Ein Freund von mir schickte mir eben einen Link zu einem Artikel bei Spiegel-Online, in dem das Wiederverkaufsverbot und die damit verbundene Zerstörung der ersten Testmodelle von Googles Datenbrille thematisiert wurden. Mehr oder weniger melancholisch fragte er:

„Beängstigend… ist das die Welt, die du dir wünschst…?“

Nach einer kurzen Erklärung meinte ich dazu nur:

„Nein. Es ist die Welt in der ich aufgwachsen bin.“

Warum? Nun ja: Das einzig Neue daran ist, dass Google hergeht und sich für einen Beta-Test bezahlen lässt, statt die Geräte kostenlos an Tester zu verteilen. Wie manche vielleicht wissen, sind Beta-Tests nicht gerade sehr günstig. Es braucht die Geräte, Menschen die sie ausprobieren, in allerlei Situationen benutzen, Rückmeldung über Fehler geben, Probleme dokumentieren, ein Team, dass diese Protokolle auswertet, Fehler beseitigt und und und. Was Google da macht ist aus ökonomischer Sicht genial: Sie haben Leute gefunden, die (und ich bitte um Entschuldigung), so bescheuert sind, etwa den hundertfachen Preis der Materialkosten zu für ein Testgerät zu bezahlen und bekommen trotzdem die Telemetrie, Fehlermeldungen und Real-Life-Einsatzdaten frei Haus geliefert.

Dabei ist es überhaupt nichts ungewöhnliches, dass für Dinge nur Nutzungsrechte eingeräumt werden. Seit über 30 Jahren verkauft Microsoft erfolgreich Lizenzen für Windows, Office und Co. Nichts von der Software, die ich nutze, gehört mir wirklich. Ich habe nur das Recht, sie benutzen zu dürfen. Millionen Menschen haben einen Account bei Facebook – und da kaum jemand die Nutzungsbedingungen liest, wissen die wenigsten davon, dass alles, was sie über diese Software verbreiten, nicht mehr ihnen, sondern der Firma gehört. Aber sie benutzen es, es erfüllt seinen Zweck und alle sind zufrieden damit. Wenn ich ein Auto lease, dann gehört es mir ja auch nicht wirklich. Ich kann es nach einem Jahr auslösen – oder einfach als Jahreswagen wieder zurückgeben und ein anderes Auto leasen. Die Wohnung in der ich lebe, gehört mir auch nicht. Ich bezahle aber monatlich einen Geldbetrag dafür, sie benutzen zu dürfen. Wir sind schon seit Jahrzehnten auf diese „Nur-User-Mentalität“ getrimmt – und ich gehe so weit zu behaupten, dass auch eine Linux-Installation auf dem heimischen PC nicht viel daran ändert. Immerhin ist das dann Software, die zwar frei ist und die ich vielleicht auch kostenlos zur Verfügung gestellt bekomme, aber genau darum geht’s: Ich bekomme sie zur Verfügung gestellt. Irgendwer hat sie gemacht und erlaubt mir, es zu benutzen und ggf. zu verändern, wenn ich alle anderen an meinen Änderungen teilhaben lasse. Das Benutzendürfen hat also auch hier Bedingungen.

Es ist also überhaupt kein Novum. Es ist alter Wein in Schläuchen des 21. Jahrhunderts. Und genau darum kann ich sagen: Es ist nicht die Welt, wie ich sie mir wünsche. Es ist die Welt in der ich aufgwachsen bin.

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