Das Leistungsschutzrecht, die Freiheit und die eine oder andere Kolonie im Internet

Da flatterte eben ein Video von Anonymous durch meinen Diaspora-Stream, das Position gegen das Leistungsschutzrecht bezog und die „Freiheit des Internet“ in Gefahr sieht. Allerdings ist es argumentativ eher schlecht – ein Grund für eine nähere Analyse, ein paar Gedanken zu Freiheit, Vielfalt und Wissen im Internet.

Wissen ist Vielfalt – oder auch nicht

Fangen wir bei einer Aussage an, die mich sofort ansprang: „Wissen ist Vielfalt.“
Nun, das ist so nicht ganz richtig, bzw. nur eine kleine Teilmenge der Möglichkeiten, was Wissen ist. Und das auch nur dann, wenn man sich pluralistische Wissenschaftstheorien zu Rate zieht, die sämtliche wissenschaftlichen Meinungen gelten lassen wollen. Das ist ist zwar auch nicht schlecht – aber auch diese pluralistischen Theorien müssen ja irgendeinen Gegenstand bedienen, den die Wissenschaft da generiert. Nämlich? Genau! Wissen! Wenn Wissen äquivalent zu Vielfalt wäre, dann wäre alles, was irgendwie vielfältig ist, Wissen. Dazu müsste nun erstmal geklärt, werden, das eigentlich mit Vielfalt gemeint ist. Geht es nur darum, dass ein bestimmtes Ding möglichst viele Teile oder Aspekte vereint? Dann könnte ich einen Legobaukasten nehmen, ihn auf den Teppich schütten und sagen: „Seht her! In diesem Haufen Teile stecken unglaublich vielfältige Möglichkeiten! Das ist Wissen!“
Nun, sicher nicht. Wissen ist per definitionem eine „begründete Überzeugung“. Und, einfach ausgedrückt, sehr viele dieser begründeten Überzeugungen, so man sie alle gelten ließe, führen zu einer Wissenspluralität, ergo zu Vielfalt. Wissen ist also nicht Vielfalt, aber es kann vielfältiges Wissen geben.

Was die Kritik am Leistungsschutzrecht angeht, so geht es darum, dass die Verlage nun auch für Snippets, also die ganz kleinen Textbröckchen, die in Suchmaschinen auftauchen, zur Kasse beten könnten. Könnten! Das heißt nicht, dass sie es tun werden. Es wird also nichts weiter als die Bedingung der Möglichkeit geschaffen, dass eine Zeile Text eine gewisse Gebühr verursacht. Wie die Kollegen von Netzpolitik.org schon richtig bemerkt haben, ist relativ kritisierenswert, dass Google als leidtragendes Unternehmen (und Hüter der Freiheit) dargestellt wird. Sicher ist es richtig, dass Suchmaschinen und Newsaggregatoren das Internet deutlich einfacher zu Bedienen machen. Aber schränkt es die „Freiheit“ des Internet ein, wenn eine Suchmaschine keine Treffer mehr anzeigt, weil diese Treffer plötzlich Geld kosten?

Das Internet – die Freiheit der Einfachheit

Offensichtlich ist an der Verbindung zwischen „Freiheit“ und „Gebühren für Textschnipssel“ irgendetwas falsch. Das Anonymous-Video scheint behaupten zu wollen, dass die Freiheit des Internet dadurch gefährdet wird, dass diese Schnipsel nun in Zukunft eine Gebühr kosten sollen und deswegen bei Suchmaschinen nicht mehr gelistet werden oder von Bloggern nicht mehr verwendet werden könnten. Nun, zum einen wird das Zitatrecht gar nicht berührt, wenn ich das richtig verstehe. Zum anderen ist es ein wirtschaftliches Problem und keins der Freiheit!

