Soziale Netzwerke und die Unternehmenskommunikation

Ich habe ja erwähnt, dass ich mich noch dazu auslassen wollte, warum es meiner Ansicht nach gar nicht so toll ist, wenn sich Online-Magazine (oder ganz allgemein: Firmen), via Facebook mit ihren Lesern austauschen. Letztlich handelt es sich dabei ja um eine Form von Unternehmenskommunikation – und zwar eine, die allenthalben, insbesondere von Werbetreibenden, angepriesen wird. Grund genug, sich einmal das Für und Wider durch den Kopf gehen zu lassen.

Ich habe mir also angesehen, worin die Postings der Firmen bestehen, die sich in meinen Facebook-Stream geschmuggelt haben. Klar, das ist deutlich auf Gaming konzentriert, also kommen da Aktualisierungen von Publishern, Spieleseiten, Gaming-Magazinen und Co. Inhaltlich handelt es sich dabei meistens um die Ankündigung von neuen Produkten, Gewinnspielen, Testberichten oder einfach nur „Leserbespaßung“, in dem verbreitete „Web-Jokes“ ala 9gag in der Timeline des entsprechenden Magazins republiziert werden. Was mir dabei deutlich auffällt ist folgendes: Bei der Ankündigung eines neuen Spiels, eines Werbespots zu einem Spiel oder einem coolen neuen Accessoire,  kommuniziert das veröffentlichende Medium nicht. Der Rückkanal, den die Web-2.0-Funktionen ermöglichen sollten, wird in den seltensten Fällen genutzt. Sicherlich – ein Beitrag wird hundertfach, vielleicht tausendfach kommentiert und geteilt und geliked… letztlich ist es aber doch nur ein Marketing-Trick, der die Werbung in das soziale Umfeld der Kunden integrieren soll. Kommunikation oder gar ein Diskurs über die Inhalte ist offenbar nicht intendiert. Selbst dann, wenn die Kunden (oder Leser) zu Recht Kritik äußern.

Ok – unter Marketinggesichtspunkten hat man gewonnen. Man kann seine Werbung quasi in die privaten Unterhaltungen seiner Kunden integrieren (denn soziale Netzwerke bestehen ja zumeist aus privaten Kontakten). Damit erzeugt man einen gewissen Grad an Intimität. Aus der sozialen Perspektive ist das allerdings alles andere als toll. Die Kundschaft wird mit Werbung in ihrem privaten Umfeld konfrontiert und ihre Rückmeldungen versacken im Nichts.

Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit der Kommunikation. Ich stelle mir da eine einfache Frage: Wenn ich mit meinen Lesern/Kunden kommunizieren will: Warum benutze ich dann ein fremdes Unternehmen (Facebook, Google+, etc.) zu diesem Zweck? Die Möglichkeiten des Web 2.0 bringen es mit sich, dass wirklich alles immer und überall kommentiert werden könnte. Ein Feedback kann also relativ direkt geliefert werden. Selbst wenn die großen Anbieter der sozialen Netzwerke aktuell im Aufwind sind, heißt das noch nicht, dass es sie ewig geben wird. Was mache ich nun also, wenn mein Unternehmen Facebook überdauert? Die Kommunikation und die Rückmeldungen meiner Leser wären vermutlich verloren. Noch ein Problem: Wenn ich ausschließlich soziale Netzwerke als Rückkanal nutzen würde, zwänge ich meinen Lesern die Notwendigkeit auf, ihre Daten einem weiteren Anbieter übergeben zu müssen.

Auf einer anderen Ebene, ist eine Firma oder ein Magazin ein Fremdkörper in der sozialen Kommunikation zwischen Personen. Sie tauschen sich über private Dinge aus, die sie eben gerade interessieren. Ob nun Firma X einen neuen Turnschuh veröffentlicht, Firma Y ein neues Spiel oder ob das Shampoo von Z die beste Wirkung gegen Schuppen hat, dürfte sie dabei weniger tangieren, wenn nicht sogar irritieren. Es handelt sich dabei um Informationen, die mit dem eigentlichen Inhalt der privaten Unterhaltungen nichts zu tun haben. Aus meiner eigenen Perspektive kann ich sagen, dass es sogar mehr ein Ärgernis ist.

