1. Einleitung

Die moderne Reproduktionsmedizin wirft allerlei ethische Fragen auf. Medizinisch können wir über Leben eines Menschen bereits vor seiner Geburt, ja sogar vor seiner Zeugung entscheiden. Mit Hilfe der Pränataldiagnostik lässt sich im Mutterleib untersuchen, ob ein Kind möglicherweise mit schweren Behinderungen zur Welt kommen wird. Ist dies der Fall, so können sich die Eltern für eine Tötung des Fötus entscheiden. Ähnliches gilt für die künstliche Befruchtung. Die Präimplantationsdiagnostik geht sogar noch einen Schritt weiter, indem schon vor der Befruchtung Keimzellen selektiert werden können, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu Neugeborenen führen werden, welche frei von Erbkrankheiten sind. Eine solche Selektion der jeweiligen Embryos ist, jedoch ethisch noch fragwürdiger als die Abtreibung von potenziell schwerbehinderten Kindern.

Beide Fälle behandeln einen recht komplizierten Themenkomplex, bei dem es maßgeblich um die Potenzialität von Leben, speziell menschlichem Leben, geht. In der Diskussion wird diese Unterscheidung nicht immer sehr trennscharf durchgeführt, sodass hier ein besonderes Augenmerk darauf geworfen werden muss, wovon eigentlich die Rede ist, wenn von Schwangerschaftsabbrüchen und Pränataldiagnostik die Rede ist.

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich zweierlei Fragen nachgehen. Zum einen möchte ich die ethische Problematik der Abtreibung näher beleuchten. Ich will hier den Fragen nachgehen, ob und inwiefern die Tötung eines Fötus moralisch zulässig ist. Hier stellen sich zum einen Fragen danach, ob es zulässig ist, auf diese Art und Weise über ein zukünftiges Menschenleben zu entscheiden; zum anderen muss die utilitaristische Argumentationsstruktur untersucht werden, die behauptet, ein schwerbehindertes Kind (oder eine psychisch stark belastete Mutter) würde eher Unglück in die Welt bringen und ist damit schädlich für die allgemeine Glücksbilanz. Immerhin wird der Schwangerschaftsabbruch (auch der Spätabbruch) unter Hinweis auf die psychischen Folgen für die Mutter durchgeführt. Ein solcher Schwangerschaftsabbruch ist rechtswidrig, bleibt aber straffrei. Es lässt sich also sagen, dass man den Fötus abtötet, weil eine nachhaltige Gefahr besteht, dass die Mutter des Kindes unglücklich sein wird – wobei ich eine schwere Depression im Zusammenhang mit der Geburt eines schwerbehinderten oder durch Vergewaltigung gezeugten Kindes durchaus als Unglück bezeichne. Eine naheliegende Frage ist: Ist Glück überhaupt ein relevantes Kriterium, mit dem wir über Leben oder Tod eines zukünftigen Menschen entscheiden dürfen?

Nachdem ich mich all diesen Problemen gewidmet habe, möchte ich mich dem zweiten Themenkomplex, der künstlichen Befruchtung, zuwenden. In Amerika ist es, abhängig vom Bundesstaat, durchaus zulässig eine Vorauswahl betreffend der Eigenschaften der Föten zu machen. Hierzulande ist dies sogar strafbar. Ethisch ist es, wie ich in dem entsprechenden Abschnitt zeigen werde, unter verschiedenen Gesichtspunkten ein Problem. Interessant wird das Problem, wenn man es mit der Abtreibungsdebatte vergleicht. Die entscheidende Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt und auf die ich eine Antwort oder zumindest eine Präzision suchen möchte ist: Wenn es straffrei bleibt, ein schwerbehindertes Kind durch Abtreibung zu töten, warum ist es dann strafbar, ein Kind mit vorgegebenen Normwerten, wie Gesundheit, per künstlicher Befruchtung zu erzeugen? Unabhängig von der juristischen Betrachtung, die nicht Kern dieser Arbeit sein soll, scheint es sich hier um zwei unterschiedliche ethische Aspekte zu handeln, die ich näher beleuchten möchte. Wenn das Leben ein Wert an sich ist, und die Abtreibung allein deswegen umstritten ist, weil Leben beendet wird, dann müsste es doch positiv sein, wenn ein neuer Mensch gleich so auf die Welt kommt, dass er keine schweren Krankheiten oder Behinderungen hat.

Ich möchte mich im Rahmen dieser Arbeit also mit einem Vergleich zwischen der Abtreibungsdebatte und der künstlichen, selektiven, Befruchtung auseinandersetzen, um mich der Frage zu nähern, ob es nicht vielleicht besser wäre, die Präimplantationsdiagnostik im begrenzten Rahmen zuzulassen, um die Zahl der gesundheitslich bedingten Schwangerschaftsabbrüche zu reduzieren.

2. Der Schwangerschaftsabbruch

In diesem Abschnitt möchte ich mich hauptsächlich mit einer begrifflichen Schärfung dessen beschäftigen, was eigentlich gemeint ist, wenn von einem Schwangerschaftsabbruch die Rede ist. In der Diskussion gehen die Begriffe hier nämlich ein wenig durcheinander. So werden im Kontext der Debatten Begriffe wie Abbruch, Unterbrechung, Abtötung der Leibesfrucht, ja sogar Kindesmord, nahezu synonym benutzt – abhängig davon, ob es sich nun um das Lager der Abtreibungsbeführworter oder der -gegner handelt.

Diese sprachliche Ungenauigkeit macht eine sinnvolle Analyse des Problems schwieriger, sodass zunächst einmal genau herausgearbeitet werden muss, worüber wir eigentlich reden, wenn wir über das Beenden einer Schwangerschaft reden.

Zunächst gilt festzuhalten, dass wir von „töten“ und von „menschlichem Leben“ reden. Beides sind Begriffe, die nicht unbedingt deutlich sind. Hier lässt sich bei Anton Leist der Hinweis finden, dass nicht immer ganz genau klar wird, wovon denn die Rede ist, wenn man vom Töten eines Menschen oder, wie in der Debatte öfter verwedet, vom Töten menschlichem Lebens spricht. Getötet werden kann der Fötus nämlich entweder ganz bewusst und gezielt herbeiführen, wie es bei einem Schwangerschaftsabbruch der Fall ist. Man kann allerdings auch Handlungen in Betracht ziehen, die primär darauf abzielen, das Leben der Mutter zu schützen und dabei den Tod des Fötus billigend in Kauf nehmen. In diesem Fall stirbt der Fötus als Folge des Eingriffs, auch wenn das nicht der primäre Grund für eben diesen Eingriff ist.[1]

Ebenso wenig klar ist, was mit „menschlichem Leben“ gemeint ist. Der Begriff kann auf zweierlei Weisen verwendet werden. Zum einen kann man damit ein Lebewesen meinen, dass zur Spezies Homo sapiens gehört. Das würde alle Lebewesen einschließen, die genetisch dieser Kategorie zugeordnet werden können. Menschliches Leben kann einen vollständig entwickelten und gesunden Erwachsenen meinen. Also ein Lebewesen, das menschliche Eigenschaften, wie Rationalität, Emotionalität und Sprache hat. Ob allerdings alle oder nur ein paar dieser Eigenschaften notwendig sind, um als menschliches Leben durchzugehen, ist dabei nicht genau deutlich.[2] Im Rahmen der Debatte beziehen sich die jeweiligen Begriffe jedoch, unabhängig davon, ob die Spezieszugehörigkeit oder die menschlichen Eigenschaften gemeint sind, nicht auf einen Erwachsenen Menschen. Sie beziehen sich vielmehr auf den Embryo respektive den Fötus, welcher mit einem erwachsenen Menschen als gleichgesetzt betrachtet wird. Das ist irreführend. Die Rede bezieht sich auf etwas, dem das Potenzial innewohnt, sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu einer Person zu entwickeln. Auch die Rede vom „Fötus“, dem „Embryo“ oder dem „Ungeborenen“ ist verwirrend und wird nicht immer konsistent geführt. Hier hilft die Unterscheidung weiter:[3]

