Urheberrechtsgedanken

On 7. Dezember 2013, in Politik, by Ingo

Die Piraten schreiben in ihrem Parteiprogramm, dass Wissen frei und kostenlos mit allen geteilt werden soll. Wer Kunst oder Gedankengut produziert, der produziert es auf Basis von dem, was es schon gibt – es gibt Vorbilder oder Inspirationsquellen. Damit ist Wissen und Kunst im Grunde Gemeingut und soll jedem zugänglich sein. Soweit so gut. Trotzdem habe ich hier noch einiges zu kritisieren und wälze ein paar Gedanken dazu hin und her, wie man trotzdem im Internet Geld verdienen kann.

Etwas zurückgeben…

Das Argument, dass jemand, der ein Werk schafft (unabhängig, ob es nun Kunst oder Wissenschaft oder ein journalistischer Artikel ist), ja Inspirationsquellen hat, die schon im öffentlichen Raum existieren, greift zu kurz. Schließlich haben diejenigen, die diese Werke, die als Inspiration dienen, geschaffen haben, ja auch irgendwann einmal von etwas gelebt. Sie haben diese geschaffenen Inhalte verkauft (ja, auch an böse Verwertungsgesellschaften und/oder Verlage). Das heißt: Die Inspirationsquellen musste auch irgendwann einmal eingekauft werden, sodass es im Grunde legitim ist, wenn man auch für die daraus entstehenden Werke bezahlt. Klar ist, dass die Art und Weise der Bezahlung eine andere sein muss. Aber dass in irgendeiner Form Geld den Besitzer wechseln muss, ist ein notwendiger Bestandteil des Produzierens von Werken.

Warum auch im Internet bezahlt werden muss

Es liegt meiner Ansicht nach auf der Hand, dass die „Kostenlos-Kultur“ zum einen weder so kostenlos ist, wie sie zu sein scheint. Zum anderen funktioniert sie auch gar nicht. Wenn etwas kostenlos ist, dann wird Werbung geschaltet. Werbung ist immer mit einem großen Fluss an Daten verbunden. Letztlich ist man dann nicht mehr Kunde, sondern eher Produkt – man wird als Konsument des Inhalts an den Werbetreibenden verkauft. Das ist moralisch verwerflich, wird aber gemacht. Ja, auch von mir, somit bekleckere ich mich nicht gerade mit Ruhm, aber ich überlege gerade an einer Lösung dieses Problems. Das andere Problem ist: Selbst wenn jemand sich von anderen, schon vorhandenen Werken inspirieren lässt, investiert er ja eine bestimmte Menge Zeit darin, sein eigenes Werk anzufertigen. So ein Text entsteht nicht einfach aus dem nichts, ein Lied, ein Video, ein Kunstwerk – all das entsteht über eine bestimmte Zeit hinweg. Es kann auch nur entstehen, wenn derjenige, der das Werk anfertigt, einen funktionierenden Stoffwechsel hat. Um den haben zu können, muss er sich von irgendetwas ernähren. Ausgeruht sein hilft ebenfalls ungemein. Mit anderen Worten: Man muss irgendwo wohnen und irgendwas essen. Ganz zu schweigen von den Werkzeugen, die man benutzt, um das Werk anzufertigen. Dieser Text entsteht beispielsweise auf einem Computer, ein Musikstück benötigt Instrumente, Aufzeichnungsgeräte und Schnittsoftware und überhaupt braucht Kreativität ein kostbares Gut, dass immer wieder vergessen wird: Zeit. Wohnung, Nahrung und Werkzeuge kosten Geld. Und das zwangsläufig. In einer Diskussion eben meinte mein Technikredakteur David sinngemäß: „Du kannst ja niemanden zwingen, was dafür zu bezahlen. Wenn die Leute es nicht kostenlos kriegen, nehmen sie’s halt nicht.“ Nun ja, wenn ich meine Wohnung nicht bezahle, dann kann mein Vermieter mich früher oder später dazu zwingen auszuziehen. Und wenn ich meine Stromrechnung nicht bezahle, dann stellt der Stromanbieter den Strom halt irgendwann ab. Das geht aber jedem so. Jeder von uns, wird dazu gezwungen, bestimmte Ausgaben zu haben. Zumindest solange man nicht auf der Straße leben will. Es ist also im Großen und Ganzen normal, für Dinge zu bezahlen, die man nutzt. Warum sollte es dann nicht auch normal sein, für Dinge im Internet, die man nutzt, zu bezahlen?

