Da ist wieder mal eine neue Katze aus dem Sack. Nun sollen Verschlüsselungen wie SSL-Zertifikate und Co. kein Problem mehr für die Geheimdienste darstellen. Hieß es letztens noch, dass die Dienste die Masterkeys von den Anbietern haben wollen, so heißt es jetzt, dass sie die Verschlüsselungen einfach knacken können. Tja dann – scheiß doch auf Verschlüsselung. Wozu sollte ich denn Briefe in Umschläge stecken, wenn diejenigen, von denen ich nicht will, dass sie meine Briefe lesen können, sowieso hergehen und die Umschläge aufreißen? Genau. Dauert dann einen kleinen Moment länger, bis die Mail gelesen werden kann – und vermutlich macht es die Verschlüsselung erst recht interessant. Tja. Da hilft dann vermutlich nur noch, gute alte Briefe zu schreiben. Mit Füller auf Papier. Ist übrigens eine tolle Sache, so ein Füller und Briefpapier.

Dann unterhielt ich mich vorhin noch mit einem Freund über den neuen Kinofilm „White House Down“. Ich meinte, es wäre  nur wieder ein neuer Terroranschlags-Film, mit dem die Leute dann unterschwellig eingeschüchtert werden sollen und letztlich wird damit dann nur noch mehr Überwachung gerechtfertigt. Besagter Freund kommentierte es folgendermaßen:

du scheinst nicht begreifen zu wollen, dass die sich weder rechtfertigen müssen noch wollen noch werden …. die überwachen und fertig ist … und es interessiert sie nen scheiß, ob da ein kleiner moralischer aufschrei kommt oder nicht

Einen kleinen moralischen Aufschrei gibt es zum Beispiel morgen in Berlin. Ich prophezeie (und ich hoffe inständig, dass ich Unrecht haben werde): Die Aktivisten werden es als einen großen Erfolg feiern, wenn ein paar Tausend Leute in Berlin aufschlagen und gegen Überwachung demonstrieren. Ein großer Sieg für die Freiheit, ein strahlendes Zeichen für die Demokratie… und dann? Dann passiert – genau – gar nichts. Die letzten Umfragen haben nicht viel mehr und nicht viel weniger ergeben, als dass sich die Leute einen Scheiß dafür interessieren, ob sie nun überwacht werden oder nicht. Und dass die ganze Affaire nicht viel an ihrem Wahlverhalten ändern. Sie haben drängendere Sorgen. Sie arbeiten in 2-3 Minijobs, um zu überleben, vegetieren mit Hartz IV vor sich hin und bekommen keinen Job, zahlen Strompreise, die jenseits von gut und böse sind und überlegen jeden Tag, wie sie den nächsten überstehen, während sie auf einen Therapieplatz warten, weil sie durch die miserablen Arbeitsbedingungen und die ständig steigenden Preise depressiv geworden sind.

Die Dienste interessiert ein kleiner moralischer Aufschrei einen Scheiß. Die Leute interessiert die Überwachung einen Scheiß. Am Ende geht das ja eh schon jahrelang so und bisher ist noch niemand, auch wenn er nicht gesellschaftskonform gedacht und publiziert hat, in den Knast gewandert oder hatte sonst irgendwelche Unannehmlichkeiten. Also was solls?

Und ganz ehrlich? Mir hängen diese ganzen neuen Enthüllungen zum Hals raus. Ernsthaft. Es würde ein einziger kleiner Satz reichen: „Liebe Leute – euer ganzes Leben wird überwacht und ausgewertet.“ Damit ist alles gesagt. Also liebe Enthüller: Geht einfach nach Hause. Nehmt eure Enthüllungen mit und lasst mich damit in Ruhe. Ich mag’s einfach nicht mehr hören. Es wird einfach viel zu viel.

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Kaum lässt der britische Geheimdienst diverse Festplatten beim Guardian vernichten, ist die Aufschreierei im Netz groß. Ich frage mich dabei: Was haben die denn gedacht, was passieren würde? Geheimdienste sind nunmal keine demokratischen Organisationen. Im Gegenteil: Sie sollen die Demokratie mit undemokratischen Maßnahmen schützen. Quasi überpolitisch. Da verschwinden schon mal Menschen. Und Daten. Es ist natürlich bezeichnend, dass die Festplatten zerstört worden sind. Vermutlich haben die Kollegen beim Guardian die Snowden-Daten schon ausgelagert und extern gespeichert.

