Freiheit statt Angst – was bedeutet das eigentlich?

Um sich der Frage zu nähern, was „Freiheit statt Angst“ bedeutet, muss zunächst einmal ganz grundsätzlich darauf eingegangen werden, wovon eigentlich die Rede ist, wenn in diesem Kontext von „Freiheit“ oder „Angst“ gesprochen wird. Der Einfachheit halber, fange ich hinten an – nämlich mit der Angst. Angst ist eine emotionale Qualität, die mit einer undifferenzierten Gefahr einhergeht. Im Gegensatz zu Furcht ist Angst nicht zielgerichtet.

Das ist ein sehr deutlicher Unterschied, der hier sehr genau beleuchtet werden muss, um den Satz „Freiheit statt Angst“ besser verstehen zu können.

Ich bin in der Lage mich vor etwas zu fürchten. Zum Beispiel vor dem laut bellenden Hund meiner Nachbarn (hätten diese nicht nur kleinen Spaniel und wäre er tatsächlich laut, wäre er vermutlich wirklich zum Fürchten). Damit ist mein negativer Affekt auf ein Ziel, nämlich den Hund, gerichtet. Ich kann diesem Hund ausweichen, ihn bekämpfen oder vor ihm weglaufen. Furcht macht zielgerichtete Gegenmaßnahmen möglich.

Andererseits kann ich Angst in der Dunkelheit haben (nicht aber Furcht vor der Dunkelheit, gleichwohl es mir möglich wäre, sie mit einer Taschenlampe zu bekämpfen). Meine Angst in der Dunkelheit ist unbestimmt. Sie bezieht sich auf nichts Bestimmtes, sondern auf viele Möglichkeiten, die sich im Bereich der Dunkelheit bewegen könnten. Vielleicht lauern dort ja Monster? Verbrecher? Ein Loch im Boden, in das ich stürzen könnte, weil ich es nicht sehe? „Aber Moment, dann fürchtest du dich ja doch! Nämlich vor Monstern, Verbrechern oder Löchern im Boden!“ Das stimmt. Es zeigt aber auch: Angst ist ein undifferenziertes Gefühl, das mit einer nicht genau bestimmbaren aber immerhin möglichen Gefahr einhergeht.

Der letzte Satz macht noch etwas deutlich: Sowohl Furcht als auch Angst haben als Bezungspunkte eine Gefahr. Er macht ebenso deutlich: Angst haben ist von der Empfindungsqualität her deutlich schlimmer, als sich vor etwas zu fürchten. Denn eine Person, die sich vor etwas fürchtet, kann gegen diese Gefahrenquelle aktiv werden. Sie kann die Gefahr bekämpfen oder sich vor ihr in Sicherheit bringen. Eine Person die Angst hat, hat diese Möglichkeit nicht. Sie ist ihr hilflos ausgeliefert, weil es keinen festen Bezugspunkt gibt, gegen den sie sich richten oder vor dem sie sich in Sicherheit bringen kann. Angst hat hier eine eine lähmende Wirkung. In der Dunkelheit würde ich nicht weglaufen, denn ich könnte in Löcher fallen – und gegen die unbekannten Monster Schattenboxen ist zwar eine Option – aber eine, die im Grunde nur eine Panikreaktion und damit reine Energieverschwendung wäre. Und wenn die Angst sich zu dieser kopflosen Panik aufgeschaukelt hat, kann sie schnell noch unkontrollierbarer und noch schwerer zu beherrschen sein, als sie es inhärent ohnehin schon ist.

Kommen wir zum zweiten Teil, der Freiheit. Auch hier kann es sich nur um die eine Gefühlsqualität handeln (denn sonst könnten Freiheit und Angst hier nicht als Gegensatzpaar mit „statt“ verbunden sein). Hier ist nun die Frage: Wie fühlt sich Freiheit eigentlich an? Ist es einfach nur „das fehlen von Angst“? Nein, ich denke, das wäre zu kurz gegriffen. Das Gefühl der Freiheit lässt sich vermutlich am ehesten mit einem anderen Gefühl beschreiben: Unbeschwertheit. Dabei kann es keine absolute Freiheit geben, sondern nur eine relative in Bezug auf das jeweils grundlegende System. Ich will auch diesen Satz anhand von Beispielen erklären. Ich habe die Freiheit, diese Zeilen in einem Café sitzend zu schreiben. Das System lässt aber nicht zu, dass ich einfach ohne zu bezahlen gehe. Ebenfalls kann ich nicht in den nächsten Jet steigen und losfliegen – dazu fehlen mir sowohl die Kenntnisse als auch die Qualifikation. Meiner Freiheit sind somit, relativ weite, Grenzen gesetzt.

Kommen wir vom allgemeinen zum Speziellen. Natürlich ist mit dem Satz „Freiheit statt Angst“ keine strukturbedingte Einschränkung gemeint. Vielmehr bezieht er sich auf zwei andere, Systeminterne, Bereich nämlich „Überwachung“ und „Terrorismus“.
Auch hier will ich wieder hinten anfangen, nämlich beim Terrorismus. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es mittlerweile über 120 verschiedene Definitionen von Terrorismus (mindestens eine davon von mir selbst 😉 ), von denen ich hier allerdings keine einzige anführen will. Vielmehr will ich auf die Wortbedeutung schauen. Denn es geht um die Verbreitung von Terror – und Terror bedeutet nichts anderes als „Angst“. Eine Person, die Terror verbreitet, hat also die Absicht anderen Menschen das oben beschriebene, undifferenzierte Gefühl von drohender Gefahr zu vermitteln, genauer, die Gefahr vor dem jederzeit drohenden Tod. Der Methode des Terrorismus ist es inhärent, dass nie genau klar wird, wann, wodurch, wer angegriffen und zu Tode kommen wird. Es ist wie mit der Dunkelheit: Es könnten jederzeit überall irgendein Monster aus dem Loch springen. Weglaufen zwecklos.

Wir wird nun dadurch aber das Gefühl von Freiheit bedroht? Nun, hier gibt es einen Zusammenhang zwischen der Information über die vielen möglichen Gefahren. Ich hätte niemals Angst im Dunkeln gehabt, hätte ich keine Horrorfilme gesehen und Gruselgeschichten gehört, in denen mir fortwährend erzählt wurde, welch schreckliche Abscheulichkeiten möglicherweise in der Dunkelheit lauern könnten. Mit Terrorismus verhält es sich ähnlich. Ich will nicht menschenverachtend klingen, aber: Es passieren relativ wenig Anschläge mit relativ wenig Opfern. Durch Erdbeben und Tsunamis kommen jährlich viel mehr Menschen ums Leben als durch Terroranschläge. Und Erdbeben und Tsunamis sind mindestens genauso wenig vorhersehbar. Aber eben diese wenigen Anschläge finden eine möglichst große mediale Verbreitung und mit jedem neuen Gesetz, mit dem mehr Überwachung beschlossen wird, steigt in der Bevölkerung die Angst, dass irgendetwas, irgendwo, passieren könnte. Und zwar jederzeit. Um in der Metaphorik zu bleiben: Es ist so, als würde den Menschen immer wieder gesagt werden: „Passt auf, bald ist es Nacht. Jederzeit könnte plötzlich die Sonne untergehen. Seid auf der Hut. Denn wenn es erst einmal dunkel ist, dann kommen die Monster aus den Löchern. Und dann seid ihr alle verloren.“ Das große Problem daran: Das wird den Menschen mittags bei strahlendem Sonnenschein erzählt.

Genau in dieser Mechanik liegt das Problem. Seitens der Politik wird den Menschen nicht gesagt „Seid vorsichtig, es könnte ein Erdbeben geben. Passt auf, wenn ihr an Küsten lebt, es könnte zu einem Tsunami kommen.“ Vielmehr wird hier der psychologische Effekt ausgenutzt, dass wir Menschen vor den Dingen, die im Grunde am unwahrscheinlichsten sind, am meisten Angst haben. Statt Geld in die Verbesserung der Infrastruktur zu stecken, um die Menschen vor Erdbeben oder Tsunamis möglichst großen Schutz zu bieten (wobei hier, wie in allen Fällen, ultimativer Schutz unmöglich ist), wird vielmehr die Überwachung ausgeweitet.

