Facebook essen Seele auf

On 15. November 2013, in Persönliches, by Ingo

Einmal Facebook – immer Facebook, so scheint es eine Art in digitalen Beton gegossene Regel zu sein. Ich hatte mich ja nun schon mehrmals vom großen, blauen, (a)sozialen Netzwerk getrennt und wollte damit auch nicht weiter mehr viel zu tun haben. Allerdings muss ich feststellen, dass ich mich dem nur mittelfristig entziehen kann.

Ok, zugestanden: Es gibt kein „müssen“ in der Welt sondern nur ein „wollen“; schließlich muss ich nichts tun, aber ich will eben manche Konsequenzen und andere nicht. Und was hat das nun mit Facebook zu tun? Nun ja…

Asoziale Medienstreuung

Da ich ja gemeinsam mit meiner bezaubernden Kollegin Julia ein kleines Gaming-Magazin betreibe, ist das selbstredend auch möglichst breit gestreut vertreten. Twitter, Google+, Facebook – wenn ich sehe, dass es sich von der kritischen Masse der User her lohnt, vielleicht bald auch noch auf App.net (damit beschäftige ich mich momentan noch am allerwenigsten). Wie dem auch sei: Unsere Social-Media-Seiten werden via Hootsuite (genialer Tipp einer Google-Userin in den Google+-Hilfeforen, danke dafür noch mal) automatisch mit den Inhalten beschickt, die wir sonst so posten. Oder halt auch mal mit Dingen, die da nicht so auftauchen (ich teste gern mal die Resonanz auf SM-Postings… nein, nicht was ihr jetzt denkt, ich meine Social-Media-Postings, bin aber zu faul, das jedes Mal auszuschreiben… ^^).
Nur begab es sich, dass Julchen, die treue Seele, auch die Nase voll vom Zuckerberg-Imperium hatte und ihren Account ebenfalls löschen wollte. Ich konnt’s ihr nicht verübeln, schließlich bestehen 98% der Postings, die so durch die Timeline fliegen, aus geklauten Fotos mit hohlphrasigen Sinnsprüchen, die von Seiten mit geistreichen Namen wie „Immer einen flotten Spruch auf Lager“ oder „Ich sorge dafür, dass die Welt immer bunt bleibt“ im Gros virtuell unter die Leute gekotzt werden… Es kann dann schon nerven, wenn der virtuelle Bekanntenkreis nicht viel Besseres zu tun, als derlei Dinge zu teilen (aber dagegen gibt es Abhilfe – dazu komme ich gleich noch).

Soziale Werbenetze? Fehlanzeige!

Technisch hatten wir nun ein Problem: Ich dachte eigentlich, ich hätte die Facebook-Seite ohnehin schon gelöscht (Twitterfeed, welches wir früher benutzten, hatte eine neue Regelung eingeführt, nach der die automatische Beschickung einfach nach einer Weile gestoppt wird, sodass die Inhalte entsprechend veraltet waren und überhaupt war die Republikation von Bildern einfach nur zum Kotzen schlecht gelöst…), da die Resonanz und der Werbefaktor ziemlich miserabel war. Da frage ich mich: Warum sind die Leute eigentlich so hirnverbrannt bescheuert und teilen wie kleine lobotomisierte Äffchen lauter hohlphrasige Schwachsinnsbildchen, statt echte Inhalte? Der liebe Freundes- und Bekanntenkreis könnte ja auch mal ein wenig Werbung für mich machen, statt nur für Seiten, deren Schöpfungshöhe auf dem Zusammenschmieren von Bildern und Sprüchen basiert.

Yet Another Admin Fail

Aber gut. Die Seite gab’s offenbar doch noch (Facebook scheint mit dem tatsächlichen Löschen von Inhalten ein mehr oder weniger großes Problem zu haben) und so dachte ich: Na gut. Frisst kein Brot, kostet uns keine Gebühren, belastet nicht den eigenen Server – behalten wir’s eben. Und so meinte ich, sollte Julia die Admin-Rechte doch an unseren Chefingenieur David übergeben, auf dass er damit Spaß haben und Inhalte verbreiten könne.

