Ich beschäftige mich ja durchaus mehr oder weniger intensiv mit dem, was ich so esse und denke dabei durchaus darüber nach, wie Nahrungsketten, Nährstoffe, Lebensmittelproduktion und Co. zusammenhängen. Bis vor kurzem durchaus relativ unkritisch. Aber wie das so ist: Je mehr verschiedene Informationen so auf mich einprasseln, desto differenzierter wird meine Ansicht – und desto polemischer reagiere ich manchmal. Dabei polemisiere ich meist,weil es die einfachste Art ist, auch Andere zum Nachdenken zu bringen. Menschen müssen irritiert werden, damit sie nachdenken – eine ganz einfache Strategie, der sich Medien, Werbung, Politik und Co. regelmäßig bedienen, wenn hier und da mal wieder einer neuer Skandal aus dem Boden gestampft wird. Eigentlich bekannte Mechanismen. Und eigentlich sollte simples Schulwissen schon die kritische Frage „Wer profitiert?“ verfestigt haben, wenn es um die Betrachtung von Medienerzeugnissen geht. Nun, das hier ist ein Medienerzeugnis. Profitiere ich davon? Vermutlich nicht. Ich denke nur öffentlich nach. Und hoffe vielleicht, dass noch andere zum Nachdenken angeregt werden.

Die vegetarisch-vegane Bio-Industrie

Bevor ich ein Produkt verkaufen kann, muss ich erst einmal herausfinden, ob es einen Markt dafür gibt. Gibt es keinen, kann ich versuchen, einen zu erschaffen, indem ich mir geschickte Werbestrategien einfallen lasse. Die Veggie-Industrie macht das unter anderem mit einem biologistischen Argument, in dem behauptet wird, der Mensch wäre ja von Natur aus ein Pflanzenfresser und es wäre total unnatürlich, Fleisch zu essen. Das ließe sich allein schon durch die Kieferform und die Zähne belegen. Nun, wir haben durchaus Mahlzähne, mit denen wir Nahrung zerquetzen können – aber auch Schneidezähne, mit denen wir Fleisch zerkleinern können. Was nämlich bei all diesen Argumenten ignoriert wird, ist, dass der Mensch sich im Laufe der Evolution dazu entwickelt hat, seine Nahrung nicht mehr unverarbeitet zu sich nehmen zu können. Man mag es aber durchaus probieren, in eine Ähre Weizen zu beißen. Schnell käme die Feststellung zu Tage, dass es nicht nur nicht schmeckt, sondern zudem auch der Verdauung nicht all zu förderlich ist. Nicht ohne Grund trennen wir sprichwörtlich die Spreu vom Weizen, stellen Mehl her und verbacken es zu Brot. Ganz ähnlich ist es mit Fleisch: Selbst wenn ein Mensch es schaffen würde, so ein Schwein mit bloßen Händen zu töten (die Tierchen sind durchaus robust und mit einem Durchschnittsgewicht von 120 kg schwerer als manch ein Mensch), wäre es recht witzlos zu versuchen, ein Stück aus dem toten Tier herauszubeißen. Ganz davon abgesehen, dass wir rohe Tierproteine auch gar nicht verdauen könnten. Das ist aber auch kein Argument für das Pflanzenfresserdasein, sondern eher für die Verarbeitung der Produkte. Ich habe mal von einer Studie gelesen, dass sich das menschliche Gehirn allein deswegen so entwickeln konnte, wie es das tat, weil wir angefangen haben, Nahrung zuzubereiten und zu kochen. Rohkost schädigt somit wortwörtlich das Gehirn.
Eine andere Werbemasche ist das Geschäft mit der Oberflächlichkeit und gesellschaftlichen Vorurteilen. Vegetarier sind schlanker, leben gesünder und länger und überhaupt sind sie viel energischer bei der Sache. Ich habe dazu einen kleinen Selbstversuch unternommen. Nachdem ich all meine Körperwerte (Gewicht, Körperfettanteil, Muskelanteil, Kalorienbedarf und – umsatz) über einen längeren Zeitraum genau gemessen, beobachtet und analysiert habe und mich abwechselnd rein vegetarisch und „ganz normal“ ernährt habe, stellte ich fest, dass es überhaupt gar keinen Unterschied für die rein biologischen Werte macht. Ich hätte ja bei der vegetarischen Ernährung abnehmen müssen, wenn Vegetarier grundsätzlich einen geringeren BMI haben (der übrigens auch ein rein willkürlicher Wert ist) und schlanker sind. Was übrig bleibt ist eine Werbebotschaft: „Lebt vegetarisch, denn wenn ihr Fleisch esst, ernährt ihr euch falsch. Und wir zeigen euch, wie man diesen Fehler korrigiert.“
Es ist schon erstaunlich, wie eine ansonsten recht gut funktionierende Evolution einen so gravierenden Fehler machen kann, Allesfresser zu entwickeln, die vorzugsweise verarbeitete Nahrung zu sich nehmen. Noch erstaunlicher ist es, dass die Ergebnisse dieser Evolution von sich selbst behaupten, dass sie Fehlerhaft wären – dabei überleben „Fehler“ in der Natur eigentlich gar nicht wirklich lang. 😉

