Eine Frage des Vertrauens

On 21. Februar 2014, in Internet, by Ingo

Die Messenger-Wars brodeln weiter im Untergrund des Netzes. Facebook kauft WhatsApp, ein paar Leute auf Twitter räuspern sich, große Print- und Digitalmagazine wälzen sich kurz in ihrem permanenten Zeitgeist-Tiefschlaf und greifen ein paar der Twitterkommentare auf, bei denen Threema gelobt und Telegram zerrissen wird… und schon bekommen die Schweizer einen völlig unerwarteten Zustrom. Lerneffekt: Wenn ein paar wenige Twitter-Accounts mit vielen Followern (Meinungsmacher?) behaupten etwas sei gut und vor sich hin dämmernde Medien das dann all zu ernst nehmen – dann kann sich auch eine kleine Firma die PR-Arbeit sparen.

Aber Moment. Das ganze Internet ist von Threema begeistert? Nein, nicht das ganze Internet. Ein kleiner IP-Realm voller Querulanten leistet noch erbitterten Widerstand. Man könnte Threema nicht vertrauen. Der Quellcode wäre nicht offen, es wäre eine Firma und wenn die nur groß genug würde, würde sie womöglich von einem der Global Player aufgekauft. Stimmt. Das kann natürlich immer wieder passieren. Allerdings hätte niemand etwas davon.

Wenn ma sich die FAQ’s einmal anguckt, dann stellt man schnell fest, dass die Nachrichten auf eine Weise verschlüsselt sind, die es unmöglich macht, dass sie ausgelesen werden. Selbst die Betreiber der Server können nicht hineingucken, da die privaten Schlüssel ausschließlich auf den Geräten gespeichert sind:

Könnten Sie meine Nachrichten entschlüsseln, z.B. wenn Sie von den Behörden dazu gezwungen würden?
Nein, das ist unmöglich, da wir die privaten Schlüssel unserer Benutzer nicht haben (Ihr privater Schlüssel verlässt Ihr Gerät nie). Unsere Server müssen natürlich wissen, wer wem eine Nachricht schickt, damit sie diese dem richtigen Empfänger zustellen können. Diese Information wird aber nicht geloggt, und der Inhalt der Nachrichten kann keinesfalls entschlüsselt werden.

Wenn also jetzt Google oder Facebook auf die Idee kämen, Threema zu kaufen, um das Kommunikationsverhalten der Nutzer auszuwerten, würden sie vermutlich auf Granit beißen, weil sie dann eine große Menge verschlüsselter Nachrichten bekommen würden. Dass die Server zumindest wissen müssen, wer mit wem kommuniziert, erscheint jetzt irgendwie selbsterklärend. Wenn es nicht geloggt wird, dann gibt es da auch nicht viel an Meta-Daten, die abgefangen werden könnten. Sorgen macht mir da nur die Vorratsdatenspeicherung, die in der Schweiz ja etabliert ist. Threema ist in dem Sinne ja ein Dienstanbieter und irgendwo fallen dann ja doch Meta-Daten an. Die lassen sich schließlich nicht verschlüsseln.

Nun – wie dem auch sei: Ich habe mal einen kleinen freundlichen Fragenkatalog auf den Weg geschickt. Der Artikel, den ich draus stricken werde, erscheint dann auf www.modern-nerdfare.com. Das ist dann schließlich kein privater Blog-Beitrag mehr. 😉

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Die langerwartete Schlagzeile, dass Facebook nun doch endlich WhatsApp aufgekauft hat, sprudelt endlich durch all die kleinen und großen Online-Medien. All zu spektakulär ist das nun nicht, gab es doch schon vor ein paar Monaten Gerüchte, dass ein solcher Schritt in Erwägung gezogen werden sollte.

Zur gleichen Zeit blubbern diverse Brainbubbles in Twitter hoch, die von Crypto-Messengern und Datenschutz und sicherer Kommunikation handeln. Irgendein Dienst namens Telegram (ich hab noch nie davon gehört) soll angeblich sicher sein – und dann doch nicht, weil die verwendeten Algorithmen nicht sicher sind. Und von Threema wünscht man sich endlich einen offenen Quellcode, damit man reingucken kann.

Nun, ich kann verstehen, warum die Threema-Entwickler ihren Code nicht einfach so veröffentlichen. Immerhin könnte man die App dann auch einfach nachbauen und kostenlos verteilen. Das macht das Geschäft kaputt – und die Server, auf denen da alles läuft, sind ja schließlich auch nicht gratis. Abgesehen davon möchten Programmierer auch ab und an mal Pizza bestellen und brauchen Strom im Keller, sonst ist schnell vorbei mit der Programmierung. Just kidding.

Threema hat ein ganz anderes Problem: Die Leute wollen es nicht nutzen!

Folgender (natürlich unverschlüsselter) Chat entsponn sich kürzlich so oder so ähnlich zwischen mir und einem guten Freund, als er meinte, dass ein Tablet mit SIM-Karte und WhatsApp drauf völlig ausreichen würde, um unterwegs einfach mal mit den Leuten in Kontakt zu bleiben:

„Nutz doch direkt Threema. Ist, zumindest der aktuellen Mehrheitsmeinung nach, die sicherste Art der Kommunikation. Ende-zu-Ende verschlüsselt und kriegt mittlerweile sogar auch Gruppenchats hin.“

„Und? Kann ich damit WhatsApp nutzen?“

„Äh… nein? Aber du kannst alle deine Kontakte dazu überreden endlich eine private Form der Kommunikation zu wählen.“

„Das will dann aber keiner, weil die ihre Freunde ja in WhatsApp haben – und so ein Messenger ohne Nutzer bringt mir ja nichts. Da bleib ich dann bei WhatsApp. So spannende Dinge hab ich eh nicht zu sagen, kann ja meinetwegen jeder lesen.“

*facepalm*

So geht’s mir erstaunlich oft. Bis auf wenige Ausnahmen ist es den Leuten scheißegal, ob ihre Gespräche mitgelesen werden können. Es ist ihnen auch scheißegal, ob ihre Adressbücher mehr oder weniger unverschlüsselt auf die Server einer Firma geladen werden, die scheinbar nur als Briefkasten existiert. Sie nutzen einfach den Dienst, den alle anderen nutzen. Und machen sich nicht die Mühe vielleicht mal nach links und rechts zu gucken, um den Freundeskreis dazu zu überreden, den Kommunikationskanal zu wechseln.

Ich löse das Problem, in dem ich die Leute, die es können (also eine Android-Version über 4.0 haben) einfach dazu zwinge, Threema zu nutzen. WhatsApp habe ich verwerflicherwese tatsächlich noch. Für genau zwei oder drei Kontakte, die entweder ein älteres Handy haben oder ein Nokia-Handy mit Symbian ihr eigen nennen. Alle anderen bekommen keine Antwort außer meiner Threema-ID, damit sie die adden können.
Da gibt es immer wieder Leute, die sich aus den schon oben beschriebenen Gründen weigern, zu wechseln. Tja. Schade. Blöd daran ist, dass die dann, wenn sie schon darauf verzichten müssen, über einen unsicheren Kurznachrichtendienst mit mir zu kommunizieren, auf die Idee kommen, unverschlüsselte E-Mails zu schicken. Oder gleich ihr Privatleben in den Facebook-Chat kippen. Hilft also alles nichts, außer, ich rede gar nicht mehr mit ihnen und das wäre dann eine wohl doch recht einsame Alternative.