1. – 2. Woche: Präembryo

3. Woche: Dreiblättrige Keimscheibe

4. – 8. Woche: Embryo (Embrionalperiode)

3. – 9. Monat: Fötus (Fötalperiode)

Der Abbruch der Schwangerschaft meint nun eine willentliche Handlung, die zwei verschiedene Ziele zum Zweck haben kann: Entweder soll der Embryo getötet werden, weil die Schwangerschaft durch ein Verbrechen verursacht wurde (kriminologische Indikation). Die Schwangere und deren Familie weder finanziell noch sozial in der Lage wäre, das Kind aufwachsen zu lassen. Eine Fortsetzung der Schwangerschaft würde zu einer entsprechenden sozialen Notlage führen (soziale Indikation). Denkbar ist auch, dass das Leben oder die psychische Gesundheit der Schwangeren soll durch einen medizinischen Eingriff gerettet werden soll, wodurch der Tod des Fötus sicher vorhergesagt werden kann und billigend in Kauf genommen wird (medizinische Indikation). Damit wird die moralische Dimension deutlich. Ein natürlicher Abgang, welcher durchaus nicht selten vorkommt, stellt für die weiteren Überlegungen kein Problem dar. Im weiteren Verlauf wird also allein der willentlich herbeigeführte Tod von menschlichem Leben mit der Potenzialität zur Entwicklung zu einer vollwertigen Person zur Diskussion stehen.

2.1 Ethische Fragen

Grundsätzlich geht es in der Abtreibungsdebatte um zwei verschiedene Themenkomplexe. Zum einen steht das Verhältnis zwischen Leben und Tod in Frage. Zum anderen geht es um die Verhältnismäßigkeiten zwischen Interessen und der Qualität des (möglichen) Lebens auf beiden Seiten: Auf der Seite der Schwangeren stellen sich die Fragen, nach ihrer Lebensqualität: Wird die Schwangerschaft die Schwangere schweren Belastungen aussetzen? Besteht womöglich ein Gesundheitsrisiko für die Schwangere? Könnte sie, bedingt durch die Schwangerschaft sterben? Würde die Austragung des Kindes mit schweren Depressionen einhergehen, sofern es sich um eine durch Vergewaltigung verursachte Schwangerschaft handelt? Käme es auch ohne einen gewaltsamen Übergriff womöglich zu schweren Depressionen? Auf der Seite des Ungeborenen stellen sich Fragen wie: Ist es ein Übel, wenn man den Fötus tötet? Besteht ein Schutzrecht oder zumindest ein Tötungsverbot für das ungeborene Leben? Wie lässt sich dieses Leben genau klassifizieren? Hier stellen sich viele solcher offener Fragen, die einer ethischen Betrachtung harren. Ein Versuch, sie en détail zu beantwortet würde ganz offensichtlich den Rahmen dieser Arbeit sprengen, dennoch sollten sie nicht unerwähnt bleiben.

Wenn wir von dem Verhältnis zwischen Leben und Tod reden, dann ergeben sich Fragen danach, ob es ein Recht auf Leben geben kann und wer dieses Recht garantieren soll. Weiterhin stellt sich die Frage, ob ein menschliches Lebewesen schon ab dem Moment seiner Zeugung (hier kann nur die Spezieszugehörigkeit greifen) die gleichen Ansprüche auf Schutz haben kann, wie ein bereits geborener und womöglich schon erwachsener Mensch. Ebenfalls auf dem Prüfstein steht unsere Betrachtung des Todes. Es muss gefragt werden, ob dieser immer und in jeder Situation etwas Negatives ist. Ich würde es beispielsweise als moralisch unproblematisch betrachten, einen an unheilbarem Krebs erkrankten Menschen auf seinen eigenen Wunsch hin sterben zu lassen.

Ein naheliegender Gedanken ist beispielsweise, eher bereit zu sein, lebensverlängernde Maßnahmen – auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten – bei einem alten und an unheilbarem Krebs erkrankten Menschen abzubrechen, weil dies das Leid verringern würde. Bei einem Ungeborenen verhält es sich anders, selbst wenn er durch die Tötung nicht leiden würde, bzw. kein Leid erlebt. Immerhin kann man davon ausgehen, dass ein alter Mensch sein Leben schon hinter sich hat, ein Ungeborener es jedoch noch vor sich, weswegen es einen Unterschied macht, wessen Leben beendet wird.[4] Auch die Möglichkeit des Krebspatienten selbst darüber zu entscheiden, ob er sein Leben beendet wissen will oder nicht, macht einen Unterschied. Der Ungeborene hat hier keinerlei Möglichkeit sich zu äußern und ist dementsprechend der Entscheidung der Mutter und der Mediziner ausgeliefert. Um nun eine Bewertung des Problems vorzunehmen, will ich zunächst einmal Argumente der Abtreibungsbefürworter und der Gegner lediglich vorstellen, wobei ich keinen Anspruch auf die Vollständigkeit aller Argumente erhebe. Das Problem soll auch lediglich kurz umrissen werden, da eine vollständige Darstellung den Rahmen dieser Arbeit deutlich sprengen würde.

2.2 Argumente der Abtreibungsbefürworter

Die Befürworter des Schwangerschaftsabbruchs argumentieren meistens damit, dass die betroffenen Frauen in ihrer Freiheit eingeschränkt würden, wenn sie ein ungewolltes Kind austragen müssten. Das Recht auf die Entscheidung darüber, was mit dem eigenen Körper geschieht – auch wenn davon ein anderes Leben abhängt, wird als besonders hochwertig angesehen. Dabei spielt vor allem auch eine Rolle, dass die Frauen sich in der aktualen Berufswelt einem ausgesprochenen Konkurrenzdruck ausgesetzt sehen und somit einen sehr deutlichen Nachteil hinnehmen müssten, wenn sie ungewollt und vor allem ungeplant schwanger werden.

„Frauen haben durch ihre biologische Erzeugerfunktion innerhalb unserer Gesellschaft zahlreiche Nachteile hinzunehmen, die nur dadurch ausreichend kompensiert werden, daß ihnen vollständige Entscheidungsfreiheit im Fall der Abtreibung zugestanden wird. […] Erst in einer konkurrenzorientierten Gesellschaft erscheinen Frauen als ‘behindert‘ […] Umso mehr (so das Argument) sollte die Gesellschaft diese Chancenungleichheit auch kompensieren: und zwar mindestens durch bedingungslose Freigabe der Abtreibung.“[5]

Die Planbarkeit des Lebens und die damit verbundenen Freiheiten zur Entscheidung sind für die liberale Position der Abtreibungsbefürworter von besonderer Bedeutung. Bei einer Schwangerschaft, die durch Vergewaltigung zu Stande kommt, kommt eine psychologische Dimension hinzu. Es wird damit argumentiert, dass es der Frau nicht zumutbar ist, neben der einschneidenden Vergewaltigungserfahrung auch noch zusätzlich das Kind des Täters austragen zu müssen. Ein weiteres Argument ist, dass die Belastungen einer Schwangerschaft durchaus umfangreich sein können und damit das Leben der Schwangeren wohlmöglich über die Maße eingeschränkt wird. Eine Frau soll sich frei dafür entscheiden dürfen, ob sie sich dieser Belastungen ausgesetzt sehen will oder nicht.