Diese Überwachung erzeugt noch mehr Angst. Diesmal nicht nur vor einem möglichen Anschlag, sondern auch vor den Mitmenschen. Der Ausgangspunkt der Gefahr wird damit auf die Überwachten verlagert – so wie der Ausgangspunkt der anderen Angst in der Dunkelheit liegt. Mit anderen Worten: Ich habe keine Angst, wenn es hell ist. Und ich habe keine Angst, wenn ich allein bin. Denn die Gefahr geht von der Dunkelheit aus – und von anderen Menschen. Es ist fast so, als würde Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ Wirklichkeit: Die Hölle, das sind die anderen!

Was bedeutet nun „Freiheit statt Angst“? Nicht weniger als: Hört auf, Angst voreinander zu haben! Lasst euch nicht einreden, dass unter euch Menschen lauern, die euch töten wollen! Lasst nicht zu, dass das Gefühl des freien, unbeschwerten Lebens durch ein Übermaß an Überwachung zunichtegemacht wird! Die einzige Angst, die ihr haben müsst, ist die vor der Angst selbst. Denn, wie oben beschrieben, hat Angst einen lähmenden Effekt. Und ein Mensch, ja eine ganze Gesellschaft, die vor Angst gelähmt ist, kann nicht mehr effektiv über sich selbst bestimmen. Im Gegenteil: Sie gibt sich der Fremdgesteuertheit hin, in der Hoffnung, dass „die anderen“, die keine Angst haben, ihr einen Weg aus der Angst heraus weisen können. Dabei vergessen sie aber, dass diese Angst künstlich erzeugt ist und dass diese „anderen“ keineswegs die Absicht haben, die Menschen von ihrer Angst zu befreien, sondern sie vielmehr zu kontrollieren und zu steuern. Dabei wird suggeriert, dass all die ergriffenen Maßnahmen die Sicherheit vor einem Anschlag erhöhen. Das ist ungefähr so, als würden in der Dunkelheit absichtlich alle Lichter abgeschaltet und gesagt: Wenn wir nur alle nackt rausgehen und uns von ein paar wenigen, die Taschenlampen haben, nur genau genug betrachten lassen, kann uns nichts passieren.

Dabei werden diejenigen, die angeleuchtet werden, deutlich hervorgehoben, um den Menschen noch mehr Angst zu machen. Wenn wir aber alle leuchten, muss sich niemand mehr fürchten.

Seid frei! Kauft euch Taschenlampen!

Die Unsichtbaren Ketten der Freiheit

Alle liefen auf ihre Ketten zu, im Glauben, ihre Freiheit zu sichern; denn sie hatten zwar genügend Vernunft, um die Vorteile einer politischen Einrichtung zu ahnen, aber nicht genügend Erfahrung, um deren Gefahren vorherzusehen. {{1}} [[1]]Jean-Jacques Roussau, 2. Diskurs, 2. Teil, S. 219., gefunden hier: http://www.thomasfleiner.ch/files/categories/Lehrstuhl/Rousseau.pdf[[1]]

Seit Wochen erregen sich die Gemüter im Internet, weil nun bekannt wurde, dass alles was irgendwie elektronisch kommuniziert wird, überwacht und analysiert wird. Im Namen der Sicherheit und der Freiheit wird jedwede Kommunikation automatisch analysiert. Und eigentlich sollte das ein Skandal von außerordentlicher Tragweite sein – ja sogar ein kriegerischer Akt, wenn in einem derartigen Maße spioniert wird. Die Offline-Welt dreht sich allerdings ungerührt weiter. Warum auch nicht? Die Bürger gehen davon aus, dass unsere Regierung wusste, in welchem Umfang überwacht wird, ihre Wahlentscheidung wird sich dadurch aber nicht ändern. Und die Bundesregierung wartet erst einmal ab, was die amerikanischen Freunde in ihrer Untersuchung über die Anschuldigungen zu Tage bringen. Dass hier nicht mehr viel untersucht werden muss, dürfte klar sein. Die Geheimnisse liegen auf dem Tisch und es kommen immer mehr ans Tageslicht. Das sich nun aber nicht auf die Weise aufgeregt wird, wie sich aufgeregt werden müsste, ist für mich fast schon verständlich.

Die unsichtbaren Ketten der Freiheit

Bisher konnten wir uns alle frei fühlen. Tun und denken, was wir wollten, ohne große Konsequenzen. Selbst dann, wenn es staatskritische Gedanken waren und selbst dann, wenn aktuell politisch heiße Themen behandelt wurden. Es herrschte bisher Meinungsfreiheit und auch kritische Meinungen durfte frei geäußert werden. Ja, wir durften uns frei fühlen.
Jetzt wissen wir, dass wir niemals frei waren. Schon seit Ende des zweiten Weltkriegs haben die alliierten Streitkräfte umfangreiche Abhörbefugnisse. Postkontrolle, Abhörung von Telefonen durch das Echelon-Programm und jetzt die Kontrolle sämtlicher digitaler Kommunikation und jeder Datenbewegung durch Programme wie Tempora und Prims. Mit anderen Worten: Ich bin unfrei geboren, unfrei aufgewachsen und fühlte mich dennoch frei.

Wenn ich jetzt weiß, dass ich niemals frei war, sondern dass ohnehin all meine Kommunikation mehr oder weniger automatisch und nunmehr durch Algorithmen überwacht wurde, ändert sich dann etwas für mich? Nun, qualitativ ändert sich mein Gefühl. Unterschwellig habe ich Angst. Da muss es also das eine oder andere Expertensystem geben, das mich kennt. Ein System, dass weiß, was ich kaufe, was ich mag, was ich denke, wie ich fühle und wie ich auf Umweltveränderungen reagiere. Irgendein System kann besser vorausberechnen, was ich tun werde, als ich es selbst vorhersehen kann. Würde ich an ein Konzept wie die Willensfreiheit glauben, hätte ich jetzt eine ernsthafte Sinnkrise. Nein, vielmehr fürchte ich, dass irgendetwas von dem, was die Systeme über mich wissen, gegen mich verwendet werden könnte. Eine diffuse Unsicherheit macht sich breit.

Wir waren schon immer ein Überwachungsstaat

Eine derartige Angst ist aber vernünftig gar nicht zu begründen. Ich weiß jetzt, dass ich niemals frei war. Die Wächter vor meinem Arbeitszimmer hatten nie die Absicht, mich raus zu lassen – ich wusste nur nicht, dass sie da sind und ich wollte auch nie raus. Vernünftig muss ich keine Angst haben – denn, wenn eines der Expertensysteme auf die Idee gekommen wäre, dass ich potenziell gefährlich wäre, hätte es vermutlich schon vor Jahren Alarm geschlagen.

Unter diesen Aspekten ist mir vollkommen verständlich, dass die Bundesregierung erst einmal gar nichts macht und das Ganze aussitzen will. Auch die Aussagen von Herrn Friedrich werden sinnvoll. Die Technologie wird seit Jahrzehnten immer besser und seit dem zweiten Weltkrieg werden wir alle offiziell abgehört. Aber auch schon davor, denn die GeStaPo und die Stasi dürfen wir ja nicht vergessen.

Wenn sich in einem überwachten Staat die Aktivisten dagegen auflehnen, dass Unternehmen Daten sammeln, weil sie ja Kontrolle ausüben könnten, die jenseits einer demokratischen Kontrolle ist, wirkt das geradezu witzig. Und auch wenn sie sich jetzt gegen staatliche Überwachung auflehnen, wird es nicht viel besser. Es gab nie etwas wie eine demokratische Kontrolle. Auf dem Papier haben wir Grundrechte. Und manchmal werden sie sogar beachtet. Aber auch wir hier in Deutschland kennen Menschenrechtsverletzungen zu Genüge (ich denke nur an das Asylrecht).

