Mails von Google umziehen – ein Abenteuerbericht

Seit einigen Jahren benutze ich nun schon Google Mail. Ich weiß, das ist jetzt nicht unbedingt das, was man als datenschutzbewusster Mensch tun sollte. Schließlich und endlich filtert und liest Google ja jede Mail, die es in die Finger bekommen kann. Mit anderen Worten, alles, was man so schreibt und alles, was man so bekommt, landet irgendwann in einer großen Datenbank von Google. In den letzten Jahren, war mir das zumindest relativ egal. Immerhin hatte das Postfach eine ausreichende Größe, um wirklich alles zu sammeln, was sich bei mir so angehäuft. Das ist nun noch skandalöser – zumindest aus der Sicht des Datenschutzes. Ich hatte also mehrere Postfächer (die meisten waren ohnehin mit Spam voll gestopft) von Google einsammeln lassen, und dort fröhlich Mails gehortet.

Langsam aber sicher beschlich dann doch aber auch mich ein wenig das Unwohlsein, was die umfangreiche Analyse meiner E-Mails angeht. Immer mal wieder wurde in letzter Zeit der „kleine“ berliner Mail-Anbieter Posteo empfohlen. Also dachte ich mir, es kann ja nicht schaden, mir das einfach mal genauer anzusehen.

Was bietet Posteo?

Nun, zunächst einmal nichts Ungewöhnliches: E-Mails! Allerdings, und das ist durchaus besonders, ohne dass diese E-Mails durch irgendeinen Filter, Algorithmus, oder eine sonstige Datensammlung laufen (von einem Spamfilter mal abgesehen). Das beste daran: Es sind sogar Anhänge mit bis zu 50 MB möglich. Für jemanden wie mich, der gerne einmal recht große Dokumente verschickt, ist das allein schon unglaublich praktisch. Außerdem ist Posteo der einzige Anbieter, der momentan alle gängigen Übertragungsverschlüsselungen anbietet. Alle Mails sind, so wird zumindest behauptet, auf dem Server auf einer verschlüsselten Festplatte gespeichert – Kalender und Adressbuch können ebenfalls verschlüsselt werden – wenn also stimmt, was so behauptet wird (das muss ich glauben, denn ansonsten müsste ich nach Berlin fahren und fragen ob ich mir all das wirklich einmal ansehen darf), dann ist es ein Mail-Anbieter, wie man ihn sich so wünscht. Also im Grunde, machen sie wirklich alles richtig. Die Daten bleiben bei einem selbst, sie sind gegen den Zugriff von außen hinreichend geschützt, letztlich kann man wunschlos glücklich sein.

Der Spaß ist natürlich nicht umsonst – aber im Vergleich mit anderen großen E-Mail-Anbietern immer noch erschreckend günstig. Für nur einen Euro im Monat, bekommt man 2 GB Postfach Speicher und all die Sicherheitsfunktionen kommen gratis mit dazu. Jedes weitere Gigabyte kostet 0,25 EUR im Monat, was ich durchaus für einen fairen Kurs halte. Bei der Anmeldung lädt man das Konto mit mindestens zwölf Euro auf, sodass mindestens ein Jahr Postfach schon mal gesichert ist. Für die Vergesslichen unter uns (ich zähle mich durchaus dazu) gibt es auch eine Benachrichtigung, wenn das Geld am Ende des Jahres aufgebraucht ist. Es handelt sich also um einen Prepaid-Angebot, das ganz ohne eine Abofalle auskommen kann. Selbst wenn man das Konto am Ende vergisst aufzuladen, bleiben die E-Mails erhalten. Es wird lediglich die Sendefunktion gesperrt. Und wenn man das Ganze nicht benutzen möchte, kann man es monatlich kündigen. Bezahlt werden kann mit PayPal, wobei die Daten zwischen dem Konto und der Bezahlung nicht zusammengeführt werden sollen. Wie das allerdings funktioniert, weiß ich nicht – aber ich denke, das werde ich noch hinterfragen. Nun, so wird zumindest damit geworben, dass man das Postfach auch vollständig anonym eröffnen könnte. Das ist zwar nichts, wonach mir nun der Sinn steht, aber für den einen oder anderen dürfte das interessant sein.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn man seine E-Mails nicht selbst zuhause auf dem eigenen kleinen Server hosten möchte, dann ist Posteo besser als nur gut.

Umzugsstress

Nun der Umzug mit E-Mails von einem Anbieter zum anderen ist nicht immer einfach. Wie ich dabei feststellen musste, ist das Google-Postfach sogar verhältnismäßig dumm. Aus der Sicht des Servers, ist es einfach nur eine große Inbox, in der wirklich alles landet. Egal, ob es sich nun um geschriebene oder empfangene E-Mails handelt, es landet wirklich alles in dieser einen Inbox. Das wurde mir bewusst, als ich den Importfilter aktivierte, mit dem die E-Mails aus dem Google-Postfach herausgezogen werden sollten.

Ich hatte natürlich vorher alle E-Mails noch einmal lokal gespeichert (sogar auf zwei verschiedenen Computern), damit nichts verloren gehen kann. Und dann, so dachte ich, löschte ich einer alten E-Mails, die ich eigentlich nicht in das neue Postfach importieren wollte. Da ja ohnehin alles in einer Inbox zusammengefasst wird, ging ich davon aus, dass es auch völlig ausreichend ist, wenn ich in meinem E-Mail-Programm die alten E-Mails markiere, lösche und aktualisiere. Ein fataler Irrtum. Ich stellte fest:

Google löscht rein gar nichts.