Ich bin sogar schon dazu übergegangen, denen, die sich weigern es zu kaufen (weil es ja soooo teuer ist… -.-), die App einfach zu schenken. Die 1,60 € machen mich jetzt nicht arm – und das ist mir die gefühlte Privatsphäre dann doch einfach wert. Geht über den Threema-Shop für Android und im iTunes-Store noch viel einfacher.

Abschließend noch zwei Bitten:

Liebes Threema-Team: Wärt ihr so nett, mal den CCC über euren Quellcode gucken zu lassen? Meinetwegen auch, in dem ihr den Jungs und Mädels Tod, Verderben und Verfluchungen, die bis ins siebte Glied ihrer Familien hinabreichen werden androht, wenn sie auf die Idee kommen, den Code zu veröffentlichen. Seht es einfach als eine vertrauenssteigernde Maßnahme an. 🙂

Liebe Leser, Freunde, Kollegen, Behörden – liebes Internet: Macht mal ein wenig mehr Druck, was die Verbreitung von Threema angeht. Es kann nicht angehen, dass WhatsCrap nach wie vor so übertrieben weit verbreitet ist und privatere Alternativen einfach das Nachsehen haben, nur weil sie ja weniger genutzt werden.

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Soziale Todeswünsche

On 5. Februar 2014, in Internet, by Ingo

Es ist erstaunlich, wie sehr ich alle einig sein, dass Facebook – mittlerweile 10 Jahre alt – es nicht mehr lange machen wird. Von genervten Usern ist die Rede. Von einer Verwandlung des offenen Internets in eine geschlossene Anstalt. Kein wirkliches soziales Netzwerk, sondern eher eine Art „betreutes Posten“ heißt es. Und Vergleiche mit dem Entstehen und Vergehen von anderen großen IT-Unternehmen lassen sich auch vernehmen.

Ist das nun alles nur journalistischer Futterneid? Ein Schlachtruf könnte so lauten: „Haha! Ihr verdient Milliarden mit den Daten anderer Menschen! Alle sind genervt aber trotzdem abhängig! ceterum censeo facebookinem esse delendam!“

Es ist ja sicher richtig, dass Facebook unglaublich nervtötend ist. So wie alles unglaublich nervtötend ist, wenn man sich all zu lang damit beschäftigt. Menschliches Verhalten zeichnet sich nicht gerade durch all zu viel Varianz aus. Wie sollte es auch, sind alle Menschen doch zumindest sehr ähnlich konfiguriert? Online wirkt sich das so aus, dass alle ungefähr die gleichen nervtötenden Dinge machen. Meist teilen sie Bilder, die sie irgendwo gefunden haben. Um damit irgendwas auszudrücken.

Wenn man es genau nimmt, ist da schon einiges an Kommunikation verloren gegangen. Die Leute drücken ihre Meinung nicht mehr aus – sie teilen ein Bild. Die eigentliche Botschaft stammt also gar nicht mehr von ihnen selbst, sondern äußert sich nur noch in stummer Zustimmung. Dabei kann es zu einiger Verwirrung führen: Manch einer postet ein Bild oder einen Spruch auch einfach nur, weil es ihm gefällt und nicht weil er die Meinung in stummer Übereinkunft übernehmen will. Am Ende kommt dann tatsächlich „Geschnatter“ dabei raus. Kein sozialer Austausch, sondern vielmehr ein Stakkato von Meinungen, Dingen, die gemocht werden, Bildern, unzusammenhängenden Dingen, die irgendwo aufgeschnappt wurden.

Die geschlossene Anstalt

Dass Facebook ein geschlossenes Netz ist, ist nicht weiter merkwürdig. Nur, wenn man die Leute bei der Stange hält, kann ihre Daten auswerten und Werbung verkaufen. Also integriert man alle Dienste aus dem offenen Netz in das geschlossene. Das macht auch nicht nur Facebook allein so. Google+ ist da nicht viel anders (auch wenn schon gefühlt viel, viel cooler ist und mit viel mehr Inhalten aufwartet) und Twitter ist zwar offener, hat aber auch einen entsprechenden Integrationssog.

Soziale Netzwerke, wie wir sie kennen, integrieren durch Exklusionseffekte. Das klingt verwirrend widersprüchlich? Nun, ich will’s erklären: Ich selbst route meinen Blog (also da das, was ich hier schreibe) auch zu Facebook und Google+ und Twitter. Ich stelle entsprechend fest, dass mein „Freundeskreis“ nur dann liest, was ich so von mir gebe, wenn sie es in ihren entsprechenden Accounts vor die Nase gelegt bekommen. Sie kommentieren auch nicht etwa die Blog-Artikel, sondern die Facebook- oder Google+-Einträge, an die sie weitergeleitet wurden. Inklusion durch Exklusion meint hier: Was nicht im System integriert ist, wird ausgeschlossen. Es wird nicht weiter wahrgenommen und führt zu keiner weiteren Reaktion. Und das wiederum löst eine Art „sanfte Gewalt“ (Bourdieu lässt grüßen) aus, die dazu führt, dass man gezwungen wird, Inhalte in die geschlossene Anstalt zu kippen, wenn man will, dass man wahrgenommen wird.

Düstere Prophezeiungen

Was ist nun aber mit all den düsteren Prophezeiungen vom Untergang Facebooks? Es ist das größte der Netzwerke und hat sich geradezu zur digitalen Weltherrschaft aufgeschwungen, verliert aber angeblich auch immer wieder Nutzer. Hochmut und Fall scheinen hier integraler Bestandteil zu sein – und gerade für die Medien ist das gefundenes Fressen, noch eine Runde darauf einzuhacken. „Was kommt danach?“ fragen die einen, „Der König ist tot, es lebe der König!“ rufen die anderen.

Ich frage mich eher: „Gibt es überhaupt ein zurück?“ Wir sind jetzt so von geschlossenen Gesellschaften angefixt worden, dass viele schon verlernt haben, das offene Netz zu nutzen. Überall lauern Logins, drohen PayWalls und locken Integrationsversprechungen, nur um Inhalte dann in ein System zu gießen. Dabei müsste man Inhalte gar nicht vom offenen Internet in ein geschlossenes System schicken, nur um sie mit „den Freunden“ zu teilen, wenn „die Freunde“ einfach die offenen Inhalte lesen würden.

Jedes neue Star-up, das irgendwas mit dem Internet machen will, läuft aktuell darauf hinaus, ein System zu entwickeln, dass irgendwelche Inhalte einsammelt, damit man sie mit Freunden teilen kann. Die dann natürlich auch erst mal in das geschlossene System integriert werden müssen… und so weiter, und so fort.

Nein, ich denke, es wird Zeit, die düsteren Prophezeiungen vom Untergang des sozialen Abendlandes und der großen sozialen Netzwerke sein zu lassen. Außerdem sollten wir das Internet vielleicht wieder so nutzen, wie es „früher mal“ war: Als offene, dezentrale Infrastruktur, bei der einfacher jeder mit jedem anderen jederzeit Inhalte austauschen kann, wenn er will. Ohne, dass diese Inhalte erst von irgendwem integriert, verwaltet und vermarktet werden müssen.

Ja – ich bin der Ansicht, wir müssen das Internet und soziale Netzwerke nicht neu denken. Wir müssen sie alt denken. Einen Schritt zurück machen ist keine Schande. Im Gegenteil: Es führt dazu, dass man einen besseren Überblick darüber bekommt, wohin der Weg geführt hat, den man gegangen ist.

