Langsame Google-Dienste

On 27. Dezember 2015, in Internet, Persönliches, Technik, by Ingo

Es ist mal wieder an der Zeit, den „wisdom of the crowd“ anzuzapfen – denn Google und die Hilfe-Foren sind gerade nicht all zu hilfreich.

Seit einer Weile sind die Google-Dienste bei mir nahezu unendlich langsam. Das geht bis zu Unbenutzbarkeit. Maps und Photos brauchen teilweise minutenlang um Inhalte zu laden (bei Maps besonders ärgerlich, wenn so ein Kartenausschnitt oder eine Adresse erstmal sechs bis acht Minuten Bedenkzeit hat), YouTube lädt einen kurzen Moment – danach stoppt es unvermittelt und Videos ruckeln (was bei einer 100-MBit-Leitung echt lächerlich ist…), Docs öffnen sich zwar, aber auch das ging schon mal deutlich flüssiger und sogar die Suche wirft ihre Ergebnisse ab und an mal ziemlich träge aus.

Was ich jetzt schon, (teils mit Hilfe des Support-Forums), versucht habe ist:

  • Google-Konto in Chrome trennen, Synchronisation zurücksetzen, neu verbinden
  • Neues, lokales Nutzerkonto in Chrome anlegen und neu synchronisieren
  • Synchronisation beenden, Daten löschen, neu synchronisieren
  • Chrome sauber neuinstallieren und sämtliche Einstellungen und Cache-Dateien bereinigen
  • Anderen Browser probieren (Chrome, Firefox, Edge)
  • Einen BB-8 opfern und nackt im Vollmond einer Android-Statue huldigen, um die dunkle Seite der Google-Macht günstig zu stimmen

Bisher hat nichts geholfen, außer eins: Aus dem Google-Konto ausloggen. Das ist aber bei der Verwendung von Docs und Photos ziemlich unmöglich und bei Maps lässt sich die gesuchte Adresse/Position dann auch nicht mehr bequem ans Handy senden.

Am Handy funktionieren die Google-Dienste dafür rasant wie eh und je.

Also liebes Internet: Kenn jemand von euch das Problem und weiß vielleicht, wie es sich lösen lässt? 🙂

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Seit einigen Jahren benutze ich nun schon Google Mail. Ich weiß, das ist jetzt nicht unbedingt das, was man als datenschutzbewusster Mensch tun sollte. Schließlich und endlich filtert und liest Google ja jede Mail, die es in die Finger bekommen kann. Mit anderen Worten, alles, was man so schreibt und alles, was man so bekommt, landet irgendwann in einer großen Datenbank von Google. In den letzten Jahren, war mir das zumindest relativ egal. Immerhin hatte das Postfach eine ausreichende Größe, um wirklich alles zu sammeln, was sich bei mir so angehäuft. Das ist nun noch skandalöser – zumindest aus der Sicht des Datenschutzes. Ich hatte also mehrere Postfächer (die meisten waren ohnehin mit Spam voll gestopft) von Google einsammeln lassen, und dort fröhlich Mails gehortet.

Langsam aber sicher beschlich dann doch aber auch mich ein wenig das Unwohlsein, was die umfangreiche Analyse meiner E-Mails angeht. Immer mal wieder wurde in letzter Zeit der „kleine“ berliner Mail-Anbieter Posteo empfohlen. Also dachte ich mir, es kann ja nicht schaden, mir das einfach mal genauer anzusehen.

Was bietet Posteo?

Nun, zunächst einmal nichts Ungewöhnliches: E-Mails! Allerdings, und das ist durchaus besonders, ohne dass diese E-Mails durch irgendeinen Filter, Algorithmus, oder eine sonstige Datensammlung laufen (von einem Spamfilter mal abgesehen). Das beste daran: Es sind sogar Anhänge mit bis zu 50 MB möglich. Für jemanden wie mich, der gerne einmal recht große Dokumente verschickt, ist das allein schon unglaublich praktisch. Außerdem ist Posteo der einzige Anbieter, der momentan alle gängigen Übertragungsverschlüsselungen anbietet. Alle Mails sind, so wird zumindest behauptet, auf dem Server auf einer verschlüsselten Festplatte gespeichert – Kalender und Adressbuch können ebenfalls verschlüsselt werden – wenn also stimmt, was so behauptet wird (das muss ich glauben, denn ansonsten müsste ich nach Berlin fahren und fragen ob ich mir all das wirklich einmal ansehen darf), dann ist es ein Mail-Anbieter, wie man ihn sich so wünscht. Also im Grunde, machen sie wirklich alles richtig. Die Daten bleiben bei einem selbst, sie sind gegen den Zugriff von außen hinreichend geschützt, letztlich kann man wunschlos glücklich sein.

