DSGVO-Update

Es hat ein wenig gedauert und ich hatte den Blog auch eine ganze Zeit lang komplett offline genommen (ja sogar alle Inhalte gelöscht und als Backup wieder eingespielt), als so ganz plötzlich die DSGVO ins Land schneite.

Mittlerweile habe ich aufgeräumt, aussortiert und mir eine Datenschutzerklärung generiert. Den Generator findet man übrigens hier: https://datenschutz-generator.de

Nebenbei habe ich dann alle möglichen Dinge (hoffentlich vollständig) ausgeknipst, die ich eigentlich nie benutzt habe. Google Analytics zum Beispiel. Weil, ganz ehrlich: Ist ja schön, Statistiken zu haben – aber ich habe sie mir nie ernsthaft angeguckt oder Schlussfolgerungen daraus gezogen. Das war für mich eher immer so eine „Datenvisualisierungsspielerei“. Dei ganzen in WordPress standardgemäß integrierten Dinge lassen sich nur bedingt abschalten, dafür habe ich die „Teilen“-Schaltfläche ausgeblendet, denn die wurde sowieso nie benutzt und wenn hier irgendwer irgendwas unbedingt in asozialen Netzwerken teilen möchte – naja, dann kopiert halt den Link und postet ihn in eurer Timeline. Bisschen unkomfortabel? Ja. Sicher. Dafür werdet ihr aber auch nicht automatisch von Facebook und Twitter überwacht. Hoffe ich zumindest.

Falls ich irgendwas irgendwo vergessen habe: Sagt bescheid, bevor ihr mit einer Abmahnung Geld verdienen wollt (im Zweifel geht das eh aus wie das Hornberger Schießen). Ich denke, das gehört zum guten Ton – und außerdem bin ich ja schließlich auch nur ein kleiner, unschuldiger Blogger mit zu viel Mitteilungsbedürfnis, den aber eh niemand liest (sagten die Statistiken zumindest bevor ich alles ausgeknipst habe – da kamen mehr Bots als echte Menschen und ich denke, die Privatsphäre von Suchmaschinen- oder Hacking-Bots muss nicht unbedingt geschützt werden, oder?). Falls ich also irgendwo irgendwas vergessen habe – einfach bescheid sagen und ich bessere noch nach. 😀

Gehackt worden – und ein Mini-Update

Ich feiere Premiere. Irgendein garstiger Bot (vielleicht auch das Update eines installierten Plugins) hat meinen Blog gehackt.

Da ich so gut wie gar nichts mehr hier schreibe (sollte ich vielleicht öfter mal wieder tun – denn das „closed web“ dank Facebook und Co. Ist ja auch nicht das Wahre), hätte ich das kaum bemerkt, hätte mein Provider nicht plötzlich eine Mail geschrieben, dass sie meinen Webspace abgeschaltet haben, weil sie Malware gefunden haben. Großartige Sache – vielen Dank. 🙂

So wie’s aussah war’s eine ganze Menge kryptisch anmutenden Codes, der sich in verschiedenen Template-Dateien herumtrieb. Und freundlicherweise an einer Stelle die sogar ich mit meinen rudimentären Programmierkenntnissen recht einfach finden konnte. Danke lieber Bot. 😉

Nun ja. Was bleibt mir anderes übrig, als nach Bereinigung der garstigen Code-Stücke mal zu sehen, was die WordPress-Security-Plugins so taugen (in diesem Moment fällt vermutlich der eine oder andere echte Sicherheitsexperte lachend vom Stuhl und muss reanimiert werden). Ob ich natürlich noch mehr zu berichten habe, bleibt fraglich. Gedacht war der Blog ja mal als eine Mischung aus Gedankensammlung und Möglichkeit, Lebenszeichen an all die entfernten Freunde und Bekannten abzusetzen. Ersteres scheitert an der Motivation, mir ernsthaft über irgendetwas Gedanken zu machen und letzteres daran, dass es derweil alternative Kanäle für Lebenszeichen gibt, wie z. B. Threema.

Dieser Beitrag ist Fake-News

Ich kann es nicht mehr hören. Fake-News, alternative Fakten, Lügenpresse, Propaganda – immer und immer wieder spülen diese Begriffe in meine Filterblasen und gehen mir damit verschärft auf die Nerven. Warum? Weil es sie schlicht nicht gibt.

Es gibt gar keine Fake-News? Aber sie wurden doch schon entlarvt!
Natürlich. Es gibt Medienberichte, die, wie sich herausstellte, auf völlig frei erfundenen Vorfällen beruhten. Das ist schlicht eine kontrafaktische Darstellung der Wirklichkeit. Ich stelle mir da die Frage: Ist es jetzt aber ein Problem, dass über diese frei erfundenen Vorfälle berichtet wurde oder dass die Vorfälle überhaupt erfunden wurden? Ich denke, beides geht Hand in Hand. Um das Problem genau aufzudröseln, muss man verstehen, wie Medien funktionieren.

In der Mediensoziologie gibt es da eine recht simple Wahrheit: Medien produzieren, was sie verkaufen können.
Klar. Wir glauben, Medien und Journalisten wären dazu da, über die Welt zu berichten und uns mit Informationen zu versorgen, die etwas über die Wirklichkeit aussagen. Allein das ist schon ein unglaublich komplexer Sachverhalt. Zum einen sind es tatsächlich nur Infomationen und keine Wahrheiten (für Wahrheiten sind Wissenschaftlicher zuständig, nicht Journalisten). Zum anderen gibt es so viele Informationen auf der Welt, dass es eine Auswahl darüber geben muss, welche davon verbreitet werden und welche nicht.
Mich persönlich interessieren die Wahlergebnisse der Vorstandswahlen eines nordvietnamesischen Taubenzüchtervereins nicht. Was mein persönliches Interesse damit zu tun hat? Nun ja: Ich würde keine Zeitung kaufen, in der darüber berichtet wird. Und was ist, wenn sich kaum jemand für diese Wahlergebnisse interessiert? Nun ja, dann ist es irgendwann teurer, darüber zu berichten und es auf Papier zu drucken, als dass es Leute gibt, die für den Inhalt bezahlen – und schon rentiert es sich nicht mehr. Schließlich wollen Journalisten auch von irgendetwas leben, Druckmaschinen müssen betrieben werde, Papier kostet Geld (Server kosten Strom, Räume die gemietet werden müssen, dazu kommen Organisations- und Verwaltungsaufwand, etc. pp.).
Das System „Medien“ wird also mit einer Fülle an Informationen konfrontiert und muss entscheiden, welche davon rentabel zu veröffentlichen sind und welche nicht. Manche davon mögen interessanter sein, manche weniger interessant – aber es braucht immer eine Zielgruppe, die es rezipiert und die der Information einen entsprechenden Wert beimisst.
Halten wir also fest: Die Rezipientengruppe entscheidet über die Veröffentlichung einer Information.

Und was ist mit „alternativen Fakten“?
Jetzt müssen wir noch weiter differenzieren. Handelt es sich um eine bewusst erfundene Geschichte (wie beispielsweise das „Bowling Green Massacre“) oder einfach um eine abweichende Wirklichkeitskonstruktion (wie beispielsweise die Anzahl der Besucher von Trumps Inauguration)? Im ersten Fall ist es eine frei erfundene Information, die sich eben sehr gut verkauft. „If it bleeds it leads.“ Derart stark emotionalisierende Themen ziehen zahlreiche Menschen an. Zahlreiche Menschen denen man Werbeanzeigen einblenden kann – kurzum: Bares Geld verdienen. Wenn es das jeweilige Medium nicht interessiert, ob der Inhalt der Informationen auf einer Basis von tatsächlich überprüfbaren Fakten basiert (es also Bullshit im Sinne von Harry Frankfurt ist), dann wird es selbstverständlich veröffentlicht. Auf der Ebene desjenigen, der die Informationen liefert, lassen sich andere Motive vermuten: Aufmerksamkeitsbedürfnis, bewusste Polarisierung, Lenkung der Meinung in eine gewünschte Richtung (dann reden wir von Propaganda), etc. pp.
Der zweite Fall ist komplizierter. Hier ist es so, dass es tatsächlich auf den Blickwinkel ankommt. Sieht man die Menschenmenge aus der Perspektive von Trump, dann waren selbstverständlich unfassbar viele Menschen anwesenden. Man kann sich schließlich leicht über Mengen täuschen und aus der Perspektive sieht man nicht alles. Man sieht einfach nur sehr viele Menschen und leitet daraus dann die Menge ab.
Jemand der die Menge von hinten sieht und die vielen leeren Flächen betrachten kann, hat ein völlig anderes Bild. Eine andere Wirklichkeitskonstruktion. Ich mache hier also einen konstruktivistischen Punkt: Was wir über die Welt wissen, ist das, was unsere Hirne aus den Informationen aus unserer Wahrnehmung zusammenbauen. Nicht mehr. Die Inaugurations-Menschenmenge ist ein gutes Beispiel dafür: Zwei Personen sind in der gleichen Situation – sie befinden sich aber in unterschiedlichen Perspektiven. Sie teilen zwar die gleiche Situation aber nicht die gleiche Wirklichkeit. Klingt komisch, ist aber so.
Es kann also eigentlich keine„alternative Fakten“ geben. Denn die „Fakten“ (ich will es mal als „objektive Entitäten in der Welt“ beschreiben, wenngleich sich das jetzt holprig anfühlt), sind zunächst einmal unveränderliche Dinge in der Welt. Sie lassen sich aber aus verschiedenen Perspektiven betrachten – es kann also „alternative Wirklichkeiten“ geben, die aus den gleichen Fakten entstehen.

