Es begab sich zu einer Zeit, da ich meinen finalen Umzug vom Hotel, in dem ich einen Monat hofierte, in meine Wohnung plante. Da war dann nunmehr einiges zu erledigen – beispielsweise den Strom für meine alte Wohnung abmelden, den Internetanschluss ummelden und derlei Dinge mehr. Die Sache mit dem Strom war schnell erledigt – ein Telefonat und eine einfache Mail an den alten Anbieter reichte völlig aus.

Dem Internetanschluss ummelden war dagegen schon eine ganz andere Angelegenheit.

Ich war Unitymedia-Kunde. Und eigentlich wollte ich demgemäß auch gern KabelBW-Kunde werden, denn die Leitung, die ich hatte, war brauchbar schnell und stabil. Wie ich schon von einem Telefonat, das ich noch in Minden führte, wusste, war das fast ein und dieselbe Firma – ein Umzug wäre also kein Problem; der Vertrag würde einfach übergeben, ich würde ein neues Modem bekommen und die Sache wäre erledigt.

Also rückte der reale Umzugstermin mit großen Schritten näher und mit einigem Stress (das ist eine ganz andere Geschichte, vermutlich aber an anderer Stelle erzählenswert) schaffte ich es dann tatsächlich meine paar wenigen Sachen großteils unversehrt in die neue Wohnung zu bugsieren. Kurz zuvor rief ich noch bei Unitymedia an und teilte mit, dass ich wohl ab dem 29.12.2014 in der Wohnung sein werde, weil ich dann ja schon alles da haben dürfte. Man wollte mir dann so schnell wie möglich das Modem zukommen lassen und dann sollte alles problemlos laufen. Soweit, so gut.

Dummerweise gab mir mein Vermieter zwar schon die Schlüssel und ließ mich einziehen, hielt sich aber auf penetrant förmliche Art und Weise daran, meinen Namen erst am 01.01. an die Klingel und den Briefkasten zu kleben.[1] damit erreichte mich natürlich kein Modem. Stattdessen ging es sang- und klanglos per Post zurück.

Diesen Umstand (korrekterweise) vermutend (nicht wissend, da ich ja keine Benachrichtungskarte bekam, da am Briefkasten ja noch nicht mein Name stand), machte ich mich auf eine kleine Expedition. Zum einen wollte ich zum nächsten Baumarkt fahren und LED-Strahler beschaffen, um die Halogenleuchtmittel in der Decke von Flur, Bad und Klo loswerden zu können. 6,5W pro Lampe sind am Ende des Jahres einfach deutlich günstiger als 35W – und den Unterschied, um welche Art von Leuchtmittel es sich handelt, sieht man wirklich nicht. Außer vielleicht, dass die LEDs heller sind. Das ist aber kein Problem, denn ich mag’s ja hell, wenn ich schon mal Licht anmache.

