Wie ich ja schon angekündigt hatte, habe ich nun einen Monat ohne Facebook zugebracht. Eine, wie ich fand, höchst entspannende Zeit. Um ehrlich zu sein: Ich hab’s nicht wirklich vermisst. Interessanter ist daher, wie mein erweiterter Bekanntenkreis so reagiert hat. 🙂

Eine hat sich tatsächlich nach einer Woche gemeldet und gefragt, ob denn alles OK wäre. Ich plötzlich offline? Da kann was nicht stimmen. Natürlich kam das per Facebook-Nachricht. Meine Antwort per SMS wurde ebenfalls wieder per Facebook-Nachricht beantwortet. Danach herrscht Schweigen.
Ganz ähnlich verhielt es sich mit einer anderen Bekannten. Die meldete sich via Facebook, ich antwortete per SMS, dass ich derweil keine Lust hätte, dass Onkel Zuckerberg meine private Kommunikation vollüberwacht – und der Rest ist Schweigen. Keine weiteren Reaktionen mehr (auch nicht, als ich dann später mal wieder die eine oder andere SMS schickte).

Der überwiegenden Großteil meines erweiterten, virtuellen, Bekanntenkreises verhielt sich geradewegs so wie üblich. Kommt nichts, was sie „liken“ oder kommentieren können, nehmen sie es offenbar gar nicht erst wahr. Und das, wovon ich meine, dass es „like- und kommentarwürdig“ wäre, wurde über die letzte Zeit hinweg ohnehin ignoriert.

Aber was sagt mir das nun? Es sagt mir, dass Facebook dergestalt in die private Kommunikation eingebunden zu sein scheint, dass viele gar keinen anderen Weg mehr benutzen (wollen). Es sagt mir aber auch, dass sie vermutlich gar nicht wissen, dass alle Nachrichten, die man so schreibt, analysiert und ausgewertet werden. Bis vor kurzem wusste ich auch noch nicht, dass Facebook einen „Happiness-Index“ hat, nach dem die aktuale Stimmung und psychologische Verfassung des Autors von Postings oder („privaten“) Nachrichten  bestimmt werden kann. Das dient dann dazu, zum ihm Werbeanzeigen zu präsentieren, die auf Produkte hinweisen, die ihn dann wieder individuell glücklich machen könnten (oder ihm psychologische Hilfe anbieten). Glaubt ihr nicht? Probiert’s doch mal aus. 🙂 Nichts leichter als das: Sucht euch einen Kommunikationspartner eurer Wahl und schreibt eine Reihe von Nachrichten in denen es um Depressionen und Selbstmordgedanken geht. 2-3 Tage sollten reichen. Danach schaltet ihr den Werbeblocker ab und lasst euch überraschen.

Deutlich wird daraus auch, dass Facebook die privaten Nachrichten wieder privat werden lassen sollte. Das diese Forderung illusorisch ist, weil sie damit dann ja kein Geld mehr verdienen, ist klar. Auf der anderen Seite scheint es genauso schwierig zu sein, die Leute dazu zu überzeugen, sich wieder auf althergebrachte Kommunikationswege zu besinnen. Auch wenn der große blaue Riese alles so schön „schnell und einfach“ macht. Es gibt aber auch noch einen dritten Weg, den ich bevorzugen werde, bis einer der anderen beiden beschreitbar wird: Mein erweiterter Bekanntenkreis wird in Zukunft schrecklich wenig Dinge von mir via Facebook erfahren. 🙂

One Response to Ein Monat ohne – das ernüchternde Fazit

  1. […] für die meisten von ihnen mittlerweile (leider!) eins der Hauptkommunikationsmittel. Mein „Ein Monat ohne“-Experiment zeigte allerdings auch, dass ich überhaupt nichts verpassen würde – und dass […]

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