Aber was ist denn nun wahr?
Wahrheit ist eine begründete Überzeugung. In dieser simplen Erklärung stecken zahlreiche Wahrheitstheorien, die ein paar Regalmeter füllen. Ich versuche es mal ganz, ganz einfach (und auch möglichst humorvoll, um niemanden zu sehr zu langweilen):
Es gibt einen Bericht darüber, dass letzten Sonntag der Südhintertupfinger Kaninchenzüchterverband eine Notstandssitzung abhielt, weil ihre Hasen zu Ostern nicht mehr mit dem Eierverstecken hinterher kommen und dringend mehr Hasen angeschafft werden müssen.
Das ist zunächst mal eine Information. Aber ist sie wahr? Nun, zunächst einmal habe ich die Überzeugung, dass Hasen keine Eier verstecken. Auch nicht zu Ostern. Das ist ein überlieferter Volksglaube, der darauf beruht, dass die Bauern früher im Frühling die Hasen dabei beobachten konnten, wie sie über die Felder liefen und dabei brütende Vogeltiere (Wildhühner und dergleichen) aufschreckten. Da blieben dann natürlich Eier liegen. Und so entstand dann der Glaube an den „Osterhasen“ der Eier versteckt. Nun ja. Zumindest mehr oder weniger. Ob das stimmt kann ich nämlich auch nicht so genau überprüfen.
Ich habe also die begründete Überzeugung, dass Hasen keine Eier verstecken. Damit wäre ein Teil dieser Information über den Südhintertupfinger Hasenzüchterverein schon mal „nicht wahr“. Wie sich zudem nach kurzer Recherche herausstellt, existiert gar kein „Hintertupfingen“ in dem es einen Hasenzüchterverein geben könnte. Das behaupten zumindest verschiedene Quellen und die Mehrheit der Leute, die man fragen kann. Ich kann also hier die Überzeugung ausprägen, dass es einen solchen Ort und damit auch die gesamte Geschichte gar nicht geben kann. Die Begründung dafür wäre dann über die Menge der unabhängigen Quellen hergestellt.
Hier ist allerdings dann auch Vorsicht angeraten: Schon Seneca sagte nämlich, etwas nicht unbedingt wahr sein muss, nur weil es die Mehrheit glaubt. Um es also genau zu wissen, müsste man jetzt die Recherche auf Ortsregister ausweiten und prüfen, ob es den Ort „Hintertupfingen“ wirklich nicht gibt.

Bei der Wahrheit kommt es also im Grunde auf die Begründung der Überzeugung an. Gründe sind dabei grundsätzlich vernünftig, überprüfbar und vor allem logisch konsistent. Und wenn es logisch konsistent aber nicht sinnvoll ist, dann ist es eben auch nicht wahr.
Wahrheit für sich genommen ist ein abstrakter Begriff, der mit Fakten nicht zwangsläufig Hand in Hand geht. Fakten müssen nämlich nicht wahr sein. Einfaches Beispiel: Wenn jetzt p einen Mord begeht und q im Schlaf die Tatwaffe in die Hand drückt, dann sind q’s Fingerabdrücke darauf und die Fakten deuten darauf hin, dass er den Mord begangen hat. Wahr ist das dennoch nicht.

So. So viel bis hier hin. Ich denke (oder hoffe), dass klar wird, warum ich den Begriff „Fake News“ für völlig inflationär verwendet und maximal deplatziert halte. Im Großen und Ganzen tendiere ich dazu, sofort an der Ernsthaftigkeit einer Aussage zu zweifeln, sobald der Begriff fällt. Und ich kann nur hoffen, dass wir diese ganze Debatte bald wieder loswerden.

Offline durch Router-Freiheit

In letzter Zeit scheinen sich meine Beiträge über meinen Lieblings-Internetanbieter zu häufen. Das scheint aber nur so. Meist hab ich jahrelang kein Problem und fühl mich total wohl. Na ja – meist will ich ja auch nichts vom Kundenservice.

Seit dem 01.08. herrscht Router-Freiheit. Prinzipiell kann man damit also jedes beliebige Endgerät betreiben. Im Prinzip heißt das, für alle, die jetzt keinen ewig langen Text lesen wollen:

Kauft euch eine Kabel-Fritz!Box, meldet sie an – 30 Minuten später läuft sie.

Meine Geschichte ist weitaus komplizierter und nervenaufreibender gelaufen. Bis ich mir dann als Ultima Ratio doch eine Kabel-Fritz!Box gekauft habe.

Montag

Montagabend kam ich auf die Idee, ich könnte doch mal wieder den Kundendienst fragen, wie es sich denn mit der Connect-Box und dem Bridge-Modus verhält. Soll ja, laut Internetseite, möglich sein, den freizuschalten. Vor ein paar Wochen war das noch nicht so ganz klar – also dachte ich, lass ich allen mal einen guten Monat Zeit, um Erfahrungen zu sammeln und zu gucken, wie das alles denn so funktioniert.
Also rief ich an, hatte direkt eine freundliche, fitte junge Dame am Apparat, die fragte, was sie denn für mich tun könnte.

„Den Bridge-Modus freischalten – das würde schon reichen.“

„Aber sehr gern, mach ich sofort.“

„Brauchen Sie dafür noch irgendwas? Vielleicht die MAC-Adresse oder sowas, damit Ihr System mein Gerät erkennt oder braucht es das gar nicht? Soll ja nur als Router dahinter laufen…“

„Oh, ja, geben Sie die mal her. Also Seriennummer und MAC-Adresse bitte.“

Also diktierte ich Seriennummer und MAC-Adresse – und genau ab diesem Moment lief dann alles schief. Wie auch immer hieß es, im Laufe des Abends, spätestens morgen, sollte dann alles laufen.

Dienstag

Ein seltsam grünes Licht begrüßte mich an der Connect-Box. All zu viel teilt einem die kleine Kiste ja nicht mit. Rot heißt, dass da irgendwas nicht stimmt, weiß heißt „alles OK“. Aber grün? Grün war neu. Also machte ich den Rechner an und stellte fest, dass der offenbar keine Internetverbindung bekam. Ok – alte IT-Weisheit: Machs’s mal aus und wieder an… also mal Connect-Box und Fritz!Box dahinter neugestartet. Kein Effekt. Na gut. Also vielleicht mal alles auf Werkseinstellungen zurücksetzen und noch mal neu synchronisieren lassen? Auch das half nicht.

Immerhin: Die Connect Box lies mich jetzt wählen zwischen „Router“ und „Modem“ – ich konnte jetzt also hin und her schalten, nachdem ich die Werkseinstellungen wiederhergestellt hatte. Aber auch nur für einen kurzen Moment, dann schaltete sie einfach die Netzwerkverbindung ab und ließ keine Einstellungen mehr zu…

Ergo: Ein neuer Anruf beim Kundenservice. Diesmal hatte ich einen ziemlich unfreundlichen Mitarbeiter am Apparat.

Ich fragte also, was da schief gelaufen sein könnte. Gestern hatte ich ja beauftragt, den Bridge-Modus freizugeben, damit die Connect Box nur noch als Modem fungiert und meine Fritz!Box den ganzen Rest machen kann.

„Das geht nicht. Das funktioniert gar nicht.“

„Äh – aber ich habe doch eben gesehen, dass ich den Modus jetzt umschalten kann? Es kommt nur halt kein Netz durch und die Kiste schaltet sich ab.“

„Nein, da haben Sie was falsch verstanden, die Connect Box kann keinen Bridge-Modus. Moment. Ich frag mal eben bei der Fachabteilung nach.“

„Hören Sie? Nein, also das geht wirklich nicht. Der Bridge-Modus wird von unseren Servern blockiert und damit können Sie dann keine anderen Geräte dahinter anschließen.“

„Aber das habe ich doch gestern erst beauftragt? Was haben Sie denn da nun eigentlich gemacht?“

„Keine Ahnung. Hier steht nichts drin…“

(Mittlerweile genervt.) „Na dann stellen Sie mich doch einfach zu jemandem durch, der Ahnung hat!“

Zack. Aufgelegt.

Meinen kurzen Wutanfall konnte die Viertelstunde Wartezeit an der Hotline nach erneutem Anrufen dann abkühlen. Der nächste Mitarbeiter war dann entspannter.

Stellt sich raus: Man hatte meine Fritz!Box als Kabel-Fritzbox mit Modem eingetragen – und das gleich doppelt, sodass es zu einem Konflikt kam. Ich meinte, dass das gleich dreifacher Unsinn wäre – zum einen hab ich ja nur eine Fritz!Box und zum anderen hat die kein Modem. Die Connect Box soll als Modem fungieren – nicht mehr und nicht weniger.

