Im Laufe der Zeit musste ich mich nun endgültig entscheiden, was ich nun studieren wollte – und vor allem wo. Nach einiger Recherche stellte ich fest, dass Linguistik zwar durchaus spannend war, wenn ich wissen wollen würde, wie Sprachen funktionieren und wie sie entstehen, welches logische System hinter ihnen steckt… aber wirklich beeindruckt hat mich das nicht. „Soziologie“, ging es mir durch den Kopf. „Soziologie war im Abi ein spannendes Fach gewesen und immer am Puls der Zeit. Die Gesellschaft analysieren und verstehen, klingt doch prima.“ Also suchte ich nach Universitäten, die Soziologie als BA-Studium anboten. Und da mein Herz nach wie vor (eigentlich schon immer) für die Philosophie schlug, suchte ich da dann auch gleich weiter.

1-Fach, 2-Fach, Hauptfach, Nebenfach oder einfach nur Verfächert?

Meine Suche beschränkte ich zunächst auf NRW – all zu weit umziehen wollte ich nicht. Mein kleiner, beschaulicher Freundes- und Bekanntenkreis hielt sich schließlich im Umkreis von 50 km auf. Und so stöberte ich über die Webseiten der nordrheinwestfälischen Universitäten nach deren Studienangeboten, Einschreiberichtlinien, Terminen und Fristen. Das war übrigens ein ziemlich kompliziertes Unterfangen, denn viele Universitäten haben Webseiten, die nicht gerade sehr darauf optimiert sind, Studieninteressierten schnell weiterzuhelfen. Im Gegenteil: Bei manchen Universitäten habe ich (damals wie heute) den Eindruck, die erste Aufnahmeprüfung bestünde darin, das Labyrinth der Links zu durchgooglen, mit dem man dann schließlich die entsprechenden, recht oberflächlich gehaltenen, Informationen zum Studium und der Einschreibung erhält.

Recht schnell kam ich an Informationen bei der Uni Bielefeld und der Ruhruni Bochum. Bochum war nun, für meine Verhältnisse, relativ weit weg, aber immerhin konnte ich dort Soziologie als 1-Fach-Bachelor studieren. Bielefeld bot so etwas gar nicht an. Dort gab es nur 2-Fach-Bachelor mit Kern- und Nebenfach. Das machte es kompliziert, denn die Fächer untereinander mussten ja irgendwie kombiniert werden – und es gab keinen wirklichen Hinweis darauf, welches Fach nun mit welchem anderen Fach gut kombinierbar war. Zumindest hatte ich damals noch keine Ahnung davon, dass es so etwas wie „Modulhandbücher“ gab und direkt auf einen Klick finden konnte man sie nicht. Und wie bewarb man sich darauf nun?
Eines Tages nach der Arbeit telefonierte ich herum und fragte mich durch: Bewerben wäre ganz einfach. Man sollte sein Abiturzeugnis in beglaubigter Kopie beifügen und das entsprechende Formular ausfüllen und das ganze dann mit den sonstigen Anlagen auf den Weg. In Bielefeld lief das ähnlich, nur dass die Bewerbung da dann zunächst einmal Online durchgeführt werden sollte (war mir sofort sympathisch). Erst danach sollte dann ein Ausdruck des Formulars mitsamt der Zeugniskopie losgeschickt werden.
Wieder eine Weile später, ich musste erst einmal Zeugniskopien beglaubigen lassen (wer hätte gedacht, dass ein simples Stempeln und Bestätigen, dass die Kopien mit dem Original übereinstimmen glatt 5 Euro kostet?!?), klickte ich mich dann durch den Wust an Studienfächern mit Nebenfächern und Hauptfächern, der Frage danach, ob ich nun Haupt-, Neben-, oder Gasthörer sein wollte und, und, und. Da ich mich auf mehrere Fächer gleichzeitig bewerben konnte, machte ich das dann auch. Soziologie an der Ruhruni Bochum, Philosophie und Soziologie an der Uni Bielefeld (beide Unis hatten akzeptable NCs und ich hatte einen recht guten Abi-Schnitt) und los gings. Und in diesem ganzen Chaos unterlief mir scheinbar ein fataler Fehler, der mir erst später auffallen sollte.