Selbst, als ich auf der Weboberfläche von Google-Mail erst alle alten E-Mails aus der Inbox löschte, waren sie noch vorhanden. Auch das Leeren des Papierkorbs brachte nicht viel. Über einen Klick auf „alle Mails“ waren sie immer noch vorhanden. Da ich den Umzug gegen Abend begann, ließ ich den Importfilter einfach über Nacht laufen. Dieser holte die E-Mails über POP3 ab und löschte sie auch automatisch aus dem alten Postfach. Damit waren sie dann auch tatsächlich weg. Allerdings stopfte es mein neues Postfach ganz ordentlich zu – schließlich holte der Importfilter auch alle gesendeten E-Mails ab, da bei Google ja alles in einer großen Kiste landet.

Da kann der Importfilter überhaupt nichts dafür – „Schuld“ ist vielmehr Google, die alles über eine Sortierfunktion mit Labels lösen. Und diese Labels erzeugen nicht etwa Ordner (Ordner im Google-Postfach existieren eigentlich gar nicht, sondern sind auch nur Sortieransichten), sondern ändern einfach nur die Ansicht.

Ich hatte heute Morgen also eine volle Inbox (naja, zum Glück hatte ich den Speicher direkt auf 3 GB erweitert, weil ich schon damit gerechnet hatte, dass da einiges zu viel importiert würde) und ordentlich damit zu tun, noch einmal alles auszusortieren.

Wechseltipps

Aber daraus kann man nur lernen. Solltet ihr in Zukunft auch eure E-Mails von Google-Mail umziehen wollen, gilt es also ein paar Kleinigkeiten zu beachten:

  • Alle E-Mails sollten zuerst lokal gesichert werden, damit nichts verloren geht.
  • Bevor ihr die E-Mails importiert, solltet ihr alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr benötigt, aus dem Google-Postfach löschen. Dazu reicht es nicht aus nur die Inbox zu löschen; sie müssen über die Ansicht „alle E-Mails“ aus der Weboberfläche gelöscht werden.
  • Prüft, bevor er den Importfilter aktiviert, ob auch wirklich alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr haben wollt, gelöscht wurden. Alles andere stopfte euer neues Postfach nur unnötig zu.
  • Google erkennt den Importfilter von Posteo als einen unbekannten Zugriff aus Russland. Wenn man nach der IP-Adresse sucht, stellt man allerdings schnell fest, dass der Zugriff nicht aus Russland, sondern aus Berlin kommt. Das Zurückverfolgen bestätigt dann auch die Herkunft von Posteo. Ihr müsst also nicht (so wie ich…) panisch werden und direkt all eure Passwörter ändern. Das schadet zwar nicht, ist aber unnötige Arbeit.
  • Kalender und Kontakte können bei Android nur über eine kostenpflichtige (2,56 EUR) App synchronisiert werden. iPhone-Nutzer sind hier im Vorteil. Insbesondere, weil auf Android, die Kontakte im Handy plötzlich massiv vermehrt werden. Bei mir tauchten plötzlich Unmengen „unbekannte“ Kontakte auf. Ich vermute, das liegt einfach nur an der App, mit der die Kontakte synchronisiert werden. Wie und ob ich Google die Herrschaft über meine Kontakte entreißen kann, werde ich noch herausfinden.

Also dann, viel Spaß beim Umziehen. Und immer daran denken: Macht immer brav eure Backups.

Ein paar kleine Tipps zur Passwortsicherheit

Eben gerade machte Heise.de darauf aufmerksam, dass auf der TrueCrypt-Seite der Hinweis zu finden wäre, dass die Software nicht sicher ist. Das ist nur insofern erstaunlich, als dass eine kürzlich erst stattgefundene Überprüfung des Quellcodes keine Sicherheitslücken ergeben hat. Auch der Heise Verlag vermutet, dass die Entwickler der Verschlüsselungssoftware einen NSL bekommen haben, der sie zur Herausgabe der Schlüssel verpflichtet. Damit dürften sie nicht darauf hinweisen, dass sie dazu aufgefordert werden – um die Nutzer zu schützen, wäre es lediglich logisch, dass sie von der weiteren Nutzung der Software abraten.

Hierzu gibt es etwas zu bedenken: da die Software quelloffen ist, gibt es nichts, was den Sicherheitsbehörden übergeben werden könnte. Passwörter werden schließlich und endlich nicht auf irgend einem Server gespeichert. Es ist also anzunehmen, dass die Software so sicher ist, dass die Behörden in verschlüsselte Container nicht hineingucken können. Der ist es ebenfalls verständlich, dass man nicht möchte, dass diese Software benutzt wird.

Nun ist es allerdings relativ einfach, die meisten Passwörter zu knacken. Insbesondere dann, wenn sie aus Zahlen und Buchstaben bestehen, sind sie nicht sonderlich sicher. Das klingt abenteuerlich, lässt sich aber auch relativ einfach beweisen. Es wird immer wieder empfohlen, dass ein Passwort mindestens 16 Zeichen haben soll und aus Zahlen und Buchstaben und Sonderzeichen zu bestehen hat. Je mehr Zeichen desto besser.

