Ich beschäftige mich ja durchaus mehr oder weniger intensiv mit dem, was ich so esse und denke dabei durchaus darüber nach, wie Nahrungsketten, Nährstoffe, Lebensmittelproduktion und Co. zusammenhängen. Bis vor kurzem durchaus relativ unkritisch. Aber wie das so ist: Je mehr verschiedene Informationen so auf mich einprasseln, desto differenzierter wird meine Ansicht – und desto polemischer reagiere ich manchmal. Dabei polemisiere ich meist,weil es die einfachste Art ist, auch Andere zum Nachdenken zu bringen. Menschen müssen irritiert werden, damit sie nachdenken – eine ganz einfache Strategie, der sich Medien, Werbung, Politik und Co. regelmäßig bedienen, wenn hier und da mal wieder einer neuer Skandal aus dem Boden gestampft wird. Eigentlich bekannte Mechanismen. Und eigentlich sollte simples Schulwissen schon die kritische Frage „Wer profitiert?“ verfestigt haben, wenn es um die Betrachtung von Medienerzeugnissen geht. Nun, das hier ist ein Medienerzeugnis. Profitiere ich davon? Vermutlich nicht. Ich denke nur öffentlich nach. Und hoffe vielleicht, dass noch andere zum Nachdenken angeregt werden.

Die vegetarisch-vegane Bio-Industrie

Bevor ich ein Produkt verkaufen kann, muss ich erst einmal herausfinden, ob es einen Markt dafür gibt. Gibt es keinen, kann ich versuchen, einen zu erschaffen, indem ich mir geschickte Werbestrategien einfallen lasse. Die Veggie-Industrie macht das unter anderem mit einem biologistischen Argument, in dem behauptet wird, der Mensch wäre ja von Natur aus ein Pflanzenfresser und es wäre total unnatürlich, Fleisch zu essen. Das ließe sich allein schon durch die Kieferform und die Zähne belegen. Nun, wir haben durchaus Mahlzähne, mit denen wir Nahrung zerquetzen können – aber auch Schneidezähne, mit denen wir Fleisch zerkleinern können. Was nämlich bei all diesen Argumenten ignoriert wird, ist, dass der Mensch sich im Laufe der Evolution dazu entwickelt hat, seine Nahrung nicht mehr unverarbeitet zu sich nehmen zu können. Man mag es aber durchaus probieren, in eine Ähre Weizen zu beißen. Schnell käme die Feststellung zu Tage, dass es nicht nur nicht schmeckt, sondern zudem auch der Verdauung nicht all zu förderlich ist. Nicht ohne Grund trennen wir sprichwörtlich die Spreu vom Weizen, stellen Mehl her und verbacken es zu Brot. Ganz ähnlich ist es mit Fleisch: Selbst wenn ein Mensch es schaffen würde, so ein Schwein mit bloßen Händen zu töten (die Tierchen sind durchaus robust und mit einem Durchschnittsgewicht von 120 kg schwerer als manch ein Mensch), wäre es recht witzlos zu versuchen, ein Stück aus dem toten Tier herauszubeißen. Ganz davon abgesehen, dass wir rohe Tierproteine auch gar nicht verdauen könnten. Das ist aber auch kein Argument für das Pflanzenfresserdasein, sondern eher für die Verarbeitung der Produkte. Ich habe mal von einer Studie gelesen, dass sich das menschliche Gehirn allein deswegen so entwickeln konnte, wie es das tat, weil wir angefangen haben, Nahrung zuzubereiten und zu kochen. Rohkost schädigt somit wortwörtlich das Gehirn.
Eine andere Werbemasche ist das Geschäft mit der Oberflächlichkeit und gesellschaftlichen Vorurteilen. Vegetarier sind schlanker, leben gesünder und länger und überhaupt sind sie viel energischer bei der Sache. Ich habe dazu einen kleinen Selbstversuch unternommen. Nachdem ich all meine Körperwerte (Gewicht, Körperfettanteil, Muskelanteil, Kalorienbedarf und – umsatz) über einen längeren Zeitraum genau gemessen, beobachtet und analysiert habe und mich abwechselnd rein vegetarisch und „ganz normal“ ernährt habe, stellte ich fest, dass es überhaupt gar keinen Unterschied für die rein biologischen Werte macht. Ich hätte ja bei der vegetarischen Ernährung abnehmen müssen, wenn Vegetarier grundsätzlich einen geringeren BMI haben (der übrigens auch ein rein willkürlicher Wert ist) und schlanker sind. Was übrig bleibt ist eine Werbebotschaft: „Lebt vegetarisch, denn wenn ihr Fleisch esst, ernährt ihr euch falsch. Und wir zeigen euch, wie man diesen Fehler korrigiert.“
Es ist schon erstaunlich, wie eine ansonsten recht gut funktionierende Evolution einen so gravierenden Fehler machen kann, Allesfresser zu entwickeln, die vorzugsweise verarbeitete Nahrung zu sich nehmen. Noch erstaunlicher ist es, dass die Ergebnisse dieser Evolution von sich selbst behaupten, dass sie Fehlerhaft wären – dabei überleben „Fehler“ in der Natur eigentlich gar nicht wirklich lang. 😉