Ich würde also meinen, dass soziale Netzwerke viel mehr eine optionale Erweiterung der Unternehmenskommunikation sein sollten – nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nicht das ultimative Marketing-Instrument, mit dem sich nun der absolut bombastische Anstieg der Leser- und Verkaufszahlen einstellen soll. Es ist quasi „für die, die’s interessiert“, sollte aber meiner Ansicht nach nicht als Medium für aggressive Werbekampagnen ausgenutzt werden. Darum denke ich bei vielen Unternehmen, die mit „jetzt nur auf Facebook“ werben: „Warum zwingt ihr mich zu Facebook? Nur, weil ihr eure Zielgruppe mit Hilfe des Social Graph besser eingrenzen und Werbung noch personalisierter gestalten könnt? Habt ihr keine eigene Homepage? Danke… verzichte…“

Und es hat gar keiner gemerkt…

Ich muss wieder einmal über Facebook und die Art und Weise wie es zwischenmenschliche Beziehungen verändert nachdenken. Auf die Idee brachte mich, mehr oder weniger unfreiwillig, eine sehr gute Freundin von mir. Sie hatte vor einer Weile mal alle ihre Einträge und Fotos bei Facebook gelöscht – und war verwundert.

„Da lösch ich alles – und eine Woche lang fällt das gar niemandem auf. Glaubste es hätte sich einer gemeldet? Ein Einziger hat sich gemeldet und gefragt, was denn los wäre…“

Für mich ist das nun nicht verwunderlich. Ich beobachte die Profile meiner Kontakte nicht und ich zähle auch nicht ihre Fotos. Und wenn mal jemand sein Profilfoto löscht, dann dauert es meist nur ein paar Tage bis er ein neues hat. All das ist für mich nichts weiter ungewöhnliches. Deutet aber auf einen besonderen Umstand hin:

Wir sind es offenbar gewohnt, mit unseren „Freunden“ (Facebook-Kontakte sind selten echte Freunde) in Echtzeit zu kommunizieren. Zumindest von denen, mit denen wir regelmäßigen Kontakt haben, erwarten wir, dass wir bemerkt werden. Und das in recht kurzer Zeit. Wie war das eigentlich früher? Da haben wir uns alle noch in unregelmäßigen Abständen getroffen, uns Fotos gezeigt und über allerlei Erlebnisse geplaudert. Das alles fällt jetzt weg. Denn wir laden unsere Fotos sofort hoch, bekommen Kommentare dazu (oder auch nicht) und haben uns erschreckend wenig zu erzählen.

Wenn ich mal ernsthaft darüber nachdenke: Wie viel Kommunikation findet ernsthaft statt? Nachdem man alle Spiele (FarmVille und Co.) blockiert hat, weil die „Freunde“ nichts weiter von sich geben, als die Anforderung von irgendwelchen grünen Kühen, Holzbalken für Schweineställe oder Eier unbekannter Herkunft – nicht mehr sehr viel. Hin und wieder spamt jemand einen blöden, schmalzigen Spruch. Zeitweise meldet jemand, wo er war und was er da gemacht hat. Und hin und wieder kommt eine Sammlung von Partyfotos, auf der Menschen abgebildet sind die man nicht kennt, welche sich in einem Zustand befinden, in dem man nicht sein möchte. Aber sonst? Erschreckend wenig ernsthafte Kommunikation. Erschreckend wenig Austausch.

Gehe ich nun also vom reinen Nutzwert aus… nun ja… dann kann ich sagen, dass Facebook im Großen und Ganzen völlig unnütz ist und ich es vermutlich nur auf Grund des Gruppendrucks nutze. Man „muss halt dabei sein“.

Irgendwie ist das jetzt gerade noch ein Grund mehr, den Account da zu löschen. 🙂

Nachgedacht: Facebook und die Archivierung des digitalen Lebens

Es ist ein klarer Septembermorgen, die Sonne scheint mild durch die dünnen Wolken am Himmel, die letzten Ausläufer des frühmorgendlichen Berufsverkehrs ziehen am Fenster vorbei. Das Frühstück war relativ gut – es gab Brot, Käse, Nuskati und Linessa Kräuterfrischkäse. Der Kaffee war wie üblich aus 3 1/2 gehäuften Kaffeelöffeln und 350 ml Wasser gebraut. Eben noch unter der Dusche hatte ich wie üblich Probleme damit, die richtige Temperatur zu finden – es ist fast so, als hätte meine Dusche nur zwei Temperaturstufen: Kalt und kochen. Auf der Waage stellte ich fest, dass mein aktuelles Gewicht bei 76,4 kg liegt – abzüglich des einen Kilos Differenz, das meine Waage zu allen anderne aufweist, macht das etwa 75,4 kg bei einer Größe von 1,73 m. Den Messungen zufolge liegt der Körperfettanteil 2% unter dem Durchschnitt, der Anteil der Muskelmasse etwa 5% darüber – über Übergewicht muss ich mir also wenig Sorgen machen.

Sorgen macht mir dagegen der Alleinherrschaftsanspruch von Facebook über mein digitales Leben.

Warum schreibe ich so eine detaillierte Einleitung? Nun, das hat sebstverständlich seinen Sinn. Geht es nach diesem Artikel auf Spiegel-Online, dann ist meine Einleitung in etwa das, was Facebook in Zukunft über jeden von uns wissen will. Wann, was, mit wem gegessen. Wie lang und mit welchen Leuten wo gewesen. Welche Lieder gehört, welche Serien gesehen, welches Buch gelesen. Nimmt man den Artikel ernst, und ich tendiere dazu, genau das zu tun, dann führt das zu einer vollständigen Digitalisierung des Lebens und einer damit einhergehenden Maschinenlesbarkeit der Menschen.

„Was ist daran denn so schlimm, wenn jemand automatisiert den Browserverlauf auswertet und dir perfekt zugeschnittene Werbung anbietet?“

Schlimm daran ist, dass es gar nicht um den Browserverlauf geht (was ja allein schon schlimm genug wäre, denn wen geht was an, wieviel ich wie oft auf welchen Seiten surfe, was ich zuletzt bei Amazon und eBay gekauft habe und was ich sonst noch so mache?). Es geht um die Digitalisierung und Verfügbarmachung des Alltags. Wissen ist Macht – und Facebook möchte alles über uns wissen. Lückenlos und bis in alle Ewigkeit verfügbar. Klar möchte das Unternehmen damit Geld verdienen. Und ebenso klar ist Datenmissbrauch kein all zu lukratives Geschäftsmodell, denn jemandem, der die Daten missbraucht, stellt man sie ja nicht mehr zur Verfügung und kann damit kein Geld mehr mit Werbung verdienen.

Nein, richtig gut läuft das Geschäft nur, wenn die Nutzer ihre Informationen brav freiwillig übergeben. Dann kann man damit arbeiten und Geld verdienen. Jeder, der das Geschäftsmodell unterstütz, kann sagen „Aber du hast deine Daten doch freiwillig veröffentlicht! Selbst Schuld!“
Das ist dann aber nur die halbe Wahrheit. Die Frage ist: Warum posten Menschen etwas in soziale Netzwerke? Sie haben das Bedürfnis, Informationen, Fotos, Videos, Erlebnisse und Erinnerungen anderen Menschen mitzuteilen. Freundeskreise verteilen sich im Laufe der Zeit über das Land, wenn nicht sogar über die ganze Welt. Man teilt also Informationen mit Menschen, die einen besonderen Stellenwert im eigenen Leben einnehmen – mit seinem sozialen Netz, das auch dann bestehen würde, wenn es nicht über eine Software manifestiert, sondern über Telefon, Brief oder (ja, so etwas soll es auch noch geben) persönlichen Kontakt aufrecht erhalten wird.