Der Spaß ist natürlich nicht umsonst – aber im Vergleich mit anderen großen E-Mail-Anbietern immer noch erschreckend günstig. Für nur einen Euro im Monat, bekommt man 2 GB Postfach Speicher und all die Sicherheitsfunktionen kommen gratis mit dazu. Jedes weitere Gigabyte kostet 0,25 EUR im Monat, was ich durchaus für einen fairen Kurs halte. Bei der Anmeldung lädt man das Konto mit mindestens zwölf Euro auf, sodass mindestens ein Jahr Postfach schon mal gesichert ist. Für die Vergesslichen unter uns (ich zähle mich durchaus dazu) gibt es auch eine Benachrichtigung, wenn das Geld am Ende des Jahres aufgebraucht ist. Es handelt sich also um einen Prepaid-Angebot, das ganz ohne eine Abofalle auskommen kann. Selbst wenn man das Konto am Ende vergisst aufzuladen, bleiben die E-Mails erhalten. Es wird lediglich die Sendefunktion gesperrt. Und wenn man das Ganze nicht benutzen möchte, kann man es monatlich kündigen. Bezahlt werden kann mit PayPal, wobei die Daten zwischen dem Konto und der Bezahlung nicht zusammengeführt werden sollen. Wie das allerdings funktioniert, weiß ich nicht – aber ich denke, das werde ich noch hinterfragen. Nun, so wird zumindest damit geworben, dass man das Postfach auch vollständig anonym eröffnen könnte. Das ist zwar nichts, wonach mir nun der Sinn steht, aber für den einen oder anderen dürfte das interessant sein.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn man seine E-Mails nicht selbst zuhause auf dem eigenen kleinen Server hosten möchte, dann ist Posteo besser als nur gut.

Umzugsstress

Nun der Umzug mit E-Mails von einem Anbieter zum anderen ist nicht immer einfach. Wie ich dabei feststellen musste, ist das Google-Postfach sogar verhältnismäßig dumm. Aus der Sicht des Servers, ist es einfach nur eine große Inbox, in der wirklich alles landet. Egal, ob es sich nun um geschriebene oder empfangene E-Mails handelt, es landet wirklich alles in dieser einen Inbox. Das wurde mir bewusst, als ich den Importfilter aktivierte, mit dem die E-Mails aus dem Google-Postfach herausgezogen werden sollten.

Ich hatte natürlich vorher alle E-Mails noch einmal lokal gespeichert (sogar auf zwei verschiedenen Computern), damit nichts verloren gehen kann. Und dann, so dachte ich, löschte ich einer alten E-Mails, die ich eigentlich nicht in das neue Postfach importieren wollte. Da ja ohnehin alles in einer Inbox zusammengefasst wird, ging ich davon aus, dass es auch völlig ausreichend ist, wenn ich in meinem E-Mail-Programm die alten E-Mails markiere, lösche und aktualisiere. Ein fataler Irrtum. Ich stellte fest:

Google löscht rein gar nichts.

Selbst, als ich auf der Weboberfläche von Google-Mail erst alle alten E-Mails aus der Inbox löschte, waren sie noch vorhanden. Auch das Leeren des Papierkorbs brachte nicht viel. Über einen Klick auf „alle Mails“ waren sie immer noch vorhanden. Da ich den Umzug gegen Abend begann, ließ ich den Importfilter einfach über Nacht laufen. Dieser holte die E-Mails über POP3 ab und löschte sie auch automatisch aus dem alten Postfach. Damit waren sie dann auch tatsächlich weg. Allerdings stopfte es mein neues Postfach ganz ordentlich zu – schließlich holte der Importfilter auch alle gesendeten E-Mails ab, da bei Google ja alles in einer großen Kiste landet.

Da kann der Importfilter überhaupt nichts dafür – „Schuld“ ist vielmehr Google, die alles über eine Sortierfunktion mit Labels lösen. Und diese Labels erzeugen nicht etwa Ordner (Ordner im Google-Postfach existieren eigentlich gar nicht, sondern sind auch nur Sortieransichten), sondern ändern einfach nur die Ansicht.