Ethik-Terrorismus

Eine andere Art und Weise, mit der Produkte an den Mann oder die Frau gebracht werden könne, ist es, die Konkurrenzprodukte madig zu machen. Immer mal wieder produzieren Tierschützer Videos von schrecklichen Dingen: Da werden Tiere in der Massentierhaltung gezeigt, die sich gegenseitig tottrampeln, verbeißen, Schwielen und Wunden haben, die brutal behandelt werden, in Schlachtbetrieben am lebendigen Leibe ausgeweidet werden und allerlei ekliges Zeug. Das appelliert an unsere ethischen und moralischen Grundsätze. Kein empfindungsfähiges Wesen sollte so behandelt werden.
Nun, der kleine Medienwissenschaftler in meinem Hinterkopf merkt dazu an, dass Medien nur produziert und veröffentlicht werden, wenn es jemanden gibt, der sich dafür interessiert. Interesse wird erzeugt, in dem möglichst emotionalisierende Inhalte präsentiert werden; je mehr Aufmerksamkeit und je mehr etwas auf die Spitze getrieben wird, desto besser. Oder glaubt ihr, der Titel dieses Artikels ist nur rein zufällig so reißerisch? Genau: Er soll Aufmerksamkeit erzeugen und die Leute dazu animieren, ihn zu lesen. Gleichzeitig erzeugen diese Videos und Fotos Angst und Ekel. Nichts anderes, als das, was Kernelemente des Terrorismus sind. Hier jedoch mit einem ethisch aufgeladenen Thema, statt mit einer politischen Motivation.

Der Fehlschluss, der dabei immer mal wieder gern ignoriert wird ist ein recht simpler: Es wird ein „pars pro toto“ präsentiert. Vereinzelte Beispiele werden immer mal wieder herbeigeholt um auf eine dramatische Situation aufmerksam zu machen. Dabei erzeugt das Gehirn der Rezipienten den Schluss: Wenn man so oft mit so grausamen Bildern konfrontiert wird, dann geht es überall in der Fleischindustrie so zu. Ein Schluss vom Teil zum Ganzen ist aber nicht immer richtig. Es gibt durchaus sehr seriöse Studien über unschöne Zustände in der fleischverarbeitenden Industrie. Wenn man sich aber mal Medienbeiträge im Fernsehen oder im Internet ansieht, dann stellt man recht schnell fest, dass verschiedene Sendeanstalten immer die gleichen Bild-Beiträge verwenden. Man bekommt immer die gleichen Bilder zu sehen, die, schnippelt man sie zusammen, aus ein und dem gleichen Gesamt-Video stammen. Erstaunlich ist auch, dass meistens der Datumscode fehlt. Man weiß nie, wie alt die Aufnahmen sind. Ebenfalls wird nie gesagt oder gezeigt, woher sie überhaupt stammen. Mit anderen Worten: Die Medien präsentieren schockierende Aufnahmen ohne Belege und Quellenangaben! Letztlich, um damit Aufmerksamkeit zu erzeugen, denn damit verdient man als Journalist Geld. Ansonsten könnte man auch das, was man zu schreiben gedenkt, einfach in das Tagebuch schreiben und da lassen. Will man seine Schreiberei aber verkaufen, dann braucht es schon etwas, dass andere auch lesen wollen und wofür ein Verleger bereit ist, zu bezahlen, damit er seinerseits Geld mit Werbung (oder öffentlich-rechtlicher Verteilung) verdienen kann.