Noch viel sicherer ist allerdings ein Passwort, das aus zufälligen Worten besteht. Nun könnte man davon ausgehen, dass hier eine Wörterbuchattacke das Passwort in Sekunden zu Fall bringt. Nun, wie lange es für einen durchschnittlichen Computer dauert, ein aus zufälligen Worten bestehendes Passwort zu errechnen, kann auf dieser Website jeder nachvollziehen: https://howsecureismypassword.net/

Nehmen wir in den einfachen kleinen Satz „Dies ist ein sicheres Passwort“. Das Ergebnis ist erstaunlich:

Passwortsicherheit

Das macht es selbstverständlich einfach, sich für jede Website einfach einen Satz auszudenken, mit dem man sich dort eingeloggt. Allerdings – und das halte ich für ernsthaft problematisch – sind erstaunlich viele Websites nicht in der Lage, Passwörter mit einer Länge über 16 Zeichen überhaupt anzunehmen. Erst kürzlich habe ich mal wieder einen Satz neuer Passwörter generiert und dabei festgestellt, wie oft doch eine Begrenzung auf diese mysteriösen 16 Zeichen vorhanden ist.

Aber zurück zum Thema TrueCrypt:

Bisher kann ich keinen nachvollziehbaren Grund erkennen, warum man die Version 7.1a nicht benutzen sollte. Schließlich sind ja keine Lücken gefunden worden. Zumindest nicht im ersten Durchgang. Dafür, sollte man sich vielleicht nun ein neues Passwort ausdenken. Und wie wir sehen, kann dieses Passwort aus leicht zu merkenden Worten bestehen, bei denen eine Berechnung unglaublich lange dauern. Zum Glück nimmt die Software auch solch unglaublich lange Passwörter an.

Also dann: Ändert brav eure Passwörter. 😉

 

Google-Play-Kiosk: Für Sie und Ihn

Mit ein wenig Verwunderung betrachte ich den neuen Google-Play-Kiosk, an dem es nun digitale Versionen von Zeitschriften zu kaufen gibt. Was mich daran verwundert? Die klare Geschlechtertrennung. Für Sie und für Ihn.

Für Sie und Ihn

Ok. Und warum genau sollen sich Frauen jetzt nicht für Computer, Videospiele oder Autos interessieren? Und gar nicht wenige von ihnen sind Fußballfans. Diäten sind übrigens auch für Männer ganz interessant (gut, da gibt es weit bessere Quellen, aber es geht ums Prinzip). Genauso wie Kochrezepte oder Fitnesstipps. Oder bin ich jetzt irgendwie unmännlich weil ich gern koche und mich für Fitness interessiere? Und sind die Frauen, die ich kenne, die sich für Technik und Computer begeistern jetzt irgendwie unweiblich?

Liebe Google-Kiosk-Manager: Ihr habt da am Internet was nicht verstanden. Wir sind hier alle online. Egal welches Geschlecht wir haben. Es gibt Interessengemeinschaften, keine Geschlechtsgemeinschaften. So eine Sortierung habt ihr ja auch eingebaut – aber erst weiter unten. Ganz oben und ganz prominent wird man direkt vom der strikten Geschlechtertrennung erschlagen. Eigentlich könntet ihr das doch auch schlicht entfernen und es bei den Sortierungen weiter unten belassen, oder nicht? 🙂

 

Eine Frage des Vertrauens

Die Messenger-Wars brodeln weiter im Untergrund des Netzes. Facebook kauft WhatsApp, ein paar Leute auf Twitter räuspern sich, große Print- und Digitalmagazine wälzen sich kurz in ihrem permanenten Zeitgeist-Tiefschlaf und greifen ein paar der Twitterkommentare auf, bei denen Threema gelobt und Telegram zerrissen wird… und schon bekommen die Schweizer einen völlig unerwarteten Zustrom. Lerneffekt: Wenn ein paar wenige Twitter-Accounts mit vielen Followern (Meinungsmacher?) behaupten etwas sei gut und vor sich hin dämmernde Medien das dann all zu ernst nehmen – dann kann sich auch eine kleine Firma die PR-Arbeit sparen.

Aber Moment. Das ganze Internet ist von Threema begeistert? Nein, nicht das ganze Internet. Ein kleiner IP-Realm voller Querulanten leistet noch erbitterten Widerstand. Man könnte Threema nicht vertrauen. Der Quellcode wäre nicht offen, es wäre eine Firma und wenn die nur groß genug würde, würde sie womöglich von einem der Global Player aufgekauft. Stimmt. Das kann natürlich immer wieder passieren. Allerdings hätte niemand etwas davon.

Wenn ma sich die FAQ’s einmal anguckt, dann stellt man schnell fest, dass die Nachrichten auf eine Weise verschlüsselt sind, die es unmöglich macht, dass sie ausgelesen werden. Selbst die Betreiber der Server können nicht hineingucken, da die privaten Schlüssel ausschließlich auf den Geräten gespeichert sind:

Könnten Sie meine Nachrichten entschlüsseln, z.B. wenn Sie von den Behörden dazu gezwungen würden?
Nein, das ist unmöglich, da wir die privaten Schlüssel unserer Benutzer nicht haben (Ihr privater Schlüssel verlässt Ihr Gerät nie). Unsere Server müssen natürlich wissen, wer wem eine Nachricht schickt, damit sie diese dem richtigen Empfänger zustellen können. Diese Information wird aber nicht geloggt, und der Inhalt der Nachrichten kann keinesfalls entschlüsselt werden.

