…wurde mir eben erklärt, als ich durch die Stadt bummelte, um ein neues Sommertriebwerk zu kaufen. Also – neue, leichte, möglichst bequeme Schuhe für Frühling und Sommer. Das was ich aktuell noch an Sommerschuh besitze, ähnelt eher dem, was übrig bleibt, wenn junge Hunde ihre Zähne ausprobieren und spielen wollen. Dabei bin ich nicht mal Hundebesitzer (ich mag diese Biester nicht mal sonderlich).

Nun, wie dem auch sei, so wollte ich mich dann mal aufmachen und gucken, was denn so an leichtem Lauf- und Turnschuh in den Regalen feilgeboten wird – möglichst nicht nur leicht und bequem sondern, wenn’s geht, auch noch runtergesetzt. Also richtete ich meine Adleraugen auf die großen, roten SALE-Aufkleber und musste beim ersten Ladenbesuch auch schon kräftig schlucken: Da wurden zwar Vorjahresmodelle reduziert verkauft – allerdings immer noch für 99 Euro. Das nenne ich nicht reduziert, das nenne ich unverschämt. Insbesondere, wenn es sich um, vermutlich in Kinderarbeit und mit massiver Umweltvergiftung hergestellte, Nike-Schuhe handelt. Schließlich wollen sie ja erst bis 2020 alle Missstände beseitigen und bei einem 2012’er oder 2013’er Modell… naja. 😉
Gut, von diesem ersten Schock erholt wanderte ich weiter durch die mindener Fußgängerzone. Fast überall gab’s nur hässliches oder unkomfortables Schuhwerk. Ich meine: Ich bin fast ausschließlich Radfahrer und Fußgänger – da muss das Schuhwerk einfach robust und bequem sein. Und nicht überteuert, daher reichen auch völlig die Auslaufmodelle aus. Meine Expedition ergab allerdings, dass die Schuhmode derzeit offenbar recht fragwürdige Stilblüten treibt. „Retro-Running“ wäre ja total im Trend. Joa. Die Modelle sahen aus, als wären sie direkt per Zeitmaschine aus den 80’ern importiert worden: Meshgewebe, weiß-graue Farben… vor meinem geistigen Auge manifestierte sich auch noch der Verzicht auf gepolsterte Sohlen (was, wie jeder weiß, der ab und an mal joggen geht, die absolute Hölle ist), damit das Retro-Feeling auch durch Blasen an den Füßen, Kopfschmerzen und gestauchte Gelenke abgerundet wird.

Am Ende meiner Reise stand ich dann vor einem Regal mit Modellen, die mir mal mehr, mal weniger zusagten. Auch hier waren es Nike-Schuhe (ich suchte eigentlich nach den günstigeren, aber für den Alltag völlig ausreichenden Adidas Neo – wenn’s geht in einer anderen Farbe als langweiliges Schwarz), die gar nicht mehr offiziell verkauft wurden – waren wohl schon seit zwei oder drei Saisons aus dem Programm genommen. Die von mir gesuchten Schuhe waren leider nicht verfügbar. Ich sollte doch mal in Bad Oeynhausen gucken – da wären die Läden größer und man hätte mehr Auswahl. Da war ich am Samstag schon – und wäre auch fast fündig geworden. Aber eben nur fast, denn zwar passten Modell und Farbe aber die Größe nun wieder nicht.
Das erstaunlichste, was mir dann entgegnet wurde war aber: „Sie könnten aber auch in unserem Online-Shop suchen. Da hätten Sie viel mehr Auswahl und könnten das auch problemlos hier im Laden umtauschen, wenn etwas damit nicht stimmt.“
„Klar, könnte ich. Aber wenn ich online kaufen wollte, wäre ich ja jetzt nicht hier. Sonst jammert doch der Einzelhandel immer, dass das Internet das Geschäft kaputtmacht – und Sie schicken mich jetzt in den Online-Shop? Nö, ich bin ja gerade hier.“
Dann hatte ich drei Modelle in der engeren Auswahl – eins davon sollte das Rennen machen; das war dann aber nicht mehr in der passenden Größe vorhanden.
„Könnte ich online bestellen. Wäre dann so in etwa sieben bis zehn Tagen da.“ Und ich dachte: ‚Könnte ich bei Amazon bestellen – wäre dann übermorgen da…‘

Gekauft habe ich dann eins der anderen Modelle. Das war dann sofort verfügbar (ich hielt es schließlich in der Hand), saß perfekt, sah brauchbar aus, lief sich bequem und war halt auch deutlich reduziert (weil’s das Modell offiziell gar nicht mehr gab – mal sehen, wann ich dann Fuß-Krebs bekomme, weil garstige Chemikalien enthalten sind).

Und die Moral von der Geschicht‘: Mag der Einzelhandel noch so laut jammern – so schlecht scheint es ihm nicht zu gehen, wenn er Kunden trotzdem ins Internet schicken will. 😉

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