Daran ist nichts schlimmes. Im Gegenteil: Dinge mit Menschen online zu teilen, die man mag und die man nicht mehr all zu oft sehen kann, ist sogar unglaublich praktisch. Was dann aber außerdem mit den geteilten Informationen geschieht, ist etwas völlig anderes. Denn man teilt die Dinge ja nicht nur mit seinen Bekannten, sondern auch mit demjenigen, der die Plattform zum Teilen bereitstellt – und das mit keinem anderen Hintergrund, als dass er damit eine Gewinnabsicht hat. Formulieren wir es noch einmal schärfer:

Ich teile Dinge mit Menschen, die ich kenne und mit jemandem, der mir die Möglichkeit dazu bietet, diese Informationen zu teilen. Meine Informationen werden vom Anbieter dieser Möglichkeit verkauft. Ich weiß von diesem Geschäft lediglich mittelbar und erhalte keinerlei Beteiligung an den Einnahmen, sondern lediglich weiterhin die Möglichkeit Informationen zu teilen. Außerdem bekomme ich Werbung für Produkte und Dienstleistungen, die genau auf mich zugeschnitten sind, weil sie auf den Informationen basieren, die ich direkt mit meinen Bekannten und indirekt mit dem Anbieter geteilt habe, denn genau das ist es, womit der Anbieter sein Geld verdient. Darüber hinaus kennt der Anbieter dadurch, dass er all meine, mit meinen Bekannten geteilten Informationen, auswertet meine Bedürfnisse, Vorlieben und Abneigungen. Da ich verschiedene Dinge mit verschiedenen Menschen teile kann er sich ein Gesamtbild über mich machen und weiß über mich genauso viel, wie ich selbst und über die Erstellung von psychologischen Profilen (die ja in der Werbeindustrie gar nicht mal so unüblich sind), womöglich sogar noch mehr.

„Aber du hast es doch selbst veröffentlicht! Dir muss doch klar sein, dass und vor allem auf welche Weise damit Geld verdient wird!“

So? Nun, veröffentlicht habe ich ganz sicher nichts. Dieser Blog und die hier befindlichen Gedankengänge sind öffentlich und für jeden,der sie findet lesbar. Überall auf der Welt und zu jeder Zeit. Was ich bei Facebook poste ist nicht öffentlich. Im Gegenteil: Es befindet sich im geschlossenen Raum des sozialen Netzwerkes und ist von Außen nicht zugänglich. Man kann hier also keineswegs sagen, dass es „öffentlich“ wäre und damit „der Allgemeinheit zugänglich“. Eine viel treffendere Analogie wäre die einer Kneipe oder eines Cafés.

Man stelle sich für einen Moment vor, man trifft sich mit einer gewissen Anzahl guter Bekannter in einer Bar und unterhält sich über allerlei, durchaus auch private, Dinge. Das ist OK – man könnte das als völlig normales Sozialverhalten beschreiben. Während man sich aber austauscht, sich gegenseitig Fotos von den letzten Parties oder dem Malediven-Urlaub zeigt und darüber berichtet, wie man die aktuelle Staatspolitik so findet, steht der Schankwirt ständig im Hintergrund und zeichnet all das auf. Zwischendurch wundert man sich, dass man eine Karte vorgelegt bekommt, auf der das Lieblingsgericht besonders günstig angeboten wird, wenn man dazu auch noch das Lieblingsgetränk bestellt (denn überraschenderweise hat man ja nie wirklich explizit bei der Bestellung erwähnt, was man mag und was nicht). Man hat so eine grobe Ahnung davon, dass es da so grundsätzliche Dinge gibt, die der Wirt dazu nutzt, um einem individuelle Angebote zu unterbreiten, schließlich musste man vor Betreten des Lokals erst einmal seinen Ausweis vorlegen. Wieviel aber wirklich davon ausgewertet und in Geld verwandelt wird, kann man nur dadurch abschätzen, wenn man sieht, wie der Schankwirt nach Geschäftsschluss von seinem Fahrer mit einem Maybach abgeholt wird – nachdem er vorher noch freundlich verkündet hat, dass er demnächst allen Gästen eine neue Innenausstattung, Sessel mit Plüschüberzug, Klimaautomatik und individuell anpassbaren Tischen mit persönlicher Fotodekoration schenken will.

