Facebook – Schwachsinn in Bildern

On 4. Dezember 2013, in Persönliches, by Ingo

Kürzlich habe ich mich noch darüber aufgeregt, dass es bei Facebook scheinbar Volkssport zu sein scheint, pseudo-spirituelle, pseudo-lustige oder pseudo-moralisierende Sprüche auf Bildern zu teilen. Meist verbreitet von Seiten, deren Namen allein schon dafür sorgen, dass sich mir vor Entsetzen die Fußnägel hochrollen und ich zum vierten Bier des Abends greifen muss, damit mein intellektuelles Niveau sich dem Inhalt des Dargestellten anpasst. Vor allem aber sorgt das Alkoholniveau für eine friedfertige Stimmung, die verhindert, dass ich, ob des völligen Schwachsinns, der dort meine Großhirnrinde beleidigt, ausraste und Hater-Kommentare poste.

Ich kann nicht anders, als nun doch einen Hater-Kommentar zu schreiben. Bringt nichts (vor allem die Leute, die diesen Kram verbreiten nicht zur Vernunft) – dafür fühle ich mich besser.

Da flatterte vorhin erst wieder folgendes Sprüchlein durch meine Timeline:

„Wenn Du nur tief genug bedenkst, dass jeder Augenblick deines Lebens ein Geschenk ist, dann kannst Du nicht anders, als dankbar zu sein.“

Verbreitet von jemandem der auf Facebook den Namen „Professioneller Verrückter“ trägt.

Lieber Verrückter: Sag das doch Mal Leuten, die mit Krebs dahinsiechen und jeden Augenblick nur deswegen ertragen, weil sie von stärksten Schmerzmitteln betäubt werden. Die sind bestimmt total dankbar dafür, dass die das erleiden dürfen. Super Idee. Ehrlich. Oder den Kindern, die ihre Eltern durch einen CIA-Drohnenangriff in Afrika verlieren. Die sind bestimmt total dankbar für diesen Augenblick in ihrem Leben, in dem ihre Eltern (durch einen bedauerlichen Verwaltungsirrtum) für unser aller Sicherheit ermordet werden. Ich werde auch ganz bestimmt genauso dankbar sein, wenn mir das nächste Mal ein Dumpinglohn angeboten wird, bei dem ich mich frage, wovon die Leute, die so etwas anbieten, glauben, dass ich leben soll. Ganz ehrlich? Ich bin überhaupt nicht dankbar für all den menschenverachtenden Mist, der mir Tag für Tag vor die Füße geworfen wird. Und ich sehe auch überhaupt nicht ein, warum ich auch noch Geld dafür ausgeben sollte, um zu lernen, dankbar für Sachen zu sein, die eine derartige Einstellung nicht im Geringsten rechtfertigen. Denn wenn man nur tief genug darüber nachdenkt, dann gibt es dann und nur dann einen Grund dankbar zu sein, wenn einem etwas, das man braucht oder haben möchte, ohne eine große Gegenleistung gewährt wird.

Als Nächstes flatterte dann folgendes Sprüchlein (natürlich auf einem Bild) durch die Timeline:

„Ich bin derart müde,ich könnte sofort arbeiten gehen.“

(Tippfehler im Original), verbreitet von einer Seite namens „Ey GeSiChTsKiRmEs iSt kEiN FaHrGeScHäFt“ (auch hier – angeblich coole Teenyschreibweise des Seitentitels im Original).

Liebe Seitenmacher – bitte tut es! Bitte geht arbeiten! Dann habt ihr nämlich keine Zeit, derartig unsinnige Sachen zu verbreiten. Bitte, bitte! Wenn ihr es dabei schafft, nicht dankbar zu sein, dann bekommt ihr sogar noch einen Bonuspunkt im Wutbürgertum dazu.

