Uni-Survivor: Und ewig lockt das Weib

On 11. November 2013, in Uni-Survivor, by Ingo

Nur nicht uns Philosophen. Also, schon; aber nicht im herkömmlichen Sinne. Und auch nicht so, wie es vermeindliche Volvicmädchen vielleicht tun. Das Paarungsverhalten von Studierenden, insbesondere das von Philosophen, scheint eine hochkomplexe Angelegenheit zu sein, die gar nicht so leicht zu verstehen ist. Hier eine (nicht abschließende) Betrachtung.

In Soziologie-Vorlesungen und -Seminaren bekommt man erzählt, dass so eine Universität ja nicht nur eine der höchsten Bildungseinrichtungen ist, die man besuchen kann, nein, sie ist auch ein gut funktionierender Heiratsmarkt. Je nach theoretischer Basis (und damit auch Studienfach), steigt der Schwierigkeitsgrad bei der effektiven Partnerwahl exponentiell an.

An dem Fach des Mannes erkennt man den…

Die Männchen unter den Studierenden haben es mit einer Fächerkombination aus Sportwissenschaften und BWL besonders leicht. Damit wird zum einen ein gesunder, gut trainierter Körper sichergestellt und zum anderen ein Fach, dass jeden Personalchef jubeln lässt (auch dann, wenn man es für den angestrebten Job überhaupt nicht braucht). Ein solches Männchen suggeriert also körperliche Fitness und eine sichere Einnahmequelle. Auf jeder Studentenparty sind damit Intimkontakte in dunklen Ecken und später in chaotischen Wohnheimwohnungen garantiert.
Das Nebenfach Germanistik dagegen wirkt schon eher abschreckend (es suggeriert, später einen dickbäuchigen Taxifahrer zu Hause sitzen zu haben, der seinen früher so flotten 3-Tage-Bart nunmehr bis zum Bauchnabel wachsen lässt, wobei letzterer in Form und Farbe einem Granateneinschlagskrater nicht unähnlich ist) und kann nur dann helfen, wenn die Männchen in den Lyrik-Seminaren gelernt haben, mit welchem Ductus die Weibchen am ehesten zu umgarnen sind.
Psychologen operieren auf diesem Feld eher mit positiven Schlüsselreizen und Konditionierung. Schließlich glauben sie zu wissen, worauf es ankommt. Der Nachteil ist, dass alle potenziellen Weibchen glauben, das Psychologen-Männchen könnte Gedankenlesen und würde jeden Satz sofort analysieren und auf Probleme in der Kindheit schließen. Das ist nicht ganz falsch – aber auch nicht ganz richtig. Immerhin sagte ja der gute alte Siggi Freud selbst schon, dass eine Zigarre manchmal auch einfach nur eine Zigarre ist.

Das Balzverhalten

Und wir Philosophen? Da wird‘s besonders schwierig. Potenziell paarungswillige Weibchen nähern sich zumeist auf eher subtiler Ebene und versuchen unverfängliche Gespräche einzuleiten. Allerdings verbleiben sie auch auf eben dieser unverfänglichen Ebene, denn „flirten“ liegt uns Philosophen nicht gerade im Blut. Im Gegenteil: Wenn ich mit, möglicherweise erotisch angehauchten, Anspielungen konfrontiert werde, fange ich an, sie begrifflich zu analysieren und hinterfrage ihren Wahrheitsgehalt. Auf den all-time-favourite-Anbaggerspruch „Ganz schön warm hier, kommste mit raus?“ Tippe ich kurz auf die Uhr um das Thermometer aufzurufen und warf einen Blick auf die Wetter-App im Smartphone. Meine Antwort „Hier drin sind’s 21,3 °C und draußen 14 °C – also ich find’s hier drin ganz angenehm…“ Offenbar war der Wetterbericht gerade nicht gefragt.
Recht beliebt sind allerdings unsere klaren, analytischen Fähigkeiten. Hat man sich freiwillig oder unfreiwillig als Philosoph geoutet, wird die Meinung zu allerlei wichtigen oder unwichtigen Erlebnissen im Leben des Weibchens plötzlich total interessant. Dabei werden vor allem die negativen Erlebnisse mit etwaigen Exfreunden in den Mittelpunkt gerückt. Mit anderen Worten: Wir sind total gute Seelenklempner und Kummerkästen, schließlich kann man den Psychologen nicht trauen, die analysieren einen ja selbst, während wir Philosophen nicht die Person analysieren, sondern das Problem, dass sie hat.