Die Freiheit im Internet, sofern es sie überhaupt gibt, wird überhaupt nicht tangiert. Jeder kann immer noch ins Netz stellen, was er gerade produziert. Allein das Auftauchen in Suchmaschinen wird schwieriger, zumal eine gewisse Rechtsunsicherheit darüber besteht, ob eine Seite angezeigt werden darf oder nicht. Das führt nicht etwa dazu, dass irgendjemand unfreier wird, sondern viel mehr dazu, dass möglicherweise Kosten entstehen. Und: Nur weil eine Seite nicht mehr in einer der großen Suchmaschinen auftaucht, ist sie ja noch lange nicht weg! Sie wird nur schwerer gefunden! An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Blick in die Vergangenheit wagen. Könnt ihr euch noch daran erinnern? Damals? Als Google noch winzig klein war und Lycos noch Suchmaschine? Yahoo noch ein Webkatalog war und Microsoft nicht einmal daran dachte, sich mit Internetsuchen zu beschäftigen? Wie hat man denn damals von einer Website Wind bekommen? Genau! Jemand hat sie uns geschickt. Per Mail oder per ICQ (das damals noch zu Mirabilis gehörte). Wir haben den Link gespeichert, weitergeschickt, geteilt…
Wir haben kommuniziert!
Klar. Kommunizieren kann heutzutage kaum noch jemand. Schließlich muss man das ja nicht. Mal jemanden fragen? Nein, wozu denn? Suchmaschinen und Co. listen ja alle auf, was so nötig ist – mit Menschen in Kontakt treten? Das ist oldschool. Pardon – was hier wirkt wie Trollling (ist es im Grunde auch), ist eher eine geharnischte Gesellschaftskritik.
Das Leistungsschutzrecht würde nicht etwa die Freiheit beschränken. Es würde vielmehr auf Grund der Rechtsunsicherheit dazu führen, dass es schwerer wird, Dinge zu finden und die Nutzer zwingen, wieder mehr miteinander zu kommunizieren. In Gefahr ist also nicht die Freiheit des Internet sondern nur die Einfachheit seine Bedienung.

Rechtssicherheit ist übrigens, meiner Ansicht nach, relativ leicht herstellbar: Google listet zwar per se alles, was ihm vor den Crawler kommt – aber der lässt sich auch unterbinden. Einfach über die robots.txt. Ein Verlag, kann Rechtssicherheit dadurch erzeugen, dass es seine Angebote von Crawlern aussperrt. So kann es nicht dazu kommen, dass Suchmaschinen und Aggregatoren plötzlich und unerwartet zur Kasse gebeten werden. Ich sehe hier also die Verlage in der Verantwortung, Rechtssicherheit zu erzeugen. Immerhin sind sie es ja, die Geld für ihre Snippets haben wollen – also sollten sie auch festlegen, ob sie verwendet werden dürfen oder nicht – und zu welchen Konditionen. Der Haken: Verlage wollen gefunden werden! Es wäre also eine große Dummheit nun herzugehen und dafür Geld zu verlangen oder gar sich selbst aus der Suche auszuschließen. Schließlich würden sich die Verlage damit ins eigene Fleisch schneiden.

Halten wir also fest: Wissen ist nicht äquivalent zu Vielfalt, aber es kann vielfältiges Wissen geben. Die Freiheit im Internet ist auch nicht in Gefahr – es kann immer noch jeder machen, was er mag, solange er nicht gegen irgendein Gesetz verstößt oder jemandens Rechte verletzt. Und damit das nicht geschieht, sehe ich diejenigen, die unbedingt ein Leistungsschutzrecht wollen in der Verantwortung, ihre Rechte entsprechend transparent zu machen und zu verwalten. Wer nicht will, dass Inhalte bei Google gelistet werden (oder Geld dafür verlangt), der soll gefälligst auch selbst aktiv werden und sich mit Hilfe der bekannten Sperrmechanismen aus der Suche entfernen. Immerhin kann es ja nicht sein, dass die Verlage, die ihre Rechte gewahrt sehen wollen, dann hergehen und klagen oder riesige Rechnungen schreiben, obwohl sie ihre Rechte mit einem winzigen Eintrag in einer einfachen Textdatei direkt vor Suchmaschinen schützen könnten. Das wäre meiner Ansicht nach journalistisches Raubrittertum.