2.3 Argumente der Abtreibungsgegner

Für die Gegner der Abtreibung spielen oft, aber nicht ausschließlich, religiös motivierte Gründe eine Rolle. Sie gehen davon aus, dass es per se falsch ist, menschliches Leben zu töten. Es wird damit argumentiert, dass menschliches Leben von Anfang an schützenswert ist. Selbst dann, wenn nicht besonders klar ist, wann menschliches Leben beginnt, denn es ist umstritten, ob dies bereits mit der Befruchtung der Eizelle oder erst mit der Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut oder gar erst bei der ersten Ausbildung einer Körperstruktur der Fall ist. Gegen eine Tötung, als „einfache“ Lösung, spricht ebenfalls, den Neugeborenen zur Adoption freizugeben.

2.4 Gegenüberstellung und ethische Betrachtung

Die zentralen Probleme der Abtreibungsdiskussion drehen sich maßgeblich um das bewusst herbeigeführte Ende eines Lebens, speziell eines Lebens, dem das Potenzial innewohnt, sich zu einer Person zu entwickeln. Diese besondere Form von Leben wird scheinbar intuitiv anders behandelt als ein erwachsener Mensch. Das wird insbesondere dadurch klar, dass es Leute geben kann, durchaus kein Problem mit (gerechten) Kriegen oder Todesstrafen haben, bei denen ebenfalls Menschen bewusst und willentlich getötet werden.

„Wenn man das Tötungsverbot nicht als absolut und kategorisch ansetzt – was auch die striktesten Abtreibungsgegner selten tun: immerhin erlauben sie oft Töten aus Notwehr, gerechte Kriege oder sogar Todesstrafe -, dann ist noch nicht ausgeschlossen, daß es bei bestimmten Formen des Interessenkonflikts erlaubt ist, abzutreiben.“[6]

Was ist nun aber das Besondere an einem ungeborenen Leben? Eins wird sehr deutlich: Es kann nicht über sich selbst entscheiden. Einem Fötus können an dieser Stelle eben auch nur potenzielle Interessen und Entscheidungen zugeschrieben werden. Das Argument ist also: Der Mensch, der sich einmal daraus entwickeln könnte, hätte das Interesse zu leben und nicht getöten zu werden. Deswegen darf man nicht abtreiben. Bei einem Soldaten in einem gerechten Krieg sähe es anders aus: Er weiß im Allgemeinen, worauf er sich einlässt und dass der Einsatz seinen Tod bedeuten könnte. Ähnliches gilt bei der Notwehr-Situation.Sofern man nicht absoluter Pazifist ist, der das Töten von Menschen als absolut und kategorisch falsch ansieht, kann man hier damit argumentieren, dass jemand, der einen anderen mit Tötungsabsicht angreift, sich der Gefahr bewusst sein kann, dass eine Verteidigungsreaktion mit tödlichem Ende ausgelöst werden kann. Und auch bei der Todesstrafe wird damit argumentiert, dass ein Täter ja schließlich eine entsprechende Strafe erwarten musste und somit seine Tat in vollem Bewusstsein über die Konsequenzen begangen hat.

In der christlichen Tradition, die im westlichen Kulturkreis nach wie vor vorherrschend ist, ist die Erbarmensethik und die Solidarität mit den Schwächsten besonders maßgeblich und daher ein Grund, warum Abtreibungen als unzulässig angesehen werden.[7] In der religiösen Argumentation wird das Leben außerdem von Gott gegeben. Es ist daher, christlich betrachtet, ein direkter Verstoß gegen Gottes Willen, wenn man ein Leben beendet.

Allein die Ohnmächtigkeit und die fehlende Entscheidungsfähigkeit zum Maßstab der Entscheidung zu machen, wäre aber zu kurz gegriffen. Es muss noch ein gewisser Grad an Leidensfähigkeit und Angst vor dem Tod hinzukommen. Der Tod und seine Betrachtungsweise ist ein zentraler Bestandteil der Abtreibungsdebatte. Es scheint innerhalb der Gesellschaft offenbar genau deswegen ein verstärktes Problem damit zu existieren, weil man den Tod als etwas negatives wahrnimmt – zumindest in manchen Situationen. Im Falle der Krebskranken, die ihr Leben großteils hinter sich hat und nur noch leidet, könnte man ihn als Erlösung ansehen. Im Falle des ungeborenen Lebens, geht man jedoch intuitiv davon aus, dass der Tod etwas negatives ist. Beide Fälle beziehen sich jeweils auf den vom Tod betroffenen, nicht primär auf die Angehörigen. Der Tod ist zunächst immer gut oder schlecht für denjenigen, der stirbt. Das gilt allerdings auch nur, solange man keine epikureische Position vertritt.Denn geht es nach Epikur, dann ist der Tod relativ neutral. Seine These wird unter anderem von Petra Gehring zitiert:

„Solange wir da sind, ist er [der Tod, pgg] nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Er hat also weder für die Lebenden noch für die Toten eine Bedeutung; denn für die einen ist er nicht da, die anderen sind für ihn nicht mehr da.“ (Epikur ca. 250 v. Chr., 125 [225, vgl. 130f, 238 f.])“[8]

Da ich somit in der Lage bin, dem Tod keinen absoluten Wert zuzuschreiben, wäre es meiner Ansicht nach vermessen zu behaupten, dass das Leben einen absoluten Wert hätte. Dass leben kein solcher Wert ist, zeigt schon die Tatsache, dass die Todesstrafe genauso Befürworter findet, wie auch Kriege. Damit besteht durchaus die Bereitschaft, einen Wert wie das Leben einzuschränken. Das Leben hat somit einen sehr hohen aber keineswegs einen absoluten Wert, eben weil finale Einschränkungen wie die bewusste Tötung durch eine Kriegshandlung oder juristische Sanktion durchaus geduldet werden.

Nun stellt sich die Frage, warum aber ein Fötus unter das Tötungsverbot fallen könnte, wenn wir von diesem Verbot Ausnahmen durchaus als zulässig erachten. Hier wird oft damit argumentiert, dass es sich bei einem Fötus potenziell um einen Menschen handelt. Meinen wir damit, dass es sich dabei um ein Wesen handelt, dass potenziell in der Lage ist, menschliche Eigenschaften auszuprägen – sofern alles gut geht und die Schwangerschaft positiv verläuft? Vor allem ein solches, dass im Gegensatz zu den oben erwähnten Kriegsopfern, nicht in der Lage wäre, eigenständige Entscheidungen zu treffen? Menschliche Eigenschaften sind hierbei diejenigen, die uns von weniger entwickelten Tieren unterscheidet, also Vernunft, die Ausprägung eines Willens, das Anstreben von Zielen, die Ausbildung einer Vielzahl verschiedener Emotionen und dergleichen mehr.