Nun gut. Also bleiben wir ruhig (Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, hieß es ja schon im Kaiserreich), und vergessen die unsichtbaren Ketten unserer Freiheit wieder. Sprengen werden wir sie auf friedlichem Wege kaum können.

“Aber das was wir machen, ist legal…“

Ich mag Talkshows nicht. Aus gutem Grund: Es ist nichts weiter als der Inbegriff der Postdemokratie, die Colin Crouch schon recht gut analysiert hat. Gestern bei Maybrit Illner fiel dann ein Satz des ehemaligen Geheimdienst-Koordinators Bernd Schmidbauer zu dem, was denn der BND macht, wenn es um die Überwachung der Bürger geht. Sinngemäß: „Natürlich dringen wir auch in fremde Computer ein. Aber wenn wir das machen, ist das legal.“

Nun, genau das ist das Problem. Es ist legal. Für die USA und Großbritannien ist die massenhafte Überwachung ausländischer Kommunikation ebenfalls legal. Sie halten sich an Recht und Gesetz, keine Frage. Die Gesetze erlauben es ihnen nämlich.

Der Überwachungsskandal spielt sich aber auf einer Ebene darüber ab. Es ist ein übergesetzliches Problem, denn innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes ist das alles keine Schwierigkeit. Es ist nur eine Schwierigkeit in der Gesetzgebung des jeweils anderen Landes. Es existiert aber kein Gesetz darüber, dass die Staaten bindet, denn damit wäre die Souveränität der einzelnen Staaten eingeschränkt.

Das Problem ist vielmehr ein moralisches. Es ist unmoralisch, in die Privatsphäre eines anderen Menschen einzudringen, ohne dass dieser es ausdrücklich erlaubt. Ein Abfangen sämtlicher Kommunikationsdaten, von denen die Betroffenen ausgehen, dass sie unter den Teilnehmern bleibt (wie beispielsweise bei einem Skype-Telefonat, das ja sogar verschlüsselt ist), ohne dass die Beteiligten davon wissen, ist aber genau das.

Es braucht hier also keine Diskussion um die Legalität der Abhörmaßnahmen. Das dürfte allein an der diffusen Rechtslage auf der Welt scheitern. Es braucht ein Bekenntnis zu moralischen Werten und dem gegenseitigen Respekt vor der Privatsphäre. Dieser Respekt vor der Privatsphäre anderer Menschen scheint in Zeiten von Facebook und Co., in denen mehr oder weniger öffentlich gelebt wird, offenbar ein wenig verloren gegangen.

Verschlüsselungsverweigerer

Der Skandal um die #NSA  und ihren Ex-Mitarbeiter #Snowden schlägt seit Wochen hohe Wellen und fast könnte ich glauben, dass jetzt endlich ein Bewusstsein für Datenschutz in der Gesellschaft angekommen ist. Das behaupten zumindest die großen Medien: Es wäre eine breite Diskussion im Gange. Und sie veröffentlichen Anleitungen für die E-Mail-Verschlüsselung und für TOR-Router und derlei Dinge. Nahezu im Tagesrhythmus (manchmal sogar mehrmals am Tag) kommen dabei neue Skandal-Häppchen ans Tageslicht und mittlerweile dürfte allgemein klar sein, dass wirklich jedes Land einfach alles ausforscht. Die USA, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, die Schweiz… im Grunde wird überall jegliche Kommunikation überwacht. Und trotzdem weigern sich die Leute, ihre Kommunikation zu sichern.

„Ich installier mir nicht noch extra Sachen auf der Platte oder dem Handy…“

So kündete eine Freundin von mir, als ich ihr ein Dokument schicken wollte, und meinte, sie sollte sich dann mal GPG installieren, damit ich die Mail auch verschlüsseln kann. Sie ist eine intelligente, aufgeklärte Normalbürgerin, die durchaus von den ganzen Skandalen mitbekommen hat. Verschlüsseln will sie trotzdem nicht.

Die Leute, mit denen ich regelmäßig chatte (ich bin so altmodisch und nutze sogar noch ICQ 😉 ), fragte ich kürzlich, ob sie vielleicht nicht viel lieber auf Jabber umsteigen wollten. Das ist immerhin ein offenes Protokoll und über ebenso offene Messenger und dem OTR-Plugin lässt sich auch hier die Privatsphäre bei Unterhaltungen gewährleisten. Nö, auch die wollen nicht. „So spannend ist das ja alles nicht, was ich so schreibe.“ – dabei werden durchaus private Dinge ausgetauscht. Und dann noch eine Software installieren? Und noch einen Dienst nutzen? Und alle andere nutzen das dann doch aber nicht? Und die müssten dann auch erst überzeugt werden, zu wechseln? Nö, das wollen sie dann nicht.

„Das ist doch alles gar nicht so interessant…“

Das zumindest behaupten die meisten, mit denen ich zu tun habe. „Sollen sie doch alle lesen, was ich schreibe. Wenn’s ihnen denn Spaß macht.“ Ich frage mich da: Ist das Understatement? Ist das Selbstverleugnung? Scheinbar fühlen sich die Leute einfach nicht wichtig. Scheinbar messen sie sich selbst keinerlei Bedeutung zu. So wenig, dass doch jeder alles über sie wissen kann. Kein Problem, sollen sie mal alle machen. Dass sie dadurch kontrollierbar, erpressbar oder manipulierbar werden? „Ach, was solls? Kann ja so schlimm nicht sein.“

„Das ist alles viel zu kompliziert.“

Auch das behaupten immer noch die meisten. Stimmt auch. Ich habe es immer noch nicht geschafft, Enigmail unter Windows vernünftig zum Laufen zu bekommen. Es ging mal! Das weiß ich genau! Jetzt zickt es rum. Und wenn ich daran schon scheitere, dann kann der unbedarfte Normalo-User da schon ernsthaft graue Haare bekommen. Unter MacOS läuft es zumindest genau so, wie es zu erwarten ist. Einfach, schnell, schlicht schön. 🙂
Und was den Ruf nach offenen Betriebssystemen angeht, gerate ich auch ins Stocken. Ich hab’s einfach noch nicht geschafft, die derzeit einfach bedienbaren Versionen (Ubuntu/Linux mint) so zum Laufen zu kriegen, dass sie nicht nach 3 Stunden aus Gründen abstürzen, die mir selbst nicht klar sind – einfach weil ich gar nicht verstehe, was das System da meckern, wenn es gerade „irgendwas macht“, was es aber „nicht machen sollte“. Dass die Leute dann lieber bei Windows bleiben, dessen Hintertüren den Geheimdiensten offen sind, ist verständlich.

„Aber meine Freunde sind doch da…“

Soziale Netzwerke überall. Alles mit allem und jede mit jedem vernetzt. Nachdem ich drei Jahre bei Facebook angemeldet war, stellte ich fest, dass fast nur noch Werbung und dumme Sprüche in Form von Bildern gepostet werden. Nach einem Jahr Abstinenz stellte ich fest, dass eine gute Freundin von mir plötzlich umgezogen war, eine neue Telefonnummer hatte und glücklich und zufrieden mit ihrem neuen Freund und in einem neuen Job lebt. Oh – hatte sie ganz vergessen mir zu erzählen. Ja, kann passieren. Verliebt und so. Da kümmert man sich ja weniger um andere. Mhm. Ja! Genau. Und da ich dachte, die Welt hätte sich weitergedreht, nur ich habe davon mal wieder nichts mitbekommen, meldete ich mich mal wieder bei Facebook an. Mal gucken, was es in meinem erweiterten Bekanntenkreis so an Neuigkeiten gibt. Feststellung: Noch viel mehr Werbung und noch viel mehr dumme Sprüche in Form von Bildern. Ansonsten nichts Neues. Naja. Die Lösch-Prozedur ist derweil wieder eingeleitet. 🙂