Virtuelle Kolonialisierung

Raubritter „kolonialisieren“ nun nicht das Internet, sondern überfallen es vielmehr – wenn wir bei der Metapher bleiben wollen. Wie kolonialisiert man eigentlich einen virtuellen Raum? Werden dann demnächst verschiedene IP-Ranges von Verlagen und Unternehmen geflagged und eine Grenze drumherum gezogen? Ich meine – das gibt’s schon! Unternehmen haben jede Menge IPs, die ihnen gehören und die sie verwalten dürfen. Aber Kolonialisieren geht anders. Um eine Kolonie zu gründen, nimmt man sich eine Handvoll Siedler, schickt sie in ein fremdes Land, erobert vielleicht ein Stückchen davon mit Gewalt – und lässt sie dann dort eine Stadt gründen.
Wie zum Teufel gründet man eine Kolonie im Internet? Geht ein Verlag daher, unterwirft eine Serverfarm mit Hilfe eines Cyberwars und deklariert dann einen bestimmten IP-Bereich einfach als neues Eigentum? Na, glücklicherweise gibt es internationale Verträge, die die Vergabe von IPs regeln. Das Internet kolonialsieren dürfte dementsprechend schwer fallen. Mit anderen Worten: Der Begriff ist völliger Blödsinn.

Der einzige Vergleich mit einer Kolonie, der vielleicht funktionieren könnte, ist der, dass die Verlage um ihre Angebote nun Grenzen errichten können. Aber das können sie auch schon mit Hilfe von Paywalls. Die „Kolonien“ existieren also im Grunde schon. Und das schon seit einer ganzen Weile und sogar relativ erfolgreich. Es gibt schließlich nicht wenige Leute, die tatsächlich bereit sind, für gut recherchierte Inhalte zu bezahlen. Und ich kann auch durchaus die Bestrebungen der Verleger und Journalisten verstehen, für ihre Inhalte Geld zu bekommen. Mir wäre auch viel Wohler bei der Sache, wenn ich für meine Inhalte Geld bekäme. 🙂

Du verwendest jetzt die Facebook-Chronik…

…toll! Wie wundervoll! Ich habe mich ja nicht umsonst all die Monate standhaft dagegen gewehrt, es immer brav ignoriert und all die flehentlichen Versuche seitens des blauen Ungetüms ignoriert, die Profileinstellungen schon mal vorab zu ändern. Und nun kommt sie dann also doch, wie schon angedroht, ohne dass man sich dagegen wehren kann und mit der einzigen Option, sich direkt mal  – die „wundervolle“ Chronik.

Kürzlich wurde dann auch noch öffentlich sichtbar gemacht, wann wer welche Inhalte (in Gruppen oder bei Nachrichten z. B.) gelesen hat. Schön. Und wen geht’s was an, wann ich welche Inhalte lese? Und überhaupt ist’s ja schön, immer mal wieder bevormundet zu werden. Auf Dauer gefallen lassen muss ich mir das allerdings nicht. Wird Zeit, die seit Monaten angedachte Löschung dann doch mal in die Tat umzusetzen. Schade nur um den entfernteren Bekanntenkreis, von dem man sonst nur etwas über ihre Statusaktualisierungen erfährt. Wer mitkommen mag, der kann über diesen Link gern folgen.

Ein paar sachlichere Gedanken zum Thema digitaler Bevormundung werden folgen. 🙂

Ausgegoogled

Wer hätte gedacht, dass es so schwer ist, wenn nicht gar unmöglich, ein altes Google-Konto zu löschen? Klar, der Konzern möchte natürlich Missbrauch vermeiden und muss überprüfen, ob derjenige, der hinter den Daten steht, auch wirklich derjenige welche ist, der er behauptet zu sein. Sonst könnte ja jeder hergehen und jedes beliebige Konto löschen.

Ich für meinen Teil habe gestern beim „Selbst-Stalking“ noch ein paar alte Accounts in Foren und Co. gefunden, die schon seit gefühlt einem Jahrzehnt obsolet sind. Nun ja – ein halbes Jahrzehnt. Aber immerhin. Unter anderem auch ein altes, aber kaum bis gar nicht genutztes Blogger-Konto. Was versucht man also, wenn man es löschen will? Richtig: Benutzername, Passwort. Keine Kombination wollte so recht glücken. Dann stellte ich fest, dass Google auch offenbar keine E-Mail-Adresse zu diesem Konto mehr kennt. Es muss eine Adresse damit verbunden sein, denn es wurde ja eine Passwort-Erinnerungsmail verschickt. Allerdings existiert die dazugehörige Adresse auch schon seit über vier oder fünf Jahren nicht mehr. Das ist jetzt dumm – denn einen wirklichen Support gibt es bei Google nicht (außer das Hilfe-Forum in dem kaum wirkliche Hilfe zu erwarten ist). Na, ich bin gespannt, ob ich das Konto noch mal los werde…