Zum andere dachte ich, auf einem Weg mal im örtlichen KabelBW-Shop vorbei zu laufen. Der war im Grunde direkt um die Ecke bei der Straßenbahnhaltestelle und somit sowieso auf dem Weg. Gesagt, getan, machte ich mich auf den Weg. Am Ziel meines Begehrens angekommen, schlug mir die betriebsame Atmosphäre einer einsamen Angestellten (trotz der zwei Beratungstische) und eines eben noch im Gespräch befindlichen Pärchens entgegen. Zu meiner Rechten eine schrecklich fette Familie mit verzogenem, pausbäckigen Sohn, der keinen Hehl daraus machte, dass seine chronisch laufende Nase sowohl lautstark als auch feucht und triefend nach Aufmerksamkeit lechzte… Das war der Moment, in dem ich dachte, dass es wohl oder übel ein langer Abend werden könnte.[2]
Das Pärchen hatte wohl ein Produkt bestellt aber ein anderes geliefert bekommen und wollte sich nun für Alternativen entscheiden und überhaupt etwas am Vertrag abändern. Ich habe nur mit einem Ohr zugehört. Das andere Ohr war damit beschäftigt, das voluminöse Rotzen des Sohns der Familie aus der Hölle zu ignorieren. Zusammen mit Gesprächsfetzen, die darauf hinausliefen, dass er irgendwas nicht getan hat, was sie aber erwartet hätte und womit nun das eine oder andere ganz grundsätzliche Element des Haussegens sich dem Schiefstand neigte.[3] Im Hinterkopf schweifte ich ein wenig ab. Schließlich wollte ich noch Leuchtmittel kaufen und ging durch, welcher Art diese wohl sein müssten. 15 Minuten später verkündete die einsame Feldherrin auf dem Schlachtfeld der Internetanbieter, dass sie nun ein Schreiben aufsetzen müsste, um dem Pärchen dienstbar sein zu können. Das würde aber mindestens zwanzig Minuten dauern. Täte ihr leid. Wäre aber nun mal so.[4]
Dies vernommen beschloss ich zunächst meinen anderen Angelegenheiten Vorrang einzuräumen, bevor ich noch länger das Rotzende Kind, dass mit seinen kleinen fetten Fingern Mamas Smartphone misshandelte, antun musste, welches mich in den gleichen Bann gezogen hatte, wie eine Massenkarambolage auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn. Ich hatte schließlich noch Pläne. Also machte ich mich auf den Weg zur Bahnhaltestelle gegenüber (45 Sekunden), wartete auf die nächste Bahn in Richtung Stadt (5 Minuten), fuhr zur Haltestelle, die dem Baumarkt am Nächsten war (6 Minuten), stapfte über die nassen und ungastlichen Straßen (10 Minuten), suchte im Baumarkt nach den passenden LEDs (7 Minuten), wurde dann von einem der anderen Kunden in ein kurzes Gespräch verwickelt, was die Lichtstärke, die Farbtemperatur und seine Frau anging, die ja LEDs gar nicht mochte, weil die zu hell und zu kalt wären[5] und weswegen er sie ja jetzt umtauschen müsste, damit der eheliche Frieden gewahrt bliebe und der Haussegen zukünftig weniger schief hänge. Ich versuchte ihm zu erklären, was es mit LEDs auf sich hat und mit den entsprechenden Farbtemperaturen (er hatte tatsächlich „kalte“ gekauft) – letztlich ließ er sich aber dann doch lieber von einem der freilaufenden Baumarktsberater, dieser seltenen und vom Aussterben bedrohten Spezies, die besonders scheu hinter Regalen hervorlugt und bei zu schnellen, ungewöhnlichen oder hektischen Bewegungen (insbesondere Winken, rufen oder „hilflos gucken“) schlagartig die Flucht ergreift, ein paar besonders teure Leuchtmittel aufschwatzen, weil die ja angeblich viel besser wären, wenngleich sie alle ohnehin im gleichen Werk in China vom Band laufen (6 Minuten). Dann schwankte ich mit einem Arm voller LED-Kartons zur Kasse, nur um mich in die Schlange der Wartenden einzureihen und, wie es sich für das Stehen an der Kasse eben so gehört, sogleich den leichten aber unnachgiebigen Druck einer vollen Blase zu vernehmen, welcher sich in jeder beliebigen Wartesituation immer genau dann manifestiert, wenn man alle Hände voll hat, mitten im Stau oder einer Schlange steht oder sich fernab jeder Toilette und möglichst in dichtem Gedränge befindet, sodass selbst der Gedanke an spontanes Wildpinkeln schon etwas Unzüchtiges hat. Mit einem freundlichen