Blöd wäre, wenn sie die Daten im Internet verteilt haben. Wir erinnern uns: Der britische Geheimdienst zapft das Netz im großen Stil ab. Es ist eine Kleinigkeit, die Daten, die da gerade extern ausgelagert werden sollen, gar nicht an ihrem eigentlichen Zielort zu speichern, sondern den Datenverkehr einfach umzuleiten. Wir erinnern uns, dass eine derartige Technologie schon bei uns in Deutschland bei der Verteilung des Bundestrojaners im Gespräch war. Wenn die Daten also über das vollkontrollierte Internet ausgelagert worden sind, dann ist die Vernichtung der Festplatten völlig verständlich. Dann existiert diese Sicherheitskopie nämlich nicht etwa da, wo die Guardian-Journalisten vermuten, wo sie ist, sondern auf irgendeinem Geheimdienstserver, weil der Datenstrom beim Upload umgeleitet wurde.

Eine Sicherheitskopie zu Hause aufzubewahren wäre genauso sinnlos. Wenn ich ein Geheimdienst wäre, wäre mein erster Schritt eine Überwachung der Wohnungen der Journalisten. In so eine Wohnung einzubrechen und in eine (womöglich unverschlüsselte) Festplatte, ist nun kein großes Problem. Bei dem zerstörten Computer handelte es sich um ein MacBook Pro. Da ist dann die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass die Journalisten auch privat mit Apple-Computern arbeiten. Wir erinnern uns: Apple steht auch auf der Liste derjenigen, die Daten an die NSA ausliefern. Denken wir weiter: Ein Mac lässt sich mit FileVault verschlüsseln. Den Schlüssel dafür berechnet allerdings MacOS. Mit anderen Worten: Apple stellt freundlicherweise einen Schlüssel zur Verfügung und es muss nun darauf vertraut werden, dass der Schlüssel geheim bleibt. Aber da Apple ja mit auf der Liste der Datenlieferanten für die Geheimdienste steht…

Tja. Wie mir scheint, hat die Demokratie verloren. Und scheinbar dreht sich der schon von Platon erdachte kyklos politeia wieder ein Stück weiter.

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Unkontrollierbare Technologie?

On 18. August 2013, in Philosophie, Technik, by Ingo

Eben habe ich noch mal einen Film gesehen, der eigentlich einer der maßgeblichen Auslöser dafür war, dass ich anfing, mich mit Computern zu beschäftigen: Wargames aus dem Jahr 1983. Damals wie heute zieht mich dieser Film in seinen Bann. Zum einen, weil er die unkontrollierbare Zerstörungskraft von Atomwaffen demonstriert. Zum anderen, weil er die Fantasie mit selbstlernenden Computern beflügelt.
Nun, was 1983 noch pure Science Fiction war, ist heute Realität: Wir haben selbstlernende Computer. Expertensysteme, die auf neuronalen Netzen basieren und, wenn es ganz pervers wird, mit genetischen Algorithmen betrieben werden.

Wie ich hier nun so in der Dunkelheit sitze und mir den Film noch einmal durch den Kopf gehen lasse, kommt mir ein verwegener Gedanke: Könnte es sein, dass wir mit Computern, speziell mit ihrer Vernetzung, eine unkontrollierbare Technologie geschaffen haben?
Bei Kernwaffen oder Kernenergie liegt die Sache auf der Hand: Sobald sie eingesetzt wird, ist jedes Risiko uneinschätzbar. In Bezug auf die Kernenergie haben wir das an zahlreichen Reaktorkatastrophen in den letzten 30 Jahren sehen können. Ich zumindest kann mich noch an Tagesschau-Sendungen nach der Tschernobyl-Katastrophe erinnern und das Unglück von Fukushima steckt uns auch noch in den Knochen. Kommt es in einem Reaktor zu einem Unglück, entsteht eine unkontrollierbare Situation.
Was nukleare Waffen angeht, halte ich den letzten Satz von „Joshua“ im Film Wargames für genauso markant wie wahr: „Ein seltsames Spiel. Die einzige Möglichkeit zu gewinnen, ist, nicht zu spielen.“ Jeder nukleare Krieg, wäre ein Krieg ohne Sieger. Ein wenig deutlicher wird das mit den 3D-Nukemaps, die Golem kürzlich in einem Artikel erwähnte.

