„Irgendwie sind all die Aufschreie schon wieder recht schnell verklungen“, dachte ich eben und fragte das große Orakel zu St. Google um Rat. Und siehe da – vor knapp 19 Stunden machte die Welt sich ein eigenes Sexismus-Problem. Komplimente machen soll nun eine sexistische Handlung sein? Vielleicht habe ich den Begriff nicht ganz richtig verstanden (also mag man mich korrigieren), aber aus meiner Sicht der Dinge, handelt es sich um Sexismus, wenn eine Person auf Grund ihres Geschlechtes besser oder schlechter behandelt wird, als eine andere Person eines anderen Geschlechtes. Also im Großen und Ganzen positive oder negative Diskriminierung basierend auf biologischen Geschlechtsmerkmalen.

Und was ist nun ein Kompliment? Ich will meinen, es handelt sich um eine Äußerung, mit der bekundet werden soll, dass einer Person an einer anderen etwas positiv auffällt. Und wenn sich dieses Kompliment nun auf oberflächliche und äußerliche Tatbestände bezieht? Auch hier würde ich lediglich sagen: Es ist ein Geschmacksurteil. Nicht viel mehr und nicht viel weniger als die Äußerung darüber, dass etwas für gut befunden wird. Ist das dann schon eine positive Diskriminierung? Nur, weil ich sage, dass mir etwas gefällt? Ich denke nicht. Ich denke, hier macht die Welt etwas zu einem Problem, das eigentlich keins ist. Zumindest kein sexistisches.

Es ist vielmehr ein Problem mit der Oberflächlichkeit. Einen Mann dafür loben, dass er sich einen Bart hat wachsen lassen? Eine Frau für ihre neue Frisur loben? Dafür, dass er oder sie tolle neue Kleidung hat? Oder dafür, dass er oder sie  sich neuerdings sportlich betätigt und abgenommen hat? Nun – all das sind vielleicht ab und an teuer erkaufte Dinge (Friseure, Fitness-Studios und Bekleidungsgeschäfte sind nicht gerade darauf aus, wirtschaftlich schlecht da stehen zu wollen), aber eine lobenswerte Leistung für die ein Kompliment angebracht wäre, ist es sicher nicht. Möglicherweise nutze ich hier einen zu engen Kompliment-Begriff, denn für mich ist es nichts anderes als das Aussprechend eines Lobes in Bezug auf etwas, dass der Person, die es ausspricht, besonders gefällt. Komplimente betrachte ich somit als subjektiv, wohingegen ein Lob allgemein durchaus objektiven Charakter haben kann. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ich kann eine Person für ihr soziales Engagement loben. Dabei muss es mir nicht gefallen, sondern kann rein objektiv als Leistung für sich stehen. Ein Kompliment hängt aber immer mit subjektivem Gefallen zusammen und das, wofür ich ein Kompliment ausspreche, muss keine besondere Leistung sein; es muss auch niemandem anderen außer mir gefallen.
Insofern haben wir bei dem, von der Welt thematisierten Kompliment, also lediglich ein oberflächliches Lob für etwas, das nicht jede(r) für lobenswert erachtet. Und ein selbstgemachtes Sexismus-Problem, dass eigentlich gar keins ist.

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