Ein Monat ohne – das ernüchternde Fazit

Wie ich ja schon angekündigt hatte, habe ich nun einen Monat ohne Facebook zugebracht. Eine, wie ich fand, höchst entspannende Zeit. Um ehrlich zu sein: Ich hab’s nicht wirklich vermisst. Interessanter ist daher, wie mein erweiterter Bekanntenkreis so reagiert hat. 🙂

Eine hat sich tatsächlich nach einer Woche gemeldet und gefragt, ob denn alles OK wäre. Ich plötzlich offline? Da kann was nicht stimmen. Natürlich kam das per Facebook-Nachricht. Meine Antwort per SMS wurde ebenfalls wieder per Facebook-Nachricht beantwortet. Danach herrscht Schweigen.
Ganz ähnlich verhielt es sich mit einer anderen Bekannten. Die meldete sich via Facebook, ich antwortete per SMS, dass ich derweil keine Lust hätte, dass Onkel Zuckerberg meine private Kommunikation vollüberwacht – und der Rest ist Schweigen. Keine weiteren Reaktionen mehr (auch nicht, als ich dann später mal wieder die eine oder andere SMS schickte).

Der überwiegenden Großteil meines erweiterten, virtuellen, Bekanntenkreises verhielt sich geradewegs so wie üblich. Kommt nichts, was sie „liken“ oder kommentieren können, nehmen sie es offenbar gar nicht erst wahr. Und das, wovon ich meine, dass es „like- und kommentarwürdig“ wäre, wurde über die letzte Zeit hinweg ohnehin ignoriert.

Aber was sagt mir das nun? Es sagt mir, dass Facebook dergestalt in die private Kommunikation eingebunden zu sein scheint, dass viele gar keinen anderen Weg mehr benutzen (wollen). Es sagt mir aber auch, dass sie vermutlich gar nicht wissen, dass alle Nachrichten, die man so schreibt, analysiert und ausgewertet werden. Bis vor kurzem wusste ich auch noch nicht, dass Facebook einen „Happiness-Index“ hat, nach dem die aktuale Stimmung und psychologische Verfassung des Autors von Postings oder („privaten“) Nachrichten  bestimmt werden kann. Das dient dann dazu, zum ihm Werbeanzeigen zu präsentieren, die auf Produkte hinweisen, die ihn dann wieder individuell glücklich machen könnten (oder ihm psychologische Hilfe anbieten). Glaubt ihr nicht? Probiert’s doch mal aus. 🙂 Nichts leichter als das: Sucht euch einen Kommunikationspartner eurer Wahl und schreibt eine Reihe von Nachrichten in denen es um Depressionen und Selbstmordgedanken geht. 2-3 Tage sollten reichen. Danach schaltet ihr den Werbeblocker ab und lasst euch überraschen.

Deutlich wird daraus auch, dass Facebook die privaten Nachrichten wieder privat werden lassen sollte. Das diese Forderung illusorisch ist, weil sie damit dann ja kein Geld mehr verdienen, ist klar. Auf der anderen Seite scheint es genauso schwierig zu sein, die Leute dazu zu überzeugen, sich wieder auf althergebrachte Kommunikationswege zu besinnen. Auch wenn der große blaue Riese alles so schön „schnell und einfach“ macht. Es gibt aber auch noch einen dritten Weg, den ich bevorzugen werde, bis einer der anderen beiden beschreitbar wird: Mein erweiterter Bekanntenkreis wird in Zukunft schrecklich wenig Dinge von mir via Facebook erfahren. 🙂

Knüpft sich Freiheit an die Notwendigkeit ihres Gebrauchs?

Immer wieder entbrennt eine kleine Diskussion zwischen mir und einem Bekannten darüber, wie frei Software doch sein müsse. Ich für meinen Teil bin bekennender Apple-Nutzer. Ich mag nicht nur das Design – mein MacBook ist der bisher zuverlässigste Computer, der bisher durch meine Hände ging. Und da gingen schon so einige durch. Von DOS 6.0 und Windows 3.1 (ihr erinnert euch? wpid-icon_wink-2012-04-5-10-16.gif ) bishin zu Windows 7 und auch nebenher verschiedene Linux-Distributionen (SuSE, Knoppix, Red Hat, Ubuntu und viele andere), hat mich bisher noch kein System so kompromiss- und problemlos einfach genau das machen lassen, was ich machen wollte. Sicher – hier und da mus man das richtige Werkzeug suchen, aber das gilt für alle Systeme.