Wenn also jetzt Google oder Facebook auf die Idee kämen, Threema zu kaufen, um das Kommunikationsverhalten der Nutzer auszuwerten, würden sie vermutlich auf Granit beißen, weil sie dann eine große Menge verschlüsselter Nachrichten bekommen würden. Dass die Server zumindest wissen müssen, wer mit wem kommuniziert, erscheint jetzt irgendwie selbsterklärend. Wenn es nicht geloggt wird, dann gibt es da auch nicht viel an Meta-Daten, die abgefangen werden könnten. Sorgen macht mir da nur die Vorratsdatenspeicherung, die in der Schweiz ja etabliert ist. Threema ist in dem Sinne ja ein Dienstanbieter und irgendwo fallen dann ja doch Meta-Daten an. Die lassen sich schließlich nicht verschlüsseln.

Nun – wie dem auch sei: Ich habe mal einen kleinen freundlichen Fragenkatalog auf den Weg geschickt. Der Artikel, den ich draus stricken werde, erscheint dann auf www.modern-nerdfare.com. Das ist dann schließlich kein privater Blog-Beitrag mehr. 😉

Soziale Todeswünsche

Es ist erstaunlich, wie sehr ich alle einig sein, dass Facebook – mittlerweile 10 Jahre alt – es nicht mehr lange machen wird. Von genervten Usern ist die Rede. Von einer Verwandlung des offenen Internets in eine geschlossene Anstalt. Kein wirkliches soziales Netzwerk, sondern eher eine Art „betreutes Posten“ heißt es. Und Vergleiche mit dem Entstehen und Vergehen von anderen großen IT-Unternehmen lassen sich auch vernehmen.

Ist das nun alles nur journalistischer Futterneid? Ein Schlachtruf könnte so lauten: „Haha! Ihr verdient Milliarden mit den Daten anderer Menschen! Alle sind genervt aber trotzdem abhängig! ceterum censeo facebookinem esse delendam!“

Es ist ja sicher richtig, dass Facebook unglaublich nervtötend ist. So wie alles unglaublich nervtötend ist, wenn man sich all zu lang damit beschäftigt. Menschliches Verhalten zeichnet sich nicht gerade durch all zu viel Varianz aus. Wie sollte es auch, sind alle Menschen doch zumindest sehr ähnlich konfiguriert? Online wirkt sich das so aus, dass alle ungefähr die gleichen nervtötenden Dinge machen. Meist teilen sie Bilder, die sie irgendwo gefunden haben. Um damit irgendwas auszudrücken.

Wenn man es genau nimmt, ist da schon einiges an Kommunikation verloren gegangen. Die Leute drücken ihre Meinung nicht mehr aus – sie teilen ein Bild. Die eigentliche Botschaft stammt also gar nicht mehr von ihnen selbst, sondern äußert sich nur noch in stummer Zustimmung. Dabei kann es zu einiger Verwirrung führen: Manch einer postet ein Bild oder einen Spruch auch einfach nur, weil es ihm gefällt und nicht weil er die Meinung in stummer Übereinkunft übernehmen will. Am Ende kommt dann tatsächlich „Geschnatter“ dabei raus. Kein sozialer Austausch, sondern vielmehr ein Stakkato von Meinungen, Dingen, die gemocht werden, Bildern, unzusammenhängenden Dingen, die irgendwo aufgeschnappt wurden.

Die geschlossene Anstalt

Dass Facebook ein geschlossenes Netz ist, ist nicht weiter merkwürdig. Nur, wenn man die Leute bei der Stange hält, kann ihre Daten auswerten und Werbung verkaufen. Also integriert man alle Dienste aus dem offenen Netz in das geschlossene. Das macht auch nicht nur Facebook allein so. Google+ ist da nicht viel anders (auch wenn schon gefühlt viel, viel cooler ist und mit viel mehr Inhalten aufwartet) und Twitter ist zwar offener, hat aber auch einen entsprechenden Integrationssog.

Soziale Netzwerke, wie wir sie kennen, integrieren durch Exklusionseffekte. Das klingt verwirrend widersprüchlich? Nun, ich will’s erklären: Ich selbst route meinen Blog (also da das, was ich hier schreibe) auch zu Facebook und Google+ und Twitter. Ich stelle entsprechend fest, dass mein „Freundeskreis“ nur dann liest, was ich so von mir gebe, wenn sie es in ihren entsprechenden Accounts vor die Nase gelegt bekommen. Sie kommentieren auch nicht etwa die Blog-Artikel, sondern die Facebook- oder Google+-Einträge, an die sie weitergeleitet wurden. Inklusion durch Exklusion meint hier: Was nicht im System integriert ist, wird ausgeschlossen. Es wird nicht weiter wahrgenommen und führt zu keiner weiteren Reaktion. Und das wiederum löst eine Art „sanfte Gewalt“ (Bourdieu lässt grüßen) aus, die dazu führt, dass man gezwungen wird, Inhalte in die geschlossene Anstalt zu kippen, wenn man will, dass man wahrgenommen wird.

Düstere Prophezeiungen

Was ist nun aber mit all den düsteren Prophezeiungen vom Untergang Facebooks? Es ist das größte der Netzwerke und hat sich geradezu zur digitalen Weltherrschaft aufgeschwungen, verliert aber angeblich auch immer wieder Nutzer. Hochmut und Fall scheinen hier integraler Bestandteil zu sein – und gerade für die Medien ist das gefundenes Fressen, noch eine Runde darauf einzuhacken. „Was kommt danach?“ fragen die einen, „Der König ist tot, es lebe der König!“ rufen die anderen.