Ethik-Terrorismus

Eine andere Art und Weise, mit der Produkte an den Mann oder die Frau gebracht werden könne, ist es, die Konkurrenzprodukte madig zu machen. Immer mal wieder produzieren Tierschützer Videos von schrecklichen Dingen: Da werden Tiere in der Massentierhaltung gezeigt, die sich gegenseitig tottrampeln, verbeißen, Schwielen und Wunden haben, die brutal behandelt werden, in Schlachtbetrieben am lebendigen Leibe ausgeweidet werden und allerlei ekliges Zeug. Das appelliert an unsere ethischen und moralischen Grundsätze. Kein empfindungsfähiges Wesen sollte so behandelt werden.
Nun, der kleine Medienwissenschaftler in meinem Hinterkopf merkt dazu an, dass Medien nur produziert und veröffentlicht werden, wenn es jemanden gibt, der sich dafür interessiert. Interesse wird erzeugt, in dem möglichst emotionalisierende Inhalte präsentiert werden; je mehr Aufmerksamkeit und je mehr etwas auf die Spitze getrieben wird, desto besser. Oder glaubt ihr, der Titel dieses Artikels ist nur rein zufällig so reißerisch? Genau: Er soll Aufmerksamkeit erzeugen und die Leute dazu animieren, ihn zu lesen. Gleichzeitig erzeugen diese Videos und Fotos Angst und Ekel. Nichts anderes, als das, was Kernelemente des Terrorismus sind. Hier jedoch mit einem ethisch aufgeladenen Thema, statt mit einer politischen Motivation.

Der Fehlschluss, der dabei immer mal wieder gern ignoriert wird ist ein recht simpler: Es wird ein „pars pro toto“ präsentiert. Vereinzelte Beispiele werden immer mal wieder herbeigeholt um auf eine dramatische Situation aufmerksam zu machen. Dabei erzeugt das Gehirn der Rezipienten den Schluss: Wenn man so oft mit so grausamen Bildern konfrontiert wird, dann geht es überall in der Fleischindustrie so zu. Ein Schluss vom Teil zum Ganzen ist aber nicht immer richtig. Es gibt durchaus sehr seriöse Studien über unschöne Zustände in der fleischverarbeitenden Industrie. Wenn man sich aber mal Medienbeiträge im Fernsehen oder im Internet ansieht, dann stellt man recht schnell fest, dass verschiedene Sendeanstalten immer die gleichen Bild-Beiträge verwenden. Man bekommt immer die gleichen Bilder zu sehen, die, schnippelt man sie zusammen, aus ein und dem gleichen Gesamt-Video stammen. Erstaunlich ist auch, dass meistens der Datumscode fehlt. Man weiß nie, wie alt die Aufnahmen sind. Ebenfalls wird nie gesagt oder gezeigt, woher sie überhaupt stammen. Mit anderen Worten: Die Medien präsentieren schockierende Aufnahmen ohne Belege und Quellenangaben! Letztlich, um damit Aufmerksamkeit zu erzeugen, denn damit verdient man als Journalist Geld. Ansonsten könnte man auch das, was man zu schreiben gedenkt, einfach in das Tagebuch schreiben und da lassen. Will man seine Schreiberei aber verkaufen, dann braucht es schon etwas, dass andere auch lesen wollen und wofür ein Verleger bereit ist, zu bezahlen, damit er seinerseits Geld mit Werbung (oder öffentlich-rechtlicher Verteilung) verdienen kann.

Genauso gut könnte ich ins Kino gehen, Paranormal Activity sehen, und darauf hin von der Existenz von Geistern überzeugt sein, denn ich habe ja überzeugend aussehende, schockierende Bilder gesehen – und die haben sogar eine Quellenangabe und wurden freundlicherweise von Hollywood-Regisseuren aufbereitet und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Nun, egal ob man nun Fleisch- oder Pflanzenfresser ist: In beiden Fällen handelt es sich um Industrieprodukte für die es Werbe- und Lobbystrategien gibt. Gesünder, richtiger oder falscher, moralisch einwandfreier ist keine der beiden Ernährungsweisen. Fakt bleibt, dass kein Medieninhalt produziert wird, wenn kein Profit oder zumindest Aufmerksamkeit davon erwartet wird. Und natürlich schreib ich, damit die Leute auf meine Flattr-Buttons klicken, bis ihnen schwindlig wird und ich so viel Aufmerksamkeit erzeuge, um mit internationalen Vorträgen reich und berühmt zu werden. Warum denn auch sonst? 😉

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