„Das will keiner, das kostet ja was!“

Da gibt es ganz wunderbare Anwendungen, mit denen man tatsächlich sicher kommunizieren kann. Threema ist eine davon. Damit kann man, wie bei WhatsApp, Nachrichten, Bilder, Videos und dergleichen schreiben – aber es ist vollständig Ende-zu-Ende verschlüsselt und niemand kann zwischendrin mitlesen. Aber: Es kostet im Schnitt 1,60 Euro. Ich habe breit Werbung dafür gemacht… ich habe die App sogar schon verschenkt (zumindest bei iOS geht das, bei GooglePlay ist das offenbar noch nicht vorgesehen), habe mir den Mund fusselig geredet, die Finger wund getippt und den Daumen glatt geswyped. Nein. Ich bin ihnen keine 1,60 € wert. Zum Vergleich: Mal ’nen Kaffee trinken gehen kostet im Schnitt 2,50 €. Und auch die Freunde meiner Freunde sind nicht bereit 1,60 € für private Kommunikation auszugeben. Es kostet was, dann wollen sie nicht. Schon komisch. iPhones für über 700 € können sie aber kaufen. Verkehrte Welt. ^^

„Ich hab doch nichts zu verbergen…“

Nicht? Aha? Joa, also wer das immer noch glaubt, der darf mir gern seine Chatlogs, E-Mails und alle Fotos von den Handys zuschicken. Vor allem die schlüpfrigen, die find‘ ich ja besonders interessant. Ich mache schon mal Platz auf den Platten, um das alles speichern zu können. Oh, wie? Wollt ihr nicht? Warum denn nicht? Habt ihr womöglich doch was zu verbergen? Aber nicht doch, ihr seid doch schließlich so langweilig und uninteressant, dass jeder eure Mails und SMS lesen und eure Bilder jeder sehen kann. Warum denn dann ich nicht? Na los, gebt euch nen Schubs und schickt rüber den Kram. Die Geheimdienste kennen es eh schon – aber die rücken damit nicht raus. Verdammter Datenschutz. xD

It’s too late folks…

Nach all den Jahren, in denen wir uns nun aber schon online rumtreiben und fröhlich Dinge miteinander geteilt und uns ausgetauscht haben, sind jedoch schon massenhafte Datensammlungen entstanden. Das Internet vergisst nichts. Niemals. Aber es ist zum Glück noch ein recht junges Medium – im Sprachgebrauch immer noch als „Neue Medien“ verschrien. Vielleicht können wir in 30 Jahren auf die Zeit heute zurückblicken und es als „Jugendsünde“ abtun. Man macht halt mal Unsinn, wenn man jung ist. Und so wie manch einer volltrunken nackt auf dem Damenklo erwachte und sich an „die wilde Zeit“ erinnert, können wir vermutlich dann unsere blöden Facebook-Kommentare und Bildchen betrachten und uns an eine Zeit erinnern, als wir alle das komische Bedürfnis hatten, uns der ganzen Welt mitteilen zu wollen. Einfach weil’s eben geht und weil wir ja die Hoffnung hatten, die Welt würde ein wenig zusammenwachsen, freundlicher und freier werden, wenn wir uns alle miteinander verständigen würden.

Naja. Das ist vermutlich die jugendliche Naivität eines jungen Mediums.

Prism, Tempora und die sozialen Netzwerke

Das Problem mit #Prism und #Tempora ist nicht ausschließlich, dass die Anbieter den Geheimdiensten Zugriff auf die Daten geben. Twitter beispielsweise lebt davon, dass Informationen öffentlich geteilt und verbreitet werden. Irgendwer posaunt etwas in die Welt hinaus – und wenn’s anderen gefällt, dann retweeten sie’s. Auf Facebook ist das ähnlich: Will ich möglichst viel Aufmerksamkeit generieren bzw. erreichen, dass meine Beiträge von möglichst vielen Menschen gefunden werden, dann mache ich sie öffentlich und nicht nur für Freunde sichtbar.

Das ist nun aber ein Problem mit der Art und Weise, wie sich Informationen verbreiten. Das ist wie Zettelchen weitergeben in der Schule. Wenn ich eine Party veranstalte und die Einladungen dazu unter der Bank weiterreiche, dann erreiche ich damit eine kleine Gruppe – denn vielleicht wird das Zettelchen an einer Stelle nicht weitergereicht. Wenn ich aber an die Tafel schreibe „Party um 20 Uhr bei mir!“ wissen’s alle und können erscheinen.

Einfach von Twitter und Facebook verschwinden, wie’s der Fefe sich wünscht, würde also nur insofern was bringe, als dass die öffentliche Datenverbreitung auf ein anderes Medium wechselt. Ob es jetzt Twitter, Facebook, App.net, Identi.ca oder wie sie alle heißen sein mag – solange die Tweets/Beiträge öffentlich geteilt werden, kann sie auch ein Geheimdienst aka Staat mitlesen.
Es liegt in unserer aktuellen Kommunikationskultur begründet, dass wir gern Dinge miteinander teilen. Einfach weil wir’s können. Das ist es, wovon das Internet lebt: Inhalte werden verlinkt, vernetzt, verteilt, verbreitet… nicht nur ich kann mich an meinen Blümchenfotos erfreuen, sondern ich kann sie der ganzen Welt zeigen und vielleicht erfreuen sich Menschen in England, Spanien, Mexico oder Japan auch daran? Das ist eine neue Form der Öffentlichkeit. Öffentlichkeit wird durch ein gemeinsames Diskurs-Thema hergestellt. Das geht über die Massenmedien, wenn sich alle Menschen über DSDS auslassen und es somit als gemeinsame Kommunikationsbasis herhalten muss. Oder es geht über Twitter-Tags wie #Prism, #Tempora, #Aufschrei oder dergleichen. Ich hör schon die Kollegen Soziologen wettern, dass das dann aber nicht anschlussfähig wäre und ja nicht alle von der Kommunikation inkludiert werden könnten… aber das ist beim Fernsehen und der Zeitung ja auch so. Ich hab keinen Fernseher, kein Radio und ich lese keine Zeitung. Ich beziehe alle Informationen aus meiner Online-Filterbubble. Wenn mir meine Offline-Freunde von den neusten musikalischen Ergüssen berichten, irgendwelchen Bands die gerade total in sind oder dergleichen berichten, kann ich nur mit den Schultern zucken und sagen „Nie von gehört. Wer soll das sein?“ – was mir dann ungläubige Blicke einbringt.

Ein verschlüsseltes Netzwerk würde übrigens auch nicht viel bringen, denn dann würde innerhalb dieser sicheren Umgebung alles öffentlich geteilt – und da braucht es nur einen Staatsdiener der sich registriert und schon wäre das Überwachungsproblem wieder in der Welt. Das Reduzieren auf Nicknames ist nur solange Erfolgreich, wie sich die Leute niemals offline treffen. Und letztlich schafft sich jeder eine „eindeutige, virtuelle Identität mit Wiedererkennungswert“. Und einfach nichts mehr öffentlich teilen? Auch blöd, dann könnten wir das Internet gleich wieder einmotten. Menschen wollen sich schließlich vernetzen, zusammenrotten und Dinge miteinander teilen. Und sie wollen für ihre geteilten Dinge gelobt, anerkannt und gemocht werden (nicht umsonst gibt’s „Like-Buttons“ aber keine „Bullshit-Buttons“ – obwohl letztere mir in vielen Fällen angebrachter erscheinen).

Was es also bräuchte, wäre ein Netzwerk wie Facebook aber mit der Möglichkeit einer integrierten, PGP-verschlüsselten, Kommunikation unter den Teilnehmern. Sprich: Teilt alles öffentlich miteinander, was ihr auch mit euren Nachbarn oder Chefs teilen würdet. Und wenn ihr etwas nur mit bestimmten Leuten teilen wollt, dann geht das auch – indem ihr die Schlüssel (die schon bei Registrierung automatisch erzeugt oder vorhandene Schlüssel importiert werden sollten) ausgetauscht werden und die Kommunikation in Echtzeit ver- und entschlüsselt wird. An der Rechenleistung dafür soll’s nicht scheitern, die ist in Massen vorhanden – und das könnte auch auf den Clients passieren.