Diese Potenzialität ist ein Problem. Sie meint nämlich, dass der Fötus die Fähigkeit hat, sich zu einem Wesen zu entwickeln, dass menschliche Eigenschaften hat. Dabei ist diese Entwicklung gar nicht so sicher, wie die Aussage vermuten ließe. Es wäre hier also sicherer zunächst von einer gewissen Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass der Fötus überhaupt geboren wird und danach von einer Wahrscheinlichkeit, dass er zu einem Wesen mit menschlichen Eigenschaften entwickelt.

„Insgesamt steigt die Wahrscheinlichkeit für den Fötus, zu einem Neugeborenen zu werden. Von daher liegt eine graduell steigende Zunahme an Lebensschutz nahe, nicht jedoch ein punktuelles Einsetzen – und schon gar nicht ein punktuelles Einsetzen bei Befruchtung. Wenn man im Wahrscheinlichkeitsverlauf überhaupt einen Einschnitt sehen wollte, so irgendwann im 2. oder 3. Monat der Schwangerschaft.“[9]

Würden wir den Fötus also töten, töteten wir kein menschliches Wesen, sondern ein Wesen, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit im Laufe seiner Entwicklung geboren werden und menschliche Eigenschaften ausprägen könnte. Das reicht, in meine Augen, nicht, um ein absolutes Tötungsverbot gegenüber dem Fötus zu rechtfertigen. Wenn wir bei erwachsenen, voll entwickelten Menschen kein absolutes Tötungsverbot kennen, dann kann es für Wesen, die nur wahrscheinlich menschliche Eigenschaften ausprägen ebenso wenig absolut gelten. Denn immerhin werden Föten dann und nur dann zu Wesen mit menschlichen Eigenschaften, wenn ihre Entwicklung normal verläuft und sie tatsächlich ohne Komplikationen als gesunde Neugeborene zur Welt kommen.

Damit nicht genug. Wenn der moralische Status des Fötus betrachtet werden soll, dann müssen wir uns weiterhin die Frage gefallen lassen, ob wir ihm etwas Schlechtes tun, wenn wir ihn töten. Immerhin ist der Tod für den Betroffenen, wie oben erwähnt, ein Übel (sofern man nicht gerade Epikureer ist), zumal er ihn um sein höchstes Gut, das Leben, bringt. Mit Parfit oder Nagel könnten wir nun aber fragen, ob wir jemandem überhaupt etwas Gutes tun, wenn wir seine Existenz verursachen – und somit auch, ob wir ihm ein Übel tun, wenn wir es verursachen, dass er nicht existiert.[10] Dass wir dem Fötus ein Übel zufügen, schließe ich aus. Das lässt sich auch recht eindeutig begründen: Ich muss in der Lage sein, Kategorien für ein Gut und ein Übel zu haben, um erfahren zu können. Der Fötus hat keinerlei solche Kategorien. Es handelt sich vielmehr um eine Form des Lebens ohne Bewusstseinszustände. Wenn der Tod also ein Übel für denjenigen ist, der ihn erleidet, weil er ihn um sein höchstes Gut, das Leben bringt, dann kann dies auf den Fötus kaum zutreffen, denn jener verfügt nicht über die Kategorien „Gut“ und „Übel“. Für den Fötus gibt es nichts, was er als hohes oder gar höchstes Gut wahrnehmen könnte; immerhin kann von einer Wahrnehmung, wie derjenigen, die eine erwachsene Person hat, nicht gesprochen werden. Auf Seiten des Fötus kann hier also kaum angenommen werden, dass ihm ein Übel zustößt, wenn wir ihn töten. Im Gegenteil: Angenommen, es handelt sich um einen Menschen, der mit schweren Behinderungen zur Welt kommen würde, so könnte er uns durchaus später Vorwürfe machen, dass wir seine Existenz verursacht und ihm somit ein lebenslanges Leid zugefügt haben. Allein dies wäre aber zu kurz gedacht. Weiterhin können wir überlegen, wie es sich mit den Angehörigen verhält. Hier ist zunächst die Mutter, als allernächste Angehörige zu betrachten. Da es sich bei einem Schwangerschaftsabbruch um einen Vorgang handelt, der direkt mit dem Körper der Mutter zu tun hat und diese sich einer eingehenden Beratung zu unterziehen hat, ist naheliegend zu fragen, ob ihr ein Übel zugefügt wird. Sofern sich die Mutter bewusst und freiwillig für den Abbruch der Schwangerschaft und damit zur Tötung des Fötus entscheidet, ist hier grundlegend nicht von einem Übel auszugehen. Dennoch bleiben psychologische Wechselwirkungen erhalten. So fühlen sich einige Frauen tatsächlich nach einer erfolgreichen Abtreibung erleichtert, viele empfinde aber auch Schuldgefühle und Scham.

„Ein kleiner Teil der Frauen fühlt sich zunächst entlastet, ist fast gehobener Stimmung. Erst nach Tagen, manchmal Wochen, kommt es zu teils offenbaren Beschwerden, teils untergründlichen Auseinandersetzungen mit destruktiven Träumen, Fehlleistungen (wie Unfällen) oder vermutlich psychosomatisch zu verstehenden körperlichen Symptomen. […] Bei den manifesten Störungen handlet es sich vor allem um Schuldgefühle, gepaart mit Schuldvorwürfen (Delegationen) gegen betroffene Partner, weiterhin um Ängste vor Strafe und Verlust und um Angstträume. Dazu gehören auch depressive Reaktionen wie beim Verlust eines geborenen Menschen und indirekte Trauergedanken („Wenn ich Kinder sehe, werde ich traurig“). Dazu kommen verschiedenartigen Verstimmungen (Reizbarkeit, Verärgerung, Depression), jedoch kaum ein eigentlicher intensiver Trauerprozeß.

Wenige Frauen verkraften die Abtreibung so schlecht, daß sie den Schwangerschaftsabbruch durch eine geplante Schwangerschaft wieder “rückgängig machen“.“ [11]

Es lässt sich also sehr wohl sagen, dass der Tod des Fötus für einen Teil der betroffenen Frauen ein Übel darstellt. Ziehen wir nun diese Frauen in den Kontext der moralischen Betrachtung. Sollte das Tötungsverbot auf den Fötus ausgeweitet werden, weil der Tod des Fötus für einige Frauen ein Übel darstellt? Auch dies lässt sich verneinen. Es handelt sich dabei um ein Übel, dass sich die betroffenen Frauen selbst und nach ausgiebiger Beratung bewusst zufügen. Ganz allgemein erscheint es nicht sehr sinnvoll, ein Verbot auszusprechen, dass sich auf ein Übel bezieht, welches Menschen sich selbst zufügen könnten. Mit einer ähnlichen Argumentation könnten jegliche anderen Dinge, die ebenfalls Leid nach sich ziehen und die Menschen sich selbst (nach ausgiebiger Beratung oder auch nur intensivem Nachdenken) zufügen könnten, verboten werden. Hier würde, der liberalen Argumentation folgend, allerdings die Freiheit selbst über das eigene Wohl und Wehe entscheiden zu dürfen, deutlich zu stark beschnitten. Da, wie eingangs erwähnt, der Tod primär als Übel für denjenigen angesehen wird, der ihn erleidet, sind die betroffenen Frauen hier eher sekundär von einem Übel betroffen. Das macht es keineswegs „weniger schlimm“, kann aber auch nicht als Rechtfertigung für eine Ausweitung des Tötungsverbotes auf Föten dienen, denn dazu ist es schlicht zu schwach. Eine ähnliche Argumentation kann auch auf den Partner der Schwangeren angewandt werden. Dieser kann zwar ebenfalls unter dem Verlust leiden, erleidet aber nicht die mit dem Eingriff und ist auch, rein biologisch, nicht so eng mit dem Fötus verbunden.