Wie man bezahlen könnte

Mir gingen nun ein paar Ideen durch den Kopf, wie und wofür bezahlt werden könnte. Erst dachte ich an Dienste wie Flattr. Schöne Idee, funktioniert (für mich) aber nicht. Entweder nutzen meine Leser Flattr einfach nicht – oder sie finden meine Inhalte so schlecht, dass sie mir dafür nicht mal die paar Cent für den Inhalt geben wollen. Schade eigentlich. Flattr scheint aber bei Podcastern ganz groß anzukommen. Da ist durchaus was in Planung, aber ob es wirklich etwas einbringt, wovon ich leben könnte ist fraglich. Ich halte es zumindest für relativ unwahrscheinlich. Spenden-Buttons? Die wirken auf viele Leute eher bettelnd. Und Bettler werden ja eher schlecht angesehen (dabei ist es, meiner Ansicht, nach für jemanden, der nichts hat, durchaus eine legitime Forderung um etwas von jemandem zu bitten, der mehr hat, als er essenziell benötigt, schließlich kann eine Gesellschaft nur dann existieren, wenn alle Mitglieder sich gegenseitig unterstützen). Dann dachte ich an Micropayment-Dienste. Was man aus Computerspielen kennt, auf das Internet übertragen: „Möchtest du diesen Text in pink mit goldglitzerndern Sternen lesen? Dann zahl doch bitte 30 Cent dafür und wir formatieren ihn um. Höherer Kontrast, Druckvorlage, PDF? X Cent und der gewünschte Dienst steht zur Verfügung.“ Ein DLC für die Medienwelt, wenn man so will. Es ist zwar schon im Produkt enthalten, wird aber erst nach Zahlung freigeschaltet. Der Ursprungsinhalt bleibt dabei kostenlos und frei für alle nutzbar online. Will man ihn aber auf eine andere Art und Weise darstellen, exportieren, auf dem Smartphone oder Tablet lesen – dann kostet das einen kleinen Betrag.

Kulturflatrate? Ja! Aber bitte OpenSource…

Der Gedanke an eine Kulturflatrate war dabei umso verlockender. Da stecken dann aber zahlreiche Probleme dahinter, die ich allein kaum lösen kann. Technische, gesetzliche, soziale… aber ich lasse meine Gedanken einfach mal weiter kreisen: Angenommen, jeder (wirklich jeder!) würde 1% seines Einkommens in einen großen Kultur-Topf zahlen. Ein völlig fiktiver Beitrag, der vermutlich überhaupt nicht ausreicht, aber wie hoch das sein muss, um effektiv zu funktionieren, müsste ich noch länger überlegen. Dann kommen die Werkeersteller, melden sich an diesem Topf an und bekommen eine Ausschüttung. Soweit, so gut. Klingt wie GEMA? Nein, nicht ganz. Die ist ja nur für Musik zuständig. So, wie die VG Wort für uns Wörterschmiede zuständig ist, der Beitragsservice von ARD ZDF und Deutschlandfunk, für den Rundfunk zuständig ist und es vermutlich noch zahlreiche andere Verwertungsgesellschaften gibt. Es bräuchte eine Art „Meta-Verwertungsgesellschaft“. Klingt wie Mammut-Unternehmen mit Horror-Verwaltung? Ja, auf den ersten Blick schon. Muss es aber vielleicht gar nicht sein. Wie so etwas verwaltet werden muss, kann ich nicht sagen. Wie gesagt: Es bräuchte Juristen, Wirtschafter und vielleicht auch eine politische Richtlinie, um die Idee überhaupt auf Kurs zu bringen. Das kann ich hier ja nun nicht in einem, in einer Stunde runtergeschriebenen, Gedankensammel-Blogbeitrag ausformulieren.