Das eigentliche Riesenproblem ist: Es braucht einen vertrauenswürdigen, konsistenten Admin des ganzen, der sich nicht bestechen, bedrohen oder irgendwie beeinflussen lässt, damit am Ende doch eine Backdoor geschaffen wird.

Terroristen sind auch nur Menschen – von Überwachung und Menschenwürde

Nach dem mehr oder weniger bewussten Fauxpas, mit dem Bundeskanzlerin Merkel das Internet als #Neuland bezeichnete, brodelte Twitter nur so vor sich hin. Da hat es nicht lange gedauert, bis die klassischen Medien das Thema aufgriffen und schon war vom eigentlichen Thema wieder brav abgelenkt: Der Überwachung. Gut gemacht, Frau Merkel. Mit dem Erschaffen eines Begriffs, über den sich jeder lustig machen kann, haben Sie ganz wunderbar davon abgelenkt, dass es eigentlich darum geht, die Daten, die die amerikanischen Geheimdienste über uns Deutsche sammeln, austauschen zu können. Es ist immerhin doch ganz praktisch, wenn schon jemand anders die Arbeit gemacht hat. Das umschifft das Dirty-Hands-Problem nur mittelbar, lenkt aber ein wenig davon ab.

Zum Glück gab es in all dem Shitstorm aber auch ein paar recht sinnvolle Kommentare und Blogbeiträge. Und auch padeluun hat sich bei ZDF-Login großartig geschlagen – und mir nebenbei ein wenig Hoffnung in meine Generation wieder gegeben, von der ich meist nur höre, dass es ihr völlig egal ist, ob sie nun überwacht wird oder nicht. Aber scheinbar habe ich mich da getäuscht. Offensichtlich ist es der Facebook- und Twitter-Generation doch nicht so ganz egal, wer ihr über die Schulter sieht. Trotzdem kam die eine oder ander Kleinigkeit in der ganzen Diskussion zu kurz. Insbesondere dort, wo das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Menschenwürde aufgemacht wurde, wo von Terrorismus die Rede war, wo plötzlich Feinde lauern und keine Straftäter und wo Freiheit und Sicherheit gegeneinander abgewogen werden sollten. Ich habe einfach Spaß daran, ein wenig näher hinzusehen.

Die Daten eines Menschen sind unantastbar

Was hat es nun auf sich, mit der Menschenwürde und dem Datenschutz, respektive dem Schutz vor staatlicher Überwachung, denn um genau den geht es ja? Nun, das deutsche Grundgesetz sagt, dass die Menschenwürde unantastbar ist und dass sie zu achten und zu schützen Aufgabe aller staatlichen Gewalt ist. Wichtig daran ist, dass achten vor schützen steht. Ein Blick in einen Grundrechtskommentar macht deutlich was das heißt: Es heißt, dass der Staat zu allererst in der Pflicht ist, nicht in die Grundrechte der Menschen einzugreifen. Erst an zweiter Stelle kommt die Pflicht, diese Grundrechte zu schützen. Wenn nun also ein Grundrecht in Gefahr ist, darf der Staat keinesfalls ein anderes Grundrecht einschränken um es zu schützen. Aus diesem Grund wurde das Luftsicherheitsgesetz vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Der Staat könnte die Grundrechte der Menschen am Boden nicht schützen oder die Grundrechte der Menschen im Flugzeug zu verletzten. Da die Achtungspflicht aber Vorrang vor der Schutzpflicht hat, wäre ein Abschuss eine eklatante Verletzung eben dieser höchsten Pflicht aller staatlichen Gewalt. Was das mit Datenschutz zu tun hat? Nun – recht einfach: Das Bundesverfassungsgericht bescheinigte uns ein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Eine Privatsphäre zu haben (also einen Informationsbereich, der nur mit einem sehr kleinen Kreis von Menschen geteilt wird), zählt in den Bereich der Menschenwürde. Auf der anderen Seite gibt es Foltermethoden, die auf Deprivation setzen und eben diesen intimen Privatbereich bewusst verletzten – und niemand würde behaupten wollen, dass Folter mit Menschenwürde vereinbar ist oder? Nein, sicher nicht. Einen Menschen würdevoll behandeln, heißt auch, seine Privatsphäre zu respektieren, sein Recht darauf, welche Informationen er über sich selbst mit anderen teilen will und vor allem, mit wem er diese Informationen teilen will.

Aber die Terroristen…

In der medialen Debatte wird immer wieder gern so getan, als wären Terroristen das Böse schlechthin und Terror überhaupt ist ein unglaublich beliebtes Schlagwort, mit dem scheinbar jeder staatliche Übergriff gerechtfertigt ist. Nun – eine kurze Recherche in der wissenschaftlichen Literatur ergibt, dass es Hunderte von Definitionen von Terrorismus gibt. Die meisten beziehen sich auf das Erzeugen von Angst (meist durch Ausübung von Gewalt gegenüber Menschen, Tieren oder Sachen), um politische Ziele zu erreichen. Ich will hier nicht die 130. Definition von Terrorismus auf den Tisch werfen. Aber ich will versuchen darzustellen, was denn ein Terrorist ist. Also: Ein Terrorist ist eine Person, die sich der Methode des Terrorismus bedient, um ihre Ziele zu erreichen. Ziemlich wichtig ist, dass ein Terrorist eine Person ist. Grundsätzlich ein Mensch wie du und ich. Ein Mensch wie du und ich, der sich allerdings einer Methode zur Erreichung seiner Ziele bedient, die für sich genommen, moralisch höchst tadelnswert ist. Wie tadelnswert seine Methode auch sein mag: Der Terrorist bleibt ein Mensch. Er bleibt Träger von Rechten. Und auch von Menschenwürde.
Die Menschenwürde ist nämlich nicht verwirkbar und nicht aufgebbar. Sie ist inhärenter Teil eines jeden Menschen und egal wie verabscheuungswürdig er sich auch immer verhalten mag, er behält seine Würde trotzdem. Der deutsche Staat hat also auch die Menschenwürde des Terroristen mit aller Gewalt zu achten und zu schützen.Und dazu gehört, wie oben schon erwähnt, das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Und da die Achtungspflicht Vorrang vor der Schutzpflicht hat, darf der Staat den Terroristen gar nicht überwachen, um andere Menschen vor ihm zu schützen. Macht er es dennoch, verstößt er gegen diese Pflicht – und ein Staat, der gegen die höchste Pflicht verstößt, der er selbst unterliegt, entzieht sich im Grunde seine Legitimation selbst.

Von Feinden und Gegnern unserer Lebensweise

Frau Merkel sprach von Feinden und Gegnern. Ich bin nicht sicher, was sie damit sagen möchte. Feinde und Gegner sind zwei von einander verschiedene Begriffe und beide haben enge Verwandtschaft mit den Theorien des gerechten Krieges. Nun kann gegen Terroristen kein Krieg im klassischen Sinne geführt werden und überhaupt ist der Kriegsbegriff mittlerweile ziemlich überholt. Ich will statt dessen lieber von Kampf reden. Kämpfen kann man für und gegen vieles. Wenn ich nun also einen Terroristen bekämpfe und ihn als Gegner betrachte, dann räume ich ihm Rechte ein. Liest man einmal die Kriegstheorien, der Haager Landkriegsordnung, der Genfer Konvention, der UN-Charta etc. pp. quer, lässt sich ein Bild davon gewinnen. Einen Gegner muss ich gut behandeln. Die Haager Landkriegsordnung beschreibt zum Beispiel, wie man mit Kriegsgefangenen umzugehen hat. Gegner sind Menschen, denen in einem aktiven Kampf der Kombattantenstatus zugeschrieben wird – also Menschen, die aktiv an Kampfhandlungen beteiligt sind und von denen eine direkte Bedrohung ausgeht. Qua Mensch haben sie aber dennoch ihre unverwirkbare Menschenwürde und müssen entsprechend behandelt werden.
Und Feinde? Nun, Feinden werden solche Rechte nicht gewährt. Der Feindbegriff ist vielmehr ein emotionalisierter. Feinde sitzen in Guantanamo ein. Und wie man sie behandelt und welche Rechte ihnen gewährt werden, ist durchaus mehrfach durch die Medien gegangen. Diese Behandlung ist fasch, denn auch Feinde sind Menschen und verfügen demnach über unverwirkbare Menschenwürde. Die Falschheit ändert nur leider nichts an der juristischen Wirklichkeit, in der es eben schon einen Unterschied macht, ob jemand nun Gegner oder Feind ist. Selbst hierzulande wurde ja schon laut über ein „Feindstrafrecht“ nachgedacht, welches intensive Einschnitte in die Grundrechte mit sich gebracht hätte.

Dass Terroristen als Gegner unserer Lebensweise bezeichnet werden, halte ich für gerechtfertigt. Schließlich wenden sie ihre Methode als Mittel im Kampf für ihre Ziele an. Und gegen Gegner kann sich ein Staat mit den Mitteln, die ihm innerhalb des gesetzlichen Rahmens zur Verfügung stehen auch wehren. Aber Feinde? Nein. Ich will keine Feinde haben. Ja, ich verweigere einem Terroristen den Feind-Status. Denn damit wäre Tür und Tor dafür geöffnet, auch ihre Menschenwürde zu unterminieren. Genau das ist aber das Problem: Gegen Feinde kann man sich auf andere Art wehren, als es gegen Gegner der Fall wäre. Gegner beschränken die Möglichkeiten.

Macht nun aber keinen Unterschied, ob sich Feinde oder Gegner unter der Bevölkerung verstecken. Überwachen darf der Staat sie dennoch nicht. Denn selbst wenn eine Missachtung der Menschenwürde von Feinden zulässig wäre (ich wage das zu bezweifeln!), ist es das der restlichen, nicht-feindlichen, Bevölkerung keineswegs. Denn: Wenn der Staat versucht, die Bevölkerung vor „Feinden und Gegnern“ zu schützen, dann achtet er sie nicht mehr. Und, wie eingangs schon erwähnt, geht das Achten vor dem Schützen. Und um einen weiteren Bogen zu schlagen: Feinde, Gegner und Bürger sind zweifellos Menschen mit Würde und Grundrechten. Und obwohl sie „unsere Lebensweise“ bekämpfen, muss der Staat sie dennoch mit aller Gewalt achten und schützen. Das heißt ja nicht, dass der Staat sie nicht zur Rechenschaft ziehen darf oder dass Sanktionen zu unterbleiben haben. Das heißt nur, dass ein Eingriff in die unverwirkbare Menschenwürde, denn den stellt die Überwachung dar, unzulässig ist.

Ein paar abschließende Worte zum Terrorismus

Ich habe bereits an anderen Stellen deutlich gemacht, dass Terrorismus als Methode im Kampf moralisch verachtenswert ist. Es ist aber falsch, verachtenswerte Methoden mit ebenso verachtenswerten Methoden zu bekämpfen. Statt dessen schließe ich mich einer Argumentation von Dietmar Mieth an: Terrorismus bekämpft man nicht mit Waffen und Überwachung. Terrorismus bekämpft man an der Wurzel – nämlich an den Gründen, die die Leute in eine derartige Verzweiflung treiben, dass sie zu solchen Methoden zu Kämpfen greifen. Bekämpft man diese Gründe (sie liegen meist auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene), haben die Personen, die da kämpfen, keinen Grund mehr, zu extremen Methoden wie dem Terrorismus zu greifen. Denn Terrorismus ist immer falsch. Es gibt keine Ausnahmen und keine Gründe und keinen Notstand, mag die Situation auch noch so extrem sein, die Terrorismus rechtfertigen könnten.

Ein Gesellschaftssystem für das Neuland

Kürzlich habe ich eine Weile mit einem Bekannten über Politik diskutiert. Thematisch ging es um die Regierung, all das, was in der Demokratie schief läuft und wie man das alles so lösen könnte. Er meinte, als Philosoph wäre man doch am ehesten qualifiziert, ein Land zu regieren. Das wäre dann immerhin gerecht. Nun, ich bin kein großer Freund von Platons „Philosophenkönig“ und meinte, dass wir Philosophen dazu viel zu theoretisch angelegt sind. Wir müssten uns erstmal Gedanken darüber machen, welches Regierungssystem denn benötigt würde – und ob es denn brauchbar ist. Daraufhin meinte er „Na dann entwickel doch dein eigenes!“ Daraufhin meinte ich, in Anlehnung an Wiglaf Droste: „Ich habe ein klar umrissenes Verhältnis zur Macht. Ich will sie nicht haben.“ Ich kam zu dem Schluss, dass eine direkte Demokratie zumindest jeden beteiligen würde. Und er kam zu dem Schluss, dass man mit dem Internet durchaus eine Art solche direkte Demokratie ermöglichen könnte. Wir haben dann eine ganze Weile rumgesponnen und überlegt, wie sich das so realisieren lassen könnte. Nun, für ein echtes, physikalisch begrenztes Land wäre das alles ein wenig schwierig. Aber für das Internet selbst? Warum nicht? Da das Internet jetzt offiziell Neuland ist, kann es sich auch selbst eine Regierungsform geben. Na dann will ich mal sehen, wie ich meine kleine Spinnerei in ein wenig Struktur gieße. Und ich muss dazu sagen, dass es zum größten Teil wirklich nur eine Spinnerei am Nachtmittag ist. Ziemlich lückenhaft noch dazu. Was ja nicht heißt, dass es nicht diskutiert werden könnte. 😀

Die „Bürger“ von Neuland

Es ist ja nicht immer ganz einfach zu sagen, wer Bürger eines Landes ist. Hierzulande gilt das ius sanguinis. Einfach erklärt: Jemand, der mit jemandem in der gleichen Blutlinie verwandt ist, der ein Deutscher Bürger ist, hat einen Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft. In Amerika gilt beispielsweise das Geburtsrecht: Jemand, der in Amerika geboren wurde, ist amerikanischer Staatsbürger. Nun können die Bürger auch ihre Staatsbürgerschaft ändern oder eine doppelte Staatsbürgerschaft haben – und das mit den jeweiligen Rechten und Pflichten.

Wie wird man nun aber Bürger oder Bürgerin von Neuland? Nun, recht simpel: Man nimmt teil. Dabei muss es nicht um eine Login bei einem sozialen Netzwerk gehen; es reicht aus, wenn das Internet genutzt wird. Ob nun für E-Mails, Nachrichten oder Suche, spielt dabei keine große Rolle. Während die Rechte und Pflichten von Bürgerinnen und Bürgern in der physikalischen Welt davon abhängen in einem Land geboren worden zu sein oder dort zu leben, hängen die Rechte und Pflichten in Neuland von der Teilnahme ab.

Und wie sieht so ein Neulandsbürger aus? Nun – es gibt keinen grammatisch adäquaten Begriff dafür (falls doch Kommentare sind immer willkommen), aber ich versuche es mal zu beschreiben: Eine „Neulandeinheit“ hat kein Geschlecht, verfügt über keine Rasse, keine Hautfarbe und keine Religion. Sie hat nicht einmal einen festen Namen und müsste nicht einmal ein lebendes Wesen sein. Auch Maschinen können durchaus Neulandseinheiten sein. Und das Beste daran: Jede Einheit ist mit absolut gleichen Rechten ausgestattet. Damit wird sichergestellt, dass keine Einheit Bevor- oder benachteiligt wird.

Einheitenbeteiligung

Wir funktioniert nun aber die Entscheidungsfindung in Neuland? Eine Mehrheitsdemokratie ist ungerecht – denn sie benachteiligt grundsätzlich Minderheiten. Nun, das Schöne an Neuland ist, dass es keine all zu knappen Ressourcen gibt, sofern die Grundlagen der Netzneutralität gewahrt bleiben. Netzneutralität und gegenseitige Rücksichtnahme auf Bandbreitenverteilung könnten beispielsweise in eine Art „Grundgesetz“ von Neuland aufgenommen werden – aber dazu vielleicht ein ander Mal. Nun, ich muss ein Beispiel an den Haaren herbeiziehen, um die Abstimmungsmodalitäten darzustellen. Nehmen wir einmal an, in Neuland soll ein Film veröffentlicht und allen zugänglich gemacht werden. Da der Film dann für jeden, der teilnimmt (also „verbunden“ ist) zugänglich sein wird, könnte nun darüber diskutiert werden, ob er veröffentlicht werden soll oder nicht. Hierzu bedarf es eines Abstimmungssystems, dass ich selbstverständlich nicht entwickelt habe und von dem ich nicht weiß, ob es überhaupt funktionieren könnte. Aber es sollte in etwa so aussehen: Da jede Einheit eine Stimme hat, kann sie für oder gegen die Veröffentlichung stimmen oder sich enthalten. Wichtig ist, dass jede Einheit selbst abstimmt. Eine Übertragung von Stimmen auf eine andere Einheit (wie wir es beispielsweise in einer gewöhnlichen Demokratie handhaben, in der wir diejenigen wählen, von denen wir glauben, dass sie am kompetentesten sind) ist nicht vorgesehen. Da es keine feste Menge der Teilnehmer gibt, sind Entscheidungen grundsätzlich fluide und Können jederzeit einer Revision unterzogen werden. Alle aktuellen Teilnehmer stimmen nun also über das Ereignis ab. Nehmen wir an, dass die Mehrheit dafür ist, dass der Film zugänglich gemacht werden soll, die Minderheit aber dagegen ist. Würde die Mehrheit sich über die Minderheit hinwegsetzen, würde diese grob benachteiligt werden. Da sich jede Einheit in Neuland direkt adressieren lässt, ist es ohne Probleme möglich, die Mehrheit und die Minderheit in Gruppen zusammenzufassen und somit beiden gerecht zu werden, indem der Film der Mehrheit zugänglich gemacht wird und der Minderheit eben nicht. Das klingt nur auf den ersten Blick hanebüchen, macht aber durchaus Sinn: Würde sich die Minderheit durchsetzen, würde die Mehrheit benachteiligt; würde sich die Mehrheit durchsetzen, würde die Minderheit benachteiligt. Wenn aber beide gleichzeitig zu ihrem Recht kommen (was ja problemlos möglich ist, weil es sich eben nicht um ein materielles Ding handelt, das nur einmal auf der Welt existiert und um das sich zwei Gruppen streiten), ist das Problem aus der Welt.
Ich muss dazusagen: Es geht nur um die Nutzbarmachung, nicht um das Eigentum an dem besagten Film. Über Eigentumsrechte muss ich noch einen ganz eigenen Beitrag schreiben. 🙂 Womöglich hält die Minderheit den Film für anstößig und will dementsprechend nicht das er gezeigt wird. Nun – dann hat die Minderheit die Möglichkeit, ihre Vorstellung in dem Sinne durchzusetzen, in dem der Film für ihre Angehörigen nicht zugänglich gemacht wird.

Ich sagte ja, dass die Entscheidungen fluide sind und jederzeit überarbeitet werden können. Angenommen, es kommen neu Einheiten zu Neuland hinzu („mehr Menschen oder Maschinen gehen online“). Damit verändern sich die statistischen Verhältnisse unter den Einheiten. Da nun also mehr Teilnehmer da sind (wobei es unerheblich ist, ob sie neu sind oder alt und „kurz weg“ waren, können sich auch andere Abstimmungsverhältnisse ergeben. Da nun aber nicht jede Entscheidung komplett geändert werden muss, können diese neu hinzugekommenen Einheiten sich dann den jeweiligen Fraktionen anschließen.

Kling unverbindlich? Und irgendwie, als würde jeder Schweinerei Tür und Tor geöffnet, indem einfach jeder machen kann, was er will? Nun, nur dann, wenn sich „Eigentum“ in irgendeiner Form im Streit befindet, ist das ein ernsthaftes Problem. Nehmen wir das Beispiel Einheitenrechte (ist ja gerade aktuell): Wenn es darum geht, ob der Datenverkehr zwischen den Einheiten überwacht werden darf oder nicht, können sich die Einheiten darüber beraten und dafür oder dagegen sein. Diejenigen die dagegen sind, werden dann aus der Überwachung ausgeklammert, diejenige die dafür sind, nicht – solange bis sich ihre Meinungen ändern (was ja durchaus passieren kann).

Autoritäten und Rechtsdurchsetzung

Wenn nun etwas entschieden wurde, wie wird durchgesetzt, dass es auch tatsächlich durchgeführt wird? Und wie werden die Einheiten vor Fremdeinwirkung geschützt? Nun – hier liegt das Vertrauen in der Technik: Es braucht niemanden, „der das Sagen hat“. Schließlich können die Einheiten selbst recht gut entscheiden, was gut und was schlecht für sie ist. Die Entscheidungen, die getroffen werden, werden dementsprechend in quasi-Echtzeit kommuniziert und Änderungen direkt umgesetzt (in dem den jeweils betroffenen Einheiten von Inhalte zugänglich gemacht werden oder eben nicht – was über die DNS-Server kommmuniziert wird). Es ist nicht notwendig, Rechte durchzusetzen. Jeder hat das gleiche Recht auf alles. Ich meine damit etwas wie: Jede Einheit hat das Recht auf Zugang zur Wikipedia. Es braucht keine Autorität, die dieses Recht durchsetzt oder es vor anderen Einheiten schützt – denn die Einheiten brauchen einander die Rechte nicht streitig zu machen. Sie haben sie ja alle zu gleichen Teilen. Mit anderen Worten: In Neuland herrscht Reisefreiheit und Aufenthaltsrecht für jeden. Geht es um Inhalte, die sich in Neuland befinden, so braucht es ebenfalls niemanden, der diese Inhalte jemandem gibt oder nimmt – sie sind einfach da und können nach Belieben vervielfältigt werden.
Alle Änderungen, die in Neuland vorgenommen werden, werden instantan wirksam (über die Veränderung der DNS-Protokolle z. B.) und sind für alle gültig, die sich an der Entscheidung beteiligt haben.

Wirtschaft und Handel

„Aber Moment! Das muss doch irgendwer bezahlen!“ Höre ich es tönen. Warum? Wenn eine Einheit einen Inhalt herstellt (das ist die Voraussetzung) und stellt sie dann allen anderen Neuländer Einheiten zur Verfügung – und profitiert gleichzeitig von den Inhalten die andere Einheiten zur Verfügung gestellt haben, dann ist das kein Prozess, der wirtschaftliche Konsequenzen hat. Es werden einfach nur Inhalte hergestellt, getauscht, vervielfältigt, verbreitet und genutzt. Dabei werden natürlich die meisten Inhalte im Ausland (außerhalb von Neuland) hergestellt und benötigen materielle Ressourcen. Nun – die muss man aber von Neuland als getrennt betrachten. Wenn eine Neulandeinheit einen Inhalt herstellt, dann obliegt es seiner Auslands-Einheit (dem zweibeinigen, zum größten Teil aus Wasser bestehenden, intelligenten Fleischsack vor dem Monitor), für die Herstellung zu sorgen. Sobald es einmal in Neuland hereingebracht worden ist, ist es mit allen zu teilen. Insgesamt basiert das Neuländer Wirtschaftssystem also darauf, dass jeder jedem alles zur Verfügung stellt, was er produziert. Und da das jeder macht und alles frei kopierbar ist, gibt es keinen Grund, für wirtschaftliche Streitigkeiten – schließlich gehört jedem alles und alles ist überall nutzbar – sofern es denn gewollt ist.