Genauso gut könnte ich ins Kino gehen, Paranormal Activity sehen, und darauf hin von der Existenz von Geistern überzeugt sein, denn ich habe ja überzeugend aussehende, schockierende Bilder gesehen – und die haben sogar eine Quellenangabe und wurden freundlicherweise von Hollywood-Regisseuren aufbereitet und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Nun, egal ob man nun Fleisch- oder Pflanzenfresser ist: In beiden Fällen handelt es sich um Industrieprodukte für die es Werbe- und Lobbystrategien gibt. Gesünder, richtiger oder falscher, moralisch einwandfreier ist keine der beiden Ernährungsweisen. Fakt bleibt, dass kein Medieninhalt produziert wird, wenn kein Profit oder zumindest Aufmerksamkeit davon erwartet wird. Und natürlich schreib ich, damit die Leute auf meine Flattr-Buttons klicken, bis ihnen schwindlig wird und ich so viel Aufmerksamkeit erzeuge, um mit internationalen Vorträgen reich und berühmt zu werden. Warum denn auch sonst? 😉

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Das Internet, von dem immer alle reden, scheint sich momentan recht gern mit den kleinen aber feinen Unterschieden zwischen Männern und Frauen zu beschäftigen. Podcasts, Blogs und ab und an auch die Mainstream-Presse beschäftigen sich mit Feminismus, Chauvinismus, Gleichberechtigung und Gleichbehandlung – und irgendwie nervt mich all dies „gendern bis Blut kommt“ derweil ein wenig. Einer der Gründe, warum ich dem generischen Maskulin treu bleibe. 🙂

Erst kürzlich hörte ich in einem Podcast (der Bayern 2 Zündfunk-Generator), dass immer mal wieder Bestrebungen unternommen werden, zu beweisen, dass es da einen Unterschied zwischen Männern und Frauen geben muss. Zuletzt versuchten es wohl die Neuropsychologen, die herausgefunden haben wollen, dass weibliche Gehirne einfach anders funktionieren als männliche. Aber was soll das zeigen? Denken Frauen anders als Männer? Und wie denken Männer? Ich kann über das mentale Innenleben eines Menschen so lange nichts sagen, bis er mir freiwillig davon erzählt. Wahrnehmung, Bewusstsein, Geist – das bleibt wohl noch eine ganze Weile ein „hard problem“.
Aus meiner männlichen Denkperspektive kann ich ja auch nur sagen, wie ich denke, handle und mich für oder gegen irgendetwas entscheide. Aber scheinbar ist das nicht so ganz klar, wer nun welche Perspektive hat und wie denkt. Oder doch? Kürzlich meinte ein guter Freund, als er sich über seine Partnerin ärgerte „typisch Frau“, als sie ohne groß nachzudenken ein paar neue Klamotten kaufte. Sie fand sie einfach schön. „Hm,“ meinte ich, „ich mache das aber auch so. Vielleicht nicht bei Kleidung, aber wenn ich was schön finde und haben will, kauf ich‘s einfach. Und da reden wir jetzt nicht von Sachen unterhalb von 50 Euro, sondern eher etwas in der Klasse eines MacBooks. Bin ich jetzt typisch Frau?“ Er versuchte gar nicht erst, das irgendwie zu rechtfertigen, mich machte das zusätzlich nachdenklich.