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Facebook – Schwachsinn in Bildern

On 4. Dezember 2013, in Persönliches, by Ingo

Kürzlich habe ich mich noch darüber aufgeregt, dass es bei Facebook scheinbar Volkssport zu sein scheint, pseudo-spirituelle, pseudo-lustige oder pseudo-moralisierende Sprüche auf Bildern zu teilen. Meist verbreitet von Seiten, deren Namen allein schon dafür sorgen, dass sich mir vor Entsetzen die Fußnägel hochrollen und ich zum vierten Bier des Abends greifen muss, damit mein intellektuelles Niveau sich dem Inhalt des Dargestellten anpasst. Vor allem aber sorgt das Alkoholniveau für eine friedfertige Stimmung, die verhindert, dass ich, ob des völligen Schwachsinns, der dort meine Großhirnrinde beleidigt, ausraste und Hater-Kommentare poste.

Ich kann nicht anders, als nun doch einen Hater-Kommentar zu schreiben. Bringt nichts (vor allem die Leute, die diesen Kram verbreiten nicht zur Vernunft) – dafür fühle ich mich besser.

Da flatterte vorhin erst wieder folgendes Sprüchlein durch meine Timeline:

„Wenn Du nur tief genug bedenkst, dass jeder Augenblick deines Lebens ein Geschenk ist, dann kannst Du nicht anders, als dankbar zu sein.“

Verbreitet von jemandem der auf Facebook den Namen „Professioneller Verrückter“ trägt.

Lieber Verrückter: Sag das doch Mal Leuten, die mit Krebs dahinsiechen und jeden Augenblick nur deswegen ertragen, weil sie von stärksten Schmerzmitteln betäubt werden. Die sind bestimmt total dankbar dafür, dass die das erleiden dürfen. Super Idee. Ehrlich. Oder den Kindern, die ihre Eltern durch einen CIA-Drohnenangriff in Afrika verlieren. Die sind bestimmt total dankbar für diesen Augenblick in ihrem Leben, in dem ihre Eltern (durch einen bedauerlichen Verwaltungsirrtum) für unser aller Sicherheit ermordet werden. Ich werde auch ganz bestimmt genauso dankbar sein, wenn mir das nächste Mal ein Dumpinglohn angeboten wird, bei dem ich mich frage, wovon die Leute, die so etwas anbieten, glauben, dass ich leben soll. Ganz ehrlich? Ich bin überhaupt nicht dankbar für all den menschenverachtenden Mist, der mir Tag für Tag vor die Füße geworfen wird. Und ich sehe auch überhaupt nicht ein, warum ich auch noch Geld dafür ausgeben sollte, um zu lernen, dankbar für Sachen zu sein, die eine derartige Einstellung nicht im Geringsten rechtfertigen. Denn wenn man nur tief genug darüber nachdenkt, dann gibt es dann und nur dann einen Grund dankbar zu sein, wenn einem etwas, das man braucht oder haben möchte, ohne eine große Gegenleistung gewährt wird.

Als Nächstes flatterte dann folgendes Sprüchlein (natürlich auf einem Bild) durch die Timeline:

„Ich bin derart müde,ich könnte sofort arbeiten gehen.“

(Tippfehler im Original), verbreitet von einer Seite namens „Ey GeSiChTsKiRmEs iSt kEiN FaHrGeScHäFt“ (auch hier – angeblich coole Teenyschreibweise des Seitentitels im Original).

Liebe Seitenmacher – bitte tut es! Bitte geht arbeiten! Dann habt ihr nämlich keine Zeit, derartig unsinnige Sachen zu verbreiten. Bitte, bitte! Wenn ihr es dabei schafft, nicht dankbar zu sein, dann bekommt ihr sogar noch einen Bonuspunkt im Wutbürgertum dazu.

Auch sehr schön das Bild mit folgendem Spruch:

„‚Träumen Sie?‘ – ‚Ne Chef, ich kommuniziere gedanklich auf einer Frequenz für Fledermäuse um zu erfahren, wie Batman das Problem lösen würde.‘“

Verbreitet von einer Seite namens „Wer zuletzt lacht, hat es nicht eher begriffen. ツ“

Ich glaube, ich habe es nicht begriffen. Aber ich weiß, wie Batman das Problem lösen würde. Er würde aus dem Tumbler springen, die Grappling Gun zücken, einen Enterhaken in die nächste Wand schießen, sich zum Dach hochziehen, und demjenigen, der solche Sprüche erfindet, einen Batarang an den Kopf zu werfen. Damit ist derjenige K. O. und das Problem vorerst gelöst. Wobei, vielleicht nicht ganz. Als Nächstes käme dann vermutlich ein Bild mit dem Inhalt „askduolfh“ wenn der Bildermacher mit dem Kopf auf die Tastatur aufschlägt. Ich wette, auch das würde tausendfach geteilt und geliked, einfach weil das ja so gemacht werden muss…

Ich habe schon mindestens 100 dieser bilderverbreitenden Seiten blockiert. Und es werden tagtäglich mehr. Pseudo-buddhistische Weisheiten, pseudo-optimistische Lebensbejahung, pseudo-witzige Sprüche über, die man nur lachen kann, wenn man volltrunken ist, pseudo-philosophische Lebenstipps… es ist einfach unglaublich, wie viel von diesem Zeug sich auf Facebook verbreitet – und wie viele Leute tatsächlich nichts Besseres zu tun haben, als es zu teilen, zu liken, zu kommentieren und mit diesem Quatsch Traffic generieren.

Was können eigentlich die Facebook-Psychoanalyse-Algorithmen über das Kaufverhalten und den Happyness-Index der Leute berechnen? Ich meine: Ich allein kann schon sagen, dass fast alle, die diese Pseudo-Weisheiten verbreiten, in irgendeiner Form Missbrauchsopfer sind, die vermutlich glauben, dass die Verbreitung eines solchen Spruchs ihr Leben auf irgendeine Weise signifikant beeinflusst oder verbessert oder positives Denken nach außen kommuniziert, wo eigentlich gar keins ist. Woher ich das mit den Missbrauchsopfern weiß? Ich hab sie gefragt. Und wenn ich schon mit so einfachen Mitteln (wie „einfach mal ganz platt fragen“) schon so eine Korrelation herstellen kann, was können dann die Psychoanalyse-Algorithmen von Facebook und Google erst alles bewerkstelligen? Wenn ich so darüber nachdenke, geht die Werbemasche auf: Einerseits werden Bilder mit hohlphrasigen Sprüchen verbreitet, andererseits gibt es Werbeeinblendungen für den millionsten Glücksratgeber, der Glück, Reichtum und Erfolg verspricht – und das vor allem für den Produzenten des Werks. Oder für eine klinische Studie, in der Psychopharmaka getestet werden sollen. Oder für Singles in deiner Umgebung – jetzt live bei Facebook. Oder auch für Casual-Dating-Seiten. Oder, oder, oder…

Liebe Freunde… derjenige von euch, der mir als Erstes ein Browserplugin empfiehlt (oder es programmiert), mit dem ich diese Machwerke, welche sich unterhalb der Schöpfungshöhe von Kuhfladen bewegen, automatisch ausblende, blockieren, vernichten und auf ewig in den Hades schicken kann, wird von mir reich belohnt. Ich backe Kuchen.