Hinweis der Dame an der Kasse,[6] die wohl mein leidiges und ungeduldiges Gesicht richtig gedeutet haben muss, dass ich an der Baustoffkasse schneller fertig würde, machte ich mich dann auch auf den Weg zum anderen Ende des Baumarktes (2 Minuten). Dort war tatsächlich gähnende Leere und bis auf zwei Kassiererinnen, die eben keine Kunden, dafür aber ein offenbar interessantes Gespräch über die Beschwerden an den starken Tagen der Menstruation hatten, keinerlei Aktivität. Um so schneller konnte ich abkassiert werden, die neuen Mittel der technologischen Erleuchtung in den Rucksack stopfen und sogleich wieder zurück in Richtung Bahn hetzen (10 Minuten) und auf die nächste Bahn warten (6 Minuten), was sich in Anbetracht meiner nunmehr deutlich spürbaren Blase als nicht gerade herausforderungsarm herausstellen sollte. Nach einer kurzen Fahrt zurück und einem Sprint in den KabelBW-Shop auf der anderen Seite der Haltestelle (6 Minuten), stellte ich fest, dass die schrecklich fette Familie mittlerweile zwar an der Reihe war, sich aber ausgiebig darüber unterhielt, welche Art von Dose denn in der Wand verbaut wurde und dass man bestimmte Dosen (nämlich die Multimedia-Dosen) ja nicht selbst verbauen können sollte. Ich hatte nun also 58 Minuten Wegstrecke und die Torturen einer vollen Blase hinter mich gebracht, ohne meinem Ziel irgendwie näher gekommen zu sein. Ich machte auf der Hacke kehrt, begab mich im Laufschritt zu meiner Wohnung, warf den Rucksack in die Küche und tat, was ich nun einmal tun musste. Zumindest das konnte als Erfolgserlebnis gewertet werden. Erleichtert und beinahe glücklich machte ich mich dann wieder zurück zum Shop. Die schrecklich fette Familie war immer noch da – und ein russisches Pärchen hatte sich dann auch noch direkt vor mir eingereiht. Sie in einem Leopardenfellimitationsmäntelchen und Schuhen, deren Absätze man als Waffen bezeichnen könnte, er mit knarzender Lederjacke, Glatze und obligatorischen dicken Platinketten behangen. Interessanterweise sollte sich herausstellen, dass ihm das Angebot zu teuer gewesen wäre, weswegen er es gekündigt hat. Klar. Wenn ich mir Klamotten und Accessoires im Wert von insgesamt 20.000 Euro kaufen würde, wären die Raten für den Kredit, den ich dafür aufnehmen müsste, auch so hoch, dass ich mir keinen Kabel- und Telefonanschluss mehr leisten könnte. Ganz zu schweigen von dem klitzekleinen UHD-Flachbildschirm, der dann meine Wohnzimmerwand dekorieren würde.
Kurz vor Feierabend hatte ich dann aber doch noch die Gelegenheit zu einem Schwätzchen mit der guten Frau, die mir jetzt schon ein wenig Leid tat. Schließlich konnte sie ja nichts dafür, dass sie in einem Laden arbeitete, dessen Organisation zwar für zwei Personen ausgelegt war, aber sie allein auf weiter Flur mit einer Schar nerviger Kunden hinterlassen hatte. Ich versuchte nun also herauszufinden, was aus meinem Modem geworden war, das nunmehr verschollen war. Das wollte die gute Frau dann bei der Hotline erfragen (das hätte ich auch gekonnt), da sie meinte, dass sie das schneller könnte, als ich (das war leider falsch), da sie den direkteren Draht hätte (mag sein).
Wir konnten herausfinden, dass das Modem zurückgeschickt wurde, da ich eben nicht gefunden werden konnte. Es sollte also in zwei oder drei Tagen wieder ankommen und ich könnte es mir erneut zuschicken lassen. Nebenbei fand die junge Frau dann noch heraus, dass sich wohl jemand im Unitymedia-Land noch mal eine dicke Provision verdienen wollte, weil ich gar keinen Umzug, sondern einen Neuvertrag gebucht bekommen hätte. Also auch mit neuer Vertragslaufzeit, neuen Kündigungsfristen und allem, was so dazu gehört. Eigentlich schon für sich ein kleiner Skandal, aber ich hatte nun keine Lust darauf, mich darüber aufregen zu müssen – ich war einfach nur noch müde und wollte endlich nachhause, essen und schlafen. Ich wurde entlassen, dass ich dann noch mal zwei Tage später die Hotline anrufen sollte, damit das Modem neu zugestellt werden könnte – und dann sollte alles laufen.