Und genau das ging nicht. Es war einfach nicht möglich, ihn zu speichern. Weder über die E-Mail-Adresse, noch über die Freundesliste. Keine Chance, es ploppte lediglich eine nichtssagende Meldung im Stil von „Kann nicht gespeichert werden“ auf. Und da dachte ich: „Vermutlich hat Facebook gemerkt, dass ich die Seite mal eingerichtet habe und somit kann auch nur ich allein in meiner quasi-göttlichen Macht wieder zum Admin ernannt werden und andere zu Admins ernennen…“ Und mit dieser Vermutung hatte ich Recht.

Ich musste also zurück. Nein, die philosophisch korrekte Aussage wäre: Ich wollte wieder zurück, weil ich die Konsquenzen einer verwaisten Seite, die völlig ohne Admin ist, nicht wollte.
Und schon ging’s. Ich konnte Admin-Rechte vergeben, habe dann kurzerhand auch gleich die Hootsuite eingerichtet und fing an, Bilder von meinem Mittagessen zu posten. Und meinen Blog hier zu verlinken. Denn das ist interessant: Ein Posting bei Facebook scheint eine andere psychologische Wirkung zu haben, als ein Blogbeitrag, der „einfach so im Netz rumsteht“. Steht der einfach so im Netz, dann liest ihn kaum jemand – nicht mal der Freundes- und Bekanntenkreis, für den die verbreiteten Gedanken gedacht sind. Pushed man das Zeug über Facebook raus, klicken sie auf Links. Wie kleine, dressierte Äffchen. Links klicken. Gefällt mir klicken. Sabbern. Ungefähr so stelle ich mir 90% der aktiven Facebook-Nutzer vor. Like-Zombies. ^^

ceterum censeo simulacra essent delendum!

Was mache ich nun aber mit all den nervenden, hohlen, Sinnsprüchen? Nun, neuerdings (früher gab’s das wirklich nicht), gibt es eine Funktion, mit der man sie „immer ausblenden“ kann. Man klickt auf den kleinen Pfeil rechts oben am Beitrag und kann auswählen, ob man alle Beiträge des Nutzers ausblenden will – oder alle Beiträge der Seite, die der Nutzer da verbreitet. Total praktisch. Also liebe Freunde: Mehr! Gebt mir mehr von diesen dämlichen Sinnspruch-Bildern! Ich wette, ich kenne noch lange nicht alle Seiten, die derartigen Schwachsinn verbreiten. Und je mehr ihr davon postet, desto mehr kann ich davon ausblenden/ignorieren und mein Leben wird dadurch viel angenehmer. :>

Allein, wenn ich bedenke, wie diese Seiten heißen und welche Inhalte sie verbreiten, muss ich mir an den Kopf fassen, dass es Leute gibt, die den Schund teilen. Da gibt es eine Seite namens „Depressionen De“, die scheinbar alltägliche Küchenspiritualität verbreitet. Ich denke mir dabei: „Danke! Aber ich hab meine eigenen Depressionen. Ich will eure nicht haben! Ich will auch nichts davon wissen! Und ob ihr nun Pseudoweisheiten verbreitet, die von Like-Zombies geteilt werden oder nicht, dürfte auch für niemanden wirklich hilfreich sein!“
Dann gibt es da Seiten, die aktiv mit Kindesmissbrauch kokettieren und mit regelmäßigen kleinen Sinnsprüchen Aufmerksamkeit erzeugen. Ja hallo? Glaubt ihr denn wirklich allen Ernstes, dass das Verbreiten von auf Bildern gebannten Sinnsprüchen, die von Like-Zombies geteilt werden, auch nur einem einzigen Missbrauchsofper jemals weiterhelfen würde? Sorry, aber da kommt mir die kalte Kotze hoch. Macht gefälligst was sinnvolles! Spendet Hilfeorganisationen! Organisiert euch in der Kinder- und Jugendhilfe! Macht gefälligst aktiv was gegen das Problem, aber hört auf nicht hilfreiche Bilder mit hohlen Phrasen zu verbreiten! Das hilft niemandem! Ihr glaubt nur, dass das Aufmerksamkeit erzeugt – in Wirklichkeit werden einfach nur Inhalte geteilt, ohne dass die Leute ernsthaft davon berührt werden. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das für die Opfer von Missbräuchen sonderlich angenehm ist, immer und immer wieder mit derlei Inhalten konfrontiert zu werden, weil der virtuelle Freundes- und Bekanntenkreis einem pawlowschen-Like-Reflex unterliegt.

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