 

 

 

The cake is a lie

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Facebook essen Seele auf

On 15. November 2013, in Persönliches, by Ingo

Einmal Facebook – immer Facebook, so scheint es eine Art in digitalen Beton gegossene Regel zu sein. Ich hatte mich ja nun schon mehrmals vom großen, blauen, (a)sozialen Netzwerk getrennt und wollte damit auch nicht weiter mehr viel zu tun haben. Allerdings muss ich feststellen, dass ich mich dem nur mittelfristig entziehen kann.

Ok, zugestanden: Es gibt kein „müssen“ in der Welt sondern nur ein „wollen“; schließlich muss ich nichts tun, aber ich will eben manche Konsequenzen und andere nicht. Und was hat das nun mit Facebook zu tun? Nun ja…

Asoziale Medienstreuung

Da ich ja gemeinsam mit meiner bezaubernden Kollegin Julia ein kleines Gaming-Magazin betreibe, ist das selbstredend auch möglichst breit gestreut vertreten. Twitter, Google+, Facebook – wenn ich sehe, dass es sich von der kritischen Masse der User her lohnt, vielleicht bald auch noch auf App.net (damit beschäftige ich mich momentan noch am allerwenigsten). Wie dem auch sei: Unsere Social-Media-Seiten werden via Hootsuite (genialer Tipp einer Google-Userin in den Google+-Hilfeforen, danke dafür noch mal) automatisch mit den Inhalten beschickt, die wir sonst so posten. Oder halt auch mal mit Dingen, die da nicht so auftauchen (ich teste gern mal die Resonanz auf SM-Postings… nein, nicht was ihr jetzt denkt, ich meine Social-Media-Postings, bin aber zu faul, das jedes Mal auszuschreiben… ^^).
Nur begab es sich, dass Julchen, die treue Seele, auch die Nase voll vom Zuckerberg-Imperium hatte und ihren Account ebenfalls löschen wollte. Ich konnt’s ihr nicht verübeln, schließlich bestehen 98% der Postings, die so durch die Timeline fliegen, aus geklauten Fotos mit hohlphrasigen Sinnsprüchen, die von Seiten mit geistreichen Namen wie „Immer einen flotten Spruch auf Lager“ oder „Ich sorge dafür, dass die Welt immer bunt bleibt“ im Gros virtuell unter die Leute gekotzt werden… Es kann dann schon nerven, wenn der virtuelle Bekanntenkreis nicht viel Besseres zu tun, als derlei Dinge zu teilen (aber dagegen gibt es Abhilfe – dazu komme ich gleich noch).

Soziale Werbenetze? Fehlanzeige!

Technisch hatten wir nun ein Problem: Ich dachte eigentlich, ich hätte die Facebook-Seite ohnehin schon gelöscht (Twitterfeed, welches wir früher benutzten, hatte eine neue Regelung eingeführt, nach der die automatische Beschickung einfach nach einer Weile gestoppt wird, sodass die Inhalte entsprechend veraltet waren und überhaupt war die Republikation von Bildern einfach nur zum Kotzen schlecht gelöst…), da die Resonanz und der Werbefaktor ziemlich miserabel war. Da frage ich mich: Warum sind die Leute eigentlich so hirnverbrannt bescheuert und teilen wie kleine lobotomisierte Äffchen lauter hohlphrasige Schwachsinnsbildchen, statt echte Inhalte? Der liebe Freundes- und Bekanntenkreis könnte ja auch mal ein wenig Werbung für mich machen, statt nur für Seiten, deren Schöpfungshöhe auf dem Zusammenschmieren von Bildern und Sprüchen basiert.

Yet Another Admin Fail

Aber gut. Die Seite gab’s offenbar doch noch (Facebook scheint mit dem tatsächlichen Löschen von Inhalten ein mehr oder weniger großes Problem zu haben) und so dachte ich: Na gut. Frisst kein Brot, kostet uns keine Gebühren, belastet nicht den eigenen Server – behalten wir’s eben. Und so meinte ich, sollte Julia die Admin-Rechte doch an unseren Chefingenieur David übergeben, auf dass er damit Spaß haben und Inhalte verbreiten könne.

Und genau das ging nicht. Es war einfach nicht möglich, ihn zu speichern. Weder über die E-Mail-Adresse, noch über die Freundesliste. Keine Chance, es ploppte lediglich eine nichtssagende Meldung im Stil von „Kann nicht gespeichert werden“ auf. Und da dachte ich: „Vermutlich hat Facebook gemerkt, dass ich die Seite mal eingerichtet habe und somit kann auch nur ich allein in meiner quasi-göttlichen Macht wieder zum Admin ernannt werden und andere zu Admins ernennen…“ Und mit dieser Vermutung hatte ich Recht.

Ich musste also zurück. Nein, die philosophisch korrekte Aussage wäre: Ich wollte wieder zurück, weil ich die Konsquenzen einer verwaisten Seite, die völlig ohne Admin ist, nicht wollte.
Und schon ging’s. Ich konnte Admin-Rechte vergeben, habe dann kurzerhand auch gleich die Hootsuite eingerichtet und fing an, Bilder von meinem Mittagessen zu posten. Und meinen Blog hier zu verlinken. Denn das ist interessant: Ein Posting bei Facebook scheint eine andere psychologische Wirkung zu haben, als ein Blogbeitrag, der „einfach so im Netz rumsteht“. Steht der einfach so im Netz, dann liest ihn kaum jemand – nicht mal der Freundes- und Bekanntenkreis, für den die verbreiteten Gedanken gedacht sind. Pushed man das Zeug über Facebook raus, klicken sie auf Links. Wie kleine, dressierte Äffchen. Links klicken. Gefällt mir klicken. Sabbern. Ungefähr so stelle ich mir 90% der aktiven Facebook-Nutzer vor. Like-Zombies. ^^

ceterum censeo simulacra essent delendum!

Was mache ich nun aber mit all den nervenden, hohlen, Sinnsprüchen? Nun, neuerdings (früher gab’s das wirklich nicht), gibt es eine Funktion, mit der man sie „immer ausblenden“ kann. Man klickt auf den kleinen Pfeil rechts oben am Beitrag und kann auswählen, ob man alle Beiträge des Nutzers ausblenden will – oder alle Beiträge der Seite, die der Nutzer da verbreitet. Total praktisch. Also liebe Freunde: Mehr! Gebt mir mehr von diesen dämlichen Sinnspruch-Bildern! Ich wette, ich kenne noch lange nicht alle Seiten, die derartigen Schwachsinn verbreiten. Und je mehr ihr davon postet, desto mehr kann ich davon ausblenden/ignorieren und mein Leben wird dadurch viel angenehmer. :>

Allein, wenn ich bedenke, wie diese Seiten heißen und welche Inhalte sie verbreiten, muss ich mir an den Kopf fassen, dass es Leute gibt, die den Schund teilen. Da gibt es eine Seite namens „Depressionen De“, die scheinbar alltägliche Küchenspiritualität verbreitet. Ich denke mir dabei: „Danke! Aber ich hab meine eigenen Depressionen. Ich will eure nicht haben! Ich will auch nichts davon wissen! Und ob ihr nun Pseudoweisheiten verbreitet, die von Like-Zombies geteilt werden oder nicht, dürfte auch für niemanden wirklich hilfreich sein!“
Dann gibt es da Seiten, die aktiv mit Kindesmissbrauch kokettieren und mit regelmäßigen kleinen Sinnsprüchen Aufmerksamkeit erzeugen. Ja hallo? Glaubt ihr denn wirklich allen Ernstes, dass das Verbreiten von auf Bildern gebannten Sinnsprüchen, die von Like-Zombies geteilt werden, auch nur einem einzigen Missbrauchsofper jemals weiterhelfen würde? Sorry, aber da kommt mir die kalte Kotze hoch. Macht gefälligst was sinnvolles! Spendet Hilfeorganisationen! Organisiert euch in der Kinder- und Jugendhilfe! Macht gefälligst aktiv was gegen das Problem, aber hört auf nicht hilfreiche Bilder mit hohlen Phrasen zu verbreiten! Das hilft niemandem! Ihr glaubt nur, dass das Aufmerksamkeit erzeugt – in Wirklichkeit werden einfach nur Inhalte geteilt, ohne dass die Leute ernsthaft davon berührt werden. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das für die Opfer von Missbräuchen sonderlich angenehm ist, immer und immer wieder mit derlei Inhalten konfrontiert zu werden, weil der virtuelle Freundes- und Bekanntenkreis einem pawlowschen-Like-Reflex unterliegt.