Und so trieb ich mich ein wenig herum, um herauszufinden, was denn nun „typisch“ am Frausein oder Mannsein sein soll. Ich trollte in Foren herum, diskutierte in Communities, schrieb die eine oder andere Mail, lauschte Podcasts und fand ganz wundersame Dinge. Vor allem darüber, „wie ein Mann zu sein hat“ und „wie eine Frau sein darf“ und dass es offenbar verschiedene Sichtweisen dazu gibt, je nachdem, ob nun aus männlicher oder weiblicher Perspektive berichtet.

Also, wie hat nun ein Mann gefälligst zu sein? Als erstes stieß ich auf das „Mysterium Alphamännchen“. Offenbar sind damit durchsetzungsfähige Männer gemeint, die ein gewisses Standing haben oder zumindest nach außen hin so wirken, als hätten sie‘s. Die Macher und Entscheider, diejenigen, die den Arsch in der Hose haben. Balls of steel, you know? Wobei auch nicht ganz genau klar wurde, wie man denn nun „Alphamännchen“ wird. Bedarf es eines barbarischen Rangkampfes? Muss der Widersacher verbal oder allein durch Ausstrahlung unterworfen werden? Muss man das größere Auto fahren, das teurere Handy besitzen und die hübschere Freundin haben, um repräsentativ deutlich zu machen, dass man zu den „Machern und Entscheidern“ gehört? Immerhin soll „Alphamännchen“-sein ja eine „Lebenseinstellung“ sein. Noch erstaunlicher: Ist man kein „Alphamännchen“ wird man nicht ernst genommen. Unsicherheiten, die jeden wohl mal überkommen? Selbstzweifel, ob man einer größeren Aufgabe wirklich gewachsen ist? Sensibilität? Nein, das ist nur was für Loser! Sensible Männer, die auch noch intelligent und freundlich sind? „Das ist das, was Hollywood in die Köpfe der Menschen pflanzt, was in der Realität aber nicht funktioniert.“
Interessant daran ist: Die Männer behaupteten, Frauen würden auf „Alphamnännchen“ voll abfahren, weil die ja im Optimalfall große, kräftige, durchsetzungsfähige Beschützer sein könnten. Die Frauen sahen das irgendwie anders (was die Männer nicht in ihrer Argumentation gestört hat). Zwar stimmten sie den oberflächlichen Charakteristika zu (also bitte große, kräftige Beschützer), hielten aber gar nichts davon, jemanden „ertragen“ zu müssen, der immer und ständig das Sagen haben will. So ein „echter Mann“ darf auch gern mal die Klappe halten und einfach mal zuhören. Die „Du hörst mir gar nicht zu“-Problematik wurde dabei all zu deutlich. Charmant und humorvoll dürfen sie dann bitte auch noch sein, gegen Gentleman-Allüren hat niemand was – und wenn dazu noch eine Prise (aber wirklich nur eine Prise) Macho kommt, wär‘s perfekt.

Und wie darf Frau sein? Aus Sicht der Männer darf Frau sich gefälligst beschützen und betüddeln lassen. Schließlich ist man ja ein ganzer Kerl und da man die Hosen anbehalten will, ist man schließlich dazu da, Frau zu umsorgen und so. Hoch lebe das Rollenklischee darf Frau dann auch bitte eine geradezu devote Art an den Tag legen, mit der sie zum Mann aufschaut (nicht nur, weil der mindestens 20 cm größer zu sein hat!) und ihm quasi dankbar für sein „Alphamännchen“-Dasein ist.
Die Frauen sahen das diesmal verblüffend ähnlich (wenn auch nicht alle): Sie wollten zu einem Mann aufsehen können und sich „mal ganz als Frau“ fühlen dürfen.