In den Kreis der sekundär von einem Übel betroffenen zählen auch die Ärzte und Krankenschwestern, welche den Eingriff letzten Endes durchführen müssen. Für sie ist das eine besondere Belastung; immerhin ist es die Aufgabe des Arztes, das Leben zu erhalten und zu schützen – insbesondere durch den Hippokratischen Eid sind sie dazu verpflichtet, die Leibesfrucht zu erhalten. Ärzte, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, handeln also ihren ethischen Grundsätzen zuwider. Für Mediziner ist es dementsprechend ein besonders schwerwiegendes Übel.

„Aus der Humanembryologie und aus der pränatalen Psychologie wissen wir inzwischen: Der Mensch ist von Anfang an Mensch, auch wenn er immer ein Werdender ist. Auch für 70 Prozent der befragten Ärzte beginnt das Menschenleben spätestens mit der Nidation. Sie empfinden die Abtreibung deshalb auch zu 75 Prozent als Tötung eines Menschenlebens.“[12]

Bei Petersen finden sich zudem weitere Hinweise darauf, dass Frauenärzte und Arzthelferinnen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, unter einem schweren, psychologischen Druck leiden. Sie müssen die Teile des Kindes sehen und nachzählen, ob sie vollständig entfernt wurden, leiden unter Albträumen, empfinden hilflose Wut, Trauer und Schuldgefühle, weil sie sich in ihrer Rolle als Mediziner missbraucht fühlen.[13]

Klar wird, dass es sich bei dem Schwangerschaftsabbruch für den durchführenden Arzt durchaus um ein Übel handelt. Das Gut, das beeinträchtigt wird, ist seine moralische Konsistenz – denn er muss gegen seinen Berufseid verstoßen und empfindet psychologisches Leid bei der Durchführung des Abbruchs. Eignet sich dieses, ebenfalls sekundäre, Übel aber, um ein Tötungsverbot gegenüber Föten zu rechtfertigen? Auch hier wäre es vermutlich zu weitgehend. Würde der Abbruch nicht durch erfahrene Ärzte durchgeführt werden, so würden die Schwangeren, insbesondere diejenigen, die sich in einer Notlage befinden, womöglich auf anderem Wege einen Schwangerschaftsabbruch herbeiführen. Denkt man an unqualifizierte „Hinterhofkliniken“ oder sogenannte „Engelmacher“, bei denen weder die Ausstattung noch die hygienischen Bedingungen optimal sind, so würde dies womöglich stärkere Konsequenzen nach sich ziehen, als die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs durch einen qualifizierten Arzt.

2.5 Schlussfolgerungen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Tötungsverbot gegenüber Föten zu weit gehen würde. Wenn wir den Fötus töten, dann tun wir ihm kein Übel an, denn er verfügt noch nicht über die Kapazität zwischen Gut und Übel überhaupt unterscheiden zu können. Auf der Ebene der Person, die der Fötus vielleicht einmal werden könnte, lässt sich sagen, dass es nicht schlimm ist, die Nichtexistenz von jemandem zu verursachen. Da die Person eben nicht existiert, kann sie das auch nicht bedauern. Ihr wird also direkt kein Leid zugefügt. Auf sekundärer Ebene sind da allerdings die betroffenen Frauen, Partner und Ärzte, die an dem Eingriff beteiligt sind oder ihn sogar vornehmen. Ihnen wird zwar ein Übel zugefügt, dieses ist aber nicht vergleichbar mit der Tötung. Es wird also kein „höchstes Gut“ beeinträchtigt. Das zugefügte Übel lässt sich damit kategorisch unterordnen.

Ein überwiegender Teil der Schwangerschaftsabbrüche wird vorgenommen, weil das zu erwartende Kind möglicherweise schwerbehindert sein wird. Hier greift die medizinische Indikation, die der Mutter schwere psychologische Schäden zuschreibt, wenn sie mit einem dermaßen schwerbehinderten Kind belastet werden würde. In Anbetracht des zwar sekundären aber dennoch nicht geringen Übels, welches Angehörigen und Ärzten durch den Schwangerschaftsabbruch zugefügt wird, lässt sich weiter fragen, ob es nicht vielleicht besser wäre, statt den Fötus zu töten, einen gesunden Fötus künstlich zu erschaffen. Mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik ist es technisch durchaus möglich, einen Fötus zu erzeugen, der vorgegebene Eigenschaften haben kann. Hiergegen sträuben sich allerdings weit mehr Leute, als es bei der Debatte um die Abtreibung der Fall ist. Das scheint auf den ersten Blick verständlich; ich möchte allerdings die Überlegung anstellen, ob eine Liberalisierung der Präimplantationsdiagnostik nicht auch moralisch problemloser wäre, als die Tötung von potenziell schwerbehinderten Föten.

3. Präimplantationsdiagnostik

Bei der Präimplantationsdiagnostik handelt es sich um eines der Mittel, die der Menschenerzeugung dienen. Das Ziel der PID ist es, einen Embryo zu erzeugen, der mit großer Wahrscheinlichkeit frei von Erbkrankheiten ist. Das ist kein Garant dafür, dass auch ein gesunder Neugeborener zur Welt kommt; immerhin können noch während der Schwangerschaft zahlreiche Probleme auftreten. Die Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Kind wird aber drastisch erhöht. Der Begriff „Menschenerzeugung“ wirkt nur auf den ersten Blick provokant. Die Erklärung dafür, dass der Begriff durchaus richtig gewählt ist, liegt in der technischen Natur des Verfahrens. Im Rahmen der PID, wie sie aktuell Anwendung findet, werden Embryos durch künstliche Befruchtung in vitro erzeugt. Bereits hier kann schon eine Auswahl der verwendeten Keimzellen stattfinden. Das Ausgangsmaterial kann also bereits im Hinblick auf seine Eignung ausgewählt werden. Durch die künstliche Befruchtung in vitro wird eine Reihe Embryos erschaffen, die unter natürlichen Umständen womöglich niemals zustande gekommen wären. Diese Embryos werden dann wiederum auf ihre gewünschten Eigenschaften hin untersucht. Diejenigen, die nicht die gewünschten Eigenschaften haben werden „verworfen“ – mit anderen Worten: Man lässt sie sterben.

Von den so erzeugten Embryos werden maximal drei in die Gebärmutter eingepflanzt. Dieses Limit dient dazu, eine erfolgreiche Schwangerschaft wahrscheinlicher zu machen. Immerhin liegt die Wahrscheinlichkeit für eine wirklich erfolgreiche Schwangerschaft, respektive der Einnistung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut, auch unter ganz natürlichen Zeugungsbedingungen, bei lediglich 25%.

Wenn Menschen nun auf diese Art und Weise künstlich erzeugt werden, was in Deutschland unzulässig ist, wirft dies verschiedene Probleme auf, die ich in diesem Kapitel diskutieren möchte. Es stellen sich Fragen nach der Zulässigkeit eines so intensiven Eingriffs in die menschliche Natur. Weiterhin wird die Menschenwürde von einigen Philosophen in Frage gestellt, zumal ein durch PID erschaffener Mensch, ihrer Ansicht nach, ganz offenbar keinen Selbstzweck mehr haben kann, da er nur noch ein Produkt ist. Diesen Gedanken möchte ich aufgreifen und hinterfragen.