Um so komplizierter wird dann das Balzverhalten, wenn unsereins Interesse an einem Weibchen bekundet. Für gewöhnlich, in der Welt außerhalb universitären Scheinwelt, wird es ja von uns Männern erwartet, dass wir den Damen Aufwartungen machen (ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, warum eigentlich?). Allerdings wurde ich in solchen Situationen regelmäßig damit konfrontiert, dass eine hohe geistige Anziehungskraft mit einer offenbar um so gravierenderen, körperlichen Abstoßung einhergehen. Da reichten dann oftmals unbedeutende Kleinigkeiten aus. Zu meinen Lieblingsbeispielen zählt eine junge Dame, die mir, auf meine recht offene Gefühlsdarlegung recht unverblümt bescheinigte, dass ich zwar intelligent, witzig, kreativ, großmütig, freundlich, aufmerksam, verständnisvoll und insgesamt ein total toller Mensch wäre – aber leider 10 cm zu klein. Ein Faktor, der, meinen Beobachtungen zufolge, in direkter Kohärenz mit den intellektuellen Fähigkeiten steht. Mir scheint, je dümmer jemand ist, desto kleiner darf er sein. Intelligenz macht sexy? Wer hat sich diesen Schwachsinn bitte einfallen lassen?

Das Philosophen-Weibchen

Philosophen sind eine Klasse für sich – zumeist sind sie stark alternativ geprägt und eliminieren ihren Individualismus durch Eintreten in die Masse der Neo-Hippies, Hipster oder Goths. Da spricht für mich nichts gegen, im Gegenteil, ich fühle mich da sogar pudelwohl. Die Weibchen allerdings strahlen entweder die sexuelle Anziehungskraft einer handsignierten Kant-Erstausgabe aus signalisieren nach außen hin ihre Zugehörigkeit zu etwaigen Sado-Maso- oder Bondage-Gruppierungen. Zwanghaft alternativ in jeder Lebenslage. Schon klar.
Es wäre nun aber viel zu kurz gegriffen, würde Männchen und Weibchen während des Balztanzes sich nicht gegenseitig ob ihrer zu Grunde liegenden Sexualmoral intensiv prüfen. Da gibt es dann auch schon die ersten Schwierigkeiten: Wohingegen die einen (weil ja total alternativ und so) behaupten, dass die Gesellschaft endlich ihre aus dem Mittelalter stammenden Moralvorstellungen ablegen sollte und Sexualität ja etwas total offenes, freies und jedem zugängliches sein sollte (eher so ein pansexueller Ansatz), sehen sich die anderen einer höheren Moral verpflichtet, der sich der niedere Trieb gefälligst unterzuordnen habe. Schließlich habe Monogamie nichts mit Monotonie zu tun. Zwischen diesen beiden äußersten Polen gibt es dann noch unzählige Abstufungen und Möglichkeiten, Regeln, Ausnahmen, Spontanentscheidungen und, und, und… Um „spontan mal wen abzuschleppen“ studiert man einfach das falsche Fach (und das ist völlig geschlechtsunabhängig).

Poppst du schon oder analysierst du noch?

Eins der Kernprobleme beim Paarungsverhalten von Philosophen, ist die Tatsache, dass wir ja nichts ohne Grund tun. Wie soll ich denn etwas tun, ohne dass es einen rationalen Grund dafür gäbe? Reine Triebhaftigkeit? Schön und gut. Und was sind die Bedingungen der Möglichkeit, dass es einen Grund für die Aufrichtigkeit eines Paarungsversuches geben könnte? Immerhin gibt es ja ansonsten immer einen oberflächlichen Makel, der vorgeschoben wird, um jedwedes Balzverhalten umgehend im Keim zu ersticken.

Ich für meinen Teil beschloss, derlei weltliche Problematik beiseitezuschieben. Es kostet einfach zu viel Zeit und Aufmerksamkeit, sich mit den moralischen, psychologischen, wirtschaftlichen und physischen Zusammenhängen des menschlichen Balzverhaltens auseinanderzusetzen. Und im Grunde hatte ich in den letzten Jahren ja auch genug zu tun: Studieren zum Beispiel. Und mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass ich das menschliche Paarungsverhalten denjenigen überlasse, die sich dafür am besten eignen. Sportstudenten zum Beispiel; die scheinen damit nicht so viele analytische Probleme zu haben. 😉

Tagged with:  

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: