Seit einigen Jahren benutze ich nun schon Google Mail. Ich weiß, das ist jetzt nicht unbedingt das, was man als datenschutzbewusster Mensch tun sollte. Schließlich und endlich filtert und liest Google ja jede Mail, die es in die Finger bekommen kann. Mit anderen Worten, alles, was man so schreibt und alles, was man so bekommt, landet irgendwann in einer großen Datenbank von Google. In den letzten Jahren, war mir das zumindest relativ egal. Immerhin hatte das Postfach eine ausreichende Größe, um wirklich alles zu sammeln, was sich bei mir so angehäuft. Das ist nun noch skandalöser – zumindest aus der Sicht des Datenschutzes. Ich hatte also mehrere Postfächer (die meisten waren ohnehin mit Spam voll gestopft) von Google einsammeln lassen, und dort fröhlich Mails gehortet.

Langsam aber sicher beschlich dann doch aber auch mich ein wenig das Unwohlsein, was die umfangreiche Analyse meiner E-Mails angeht. Immer mal wieder wurde in letzter Zeit der „kleine“ berliner Mail-Anbieter Posteo empfohlen. Also dachte ich mir, es kann ja nicht schaden, mir das einfach mal genauer anzusehen.

Was bietet Posteo?

Nun, zunächst einmal nichts Ungewöhnliches: E-Mails! Allerdings, und das ist durchaus besonders, ohne dass diese E-Mails durch irgendeinen Filter, Algorithmus, oder eine sonstige Datensammlung laufen (von einem Spamfilter mal abgesehen). Das beste daran: Es sind sogar Anhänge mit bis zu 50 MB möglich. Für jemanden wie mich, der gerne einmal recht große Dokumente verschickt, ist das allein schon unglaublich praktisch. Außerdem ist Posteo der einzige Anbieter, der momentan alle gängigen Übertragungsverschlüsselungen anbietet. Alle Mails sind, so wird zumindest behauptet, auf dem Server auf einer verschlüsselten Festplatte gespeichert – Kalender und Adressbuch können ebenfalls verschlüsselt werden – wenn also stimmt, was so behauptet wird (das muss ich glauben, denn ansonsten müsste ich nach Berlin fahren und fragen ob ich mir all das wirklich einmal ansehen darf), dann ist es ein Mail-Anbieter, wie man ihn sich so wünscht. Also im Grunde, machen sie wirklich alles richtig. Die Daten bleiben bei einem selbst, sie sind gegen den Zugriff von außen hinreichend geschützt, letztlich kann man wunschlos glücklich sein.

Der Spaß ist natürlich nicht umsonst – aber im Vergleich mit anderen großen E-Mail-Anbietern immer noch erschreckend günstig. Für nur einen Euro im Monat, bekommt man 2 GB Postfach Speicher und all die Sicherheitsfunktionen kommen gratis mit dazu. Jedes weitere Gigabyte kostet 0,25 EUR im Monat, was ich durchaus für einen fairen Kurs halte. Bei der Anmeldung lädt man das Konto mit mindestens zwölf Euro auf, sodass mindestens ein Jahr Postfach schon mal gesichert ist. Für die Vergesslichen unter uns (ich zähle mich durchaus dazu) gibt es auch eine Benachrichtigung, wenn das Geld am Ende des Jahres aufgebraucht ist. Es handelt sich also um einen Prepaid-Angebot, das ganz ohne eine Abofalle auskommen kann. Selbst wenn man das Konto am Ende vergisst aufzuladen, bleiben die E-Mails erhalten. Es wird lediglich die Sendefunktion gesperrt. Und wenn man das Ganze nicht benutzen möchte, kann man es monatlich kündigen. Bezahlt werden kann mit PayPal, wobei die Daten zwischen dem Konto und der Bezahlung nicht zusammengeführt werden sollen. Wie das allerdings funktioniert, weiß ich nicht – aber ich denke, das werde ich noch hinterfragen. Nun, so wird zumindest damit geworben, dass man das Postfach auch vollständig anonym eröffnen könnte. Das ist zwar nichts, wonach mir nun der Sinn steht, aber für den einen oder anderen dürfte das interessant sein.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn man seine E-Mails nicht selbst zuhause auf dem eigenen kleinen Server hosten möchte, dann ist Posteo besser als nur gut.

Umzugsstress

Nun der Umzug mit E-Mails von einem Anbieter zum anderen ist nicht immer einfach. Wie ich dabei feststellen musste, ist das Google-Postfach sogar verhältnismäßig dumm. Aus der Sicht des Servers, ist es einfach nur eine große Inbox, in der wirklich alles landet. Egal, ob es sich nun um geschriebene oder empfangene E-Mails handelt, es landet wirklich alles in dieser einen Inbox. Das wurde mir bewusst, als ich den Importfilter aktivierte, mit dem die E-Mails aus dem Google-Postfach herausgezogen werden sollten.

Ich hatte natürlich vorher alle E-Mails noch einmal lokal gespeichert (sogar auf zwei verschiedenen Computern), damit nichts verloren gehen kann. Und dann, so dachte ich, löschte ich einer alten E-Mails, die ich eigentlich nicht in das neue Postfach importieren wollte. Da ja ohnehin alles in einer Inbox zusammengefasst wird, ging ich davon aus, dass es auch völlig ausreichend ist, wenn ich in meinem E-Mail-Programm die alten E-Mails markiere, lösche und aktualisiere. Ein fataler Irrtum. Ich stellte fest:

Google löscht rein gar nichts.

Selbst, als ich auf der Weboberfläche von Google-Mail erst alle alten E-Mails aus der Inbox löschte, waren sie noch vorhanden. Auch das Leeren des Papierkorbs brachte nicht viel. Über einen Klick auf „alle Mails“ waren sie immer noch vorhanden. Da ich den Umzug gegen Abend begann, ließ ich den Importfilter einfach über Nacht laufen. Dieser holte die E-Mails über POP3 ab und löschte sie auch automatisch aus dem alten Postfach. Damit waren sie dann auch tatsächlich weg. Allerdings stopfte es mein neues Postfach ganz ordentlich zu – schließlich holte der Importfilter auch alle gesendeten E-Mails ab, da bei Google ja alles in einer großen Kiste landet.

Da kann der Importfilter überhaupt nichts dafür – „Schuld“ ist vielmehr Google, die alles über eine Sortierfunktion mit Labels lösen. Und diese Labels erzeugen nicht etwa Ordner (Ordner im Google-Postfach existieren eigentlich gar nicht, sondern sind auch nur Sortieransichten), sondern ändern einfach nur die Ansicht.

Ich hatte heute Morgen also eine volle Inbox (naja, zum Glück hatte ich den Speicher direkt auf 3 GB erweitert, weil ich schon damit gerechnet hatte, dass da einiges zu viel importiert würde) und ordentlich damit zu tun, noch einmal alles auszusortieren.

Wechseltipps

Aber daraus kann man nur lernen. Solltet ihr in Zukunft auch eure E-Mails von Google-Mail umziehen wollen, gilt es also ein paar Kleinigkeiten zu beachten:

  • Alle E-Mails sollten zuerst lokal gesichert werden, damit nichts verloren geht.
  • Bevor ihr die E-Mails importiert, solltet ihr alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr benötigt, aus dem Google-Postfach löschen. Dazu reicht es nicht aus nur die Inbox zu löschen; sie müssen über die Ansicht „alle E-Mails“ aus der Weboberfläche gelöscht werden.
  • Prüft, bevor er den Importfilter aktiviert, ob auch wirklich alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr haben wollt, gelöscht wurden. Alles andere stopfte euer neues Postfach nur unnötig zu.
  • Google erkennt den Importfilter von Posteo als einen unbekannten Zugriff aus Russland. Wenn man nach der IP-Adresse sucht, stellt man allerdings schnell fest, dass der Zugriff nicht aus Russland, sondern aus Berlin kommt. Das Zurückverfolgen bestätigt dann auch die Herkunft von Posteo. Ihr müsst also nicht (so wie ich…) panisch werden und direkt all eure Passwörter ändern. Das schadet zwar nicht, ist aber unnötige Arbeit.
  • Kalender und Kontakte können bei Android nur über eine kostenpflichtige (2,56 EUR) App synchronisiert werden. iPhone-Nutzer sind hier im Vorteil. Insbesondere, weil auf Android, die Kontakte im Handy plötzlich massiv vermehrt werden. Bei mir tauchten plötzlich Unmengen „unbekannte“ Kontakte auf. Ich vermute, das liegt einfach nur an der App, mit der die Kontakte synchronisiert werden. Wie und ob ich Google die Herrschaft über meine Kontakte entreißen kann, werde ich noch herausfinden.

Also dann, viel Spaß beim Umziehen. Und immer daran denken: Macht immer brav eure Backups.

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