Ok, das würde korrigiert werden. Allerdings wäre es nicht ganz so einfach, ein Gerät wieder aus dem System zu löschen. Und ich könnte das Gerät dann auch nie wieder benutzen, denn das würde dann auf ewig als Modem gesperrt werden. Na ja – kein Problem, die Kiste hat ja gar kein Modem. Und was dann hinter der Connect Box passiert, scheint dem System mehr oder weniger egal zu sein. Wie dem auch sei: Morgen im Laufe des Tages soll alles wieder laufen.

Mittwoch

Immer noch das heimelige smaragdgrüne Leuchten an der Connect Box. Immer noch kein Internet. Neuer Anruf bei der Hotline – mittlerweile schon etwas genervter.

Schlagworte wie: „Hier sind alle Aufträge abgearbeitet, ich habe nichts mehr offen“ fielen – zusammen mti dem Hinweis, dass da ja meine Fritz!Box als Router angemeldet ist und die Connect Box auf Rücksendung steht. Ich hätte ja jetzt einen eigenen Router dran.

Auch das war ja wieder Unfug. Ich hatte doch gestern erst den Irrtum mit der Fritz!Box aufgeklärt und gehofft, dass sich die Connect Box einfach nur als Modem nutzen lässt. Alternativ hatte ich auch noch ein Modem im Keller rumliegen. Das würde dann angeblich auch funktionieren. Aber gut, erstmal müsste jetzt mal ein Ticket aufgemacht werden, damit die Fritz!Box da aus dem System kommt und die Connect Box wieder anspringt. Sollte im Laufe des Abends laufen, spätestens morgen. Ok. Also noch einen Tag warten.

Donnerstag

Das grüne Lichtlein an der Connect Box ließ mich schon vermuten, dass es auch diesmal nicht funktioniert hat. Diesmal war sie immerhin wieder an und ich konnte Einstellungen (Einstellungen an der Connect Box.. welch Hohn, es überhaupt so zu nennen!) vornehmen. Dass die Config-Datei „no-service.bin“ hieß, verhieß schon nichts Gutes…

Ihr werdet’s erraten haben: Ein neuer Anruf beim Kundenservice. Mittlerweile hatten die meine Nummer gespeichert und brauchten nicht einmal mehr Name oder Kundennummer. Ob so ein Bekanntheitsgrad nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt… Diesmal lief das etwa so:

„Ich hatte gestern die Zusage bekommen, dass spätestens heute alles wieder laufen würde, nachdem Sie dann endlich die fälschlicherweise eingetragene Fritz!Box wieder gelöscht und die Connect Box wieder angeknipst haben. Was ist denn diesmal schief gelaufen?“

„Ja, wees ick auch nich… also hier is jetzt mal keen Auftrag.. Moment. Also ick wees nich, ob da wer wat schief geguckt oder schief gedacht hat… aber scheinbar haben die die Dienste von der Connect Box gelöscht. Die steht hier auch auf Rücksendung im System.“

„Ja – ich weiß. Das sollte aber spätestens seit Dienstag nicht mehr der Fall sein. Da hatte ich schon aufgeklärt, dass das Unsinn gelaufen ist und dass das eigentlich so nicht gehört… also – buchen Sie die Dienste da doch bitte einfach wieder drauf. Und als Modem. Lassen Sie den Bridge-Modus an. Ich will die Connect Box als Modem und die Fritz!Box als Router benutzen…“

„Ja, ich kiek mal.. also alle Ihre Geräte unterstützen den Brige-Modus.. klar.. keen Problem, det kriejen wa hin. Sollte dann heute oder morgen wieder laufen. Guckense einfach kurz vom Schlafengehen noch mal nach, dann is eigentlich alles wieder da.“

Nun. Nein. Im Laufe des Abends passierte gar nichts.

Freitag

Am nächsten Morgen strahlte mir immer noch ein fröhliches grünes Lichtlein entgegen (für mich ein klares „Ich habe keine gebuchten Dienste“-Zeichen) – und so schrieb ich dann eine böse E-mail über das Kundenseviceportal, dass ich jetzt nach vier Tagen überhaupt kein Verständnis mehr für irgendwelche Irrtümer, Fehler oder Geduldsspielchen hätte… die sollen einfach nur die Dienste wieder buchen und den Bridge-Modus aktivieren und gut ist. Bis heute Nachmittag. Ende mit netter und verständnisvoller Kunde.

Nachmittags strahlte mir immer noch ein höhnisches grünes Licht entgegen. Ich dachte mir: Vielleicht hilft ein Neustart? Nein – tat’s nicht… also noch mal Anruf beim Kundenservice.

Stellt sich raus: Ok – die Dienste hätten gebucht werden sollen, aber es gab einen Provisionierungsfehler. Das steht jetzt auf manuell bei einem Kollegen von der IT. Läuft aber noch. Also auf keinen Fall die Connect Box ausschalten oder neustarten, sonst läuft’s ja wieder auf einen Fehler.

Ok. Ich habe also einen kleinen Spaziergang gemacht, bin einkaufen gegangen – und als ich wieder da war? Genau! Weißes Licht! Alles wieder online! Hurra.

Fast.

Leider hatten sie mit der Dienstebuchung auch den Bridge-Modus wieder abgeschaltet.

Ich war kurz davon jemanden sehr laut und sehr unfreundlich anzuschreien. Oder einfach in Tränen auszubrechen.

Also noch mal Anruf beim Kundenservice. Gefragt, was denn das nun wieder soll und ob es da wirklich ein technisches Problem gibt, den Bridge-Modus zu aktivieren, um ein Gerät dahinter zu betreiben? Scheinbar führt das ja immer irgendwie dazu, dass die Dienste von der Connect Box gelöscht werden… die sollen mir das einfach sagen, wenn’s ein Problem gibt – dann hab ich spätestens eine Stunde später eine Kabel-Fritz!Box am Start und dann können sie ihre Dienste draufbuchen und die Connect Box abschalten… meinetwegen. Aber vier Tage offline sein, nur weil man endlich von der versprochenen Router-Freiheit gebrauch machen will, ohne sofort neue Hardware kaufen zu müssen, wäre schon echt hart…

Einen kurzen Moment später, Rückruf vom Kundenservice. Es wäre tatsächlich besser, eine eigene Kabel-Fritz!Box anzuschließen. Das würde weniger Probleme machen.

Ok. 45 Minuten später hatte ich eine Kabel-Fritz!Box gekauft und angeschlossen, noch mal 10 Minuten Warteschleife – und die gleiche fitte, freundliche junge Dame vom ersten Mal am Apparat. Diesmal dürfe sie eine echte Kabel-Fritz!Box freischalten. Klar. Macht sie doch glatt. MAC-Adresse und Seriennummer diktiert, noch mal abgeglichen… „In etwa zwei bis drei Stunden ist die freigeschaltet.“

20 Minuten später lief sie. Ich konnt alles einrichten, was ich brauchte. Frieden und Glückseligkeit stellten sich ein, Engelschöre sangen schönste Lieder. Und ich brauchte dringend Bier.

Fazit

Wer nun also glaubt, Router-Freiheit wäre einfach – joa.. ist sie. Man muss sich nur einen eigenen Router kaufen. Oder darf auf keinen Fall die MAC-Adresse mitteilen, wenn man einen DSL-Router hinter einem Kabel-Modem betreiben will (und so Dinge wie VPN und Co. nutzen möchte).

UnityMedia vs. Netflix – Selbsthilfe für Nicht-Nerds

Heute Mittag rief mich eine freundliche junge Dame an, hatte meinen Blog gelesen und fragte sich, wie ich es denn nun genau geschafft hätte, das UnityMedia-Netflix-Problem zu lösen. Wie sich herausstellte, habe ich doch einiges an Nachforschungen angestellt, die für Menschen mit weniger technischem Verständnis nur schwer nachvollziehbar sind – und vor allem habe ich all meine Nachforschungen dazu auch noch gar nicht veröffentlich.

Nun – Zeit, das zu ändern. Ich blogge ohnehin sträflich selten in letzter Zeit. Hier nun also die (hoffentlich für alle) nachvollziehbare Lösungsstrategie, wie man UnityMedia dazu bekommt, den Anschluss auf IPv4 zurückzustellen.

Ich hoffe, dass in Zukunft die großen Dienste komplett auf IPv6 umstellen, damit dieser DSLite-Hinkefuß bald der Vergangenheit angehört. Bis das soweit ist, muss man dafür sorgen, dass die Verbindungen, die man bisher genutzt hat, auch funktionieren.

Das Problem

Seit über 20 Jahren geistert die Spezifikation für IPv6 herum – aber es wird aktuell von erkläglich wenig Diensten effektiv benutzt (jetzt mal von Google und Facebook abgesehen). Aktuell laufen so gut wie alle gewöhnlichen Geräte, die man sich so kaufen kann mit IPv4. Und da mittlerweile der alte Spruch aus den 90’ern „The internet is full, go home!“ langsam aber sicher wahr wird, werden die Geräte und Programme nach und nach von IPv4 auf IPv6 umgestellt. Schließlich gibt es immer mehr und mehr Geräte.

