Kaum lässt der britische Geheimdienst diverse Festplatten beim Guardian vernichten, ist die Aufschreierei im Netz groß. Ich frage mich dabei: Was haben die denn gedacht, was passieren würde? Geheimdienste sind nunmal keine demokratischen Organisationen. Im Gegenteil: Sie sollen die Demokratie mit undemokratischen Maßnahmen schützen. Quasi überpolitisch. Da verschwinden schon mal Menschen. Und Daten. Es ist natürlich bezeichnend, dass die Festplatten zerstört worden sind. Vermutlich haben die Kollegen beim Guardian die Snowden-Daten schon ausgelagert und extern gespeichert.

Blöd wäre, wenn sie die Daten im Internet verteilt haben. Wir erinnern uns: Der britische Geheimdienst zapft das Netz im großen Stil ab. Es ist eine Kleinigkeit, die Daten, die da gerade extern ausgelagert werden sollen, gar nicht an ihrem eigentlichen Zielort zu speichern, sondern den Datenverkehr einfach umzuleiten. Wir erinnern uns, dass eine derartige Technologie schon bei uns in Deutschland bei der Verteilung des Bundestrojaners im Gespräch war. Wenn die Daten also über das vollkontrollierte Internet ausgelagert worden sind, dann ist die Vernichtung der Festplatten völlig verständlich. Dann existiert diese Sicherheitskopie nämlich nicht etwa da, wo die Guardian-Journalisten vermuten, wo sie ist, sondern auf irgendeinem Geheimdienstserver, weil der Datenstrom beim Upload umgeleitet wurde.

Eine Sicherheitskopie zu Hause aufzubewahren wäre genauso sinnlos. Wenn ich ein Geheimdienst wäre, wäre mein erster Schritt eine Überwachung der Wohnungen der Journalisten. In so eine Wohnung einzubrechen und in eine (womöglich unverschlüsselte) Festplatte, ist nun kein großes Problem. Bei dem zerstörten Computer handelte es sich um ein MacBook Pro. Da ist dann die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass die Journalisten auch privat mit Apple-Computern arbeiten. Wir erinnern uns: Apple steht auch auf der Liste derjenigen, die Daten an die NSA ausliefern. Denken wir weiter: Ein Mac lässt sich mit FileVault verschlüsseln. Den Schlüssel dafür berechnet allerdings MacOS. Mit anderen Worten: Apple stellt freundlicherweise einen Schlüssel zur Verfügung und es muss nun darauf vertraut werden, dass der Schlüssel geheim bleibt. Aber da Apple ja mit auf der Liste der Datenlieferanten für die Geheimdienste steht…

Tja. Wie mir scheint, hat die Demokratie verloren. Und scheinbar dreht sich der schon von Platon erdachte kyklos politeia wieder ein Stück weiter.

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