Das Studium ist die schönste Zeit des Lebens. Da gibt es Leute, die von Freiheit und Spaß reden. Die bis in die Nacht eine Mischung aus flüssigen und brennbaren Rauschmitteln konsumieren, dabei Videospiele spielen und stolz erklären, dass ihnen die nächste Klausur an den Gesäßbacken vorbeiginge. Kann man schließlich nachschreiben. Wird dann auch einfacher. Lässt sich ja (so das Gerücht) beliebig wiederholen. Oder vielleicht auch nur drei Mal. Egal. Außerdem laufen bei anderen Fakultäten hübsche Mädels rum – bei der nächsten Mensa-Party geht da bestimmt was.

Ja, solche Studenten gibt es. Mir sind im Laufe meines Studiums vier davon begegnet – keiner von ihnen hat es zu einem Abschluss gebracht. Aber vermutlich hatten sie eine schöne Zeit.

Mein Studium sah dagegen völlig anders aus: Bis in die Nacht habe ich Texte für Seminare vorbereitet, noch ein Kapitel aus dem nächsten Buch gelesen und das am häufigsten verbreitete Rauschmittel war schwarz, heiß, stark und füllte meinen Edelstahlbecher. Manchmal habe ich die oben beschriebenen Studenten durchaus beneidet – insbesondere dann, wenn es darum ging, Prüfungsordnungen zu verstehen, die richtigen Module in der richtigen Reihenfolge zu belegen und abzuschließen und Punkte für Seminare und Hausarbeiten für den richtigen Studiengang anrechnen zu lassen. Je mehr ich über die Bürokratie verzweifelte, desto neidischer blickte ich auf die, scheinbar tiefentspannten, Kommilitonen.

Aber: Man kann es überleben! Zwar überkommt einen ab und an das Gefühl, man wäre in eine Asterix-Welt versetzt worden und solle Passierschein A-38 beantragen, aber es geht! Und genau davon soll diese kleine Kolumne handeln: Von einem der auszog, ein Studium zu absolvieren und dabei den Wahnsinn der Bürokratie live erlebte.

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