Ich hatte heute Morgen also eine volle Inbox (naja, zum Glück hatte ich den Speicher direkt auf 3 GB erweitert, weil ich schon damit gerechnet hatte, dass da einiges zu viel importiert würde) und ordentlich damit zu tun, noch einmal alles auszusortieren.

Wechseltipps

Aber daraus kann man nur lernen. Solltet ihr in Zukunft auch eure E-Mails von Google-Mail umziehen wollen, gilt es also ein paar Kleinigkeiten zu beachten:

  • Alle E-Mails sollten zuerst lokal gesichert werden, damit nichts verloren geht.
  • Bevor ihr die E-Mails importiert, solltet ihr alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr benötigt, aus dem Google-Postfach löschen. Dazu reicht es nicht aus nur die Inbox zu löschen; sie müssen über die Ansicht „alle E-Mails“ aus der Weboberfläche gelöscht werden.
  • Prüft, bevor er den Importfilter aktiviert, ob auch wirklich alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr haben wollt, gelöscht wurden. Alles andere stopfte euer neues Postfach nur unnötig zu.
  • Google erkennt den Importfilter von Posteo als einen unbekannten Zugriff aus Russland. Wenn man nach der IP-Adresse sucht, stellt man allerdings schnell fest, dass der Zugriff nicht aus Russland, sondern aus Berlin kommt. Das Zurückverfolgen bestätigt dann auch die Herkunft von Posteo. Ihr müsst also nicht (so wie ich…) panisch werden und direkt all eure Passwörter ändern. Das schadet zwar nicht, ist aber unnötige Arbeit.
  • Kalender und Kontakte können bei Android nur über eine kostenpflichtige (2,56 EUR) App synchronisiert werden. iPhone-Nutzer sind hier im Vorteil. Insbesondere, weil auf Android, die Kontakte im Handy plötzlich massiv vermehrt werden. Bei mir tauchten plötzlich Unmengen „unbekannte“ Kontakte auf. Ich vermute, das liegt einfach nur an der App, mit der die Kontakte synchronisiert werden. Wie und ob ich Google die Herrschaft über meine Kontakte entreißen kann, werde ich noch herausfinden.

Also dann, viel Spaß beim Umziehen. Und immer daran denken: Macht immer brav eure Backups.

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Nachgedacht: Googles Aprilscherze

On 1. April 2013, in Persönliches, by Ingo

Ein wenig kritisch muss ich dann jetzt doch über Googles Aprilscherze nachdenken. Nicht, weil ich sie nicht lustig fände (ganz im Gegenteil, ich hab herzlich gelacht!), sondern vielmehr, weil sich im Hintergrund die Macht des Internetkonzerns mehr als deutlich manifestiert. Wenn auch manchmal eher etwas hintergründig.

Dass bei Analytics plötzlich der Kontrollraum der ISS auftaucht und 41 Nutzer online sein sollen, ist ja ganz lustig. Dass diese Nutzer keine Aufenthaltszeit haben macht deutlich, dass es sich offenbar um einen Witz handelt. Es zeigt aber auch, dass Google dem Nutzer zeigen kann, was es will. Wie vertrauenswürdig ist also eine Statistik, die man nicht selbst fälscht? Genau! Wenn Analytics ohnehin anzeigen kann, was Google will und nicht das, was wirklich von Statten geht, dann ist all das, was von Statistiken, Werbeeinblendungen, Klickzahlen und Seitenaufrufen abhängt (und das kann schnell mal eine ganze virtuelle Existenz im globalen Internet-Business sein) völlig für die Katz. Liebe Googler – ihr habt euch da selbst ein Ei gelegt.

Das zweite Ei, dass sich Google selbst gelegt hat, ist das witzig gemeinte Video zu „Google Nose“ – den Suchergebnissen mit Geruch. Amüsant anzusehen, wie die Leute lieber an ihren Displays riechen, statt an echten Blumen. Und warum in den Vorschlägen Sportkleidung, nasse Hunde und Bauchnäbel auftauchten, ist mir auch nicht ganz klar. Vielleicht hätte ich rein spaßeshalber, zur Verwirrung der Algorithmen (sofern die überhaupt beeinflussbar sind), nach „altem Fisch“, „Zombie“ oder „Hundehaufen“ suchen sollen? 😉
Viel bedenklicher finde ich einen Wortwitz, von dem ich mich frage, ob ich der Einzige bin, dem er aufgefallen ist: In dem Video klingt „Google Nose“ wie „Google knows“… Ja, Google, du weißt alles über mich. Aber das musst du mir nicht auch noch so deutlich unter die Nase reiben. 😉

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Da flatterte eben ein Video von Anonymous durch meinen Diaspora-Stream, das Position gegen das Leistungsschutzrecht bezog und die „Freiheit des Internet“ in Gefahr sieht. Allerdings ist es argumentativ eher schlecht – ein Grund für eine nähere Analyse, ein paar Gedanken zu Freiheit, Vielfalt und Wissen im Internet.