IP? Hab ich schon mal gehört – aber was ist das jetzt eigentlich?

So einfach wie möglich ausgedrückt: So etwas wie eine Telefonnummer, mit der euer Gerät im Internet erreichbar und erkennbar ist
Stellt euch das Internet wie ein gigantisch großes Telefonbuch vor in dem lauter Nummern stehen. In der alten Schreibweise haben die aber viel kürzere Nummern. Ihr erinnert euch sicher noch daran, als ihr das letzte Mal eure Oma angerufen habt, die schon seit über 40 Jahren Telekom-Kundin ist und noch eine vierstellige Telefonnummer hat… in etwa so ist das auch mit den IP-Adressen: Früher hat man nicht damit gerechnet, dass es mal so viele Geräte geben wird, also brauchte man nur kurze Nummer. Mittlerweile sind aber fast alle kurzen Nummern vergeben, somit braucht es eine neue Schreibweise – längere Nummer – mit denen dann wieder neue IP-Adressen vergeben werden können.

DSLite – die Wurzeln allen Übels

Wenn jetzt jemand mit einer alten Nummer jemanden mit einer neuen Nummer anrufen will, hat der für gewöhnlich kein Problem. In der Mitte steht eine Vermittlungsstelle, die das übersetzen kann. Bei IP-Adressen gibt es so etwas auch – das nennt sich „aftr-Router“ und steht beim Internetanbieter herum. Der macht die ganze Zeit nichts anderes, als die IPv6-Adresse des Kunden in eine IPv4-Adresse nach Außen zu übersetzen, damit ein Dienst, der noch kein IPv6 versteht, das entsprechend verarbeiten kann.
Hier gibt es dann nur ein Problem: Der Router weist meist ein paar Tausend Kunden die gleiche IPv4-Adresse zu und der Dienst ist dadurch völlig verwirrt.

Stellt euch vor, ihr würdet am Tag ständig von der gleichen Telefonnummer angerufen werden, aber es ist immer jemand anderes am Apparat. Das macht euch Kopfzerbrechen. Und nicht nur euch – so einem Webserver auch. Ihr wollt ja wissen, wer da anruft – und wenn das immer die gleiche Nummer aber immer jemand anders ist, dann geht ihr irgendwann nicht mehr ans Telefon. Sowas macht der Server dann auch: Er weiß nicht mehr genau, mit wem er spricht und lehnt die Verbindung ab.

Netflix – ein Spezialfall

In diesem Fall hatte ich sowohl zu Technikern von Netflix als auch von UnityMedia Kontakt und habe mehr oder weniger Stille Post gespielt. Dabei kam ich zu folgender Erkenntnis:

Alle Server von Netflix laufen nativ auf IPv6. Es sollte also kein Problem mit UnityMedia geben. Natürlich gibt es ein Fallback auf IPv4 für beispielsweise mobiles Streaming.

Und genau da ist der Haken: Der aftr-Router von UnityMedia spricht mit dem Login-Server von Netzflix. Statt nun aber die native IPv6-Adresse zu nutzen, übersetzt er die des Kunden in eine IPv4-Verbindung (das passiert übrigens auch, wenn man das gesamte private Netzwerk auf IPv6 umgestellt hat – ich hab’s ausprobiert…). Der Login-Server von Netflix kann nun aber den Nutzer nicht mehr korrekt identifizieren – weil es ja mehrere Tausend Leute gibt, die sich hier jetzt eine Adresse teilen. Also weist er die Anmeldung zurück und kommentiert das mit „Fehler NW-2-5“. Man könnte auch sagen: Er knallt genervt den Höher auf die Gabel, weil schon wieder die gleiche Nummer anruft und irgendjemand anders dran ist.

Sowohl bei Netflix als auch bei UnityMedia ist das Problem bekannt. Man sagte mir bei Netflix (die haben übrigens einen absolut grandiosen Kundenservice!) ss gäbe gemeinsame Teams, die hier schon an einer Lösung arbeiteten. Es gäbe nur hin und wieder mal Querelen, weil UnityMedia mit Maxdome ja einen eigenen Streaming-Dienst anböte und die Konkurrenz im eigenen Netz unterstützen – naja, scheinbar finden die das ein wenig uncool und lassen sich Zeit damit. Scheinbar machen die Kunden da auch nicht unbedingt all zu viel Druck. Der Netflix-Kundendienst hat zumindest wöchentlich mit hunderten von UnityMedia-Kunden zu tun, die keine Verbindung bekommen und dene sie immer das gleiche erzählen können: „Tut uns leid, ist nicht unsere Schuld…“

Ein einfacher Beleg, um herauszufinden, dass es am Internetanbieter liegt: Einen Hotspot über das Handy öffnen (das hat aktuell immer IPv4 und es kommt nicht zu Zuordnungsproblemen), den Fernseher über Wifi mit dem Handy verbinden und dann Netflix starten. Wenn das dann problemlos funktioniert: Voilà – Problem erkannt.

Nicht das einzige Verbindungsproblem

Bei meiner Untersuchung habe ich herausgefunden, dass Netflix nicht die einzige App ist, die gestört war. Ihr könnt also untersuchen, was sonst noch in eurem W-LAN gestört ist und was bisher problemlos funktionierte.

In meinem Fall waren folgende Geräte und Apps betroffen:

Withings SmartBody Analyser (Wifi-Waage): Immer wieder Verbindungsprobleme, bishin keine Verbindung/Synchronisation möglich.

Garmin fenix 3 HR (Sport-Smartwatch): Verbindet sich zwar mit dem W-LAN, synchronisiert aber effektiv nur über das Mobilfunknetz.

Smartphone-Apps (verschiedene – als Beispiel hier auch die Withings-App oder MyFitnessPal): Verbindung nicht möglich, keine Synchronisation. Funktioniert tadellos über das Mobilfunknetz, nicht über das W-LAN im UnityMedia-Netz.

Drucker (HP OfficeJet Pro 8620): Seit der Umstellung im Dezember Abstürze, sobald er online geht. Ich musste mir hier eine eigene Fritzbox zulegen, damit das Gerät wieder eine Wifi-Verbindung bekommt und die Online-Dienste fehlerfrei funktionierten

PS3, PS-Vita, Xbox 360 und PS4: Keine Verbindung zu Online-Diensten, Updates schlagen fehl, Downloads sind unmöglich. Einstellungen an den MTU-Größen bei der PS3 ändern daran nicht viel – allein die Verbindung über den eigenen Router versprach ein kleines bisschen Besserung, ständige Verbindungsabbrüche kamen trotzdem vor.

VPN-Verbindungen: Sobald ich eine VPN-Verbindung mit dem Firmen-Netz aufbauen wollte, stürzte der UnityMedia-Router sang- und klanglos ab und startete neu. Noch mal auf die Schnelle wichtige Daten austauschen, die nicht bis zum nächsten Tag im Büro warten können – keine Chance.

Ihr könnt Apps auf folgende Art und Weise testen:

1. W-LAN am Handy abschalten
2. Aus der App im Mobilfunknetz ausloggen
3. W-LAN wieder einschalten
4. In der App einloggen

In meinem Fall kam es dann zu Verbindungs- und Synchronisationsproblemen. Ist das bei euch auch der Fall, schreibt diese Apps und die Verbindungsprobleme auf.

Lösungsfindung mit UnityMedia

Eins muss ich ihnen lassen: Sie sind um eine Lösungsfindung ernsthaft bemüht! Es hat mich ein wenig Zeit und Nerven gekostet alles zu Recherchieren (ich habe Netflix, Sony und UnityMedia über Wochen hinweg mit Anfragen und Hotline-Telefonaten genervt…), aber ich kann nicht sagen, dass ich unzufrieden bin. Im Gegenteil: Wenn man allen Beteiligten alle Informationen zur Verfügung stellt, dann sind sie recht schnell dabei eine konstruktive Lösung zu finden. Auch wenn meine letzte Mail schon sehr genervt war.

1. Störung melden

Über das Kontaktformular im UnityMedia-Kundencenter könnt ihr eine Störung melden. Dort tragt ihr zusammen, welche Apps bei euch gestört sind. Meist ist es übrigens die Netflix-App. Die Website lässt sich grundsätzlich problemlos aufrufen. Darauf solltet ihr euch übrigens nicht einlassen. Weil, mal ehrlich: Wer stellt sich denn schon einen Fernseher im Wert eines Kleinwagens ins Wohnzimmer und guckt dann am „kleinen“ PC-Monitor in schlechterer Auflösung? Genau… niemand. 😉

Wenn ihr dann alle Verbindungsstörungen aufgelistet habt, bittet ihr um eine Umstellung auf IPv4, da sich hiermit die Verbindungsprobleme beheben lassen.
Hilfreiche Links, die ihr dazu noch lesen und ggf. auch mit in die Störungsmeldung einfügen könnt, hättet ihr z. B. hier:

https://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=1548544
http://stadt-bremerhaven.de/netflix-und-unitymedia-ausgesperrt-ohne-vpn/
https://help.netflix.com/de/node/14424

2. Kontakt mit dem Kundendienst

Innerhalb kürzester Zeit bekam ich einen Anruf auf die Fehlermeldung hin, dass man mir einen Techniker schicken wollte. Wie gesagt: Wenn es um Störungsbeseitigung geht, sind die Jungs von UnityMedia echt schnell – da kann man nicht meckern.