Gesagt, getan. Zwei Tage später rief ich die Hotline an und fragte nach dem Modem. Mir wurde bestätigt, dass das da wäre und man könnte es durchaus wieder versenden. Ich bestand darauf, dass zunächst einmal der Vertrag überprüft werden sollte. Schließlich war nie die Rede von neuen Vertragslaufzeiten gewesen und den Telefon-Teil des Vertrages würde ich dann ohnehin schnellsten kündigen wollen. Bei meinem aktuellen Handyvertrag brauchte ich das Festnetz ohnehin nie. Außerdem wollte ich noch eine der Dosen hier in eine Multimedia-Dose umgebaut bekommen – es sollte also direkt mal ein Techniker kommen, der das macht. 69,95 Euro würde das kosten hieß es und auf meine Frage hin wurde mir bestätigt, dass der Techniker das Modem dann auch direkt mitbringen könnte. Da die Aussage aber nun nicht ganz sicher war, habe ich die Hotline noch mal um einen Tag vertröstet. Am nächsten Tag nahm ich dann Anschluss an das geführte Telefonat und beauftragte eben einen Techniker, der mir die Dose umbaut und eben das Modem mitbringt. Den genauen Termin sollte ich bei der Partnerfirma erfragen, die würden dann mit mir Kontakt aufnehmen. Da ich nun aber schwer zu erreichen war (ich bin ja den ganzen Tag über im Büro und kann da nicht unbedingt immer telefonieren), brauchte ich da schon eine Zeitabsprache, damit die Rückmeldung etwa in meiner Mittagspause kommt. Das wurde zwar angeblich erfasst – am nächsten Tag passierte in meiner Pause dann aber mal rein gar nichts. Auch davor und danach nicht. Ich rief die gute Partnerfirma (CableWay Süd GmbH) also an, als ich wieder Zuhause war – also etwa um 18 Uhr. Die nächsten 45 Minuten (fünfundvierzig fucking Minuten!) verbrachte ich in einer Warteschleife ohne, dass irgendetwas passierte. Wenn die nicht mehr arbeiten, dann können Sie doch einfach eine Bandansage laufen lassen oder zumindest ihre Öffnungszeiten auf ihre Internetseite schreiben? Nichts dergleichen gab es. Ich versuchte es also am nächsten Morgen im Büro noch einmal. Diesmal in weiser Voraussicht mit dem Headset und das iPhone einfach zur Seite gelegt – so konnte ich dann gleichzeitig arbeiten und die nervige Wartemelodie erdulden, ohne dass das eine irgendwie in Konflikt mit dem anderen geriet. Sagenhafte 11 Minuten später (elf! ELF MINUTEN! Elf Minuten hirnerweichende Musik ohne einen Hinweis, dass es sich um eine Warteschlange handelte oder dass man gleich an der Reihe wäre – ein Gefühl, wie im Fahrstuhl des Grauens auf dem Weg zur Hölle runter fahren… langsam, ganz, ganz langsam…) wurde mir dann mitgeteilt, dass der nächste freie Termin für einen Techniker frühestens in 14 Tagen möglich wäre. Mein Entsetzen über diese Zeitvorstellungen wurde nur noch von der Aussage übertroffen, dass ja momentan so viel los wäre und es ja nur begrenzt viel Personal gäbe und dass es eben alles ein wenig länger dauern würde.[7]
Ich nahm also einen Termin am Samstag hin, denn ansonsten hätte es nur noch einen freien Donnerstag gegeben – irgendwann zwischen 11 und 18 Uhr, was allein schon eine Zeitvorstellung ist, die ich nicht mal im Ansatz einplanen kann.