Ich frage mich eher: „Gibt es überhaupt ein zurück?“ Wir sind jetzt so von geschlossenen Gesellschaften angefixt worden, dass viele schon verlernt haben, das offene Netz zu nutzen. Überall lauern Logins, drohen PayWalls und locken Integrationsversprechungen, nur um Inhalte dann in ein System zu gießen. Dabei müsste man Inhalte gar nicht vom offenen Internet in ein geschlossenes System schicken, nur um sie mit „den Freunden“ zu teilen, wenn „die Freunde“ einfach die offenen Inhalte lesen würden.

Jedes neue Star-up, das irgendwas mit dem Internet machen will, läuft aktuell darauf hinaus, ein System zu entwickeln, dass irgendwelche Inhalte einsammelt, damit man sie mit Freunden teilen kann. Die dann natürlich auch erst mal in das geschlossene System integriert werden müssen… und so weiter, und so fort.

Nein, ich denke, es wird Zeit, die düsteren Prophezeiungen vom Untergang des sozialen Abendlandes und der großen sozialen Netzwerke sein zu lassen. Außerdem sollten wir das Internet vielleicht wieder so nutzen, wie es „früher mal“ war: Als offene, dezentrale Infrastruktur, bei der einfacher jeder mit jedem anderen jederzeit Inhalte austauschen kann, wenn er will. Ohne, dass diese Inhalte erst von irgendwem integriert, verwaltet und vermarktet werden müssen.

Ja – ich bin der Ansicht, wir müssen das Internet und soziale Netzwerke nicht neu denken. Wir müssen sie alt denken. Einen Schritt zurück machen ist keine Schande. Im Gegenteil: Es führt dazu, dass man einen besseren Überblick darüber bekommt, wohin der Weg geführt hat, den man gegangen ist.

Warum das Internet nicht neu erfunden werden muss

In seiner Eröffnungsrede zum 30C3 sagte Tim Pritlove, dass das Internet neu erfunden werden müsste. Die Hacker hätten das Netz so geschaffen, wie es jetzt ist, aber ihre grundlegenden Prinzipien, Vertrauen und Freundschaft, hätten nicht ausgereicht. Nun, hier liegt ein Denkfehler vor, der genauer zu beleuchten gilt. Schließlich will ich versuchen, ein Teil der Lösung zu sein.

Meiner Ansicht nach liegen gleich zwei Irrtümer vor. Der erste: Vertrauen und Freundschaft würden nicht ausreichen, um ein menschenfreundliches Netz zu schaffen. Und der zweite: Es gibt eine technische Lösung für das Problem.

Beide Irrtümer hängen allerdings eng miteinander zusammen. Das fehlende Vertrauen ineinander macht Überwachung überhaupt erst möglich. Selbst wenn im Hintergrund gänzlich andere Interessen stehen (wie z. B. das Streben nach Macht und wirtschaftlichen Vorteilen), so ist es doch die Angst, mit der große Teile der heute vorhandenen Überwachungsmaßnahmen legitimiert wurden. Die Angst war schon immer eine gute (Be-)Herrscherin aber eine schlechte Ratgeberin. Nachdem uns ein Jahrzehnt lang Furcht vor dramatischen Terroranschlägen gemacht und Stück für Stück immer mehr Privatsphäre reduziert wurde, lassen wir uns von unserer Angst beherrschen. An dieser Stelle sei erklärt: Furcht und Angst sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Furcht richtet sich gezielt auf etwa – nämlich den Terroranschlägen, mit denen die Einschränkungen der Privatsphäre gerechtfertigt werden. Angst ist dagegen diffus und nicht so einfach greifbar. Sie schwelt im Hintergrund, richtet sich nicht auf ein bestimmtes Etwas, sondern bleibt ungreifbar und damit nicht rational zu besiegen.

Diese Angst führt dazu, dass unser Vertrauen unterminiert wird. Ob bewusst oder unbewusst: Die ständige mediale Aufmerksamkeit für Dinge, die nur unserer Sicherheit dienen sollen und die uns vor grausamen Anschlägen schützen wollen, vergiftet unser Vertrauen ineinander massiv.

Und genau hier ist der Kern des Problems: Menschen, die einander vertrauen, müssen sich nicht kontrollieren.

Das führt dann auch direkt zu Problem Nummer zwei: Freundschaft basiert auf Vertrauen. Wird das aber durch gezielte Furcht angegriffen, kann das auch die stärkste Freundschaft erschüttern.

Richtige Fragen stellen

Das Netz muss nicht neu erfunden werden. Es funktioniert prächtig. „Wie lässt sich das technisch lösen?“ ist damit einfach die falsche Frage. Es braucht keine technische Lösung, denn die Technik ist nicht das Problem. Es braucht eine gesellschafliche, eine politische Lösung. An dieser Stelle, so denke ich, müssen wir einfach alle zusammenarbeiten und gemeinsam über das Problem nachdenken. Nicht darüber, wie man Überwachung technisch verhindern kann, sondern darüber, wie man sie gesellschaftlich überflüssig macht.

Die bessere Frage ist also: Wie lernen wir, einander wieder zu vertrauen? Denn nur ohne Angst und dafür mit gegenseitigem Vertrauen können wir den Überwachenden die gesellschaftliche Toleranz entziehen.

