Nachdem ich ja mit der Begründung, warum man Tiere eben doch essen darf, gründlich gescheitert bin, gönnte ich mir eine gehörige Portion Opportunismus und beschloss, mich dann doch mal näher mit dem Veganismus zu beschäftigen. Dazu trugen nun viele verschiedene Überlegungen bei, die ich hier nicht im Einzelnen ausbreiten will (zumindest noch nicht, bzw. erst dann, wenn sie den Status von „intuitiv“ zu „fundiert“ gewechselt haben). Sicher ist zumindest, dass Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne nichts damit zu tun hat. 😉

Nun, zumindest stellte ich meine Ernährung (wieder einmal) grundlegend um und auf den Kopf. Solcherlei Dinge mache ich in regelmäßigen Abständen. Immer mal wieder was Neues, könnte man sagen. Bei der Gelegenheit durchstöberte ich das Netz nach „Futterquellen“, denn der Bioladen um die Ecke hat zwar alles, was das Herz begehrt, ist aber verhältnismäßig teuer. Nun, viel günstiger wird es offenbar nicht – dafür fand ich einen tollen Versandhandel für vegetarische Lebensmittel und allem, was es sonst so drumherum gibt. Und so bestellte ich dann direkt mal einen Monatsvorrat an vegetarischem Kauleistengenuss und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Und siehe da – der Versand ging flott und – total niedlich – die Rechnung war in einer Art Dankesbriefumschlag versteckt, ein paar Leckereien gab es auch noch als Gratisbeilage dazu… sie verstehen es auf jeden Fall, ihre Kunden glücklich zu machen.
Die beigelegten Werbeprospekte hatten allerdings eher den gegenteiligen Effekt. Klar: Sie möchten direkt Werbung für die vegetarische Ernährungsweise machen, denn immerhin verdienen sie ihr Geld damit. Allerdings haben sie vermutlich nicht so ganz verstanden, wie Werbung geht. Werbung soll Positives hervorheben, anpreisen und Dinge als toll verkaufen, von denen kein Mensch wirklich glaubt, dass sie wirklich essenziell wichtig sind. Die beigelegten Prospekte, Zeitschriften und Flyer zeigten aber etwas völlig anders: Nicht etwa die positiven, tollen, coolen und zeitgemäßen Seiten des Vegetarismus, sondern vielmehr die boshaften, ekligen, gemeinen, abstoßenden und ungesunden Seiten des Fleischessens.

Da lagen also Ausgaben der „Veggie Times“ des Vebu bei und eine Ausgabe des Magazins „Kochen ohne Knochen„.  Und was soll ich sagen? Statt positive, friedfertige Informationen dazu zu liefern, wie man sich denn nun effektiv vegetarisch ernähren kann (was gerade für Einsteiger ins Thema, der ich zum Glück nicht bin, ziemlich wichtig sein kann), strotzen diese Magazine nur so vor Anprangerungen. Tiere die leiden und gequält werden, deren Schlachtprozeduren mit emotionalisierendem Vokabular möglichst brutal dargestellt werden, Fotos von Massentierhaltung (die harmlose Variante, ich hab schon schlimmere gesehen, aber die kann man vermutlich nicht ohne schlechtes Gewissen abdrucken) und immer und überall der gleiche Konsens: Fleisch essen ist schlecht. Fleisch essen ist ungesund. Fleisch essen ist verwerflich. Fleisch essen ist böse.

Derartiger Verbalmilitarismus löst in mir allerdings keine sonderlich positive Stimmung aus. Es führt eher dazu, dass ich nicht zu derart aggressiven Menschen dazugezählt werden möchte. Und es ist klar, dass hier direkt gesagt werden kann „Aber Fleischfresser sind ja noch viel aggressiver, oder hältst du Tiere töten etwa für friedfertig?“. Darum geht’s mir aber gar nicht, denn es geht allein um den Ton, der die Musik macht.

Ob es Magazine von Fleisch-Verbänden gibt, die sich abfällig über Vegetarier äußern? Weil die ihnen das Geschäft kaputt machen oder so? Und die im Gegenzug Studien veröffentlichen, in denen dargestellt, wie gesund und toll und energiereich doch der Fleischverzehr ist?

Ich werd‘ jetzt nicht aus Protest zum Massentierhaltungsschnitzel greifen. Aber ich werde die „Veggie-Szene“ wohl mal ein wenig kritisch beäugen müssen.

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