So. Soviel erstmal für diesen hitzigen Mittwoch. Nein, ich habe keinen Sonnenstich. Ich habe nur mal meine Fantasie spielen lassen, wie sich das Internet selbst organisieren könnte, wenn es denn nur wollte. Und die Idee ist noch bei weitem nicht perfekt – sondern stellt erstmal das gröbste aller Brainstormings dar. Mir werden mit Sicherheit noch Ideen zur Verfeinerung und Verbesserung kommen – und einige Sachen werde ich vermutlich noch als „völliger Blödsinn“ verwerfen. Letztlich: Ist ja nur ein Gedankenexperiment. 🙂

Digitaler Frühjahrsputz

Nach einigen Fehlversuchen meinerseits hat unser Cheftechniker David es nun doch geschafft, Software und Design zum laufen zu kriegen. Gegängelt durch den ultralahmarschigen Server, manch wirre Konfiguration und meine ständigen, dusseligen, Kommentare hat er jetzt bestimmt das eine oder andere graue Haar mehr. Kein Wunder.

Nachdem das mit dem Upgraden, der Abrechnung (wir zahlen mehr als wir müssten, weil man die Zahlungsmethode nicht ändern kann, wenn man einmal damit angefangen hat – bürokratischer Schwachsinn!), den Backups und der Servergeschwindigkeit alles nicht so lief, wie wir’s uns eigentlich vorgestellt haben, haben wir zudem einen Hosterwechsel angestoßen. Also heißt es demnächst adieu umständlicher amerikanischer Billighoster und hallo freundlicher deutscher Qualitätshoster. Und das auch noch für den gleichen Preis. Damit beginnt dann auch das Abenteuer Domain-Umzug. Ich bin mir nämlich fast sicher, dass sich da noch diverse Probleme mit der Freigabe der Domain auftun werden, denn wer verliert schon gerne Kunden? Aber immerhin haben wir ja schon jährlich im Voraus bezahlt – und meinetwegen können die sich das Geld dahin stopfen, wo nie Sonne hin scheint (also unter die Matratze). Erstattungen gibt’s ohnehin nicht. Ich hab da nur noch eine recht intensive Bestrebung: Ich will da weg!

Zumindest läuft gerade ein hübscher digitaler Frühjahrsputz an. Neue Software, neues Design, neuer Hoster. Alles neu und blitzblank poliert. Jetzt kommt nur noch reichlich Fummelarbeit bei der Einrichtung und der Einstellung auf uns zu. Das wird alles nicht ganz so einfach. Aber vermutlich auch nicht unbedingt unmöglich. Wir sind dann nur halt eine Weile lang offline (was allein ja schon ein absolutes Drama ist, aber hey, wir haben halt nicht die Kapazitäten für absolut professionelle, ausfallsichere und reibungslose Abläufe).

Er ist immer noch tot, Jim…

Wieder was dazugelernt: Man kann eine Drupal-Installation nicht in eine andere stecken, weil das notwendigerweise immer die Datenbank zerstört. Wie schön, dass es Backups gibt.

Interessant an den Backups ist, dass das gestern noch problemlos ging und heute angeblich 50$ dafür berechnet werden sollten, dass sie die Backups wiederherstellen. Hallo? Soll das ein Witz sein?!? Für eine völlig gewöhnliche und vor allem schon mal problemlos durchgeführte Dienstleistung noch mal extra bezahlen? Wie sagte es mal einer meiner Chefs sinngemäß: „Die wilden Schweine müssten mich kräftig in den Arsch beißen!“ Recht hat er. Zumindest in dem Fall. Sollte jemand von euch über eine Website nachdenken, nach Hostern suchen und beim (scheinbar!) besten Preis/Leistungs-Verhältnis auf FatCow stoßen: Tut euch den Ärger nicht an…

Also… mache ich das jetzt mal komplett nackt. Eine reine, saubere, wunderschöne Drupal7-Installation. In der Hoffnung, dass das funktioniert – denn dabei gibt es offenbar auch so das eine oder andere Problem mit den Zugriffsrechten, der Datenbank, dem Hochladen und all den ganzen Kleinigkeiten, die da so passieren können. Mal sehen, wann ich verzweifelt aufgebe.

Er ist tot, Jim…

Gestern wollten wir dann endlich mit dem lange geplanten Upgrade unserer Magazin-Seite anfangen… und? Genau! Es ging kaputt. Das beste daran ist, dass niemand genau weiß, warum.

Aktuell läuft unser kleines Blogazin auf Drupal 6 mit einem recht sperrigen und mittlerweile hässlichen Template. Um das zu ändern wollten wir auf Drupal 7 mit einem neuen, hübschen und schnellen Template wechseln. Soweit der Plan. Offline mit XAMPP alles vorbereitet, getestet, verzettelt, ein paar Nächte und diverse Liter Kaffee darauf verwendet zu verstehen, wie alles funktioniert und festgestellt, dass wir’s wohl oder übel nicht einfach hochladen können, sondern direkt auf dem Server installieren und dann alle alten Inhalte importieren müssen.

Ok. Sollte ja nicht schwer sein. Das neue Template benötigt PHP 5.3, das alte System läuft mit 5.2. Also: Den Support gefragt, ob das irgendein Problem macht, wenn wir das einfach umstellen. Nö, sollte es nicht. Gut. Also: PHP-Version auf 5.3 umgestellt, execution time limit auf unendlich (der Import dauerte auch offline eine ganze Weile), geguckt… jo. Läuft alles noch. Also weiter im Text: Das neue System in ein Unterverzeichnis auf dem Server hochgeladen (allerdings im Hauptverzeichnis des alten Systems was vermutlich aber nicht sicher, unter Umständen, in einer meiner Theorien ein Problem darstellen könnte…) und …

drupal site offline

 

BÄM! Und niemand weiß genau, warum. Der Support behauptet, es wäre die falsche Datenbank in der settings.php eingetragen. Joa. Das steht da. Lesen kann ich selbst, danke. Für das Unterverzeichnis mit der zweiten Drupal-Installation, in welche die Inhalte der ersten importiert werden sollten, stimmte das auch. Nach einer Korrektur lief da die Installation relativ reibungslos. Das eigentliche Hauptsystem wurde aber nicht angerührt. Daran wurde nichts gemacht, die Datenbank ist korrekt eingetragen, sie existiert auch noch, freut sich des Lebens und sollte quietschfidel einfach mit dem alten System laufen. Nö. Fehlanzeige. Keine Chance. Es ist alles noch da und genau so, wie es sein soll, aber die Seite ist trotzdem offline.

Ok – also rumexperimentiert, woran es liegen könnte: PHP-Version wieder zurück auf 5.2 und die execution time wieder zurück auf die standardgemäßen 120 Sekunden: Keine Wirkung. Das Unterverzeichnis geleert, falls sich zwei Drupals im gleichen Verzeichnis irgendwie stören könnten: Keine Wirkung. Noch mysteriöser wird es,

Mal sehen ob der Support im Laufe des Tages eine kluge Lösung dafür findet. Oder ob sich zumindest die Backups wiederherstellen lassen.

Ein paar Stunden später hat sich zumindest die Frontpage wieder zeigen lassen. Aber jeder Link führt entweder ins nichts oder zurück zur Frontpage. Bei den Göttern, was ist denn da vermurkst worden? Möglicherweise hat es die Datenbank gekillt – aber dann ist es doch kein Drama die Datenbank und den Content wiederherzustellen oder irre ich mich da? Mit meinem durchaus beschränkten Wissen über Datenbanken und Web-Content sehe ich da zumindest gerade kein Problem.

Nun gut. Ich probiere dann mal, das Backup auf einem anderen, externen, Server zum Laufen zu kriegen. Sollte das glücken, haben wir zumindest eine Quelle für den Import der Inhalte. Über 690 Artikel wären sonst verloren. Welch Schande. ^^