Worauf ich hinaus will, ist, dass es für das Geheimdienstproblem keine technische Lösung gibt. Es muss eine gesellschaftliche und politische Lösung gefunden werden. Überwachung als solche bedarf einer weitgehenden moralischen Ächtung. Und dazu braucht es eine großflächige Zusammenarbeit zwischen Hackern und Philosophen. Wir haben schließlich viel mehr gemeinsam, als beiden Seiten bewusst ist. Schließlich verstehen wir uns auf formale Sprachen und angewandte Logik. Und wir nehmen Dinge (Argumente, Software, Technik), spielen ein wenig damit herum und setzen sie in einen neuen Kontext.

Wir müssen also nicht die Technik neu erfinden, sondern die Gesellschaft revolutionieren. Wenn das Netz auf den Prinzipien von Vertrauen und Freundschaft aufgebaut wurde, dann ist es spätestens jetzt an der Zeit, auch eine Gesellschaft auf Vertrauen und Freundschaft aufzubauen. Eine Gesellschaft, in der auf Misstrauen, Hass und Gewalt verzichtet werden kann. Klingt utopisch? Nicht utopischer als vor dreißig Jahren etwas wie ein iPad geklungen hätte.

Zwischen Enthüllungen und Prophezeihungen

Da ist wieder mal eine neue Katze aus dem Sack. Nun sollen Verschlüsselungen wie SSL-Zertifikate und Co. kein Problem mehr für die Geheimdienste darstellen. Hieß es letztens noch, dass die Dienste die Masterkeys von den Anbietern haben wollen, so heißt es jetzt, dass sie die Verschlüsselungen einfach knacken können. Tja dann – scheiß doch auf Verschlüsselung. Wozu sollte ich denn Briefe in Umschläge stecken, wenn diejenigen, von denen ich nicht will, dass sie meine Briefe lesen können, sowieso hergehen und die Umschläge aufreißen? Genau. Dauert dann einen kleinen Moment länger, bis die Mail gelesen werden kann – und vermutlich macht es die Verschlüsselung erst recht interessant. Tja. Da hilft dann vermutlich nur noch, gute alte Briefe zu schreiben. Mit Füller auf Papier. Ist übrigens eine tolle Sache, so ein Füller und Briefpapier.

Dann unterhielt ich mich vorhin noch mit einem Freund über den neuen Kinofilm „White House Down“. Ich meinte, es wäre  nur wieder ein neuer Terroranschlags-Film, mit dem die Leute dann unterschwellig eingeschüchtert werden sollen und letztlich wird damit dann nur noch mehr Überwachung gerechtfertigt. Besagter Freund kommentierte es folgendermaßen:

du scheinst nicht begreifen zu wollen, dass die sich weder rechtfertigen müssen noch wollen noch werden …. die überwachen und fertig ist … und es interessiert sie nen scheiß, ob da ein kleiner moralischer aufschrei kommt oder nicht

Einen kleinen moralischen Aufschrei gibt es zum Beispiel morgen in Berlin. Ich prophezeie (und ich hoffe inständig, dass ich Unrecht haben werde): Die Aktivisten werden es als einen großen Erfolg feiern, wenn ein paar Tausend Leute in Berlin aufschlagen und gegen Überwachung demonstrieren. Ein großer Sieg für die Freiheit, ein strahlendes Zeichen für die Demokratie… und dann? Dann passiert – genau – gar nichts. Die letzten Umfragen haben nicht viel mehr und nicht viel weniger ergeben, als dass sich die Leute einen Scheiß dafür interessieren, ob sie nun überwacht werden oder nicht. Und dass die ganze Affaire nicht viel an ihrem Wahlverhalten ändern. Sie haben drängendere Sorgen. Sie arbeiten in 2-3 Minijobs, um zu überleben, vegetieren mit Hartz IV vor sich hin und bekommen keinen Job, zahlen Strompreise, die jenseits von gut und böse sind und überlegen jeden Tag, wie sie den nächsten überstehen, während sie auf einen Therapieplatz warten, weil sie durch die miserablen Arbeitsbedingungen und die ständig steigenden Preise depressiv geworden sind.

Die Dienste interessiert ein kleiner moralischer Aufschrei einen Scheiß. Die Leute interessiert die Überwachung einen Scheiß. Am Ende geht das ja eh schon jahrelang so und bisher ist noch niemand, auch wenn er nicht gesellschaftskonform gedacht und publiziert hat, in den Knast gewandert oder hatte sonst irgendwelche Unannehmlichkeiten. Also was solls?

Und ganz ehrlich? Mir hängen diese ganzen neuen Enthüllungen zum Hals raus. Ernsthaft. Es würde ein einziger kleiner Satz reichen: „Liebe Leute – euer ganzes Leben wird überwacht und ausgewertet.“ Damit ist alles gesagt. Also liebe Enthüller: Geht einfach nach Hause. Nehmt eure Enthüllungen mit und lasst mich damit in Ruhe. Ich mag’s einfach nicht mehr hören. Es wird einfach viel zu viel.

