpad-Anwendung übrigens hübsch, aber sinnlos – denn sie macht fast das gleiche, wie ein ins Dock gezogener Ordner: Den Programme-Ordner anzeigen und mit iOS-Funktionen wie der Gruppierung in Ordner durch „übereinander ziehen“ ermöglichen und das Ganze etwas hübscher darstellen.

Nun ja… ich gebe dem Löwen zunächst eine Chance und versuche mich an den scheinbar gestiegenen Leistungshunger zu gewöhnen. Vielleicht kommt alsbald ja auch 10.7.1 und löst einige der Leistungsschrauben. Sonst hilft wohl nur ein rollback auf das letzte SnowLeopard-Backup.

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