Wissen ist Vielfalt – oder auch nicht

Fangen wir bei einer Aussage an, die mich sofort ansprang: „Wissen ist Vielfalt.“
Nun, das ist so nicht ganz richtig, bzw. nur eine kleine Teilmenge der Möglichkeiten, was Wissen ist. Und das auch nur dann, wenn man sich pluralistische Wissenschaftstheorien zu Rate zieht, die sämtliche wissenschaftlichen Meinungen gelten lassen wollen. Das ist ist zwar auch nicht schlecht – aber auch diese pluralistischen Theorien müssen ja irgendeinen Gegenstand bedienen, den die Wissenschaft da generiert. Nämlich? Genau! Wissen! Wenn Wissen äquivalent zu Vielfalt wäre, dann wäre alles, was irgendwie vielfältig ist, Wissen. Dazu müsste nun erstmal geklärt, werden, das eigentlich mit Vielfalt gemeint ist. Geht es nur darum, dass ein bestimmtes Ding möglichst viele Teile oder Aspekte vereint? Dann könnte ich einen Legobaukasten nehmen, ihn auf den Teppich schütten und sagen: „Seht her! In diesem Haufen Teile stecken unglaublich vielfältige Möglichkeiten! Das ist Wissen!“
Nun, sicher nicht. Wissen ist per definitionem eine „begründete Überzeugung“. Und, einfach ausgedrückt, sehr viele dieser begründeten Überzeugungen, so man sie alle gelten ließe, führen zu einer Wissenspluralität, ergo zu Vielfalt. Wissen ist also nicht Vielfalt, aber es kann vielfältiges Wissen geben.

Was die Kritik am Leistungsschutzrecht angeht, so geht es darum, dass die Verlage nun auch für Snippets, also die ganz kleinen Textbröckchen, die in Suchmaschinen auftauchen, zur Kasse beten könnten. Könnten! Das heißt nicht, dass sie es tun werden. Es wird also nichts weiter als die Bedingung der Möglichkeit geschaffen, dass eine Zeile Text eine gewisse Gebühr verursacht. Wie die Kollegen von Netzpolitik.org schon richtig bemerkt haben, ist relativ kritisierenswert, dass Google als leidtragendes Unternehmen (und Hüter der Freiheit) dargestellt wird. Sicher ist es richtig, dass Suchmaschinen und Newsaggregatoren das Internet deutlich einfacher zu Bedienen machen. Aber schränkt es die „Freiheit“ des Internet ein, wenn eine Suchmaschine keine Treffer mehr anzeigt, weil diese Treffer plötzlich Geld kosten?

Das Internet – die Freiheit der Einfachheit

Offensichtlich ist an der Verbindung zwischen „Freiheit“ und „Gebühren für Textschnipssel“ irgendetwas falsch. Das Anonymous-Video scheint behaupten zu wollen, dass die Freiheit des Internet dadurch gefährdet wird, dass diese Schnipsel nun in Zukunft eine Gebühr kosten sollen und deswegen bei Suchmaschinen nicht mehr gelistet werden oder von Bloggern nicht mehr verwendet werden könnten. Nun, zum einen wird das Zitatrecht gar nicht berührt, wenn ich das richtig verstehe. Zum anderen ist es ein wirtschaftliches Problem und keins der Freiheit!