Das soll nun keine Laudatio auf Apple werden. Das Argument meine Bekannten ist: Die Hardware ist ja ganz weit vorn – aber man kann so wenig einstellen! Mein Argument dagegen ist: Was sollte man auch einstellen wollen? Läuft doch alles!

Nun ist MacOS X wohl eine der in sich geschlossensten Softwarestrukturen der Welt. Alles unter maximaler Kontrolle aus Cupertino. Mein Bekannter würde sich dadurch eingeschränkt fühlen, weil er nicht viel am System machen kann – ich dagegen fühle ich pudelwohl und frei zu tun, was immer mir gerade vorschwebt (zum Beispiel diesen Blog schreiben). Die Kernfrage ist also: Entsteht das Gefühl von Freiheit dadurch, dass man sie eigentlich nicht braucht? Fühlen wir uns etwa erst dann unfrei, wenn wir vor einer Hürde stehen und sie nicht überwinden dürfen? Und angenommen, das Leben wäre maximal unfrei aber auch maximal sorgenlos – jeder Mensch hätte die Möglichkeit glücklich und zufrieden zu leben, hätte dafür aber überhaupt keine Freiheit irgendwas an seinem Leben zu ändern – würde dieser Mangel überhaupt auffallen?

Spannende Gedanken, die es sich zu verfolgen lohnt. wpid-icon_smile-2012-04-5-10-16.gif

Soziale Netzwerke und die Unternehmenskommunikation

Ich habe ja erwähnt, dass ich mich noch dazu auslassen wollte, warum es meiner Ansicht nach gar nicht so toll ist, wenn sich Online-Magazine (oder ganz allgemein: Firmen), via Facebook mit ihren Lesern austauschen. Letztlich handelt es sich dabei ja um eine Form von Unternehmenskommunikation – und zwar eine, die allenthalben, insbesondere von Werbetreibenden, angepriesen wird. Grund genug, sich einmal das Für und Wider durch den Kopf gehen zu lassen.

Ich habe mir also angesehen, worin die Postings der Firmen bestehen, die sich in meinen Facebook-Stream geschmuggelt haben. Klar, das ist deutlich auf Gaming konzentriert, also kommen da Aktualisierungen von Publishern, Spieleseiten, Gaming-Magazinen und Co. Inhaltlich handelt es sich dabei meistens um die Ankündigung von neuen Produkten, Gewinnspielen, Testberichten oder einfach nur „Leserbespaßung“, in dem verbreitete „Web-Jokes“ ala 9gag in der Timeline des entsprechenden Magazins republiziert werden. Was mir dabei deutlich auffällt ist folgendes: Bei der Ankündigung eines neuen Spiels, eines Werbespots zu einem Spiel oder einem coolen neuen Accessoire,  kommuniziert das veröffentlichende Medium nicht. Der Rückkanal, den die Web-2.0-Funktionen ermöglichen sollten, wird in den seltensten Fällen genutzt. Sicherlich – ein Beitrag wird hundertfach, vielleicht tausendfach kommentiert und geteilt und geliked… letztlich ist es aber doch nur ein Marketing-Trick, der die Werbung in das soziale Umfeld der Kunden integrieren soll. Kommunikation oder gar ein Diskurs über die Inhalte ist offenbar nicht intendiert. Selbst dann, wenn die Kunden (oder Leser) zu Recht Kritik äußern.

Ok – unter Marketinggesichtspunkten hat man gewonnen. Man kann seine Werbung quasi in die privaten Unterhaltungen seiner Kunden integrieren (denn soziale Netzwerke bestehen ja zumeist aus privaten Kontakten). Damit erzeugt man einen gewissen Grad an Intimität. Aus der sozialen Perspektive ist das allerdings alles andere als toll. Die Kundschaft wird mit Werbung in ihrem privaten Umfeld konfrontiert und ihre Rückmeldungen versacken im Nichts.

Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit der Kommunikation. Ich stelle mir da eine einfache Frage: Wenn ich mit meinen Lesern/Kunden kommunizieren will: Warum benutze ich dann ein fremdes Unternehmen (Facebook, Google+, etc.) zu diesem Zweck? Die Möglichkeiten des Web 2.0 bringen es mit sich, dass wirklich alles immer und überall kommentiert werden könnte. Ein Feedback kann also relativ direkt geliefert werden. Selbst wenn die großen Anbieter der sozialen Netzwerke aktuell im Aufwind sind, heißt das noch nicht, dass es sie ewig geben wird. Was mache ich nun also, wenn mein Unternehmen Facebook überdauert? Die Kommunikation und die Rückmeldungen meiner Leser wären vermutlich verloren. Noch ein Problem: Wenn ich ausschließlich soziale Netzwerke als Rückkanal nutzen würde, zwänge ich meinen Lesern die Notwendigkeit auf, ihre Daten einem weiteren Anbieter übergeben zu müssen.

Auf einer anderen Ebene, ist eine Firma oder ein Magazin ein Fremdkörper in der sozialen Kommunikation zwischen Personen. Sie tauschen sich über private Dinge aus, die sie eben gerade interessieren. Ob nun Firma X einen neuen Turnschuh veröffentlicht, Firma Y ein neues Spiel oder ob das Shampoo von Z die beste Wirkung gegen Schuppen hat, dürfte sie dabei weniger tangieren, wenn nicht sogar irritieren. Es handelt sich dabei um Informationen, die mit dem eigentlichen Inhalt der privaten Unterhaltungen nichts zu tun haben. Aus meiner eigenen Perspektive kann ich sagen, dass es sogar mehr ein Ärgernis ist.

Ich würde also meinen, dass soziale Netzwerke viel mehr eine optionale Erweiterung der Unternehmenskommunikation sein sollten – nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nicht das ultimative Marketing-Instrument, mit dem sich nun der absolut bombastische Anstieg der Leser- und Verkaufszahlen einstellen soll. Es ist quasi „für die, die’s interessiert“, sollte aber meiner Ansicht nach nicht als Medium für aggressive Werbekampagnen ausgenutzt werden. Darum denke ich bei vielen Unternehmen, die mit „jetzt nur auf Facebook“ werben: „Warum zwingt ihr mich zu Facebook? Nur, weil ihr eure Zielgruppe mit Hilfe des Social Graph besser eingrenzen und Werbung noch personalisierter gestalten könnt? Habt ihr keine eigene Homepage? Danke… verzichte…“

Ein Monat ohne

Wie war das Leben ohne Facebook? Und wie ist es mit? Inspiriert von Albrecht Udes “Eine Woche ohne“-Projekt, bei dem es darum geht, mindestens eine Woche lang ohne Google auszukommen, habe ich beschlossen, einen Monat ohne Facebook zu verbringen. Es ist nun nicht so, als dass ich absolut abhängig vom Zuckerbergschen Netzwerk wäre. Vielmehr erkenne ich nicht mehr all zu viel Nutzen darin. Zudem will ich ich einfach mal die Reaktionen des “sozialen Netzwerks” auf mein spontanes Fehlen beobachten – sofern es überhaupt welche gibt. Aber das ist naürlich längst nicht alles. Hier nun also ein paar Details zu den Gründen, die mich antreiben

Social Spam
Wenn ich mir meinen Facebook-Stream so angucke, dann ist der voller Informationen, die ich nicht will und nicht brauche. Dabei sind eine Menge Dinge, die ich mich selbst eingebrockt habe, wie zum Beispiel die Statusaktualisierungen verschiedener Gaming-Magazine oder Publisher. Klar: Man könnte ja einen Hinweis oder eine wichtige News verpassen. Facebook und Twitter beobachten gehört da einfach zum Job. Allerdings muss ich, zu meiner Ernüchterung, gestehen, dass die Anzahl der wirklich interessanten Neuigkeiten sich dort auf ein Minimum reduziert. Zumeist handelt es sich nur um Mitteilungen, die man eh schon kennt oder um Hinweise darauf, was man denn demnächst für tolle Assesoires kaufen könnte. Die Magazine beschäftigen sich meist mit “User-Kommunikation” – und Nutzen Facebook als eine Art Rückkanal für die Leser. Das ist nicht nur schlecht (ich erkläre später warum), sondern auch unglaublich nervig. Die meiste Zeit über kommt es dann zu inhaltsleerem geplapper oder dem Posten von Bildern, die sonst auch jeder selbst scon bei 9gag gesehen hat. Aber: Sie müssen ja kopiert und auf die Facebook-Seite des Magazins gebracht werden.
Dann sind da die Videos. Nicht einfach nur immer mal wieder ein Video – das wäre ja noch ok. Bevor Facebook so groß wurde, haben wir uns ja auch miteinander unterhalten. Damals eher per ICQ oder einem ähnlichen Messenger – und haben uns auch das eine oder andere Musikvideo bei YouTube zugeschickt. Klar: Mit seinen Freunden teilt man das eine oder andere Lied (erinnert ihr euch noch an die Prä-Internet-Zeit? Da hat man sich zum Musikhören getroffen. Persönlich! Und hat bei einem Glas Wein oder einer Flasche Bier über die Lieder philosophiert…). Was ich in letzter Zeit beobachte ist eine ganze Schwämme von YouTube-Videos, die von den Leuten meistens völlig unkommentiert gepostet werden. Keine Geschmacksäußerung, keine Meinung dazu, keine Frage ob das Lied sonst noch jemandem gefällt. Ganz davon ab, dass das posten von YouTube-Musikvideos urheberrechtlich eine Grauzone darstellt, ist das einfach nur Spam.
Noch mehr Spam flutet durch die, sich für sozial haltenden, Kanäle, wenn Bilder verschiedener Unterhaltungsseiten geteilt werden. Er sagt’s mit Bildern, Sie sagt’s mit Bildern, Bilder sagen’s mit Bildern, Wir sind böse und gemein, Immer ein dummer Spruch auf Lager – und wie sie alle heißen. Bilder, teils einfach nur mit Sprüchen auf farbigem Hintergrund, die manchmal lustig, manchmal zynisch und meistens einfach nur dumm sind breiten sich sintflutartig über den Bildschirm aus, wenn ich nur lange genug runterscrolle.
Wirkliche Inhalte, nämlich die Postings, die darauf hindeuten, was die Leute, die ich zu meinem virtuellen sozialen Umfeld zähle, gerade wirklich machen gehen dabei in der Flut von Nonsens einfach unter. Das liegt nicht daran, dass ich sie nicht beachten würde, sondern vielmehr daran, dass sie prozentual eher einen geringeren Teil einnehmen.

Geschlossene Gesellschaft
Vergleicht man Facebook einmal kurz mit Diaspora, stellt man schnell fest, dass einiges anders ist. Sicher – da kommen auch unglaublich viele Bilder zustande. Aber in den meisten Fällen ist das Kunst. Ja! Kunst! Animationen, Fotos, Bilder die nachdentlich machen, aufwändige Portraits… ich staune immer wieder was für tolle Sachen ich dort finde. Es ist, offen – sofern vieles öffentlich gepostet wird. Und sofern man dem entsprechenden Tag folgt, bekommt man all das angezeigt. Facebook dagegen ist ein geschlossenes Netzwerk. Klar: Man hat kommerzielles Interesse daran, dass die Nutzer auf der Seite bleiben. Um so besser ist es, es geschlossen zu halten. Bedeutend ist, dass man nur das im Stream angezeigt bekommt, was die Leute oder Seiten, mit denen man in Verbindung steht, posten. Es ist das genaue Gegenteil vom offenen Netz (so wie dieser Blog hier offen ist, denn jeder kann ihn lesen, nicht nur meine Freunde). Erstaunlich daran ist, dass man erst einmal sehen muss, wie es auch anders geht, damit man sich bei Facebook wahrhaft eingesperrt fühlt. Ich denke, das ist ein psychologischer Aspekt meiner aktuellen Wahrnehmung: Ich fühle mich bei Facebook eingesperrt. Es ist schön, dass ich sehe, was für Musikvideos die Leute so teilen, welche dummen Sprüche sie posten und was ich als nächstes für eine App kaufen kann. Und sonst? Ist da sonst gar nichts? Doch, da ist jede Menge – ich darf es nur nicht sehen! Eine künstliche Beschränkung, die nicht sein muss. Die ich nicht mehr will!
Alles soziale ist Kommunikation – oder doch nicht?
Zwischen sozialen Systemen läuft Kommunikation. Völlig selbstständig und um ihrer selbst willen. Das jeweilige soziale System wird von der Kommunikation irritiert (wobei sie nicht verstanden werden muss) und reagiert dann entsprechend darauf. Wenn ich jetzt annehme, dass die Mitglieder bei Facebook die sozialen Systeme repräsentieren, dann müssten die Postings die Kommunikation darstellen (kodiert nach dem jeweiligen Verständnis des Systems – also der Ausdrucksweise und/oder den Anspielungen die ein Mensch so äußert). Meiner Beobachtung nach, kommt es allerdings nur selten zu einer solchen “Irritation”. Eine Neuigkeit, ein Foto oder ein Gedankengang, der mir gerade durch den Kopf geht und bei dem ich durchaus gern das eine oder andere Feedback hätte, geht einfach unter und wird gar nicht erst wahrgenommen. Vermutlich leide ich nicht als einziger unter dem Social Spam, sodass es mich auch überhaupt nicht wundert, wenn keine Reaktion erfolgt. Fakt ist einfach: Facebook ist nicht zu dem zu gebrauchen, wozu man ein soziales Netzwerk gebrauchen könnte – nämlich Gedanken, Informationen und änliche Dinge mit seinen Freunden teilen und diskutieren.