3.1 Der Produktionscharakter der Präimplandationsdiagnostik

Wenn wir von Produktion reden, dann meinen wir damit die gezielte, zweckbestimmte Erzeugung eines Dings. Ich produziere in diesem Moment diesen Text. Meine Ziele sind dabei recht eindeutig: Zum einen will ich damit meine eingangs gestellte Frage, ob es besser wäre Leben zu erschaffen als es zu töten, besser verständlich machen. Zum anderen intendiere ich natürlich eine gute Benotung dieser Arbeit. Und vielleicht rege ich damit auch noch andere Leser, sofern es sie geben wird, zum Nachdenken an. Ich habe also gute Gründe für die Produktion meiner Arbeit, die durchaus eigennützig sind. Mein Produkt entsteht somit keineswegs um seiner selbst willen. Strukturell lässt sich dieses Schema grundsätzlich wiederfinden, wenn es um die Erzeugung von Dingen und auch Tieren und Pflanzen geht. Wir erschaffen, vermittels Kreuzung oder Gentechnik, Pflanzen, die gegen Pestizide resistent sind. Was Lebewesen angeht, so lassen sich zum Beispiel Kühe anführen. Diese sind so geschaffen, dass sie beispielsweise der maximierten Milchproduktion dienen.

Es lässt sich also festhalten, dass sich das, was wir erzeugen, unserem Zweck unterwirf. Das gilt nicht nur für Gegenstände, Pflanzen und Tiere, sondern auch für Kunstwerke etc. Immerhin dient auch ein Kunstwerk einem Zweck. Zum einen will der Künstler damit etwas ausdrücken, zum anderen kann es den Betrachter inspirieren. Es hat in jedem Fall eine Wirkung, die damit bezweckt wird. Und sei es auch nur die, dass der Erschaffer des Kunstwerkes sein eigenes Seelenleben damit zum Ausdruck bringen will. Ja, selbst dann, wenn jemand in einer Vorlesung nur scheinbar sinnlos auf ein Blatt Papier kritzelt, dann erfüllt dieses Gekritzel die Funktion, sich die Langeweile zu vertreiben oder sich zu unterhalten.

Die Präimplantationsdiagnostik hat an dieser Stelle ganz eindeutig den Charakter eines Produktionsvorganges. Die Embryos werden nach gezielten Charakteristika, nämlich ihrer genetischen Ausstattung, künstlich erschaffen. Ihre Auswahl basiert, im günstigsten Falle, darauf, dass die daraus möglicherweise entstehenden Menschen frei von Erbkrankheiten und Behinderungen sein werden. Die problematische Frage an dieser Tatsache ist, ob allein diese Vorgabe, gesund zur Welt zu kommen, die auf diese Art und Weise erzeugten Menschen bereits ihres Selbstzweckes und somit ihrer Menschenwürde beraubt? Ich denke nicht, dass das der Fall ist.

3.2 Die Würde künstlich erschaffener Menschen

Wenn wir von Selbstzwecken und Menschenwürde reden, dann gehen wir davon aus, dass ein Mensch sich selbst einen Zweck gibt. Wir sehen genau dann ein Problem mit der Menschenwürde, wenn die Menschen einem fremden Zweck unterworfen werden. So ist beispielsweise das Abschießen von Flugzeugen, die von Terroristen entführt wurden, nicht mit der Menschenwürde vereinbar, weil das Leben der Menschen im Flugzeug einem anderen Zweck, nämlich der Rettung anderer Menschen am Boden, untergeordnet werden würde. Hier würde man die Menschen ihres Selbstzweckes berauben. Gilt das nun aber auch, wenn wir einen Menschen künstlich erzeugen, der frei von Krankheiten ist?

Da der Mensch sich selbst einen Zweck gibt, trifft das auch auf die zukünftige Person zu, unabhängig davon, auf welche Art und Weise sie entstanden ist. Die Frage ist nämlich, ab wann sich der Mensch selbst einen Zweck geben kann. Die Behauptung der Gegner der PID ist, dass ein Mensch, der künstlich erzeugt wurde, bereits von vornherein keinen eigenen Zweck haben kann.

„Mit der Erzeugung eines so und so beschaffenen Menschen verbinden seine Erzeuger die und die Absicht, den und den Zweck. Das aber heißt: Der gentechnisch erzeugte Mensch ist eo ipso ein substantiell instrumentalisierter Mensch. Aus der Perspektive der Erzeuger gewinnt sein Dasein seinen Wert aus seiner Brauchbarkeit für diesen oder jenen Zweck […].“[14]

Das Argument mag dann zutreffen, wenn man Menschen mit besonderen Eigenschaften erzeugen möchte, damit man ihn dann später einem bestimmten Zweck unterwerfen kann. Würde man also Embryos danach auswählen, dass die daraus möglicherweise entstehenden Menschen einen besonders ausgeprägten Muskelaufbau haben und würde man diese Menschen, sofern sie wirklich entstünden, dann nach ihrer Geburt gezielt dazu erziehen und ausbilden besonders kräftige Bauarbeiter zu werden, dann und nur dann würde man ihnen in der Tat ihren Selbstzweck nehmen.

Wenn nun aber einfach nur ein Embryo mit bestimmten, phänotypischen Eigenschaften erzeugt wird, dann heißt das für die sich daraus möglicherweise entwickelnde Person noch gar nichts. So, wie wir niemandem ein Übel zufügen, wenn wir seine Nichtexistenz verursachen, so fügen wir auch kein Übel oder ein Gut zu, wenn wir eine Existenz mit bestimmten Eigenschaften verursachen. Es liegt nämlich nach wie vor in den sozialen Umständen begründet, zu welcher Art von Person sich der auf diese Weise erschaffene Mensch entwickelt. Tatsache ist, dass eine bestimmte physiologische Ausstattung, wie beispielsweise die Freiheit von Krankheiten, noch nicht die Entwicklung der Person vorherbestimmt. Es wäre an dieser Stelle zynisch zu behaupten, dass die Freiheit von Krankheit und somit die Freiheit von Leid schlecht für die Entwicklung einer Person wäre. Der Umkehrschluss wäre nämlich, dass Krankheit und Leid notwendig sind, um eine freie, selbstbestimmte Person werden zu können.

Eine andere Behauptung ist, dass der so erzeugte Mensch gar nicht existieren würde, wenn er nicht im Dienste der Verwirklichung einer Produkt-Konzeption stünde.

