Uni-Survivor: Raumfindungsstörungen

On 2. November 2013, in Uni-Survivor, by Ingo

Wo man so einen Raum findet, wenn man ihn sucht, ist für gewöhnlich klar: Räume sind, meist durch Wände physikalisch eingeteilte, Einheiten in Gebäuden, deren Eingang sich meist durch eine Tür kennzeichnet und als deren Ausgang manch einer all zu gern das Fenster benutzen würde. Zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Raum sein gehört allerdings zu einem der maßgeblichen Hindernisse im Studentenleben.

Für Studenten in Bielefeld ist das kein all zu großes Hinderniss – zumindest dann nicht, wenn sie es schaffen, im richtigen Gebäudeteil anzukommen. Die Gebäudeteile selbst sind kein großes Geheimnis. Sie sind der Reihe nach angeordnet und nach Buchstaben sortiert. Der Plan aus der Draufsicht erinnerte mich fast sofort an ein Piktogramm von gegenläufigen DNS-Strängen… die Gene der Bildung… Hurra!

Wenn das Problem der Auffindung des richtigen Gebäudeteils gelöst ist, gibt es kaum noch Hindernisse, den richtigen Raum zu finden. Erwischt man dagegen den falschen Gebäudeteil, so kann es passieren, dass man dann durchaus im falschen Raum landet (ist mir tatsächlich ein einziges Mal passiert). Die intellektuelle Herausfoderung der Architektur besteht nämlich darin, dass alle Etagen in allen Zähnen gleich aussehen. Wenn man in eine Diskussion verstrickt den Gang herunterläuft, kann es durchaus passieren, dass man den Gebäudeteil wechselt, ohne es wirklich zu bemerken. Spätestens dann, wenn man plötzlich lauter Formeln und Gleichungen an der Tafel sieht, statt Argumentationsanalysen von John Rawls, sollte einen das Gefühl beschleichen, dass irgendetwas nicht stimmt.

Die Raumplanung und Zugänglichkeit in Bielefeld ist im Übrigen noch eine der Einfachsten und im Grunde selbsterklärend. Ich war mal für einen Vortrag an der Uni Münster im dortigen Schloss. Ein wirklich bildhübsches Gebäude (mit uralten und vor allem unbequemen Sitzbänken in den Hörsälen – aber vermutlich stehen die unter Denkmalschutz und sollen vermutlich vor allem dazu beitragen, dass die Anwesenden nicht während der Vorlesung einschlafen). Allerdings stand ich dort, auf der Suche nach dem richtigen Raum, dann plötzlich vor einer Wand (die dort offensichtlich nachträglich eingezogen worden war) zuzüglich einer sicherheitshalber fest verschlossenen Stahltür, auf der der deutliche Hinweis prangte, dass der Zugang zu den dahinter liegenden Räumen nur über das Treppenhaus möglich sei. Da fragte ich mich: Wenn man dort eine Wand einzieht, um Räumlichkeiten abzutrennen – warum zum Teufel installiert man dann eine Tür und schließt sie? Lag das am latenten Sadismus des Architekten, der sich nunmehr diebisch freuen konnte, dass alle, die in freudiger Erwartung einer Abkürzung jetzt vor einer geschlossenen Tür standen und einen etwa doppelt so langen Umweg über zwei Treppen machen mussten? Gehörte das zum Gesundheitsprogramm der Universität, um die Studierenden in Bewegung zu halten und dem drohenden Übergewicht vorzubeugen? Ehrlich gesagt: keine Ahnung.

Der tägliche Überlebens-Parcours durch die heiligen Hallen der allesumfassenden Bildung wird zumindest deutlich erleichtert, wenn man beim Wechseln der Räumlichkeiten die Augen aufmacht. Im falschen Gebäude aus internen Monologen oder externen Dialogen erwachen ist keine Schande, führt aber nicht selten dazu, dass der Kaffee kalt ist, bevor man den richtigen Raum erreicht hat. Dass Kaffee eine überlebensnotwendige Droge darstellen kann, dazu komme ich später.

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