Ok. Es werden unglaubliche Summen mit unseren privaten Informationen verdient. Aber wollen wir das wirklich? Können wir es wollen, dass jemand unglaublich reich damit wird, unsere Informationen, ja unsere Persönlichkeit zu nutzen und wir bekommen dafür nicht viel mehr als die Möglichkeit eben immer mehr Informationen zu teilen und den Anbieter dieser Möglichkeit damit immer mehr zu bereichern? Mal ernsthaft: Wollen wir das wirklich?

Ein interessanter Nebenaspekt: Immer mal wieder unterläuft unserem Anbieter eine Panne und eine ganze Menge der gesammelten Informationen geht verloren oder gelangt an Stellen, an die sie gar nicht hätten kommen dürfen. Es kommt also immer mal wieder vor, dass der Gastwirt sein Lokal nicht sicher genug abschließt – oder gar nicht – und mal jemand vorbeikommt und sich all unsere persönlichen Dinge nimmt, die wir ja nur mit ein paar Bekannten teilen wollten, und sie für seine eigene Zwecke ge- und missbraucht. Oh – und wer sagt, dass unser Gastwirt nicht auch hergehen könnte und die Informationen, die er hat, einem politischen Zweck zuweist, mit dem sich die ursprünglichen Inhaber der Daten nun so gar nicht identifizieren wollen? Immerhin geht es nur um’s Geschäft – und Geld ist Geld. Mal ganz davon abgesehen, dass unser Gastwirt mit unzähligen Firmen zusammenarbeitet, die all die gesammelten Informationen auswerten, speichern und aufbereiten müssen – da gibt es mit Sicherheit einige Lücken mehr, von denen niemand von uns etwas wissen will, um noch ruhig schlafen zu können.

Denn wir wollen ja eigentlich nur eins: Erlebnisse mit unseren Freunden teilen und uns sonst keine Sorgen machen.

Es ist also gar nicht so schlimm, dass Facebook zum Dreh- und Angelpunkt unseres digitalen Lebens werden will? Das Herr Zuckerberg das Monopol über das soziale Leben von (in Zukunft) vermutlich einer Milliarde Menschen haben möchte? Ist die Privatsphäre eh schon tot und wir alle haben sie, mehr oder weniger bewusst zu Grabe getragen, weil wir einfach nicht gut genug darüber nachdenken, was wir so tun?

In letzter Konsequenz bedarf es keinerlei Internetplattformen, um sich mit Bekannten auszutauschen. Dazu lässt sich beispielsweise die gute, alte E-Mail verwenden (sogar verschlüsselt, denn es geht ja sonst niemanden was an, was man mit seinen Bekannten austauscht). Wir sollten vielleicht alle noch mal in uns gehen und in aller Ruhe und mit Bedacht darüber nachdenken, welche Informationen wir mit wem wirklich teilen wollen und ob wir wirklich wollen, dass diese Informationen zur Bereicherung desjenigen genutzt werden, der uns die Austauschplattform anbietet, ohne dass wir einen wirklich spürbaren Mehrwert daraus ziehen.

Anschläge, Medienechos und virtuelle Menschenketten

76 Menschen sterben durch einen Terroranschlag – Drama! Wir brauchen Internet-Vollüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Killerspielverbote und am besten noch Gedankenkontrollen.

Jährlich sterben tausende Zivilisten auf allerlei Kriegsschauplätzen weltweit – kein Drama, sondern ein statistisch erfassbarer Kollateralschaden, denn immerhin verteidigt man die Freiheit der zivilisierten Welt.

Bedenkt man jetzt, dass der als recht freundlich, zurückhaltend, ja geradezu sympathisch beschriebenen Attentäter all diese Medienaufmerksamkeit geradezu minutiös geplant hat (was man erfahren kann, wenn man andere Medien als RTL II und die BILD konsumiert), dann ist die Errichtung einer „virtuellen Menschenkette“ nicht nur vom Sinngehalt her völliger Schwachsinn, sondern genau das i-Tüpfelchen an Aufmerksamkeit, das jedem Nachahmungstäter ein Tröpfchen in der Hose beschert, denn man weiß ja, dass man in sekundenschnelle weltberühmt sein kann.

