Diätschwachsinn ala Hollywood

On 3. Januar 2014, in Allgemein, by Ingo

Da muss ich gerade schrecklich den Kopf schütteln. Welt-Online berichtet über einen neuen Wunderheiler der Hollywoodstars beim Abnehmen helfen soll. Klar, damit kann man jede Menge Werbung machen und noch mehr Geld verdienen. Das großartige Ziel für Leute die wirklich Übergewichtig sind: 15 kg in 15 Tagen abnehmen.

Mea culpa, aber das ist der größte Schwachsinn, den ich bisher gelesen habe. Warum? Na, das erklärt eine Milchmädchen-Rechnung, die sogar ein Mathe-Versager wir ich auf die Reihe bekommt:

1kg menschliches Körperfett hat einen Energiewert von aufgerundet 7000 kcal. Um 15 kg abzunehmen, müssten also 105.000 kcal verbrannt werden. Also: An jedem der 15 Tage müssten 7000 kcal Energiedefizit vorliegen.

Ein gewöhnlicher Standard-Erwachsener hat einen Tagesbedarf von 2000 kcal. Das heißt: Stoffwechsel, Körpertemperatur, Organfunktionen und Co. benötigen 2000 kcal Energie um einfach nur zu überleben, wenn man als Erwachsener Mann den ganzen Tag ruhig atmend auf dem Sofa liegt. Um nun aber am Tag ein Kilo Fett zu verlieren müssten also mehr als dreimal so viele Kalorien verbrannt werden. Denn, merket auf: Nur durch ein Kaloriendefizit wird Fett abgebaut!

Das Blöde an der Sache: Ein derartig dramatisches Defizit würde (so vermute ich mal) einen sofortigen Kreislaufzusammenbruch bedeuten. Der Stoffwechsel würde nicht „neu programmiert“, wie es der Diät-Guru verspricht, sondern geschockt. Er würde in den sogenannten „Hungerstoffwechsel“ schalten, notfallmäßig Muskeln abbauen (denn die verbrauchen ziemlich viel Energie, die in solchen extremen Notfällen anderweitig besser gebraucht werden kann) und vermutlich überall Energie sparen, wo er nur kann. Der Nachteil am Hungerstoffwechsel liegt auf der Hand: Er ist die Ursache für den Jojo-Effekt. Denn sobald wieder „normale“ Nahrung zugeführt wird, steigt die Stoffwechselfunktion sprungartig an und der Körper fängt an, für den nächsten derartigen Notfall Energie zu sparen. Und wie macht er das? Genau! Er legt Notfall-Reserven im Körperfett an!

Und was hat man nun davon? Im Grunde folgendes: Man hat Muskeln verloren und gewinnt am Ende der Tortur jede Menge Fett dazu. Abgesehen davon, dass eine derartig massive Energie-Unterversorgung sich ebenfalls negativ auf die höheren Hirnfunktionen auswirkt (wir erinnern uns, das Hirn selbst braucht etwa 18-22% der Gesamtenergie, einfach nur, um aktiv zu sein – und die braucht es hauptsächlich in Form von Kohlenhydraten…). Am Ende ist man also schwach, fett, doof und depressiv. Und hat sogar Geld dafür bezahlt. Herzlichen Glückwunsch.

Was tatsächlich funktioniert, aber nur über einen begrenzten Zeitraum durchzuhalten ist und durchgehalten werden sollte, ist, 1kg pro Woche abzunehmen. Ich hab das selbst gemacht und kann aus Erfahrung sagen: Es ist eine ziemlich beschissene Tortur, macht überhaupt keinen Spaß, ist mit Sport, Disziplin, noch mehr Sport und noch mehr Disziplin und jeder Menge Entbehrungen verbunden (keine leeren Kalorien in Form von Süßigkeiten, Alkohol, Knabberkram, kein Fleisch, nur hochwertige Proteine und Kohlenhydrate, wenig Fett…). Schließlich sind ca. 1000 kcal Defizit am Tag kein Zuckerschlecken (man muss dabei etwa eine Stunde lang durchgehend bei 80 U/Min. und Schwierigkeitsgrad 8-10 auf dem Crosstrainer schwitzen) Am Ende habe ich 35kg abgenommen und ganz passabel Muskeln aufgebaut.

Dazu braucht es keinen teuren Fitness-Guru mit Anhängern aus Hollywood. Nur einen Plan und Durchhaltevermögen. Nuff said.

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