Und es hat gar keiner gemerkt…

On 10. Oktober 2011, in Gesellschaft, Persönliches, by Ingo

Ich muss wieder einmal über Facebook und die Art und Weise wie es zwischenmenschliche Beziehungen verändert nachdenken. Auf die Idee brachte mich, mehr oder weniger unfreiwillig, eine sehr gute Freundin von mir. Sie hatte vor einer Weile mal alle ihre Einträge und Fotos bei Facebook gelöscht – und war verwundert.

„Da lösch ich alles – und eine Woche lang fällt das gar niemandem auf. Glaubste es hätte sich einer gemeldet? Ein Einziger hat sich gemeldet und gefragt, was denn los wäre…“

Für mich ist das nun nicht verwunderlich. Ich beobachte die Profile meiner Kontakte nicht und ich zähle auch nicht ihre Fotos. Und wenn mal jemand sein Profilfoto löscht, dann dauert es meist nur ein paar Tage bis er ein neues hat. All das ist für mich nichts weiter ungewöhnliches. Deutet aber auf einen besonderen Umstand hin:

Wir sind es offenbar gewohnt, mit unseren „Freunden“ (Facebook-Kontakte sind selten echte Freunde) in Echtzeit zu kommunizieren. Zumindest von denen, mit denen wir regelmäßigen Kontakt haben, erwarten wir, dass wir bemerkt werden. Und das in recht kurzer Zeit. Wie war das eigentlich früher? Da haben wir uns alle noch in unregelmäßigen Abständen getroffen, uns Fotos gezeigt und über allerlei Erlebnisse geplaudert. Das alles fällt jetzt weg. Denn wir laden unsere Fotos sofort hoch, bekommen Kommentare dazu (oder auch nicht) und haben uns erschreckend wenig zu erzählen.

Wenn ich mal ernsthaft darüber nachdenke: Wie viel Kommunikation findet ernsthaft statt? Nachdem man alle Spiele (FarmVille und Co.) blockiert hat, weil die „Freunde“ nichts weiter von sich geben, als die Anforderung von irgendwelchen grünen Kühen, Holzbalken für Schweineställe oder Eier unbekannter Herkunft – nicht mehr sehr viel. Hin und wieder spamt jemand einen blöden, schmalzigen Spruch. Zeitweise meldet jemand, wo er war und was er da gemacht hat. Und hin und wieder kommt eine Sammlung von Partyfotos, auf der Menschen abgebildet sind die man nicht kennt, welche sich in einem Zustand befinden, in dem man nicht sein möchte. Aber sonst? Erschreckend wenig ernsthafte Kommunikation. Erschreckend wenig Austausch.

Gehe ich nun also vom reinen Nutzwert aus… nun ja… dann kann ich sagen, dass Facebook im Großen und Ganzen völlig unnütz ist und ich es vermutlich nur auf Grund des Gruppendrucks nutze. Man „muss halt dabei sein“.

Irgendwie ist das jetzt gerade noch ein Grund mehr, den Account da zu löschen. 🙂

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