Und was haben jetzt Computer, Kerntechnologie und das Internet miteinander zu tun? Nun… meine Gedanken sind (wie üblich) quer. Wir haben mit Computern und dem Internet eine Technologie geschaffen, die wir nicht mehr kontrollieren können. Eine Bekannte schrieb eben, dass in den Nachrichten wohl vom Verkauf von Patientendaten durch Apotheker berichtet wurde. Immerhin 42 Millionen Stück. Das wäre mehr als die Hälfte aller Bundesbürger. Aber das ist ja nur ein kleiner Tropfen auf den momentan glühend heißen Stein, wenn es um Daten geht. Die Geheimdienste saugen nach wie vor massenhaft Daten ab und sogar die Erfinder von Verschlüsselungsmethoden sagen, dass es im Grunde sinnlos ist, zu verschlüsseln.
Was haben wir aber sonst noch für Probleme mit Daten? Es kommt immer wieder zu Pannen. Finanzämter, die alte Computer verkaufen und deren Festplatten Finanzdaten enthalten (ungesichert versteht sich), kamen genauso vor, wie Einbrüche in Foren, Kundendatenbanken und ähnliches, bei denen Personendaten dann einfach „verloren“ waren. Das klingt so schön – aber wenn ein Unternehmen Daten „verliert“, dann sind sie ja nicht einfach weg. Irgendjemand hat sie. Jemand, der sie nicht haben sollte. Eine Analogie wäre vermutlich gut: Angenommen, ich schreibe meine Kontakte und meine Termine in einen Buchkalender (früher habe ich das tatsächlich mal gemacht). Wenn ich diesen Kalender jetzt in der Bahn oder dem Bus oder während ich eilig zur nächsten Haltestelle renne aus der Tasche verliere, dann ist er für mich weg. Aber jemand kann ihn finden.

So ist das im Grunde auch mit Daten. Daten sind nicht „aus der Welt“ nur, weil man sie weggibt oder verliert. Im Gegenteil: Sie sind auch deutlich einfacher zu duplizieren, als analoge Medien. Ein analoger Papierkalender müsste ja umständlich fotokopiert oder abgeschrieben werden. Daten lassen sich einfach kopieren.

Können wir Daten überhaupt kontrollieren? Die klare Antwort darauf ist: Nein. Können wir nicht. Daten existieren als elektromagnetische Informationseinheiten. Und als solche können sie über unzählige Arten und Weisen mitgelesen, vervielfältigt und bewegt werden. Wer sagt, dass nicht jemand mit einer großen Antenne draußen steht und jetzt in diesem Moment die Abstrahlung meiner Tastatureingaben abfängt? Oder die Abstrahlung meines Monitors? Vielleicht sogar die aller Rechenoperationen des Prozessors in meinem Computer? Natürlich ist es extrem unwahrscheinlich, dass jemand so etwas tut – aber es ist möglich.
Genauso ist’s mit allem anderen. Wenn ich an der Kasse bezahle, dann gebe ich nur eine PIN ein – und die Datenleitungen regeln alles andere. Ich habe keine Kontrolle darüber, ob und wie viel Geld nun von meinem Konto abgebucht wird – bis auf eine flimmernde Digitalanzeige vor mir. Und die muss nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Wem schon mal dank eines „Computerfehlers“ Geld abgebucht wurde, das gar nicht existierte, sodass das Konto ins Minus rutsche, wird verstehen können, was ich meine. Und wer schon mal keinen Kredit bekommen hat, weil das Scoring ergab, dass man leider die falschen Nachbarn, die falsche Lebensgefährtin und das falsche Geschlecht hat, wird sich auch fragen, wer hier noch die Kontrolle über die Daten hat. Dass Arbeitgeber Google benutzen können, ist ein alter Hut und Facebook-Partyfotos sind Schnee von gestern. Die Jugendlichen von heute teilen schon längst nicht mehr alles öffentlich – immerhin lernen wir alle dazu. Aber soziale Netze, über die ständig gelästert wird, sind nur ein klitzekleines Problem.