Die Freiheit im Internet, sofern es sie überhaupt gibt, wird überhaupt nicht tangiert. Jeder kann immer noch ins Netz stellen, was er gerade produziert. Allein das Auftauchen in Suchmaschinen wird schwieriger, zumal eine gewisse Rechtsunsicherheit darüber besteht, ob eine Seite angezeigt werden darf oder nicht. Das führt nicht etwa dazu, dass irgendjemand unfreier wird, sondern viel mehr dazu, dass möglicherweise Kosten entstehen. Und: Nur weil eine Seite nicht mehr in einer der großen Suchmaschinen auftaucht, ist sie ja noch lange nicht weg! Sie wird nur schwerer gefunden! An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Blick in die Vergangenheit wagen. Könnt ihr euch noch daran erinnern? Damals? Als Google noch winzig klein war und Lycos noch Suchmaschine? Yahoo noch ein Webkatalog war und Microsoft nicht einmal daran dachte, sich mit Internetsuchen zu beschäftigen? Wie hat man denn damals von einer Website Wind bekommen? Genau! Jemand hat sie uns geschickt. Per Mail oder per ICQ (das damals noch zu Mirabilis gehörte). Wir haben den Link gespeichert, weitergeschickt, geteilt…
Wir haben kommuniziert!
Klar. Kommunizieren kann heutzutage kaum noch jemand. Schließlich muss man das ja nicht. Mal jemanden fragen? Nein, wozu denn? Suchmaschinen und Co. listen ja alle auf, was so nötig ist – mit Menschen in Kontakt treten? Das ist oldschool. Pardon – was hier wirkt wie Trollling (ist es im Grunde auch), ist eher eine geharnischte Gesellschaftskritik.
Das Leistungsschutzrecht würde nicht etwa die Freiheit beschränken. Es würde vielmehr auf Grund der Rechtsunsicherheit dazu führen, dass es schwerer wird, Dinge zu finden und die Nutzer zwingen, wieder mehr miteinander zu kommunizieren. In Gefahr ist also nicht die Freiheit des Internet sondern nur die Einfachheit seine Bedienung.

Rechtssicherheit ist übrigens, meiner Ansicht nach, relativ leicht herstellbar: Google listet zwar per se alles, was ihm vor den Crawler kommt – aber der lässt sich auch unterbinden. Einfach über die robots.txt. Ein Verlag, kann Rechtssicherheit dadurch erzeugen, dass es seine Angebote von Crawlern aussperrt. So kann es nicht dazu kommen, dass Suchmaschinen und Aggregatoren plötzlich und unerwartet zur Kasse gebeten werden. Ich sehe hier also die Verlage in der Verantwortung, Rechtssicherheit zu erzeugen. Immerhin sind sie es ja, die Geld für ihre Snippets haben wollen – also sollten sie auch festlegen, ob sie verwendet werden dürfen oder nicht – und zu welchen Konditionen. Der Haken: Verlage wollen gefunden werden! Es wäre also eine große Dummheit nun herzugehen und dafür Geld zu verlangen oder gar sich selbst aus der Suche auszuschließen. Schließlich würden sich die Verlage damit ins eigene Fleisch schneiden.

Halten wir also fest: Wissen ist nicht äquivalent zu Vielfalt, aber es kann vielfältiges Wissen geben. Die Freiheit im Internet ist auch nicht in Gefahr – es kann immer noch jeder machen, was er mag, solange er nicht gegen irgendein Gesetz verstößt oder jemandens Rechte verletzt. Und damit das nicht geschieht, sehe ich diejenigen, die unbedingt ein Leistungsschutzrecht wollen in der Verantwortung, ihre Rechte entsprechend transparent zu machen und zu verwalten. Wer nicht will, dass Inhalte bei Google gelistet werden (oder Geld dafür verlangt), der soll gefälligst auch selbst aktiv werden und sich mit Hilfe der bekannten Sperrmechanismen aus der Suche entfernen. Immerhin kann es ja nicht sein, dass die Verlage, die ihre Rechte gewahrt sehen wollen, dann hergehen und klagen oder riesige Rechnungen schreiben, obwohl sie ihre Rechte mit einem winzigen Eintrag in einer einfachen Textdatei direkt vor Suchmaschinen schützen könnten. Das wäre meiner Ansicht nach journalistisches Raubrittertum.

Virtuelle Kolonialisierung

Raubritter „kolonialisieren“ nun nicht das Internet, sondern überfallen es vielmehr – wenn wir bei der Metapher bleiben wollen. Wie kolonialisiert man eigentlich einen virtuellen Raum? Werden dann demnächst verschiedene IP-Ranges von Verlagen und Unternehmen geflagged und eine Grenze drumherum gezogen? Ich meine – das gibt’s schon! Unternehmen haben jede Menge IPs, die ihnen gehören und die sie verwalten dürfen. Aber Kolonialisieren geht anders. Um eine Kolonie zu gründen, nimmt man sich eine Handvoll Siedler, schickt sie in ein fremdes Land, erobert vielleicht ein Stückchen davon mit Gewalt – und lässt sie dann dort eine Stadt gründen.
Wie zum Teufel gründet man eine Kolonie im Internet? Geht ein Verlag daher, unterwirft eine Serverfarm mit Hilfe eines Cyberwars und deklariert dann einen bestimmten IP-Bereich einfach als neues Eigentum? Na, glücklicherweise gibt es internationale Verträge, die die Vergabe von IPs regeln. Das Internet kolonialsieren dürfte dementsprechend schwer fallen. Mit anderen Worten: Der Begriff ist völliger Blödsinn.