Nachdem ich nun eine ganze Weile unter Machos und.. äh.. „Beta-Weibchen“ (?) umherstreifte, taten sich mir verwirrte Fragezeichen auf. Wie fühlt man sich denn, wenn man sich „mal ganz als Frau“ fühlt? Bin ich jetzt total unmännlich, weil ich bei traurigen Filmen weinen muss? Und warum gibt es da so intensive, schwer zu überwindende Glaubenssätze darüber, „wie Mann/Frau zu sein hat/sein darf“?
Ich vermute, dass es hier ein übersexualisiertes Problem gibt. Männer und Frauen springen in ihre Rollen, fühlen sich da eine Weile lang ganz wohl und wenn etwas außerhalb des gewohnten Denkrahmens passiert, wird es intensiv bekämpft. Na, wen wunderts? Immerhin ist es einfacher anders zu handeln als anders zu denken. Die eigenen Glaubenssätze und Überzeugungen zu verändern ist schwieriger als manch einer glaubt.

Abseits der übersexualisierten Debatte, wie Mann und Frau gefälligst zu sein haben, frage ich mich all zu oft, wo denn nun genau der Unterschied zwischen Männern und Frauen sein soll. Meine Geschäftspartnerin ist zum Beispiel in einer deutlich dominanteren Rolle (noch ein Mysterium: Das „Alphaweibchen“!). Ich bin unglaublich gut darin, die Leute zu motivieren, zu organisieren, planen, administrieren… aber wenn ich dann mal etwas publiziere, dass nicht so ganz der vereinbarten Firmenphilosophie entspricht, bekomme ich in Windeseile eine „Das kann nicht dein Ernst sein“-Mail. Ich bin auch ganz froh darüber, denn ab und an muss mein spontaner Tatendrang mal ausgebremst werden.
Ähnlich verhält es sich mit meiner neusten Redakteurin. Sie macht seit über 10 Jahren Kampfsport, berichtet von allerlei blutigen Trainingsverletzungen, die ich im Traum nicht über ich ergehen lassen würde und macht Dinge mit Messern, Schwertern und Äxten (auf Distanz auch einem Langbogen), bei denen mir schon beim Zusehen schwindelig wird. Bei einer potenziellen Zombie-Apokalypse stehe ich definitiv zwei Schwertlängen hinter ihr (sieh hält das auch für eine gute Idee 😉 ).

Wie kam ich nun hier unten an? Ah, ja – die Problematik mit der Gleichbehandlung. Nun, es scheint mir tatsächlich, als gäbe es eher ein sexualisiertes Problem, statt einem sexistischen Problem. Was ich damit meine? Na: Sexismus ist die bewusste und gezielte Abwertung eines Menschen auf Grund seines Geschlechts. Das ist aber, denke ich zumindest, eher der Ausgang aus einem sexualisierten Zustand. Jenes wiederum ist, meiner Ansicht nach, eine auf die reine Sexualität zentrierte Denkweise. Um es deutlicher zu machen: Wenn wir aufhören, uns immer und ständig als reine Paarungs-Objekte zu betrachten uns gegenseitig als Menschen ernst nehmen, haben wir eigentlich kein Problem mehr miteinander. Klingt zu einfach? Das Leben ist einfach!