Allein schon anhand meiner ungewohnt drastischen Reaktion dürfte deutlich werden, dass ich es für völlig verfehlt halte, einem derartigen Ereignis – einem derartigen Täter – so viel mediale Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Reaktion der Politik kann als übertrieben beschrieben werden; es ist nur wieder ein Ereignis, das Wasser auf die Mühlen der Überwachungsfetischisten ist. Das schöne ist: Der freundliche junge Mann von Nebenan wurde ja schon seit längerer Zeit beobachtet – man hat nur einfach nichts getan und konnte damit auch nichts verhindern. Überwachung hat also keine Toten verhindern können. Ja, schade.

Und nun spammen virtuelle Menschenketten für Oslo über die Facebook-Timeline. Man will sich solidarisch zeigen. Oh, ja – natürlich hilft das besonders. Sicherlich ist es schwer, irgendeine Form der Anteilnahme auszudrücken. Aber nun über soziale Netzwerke zu versuchen eine solche Anteilnahme zu verbreiten, hilft genau niemandem. Vielmehr ist es eine bessere Marketingkampagne für Terroranschläge, denn jeder potenzielle Terrorist weiß jetzt, dass seine Handlung genau den Erfolg hat, den sie haben soll: Angst und Schrecken verbreiten. Und das nicht nur lokal begrenzt sondern dank der massiven Verbreitung weltweit.

Was ich damit sagen will ist einfach: Solidarität ist in Ordnung. Aber nun ein weltweites Medienecho und völlig übertriebene, politische Reaktionen an den Tag legen ist falsch. Falsch, weil es „dem Terrorismus“ (ganz gleich welchem) den gewünschten Erfolg schenkt. Falsch, weil jeder Geisteskranke mit Aufmerksamkeitsbedürfnis wieder einmal bestätigt bekommt, dass er mit möglichst viel brutaler Gewalt unglaublich schnell weltberühmt werden kann. Falsch, weil es Menschen und Taten gibt, denen man kein derartiges Forum bieten darf.

Und darum: Vergesst diese virtuelle Menschenkette. Es hilft niemandem. Es schadet nur, in dem es mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als gut ist. Wenn ihr Freunde und Verwandte in Oslo habt, zeigt euch solidarisch, indem ihr hinfahrt oder anruft. Als reale Menschen. Nicht nur als virtueller Verbund, der außer vielleicht einem symbolischen (und damit stark zuschreibungsabhängigen), gar keinen Wert hat. Seid als reale Menschen für andere reale Menschen da – wenn ihr könnt und wollt. Ein einfacher Klick auf einen Button, der Bildchen von schlafenden Katzen, Engeln und derlei Kitsch im Profil postet ist nicht viel mehr als genau das: Ein Klick auf einen Button, der Kitsch im Profil postet.

Facebook wirbt offensiv für die Freigabe von Daten

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Ja, ich habe schon nicht schlecht gestaunt, als ich diese Einblendung eben angezeigt bekam. Teile dein Profil mit der Welt, verbreite deine Informationen im Internet und das dann auch noch schnell und unkompliziert. „Facebook wirbt offensiv für die Freigabe von Daten“ weiterlesen

Google und Co. drehen das Kunden/Waren-Verhältnis um

Das große Thema der heutigen Zeit ist der Datenschutz. Die meisten von uns kümmern sich nicht wirklich darum, was mit unseren Daten passiert, wenn wir sie bei Google angeben oder unser Leben bei Facebook mit unseren Freunden teilen. Noch weniger Leute machen sich Gedanken darüber, warum gerade Kathie McDonnald aus Nebraska (Daten frei erfunden) mit uns befreundet sein möchte, nur weil wir bei FarmVille zufällig ein einsames Schaf gefunden haben und sie es gerade gebrauchen konnte. „Google und Co. drehen das Kunden/Waren-Verhältnis um“ weiterlesen