Der einzige Vergleich mit einer Kolonie, der vielleicht funktionieren könnte, ist der, dass die Verlage um ihre Angebote nun Grenzen errichten können. Aber das können sie auch schon mit Hilfe von Paywalls. Die „Kolonien“ existieren also im Grunde schon. Und das schon seit einer ganzen Weile und sogar relativ erfolgreich. Es gibt schließlich nicht wenige Leute, die tatsächlich bereit sind, für gut recherchierte Inhalte zu bezahlen. Und ich kann auch durchaus die Bestrebungen der Verleger und Journalisten verstehen, für ihre Inhalte Geld zu bekommen. Mir wäre auch viel Wohler bei der Sache, wenn ich für meine Inhalte Geld bekäme. 🙂

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Ausgegoogled

On 15. Mai 2012, in Internet, by Ingo

Wer hätte gedacht, dass es so schwer ist, wenn nicht gar unmöglich, ein altes Google-Konto zu löschen? Klar, der Konzern möchte natürlich Missbrauch vermeiden und muss überprüfen, ob derjenige, der hinter den Daten steht, auch wirklich derjenige welche ist, der er behauptet zu sein. Sonst könnte ja jeder hergehen und jedes beliebige Konto löschen.

Ich für meinen Teil habe gestern beim „Selbst-Stalking“ noch ein paar alte Accounts in Foren und Co. gefunden, die schon seit gefühlt einem Jahrzehnt obsolet sind. Nun ja – ein halbes Jahrzehnt. Aber immerhin. Unter anderem auch ein altes, aber kaum bis gar nicht genutztes Blogger-Konto. Was versucht man also, wenn man es löschen will? Richtig: Benutzername, Passwort. Keine Kombination wollte so recht glücken. Dann stellte ich fest, dass Google auch offenbar keine E-Mail-Adresse zu diesem Konto mehr kennt. Es muss eine Adresse damit verbunden sein, denn es wurde ja eine Passwort-Erinnerungsmail verschickt. Allerdings existiert die dazugehörige Adresse auch schon seit über vier oder fünf Jahren nicht mehr. Das ist jetzt dumm – denn einen wirklichen Support gibt es bei Google nicht (außer das Hilfe-Forum in dem kaum wirkliche Hilfe zu erwarten ist). Na, ich bin gespannt, ob ich das Konto noch mal los werde…

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Ich habe ja erwähnt, dass ich mich noch dazu auslassen wollte, warum es meiner Ansicht nach gar nicht so toll ist, wenn sich Online-Magazine (oder ganz allgemein: Firmen), via Facebook mit ihren Lesern austauschen. Letztlich handelt es sich dabei ja um eine Form von Unternehmenskommunikation – und zwar eine, die allenthalben, insbesondere von Werbetreibenden, angepriesen wird. Grund genug, sich einmal das Für und Wider durch den Kopf gehen zu lassen.

Ich habe mir also angesehen, worin die Postings der Firmen bestehen, die sich in meinen Facebook-Stream geschmuggelt haben. Klar, das ist deutlich auf Gaming konzentriert, also kommen da Aktualisierungen von Publishern, Spieleseiten, Gaming-Magazinen und Co. Inhaltlich handelt es sich dabei meistens um die Ankündigung von neuen Produkten, Gewinnspielen, Testberichten oder einfach nur „Leserbespaßung“, in dem verbreitete „Web-Jokes“ ala 9gag in der Timeline des entsprechenden Magazins republiziert werden. Was mir dabei deutlich auffällt ist folgendes: Bei der Ankündigung eines neuen Spiels, eines Werbespots zu einem Spiel oder einem coolen neuen Accessoire,  kommuniziert das veröffentlichende Medium nicht. Der Rückkanal, den die Web-2.0-Funktionen ermöglichen sollten, wird in den seltensten Fällen genutzt. Sicherlich – ein Beitrag wird hundertfach, vielleicht tausendfach kommentiert und geteilt und geliked… letztlich ist es aber doch nur ein Marketing-Trick, der die Werbung in das soziale Umfeld der Kunden integrieren soll. Kommunikation oder gar ein Diskurs über die Inhalte ist offenbar nicht intendiert. Selbst dann, wenn die Kunden (oder Leser) zu Recht Kritik äußern.