Der Techniker wird da nicht viel tun können, da das Problem ja der aftr-Router von UnityMedia ist und nicht in eurem Haus oder an eurer Konfiguration liegt. Aber es kann nicht schaden, ihn kommen zu lassen. In meinem Fall hat er tatsächlich einen Fehler am Kabelverstärker im Keller gefunden. Und wenn er nett ist und ihr auch zu ihm, dann tauscht er euren alten Ubee- oder Technicolor-Router als defekt aus und stellt euch eine Connect-Box hin. Warum das eine gute Idee ist?

Nun ja, weil: http://www.golem.de/news/unitymedia-kritische-sicherheitsluecken-in-zehntausenden-zwangsroutern-1607-122068.html

3. Mir wird eine Horizon-Box angeboten. Soll ich das annehmen?

Ganz klar: Nein! Das ist nur mit einer höheren Monatsgebühr und einer Vertragsverlängerung verbunden. Netflix funktioniert dann, weil die Horizon-Box nur IPv4 kann (euer Anschluss wird dann also automatisch umgestellt) – aber ihr wollt ja nicht mer bezahlen als unbedingt nötig, oder?

4. Die stellen sich quer! Soll ich mit Kündigung drohen?

Das wäre seltsam, denn ich kann wirklich nicht sagen, dass sich UnityMedia tatsächlich weigert das Problem zu lösen. Es hat eine ganze Weile gedauert – aber nachdem ich all meine Informationen in eine zugegebenermaßen nöselige Mail gepackt hatte, rief mich einen Tag später der Second-Level-Support an, verkündete, dass man meinen Anschluss wieder auf IPv4 umstellen würde – und schon am selben Abend, nur ein paar Stunden später, liefen alle Verbindungen wieder genau so, wie ich es erwartete.

Also: Wenn’s denn unbedingt sein muss und ihr wirklich total genervt seid… ich kann euch ja nicht davon abhalten.

5. Ich soll auf IPv4 umgestellt werden – habe ich damit jetzt irgendwo anders ein Problem?

Nein. Im Gegenteil: Die meisten „alten“ Geräte und Programme in eurem Leben werden ohnehin noch IPv4 sprechen. Vermutlich funktionieren dann sogar mehr Sachen als vorher. Und Geschwindigkeitsverluste gibt es auch nicht.

So. Ich hoffe, das hilft all jenen weiter, die erstmal nicht so genau wissen, wo eigentlich das Problem ist und die von einem Kundenservice zum nächsten geschickt werden.

Übrigens: Seid nett zum Kundenservice. Die haben ihre festen Zeitvorgaben, in denen sie Kunden abgefertigt haben müssen, Ablaufprotokolle, nach denen Fehler gesucht werden müssen und jeden Tag haufenweise Stress. Selbst wenn ihr euch gerade ärgert – die können nichts dafür. Fasst die Fehlermeldungen lieber sachlich zusammen und recherchiert ggf. noch mal alle Ursachen und Quellen. Es hilft viel mehr, Daten und Fakten zu liefern, statt sich zu ärgern und den Ärger an anderen auszulassen. 🙂

UnityMedia vs Netflix – Der Techniker ist informiert

So ein bisschen war ich ja schon darüber erstaunt, dass UnityMedia einen Techniker rausschickt, obwohl die eigentlich ein internes Routing-Problem haben. Der Techniker übrigens auch.

Techniker: „Klar, es ist bekannt, dass die da ein Problem haben. Die schicken aber lieber einen von uns, weil wir billiger sind, als sich um ihre Server zu kümmern.“

Ich: „Joa. Offenbar haben die da ein Problem mit dem DualStack von IPv6 auf IPv4. Irgendwas läuft da nicht richtig. Vielleicht hilfts, wenn im August dann der Routerzwang wegfällt und die die Zugangsdaten rausrücken müssen.“

Techniker: „Das können Sie vergessen. Sie glauben nicht ernsthaft, dass die Ihnen irgendwas rausrücken? Vielleicht dürfen Sie dann eigene Hardware kaufen, ja, aber die Zugangsdaten? Im Leben nich…“

Ich: „Naja,  wenn ich recht überlege – am DSLite-Anschluss wird das eh ein Problem, da isses dann ja  auch egal, welche Router/Modem-Kombi da hängt, der Anschluss ist ja das Problem…“

Techniker: „Joa und das können Sie nur über die extra teure Horizon-Box lösen, denn die kann im Prinzip kein IPv6 – oder Sie machen solange Druck, bis die Ihnen den Anschluss wieder umstellen. Ich kann Ihnen auch einfach mal den Router tauschen, das Ubee-Ding ist das schlimmste, was die jemals auf den Markt gebracht haben – die ConnectBox kommt deutlich besser mit IPv6 klar.“

Ich: „Naja, die haben sie mir ja geschickt – und ich hab Sie wieder zurückgehen lassen, weil ich dachte, dass ich’s nicht brauche, denn in der aktuellen Konfiguration läuft ja alles. Mehr oder weniger.“

Facepalm.

Wie sich dann aber herausstellen sollte, gab es zusätzlich dazu auch noch ein Problem am Verstärker im Keller. Der leuchtete in wundervollem rot und sorgte dafür, dass der Upstream der Modems gestört war. Laut Techniker wäre der in den nächsten Tagen komplett verreckt – also hat er ihn getauscht.

Nachdem der dann nun aber etwa drei bis vier mal rein und raus gelaufen war und feststellte, dass die Modems im Haus immer noch keine guten Werte brachten und baute sowohl einen neuen Vorverstärker als auch einen neuen Verteiler und einen neuen Übergabeknoten ein. Alles neu – Hurra.

Netflix bekommt immer noch keine Verbindung – aber das wusste ich ja schon vorher…

Die Aussage, dass sich die UnityMedia-Techniker mit den Netflix-Technikern mal zusammensetzen wollen, um eine Lösung zu finden, ist übrigens auch nicht neu.

Hier zum Beispiel wird das Problem ganz gut aufgegriffen: http://www.markusbrunner.de/news-detail/unitymedia-amazon-firetv-die-netflix-app-und-der-ui-113-fehler.html

Und noch mehr technische Details dazu finden sich hier: https://gist.github.com/jalogisch/62d5a3df39932dda2541#file-netflix-unitymedia-customer-hell

Aktuell scheinen sich also die Parteien die Bälle bzw. die Kunden hin und her zu werfen.

Es bleibt bei „der Techniker ist infomiert“ – mal sehen, ob sich eine Lösung findet oder ob ich es schaffe, auf IPv4 zurückgestellt zu werden. Das hat mir ja nun nicht nur den Drucker sondern nun auch noch Netflix unbrauchbar gemacht. So insgesamt kann das keine Lösung sein. Ich werde es mir nun also auf die Fahnen schreiben, in den nächsten Wochen sowohl bei Netflix als auch bei UnityMedia nachzuhaken, bis einer von beiden das Problem gelöst hat. Ich bin ja nicht der Einzige, der unter diesen Netzumstellungen zu leiden hat – und die Netflix-App scheint die einzige zu sein, die damit ein Problem hat.

Fragt sich nun: Warum geht es eigentlich über den Browser? Wenn es ein Problem bei Routing ist, dann dürfte es doch auch über den Browser nicht funktionieren. Tut’s aber ganz offensichtlich – und das auch total problemlos. Dem muss ich mal nachgehen…

Nur habe ich weder Lust, meinen PC ins Wohnzimmer zu verlegen, noch kann der Browser 4k-Inhalte wiedergeben. Das wiederum geht nur über die App und die funktioniert nicht.

UnityMedia vs. Netflix – ein Frontbericht

Vor gar nicht all zu langer Zeit beschloss ich, dass ich Netflix endlich bequem im Wohnzimmer genießen will. Ständig vor dem kleinen Rechner hocken – auf Dauer ist das nicht so prickelnd. Also schaffte ich mir einen schönen großen Fernseher an.

Damit nahm das Unglück seinen Lauf.

So ein Smart-TV braucht, damit er mühelos funktioniert, eine möglichst schnelle Internetverbindung. Als UnityMedia-Kunde mit 100 MBit-Leitung reicht das dreimal für 4k-Streams, somit machte ich mir keine großen Sorgen.

Die erste Hürde war der Ubee-Router. Der konnte zwar (relativ) schnelles W-LAN über 5 GHz, aber eben nur einfach. Dualband? Geht nicht. Connect-Box? Nur bei Produktupgrade. Der Ubee-Router hatte mich ohnehin genervt, weil seit einem halben Jahr, nachdem UnityMedia ein Update der Firmware durchführte, mein Drucker (Officejet Pro 8620) bei Kontakt abstürzte. Eine feste IP-Vergabe hatte da zeitweise geholfen, aber eben auch nur zeitweise. Ich musste also einen neuen Router anschaffen, um zumindest die W-LAN-Geräte wieder nutzen zu können, wie gewohnt.