Auch sehr schön das Bild mit folgendem Spruch:

„‚Träumen Sie?‘ – ‚Ne Chef, ich kommuniziere gedanklich auf einer Frequenz für Fledermäuse um zu erfahren, wie Batman das Problem lösen würde.‘“

Verbreitet von einer Seite namens „Wer zuletzt lacht, hat es nicht eher begriffen. ツ“

Ich glaube, ich habe es nicht begriffen. Aber ich weiß, wie Batman das Problem lösen würde. Er würde aus dem Tumbler springen, die Grappling Gun zücken, einen Enterhaken in die nächste Wand schießen, sich zum Dach hochziehen, und demjenigen, der solche Sprüche erfindet, einen Batarang an den Kopf zu werfen. Damit ist derjenige K. O. und das Problem vorerst gelöst. Wobei, vielleicht nicht ganz. Als Nächstes käme dann vermutlich ein Bild mit dem Inhalt „askduolfh“ wenn der Bildermacher mit dem Kopf auf die Tastatur aufschlägt. Ich wette, auch das würde tausendfach geteilt und geliked, einfach weil das ja so gemacht werden muss…

Ich habe schon mindestens 100 dieser bilderverbreitenden Seiten blockiert. Und es werden tagtäglich mehr. Pseudo-buddhistische Weisheiten, pseudo-optimistische Lebensbejahung, pseudo-witzige Sprüche über, die man nur lachen kann, wenn man volltrunken ist, pseudo-philosophische Lebenstipps… es ist einfach unglaublich, wie viel von diesem Zeug sich auf Facebook verbreitet – und wie viele Leute tatsächlich nichts Besseres zu tun haben, als es zu teilen, zu liken, zu kommentieren und mit diesem Quatsch Traffic generieren.

Was können eigentlich die Facebook-Psychoanalyse-Algorithmen über das Kaufverhalten und den Happyness-Index der Leute berechnen? Ich meine: Ich allein kann schon sagen, dass fast alle, die diese Pseudo-Weisheiten verbreiten, in irgendeiner Form Missbrauchsopfer sind, die vermutlich glauben, dass die Verbreitung eines solchen Spruchs ihr Leben auf irgendeine Weise signifikant beeinflusst oder verbessert oder positives Denken nach außen kommuniziert, wo eigentlich gar keins ist. Woher ich das mit den Missbrauchsopfern weiß? Ich hab sie gefragt. Und wenn ich schon mit so einfachen Mitteln (wie „einfach mal ganz platt fragen“) schon so eine Korrelation herstellen kann, was können dann die Psychoanalyse-Algorithmen von Facebook und Google erst alles bewerkstelligen? Wenn ich so darüber nachdenke, geht die Werbemasche auf: Einerseits werden Bilder mit hohlphrasigen Sprüchen verbreitet, andererseits gibt es Werbeeinblendungen für den millionsten Glücksratgeber, der Glück, Reichtum und Erfolg verspricht – und das vor allem für den Produzenten des Werks. Oder für eine klinische Studie, in der Psychopharmaka getestet werden sollen. Oder für Singles in deiner Umgebung – jetzt live bei Facebook. Oder auch für Casual-Dating-Seiten. Oder, oder, oder…

Liebe Freunde… derjenige von euch, der mir als Erstes ein Browserplugin empfiehlt (oder es programmiert), mit dem ich diese Machwerke, welche sich unterhalb der Schöpfungshöhe von Kuhfladen bewegen, automatisch ausblende, blockieren, vernichten und auf ewig in den Hades schicken kann, wird von mir reich belohnt. Ich backe Kuchen.

 

 

 

The cake is a lie

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One Response to Facebook – Schwachsinn in Bildern

  1. Ceqfmal Qeauglkey sagt:

    Den Hater-Kommi schreibe schnell,
    Krieg schleunigst ihn gebacken!
    Und zieh den Typen ab ihr Fell.
    Die haben ihre Macken.

    Der Macken haben sie soviel,
    man möchte es nicht glauben.
    Verblödung ist ihr Oberziel:
    Man muß das endlich glauben.

    Ja, Facebook fußt auf krankem Geist.
    Den muß man sich nicht borgen.
    Denn wer die ganze Welt bescheißt,
    den gilt es zu entsorgen.

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