Ok – unter Marketinggesichtspunkten hat man gewonnen. Man kann seine Werbung quasi in die privaten Unterhaltungen seiner Kunden integrieren (denn soziale Netzwerke bestehen ja zumeist aus privaten Kontakten). Damit erzeugt man einen gewissen Grad an Intimität. Aus der sozialen Perspektive ist das allerdings alles andere als toll. Die Kundschaft wird mit Werbung in ihrem privaten Umfeld konfrontiert und ihre Rückmeldungen versacken im Nichts.

Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit der Kommunikation. Ich stelle mir da eine einfache Frage: Wenn ich mit meinen Lesern/Kunden kommunizieren will: Warum benutze ich dann ein fremdes Unternehmen (Facebook, Google+, etc.) zu diesem Zweck? Die Möglichkeiten des Web 2.0 bringen es mit sich, dass wirklich alles immer und überall kommentiert werden könnte. Ein Feedback kann also relativ direkt geliefert werden. Selbst wenn die großen Anbieter der sozialen Netzwerke aktuell im Aufwind sind, heißt das noch nicht, dass es sie ewig geben wird. Was mache ich nun also, wenn mein Unternehmen Facebook überdauert? Die Kommunikation und die Rückmeldungen meiner Leser wären vermutlich verloren. Noch ein Problem: Wenn ich ausschließlich soziale Netzwerke als Rückkanal nutzen würde, zwänge ich meinen Lesern die Notwendigkeit auf, ihre Daten einem weiteren Anbieter übergeben zu müssen.

Auf einer anderen Ebene, ist eine Firma oder ein Magazin ein Fremdkörper in der sozialen Kommunikation zwischen Personen. Sie tauschen sich über private Dinge aus, die sie eben gerade interessieren. Ob nun Firma X einen neuen Turnschuh veröffentlicht, Firma Y ein neues Spiel oder ob das Shampoo von Z die beste Wirkung gegen Schuppen hat, dürfte sie dabei weniger tangieren, wenn nicht sogar irritieren. Es handelt sich dabei um Informationen, die mit dem eigentlichen Inhalt der privaten Unterhaltungen nichts zu tun haben. Aus meiner eigenen Perspektive kann ich sagen, dass es sogar mehr ein Ärgernis ist.

Ich würde also meinen, dass soziale Netzwerke viel mehr eine optionale Erweiterung der Unternehmenskommunikation sein sollten – nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nicht das ultimative Marketing-Instrument, mit dem sich nun der absolut bombastische Anstieg der Leser- und Verkaufszahlen einstellen soll. Es ist quasi „für die, die’s interessiert“, sollte aber meiner Ansicht nach nicht als Medium für aggressive Werbekampagnen ausgenutzt werden. Darum denke ich bei vielen Unternehmen, die mit „jetzt nur auf Facebook“ werben: „Warum zwingt ihr mich zu Facebook? Nur, weil ihr eure Zielgruppe mit Hilfe des Social Graph besser eingrenzen und Werbung noch personalisierter gestalten könnt? Habt ihr keine eigene Homepage? Danke… verzichte…“

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Da bekam ich doch gestern eine verunsichernde E-Mail von Google. Man würde AdSense für gehostete Domains abschalten. Domainbesitzer sollten doch bitte migrieren und ihre Domains irgendwo anders hin umziehen. So richtig verstanden habe ich das noch nicht. Aber: Es scheint sich nur auf „geparkte“ und „inaktive“ Domains zu beziehen. Das ist erstaunlich. Angeblich wäre eine meiner Domains davon betroffen. Nun, ich habe gar keine geparkten oder inaktiven Domains, sondern nur solche, die auch tatsächlich benutzt werden und das sogar ziemlich aktiv.