Also schaffte ich mir eine Fritzbox an. Die konnte zwei W-LANs gleichzeitig, machte dann auch gleich das Zuhause ein wenig Smarter (es spart schon Strom, wenn man Standby-Geräte einfach automatisiert an der Steckdose abschalten kann) und sorgte für ordentlich Dampf. Die von meinem Nachbarn empfohlenen Powerline-Adapter sorgten dann auch gleich für eine saubere Netzwerkgeschwindigkeit – alles gut, will man meinen.

Weit gefehlt.

Netflix auf dem Fernseher ist eine wundervolle Sache – wenn der Dienst nicht gebremst wird. Zunächst einmal war die Verbindungsqualität und -geschwindigkeit über W-LAN tatsächlich höher als über’s Kabel. Unglaublich? Wahr! In der Vermutung, dass Sony hier in seine Smart-TVs einfach dusselige LAN-Adapter einbaut, habe ich den Support damit ein paar Tage lang genervt. Dort war man der Ansicht, Netflix wäre schuld, schließlich ist das ja die einzige App, die nicht richtig läuft (YouTube feuerte saubere 4k in ordentlicher Übertragungsgeschwindigkeit raus).
Netflix damit konfrontiert, hieß es nur, dass man dort ja nur die Apps an die Hersteller der Geräte ausliefert – und die müssen sie dann an die Fernseher anpassen. Das wäre also ein sehr seltsames Verhalten, dass über Kabel weniger Datendurchsatz als über W-LAN kam – aber nicht die Schuld von Netflix.
Zurück zu Sony wollte man sich dem nicht weiter annehmen. Man würde ja schließlich nur die Apps einbauen, wie sie geliefert werden und ein technischer Fehler wäre nicht herleitbar, da ja immerhin alle anderen Apps und Funktionen fehlerfrei laufen.

Wie von Geisterhand funktionierte dann plötzlich alles. Es brauchte ein wenig Ladezeit – aber die Kombination aus Powerline und Ubee-Router (und später auch die Kombination Powerline – Fitzbox – Ubee-Router) führte zu sauberen Ergebnissen und Netflix in 4k.

Bis Donnerstag den 21.04.2016.

Donnerstagabend brauchte die App dann eine ganz ordentliche Ladezeit – und konfrontierte mich mit dem Fehler „NW-2-5“. Ein, wie sich herausstellen sollte, unglaublich beliebter Fehler, wenn es darum geht, IPv4 auf IPv6-Routing zu machen.

Mit diesem Fehler konfrontiert, startete ich zunächst mal den Fernseher neu (reboot tut gut) – ohne Erfolg. Dann startete ich die Powerline-Adapter neu, die Fritzbox, vergab eine neue, feste IP-Adresse, überließ die IP-Vergabe auch mal komplett der Fritzbox über DHCP, probierte eine direkte Verbindung über den Ubee-Router, opferte ein Lamm und tanzte um’s Sofa herum (Döner kann echt scharf sein), probierte Workarounds mit dem Log-in über einen Handy-Hotspot und dann das Fallback zum UnityMedia-Netzwerk… all das kostete mich die Freitagnacht, funktionierte für einen kurzen Moment – und dann nicht mehr.

Also wieder ein Anruf bei Netflix. Nach einem langen und ausführlichen Pläuschchen mit der Hotline (die Jungs nehmen sich echt Zeit und bemühen sich um eine empathische Lösungsfinden, Kompliment dafür!) stellte sich heraus: In den letzten fünf Monaten rufen tausende von UnityMedia-Kunden bei denen an. UnityMedia hat das Netz komplett auf IPv6 umgestellt (was gut ist), aber es gibt wohl ein Routing-Problem (was wiederum schlecht ist). Aussage Netflix: Wir verstehen das auch nicht so richtig, vermuten aber, dass die uns ausbremsen, denn auch unsere Server akzeptieren selbstverständlich IPv6. Von ihrer Seite aus gibt es aber keine Lösung für das Problem, denn der Dienst selbst steht ja uneingeschränkt zur Verfügung (Hotspot über Handy und die Sache verbindet ohne zu murren). Ich sollte also mal UnityMedia kontaktieren. Einige Kunden hätten schon mit Kündigung gedroht und plötzlich ging’s am nächsten Tag… aber das nur so am Rande. Ok.

Nächster Anruf UnityMedia. Das Problem geschildert (es war tatsächlich kein Unbekanntes, in den letzten Tagen kommt es wohl auch tatsächlich häufiger vor). Angeblich ist das Prüfverfahren bei Netzflix auf IPv4-Basis. Nun gibt es kaum noch freie IPv4-Adressen und bei solchen Diensten werden UnityMedia-Kunden, die nativ IPv6 haben, über einen speziellen Server geroutet, der ihnen dann einen IPv4-Tunnel zu Netflix liefert. Wenn nun aber diese IP-Adresse mehrfach vergeben ist (scheinbar gibt es nur einen recht kleinen Adressraum für UnityMedia-Kunden), dann soll das Netflix-Prüfverfahren den Kunden nicht mehr korrekt identifizieren können. Aber es soll wohl mal an die Technik zur Prüfung weitergegeben werden, eben weil es in den letzten Tagen auch häufiger vorkommt. Meine Ansage war klar: Mit einem „Wir sind nicht Schuld“ oder „Das ist Netflix‘ Problem“, um den Ball wieder zurück zu spielen, kommen sie mir nicht davon. Ich kaufe mir doch keinen Fernseher im Wert eines gebrauchten Keinwagens, um dann Kernfunktionen nicht nutzen zu können, weil irgendwo eine Routing-Tabelle nicht stimmt. Mich hat’s ja schon angekotzt, dass ich einen neuen Router kaufen musste, damit mein Drucker nicht mehr abstürzt.

Weniger Minuten später kommt ein Anruf von einem Subunternehmer. Es soll ein Techniker geschickt werden. Ich bin irritiert. Warum? Es ist doch ein Routing-Problem bei einem Server von UnityMedia und nicht meins? Was will der dann hier? Ein Blick auf die Werte ließ die Dame am anderen Ende dann aber auch ein wenig irritiert zurück. Meine RX/TX-Werte wären wohl dramatisch schlecht. Der Techniker müsste mal an die Anlage im Keller (hoffentlich findet er die).

Irritiert wie ich war, machte ich direkt mal einen Speedtest. Der sieht soweit sauber aus.

Oder hat die Übertragungsgeschwindigkeit soweit gar nichts mit der Qualität zu tun? Ich werde es in wenigen Stunden erfahren…

To be continued.

Langsame Google-Dienste

Es ist mal wieder an der Zeit, den „wisdom of the crowd“ anzuzapfen – denn Google und die Hilfe-Foren sind gerade nicht all zu hilfreich.

Seit einer Weile sind die Google-Dienste bei mir nahezu unendlich langsam. Das geht bis zu Unbenutzbarkeit. Maps und Photos brauchen teilweise minutenlang um Inhalte zu laden (bei Maps besonders ärgerlich, wenn so ein Kartenausschnitt oder eine Adresse erstmal sechs bis acht Minuten Bedenkzeit hat), YouTube lädt einen kurzen Moment – danach stoppt es unvermittelt und Videos ruckeln (was bei einer 100-MBit-Leitung echt lächerlich ist…), Docs öffnen sich zwar, aber auch das ging schon mal deutlich flüssiger und sogar die Suche wirft ihre Ergebnisse ab und an mal ziemlich träge aus.

Was ich jetzt schon, (teils mit Hilfe des Support-Forums), versucht habe ist:

  • Google-Konto in Chrome trennen, Synchronisation zurücksetzen, neu verbinden
  • Neues, lokales Nutzerkonto in Chrome anlegen und neu synchronisieren
  • Synchronisation beenden, Daten löschen, neu synchronisieren
  • Chrome sauber neuinstallieren und sämtliche Einstellungen und Cache-Dateien bereinigen
  • Anderen Browser probieren (Chrome, Firefox, Edge)
  • Einen BB-8 opfern und nackt im Vollmond einer Android-Statue huldigen, um die dunkle Seite der Google-Macht günstig zu stimmen

Bisher hat nichts geholfen, außer eins: Aus dem Google-Konto ausloggen. Das ist aber bei der Verwendung von Docs und Photos ziemlich unmöglich und bei Maps lässt sich die gesuchte Adresse/Position dann auch nicht mehr bequem ans Handy senden.

Am Handy funktionieren die Google-Dienste dafür rasant wie eh und je.