Wir haben schlicht und ergreifend überhaupt keine echte Kontrolle über Daten. Weder über unsere, noch über die von anderen, sie sie uns anvertrauen. Klar, wir können alles erdenkliche unternehmen um sie irgendwie sicher zu verwahren, sie zu verschlüsseln und uns 4852932145-stellige Passwörter generieren lassen. Und? Computer können ziemlich gut mit Zahlen umgehen. Codes zu knacken ist da nur eine Frage der Zeit und der Rechenleistung. Und selbst wenn ich nicht von Angriffen ausgehe, sondern von den ganz alltäglichen Pannen oder völlig normalen Vorgängen, die nicht mal eine Panne sind: Überweisungen, Verkehrskontrolldaten (Ampelsteuerungen, Weichenstellungen, etc.), Behördenkommunikation, Krankenakten, Adressen und und und… all das liegt mittlerweile nur noch in Form von Daten vor. Wir fassen all das in Daten zusammen, damit Computer uns dabei helfen, unser komplizierter werdendes Leben überhaupt noch zu überschauen. Und all diese Daten können wir nicht wirklich kontrollieren. Der Geheimdienstskandal ist ein perfektes Beispiel dafür.
Aber haben wir mit dem Verlust der Kontrolle über unsere Daten, die unser Leben darstellen, auch die Kontrolle über unser Leben verloren? Noch hat das niemand bemerkt. Noch will das auch niemand wahrhaben. Noch verstehen die wenigstens, dass auch dann, wenn sie selbst nichts mit dem Internet zu tun haben (und womöglich nicht mal einen Computer besitzen), dass es Behörden, Banken, Schulen, Universitäten, Supermärkte und alle anderen Orte, die sie besuchen könnten, sehr wohl Daten über sie haben und diese sehr wohl über das Internet austauschen.

Mit der Ausdrückbarkeit in maschinenlesbare Daten haben wir eine Technologie erfunden, die im Zweifel unkontrollierbar wird. Das ist eines der Probleme, die wir in Zukunft lösen müssen.

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Alle liefen auf ihre Ketten zu, im Glauben, ihre Freiheit zu sichern; denn sie hatten zwar genügend Vernunft, um die Vorteile einer politischen Einrichtung zu ahnen, aber nicht genügend Erfahrung, um deren Gefahren vorherzusehen. [1]

Seit Wochen erregen sich die Gemüter im Internet, weil nun bekannt wurde, dass alles was irgendwie elektronisch kommuniziert wird, überwacht und analysiert wird. Im Namen der Sicherheit und der Freiheit wird jedwede Kommunikation automatisch analysiert. Und eigentlich sollte das ein Skandal von außerordentlicher Tragweite sein – ja sogar ein kriegerischer Akt, wenn in einem derartigen Maße spioniert wird. Die Offline-Welt dreht sich allerdings ungerührt weiter. Warum auch nicht? Die Bürger gehen davon aus, dass unsere Regierung wusste, in welchem Umfang überwacht wird, ihre Wahlentscheidung wird sich dadurch aber nicht ändern. Und die Bundesregierung wartet erst einmal ab, was die amerikanischen Freunde in ihrer Untersuchung über die Anschuldigungen zu Tage bringen. Dass hier nicht mehr viel untersucht werden muss, dürfte klar sein. Die Geheimnisse liegen auf dem Tisch und es kommen immer mehr ans Tageslicht. Das sich nun aber nicht auf die Weise aufgeregt wird, wie sich aufgeregt werden müsste, ist für mich fast schon verständlich.

Die unsichtbaren Ketten der Freiheit

Bisher konnten wir uns alle frei fühlen. Tun und denken, was wir wollten, ohne große Konsequenzen. Selbst dann, wenn es staatskritische Gedanken waren und selbst dann, wenn aktuell politisch heiße Themen behandelt wurden. Es herrschte bisher Meinungsfreiheit und auch kritische Meinungen durfte frei geäußert werden. Ja, wir durften uns frei fühlen.
Jetzt wissen wir, dass wir niemals frei waren. Schon seit Ende des zweiten Weltkriegs haben die alliierten Streitkräfte umfangreiche Abhörbefugnisse. Postkontrolle, Abhörung von Telefonen durch das Echelon-Programm und jetzt die Kontrolle sämtlicher digitaler Kommunikation und jeder Datenbewegung durch Programme wie Tempora und Prims. Mit anderen Worten: Ich bin unfrei geboren, unfrei aufgewachsen und fühlte mich dennoch frei.

Wenn ich jetzt weiß, dass ich niemals frei war, sondern dass ohnehin all meine Kommunikation mehr oder weniger automatisch und nunmehr durch Algorithmen überwacht wurde, ändert sich dann etwas für mich? Nun, qualitativ ändert sich mein Gefühl. Unterschwellig habe ich Angst. Da muss es also das eine oder andere Expertensystem geben, das mich kennt. Ein System, dass weiß, was ich kaufe, was ich mag, was ich denke, wie ich fühle und wie ich auf Umweltveränderungen reagiere. Irgendein System kann besser vorausberechnen, was ich tun werde, als ich es selbst vorhersehen kann. Würde ich an ein Konzept wie die Willensfreiheit glauben, hätte ich jetzt eine ernsthafte Sinnkrise. Nein, vielmehr fürchte ich, dass irgendetwas von dem, was die Systeme über mich wissen, gegen mich verwendet werden könnte. Eine diffuse Unsicherheit macht sich breit.