Ein Monat ohne
Facebook ist voller Spam, stellt ein hermetisch versiegeltes System dar und erfüllt nicht den Zweck, den es eigentlich haben sollte. Statt dessen fühle ich mich immer unwohler, immer beschränkter in meinen Möglichkeiten und vermisse das soziale an dem sozialen Netzwerk schon länger. Wie hat man sich denn früher organisiert? Statt all seine Inhalte einem großen Konzern zu übereignen, hat man sich E-Mails geschrieben, sich per Messenger verabredet, telefoniert, traf sich… Klar – letzteres wird immer seltener und schwieriger, wenn das Umfeld berufsbedingt (oder einfach aus einer spontanen Veränderung der Lebensverhältnisse heraus), sich über ganz Deutschland verteilt. Mein Drang danach, mich irgendwie zu vernetzten und dabei mit Spam überhäuft zu werden ist mittlerweile allerdings eher gering. Ich werde jetzt also mal einen Monat ohne das größte Werbenetzwerk der Welt leben – und mal gucken, was passiert und wie viel ich so verpasse. Meine Vermutung: Gar nichts. Mal sehen, ob sie sich bestätigt.

Google entfernt AdSense für gehostete Domains – erklärt aber nicht viel dazu…

Da bekam ich doch gestern eine verunsichernde E-Mail von Google. Man würde AdSense für gehostete Domains abschalten. Domainbesitzer sollten doch bitte migrieren und ihre Domains irgendwo anders hin umziehen. So richtig verstanden habe ich das noch nicht. Aber: Es scheint sich nur auf „geparkte“ und „inaktive“ Domains zu beziehen. Das ist erstaunlich. Angeblich wäre eine meiner Domains davon betroffen. Nun, ich habe gar keine geparkten oder inaktiven Domains, sondern nur solche, die auch tatsächlich benutzt werden und das sogar ziemlich aktiv.

Was sich aber ziemlich gut zeigt, ist die Allmacht Googles, mit der sie einfach so ihre Produkte abschalten (und ggf. ganze Wirtschaftszweige vernichten) können. Wie viele Leute mögen wohl allein mit Werbung beim Domain-Parking Geld verdienen? Sicherlich nicht wenige. Und auch wenn’s nicht viel dafür gibt, dann ist es doch immer noch ein nettes Zubrot. Interessant ist auch, wie man es offenbar mit dem Support hält. Man kann auf Grund der Vielzahl von E-Mails keinen individuellen Mail-Support anbieten. Ok – wenn man ein paar hundert Millionen Kunden hat, dann ist das sicherlich schwer. Aber: Auf den Support-Seiten von AdSense wird man als Kunden geradezu für dumm verkauft und im Kreis herum. Es findet sich zwar der freundliche Hinweis darauf, dass man per Mail Kontakt auf nehmen könnte, wenn man denn in der Hilfe und im Forum nichts findet. Nun – alles öffentlicht mit anderen Mitgliedern diskutieren, die genauso wenig von der Materie verstehen wie ich? Och, wisst ihr… nö. 🙂 Und in der Hilfe findet sich nichts. Erstaunlich. Also: Keine Hilfe, keine Informationen und kein Mail-Support.

Nun, dann werde ich wohl mal in Hamburg anrufen und nach der passenden E-Mail-Adresse für den AdSense-Support fragen. 😉