Also liebes Internet: Kenn jemand von euch das Problem und weiß vielleicht, wie es sich lösen lässt? 🙂

Vom Rechtsruck der Gesellschaft

Ich habe versucht, die aktuelle Problemlage einfach zu ignorieren. Ich dachte mir: „Ist nur so eine Modeerscheinung, wenn die Saure-Gurken-Zeit vorbei ist, kümmern die Leute sich wieder um die Fußball-WM oder DSDS oder was sonst in ihren kleinen Köpfen so herumspukt…“ Immer mal wieder bekam ich dann Nachrichten mit dem bohrenden Zwischenruf „Du als Philosoph musst doch was dazu sagen können…“ Ich wollte nicht. „Als Philosoph“ wäre es unangemessen hierzu etwas zu sagen – vor allem so, dass es diejenigen, die es betrifft auch verstehen. „Wir Philosophen“ versteigen uns ja allzu gern in Zitaten und Belegen und am Ende fragt sich jeder, der nicht so tief in der Materie steckt „Joa, und was interessiert mich jetzt, was Aristoteles vor 2000 Jahren dazu sagte?“ Nein, als Philosoph schweige ich weiter dazu.
Nachdem nun aber mein eigener Freundeskreis von „besorgten Bürgern“ langsam aber sicher infiltriert wird kann und will ich so ganz persönlich nicht mehr schweigen. Bevor ich jetzt einige recht langjährige Freund- und Bekanntschaften beende, muss ich da noch mal ein kurzes „denkt doch noch mal drüber nach“-Zeichen setzen. Gelingt es nicht, die Leute zur Vernunft zu bringen – nun, dann wird zumindest meine kleine Filterblase demnächst kleiner und vor allem ruhiger. Ich muss einfach eine Ist-Analyse vornehmen – für mich, für meine Freunde und für alle anderen denen, es womöglich gerade ähnlich geht wie mir. Ich habe das Gefühl, mir platzt sonst der Kopf. Also gut. Allons-y!

Meine Wahrnehmung der aktuellen Lage

Eigentlich hätte ich nicht geglaubt, dass es wieder soweit kommen kann. Wenn mir meine digitale Filterblase Nachrichtenartikel vorbeispült, dann fühle ich mich in die 90’er zurückversetzt – eine Zeit, die mich als damals Jugendlichen schon erschrocken hat. Wieder einmal herrscht Krieg, wieder einmal fliehen Menschen. Nur diesmal nicht vor einem militärischen Gegner, der es auf einen Sieg abgesehen hat. Diesmal handelt es sich um einen „neuen Krieg“. Ein Krieg, der nur um seiner selbst Willen geführt wird. Mit maximaler Brutalität und Ignoranz jeglicher „rules of engagement“.

Was sehe ich, wenn ich mir die Medienberichte ansehe, unabhängige Blogs lese und Podcasts von und mit Leuten höre, die tatsächlich an der Front waren?

Im Ausland:

  • Menschen, die alles aufgeben und fliehen, bevor sie entweder getötet oder vom IS zwangsrekrutiert werden
  • Menschen, die mitansehen mussten, wie deren Töchter zu Tode vergewaltigt und deren Söhne erschossen wurden, weil sie sich weigerten zu kämpfen – und die auch nur am Leben gelassen wurden, um eben diese Bilder niemals zu vergessen
  • Mangelnde Unterstützung für die die kleinen Gruppen an Peschmerga (wer in kürzester Zeit 400 Quadratkilometer Fläche vom IS befreien kann, dürfte mit vernünftigen Waffen die Situation recht schnell unter Kontrolle bekommen…)
  • Luftschläge, die die falschen treffen („aus Versehen“ wird ein Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan getroffen…)
  • Staaten im Nahen Osten, die durchaus in der Lage wären, einzugreifen und militärisch gegen den IS vorgehen könnten, aber einfach nichts oder deutlich zu wenig tun
  • Millionen Menschen, die im Jemen in gigantischen Zeltlagern vor sich hin vegetieren

Im Inland:

  • Terroristen, die Flüchtlingslager und Asylantenheime angreifen und niederbrennen
  • Menschen, die zu Zehntausenden mit völlig falschen Prämissen eine logische Schlussfolgerung fabrizieren (patriotisch kann man als Europäer nicht sein, weil Europa kein einzelnes Land ist und islamisiert wird nichts, schon gar nicht das Abendland)
  • Menschen, die in sozialen Netzwerken Hass verbreiten, dass ersichtlich wäre, welchen Grund sie zum Hassen hätten
  • Menschen, die sich tatsächlich Sorgen zu machen scheinen, dass wir als Gesellschaft mit einem größeren Strom Flüchtlingen nicht klarkommen
  • Politiker (Anm.: Auch in der Definitionsmenge „Menschen“ enthalten, aber in exponierter Position), die rassistische Vorurteile kommunizieren und damit wahrlich als geistige Brandstifter angesehen werden können
  • Überforderte Helfer, die tun, was menschenmöglich ist, um diejenigen Flüchtlinge, die es hierher geschafft haben, mit dem nötigsten zu versorgen
  • Allenthalben Jammern auf hohem Niveau, das wir das alles nicht stemmen können, dass das alles zu teuer ist und dass ja gefälligst andere Länder auch mal ein wenig beitragen sollen…

Was ich dazu denke

Immer wenn ich lese oder höre, was Politiker, „Asylkritiker“ und „besorgte Bürger“ an „Asylkritik“, „differenzierter Meinung“ oder „Besorgnis“ äußern, wirkt das auf mich etwa so:

„Liebe Flüchtlinge, wir haben totales Verständnis dafür, dass ihr hier herkommen wollte, weil euch in eurem eigenen Land der Arsch weggeschossen wird, eure eigene Regierung versagt hat und alles was ihr im Moment seht, Krieg, Gewalt und Tod sind. Aber tut uns doch den Gefallen und leidet woanders weiter. Wir möchten von unserem Wohlstand nichts abgeben. Ja, wir können uns grau daran erinnern, dass unser eigenes Land vor gar nicht allzu langer Zeit in Schutt und Asche lag und dass womöglich eure Großeltern dabei geholfen haben, es wieder aufzubauen. So ein kleines bisschen ist uns auch bewusst, dass wir selbst Schuld daran waren, dass es in Schutt und Asche lag… aber was interessiert uns denn unser Geschwätz von Gestern? Jetzt zählt nur noch Leistung und Leistung und – ach ja, Leistung. Und da wir eure Qualifikationen, die ihr womöglich mal hattet nicht anerkennen wollen (schließlich könnt ihr ja nicht mal Deutsch!), könnt ihr ja keine Leistung bringen. Tja, Pecht gehabt, selbst Schuld, was kommt ihr auch hier her? Oh und diese freundlichen Damen und Herren mit den Springerstiefeln und den Brandsätzen dort hinten in der Ecke, da sind wir auch total dagegen! Aber wir machen da jetzt mal nichts. Wir wollen uns schließlich nicht die teuren Anzüge dreckig machen. Aber wir sind sicher, dass ihr euch gut vertragen werdet. Oh, ja, ein paar von uns sind auch total OK. Wenn wir nur lange und ausdauernd genug behaupten, dass diejenigen, die euch hier herzlich Willkommen heißen und euch bei der Orientierung oder auch nur dem nackten Überleben in einem fremden Land helfen, naiv und Kurzsichtig sind, dann werden die Damen und Herren mit den Springerstiefeln und den Brandsätzen die bestimmt auch bald mal besuchen. Nur, um ein wenig zu Plaudern versteht sich. Also macht euch keine Sorgen, wir sind eigentlich ein total nettes Land. Aber euer Problem ist leider nicht unser Problem und diese Sache mit den Menschenrechten ist voll toll (sind wir voll dafür!), solang sie brav auf Papier stehen bleiben (das ist ja Geduldig) und niemand ernsthaft auf die Idee kommt, sie einzufordern oder uns statt nach politischer nach moralischer Verantwortung fragt…“

Ich lese und höre davon, wie wir uns all die vielen Flüchtlinge nicht leisten könnten. Seltsam. Länder wie Dänemark nehmen viel mehr Flüchtlinge auf – und ich habe noch nicht gehört, dass die sich auf irgendwelche Dublin-Abkommen berufen würden, weil es ihnen zu viel wird. Aber vielleicht wird darüber ja auch einfach nicht berichtet? Außerdem können wir zig Milliarden in die Rettung fremder Banken pumpen, aber wenn es um eine humanitäre Katastrophe von historischem Ausmaß geht, dann wird auf eine „schwarze Null“ gepocht? Vielleicht verstehe ich auch einfach nur die Zusammenhänge völlig falsch (oder wir haben einfach zu viel Geld für die Rettung von fremden Banken ausgegeben und haben jetzt nichts mehr übrig) – aber irgendwas stimmt da doch nicht?

Von der Angst davor, dass die Gesellschaft nicht mit vielen männlichen Ausländern klarkommen würde, deren Dominanzgebaren gefährlich sein könnte ist auch immer mal wieder die Rede. Pardon: Hat da jemand irgendwelche Twitterfeministinnen unbeobachtet in die Redaktionen gelassen? Menschen werden durch Sozialisation an eine Gesellschaft angepasst. Es ist also wichtig, das vorzuleben, was wir von anderen erwarten – der Rest ergibt sich dann von ganz allein.