„Ohne den Wunsch des Bio-Ingenieurs (und seines Auftraggebers), jene Konzeption zu realisieren, würde dieser Mensch – der Embryo, in den genetisch eingegriffen wird –nicht existieren. Sein Dasein steht also im Dienst der Verwirklichung der genetisch programmierten Produkt-Konzeption.“ [15]

Das ist sicher richtig. Wenn ich nun aber auf die Suche nach einer Frau gehe, die mit großer Sicherheit die von mir gewünschten, genetischen Eigenschaften (ich kann im Rahmen einer längeren Beziehung durchaus herausfinden, welche phänotypischen Eigenschaften innerhalb der Familie dominant ausgeprägt werden, wenn ich mir beispielsweise Fotoalben ansehe) hat, um ein Kind zu zeugen, das mit großer Wahrscheinlichkeit genau den von mir gewünschten Eigenschaften entspricht, dürfte das selbe Argument Gültigkeit haben. Ohne meinen Wunsch, ein Kind mit diesen und jenen Eigenschaften zu zeugen, würde dieser Mensch ebenfalls nicht existieren. Dennoch scheint es nicht verwerflich zu sein, die familiäre Ausgangssituation des zu zeugenden Kindes durch genaue Untersuchungen der Herkunftsfamilien zu bestimmen. Intuitiv wird klar, dass hier eine viel grundsätzlichere Frage im Raum steht: Warum verursachen wir überhaupt die Existenz von Menschen? Kaum um ihrer selbst willen, schließlich existiert ja noch gar kein Mensch, der einen Willen haben könnte. Ich gehe also so weit zu behaupten, dass kein Mensch auf der Welt jemals geboren worden ist, ohne dass es jemanden gibt, der seine Existenz auf irgendeine Art und Weise intendiert hat. Eine Ausnahme würden hier allein diejenigen Kinder darstellen, die geboren wurden, obwohl Mittel zur Empfängnisverhütung eingesetzt worden sind, denn hier ist die Intention recht deutlich, kein Kind bekommen zu wollen.

3.3 Notwendige Einschränkungen bei der Menschenerzeugung

Aus dem Vorangegangenen wird deutlich, dass das ethische Problem der PID nicht darin begründet liegen kann, dass es sich um ein Verfahren handelt, mit dem Menschen gezielt erzeugt werden können. Problematischer scheint daher den Eingriff in die menschlichen Eigenschaften zu sein, die vermittels PID gezielt ausgewählt werden können. Das Argument, dass der Mensch der Natur nicht ins Handwerk pfuschen dürfe, greift hier nicht. Immerhin passt der Mensch schon seit Jahrtausenden die Natur an und modifiziert die Umwelt auf durchaus einschneidende Art und Weise. Diese Eingriffe manipulieren die Form und Funktion von existierenden Menschen, wenn beispielsweise die Lebensqualität durch die Implantation von künstlichen Gelenken, Herzschrittmachern oder ähnlichen Dingen verbessert wird. Warum also sollte die Lebensqualität von Menschen, die noch nicht existieren, aber möglicherweise existieren werden, nicht ebenfalls künstlich verbessert werden dürfen? Es gibt dafür zunächst keinen einleuchtenden Grund, weswegen man dies unterlassen sollte.

Das vorangehend Gesagte gilt dann, wenn es bei der PID lediglich darum geht, Menschen zu erzeugen, die frei von Behinderungen und Krankheiten sind. In einem solchen Fall entsteht ein Mensch, dem eine potenzielle Einschränkung fehlt. Problematisch wird die Erzeugung von Menschen, wenn es darum geht, sie entweder mit künstlichen Einschränkungen oder mit Eigenschaften zu erzeugen, die in der Natur nicht vorkommen. So gib es beispielsweise taubstumme Eltern, welche die Begehrlichkeit haben, dass auch ihre Kinder taubstumm zur Welt kommen, weil sie das für eine besondere Form der Lebensqualität halten. Auch die Idee, Menschen mit mehr als nur zwei Armen zu erschaffen, um so produktivere Arbeit zu ermöglichen, kursierte bereits in Forscherkreisen. Intuitiv würde ich diese Begehrlichkeiten zurückweisen. Ich will versuchen, diese Intuition zu begründen.

Erschafft man einen Menschen, der frei von Krankheit und Behinderung zur Welt kommt, so ist seine übrige Entwicklung ihm selbst überlassen. Ein Eingriff, der allerdings zur Folge hat, dass bedeutsame Eigenschaften (wie der Gehörsinn) schlicht nicht vorhanden sind oder das Hinzufügen von Gliedmaßen unterwirft den Menschen, der da möglicherweise entstehen wird, definitiv einem fremden Zweck. Hier sind dann nicht mehr alle Möglichkeiten offen. Ein Mensch, der bewusst taubstumm erzeugt wird, ist beispielsweise deutlich in seinen Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt. Er hat auch gar nicht die Wahl, seine Möglichkeiten zu nutzen, denn seine Erzeuger bestimmen für ihn, dass seine Möglichkeiten eingeschränkt sein sollen. Damit wird er ganz eindeutig einem fremden Zweck untergeordnet, nämlich dem seiner Erzeuger. Das ist zweifellos mit der Menschenwürde unvereinbar.

4. Schlussfolgerungen

Wie ich im ersten Teil der Arbeit gezeigt habe, lässt sich ein Tötungsverbot für Föten nicht rechtfertigen. Wenn man einen Embryo oder einen Fötus tötet, dann fügt man niemandem ein direktes Leid zu. In der Diskussion wird regelmäßig damit argumentiert, dass man den Fötus und den erwachsenen Menschen gleichsetzen könnte. Wie ich gezeigt habe, ist das nicht möglich. Allein die Spezieszugehörigkeit des Fötus greift nicht weit genug; die Stipulierung von menschlichen Eigenschaften wie Vernunft und Wahrnehmung geht fehlt. Ebenso lässt sich zwar sagen, dass sich der Fötus, wenn man ihn lässt, mit steigender Wahrscheinlichkeit zu einem Lebewesen mit menschlichen Eigenschaften entwickelt. Da diese Wahrscheinlichkeit allerdings bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (etwa um den 2. oder 3. Monat nach Befruchtung der Eizelle) noch sehr gering ist, ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man einen (poetenziellen!) Menschen tötet sehr gering. Die in der Bundesrepublik geltende Fristenlösung ist somit moralisch problemlos. Genauso ist fraglich, ob der Fötus selbst unter Schmerzen leiden würde, wenn man ihn tötet. Schmerzen sind eine mentale Repräsentation und eine derartige Repräsentationsfähigkeit kann bei einem Entwicklungsstand von vielleicht 2 Monaten ausgeschlossen werden. Schlussendlich lässt sich sagen, dass man dem Fötus direkt kein Leid und keinen Schmerz zufügt, wenn man ihn tötet. Was die Person angeht, so wird keiner Person ein Übel angetan, wenn man verhindert, dass sie existiert. Ein Übel kann man nur existierenden Personen antun. Im Gegensatz zu Parfit würde ich allerdings sagen, dass es nicht möglich ist, „die Nichtexistenz zu verursachen“. Vielmehr verhindert man die Existenz. Und eben genau das ist nicht, was ein Leid zufügt, da nur existierende Personen in irgendeiner Form leiden können.