Mein durchforsten des Netzes ergab, dass viele der sexistischen Auf- und Abwertungen letztlich darauf basieren, dass sich die verschiedenen Geschlechter untereinander scheinbar nur imponieren wollen. Die großen, starken Entscheider-Männer wollen mit einem möglichst großen Pfauenrad daherkommen, um ihren Paarungserfolg zu steigern. Die Frauen, die sich selbst eben diesen Männern unterwürfig darbieten haben scheinbar ganz ähnliche Intentionen. Ein Problem entsteht meines Erachtens genau dann, wenn dieses alberne Balzverhalten auf den Rest der Gesellschaft übertragen und unterschwellig mitkommuniziert wird. Dann nämlich hören die Menschen auf, sich gegenseitig als Menschen zu betrachten und fangen an, sich nur noch in Geschlechterrollen zu sehen, die ja gefälligst auf irgendeine Art und Weise zu sein haben.
Ok, ich sehe ein, dass wir auch nicht gänzlich damit aufhören können, uns alle gegenseitig als sexuelle Wesen wahrzunehmen (auch wenn das ein effizientes Mittel gegen die Überbevölkerung wäre 😉 ). Wir sollten aber damit anfangen, darüber nachzudenken, welches der richtige Ort und der richtige Moment dazu ist. Denn wir könnten uns einiges an Diskussion, politischem Zank, linguistischem Pfennigfuchsen und philosophischem Hirnschmalz sparen, wenn wir anfangen würden, Menschen als Menschen ernst zu nehmen – und sie nicht immer und ständig als Männer und Frauen zu betrachten. Vermutlich würden dann einige Forscher, die auf Teufel komm raus Unterschiede festmachen wollen arbeitslos. Aber die könnten sich dann auch einfach damit beschäftigen, festzustellen, dass es eigentlich gar keine all zu großen Unterschiede gibt. Was wir damit erreichen könnten, wäre eine Art Gleichbehandlung auf menschlicher Ebene, statt einer Angleichung der Geschlechterrollen. Das ist meiner Meinung nach auch viel effektiver. Denn klarerweise sind nicht alle Menschen gleich – aber wenn man auf ihre Unterschiede auf menschlicher Ebene eingeht, statt auf Ebene von Geschlechtern, erscheint es mir zumindest viel gerechter. Vielleicht braucht es aber auch erst einmal eine Art „Theorie der Geschlechtergerechtigkeit“, bevor etwas wie globale Gleichbehandlung einsetzen kann. Rawls reloaded. 🙂

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Auch Legenden sind nicht unsterblich. Das wurde heute wieder einmal bewiesen, als Neil Armstrong im Alter von 82 Jahren in Folge einer Beipass-Operation am Herzen verstarb.

Er war der erste Mensch auf dem Mond – ein wahrer Pionier der Raumfahrt.

„That’s one small step for man, one giant leap for mankind.“

Worte, die wir wohl niemals vergessen werden. Worte, dir mir schon als Kind in den Ohren klangen und die immer mal wieder wiederhallen, wenn ich abends in den Himmel schaue und den Mond betrachte. „Wir waren da“, geht es mir dann durch den Kopf. Und wir könnten so viel mehr erreichen.

Wir haben Neil Armstrong und der ersten Mondlandung viel zu verdanken. Nicht nur die erste Landung auf dem Mond, sondern auch einiges an neuen, fantastischen Ideen. Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek und Andromeda wurde sehr von ihm inspiriert. Und damit eine ganze Latte von Technologien, die wir heute benutzen… angefangen beim modernen Computer über Handys bis hin zu medizinischen Anwendungen wie dem Hypospray.

Ich denke, wir werden diesen Moment, in dem der erste Mensch den Mond betrat, nie vergessen. Bestritten mit Technologie, die im vergleich zur heutigen geradezu lächerlich ist. Die gesamte Rechenleistung der Mondmission könnte heutzutage ein iPhone bewerkstelligen. Die Mission war entsprechend riskant – niemand wusste genau, was die Astronauten auf dem Mond erwarten würde. Aber wir können sagen: Wir waren da.

Um so trauriger ist es, zu erfahren, dass einer der wohl berühmtesten Menschen in der Geschichte heute gestorben ist. Eins ist sicher: Sein Name und die damit verbundene erste Mondlandung wir niemals vergessen werden.

Dem Nachruf der Familie Armstrong möchte ich all zu gern Folge leisten:

„Next time you walk outside on clear night & see moon smiling down at you, think of Neil & give him a wink.“

I’m sure. I will.