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Das Problem mit #Prism und #Tempora ist nicht ausschließlich, dass die Anbieter den Geheimdiensten Zugriff auf die Daten geben. Twitter beispielsweise lebt davon, dass Informationen öffentlich geteilt und verbreitet werden. Irgendwer posaunt etwas in die Welt hinaus – und wenn’s anderen gefällt, dann retweeten sie’s. Auf Facebook ist das ähnlich: Will ich möglichst viel Aufmerksamkeit generieren bzw. erreichen, dass meine Beiträge von möglichst vielen Menschen gefunden werden, dann mache ich sie öffentlich und nicht nur für Freunde sichtbar.

Das ist nun aber ein Problem mit der Art und Weise, wie sich Informationen verbreiten. Das ist wie Zettelchen weitergeben in der Schule. Wenn ich eine Party veranstalte und die Einladungen dazu unter der Bank weiterreiche, dann erreiche ich damit eine kleine Gruppe – denn vielleicht wird das Zettelchen an einer Stelle nicht weitergereicht. Wenn ich aber an die Tafel schreibe „Party um 20 Uhr bei mir!“ wissen’s alle und können erscheinen.

Einfach von Twitter und Facebook verschwinden, wie’s der Fefe sich wünscht, würde also nur insofern was bringe, als dass die öffentliche Datenverbreitung auf ein anderes Medium wechselt. Ob es jetzt Twitter, Facebook, App.net, Identi.ca oder wie sie alle heißen sein mag – solange die Tweets/Beiträge öffentlich geteilt werden, kann sie auch ein Geheimdienst aka Staat mitlesen.
Es liegt in unserer aktuellen Kommunikationskultur begründet, dass wir gern Dinge miteinander teilen. Einfach weil wir’s können. Das ist es, wovon das Internet lebt: Inhalte werden verlinkt, vernetzt, verteilt, verbreitet… nicht nur ich kann mich an meinen Blümchenfotos erfreuen, sondern ich kann sie der ganzen Welt zeigen und vielleicht erfreuen sich Menschen in England, Spanien, Mexico oder Japan auch daran? Das ist eine neue Form der Öffentlichkeit. Öffentlichkeit wird durch ein gemeinsames Diskurs-Thema hergestellt. Das geht über die Massenmedien, wenn sich alle Menschen über DSDS auslassen und es somit als gemeinsame Kommunikationsbasis herhalten muss. Oder es geht über Twitter-Tags wie #Prism, #Tempora, #Aufschrei oder dergleichen. Ich hör schon die Kollegen Soziologen wettern, dass das dann aber nicht anschlussfähig wäre und ja nicht alle von der Kommunikation inkludiert werden könnten… aber das ist beim Fernsehen und der Zeitung ja auch so. Ich hab keinen Fernseher, kein Radio und ich lese keine Zeitung. Ich beziehe alle Informationen aus meiner Online-Filterbubble. Wenn mir meine Offline-Freunde von den neusten musikalischen Ergüssen berichten, irgendwelchen Bands die gerade total in sind oder dergleichen berichten, kann ich nur mit den Schultern zucken und sagen „Nie von gehört. Wer soll das sein?“ – was mir dann ungläubige Blicke einbringt.

Ein verschlüsseltes Netzwerk würde übrigens auch nicht viel bringen, denn dann würde innerhalb dieser sicheren Umgebung alles öffentlich geteilt – und da braucht es nur einen Staatsdiener der sich registriert und schon wäre das Überwachungsproblem wieder in der Welt. Das Reduzieren auf Nicknames ist nur solange Erfolgreich, wie sich die Leute niemals offline treffen. Und letztlich schafft sich jeder eine „eindeutige, virtuelle Identität mit Wiedererkennungswert“. Und einfach nichts mehr öffentlich teilen? Auch blöd, dann könnten wir das Internet gleich wieder einmotten. Menschen wollen sich schließlich vernetzen, zusammenrotten und Dinge miteinander teilen. Und sie wollen für ihre geteilten Dinge gelobt, anerkannt und gemocht werden (nicht umsonst gibt’s „Like-Buttons“ aber keine „Bullshit-Buttons“ – obwohl letztere mir in vielen Fällen angebrachter erscheinen).

Was es also bräuchte, wäre ein Netzwerk wie Facebook aber mit der Möglichkeit einer integrierten, PGP-verschlüsselten, Kommunikation unter den Teilnehmern. Sprich: Teilt alles öffentlich miteinander, was ihr auch mit euren Nachbarn oder Chefs teilen würdet. Und wenn ihr etwas nur mit bestimmten Leuten teilen wollt, dann geht das auch – indem ihr die Schlüssel (die schon bei Registrierung automatisch erzeugt oder vorhandene Schlüssel importiert werden sollten) ausgetauscht werden und die Kommunikation in Echtzeit ver- und entschlüsselt wird. An der Rechenleistung dafür soll’s nicht scheitern, die ist in Massen vorhanden – und das könnte auch auf den Clients passieren.

Das eigentliche Riesenproblem ist: Es braucht einen vertrauenswürdigen, konsistenten Admin des ganzen, der sich nicht bestechen, bedrohen oder irgendwie beeinflussen lässt, damit am Ende doch eine Backdoor geschaffen wird.

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Facebook und die Luxussorgen

On 21. Mai 2013, in Persönliches, by Ingo

Nachdem ich nun seit etwa einem Jahr Facebook aktiv sabotiere, respektive mich ihm verweigere – tataa, hab ich mich wieder angemeldet. „Opportunisten-Arsch!“ hör‘ ich die Leute jetzt schon brüllen… und das ist vermutlich auch gar nicht so ganz falsch.

Mich überkamen da im Laufe des Jahres verschiedene Erkenntnisse – und es wäre ja schade, wenn ich die nun für mich behalten würde, nicht wahr?

Facebook ist alternativlos

Ich mag ja diesen Neusprech-Begriff von der Alternativlosigkeit nicht. Aber gerade was soziale Netze angeht, scheint das zuzutreffen. Ich habe mich im Laufe der Zeit mit Diaspora, Twitter, App.net und diversen anderen Kleinigkeiten beschäftigt. Messenger laufen bei mir sowieso immer und überall und Mailadressen hab ich im Duzend billiger. Es ist also nicht so das Problem, irgendwie Kontakt zu halten oder das System einfach zu wechseln und ein anderes zu benutzen – oder vielleicht sogar mehrere gleichzeitig, denn hoch lebe die Abwechslung… Erstaunlich daran: Es macht kaum jemand! Total spontan erfuhr ich, dass die einen umgezogen waren, die anderen neue Jobs hatten und die nächsten (wieder) studieren – oder gerade damit fertig waren. Das teilen sie dann über Facebook – aber sonst nirgends.

Sozialstrukturproblem?

Da frage ich mich ernsthaft: Ist das ein Strukturproblem, weil Facebook offenbar omnipräsent ist oder habe ich einfach nur die falschen Bekannten? Oder ist womöglich meine Anspruchshaltung, doch durchaus gern über Neuigkeiten in meinem entfernten Umfeld informiert zu werden irgendwie verfehlt? Könnte ich mir ggf. sogar den Vorwurf gelten lassen „Schließlich bist du ja verschwunden und könntest dich ja auch mal melden!“? Es scheint sich einfach in den Köpfen der Leute als die Anwendung festgesetzt zu haben – und dann ist das halt einfach so. Und wie ich feststellen muss, ist es gar nicht so einfach, die Leutchen per SMS oder Messenger zu erreichen (und wenn sie umziehen und ’ne neue Telefonnummer haben, DAS aber eben nur über das kleine blaue F mitteilen, ist das auch nicht gerade sehr kontaktförderlich). Datenschutz und andere Probleme werden nicht weiter reflektiert – und wer nicht dabei ist, bekommt halt auch nichts mit.

Luxusprobleme und jammern auf hohem Niveau

Joa, ich beklage mich über Dinge, die nun wirklich nicht weltbewegend sind. In Afrika verhungern Kinder, im nahen Osten herrscht Krieg, die Wirtschaft kriselt und kriselt, von Nordkoreas Plänen die Welt in die Luft zu sprengen, ist auch schon lange nichts mehr vermeldet worden – und ich kleiner Wicht jammer rum, weil’s mir so vorkommt, als würde sich die Welt irgendwie an mir vorbei drehen. Ja geht’s noch? Aber klaro! Ich gehe einfach davon aus, dass ich innerhalb meiner soziokulturellen Rahmenbedingungen absolut das Recht dazu habe, rumzunöseln.

Tja. Wie auch immer. Dann bin ich halt wieder da – ihr Torfnasen!

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Wie ich schon angekündigt habe, wollte ich mich noch ein wenig detaillierter dazu auslassen, was mich nun endgültig dazu bewog, Facebook den Rücken zu kehren. Da nun aber Facebook allein zu kurz gedacht wäre und es sicherlich andere derartige Netzwerke gibt und geben wird, habe ich mich dazu entschlossen, ganz allgemein über soziale Netzwerke und die Konsequenzen ihrer Nutzung nachzudenken.

So ein soziales Netzwerk ist eine tolle Sache. Immer und überall lässt sich herausfinden, wie es den Freunden wohl gehen mag, was sie gerade treiben. Andersrum lässt sich natürlich auch mitteilen, wie denn das eigene Befinden so ist, zu welcher Party es als Nächstes geht und wie die letzte denn so war. Ab und an werden die Nerven dann doch strapaziert, wenn der Freundeskreis die Ansicht vertritt, haufenweise YouTube-Videos zu posten, Bilder von verschiedenen Gruppen zu teilen oder einfach nur blindlinks jede ganz offensichtlich virenschleudernde App installiert. Aber an und für sich ist es ganz toll, immer mit den Lieben, nahen und fernen Bekannten und Freunden verbunden zu sein. Insbesondere dann, wenn sie sich nach Schule, Ausbildung und Studium über die ganze Welt verteilt haben. Das erzeugt dann ein gewisses Heimatgefühl. Ja, es führt sogar in manchen Fällen dazu, dass sich ein paar Leute über ihre Einsamkeit und ihr Fernweh hinweg selbst belügen. In jedem Fall erzeugt so ein soziales Netzwerk das dringende Bedürfnis danach, es zu behalten und möglichst weiter auszubauen. Die Freunde und Bekannten dürfen ja nicht einfach aus den Augen verloren werden. Früher gab es schließlich auch ein recht enges, wenn nicht sogar inniges Verhältnis. Und so entsteht, recht schnell und unbemerkt, eine gewisse Abhängigkeit von der Plattform, die gerade benutzt wird.

Diese Abhängigkeit nutzt das Netzwerk natürlich für seine eigenen Zwecke. Ich mag es an dieser Stelle „soziale Diktatur“ taufen, was dort vor sich geht. Diktiert wird allerdings nicht aus der sozialen Struktur heraus – vielmehr wird diese Struktur als Machtmittel in die Waagschale geworfen. Wann immer nun also etwas an dem Regelwerk, den Datschutzbestimmungen oder den allgemeinen Nutzungsbedingungen des Netzwerkes geändert werden soll, kann jede angemeldete Person sicherlich dagegen protestieren. Sie kann auch damit drohen, das Netzwerk zu verlassen – und wenn all zu viele damit drohen, dann wären auch die Betreiber letztlich zum Handeln genötigt. Aber passiert das wirklich? Seitens der Betreiber ist ein solches Verhalten kalkulierbar: Der psychologische Druck, der von dem Gefühl ausgelöst wird, dass der Freundeskreis plötzlich unerreichbar wird, ist eine vorhersehbare Größe. Da ja alle Daten vorliegen, wie die Nutzer untereinander kommunizieren, wie eng ihre Bindungen sind und wie loyal sie sich einander gegenüber verhalten, lässt sich schnell eine Statistik errechnen, die dann mit der Wahrscheinlichkeit verknüpft werden kann, ob die Nutzer ihre Drohungen wirklich wahr machen oder nicht. Es ist also vielmehr ein Scheinproblem und lösbar auf einem ganz einfachen Weg: Immer mal wieder werden kleinere Änderungen vorgenommen. Änderungen, die nicht all zu schnell auffallen und die auch keine dramatischen Konsequenzen nach sich ziehen. Ist eine Änderung dann doch mal größer oder fällt sie den Nutzern auf, kommt es dann zu größeren Protesten und sogar Abwanderungen. Diese lassen sich aber schnell kompensieren, schließlich und das lässt sich statistisch ebenso genau berechnen, lässt sich sagen: „Die kommen sowieso wieder!“
Ist so ein soziales Netzwerk also erst einmal aufgebaut, dann läuft es fast von allein, wenn das Angebot nur gut genug ist. Menschen geben ihre Bindungen schließlich nicht einfach leichtfertig auf, wenn sie einmal manifestiert sind – und das wissen auch diejenigen, die so ein Netzwerk betreiben. Im Gegenteil: Die Menschen kämpfen darum, das Netzwerk weiter benutzen zu können – und zwar so, wie sie es gern hätten. Eben das führt dann zu verschiedenen virtuellen Protesten. Dabei ist das, was sich immer öfter in verschiedenen Bereichen des Internets beobachten lässt, ein recht spannendes Phänomen und gar nicht so alltäglich, wie es auf den ersten Blick erscheint. Immerhin könnten sie ja auch wieder auf althergebrachte Kommunikationswege ausweichen; sie könnten einander anrufen, E-Mails oder gar Briefe schreiben – und die ganz hartgesottenen könnten einander glatt besuchen! Nein, stattdessen polemisieren sie über Menschenrechte, -würde und quengeln an mehr oder weniger heimlich durchgeführten Änderungen in den Nutzungsbedingungen herum. Es erstaunt mich nicht umsonst, wie viel Macht so ein soziales Netzwerk ausüben kann – insbesondere, weil ich bis vor kurzem auch Mitglied eines solchen war.

Vieles, was hier zu Protest und virtuell geäußerter Aggression führt hat mit etwas zu tun, was ich „digitale Bevormundung“ nennen möchte. In den meisten Nutzungsbedingungen von beliebigen Internetplattformen steht, dass die Betreiber das Angebot jederzeit einstellen können – oder auch ändern – und dass diejenigen, die es nutzen, dann immerhin die Chance haben, ihren Zugang zu kündigen, sofern sie sich nicht mit den Änderungen einverstanden erklären. Häufiger kommt es zu solchen Eskalationen, wenn Dinge verändert werden sollen, die den Nutzerinnen und Nutzern direkt auffallen, wie zum Beispiel ein verändertes Profil-Design. Nun mögen hier Gegenstimmen sein, die lauthals verkünden, dass es kein großes Drama wäre, wenn hier etwas und da ein paar Neuerungen an der Ansicht vorgenommen werden. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen sich nicht so anstellen! Immerhin sei der Dienst ja kostenlos und das, was sich dort verändere, sei ja immerhin auch ganz toll. Statt nun zu meckern, dass alles anders werde und sich darüber zu beklagen, dass die Profile für alle, die lückenlos nachvollziehen wollen, wer wann wo gewesen und was getan hat viel einfacher zu lesen werden, sollte es doch eher ein Grund zu Freude sein, alles immer noch kostenlos nutzen zu dürfen. Immerhin steckt ja auch eine Menge Arbeit dahinter.  Und von Seiten derer, die das Netzwerk betreiben, wurde ja auch schon lange im Voraus angekündigt, was sich verändern wird und wann. Auch wenn sie sich durch einige Proteste haben ausbremsen lassen, so geht doch letztlich das Kalkül auf: Die Leute werden schon nicht gehen, ihr soziales Umfeld und der Spaß den sie haben können, ist ihnen viel zu wichtig. Und wenn sie doch gehen? Na und? Die kommen wieder!

Ich soll mich also nicht so anstellen? Immerhin darf ich einen tollen Dienst ja gratis nutzen.[1] 

Aber Moment. Da wird etwas gegen meinen ausdrücklichen Willen verändert und die einzige Chance, die ich habe, ist, das liebgewonnene System nicht mehr zu nutzen und womöglich den Kontakt zu meinem entfernteren Freundes- und Bekanntenkreis deutlich erschwert zu sehen? Griffe hier nun die Sozial-Diktatur voll durch, so würde ich es mir einfach gefallen lassen. Aber vielleicht vergleiche ich es mit einem anderen Beispiel, das für mache Leserinnen und Leser nachvollziehbarer erscheint:

Ich habe ein Auto.  Das ist soweit nichts ungewöhnliches. Ich mag mein Auto auch sehr – immerhin ist es groß, bequem, komfortabel und bringt mich entspannt auch über weite Strecken ans Ziel. Es hat so seine Macken und verschlingt für die eine oder andere Reparatur mehr, als ich mir überhaupt leisten kann. Aber ich bin bereit so viel Geld auszugeben, denn immerhin will ich nicht auf diese Freiheit an Mobilität verzichten müssen. Mein Einsatz ist also verhältnismäßig hoch und der Nutzen, den ich dafür habe, ist Fahrspaß und die Freiheit schnell und bequem überall und jederzeit hinfahren zu können. Tolle Sache.
Nun bekomme ich aber einen Brief von der Herstellerfirma meines Autos, dass man eine neue Version des Cockpits verfügbar hätte. Sie hätten mir schon einmal Bilder mitgeschickt, wie es denn demnächst aussehen würde. Alles sehr modern und hellblau erleuchtet, aufgeräumt, voller neuer digitaler Anzeigen und Sensoren und überhaupt würden mir die Instrumente viel mehr Informationen bieten, als ich jetzt aktuell verfügbar hätte. Ach ja – und innerhalb der nächsten 6 Monate wird der Wagen dann abgeholt und kostenlos umgebaut. Gehört alles zum Service.

Aber: Ich mag mein Cockpit. Ich mag die Zeigerinstrumente, die Anzeigen sind meines Erachtens völlig zureichend und noch mehr Informationen beim Fahren würden mich nur verwirren. Auch die dunkelrote Beleuchtung sagt mir durchaus zu, denn rein kognitionsphysiologisch ist das eine ideale Farbe für Fahrten im Dunklen.

Nun rückt der Termin näher und die Herstellerfirma kündigt an, meinen Wagen innerhalb der nächsten sieben Tage abschleppen und aufwerten zu lassen. Ob ich will oder nicht. Das wird einfach so gemacht. Hilfsweise hätte ich ja auch die Möglichkeit, mein Auto zu verkaufen. Es gibt ja noch andere Firmen, die Autos bauen, welche mir womöglich eher zusagen könnten.

Die Fälle sind insofern ähnlich, als dass ein Wert in Frage gestellt wird, welcher zum eine eine starke emotionale Bedeutung hat und zum anderen etwas direkt gegen den Willen der Person durchgeführt wird, die hier direkt betroffen ist. Wird also eine derart massive Änderung durchgeführt, die sich gegen den Willen der Person richtet, und wird ihr nur die Möglichkeit gelassen zuzustimmen oder die Nutzung aufzugeben, so ist das zum einen ein Fall von Bevormundung. Diejenigen auf der Angebotsseite, die hier eine Änderung vornehmen, behaupten nämlich von sich selbst, dass sie schon wüssten, was für diejenigen, die hier auf der Nutzen-Seite stehen, das Beste sei. Se wissen es halt besser. Es wird schon stimmen, denn immerhin haben sie ja alles bestens berechnet, vorhergesehen und kennen auch alle Vorlieben und Geschmäcker in und auswendig. Zudem lassen sich ja auch über die Veränderungen noch viel mehr Informationen ablesen, sodass man die Vorlieben und Geschmäcker noch viel besser kennen lernen kann. Zum anderen ist es nichts anderes als Zwang. Wird etwas gegen den Willen einer Person getan und hat sie gar keine andere Wahl als zustimmen oder die Nutzung aufgeben, so muss hier rein formal von Zwang gesprochen werden. Gestützt wird dieser Zwang von einem massiven sozialen Druck, der dadurch entsteht, dass diejenigen, die das System nutzen, es in Zukunft schwerer haben werden, mit ihrem Freundes- und Bekanntenkreis in Kontakt zu bleiben, sofern sie die Nutzung denn aufgäben.