Wie ich ebenfalls herausgearbeitet habe, gibt es jedoch noch zwei andere beteiligte Parteien, die unter der Tötung des Fötus leiden können, nämlich die Schwangeren und die Ärzte, die die Operation durchführen. Dieses Leid ließe sich durch die künstliche Erzeugung von Embryos, die ohne Erbkrankheiten angelegt werden, minimieren. Hier muss allerdings ganz deutlich gesagt werden, dass bei der künstlichen Erzeugung ebenfalls nur die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen eines gesunden Neugeborenen stark erhöht. Die Argumentation, dass es der Menschenwürde zuwiderlaufen würde, wenn man einen Fötus künstlich erzeugt, kann meines Erachtens so nicht gehalten werden. Sicherlich ist es richtig, dass man den Fötus selektiert und ggf. sogar so manipuliert, dass er einem fremden Zweck unterworfen ist. Dieser Zweck besteht allerdings darin, mit möglichst großer Wahrscheinlichkeit keine Erbkrankheiten auszubilden. In der Tat wird Kant aber, von denen, die einen Verstoß gegen die Menschenwürde daran festmachen, dass jemand als Mittel zu einem Zweck gebraucht wird, zu stark gelesen. So schreibt er in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten „Der Mensch aber ist keine Sache, mithin nicht etwas, das bloß als Mittel gebraucht werden kann, sondern muß bei allen seinen Handlungen jederzeit als Zweck an sich selbst betrachtet werden.“ [16] Kant selbst betont den Gebrauch eines Menschen als bloßes Mittel. Hier muss man sich, in Bezug auf die Präimplantationsdiagnostik zwei Fragen gefallen lassen: Wird ein künstlich erzeugter und selektierter Fötus für irgendetwas zum Gebrauchsgegenstand gemacht? Und ist er ein bloßes Mittel zu einem Zweck, der nicht sein eigener ist? Beides kann, im Falle normaler Eltern, die sich ein gesundes Kind wünschen, verneint werden. [17] Der zukünftige Mensch bekommt mit Hilfe von künstlicher Befruchtung und Präimplantationsdiagnostik lediglich die (deutlich) besseren Chancen, ohne Erbkrankheiten auf die Welt zu kommen. Das macht ihn noch nicht zum Gebrauchsgegenstand für irgendeinen Zweck. Immerhin kann er, sofern alles wie geplant läuft, sich nach wie vor wie ein ganz normaler Mensch entwickeln, aufwachsen und sozialisiert werden. Er wird nicht, nur weil er keine Erbkrankheiten oder Behinderungen hat, keinen freien Willen und keine freie Entscheidungsfähigkeit mehr haben. Das anzunehmen ist schlicht falsch. Genauso falsch ist die Annahme, dass ein künstlich erzeugter Mensch keinen eigenen Zweck mehr verfolgt. Immerhin reden wir von der Erzeugung, nicht von der Erziehung. Somit bekommt ein mit Hilfe von künstlicher Befruchtung und Präimplantationsdiagnostik erzeugter Mensch lediglich optimierte Startbedingungen. Was er aus seinem Leben macht und wie er es führen wird, liegt nicht in der Hand der Genetiker oder Mediziner.

Ich habe allerdings auch deutlich gemacht, dass die Menschenerzeugung ihre Grenzen haben kann. Wenn beispielsweise taubstumme Eltern ihre Kinder ebenfalls taubstumm zur Welt kommen lassen wollen, weil sie es für eine besondere Form der Lebensqualität halten, dann geht dies deutlich zu weit. Hier ist die Einschränkung in den Möglichkeiten, die dieser zukünftige Mensch haben wird, so groß, dass nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass er mehr ist, als ein bloßes Mittel zu einem Zweck. Er würde dann nämlich dazu funktionalisiert, so zu sein, wie ein anderer ihn haben will – mit allen Einschränkungen, die dies mitbringt. Ähnliches gilt für das künstliche Hinzufügen von Eigenschaften, wie größerer Muskelaufbau oder größere Intelligenz. Wenn es Eltern darauf anlegen, ihr zukünftiges Kind auf die entsprechende Art und Weise zu gestalten, dann ist davon auszugehen, dass sie es auch entsprechend fördern, erziehen und ausbilden wollen. Genau das ist ein Problem: Hier würde dann nämlich der Lebensweg eines Menschen schon vor seiner Zeugung determiniert. Sicherlich hindert niemand Eltern daran, auch ein natürlich geborenes Kind früh zu fördern, pädagogisch auf es einzuwirken und in jungen Jahren auf ein bestimmtes, von ihnen festgelegtes Ziel, hin zu trainieren – aber auch das wäre ethisch verwerflich, zumal es das Kind seiner Menschenwürde beraubte und ihn einem fremden Zweck unterwürfe.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass zukünftige Neugeborene, sofern sie durch künstliche Befruchtung und Präimplantationsdiagnostik erzeugt werden, ethisch unproblematisch sind, solange sie nur dazu eingesetzt wird, die Risiken für schwere Behinderungen oder Erbkrankheiten zu minimieren. Gänzlich aus der Welt schaffen lassen sich diese Risiken wohlweißlich nicht, zumal auch noch während der Schwangerschaft spontane Mutationen und äußere Einflüsse negative Auswirkungen auf den Fötus haben können. Jede Manipulation, die darüber hinausgeht, ist allerdings als unzulässig zu betrachten, da sie den Menschen definitiv einem fremden Zweck unterwerfen und zum bloßen Mittel machen würden.

5. Literatur

Petersen, Peter (1992) „Seelische Verarbeitung des Schwangerschaftsabbruchs bei der Frau, beim Mann und bei durchführenden Ärzten“.

Pfürtner, Stephan H. (1992) „Ethische Aspekte des Schwangerschaftsaabruchs

In: Prof. Dr. iur. utr. Dr. h.c. Albin Eser, M. C. J. (Hrsg.), Ethik der Menschlichen Fortpflanzung (, S. 123-147). Stuttgart Ferdinand Enke Verlag

Müller, Anselm Winfried (2004). In: (Hrsg.), „Lasst uns Menschen machen!“ – Ansprüche der Gentechnik – Einspruch der Vernunft. Stuttgart W. Kohlhammer Druckerei GmbH

Gehring, Petra (2010). Theorien des Todes – zur Einführung. Hamburg, Junius Verlag GmbH

Harris, John (1988) „Wrongful Birth“. In: David R. Bromhabm, Maureen E. Dalton, Jennifer C. Jackson (Hrsg.), Philosophical Ethic in Reproductive Medicine (S. 156-177). Manchester and New York, Manchester University Press

Kant, Immanuel (1962), Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, S. 48-72 (426-447 AA). Der Philosophischen Bibliothek Band 41 (Unveränderter Nachdruck 1962 der 3. Auflage). Karl Vorländer (Hrsg.), Hamburg, Verlag von Felix Meiner

Leist, Anton (1990), Eine Frage des Lebens: Ethik der Abtreibung und der künstlichen Befruchtung. Frankfurt am Main/New York, Campus Verlag

 

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. Leist 1990, S. 26-27
  2. ebd. S. 59-60
  3. Ebd. S. 24
  4. Ein eher utilitaristisches Gegenargument wäre, zu sagen: Der alte Mensch hat viel mehr Erfahrungen im Laufe seines Lebens gesammelt, daher ist er „wertvoller“ und sein Leben müsste um so dringender erhalten werden.
  5. Leist 1990, S. 37
  6. Leist 1990, S. 19-20
  7. „Sie knüpfen damit an die prophetische Tradition des Juden- und Christentums an, den Schwächsten in der Kette des Lebens Hilfe in ihrer Gebrechlichkeit zu bringen. Das Ethos des Erbarmens und der Solidarität mit den Ohnmächtigen gibt es so nicht in der griechisch-römischen Antike. Es ist die biblische Wirkungsgeschichte, die uns dieses Humanitätserbe eingebracht hat.“(Pfürtner 1990, S. 103)
  8. Gehring 2010, S. 51
  9. Leist 1990, S. 87
  10. Harris 1988, S. 160-161
  11. Petersen 1992, S. 125-126
  12. Petersen 1992, S. 131
  13. ebd, S. 134
  14. Müller 2004, S. 142
  15. Müller 2004, S. 140
  16. Kant 1962, GdM S.52 (429 AA)
  17. Sicherlich sind hier Szenarien wie die künstliche Erzeugung von Föten mit bestimmten Eigenschaften für die militärische Forschung denkbar – jene sind aber nicht das Thema dieser Arbeit.

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