Kommentar: Sexismus hat im Gaming-Journalismus nichts verloren

Eigentlich wollte ich über die gamescom 2013 keine großen Worte verlieren. Ich hatte sogar vor, die Messe mit Missachtung zu strafen, da die Veranstalter der Kölnmesse es fertig gebracht haben, mich zu akkreditieren, aber meine stellvertretende Chefredakteurin nicht. Dabei macht sie ihren Job exzellent und ist diejenige, die bei uns die Hosen anhat. Im Grunde hätte sie den Chef-Posten viel eher verdient, denn ich betreibe die Plattform eigentlich fast nur und kümmere mich um allerlei Organisatorisches. Aber gut, für Institutionen wie die Kölnmesse AG scheint nur der Besitz eines Presseausweises zu zählen. An meiner Meinung, keine weiteren Worte, über die gamescom verlieren zu wollen, hat sich nichts geändert – darum werde ich keinen offiziellen Artikel schreiben, sondern lediglich hier meine Gedanken bloggen.

Games, Sexismus und journalistische Grundsätze

Nachdem ich nun aber einen Artikel las, bei dem es um sexistische Eskapaden der Kollegen von GIGA ging, muss ich das eine oder andere Wort verlieren. Es geht gar nicht anders. Denn ich habe das Gefühl, dass es um die Ehrenrettung des Gaming-Journalismus als Ganzem geht. Glücklicherweise hat GIGA das Video mittlerweile wohl von ihrer Webseite und ihrem YouTube-Kanal gelöscht – die Produzenten des Werks wohl aber noch nicht und ich hoffe, dass es zu Dokumentationszwecken schon republiziert wurde. Das Internet vergisst schließlich nichts.

Games und Sexismus stehen bedauerlicherweise in einer engen Verbindung miteinander. Das liegt zum einen ander Zielgruppe der meisten Spiele (männliche Jugendliche und junge Erwachsene). Zum anderen an der werbepsychologisch schon länger bekannten und ausgenutzten Erkenntnis aus der Neurokognitionsforschung (die ist allerdings recht neu), dass der Anblick von nackter weiblicher Haut für das männliche Gehirn ein enorm starker Reiz ist (Quelle: SZ).
Nicht selten kritisiert werden weibliche Charaktere in Spielen. Lara Croft hat übertrieben große Brüste, weibliche Kriegerinnen in Fantasyspielen (da kann wirklich jedes beliebige herangezogen werden) laufen nicht selten in einer Art verziertem Kampf-Bikini herum (der in einem realistischen Schlachtfeld ungefähr so viel Schutz bietet wie eine schusssichere Weste aus Seidenpapier) und bis auf wenige Ausnahmen sind sie schwach und schutzbedürftig.
Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass wir Männer durchaus auch an Stereotypen in Videospielen leiden können. Wie werden männliche Hauptcharaktere in Spielen dargestellt? Meist als Draufgänger; breitschultrig, unglaublich trainiert und zu sportlichen Höchstleistungen fähig, für die es bei Olympia eigentlich Platin geben müsste. Außerdem haben männliche Charaktere nie Angst, sind grundsätzlich mit einem ganze Arsenal an Waffen ausgestattet und stecken Wehwehchen weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Pardon, aber bei derartig überzogener Plakatierung von Stereotypen könnte ich auch Komplexe kriegen. Ich bin zwar relativ gut trainiert (schließlich zocke ich ja nicht nur) aber trotzdem verhältnismäßig speckig, ich habe in verschiedenen Situationen durchaus Angst, und wenn mir jemand eine Waffe in die Hand drückte, würde ich sie eher möglichst vorsichtig möglichst weit weglegen. Abgesehen davon bin ich auch auch recht empfindlich. Warum gibt es eigentlich keinen Hauptcharakter in Spielen, der so ist, wie du und ich? Haben die Entwickler Angst, so etwas würde sich nicht verkaufen? Ich denke, das Gegenteil ist der Fall – aber das wäre ein Thema für einen anderen Artikel.
Ich kann aus eigener Erfahrung übrigens sagen, dass „sex sells“ kein großes Gewicht hat. Ich hab’s ausprobiert. Die Klickzahlen wurden davon nicht beeinflusst.

Auf Spielemessen wie der gamescom wird diese stereotype Sexualisierung gern dazu ausgenutzt, Werbung zu machen. Leichtbekleidete (oder zumindest ziemlich herausgeputzte) Messe-Hostessen mit Traum-Maßen präsentieren die Spiele, die eigentlich für sich selbst sprechen könnten. Offenbar sollen sie sich sogar präsentieren. Ich erinnere mich an die Enttäuschung einer Hostes, die ich bat, doch mal aus dem Bild zu gehen, als ich ein Foto von einem Casemod machen wollte. Mich interessierte die Technik – nicht die junge Dame im Bikini.

Und damit komme ich auch direkt zu dem, was im Gaming-Journalismus irgendwie „nicht ganz richtig“ läuft. Ich meine – es gibt da journalistische Grundsätze, die sich jeder schon aus der eigenen Vernunft ableiten kann, ohne dazu direkt Journalismus studiert haben zu müssen. Ich selbst bin von meiner Profession her schließlich auch Philosoph und trotzdem journalistisch tätig.
Grundsätzlich geht es darum, über ein Ereignis zu berichten. Dabei kommt es auf die Zielsetzung des Berichts an: Es kann sich um eine reine Fotodokumentation handeln oder auch um eine Reportage über die Messe selbst oder auch Interviews mit Hardware-Herstellern oder den Spieleentwicklern. Wenn man nun als Journalist zu so einer Messe losgeschickt wird, dann hat man nicht selten einen „Redaktionsauftrag“. Zur Vorstellung der Wii U haben wir beispielsweise unseren Technikredakteur David damit beauftragt, sowohl die Konsole als auch die Spiele einmal näher unter die Lupe zu nehmen.
Wenn ich mir jetzt das Video von GIGA so ansehe, dann frage ich mich, wie der Redaktionsauftrag dazu wohl gelautet haben muss. Immerhin ist das Video ja sogar (kurzzeitig) veröffentlicht worden, sodass ich unterstelle, dass der Auftrag wunschgemäß erfüllt worden ist. Erst nachdem es massive (und durchaus berechtigte) Kritik hagelte, wurde das Video offenbar wieder entfernt.

