Wenn ich die digitale Höhen, Tiefen und Winkel der Welt so durchstreife, stoße ich unweigerlich auf Menschen, die wissen wollen, was ich denn so mache. Also: Beruflich, privat, hobbymäßig. Ja, was mache ich eigentlich so? Meine offline-Bekannten (also die paar Leute, die ich tatsächlich außerhalb von leuchtenden Plastekästen kenne) würden jetzt sagen „irgendwas mit Computern und so“ oder „du machst doch da sowas mit Medien…“ Ja, irgendwie mache ich was mit Computern und mit Medien. Irgendwie bin ich (Online-)Medium. Und irgendwo bin ich Philosoph. Nicht selten bekomme ich daher auch zu hören, ich dächte über Sachen nach, auf die mein Gegenüber ja im Leben nicht gekommen wäre. Gern auch kommentiert mit einem mehr oder weniger abfälligen „Worüber du dir alles Gedanken machst…“, wenn es um den neusten kleinen Datenschutzskandal geht.

Ja was denn nun? Mhm… Naja, einerseits habe ich mich mit einer Kommilitonin aus dem Seminarraum heraus selbstständig gemacht und ein kleines Online-Blogazin (also eine Mischung aus Blog und Magazin) gegründet. Und als Teil der Medienwelt produzieren wir Wirklichkeiten. Andererseits beschäftige ich mich philosophisch mit den Fragen danach, was unsere hübsch vernetzte Welt im innersten zusammenhält. Wie „intelligent“ Maschinen sein können (sie können es nicht all zu sehr) und wie selbstständig sie handeln können (auch das geht nicht sonderlich gut). Und vor allem, welche Konsequenzen das alles für unsere Gesellschaft hat, die mehr und mehr von digitaler und vor allem vernetzter Technologie abhängig ist. Also im Großen und Ganzen gehen mir Dinge durch den Kopf, die ziemlich aktuell und bedeutsam sind. Also bin ich Philosoph. Und Journalist. Zumindest ein bisschen.

„Und damit kann man Geld verdienen?“ Kommt darauf hin nicht selten die Frage. Nein. Kann man nicht. Noch nicht. Zumindest hatte ich noch keine Gelegenheit dazu, mich danach umzusehen, ob es einen Markt für die philosophische Betrachtung von vernetzten Systemen, Datenschutz, moralischen Fragen in und um soziale Netze, security, privacy  und dergleichen gibt. Vielleicht sollte ich eine eigene Consulting-Firma gründen.

„Bist du Hacker?“ Ich glaube nicht. Zumindest würde ich lauthals vermuten, dass mich echte Hacker eher auslachen würden, was meine zwar umfangreichen aber dann im Vergleich doch eher begrenzten technischen Kenntnisse angeht. Nun, vielleicht bin ich ein Philo-Hacker. Ich habe nämlich die Angewohnheit, philosophische Theorien für etwas anderes zu benutzen, als sie eigentlich mal gedacht waren, um digitale Phänomene damit zu erklären. Zumindest ist die Eigenschaft, etwas gegebenes zu nehmen, damit herumzuexperimentieren und etwas völlig neues daraus zu machen (oder es einfach gänzlich anders zu benutzen, als eigentlich mal gedacht) so eine recht klassische Hacker-Eigenschaft. Aber sonst? Nein, ich glaube nicht.

„Du bist ja total der Nerd.“ Oh ja! Und das sogar mit Inbrunst und Freude! Ich liebe Technologie! Ich liebe es, stundenlang an einem Rechner zu sitzen und einfach nur Sachen damit auszuprobieren. Oder mir neue Handys anzusehen und damit rumzuspielen, allein, um zu gucken, wie sie denn so funktionieren. Oder die Dinge einfach nur benutzen, weil es sie gibt.

Also, irgendwie bin ich all das gleichzeitig. Medienmacher und gleichzeitig Medienkritiker, Philosoph, Nerd, Gamer und Idealist. In den Club der Porsche-Fahrer komme ich damit wohl nicht. Aber das ist vermutlich auch gar nicht so schlimm. 🙂

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