Was sich aber ziemlich gut zeigt, ist die Allmacht Googles, mit der sie einfach so ihre Produkte abschalten (und ggf. ganze Wirtschaftszweige vernichten) können. Wie viele Leute mögen wohl allein mit Werbung beim Domain-Parking Geld verdienen? Sicherlich nicht wenige. Und auch wenn’s nicht viel dafür gibt, dann ist es doch immer noch ein nettes Zubrot. Interessant ist auch, wie man es offenbar mit dem Support hält. Man kann auf Grund der Vielzahl von E-Mails keinen individuellen Mail-Support anbieten. Ok – wenn man ein paar hundert Millionen Kunden hat, dann ist das sicherlich schwer. Aber: Auf den Support-Seiten von AdSense wird man als Kunden geradezu für dumm verkauft und im Kreis herum. Es findet sich zwar der freundliche Hinweis darauf, dass man per Mail Kontakt auf nehmen könnte, wenn man denn in der Hilfe und im Forum nichts findet. Nun – alles öffentlicht mit anderen Mitgliedern diskutieren, die genauso wenig von der Materie verstehen wie ich? Och, wisst ihr… nö. 🙂 Und in der Hilfe findet sich nichts. Erstaunlich. Also: Keine Hilfe, keine Informationen und kein Mail-Support.

Nun, dann werde ich wohl mal in Hamburg anrufen und nach der passenden E-Mail-Adresse für den AdSense-Support fragen. 😉

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Die Schuld autonomer Maschinen

On 8. August 2011, in Philosophie, Technik, by Ingo

Wie Heise berichtet, wäre es unklar, wer die Schuld hat, wenn ein autonomes Fahrzeug, wie Google sie offenbar erforscht, einen Unfall baut. Das hätten zumindest „zahlreiche Kommentatoren“ behauptet. Nun, vielleicht lässt sich ein wenig Klarheit in die Gedanken der Kommentatoren bringen.

Wenn ein Mensch in einen Unfall verwickelt ist, dann tendieren wir dazu, die Schuld bei eben jenem zu suchen. Menschliches Versagen, Fahrlässigkeit, Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten – all das kann zu einem Unfall führen.

Was ist mit der Maschine? Bisweilen glauben wir, Maschinen wären fehlerlos, könnten nicht unachtsahm sein, von Fahrlässigkeit sei keine Spur und sich falsch einschätzen kann sie auch nicht, denn sie ist mit den Daten über ihre Eigenschaften gefüttert und damit immer im Bilde. Aber: Sind Maschinen fehlerlos? Jeder, der bei einem einfachen Ausdruck die Freuden eines Papierstaus beobachten durfte, wird das verneinen können. Und je komplexer die Maschine wird, desto dramatischer könnten die Folgen des Fehlers sein. Mehr noch: Eine eine intelligente Maschine muss Fehler machen!

Wenn von autonomen, selbstlernenden und intelligenten Maschinen die Rede ist, dann meint man damit meist Computer, die mit genetischen Algorithmen arbeiten oder die auf eine ähnliche Art und Weise ihre ursprüngliche Programmierung anpassen und somit lernen können. Die Maschine entscheidet – nicht mehr ihr Programmierer. Sie ist in der Lage, ihr eigenes Programm den neuen Bedingungen anzupassen. Das heißt auch, dass das System zwingend darauf angewiesen ist, Fehler zu machen. Wie sollte die Maschine sonst lernen, was richtig und was falsch ist? Wie sollte sie die wahrscheinlichen Auswirkungen ihres Handelns abschätzen können, wenn sie niemals Fehler machte? Um zu lernen und selbstständig zu entscheiden, sind Fehler zwingend nötig.

Wer hat also die Schuld? Nun: Die Maschine! Im Beispiel um Googles Robot-Autos hätte im Autopilot-Betrieb nicht etwa der Mensch schuld, sondern der Computer, der das Fahrzeug lenkt. Bei einer lernenden Maschine kennt der Erbauer nämlich den Zustand der Maschine nicht mehr – sie hat sich ja verändert, in dem sie gelernt hat. Trifft die Maschine also eine falsche Entscheidung, ist die Maschine an den Folgen schuld. Da nun jedes Auto auf eine Weise versichert sein muss (der Halter muss ja schließlich eine Haftpflichtversicherung abschließen), ist das also im Grunde gar kein großes Problem. Ich würde meinen, dass es sich bei einer autonomen Maschine um eine geschaffene Gefahrenquelle handelt, wie man sie bereits kennt. Vielleicht auch vergleichbar mit einem Hund, für den man auch Versicherungen abschließen kann, für den Fall, dass er, warum auch immer, jemanden beißt und damit eine Schädigung herbeiführt.

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Google will wissen, was uns wichtig ist

On 17. Oktober 2010, in Technik, by Ingo

Unter dem Begriff „Sortierter Posteingang“ veröffentlicht Google den neusten Coup: Eine Analysesoftware für E-Mails, die herausfinden soll, was dem Mailschreiber besonders wichtig ist. Klingt zunächst genial. Aber ist es das auch?

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