Vor gar nicht all zu langer Zeit beschloss ich, dass ich Netflix endlich bequem im Wohnzimmer genießen will. Ständig vor dem kleinen Rechner hocken – auf Dauer ist das nicht so prickelnd. Also schaffte ich mir einen schönen großen Fernseher an.

Damit nahm das Unglück seinen Lauf.

So ein Smart-TV braucht, damit er mühelos funktioniert, eine möglichst schnelle Internetverbindung. Als UnityMedia-Kunde mit 100 MBit-Leitung reicht das dreimal für 4k-Streams, somit machte ich mir keine großen Sorgen.

Die erste Hürde war der Ubee-Router. Der konnte zwar (relativ) schnelles W-LAN über 5 GHz, aber eben nur einfach. Dualband? Geht nicht. Connect-Box? Nur bei Produktupgrade. Der Ubee-Router hatte mich ohnehin genervt, weil seit einem halben Jahr, nachdem UnityMedia ein Update der Firmware durchführte, mein Drucker (Officejet Pro 8620) bei Kontakt abstürzte. Eine feste IP-Vergabe hatte da zeitweise geholfen, aber eben auch nur zeitweise. Ich musste also einen neuen Router anschaffen, um zumindest die W-LAN-Geräte wieder nutzen zu können, wie gewohnt.

Also schaffte ich mir eine Fritzbox an. Die konnte zwei W-LANs gleichzeitig, machte dann auch gleich das Zuhause ein wenig Smarter (es spart schon Strom, wenn man Standby-Geräte einfach automatisiert an der Steckdose abschalten kann) und sorgte für ordentlich Dampf. Die von meinem Nachbarn empfohlenen Powerline-Adapter sorgten dann auch gleich für eine saubere Netzwerkgeschwindigkeit – alles gut, will man meinen.

Weit gefehlt.

Netflix auf dem Fernseher ist eine wundervolle Sache – wenn der Dienst nicht gebremst wird. Zunächst einmal war die Verbindungsqualität und -geschwindigkeit über W-LAN tatsächlich höher als über’s Kabel. Unglaublich? Wahr! In der Vermutung, dass Sony hier in seine Smart-TVs einfach dusselige LAN-Adapter einbaut, habe ich den Support damit ein paar Tage lang genervt. Dort war man der Ansicht, Netflix wäre schuld, schließlich ist das ja die einzige App, die nicht richtig läuft (YouTube feuerte saubere 4k in ordentlicher Übertragungsgeschwindigkeit raus).
Netflix damit konfrontiert, hieß es nur, dass man dort ja nur die Apps an die Hersteller der Geräte ausliefert – und die müssen sie dann an die Fernseher anpassen. Das wäre also ein sehr seltsames Verhalten, dass über Kabel weniger Datendurchsatz als über W-LAN kam – aber nicht die Schuld von Netflix.
Zurück zu Sony wollte man sich dem nicht weiter annehmen. Man würde ja schließlich nur die Apps einbauen, wie sie geliefert werden und ein technischer Fehler wäre nicht herleitbar, da ja immerhin alle anderen Apps und Funktionen fehlerfrei laufen.

Wie von Geisterhand funktionierte dann plötzlich alles. Es brauchte ein wenig Ladezeit – aber die Kombination aus Powerline und Ubee-Router (und später auch die Kombination Powerline – Fitzbox – Ubee-Router) führte zu sauberen Ergebnissen und Netflix in 4k.

Bis Donnerstag den 21.04.2016.

Donnerstagabend brauchte die App dann eine ganz ordentliche Ladezeit – und konfrontierte mich mit dem Fehler „NW-2-5“. Ein, wie sich herausstellen sollte, unglaublich beliebter Fehler, wenn es darum geht, IPv4 auf IPv6-Routing zu machen.

Mit diesem Fehler konfrontiert, startete ich zunächst mal den Fernseher neu (reboot tut gut) – ohne Erfolg. Dann startete ich die Powerline-Adapter neu, die Fritzbox, vergab eine neue, feste IP-Adresse, überließ die IP-Vergabe auch mal komplett der Fritzbox über DHCP, probierte eine direkte Verbindung über den Ubee-Router, opferte ein Lamm und tanzte um’s Sofa herum (Döner kann echt scharf sein), probierte Workarounds mit dem Log-in über einen Handy-Hotspot und dann das Fallback zum UnityMedia-Netzwerk… all das kostete mich die Freitagnacht, funktionierte für einen kurzen Moment – und dann nicht mehr.