Nun handelt es sich bei GIGA nicht gerade um eine kleine Seite. Im Gegenteil, sie sind eher „ganz oben“ angesiedelt. Wenn schon so große und bekannte Seiten derartige Inhalte produzieren und veröffentlichen, was für ein Bild wirft das dann wohl auf den Gaming-Journalismus insgesamt? Vor allem, weil ich ja ein eher kleines und beschauliches Magazinchen betreibe, das mit „den Großen“ weder konkurrieren kann noch will. Muss ich jetzt fürchten, dass ich für (pardon) eine perverse Drecksau gehalten werde, wenn ich mich Cosplayerinnen mit einer Kamera nähere, weil ein Kostüm einfach gut gelungen ist oder Gamerinnen interviewen will, weil mich ihre Meinung zu einem Spiel interessiert? Muss ich ab jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich eine reine Fotodokumentation mache und da eben hauptsächlich Frauen abgebildet sind, weil‘s das Mischungsverhältnis halt so hergibt?

Ich meine: Wie die Leute sich nun privat benehmen, kann und will ich nicht beurteilen. Und wenn’s nach mir geht, kann sich privat auch jeder Aufführen wie er will – meinetwegen sich auch in aller Öffentlichkeit zum Affen machen (der Widerspruch zwischen „privat“ und „öffentlich“ ist nur scheinbar – gemeint ist „privat“ und „beruflich“ in der Öffentlichkeit). Das geht mich einfach nichts an. Aber in einem professionellen Umfeld {{1}} [[1]]ich erinnere gern daran, dass der Gaming-Journalismus ernsthafte Arbeit ist, auch wenn es nach Außen hin gern mal so wirkt, als hätte man den ganzen Tag Spaß und würde nur zocken. Sorry, aber das ist nicht so. Und das Zocken für ein Review macht auch überhaupt keinen Spaß.[[1]] erwarte ich einfach auch ein professionelles Verhalten.

Der Guardian, die Geheimdienste und die Pressefreiheit

Kaum lässt der britische Geheimdienst diverse Festplatten beim Guardian vernichten, ist die Aufschreierei im Netz groß. Ich frage mich dabei: Was haben die denn gedacht, was passieren würde? Geheimdienste sind nunmal keine demokratischen Organisationen. Im Gegenteil: Sie sollen die Demokratie mit undemokratischen Maßnahmen schützen. Quasi überpolitisch. Da verschwinden schon mal Menschen. Und Daten. Es ist natürlich bezeichnend, dass die Festplatten zerstört worden sind. Vermutlich haben die Kollegen beim Guardian die Snowden-Daten schon ausgelagert und extern gespeichert.

Blöd wäre, wenn sie die Daten im Internet verteilt haben. Wir erinnern uns: Der britische Geheimdienst zapft das Netz im großen Stil ab. Es ist eine Kleinigkeit, die Daten, die da gerade extern ausgelagert werden sollen, gar nicht an ihrem eigentlichen Zielort zu speichern, sondern den Datenverkehr einfach umzuleiten. Wir erinnern uns, dass eine derartige Technologie schon bei uns in Deutschland bei der Verteilung des Bundestrojaners im Gespräch war. Wenn die Daten also über das vollkontrollierte Internet ausgelagert worden sind, dann ist die Vernichtung der Festplatten völlig verständlich. Dann existiert diese Sicherheitskopie nämlich nicht etwa da, wo die Guardian-Journalisten vermuten, wo sie ist, sondern auf irgendeinem Geheimdienstserver, weil der Datenstrom beim Upload umgeleitet wurde.

Eine Sicherheitskopie zu Hause aufzubewahren wäre genauso sinnlos. Wenn ich ein Geheimdienst wäre, wäre mein erster Schritt eine Überwachung der Wohnungen der Journalisten. In so eine Wohnung einzubrechen und in eine (womöglich unverschlüsselte) Festplatte, ist nun kein großes Problem. Bei dem zerstörten Computer handelte es sich um ein MacBook Pro. Da ist dann die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass die Journalisten auch privat mit Apple-Computern arbeiten. Wir erinnern uns: Apple steht auch auf der Liste derjenigen, die Daten an die NSA ausliefern. Denken wir weiter: Ein Mac lässt sich mit FileVault verschlüsseln. Den Schlüssel dafür berechnet allerdings MacOS. Mit anderen Worten: Apple stellt freundlicherweise einen Schlüssel zur Verfügung und es muss nun darauf vertraut werden, dass der Schlüssel geheim bleibt. Aber da Apple ja mit auf der Liste der Datenlieferanten für die Geheimdienste steht…

Tja. Wie mir scheint, hat die Demokratie verloren. Und scheinbar dreht sich der schon von Platon erdachte kyklos politeia wieder ein Stück weiter.