Wenn nun bei manchen Leserinnen und Lesern ein leichtes Unbehagen entstanden ist, dann dürfte das in etwa meinem Gefühl entsprechend, dass ich hatte, als ich kürzlich die Mitteilung bekam, Facebook würde mir nun endlich und endgültig die neue Chronik überstülpen. Sieben Tage hätte ich noch Zeit – dann wäre es so weit und sie würde für alle sichtbar. Bis dahin hätte ich Zeit, um mein Profil noch ein Mal ordentlich aufzuräumen, falls dort Inhalte wären, die nicht jeder sehen sollte. Das allerdings wird durch die immer wieder geänderten Datenschutz- und vor allem Verwaltungsmöglichkeiten gar nicht so einfach. So könnte ich alte Beiträge zwar unsichtbar machen,[2]  aber ob sie dann wirklich weg sind oder nicht, kann ich nicht sagen. Sie sind ja sogar für mich „ausgeblendet“. Und wer weiß, was ich damals alles für einen Unsinn gepostet, geteilt und verbreitet habe? Und so überlegte ich: Sollte ich wirklich meinen entfernten Bekanntenkreis aufgeben? Immerhin ist Facebook für die meisten von ihnen mittlerweile (leider!) eins der Hauptkommunikationsmittel. Mein „Ein Monat ohne“-Experiment zeigte allerdings auch, dass ich überhaupt nichts verpassen würde – und dass ich gar nicht all zu sehr vermisst werde. Das alles insgesamt führt mich zu verschiedenen Überlegungen. Zum einen habe ich mir mal ernsthafte Gedanken über meinen Bekanntenkreis gemacht. All zu eng scheint die Bindung an jenen ja nicht zu sein. Zum anderen, ob Menschen, zu denen ich ohnehin keine all zu enge Bindung habe, es wirklich wert sind, dass ich sowohl mich selbst verkaufe, als auch meine freie Entscheidungsgewalt über die Inhalte meines Profils aufgebe.

Nach kurzer Überlegung war mir klar, dass beides nicht der Fall ist. Diejenigen, zu denen ich dann doch öfter und vor allem besseren Kontakt habe, kann ich dann doch noch über verschiedene Messenger, E-Mail-Adresse oder auch einfach telefonisch erreichen. Und ob sie gerade irgendein Musikvideo bei YouTube mögen, Katzenfotos teilen oder gerade mal wieder Grafiken mit dummen Sprüchen, Hamburger Hafenansichten, kitschiger Küchenpsychologie oder leichtbekleideten Frauen teilen ist dann auch mehr als zweitrangig.

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. Für mein Verständnis, habe ich mich viel mehr schon für die Nutzung des Dienstes verkauft. Immerhin werden meine Daten zu purem Geld gemacht. Sicherlich weiß ich, dass das passiert und sicherlich will ich das auch, im Gegenzug zu einer kostenlosen Nutzbarkeit. Moralisch einwandfrei ist das allerdings nicht, denn faktisch handelt es sich dabei um eine Form der virtuellen Prostitution. Ich bin meine Daten. Gebe ich meine Daten her, um etwas nutzen zu können, gebe ich mich her. Das ist moralisch sicherlich zweifelhaft. Aber diesen zweifelhaften Fleck auf meiner moralischen Landkarte werde ich in einem anderen Artikel noch näher umkreisen und beleuchten. Immerhin ist es schon starker Tobak, von „virtueller Prostitution“ zu reden – und eine Begründung dessen nimmt mehr Platz ein, als eine Fußnote hergäbe.
  2. Was ich vor einem halben Jahr, als die Funktion eingeführt wurde schon tat.

…toll! Wie wundervoll! Ich habe mich ja nicht umsonst all die Monate standhaft dagegen gewehrt, es immer brav ignoriert und all die flehentlichen Versuche seitens des blauen Ungetüms ignoriert, die Profileinstellungen schon mal vorab zu ändern. Und nun kommt sie dann also doch, wie schon angedroht, ohne dass man sich dagegen wehren kann und mit der einzigen Option, sich direkt mal  – die „wundervolle“ Chronik.

Kürzlich wurde dann auch noch öffentlich sichtbar gemacht, wann wer welche Inhalte (in Gruppen oder bei Nachrichten z. B.) gelesen hat. Schön. Und wen geht’s was an, wann ich welche Inhalte lese? Und überhaupt ist’s ja schön, immer mal wieder bevormundet zu werden. Auf Dauer gefallen lassen muss ich mir das allerdings nicht. Wird Zeit, die seit Monaten angedachte Löschung dann doch mal in die Tat umzusetzen. Schade nur um den entfernteren Bekanntenkreis, von dem man sonst nur etwas über ihre Statusaktualisierungen erfährt. Wer mitkommen mag, der kann über diesen Link gern folgen.

Ein paar sachlichere Gedanken zum Thema digitaler Bevormundung werden folgen. 🙂

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Wie ich ja schon angekündigt hatte, habe ich nun einen Monat ohne Facebook zugebracht. Eine, wie ich fand, höchst entspannende Zeit. Um ehrlich zu sein: Ich hab’s nicht wirklich vermisst. Interessanter ist daher, wie mein erweiterter Bekanntenkreis so reagiert hat. 🙂

Eine hat sich tatsächlich nach einer Woche gemeldet und gefragt, ob denn alles OK wäre. Ich plötzlich offline? Da kann was nicht stimmen. Natürlich kam das per Facebook-Nachricht. Meine Antwort per SMS wurde ebenfalls wieder per Facebook-Nachricht beantwortet. Danach herrscht Schweigen.
Ganz ähnlich verhielt es sich mit einer anderen Bekannten. Die meldete sich via Facebook, ich antwortete per SMS, dass ich derweil keine Lust hätte, dass Onkel Zuckerberg meine private Kommunikation vollüberwacht – und der Rest ist Schweigen. Keine weiteren Reaktionen mehr (auch nicht, als ich dann später mal wieder die eine oder andere SMS schickte).

Der überwiegenden Großteil meines erweiterten, virtuellen, Bekanntenkreises verhielt sich geradewegs so wie üblich. Kommt nichts, was sie „liken“ oder kommentieren können, nehmen sie es offenbar gar nicht erst wahr. Und das, wovon ich meine, dass es „like- und kommentarwürdig“ wäre, wurde über die letzte Zeit hinweg ohnehin ignoriert.

Aber was sagt mir das nun? Es sagt mir, dass Facebook dergestalt in die private Kommunikation eingebunden zu sein scheint, dass viele gar keinen anderen Weg mehr benutzen (wollen). Es sagt mir aber auch, dass sie vermutlich gar nicht wissen, dass alle Nachrichten, die man so schreibt, analysiert und ausgewertet werden. Bis vor kurzem wusste ich auch noch nicht, dass Facebook einen „Happiness-Index“ hat, nach dem die aktuale Stimmung und psychologische Verfassung des Autors von Postings oder („privaten“) Nachrichten  bestimmt werden kann. Das dient dann dazu, zum ihm Werbeanzeigen zu präsentieren, die auf Produkte hinweisen, die ihn dann wieder individuell glücklich machen könnten (oder ihm psychologische Hilfe anbieten). Glaubt ihr nicht? Probiert’s doch mal aus. 🙂 Nichts leichter als das: Sucht euch einen Kommunikationspartner eurer Wahl und schreibt eine Reihe von Nachrichten in denen es um Depressionen und Selbstmordgedanken geht. 2-3 Tage sollten reichen. Danach schaltet ihr den Werbeblocker ab und lasst euch überraschen.

Deutlich wird daraus auch, dass Facebook die privaten Nachrichten wieder privat werden lassen sollte. Das diese Forderung illusorisch ist, weil sie damit dann ja kein Geld mehr verdienen, ist klar. Auf der anderen Seite scheint es genauso schwierig zu sein, die Leute dazu zu überzeugen, sich wieder auf althergebrachte Kommunikationswege zu besinnen. Auch wenn der große blaue Riese alles so schön „schnell und einfach“ macht. Es gibt aber auch noch einen dritten Weg, den ich bevorzugen werde, bis einer der anderen beiden beschreitbar wird: Mein erweiterter Bekanntenkreis wird in Zukunft schrecklich wenig Dinge von mir via Facebook erfahren. 🙂

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