14 Tage des Bangens, Wartens und mit dem iPhone online seins später und #dertechnikeristinformiert. Irgendwann gegen kurz nach 11 klingelt es dann auch an der Tür. Ein ziemlich unsortierter Techniker, wie er selbst sagte, auch gerade erst neu und eingearbeitet, kommt und klärt mich erst mal darüber auf, dass die Installation einer neuen Dose 99,95 Euro in bar und sofort zu entrichten kosten würde. Außerdem würde die nur auf Putz gesetzt – irgendwo anders hin und mit dem Kabel dann wohl oder übel quer durch die Wohnung hängend. Vor meinem geistigen Auge werfe ich den Techniker mit einem quer durch die Wohnung hängenden Kabel um den Hals vom Balkon. Diese kurze, aber sehr befriedigende, Mordfantasie später deute ich auf die Dose unter dem Tisch und meine, dass ich die ja eigentlich nur von einer normalen in eine Multimedia-Dose umgebaut haben wolle. Daraufhin schluckt er kurz und meint, dass es dann ja völlig kostenlos wäre. Ist ja nur ein Umbau und keine Neuinstallation. Soweit, so gut. Ich bot ihm Kaffee an – womöglich, hatte er ja schon einen anstrengenden Tag hinter sich. Den wollte er nicht, ging aber nochmal zu seinem Auto, um dann eine neue Dose zu holen, da hier ja eine alte verbaut wäre, die zudem noch eine minimale Dämpfung hätte und das könnte man ja machen, weil dann das Fernsehbild gut wäre, aber für Daten wäre das dann auch wieder nicht so gut und überhaupt haben die Dreier-Dosen eine viel höhere Dämpfung als die alten Zweier-Dosen und die ganz neuen Vierer-Dosen würden sich nicht lohnen, dann könnte es sein, dass die Qualität doch zu schlecht würde. Zehn Minuten später hatte ich jede Menge unnützes Wissen über Kabelanschlussdosen. So ging er dann zum Auto, die neue Dose holen und wollte dann noch mal kurz auf’s Klo. Die Frage nach dem Kaffee sorgte für entsprechenden Druck in der Blase, denn schließlich hatte er ja schon eben so etwa drei Tassen getrunken. Nachdem ich ihm dann den Weg zum Klo wies, wurde ich Ohrenzeuge, wie er ganz offenbar recht voluminös im Stehen pinkelte. Zwei Stunden später würde ich mein Klo in Sagrotan tauchen. Ich kann mir nämlich kaum was Ekligeres vorstellen als fremde Urinspritzer, die sich überall verteilen…
Zumindest schaffte er es mit einigem Gefummel die Dose anzubauen{[8}}[[8]]Eine kleine Drahtspitze von einem Kabel in die Mitte der Dose stecken und festschrauben hätte aber vermutlich sogar ich mit meinen zwei linken Händen hinbekommen…[[8]] und begann mit der Leitungsmessung. Alles perfekt, alles supi, Werte im Normbereich – aber das Modem fand kein Internet. Ich meinte daraufhin, dass es im Schlafzimmer ja durchaus Online anzeige, aber eben alle anderen Geräte nicht ins Internet kämen. Nach etwa fünf Minuten Diskussion, dass das Modem ja ein total tolles Modem wäre und er sich das bei den Werten auch gar nicht erklären könnte, zeigte ich es ihm dann einfach. Daraufhin beschloss der freundliche aber irgendwie unkoordinierte junge Mann dann, die Dose noch einmal zu entfernen und das Kabel zu prüfen. Sein Messgerät bekam nämlich im Schlafzimmer andere Werte als im Büro – und das konnte nur darauf hindeuten, dass es sich womöglich um zwei verschiedene Kabel handeln müsste. Schließlich bekam er dann aber wieder gleiche Werte ohne die Dose[9] und beschloss, einfach ein Stück Kabel abzuknipsen. Vielleicht war’s einfach nur ein Kabelbruch. Damit ging’s dann auch tatsächlich. Das Modem bekam eine Online-Verbindung, aber alle anderen Geräte eben kein Internet. So weit waren wir ja schon.
Nun, dachte ich, wäre es an der Zeit, die alles entscheidende Frage zu stellen: Wo ist denn mein neues Modem? Das, so hieß es, sollte er ja mitbringen und dann das alte mitnehmen.