Wir waren schon immer ein Überwachungsstaat

Eine derartige Angst ist aber vernünftig gar nicht zu begründen. Ich weiß jetzt, dass ich niemals frei war. Die Wächter vor meinem Arbeitszimmer hatten nie die Absicht, mich raus zu lassen – ich wusste nur nicht, dass sie da sind und ich wollte auch nie raus. Vernünftig muss ich keine Angst haben – denn, wenn eines der Expertensysteme auf die Idee gekommen wäre, dass ich potenziell gefährlich wäre, hätte es vermutlich schon vor Jahren Alarm geschlagen.

Unter diesen Aspekten ist mir vollkommen verständlich, dass die Bundesregierung erst einmal gar nichts macht und das Ganze aussitzen will. Auch die Aussagen von Herrn Friedrich werden sinnvoll. Die Technologie wird seit Jahrzehnten immer besser und seit dem zweiten Weltkrieg werden wir alle offiziell abgehört. Aber auch schon davor, denn die GeStaPo und die Stasi dürfen wir ja nicht vergessen.

Wenn sich in einem überwachten Staat die Aktivisten dagegen auflehnen, dass Unternehmen Daten sammeln, weil sie ja Kontrolle ausüben könnten, die jenseits einer demokratischen Kontrolle ist, wirkt das geradezu witzig. Und auch wenn sie sich jetzt gegen staatliche Überwachung auflehnen, wird es nicht viel besser. Es gab nie etwas wie eine demokratische Kontrolle. Auf dem Papier haben wir Grundrechte. Und manchmal werden sie sogar beachtet. Aber auch wir hier in Deutschland kennen Menschenrechtsverletzungen zu Genüge (ich denke nur an das Asylrecht).

Nun gut. Also bleiben wir ruhig (Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, hieß es ja schon im Kaiserreich), und vergessen die unsichtbaren Ketten unserer Freiheit wieder. Sprengen werden wir sie auf friedlichem Wege kaum können.

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. Jean-Jacques Roussau, 2. Diskurs, 2. Teil, S. 219., gefunden hier: http://www.thomasfleiner.ch/files/categories/Lehrstuhl/Rousseau.pdf
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Ich mag Talkshows nicht. Aus gutem Grund: Es ist nichts weiter als der Inbegriff der Postdemokratie, die Colin Crouch schon recht gut analysiert hat. Gestern bei Maybrit Illner fiel dann ein Satz des ehemaligen Geheimdienst-Koordinators Bernd Schmidbauer zu dem, was denn der BND macht, wenn es um die Überwachung der Bürger geht. Sinngemäß: „Natürlich dringen wir auch in fremde Computer ein. Aber wenn wir das machen, ist das legal.“

Nun, genau das ist das Problem. Es ist legal. Für die USA und Großbritannien ist die massenhafte Überwachung ausländischer Kommunikation ebenfalls legal. Sie halten sich an Recht und Gesetz, keine Frage. Die Gesetze erlauben es ihnen nämlich.

Der Überwachungsskandal spielt sich aber auf einer Ebene darüber ab. Es ist ein übergesetzliches Problem, denn innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes ist das alles keine Schwierigkeit. Es ist nur eine Schwierigkeit in der Gesetzgebung des jeweils anderen Landes. Es existiert aber kein Gesetz darüber, dass die Staaten bindet, denn damit wäre die Souveränität der einzelnen Staaten eingeschränkt.

Das Problem ist vielmehr ein moralisches. Es ist unmoralisch, in die Privatsphäre eines anderen Menschen einzudringen, ohne dass dieser es ausdrücklich erlaubt. Ein Abfangen sämtlicher Kommunikationsdaten, von denen die Betroffenen ausgehen, dass sie unter den Teilnehmern bleibt (wie beispielsweise bei einem Skype-Telefonat, das ja sogar verschlüsselt ist), ohne dass die Beteiligten davon wissen, ist aber genau das.

Es braucht hier also keine Diskussion um die Legalität der Abhörmaßnahmen. Das dürfte allein an der diffusen Rechtslage auf der Welt scheitern. Es braucht ein Bekenntnis zu moralischen Werten und dem gegenseitigen Respekt vor der Privatsphäre. Dieser Respekt vor der Privatsphäre anderer Menschen scheint in Zeiten von Facebook und Co., in denen mehr oder weniger öffentlich gelebt wird, offenbar ein wenig verloren gegangen.

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