Also wieder ein Anruf bei Netflix. Nach einem langen und ausführlichen Pläuschchen mit der Hotline (die Jungs nehmen sich echt Zeit und bemühen sich um eine empathische Lösungsfinden, Kompliment dafür!) stellte sich heraus: In den letzten fünf Monaten rufen tausende von UnityMedia-Kunden bei denen an. UnityMedia hat das Netz komplett auf IPv6 umgestellt (was gut ist), aber es gibt wohl ein Routing-Problem (was wiederum schlecht ist). Aussage Netflix: Wir verstehen das auch nicht so richtig, vermuten aber, dass die uns ausbremsen, denn auch unsere Server akzeptieren selbstverständlich IPv6. Von ihrer Seite aus gibt es aber keine Lösung für das Problem, denn der Dienst selbst steht ja uneingeschränkt zur Verfügung (Hotspot über Handy und die Sache verbindet ohne zu murren). Ich sollte also mal UnityMedia kontaktieren. Einige Kunden hätten schon mit Kündigung gedroht und plötzlich ging’s am nächsten Tag… aber das nur so am Rande. Ok.

Nächster Anruf UnityMedia. Das Problem geschildert (es war tatsächlich kein Unbekanntes, in den letzten Tagen kommt es wohl auch tatsächlich häufiger vor). Angeblich ist das Prüfverfahren bei Netzflix auf IPv4-Basis. Nun gibt es kaum noch freie IPv4-Adressen und bei solchen Diensten werden UnityMedia-Kunden, die nativ IPv6 haben, über einen speziellen Server geroutet, der ihnen dann einen IPv4-Tunnel zu Netflix liefert. Wenn nun aber diese IP-Adresse mehrfach vergeben ist (scheinbar gibt es nur einen recht kleinen Adressraum für UnityMedia-Kunden), dann soll das Netflix-Prüfverfahren den Kunden nicht mehr korrekt identifizieren können. Aber es soll wohl mal an die Technik zur Prüfung weitergegeben werden, eben weil es in den letzten Tagen auch häufiger vorkommt. Meine Ansage war klar: Mit einem „Wir sind nicht Schuld“ oder „Das ist Netflix‘ Problem“, um den Ball wieder zurück zu spielen, kommen sie mir nicht davon. Ich kaufe mir doch keinen Fernseher im Wert eines gebrauchten Keinwagens, um dann Kernfunktionen nicht nutzen zu können, weil irgendwo eine Routing-Tabelle nicht stimmt. Mich hat’s ja schon angekotzt, dass ich einen neuen Router kaufen musste, damit mein Drucker nicht mehr abstürzt.

Weniger Minuten später kommt ein Anruf von einem Subunternehmer. Es soll ein Techniker geschickt werden. Ich bin irritiert. Warum? Es ist doch ein Routing-Problem bei einem Server von UnityMedia und nicht meins? Was will der dann hier? Ein Blick auf die Werte ließ die Dame am anderen Ende dann aber auch ein wenig irritiert zurück. Meine RX/TX-Werte wären wohl dramatisch schlecht. Der Techniker müsste mal an die Anlage im Keller (hoffentlich findet er die).

Irritiert wie ich war, machte ich direkt mal einen Speedtest. Der sieht soweit sauber aus.

Oder hat die Übertragungsgeschwindigkeit soweit gar nichts mit der Qualität zu tun? Ich werde es in wenigen Stunden erfahren…

To be continued.

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5 Responses to UnityMedia vs. Netflix – ein Frontbericht

  1. Martin Frank sagt:

    Herzliches Beileid. Ich habe seit 20.04. das gleiche Problem. Kein Smart TV, WDTV oder Bluray Player bekommt eine Verbindung zu Netflix. Einziger Lichtblick, mit meinen Apple TV gehts (aber halt kein 4k). Die Hotline von Unitymedia war nicht hilfreich. Kommentar von denen: ich soll den Streamingbetreiber wechslen. Mein Vertrag bei Unitymedia läuft noch 11 Monate und dann ist wahrscheinlich Schluss.

    • Ingo sagt:

      Das seltsamste ist: Über das WLAN des Ubee-Routers geht’s zumindest am Handy. UND: Wenn ich nur das WLAN anknipse, läuft es sogar (wenn auch etwas träge) am Fernseher, selbst wenn der über Kabel und Powerline an der FritzBox hängt und mit dem WLAN des Ubee nichts zu tun hat… ^^

      • Martin Frank sagt:

        Iphone und iPad gehen auch. iPhone als Hotspot geschaltet, Panasonic auf WLAN des iPhone Hotspot angemeldet und Netflix geht. Es ist ein Problem der Authentifizierung von Netflix über das ipv6 ipv4 lite Thema.

        • Guido Uggiano sagt:

          Hallo Martin, vielleicht hilft’s dem einen oder anderen beim Eingrenzen des Problems: Habe mit Nexus Player am Unitymedia-Anschluss auch das NW-2-5 Problem und es ist nicht möglich Netflix zum Laufen zu bekommen, ABER, wenn ich mein Apple-TV (1.Generation) am selben Router, am selben Kabelanschluss betreibe, funktioniert es einwandfrei, und das schon seit Monaten. Lustig oder ?

  2. Anonymous sagt:

    Ich denke es hat mit dem 4k Netflix App zu tun. Bei mir funktioniert Netflix auf Handy, Tablet, FireTv, SmartTV und auf Konsolen auch, nur nicht auf der Nvidia Shield TV nicht und es ist der einzige Gerät das 4k Funktion hat.

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