Um so erstaunter war ich, dass nicht nur er, sondern auch das System und seine Vorgesetzten erst Recht nichts davon wussten, dass ich gar kein BaWü-Modem haben, sondern noch das NRW-Modem und dass das hier ja nun, aus nachvollziehbaren Gründen gar nicht funktionieren würde. Wenngleich er nun vom Cicso-Modem träumte – ein neues hatte er nicht dabei. Und ein „nacktes“, das dann aus der Ferne programmiert werden könnte, was ja durchaus machbar wäre, könnte er nicht einfach so da lassen. Mein Modem wäre ja noch irgendwo unterwegs und es dürfte keine zwei Modems mit den gleichen Daten darauf geben. Und so verließ er mich dann nach zwei Stunden des Bastelns und Verbreitens von unnützem Wissen mit einer neuen Multimedia-Dose aber immer noch ohne Internet.

Es brauchte dann noch einen Anruf bei der Hotline und noch eine Woche Zeit, bis dann endlich das Modem kam. Ohne einen weiteren Hinweis oder ein Begleitschreiben übrigens. Ich hätte es ja nett gefunden, wenn mir zumindest meine neue Telefonnummer oder die Zugangsdaten zum Kundenportal mitgeteilt worden wären. Erstere konnte ich in Erfahrung bringen, indem ich mich einfach selbst anrief, wenngleich ich ohnehin kein Festnetztelefon brauche und den entsprechenden Anschluss auch kündigen kann. Zugangsdaten? Naja, wer braucht die schon? Ich kann ja wieder die Hotline anrufen. Die nehmen dann vermutlich wieder die falschen Daten auf, aber das ist schon mal besser als nichts. Aber immerhin hat man mir den Monat, den ich nun auf einen Anschluss verzichten musste, gutgeschrieben.

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. er hat, wie ich noch rausfinden sollte, noch ganz andere Anwandlungen, was die Einhaltung von Formalitäten angeht…
  2. Damit sollte ich Recht behalten.
  3. Gedanklich vermutete ich, dass das wohl oder übel darin münden dürfte, dass an diesem Abend keine ehelichen Pflichten vollzogen werden würden – und in Anbetracht des Sohnes und der offensichtlichen Sozialisation der mir gegenüberstehenden Kombattanten im Kampf für schnelles Internet, war ich den Göttern dankbar dafür.
  4. In diesem Moment zweifelte ich kurz daran, dass KabelBW ein effizient geführtes Unternehmen war. Ich hätte erwartet, dass es so etwas wie „Bürozeiten“ und „Beratungszeiten“ gab. Eine eigene Abteilung für das verfassen von Briefen. Textbausteine für Standardanliegen von Kunden. Oder zumindest jemanden, der das später oder eben dann erledigt, wenn nicht gerade Kunden für Beratungs- oder Informationsgespräche im Laden stünden und sowieso nur eine Beraterin ganz allein vor Ort war. Meine Erwartungen wurden bitter enttäuscht.
  5. Was aber auch sehr relativ ist, schließlich muss man nur welche mit der passenden Farbtemperatur kaufen…
  6. diesmal scheinbar nicht „Frau SB 42“ von der Selbstbedienungskasse
  7. Freunde, ihr spart an der falschen Stelle…
  8. Den Hinweis, dass es sich ja auch um eine Dose mit viel mehr Dämpfung handeln könnte, wenngleich im Schlafzimmer, das vormals wohl Wohnzimmer war, ja schon Multimedia-Dosen waren, habe ich mir verkniffen.

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