Es wird befürchtet, dass die Ausschreitungen in Flüchtlingslagern überhand nähmen, weil es vereinzelt zu Schlägereien kam. Nun ja, wenn man mit vielen hundert Leuten auf engstem Raum zusammenleben muss, von Krieg und Gewalt traumatisiert ist und dem physischen und psychischen Stress einer tausende Kilometer langen Reise (größtenteils zu Fuß) ausgesetzt ist, dann fühlt man sich vermutlich am Ende des Tages nicht unbedingt friedlich, ausgeglichen und buddhistisch-gleichmütig. Verhindern können wir das nur, durch eine größere Verteilung derer, die hier ankommen. Und das möglichst schnell und unbürokratisch (was ja per se schon mal nicht geht, schließlich sind wir ja in Deutschland und hier geht ja gar nichts, ohne dass es keine Vorschrift, kein Gesetz, keine Arbeitsanweisung oder dergleichen gibt).

Überhaupt fühlen sich viele in ihrem Wohlstand bedroht. Die Forderung wird laut, sich „erstmal um die eigene Leute“ zu kümmern. Warum sollten auch Flüchtlinge von weit weg, Wohnungen bekommen, die sich der kleiner Hartz-IV-Empfänger nicht leisten kann. Ich vermute mal, dass der kleine Hartz-IV-Empfänger nicht gern mit sechs bis acht anderen Leuten zusammenwohnen möchte, quasi in einer WG. Ach, was „die eigenen Leute“ angeht, erinnere ich mich noch ein klein Bisschen an den Geschichtsunterricht. Das aber nur ganz am Rande.
Bedrohung des Wohlstandes? Kann ich nicht ausmachen. Sehe ich nicht mal entfernt. Wodurch denn? Selbst unseren Ärmsten (denjenigen, die auf der Straße leben) geht es noch besser, als denen, die zu uns flüchten. Auf Erstere wird nämlich nur mit verschwindend geringer Häufigkeit geschossen und selbst von dem Wohlstand, den wir wegwerfen, können sie noch leben (was allein schon schlimm genug ist…).

In einer idealen Welt könnten das finanzielle Problem total einfach gelöst werden. Wir werfen pro Kopf (also pro Bundesbürger) 10 Euro in einen Topf (eine Summe, die sich jeder leisten kann) und tadaa: Wir könnten alles finanzieren, was wir wollten. Leider leben wir nicht in einer idealen Welt. Und leider scheint in den Köpfen vieler, die ich derzeit lese, die Bürokratie über der Menschlichkeit zu stehen. Einfach so helfen? Haja, aber bitte schön der Reihe nach, in Ordnung und ein Gesetz braucht es auch. An unsere Gesetze halten müssen sich die Flüchtlinge ja auch, nur erklären will sie ihnen niemand. Ich meine: Wenn ich jetzt aus irgendwelchen Gründen nach Saudi Arabien flüchten müsste (vermutlich werden Leute wich ich in absehbarer Zeit als „Ausländerfreunde“ geächtet und durch die Straßen getrieben – dann habe ich einen Grund zu flüchten…), hätte ich auch keine Ahnung von den Regeln und Gesetzen dort. Und ich verstünde kein Wort. Ich wäre also auf Gedeih und Verderb denen ausgeliefert, die ein wenig Empathie aufbringen können und mir helfen, mich zurecht zu finden.

Und Empathie sehe ich nur sehr, sehr wenig. Fast keine. Im Vordergrund stehen immer nur wirtschaftliche Sorgen, juristische Probleme, Angst vor mangelnder Integration, sozialen Konflikten oder einer Vermischung von Normen und Werten.

Das es zahlreiche Firmengründungen von Menschen mit Migrationshintergrund gibt, die hier eine Ausbildung genosssen haben und entsprechend Arbeitsplätze schaffen, wird gern einfach ignoriert – genauso wie die Beteiligung in der Wissenschaft; die teils chinesisch- und teils arabischstämmigen Dozenten, bei denen ich Seminare haben durfte, empfand ich als extrem kulturell bereichernd. Normen und Werte sind grundsätzlich Verhandlungssache und entstehen im gesellschaftlichen Konsens. Wir müssen einfach damit umgehen, dass so etwas keinen ewigen Bestand hat. Es ist wie immer im Leben: Alles kann sich ändern und genau das macht das Leben aus – Wandel, Wachstum und Anpassung.

Was ich fordere

Hört endlich auf, den Bullshit nachzuplappern, den Politiker oder Medien verbreiten (für ganz Mutige: Kommt mal raus aus eurer Comfort Zone und macht euch selbst ein Bild). Vergesst mal für einen Moment die Bürokratie, die Regeln, die Gesetze, die ach so dramatischen Probleme die da alle irgendwann in der Zukunft mal kommen könnten und besinnt euch auf etwas ganz basal Menschliches: Hilfeleistung in Notfällen. Das, was wir jetzt und hier all denen vorleben, die zu uns flüchten, entscheidet über unser aller Zukunft als Gesellschaft. Nicht die Politik, nicht die Wirtschaft und schon gar nicht die Medien sind hier am Zug. Wir alle können jetzt entscheiden, ob wir eine Gesellschaft mit moralischen Werten sein wollen, die wir vorleben und als Leitlinie betrachten (der kategorische Imperativ ist immer gern gesehen) – oder ob wir unsere Angst und unseren Geiz über das Wohl von Menschen in Not stellen. Wir alle haben die Möglichkeit, jeder für sich und in jeder noch so unbedeutenden Entscheidung, diese Gesellschaft zu formen und den Umgang mit einer globalen humanitären Katastrophe zu lernen und daran zu wachsen. All diese Angst, die uns vor „dem Fremden“ (als abstraktem Begriff) gemacht wird darf nicht unser Denken und Handeln bestimmen. Angst ist ein schlechter Ratgeber (ich spreche da aus Erfahrung) – und wir sollten als aller letztes auf sie hören.

„Aber was soll ich denn tun…?“ Einfach kleine Dinge. Sei da! Niemand ist gezwungen zu spenden (aber wenn man ein paar alte Sachen wegtun will, die eigentlich noch gut sind, die aber schlicht nicht mehr passen oder die man nicht mehr mag… spricht ja nichts dagegen oder?). Aber wenn beispielsweise ein verwirrter Mensch ein wenig hilflos umherirrt, sich nicht auskennt und nur wenig Deutsch spricht könnte es schon helfen, ihm den richtigen Weg zu weisen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das Englisch öfter verstanden wird, als man glaubt. Helfer werden übrigens auch händeringend gesucht. Falls ihr also gerade mal ein freiwilliges soziales Jahr machen wollt, wäre das jetzt die idealste aller Gelegenheiten.

Besonders wichtig dabei ist: Niemand muss aber jeder kann etwas tun. Und hört auf, immer und ständig mit dem Finger auf andere zu zeigen. „Und was machst du denn…“-Polemik hat noch nie jemandem geholfen (ich kann’s nicht mehr hören/lesen…). Auch hier hilft Sozialisation: Vormachen und Vorbild sein, statt mit dem Finger zu zeigen und zu pöbeln.

Wir alle haben hier und jetzt die historische Möglichkeit zu beweisen, dass die Menschenwürde nicht nur auf dem Papier in der Verfassung steht, sondern dass wir alle gemeinsam in der Lage sind, sie auch praktisch umzusetzen. Dabei sage ich weder, dass das schnell geht, noch dass es einfach wird.

Was ich nicht will

Ich will nicht (mehr) in eine Angstgesellschaft leben. Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in denen Moral und Tugend als „naiv und dumm“ verstanden werden. Ich will diesen nationalistischen Wandel nicht, der uns hier gerade zu erfassen scheint. Ich will nicht, dass wir die Menschenrechte, für die unsere Vorfahren gekämpft haben jetzt einfach in Vergessenheit geraten, nur weil wir fett, faul und gierig geworden sind und wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund schieben. Ich will mich nicht ständig rechtfertigen müssen, weil mir von Leuten, die selbst nur vorgekaute Meinungen nachplappern Kurzsichtigkeit und Kleingeistigkeit vorgeworfen wird.

So. Nachdem das nun alles mal gesagt (oder besser geschrieben) ist, verkrieche ich mich wieder in meine Höhle, beschäftige mich mit meinen kleinen Sorgen überlasse das Feld wieder den alltäglichen „kritischen“ Sticheleien, die die Leute „ja wohl noch mal sagen dürfen“.

Und ich werde demnächst mal ein wenig aussortieren. Mir fallen einige Sachen ein, die ich locker spenden kann. J

Müll mit Schokoüberzug

Eben beim Industrie-Bäcker um die Ecke:

Ich bestelle ein Kuchenteil, das auf den melodischen Namen „Granatsplitter“ hört. Allein deswegen musste ich es schon kaufen. Fragt mich die Verkäuferin: „Hen Sie des scho’mal g’esse?“

„Nö, deswegen will ich’s ja probieren.“

„Mich würd interessieren, was drin isch.“

„Mich auch. Deswegen kauf ich’s ja…“

Eine andere Kundin neben mir:

„Ach da nimmt man so Reschde und machd a Ard Bisquitteig draus.“

„Aha. Müll mit Schokoüberzug. Und ich dachte, Sie wissen, was Sie da verkaufen.“

Naja. Irgendwie geschmeckt hat’s trotzdem. Zumindest den kurzzeitigen Kalorienbedarf gedeckt.