Zusagen, Absagen, Wartelisten und Lostöpfe

Nachdem dann die Bewerbungen auf dem Weg waren, nahm das Schicksal seinen Lauf. Anders ausgedrückt: Die Mühlen der Bürokratie bekamen mächtig Wind. Das Erste, was kam, war die Zusage der Ruhruni Bochum – kurze Zeit später dann auch die Zusage aus Bielefeld. Damit stand ich vor der Qual der Wahl – und entschied mich letztlich für Bielefeld, denn zwei Fächer studieren war immer noch besser als nur eins – und die Philosophie lag mir näher als einzig und allein Soziologie. So nahm ich dann die Zusage aus Bielefeld an und ließ die aus Bochum verfallen. Damals wusste ich noch nicht, dass es netter wäre, denen auch mitzuteilen, dass man den Platz nicht antritt, weil es da noch andere gibt, die darauf warten.

In Bielefeld gestaltete sich die die Immatrikulation allerdings relativ schwierig. Für das Kernfach Philosophie war es kein Problem, für das Nebenfach Soziologie allerdings schon. Ich hatte nämlich einen Haken im Bewerbungsformular falsch gesetzt und mich auf zwei Hauptfächer beworben, die aber zwingend ein Nebenfach benötigten. Nun machte es kaum einen Unterschied, ob man als Haupt- oder Nebenfächler Soziologie studierte (die Hauptfächler hatten einen Statistikkurs mehr) und so dachte ich, das ließe sich alles recht unproblematisch lösen. Nächster Stopp: Studierendensekretariat/Immatrikulationsangelegenheiten:
„Guten Tag, mir ist da wohl ein kleiner Irrtum unterlaufen, als ich das Bewerbungsformular durchgeklickt habe. Ist auch ziemlich unübersichtlich. Könnten Sie vielleicht das Hauptfach in ein Nebenfach wandeln? Ist ja schließlich das gleiche Fach nur mit weniger Umfang.“ „Nein, das geht nicht. Sie müssten sich auf das Nebenfach bewerben.“ Verwunderung auf meiner Seite… „Aber… es ist doch das gleiche Fach und vermutlich nur ein kleiner Haken in der Software?“ Unnachgiebigkeit auf der anderen Seite. „Das macht nichts. Man kann nicht einfach so in ein anderes Fach umschreiben. Sie müssen sich bewerben, und wenn Sie dann die Zusage bekommen haben, dann können sie sich damit vom Hauptfach in das Nebenfach umschreiben.“ „Und wie läuft das jetzt? Eigentlich sind doch die Fristen schon durch oder nicht?“ „Das stimmt – aber dazu drucken Sie sich dann eine Karte aus, reichen die hier bei mir mit den Unterlagen ein und dann landen Sie im Losverfahren und werden ausgelost.“ „Wie? Und wenn ich nicht ausgelost werde, muss ich’s dann nächstes Semester noch mal probieren? Und verliere ein ganzes Semester Zeit? Und das nur, weil es keine Möglichkeit gibt, einen simplen Klick-Irrtum mit einem anderen simplen Klick zu korrigieren?“ „So sieht’s aus. Bis dahin können sie ein NC-freies Fach als Nebenfach studieren, damit sie sich korrekt immatrikulieren können. Mathematik oder Chemie zum Beispiel. Wenn Sie dann ausgelost werden und das richtige Nebenfach haben, können Sie sich dann problemlos umschreiben.“

So war das also. Es gab für alles irgendeine Bestimmung, an die sich sklavisch gehalten wurde. Hatte man etwas übersehen (weil es einem auch nicht einfach gemacht wurde), dann musste man halt damit leben. Willkommen in der Wirklichkeit – und in der Welt der Ordnungen, Anträge, Formulare und Bestimmungen.
Nachdem meine Frustrationstoleranz auf diese Probe gestellt wurde, schrieb ich mich notgedrungen für Mathematik ein (ich musste ja keine Veranstaltungen besuchen, denn es war nur ein „Dummie-Fach“) und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Was als Nächstes kam, war dann schon mal die Ersti-Veranstaltung für die Philosophen. Und die erste Woche im ersten Semester an der Uni, während ich darauf wartete, dass endlich alle Lose gezogen wurden…. Und so nahm das Verwirrspiel seinen Lauf.

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