Nun, diese Meta-Verwertungsgesellschaft sollte so transparent wie möglich gehalten sein. Jeder sollte erfahren können, was eingenommen wird und was ausgezahlt wird. Und, was die Verwaltung so kostet. Schließlich gibt es da eine Menge Infrastruktur und Mitarbeiter, die ja auch Miete bezahlen und essen müssen. Das ganze System sollte also „quelloffen“ sein, sodass jeder jederzeit sehen kann, wer was macht und wie viel Geld von wo nach wo fließt.

Natürlich gibt es hier noch zahlreiche offene Fragen. Zum Beispiel: Wer bekommt wie viel aus dem großen Kulturtopf ausgezahlt? Habe ich als Blogger mit relativ wenig Kosten den gleichen Anspruch, wie ein Podcaster mit teurem Equipment? Oder sollte es gar nicht davon abhängen, welche Werkzeuge benutzt werden, sondern vielmehr davon, was jemand zum Leben braucht? Da wären wir dann in der Nähe eines Grundeinkommens, nur dass es nicht bedingungslos ist, sondern daran geknüpft, dass tatsächlich Inhalte für die Allgemeinheit produziert werden. Hier sollte es, meine Meinung nach, keine Staffelung geben. Also nicht etwa: Podcaster und Leute, die Videos machen bekommen mehr als Blogger, weil letztere ja weniger Aufwand haben. Das wäre eine ungerechte Benachteiligung und würde nur dazu führen, dass viel weniger Textbeiträge entstünden. Und es gibt halt so Leute wie mich, die von sich glauben, dass sie halbwegs unfallfrei schreiben können und allerhöchstens ein Radiogesicht haben, aber für Videos nicht viel übrig haben. Die Idee ist also ein „Staffelungsfreies Grundeinkommen für Medienproduzenten“.

Von der Verwertungsgesellschaft zur globalen Kulturabgabe

Spinne ich den Gedanken also mal zu Ende: Wenn wirklich jeder, unabhängig von seinem Einkommen oder seiner sozialen Bedürftigkeit, 1% seines Einkommens in einen Topf einzahlt und wirklich jeder, der Inhalte produziert und für die Allgemeinheit publiziert davon ein lebensfähiges Einkommen ausbezahlt bekommen würde, wäre vermutlich allen geholfen. Und damit könnte dann auf Werbung verzichtet werden, niemand müsste mehr von Werbetreibenden ausspioniert werden und die produzierten Inhalte könnten von jedem zu allen Zwecken frei und nach Gusto verwendet werden.

Das wird vermutlich niemals klappen, weil für Werbung und Co. Immerhin ein Milliardengeschäft mit starkem Lobbyismus ist. Aber: Auch Leute die Werbung für ein Produkt machen, erstellen Inhalte für die Allgemeinheit. Man müsste diese Meta-Verwertungsgesellschaft also nicht lokal, sondern global denken. Wenn also die gesamte Weltbevölkerung jeweils 1% des Einkommens in den Topf wirft, dann ist genug für alle da, die da Inhalte erstellen und Werbung machen wollen. Denn je größer der Topf ist, desto größer ist auch die Summe, die am Ende an die Inhaltsproduzenten ausgezahlt werden könnte. Das ganze global zu denken rechtfertigt schon die Tatsache, dass wirklich jeder Mensch auf der Welt (gut, es mag wenige Ausnahmen geben) tatsächlich irgendeine Form von Medium konsumiert. Es bräuchte also eine Kooperation aller Verwertungsgesellschaften weltweit, um eine Art „Globale Kultursteuer“ zu erheben. Und das ist auch gar nicht undenkbar, denn wenn jeder Staat seine eigene Meta-Verwertungsgesellschaft gründet, die sich auf die Idee der maximalen Transparenz und der maximalen Gerechtigkeit (also gerechte Zuteilung der Einnahmen, was immer darunter verstanden werden möge), dann wird das System dezentral.

Vielleicht ist das alles eine totale Illusion. Aber ich mag sie. J

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