Das schlimmste ist das Warten…

On 23. September 2013, in Persönliches, by Ingo

Heute Morgen um kurz vor 11 war es so weit: Ich habe getan, wovor ich mich seit Jahren fürchte. Ich habe meine Masterarbeit abgegeben. Der letzte Schritt einer langen, beschwerlichen aber auch erkenntnisreichen Reise. Jetzt haben die beiden Korrektoren sechs Wochen Zeit, um die Arbeit zu lesen, zu prüfen und zu kritisieren. Sollte ich dann nicht schon durchgefallen sein, habe ich danach nochmal zwei Wochen Zeit, um mich auf das Disputationskolloquium vorzubereiten und mich den Kritikpunkten zu stellen.

Nun ja – ich lebe jetzt erstmal in völliger Ungewissheit und der klassischen Angst, eine Prüfung nicht zu bestehen. Grund genug habe ich dafür: Mein Thema ist ziemlich exklusiv – und wenn ich mich so umgucke, dann gibt es kaum jemanden, der sich überhaupt schon mal darüber Gedanken gemacht hat. Es geht dabei um die Frage nach der Autonomie und dem, was autonome Systeme, wie sie immer häufiger in der Welt herumfahren, -laufen oder -fliegen so können. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir Computern Vernunft und Verantwortung zutrauen, ist für mich dermaßen erstaunlich (und zugleich erschreckend), dass ich dazu dringend mehr sagen muss. 🙂

Naja… so kamen zunächst etwa 93 Seiten dabei herum… dann sollte ich es nach kurzer Kritik noch etwas genauer fassen und kürzen – das führte dann dazu, dass ich in zwei Wochen fast die komplette Arbeit umgestrickt habe (knapp 30 Seiten raus – dafür knapp 20 wieder rein…) und nach einigem hin und her und zusammengestückel und gefriemel, dem Anpassen von Formulierungen, dem Wegstreichen von Sätzen, dem Korrigieren von Tippfehlern, dem Anpassen von Fußnoten und dem Hoffen, dass es nicht schlimm ist, wenn ich einen kompletten Kern-Strang weglasse und in einer knappen Zusammenfassung einführe, blieben noch 80 Seiten übrig (ok – 3-4 davon Literaturangaben).  Und irgendwann war’s dann mal gut. Nachdem ich hier, insbesondere in der letzten Woche, teilweise bis spät in die Nacht (oder besser, bis früh am Morgen) saß und herumkorrigierte war ich dann durch damit. Was jetzt noch an Fehlern und Unklarheiten drin ist, das bleibt drin. Und nun pendele ich hier zwischen Mut zur Lücke und Angst vor dem Versagen. Die überarbeitete Fassung gefiel beim Korrekturlesen auf jeden Fall besser – war stringenter und weniger ausladend…
Trotzdem habe ich Angst. Was ist, wenn ich immer noch nicht genau genug formuliert habe? Was, wenn ich ich nicht ausreichend kritisch mit der Literatur umgegangen bin? Und was, wenn ich einmal zu oft etwas als „allgemein bekannt“ vorausgesetzt habe, was ich besser hätte belegen sollen? Vielleicht ist mein gesamter Arbeitsstil auch einfach zu wenig analytisch und zu locker formuliert? Wobei meine Arbeitsweise eigentlich darauf hinausläuft, dass ich etwas so erkläre, dass sogar meine Mutter es verstehen könnte – auch wenn ab und an ein Fachterminus fällt.

Aber vielleicht bin ich einfach zu überkritisch mit mir selbst und viel zu pingelig. Ich würde sogar an der absolut überperfekten Arbeit herummäkel. Aber letztlich: Irgendwann kommt der Moment, an dem man nur noch verschlimmbessern kann, weil man dann glaubt, dass Sachen nicht ganz richtig sind, die eigentlich völlig OK sind. Vielleicht ist das auch alles nicht so schlimm und ich mach mir unnötige Sorgen. Und letztlich lohnt es sich auch nicht, wenn ich mir jetzt sechs bis acht Wochen lang Panik mache. Ändern kann ich daran jetzt nichts mehr. Und ich weiß auch erst in sechs Wochen, ob ich einen Grund habe, zu Verzweifeln. Und bis dahin kann ich mich voll auf die Jobsuche konzentrieren. Schließlich und endlich bin ich hochqualifiziert und motiviert. Da sollte es nicht all zu schwer sein, einen tollen Job zu finden. Ich bin ja nicht nur genial, ich kann’s auch einfach ausdrücken. Die vorläufige 1,5 kommt ja auch nicht von ungefähr.:D

Also: Wird schon alles schief gehen. Das schlimmste ist nur das Warten.

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