RoM Neil Armstrong

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Heute Mittag im Fitnessstudio nervte mich mal wieder eines der älteren Mitglieder. Er ist 77 Jahre alt, durchaus nicht unsportlich, hat aber die absolut nervtötende Angewohnheit sich mit jedem sofort „gut Freund“ sein zu wollen. Kommunikation wäre ja so wichtig, Sport wäre ja eine Gemeinschaftssache, man müsste ja alles mehr als Miteinander betrachten. Solcherlei Dinge.

Nun, es ist nicht meine primäre Intention Sport zu treiben um neue Freunde zu finden. Genauso wenig will ich mich mit den Leuten dort unterhalten oder etwas gemeinsam haben. Ich will lediglich meine Energiebilanz ausgleichen – und dazu brauche ich die Maschinen, nicht die Menschen.

Wie auch immer, ich ignoriere diesen armen, alten Mann einfach – und habe durchaus überdeutlich gemacht, dass ich weder an Gesprächen mit ihm interessiert bin, noch daran, mich irgendwie mit ihm anzufreunden. Das scheint allerdings wenig erfolgreich gewesen zu sein, denn erst vorhin nötigte er mir wieder ein Gespräch darüber auf, dass man ja wenigstens grüßen müsste.

Ich hätte keinen Anstand und man müsste sich ja anpassen und es wäre meine verdammte Pflicht, die Leute in meiner Umgebung zu beachten. Abgesehen davon, dass mich der alte Mann wieder einmal ziemlich aufgeregt hat (und im Grunde jeden anderen im Studio auch nervt, sich nur niemand wirklich traut, ihm das zu sagen), fühle ich mich veranlasst, über Pflichten nachzudenken.

Ist es also meine Pflicht, jemanden zu grüßen und zu beachten, den ich nicht mag? Ja, dessen gesamte Art mich im Grunde abstößt? Und wenn es eine solche Pflicht gäbe, wie würde dann ein Verstoß dagegen sanktioniert?

Ein kurzer, und nich unbedingt genauer, Blick in das Historische Wörterbuch der Philosophie bescheinigt, dass Pflichten etwas mit Gemeinschaft zu tun habe. Man muss also schon etwas mit jemandem gemeinsam haben, damit man verpflichtet sein kann. Und Pflichten beziehen sich damit auf einen sozialen Kontext. Da ich nun überhaupt nichts mit dem guten Mann gemeinsam habe und das auch gar nicht will, fehlt hier schon die Basis für eine Verpflichtung.

Ließe sich dann aber eine soziale Pflicht konstruieren? Ist man verpflichtet, Menschen zu begrüßen, auch wenn man sie nicht mag, weil es der soziale Druck gebietet? Ja und nein. Einerseits sind Exklusionseffekte wohl oder übel die Sanktion für das Unterlassen eines Grußes. Andererseits lässt sich aber auch keine „starke“ Pflicht ableiten, weil sonst jeder jeden anderen zu jeder Zeit grüßen und beachten müsste. Das ist im gewöhnlichen Rahmen des menschlichen Zusammenlebens geradezu unmöglich. Man bedenke, wie es sich auswirken würde, wenn in einer vollen Innenstadt am Samstagnachmittag jeder erst einmal jeden anderen begrüßen müsste. Man würde nicht mehr dazu kommen, die eigentlichen Erledigungen zu machen.

Also kann die, vorläufige, Antwort nur lauten, dass ich keinerlei Pflicht sehe, mich mit dem nervigen alten Mann näher zu beschäftigen. Es wäre vermutlich lediglich „nett“ von mir. In Anbetracht der Tatsache, dass ich mich dabei allerdings durchaus nicht wohl fühlen würde und es keinen Zwang dazu gibt, mich unwohl fühlen zu müssen, werde ich also auch weiterhin darauf verzichten. 🙂

 

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