Weltprobleme

On 5. Mai 2013, in Persönliches, Philosophie, by Ingo

Eine junge Dame meinte kürzlich zu mir, sie möge die Philosophie nicht so. Zum Einen wären die Philosophen, die sie kennt, allesamt eher Rechthaberisch und mit Scheuklappendenken ausgestattet – zum Anderen hätte sie gar keine Lust, die Probleme der Welt zu lösen, sondern viel lieber erst mal ihre eigenen. Mich macht das wieder mal nachdenklich. Klar, was sollte ich als Philosoph auch sonst tun? 😉

Rechthaberei und Scheuklappendenken? Ich vermute, das liegt am Handwerkszeug. Mit dem Kopf voll Logik denkt es sich viel leichter in „richtig“ und „falsch“, hinter jeder Ecke lauert ein Fehlschluss und überhaupt will jeder seine Position ja so gut wie möglich verteidigen. Was auch sonst? Wenn es aber so viele sind, die sich so verhalten, dann gibt es da scheinbar ein Problem. Liebe Kollegen… hört doch mal auf, Recht haben zu wollen. „Die Wahrheit“ als begründete Meinung scheint ja ohnehin dasjenige zu sein, worauf sich die meisten einigen können. Immerhin gibt’s ja keine „letzte Begründung“, die noch irgendwie nachvollziehbar wäre.

Aber Weltprobleme lösen? Wir Philosophen? Wir erschaffen sie ja erstmal! Wobei: Eigentlich erschaffen wir nur die Werkzeuge, mit denen dann die Menschen loslaufen und Probleme machen. Wir erfanden die Demokratie – und die Menschen gingen los, führten Kriege und blutige Kämpfe, um die Welt zu demokratisieren. Schon kamen wir wieder ins Spiel und sagten „Moment Freunde, bitte benutzt unsere Werkzeuge doch nicht so!“ – und stellten nebenbei fest, das es für Kriege Regeln geben muss, dass es so etwas wie Gerechtigkeit und Moral gibt, die doch bitte zu beachten sind. Zudem sind Mehrheitsdemokratien auch nicht gerecht, denn sie unterdrücken Minderheiten und schon Seneca wusste, dass viele, die das gleiche behaupten, noch lange nicht die Wahrheit sagen, sondern einfach nur die gleiche Meinung teilen.

Nein, nein…. also – wir Philosophen sind ganz schlechte Problemlöser. Wir sind dafür viel bessere Problemversteher – und so ein Problem verstanden zu haben, ist ja schon mal was. Gelöst wird das Problem dann aber von denjenigen, die sich praktisch damit beschäftigen.

Aber, eine Bitte habe ich dann doch noch: Wenn wir euch demnächst die Weltprobleme erklären und Werkzeuge vorschlagen, mit denen man sie angehen kann – benutzt sie bitte nicht, ohne vorher die Anleitung gelesen und verstanden zu haben. Sonst geht nur mehr kaputt, als nötig wäre.

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