#gatekeeping

On 25. Oktober 2014, in Internet, Persönliches, by Ingo

Ich bin genervt. Nein, eigentlich köchelt da eine unterschwellige Wut in mir. Und wie das mit Wut so ist, sollte ihr rechtzeitig ein Ventil gegeben werden, bevor sie die Laune gänzlich verdirbt.

Was mich aktuell sauer macht, sind die vielen #gates, die derzeit so durchs Internet schwappen. #updategate, #bendgate, #gamergate… und all das wird tatsächlich ernst genommen, als hätten die Beteiligten irgendeine sozial bedeutsame Position. Was mich aktuell am meisten aufregt, ist die Debatte um das #gamergate. Und eben genau darum muss ich’s mir von der Seele schreiben.[1]

#gamergate – Spielplatz für moralisch Pervertierte

Ich habe versucht, mich in die Wortschlacht um das #gamergate einzulesen. Versucht, weil ich nach kurzer Zeit einfach abbrechen musste, da mich das Lesen selbst schon wütend machte und Wortschlacht, weil es sich dabei nicht um eine Diskussion handelt, wie es Seitens der Medien fälschlicherweise dargestellt wird.
Bei einer Diskussion geht es darum, Argumente auszutauschen – immer eingedenk des Umstandes, dass die eigenen Argumente möglicherweise falsch sein könnten. Bei einer guten Diskussion muss man sich selbst immer die Möglichkeit geben, die eigene Position zu überdenken, sie möglicherweise für falsch zu erklären und die Argumente des Diskussionsgegners als wahr (oder zumindest besser) zu übernehmen. Im Zweifel kann man sich auch in der Mitte treffen, wenn jeder ein Stück von seiner Position aufgibt und ein Kompromiss angestrebt wird.
#gamergate ist dagegen ein verbaler Vernichtungskrieg. Es geht ganz offensichtlich nicht darum, die eigene Position nur darzustellen und zu diskutieren; vielmehr erscheint es mir, als ginge es nur darum, die Gegenposition zu vernichten – inklusive der Diskussionsteilnehmer.

Ethik, Games und Journalismus? Dass ich nicht lache!

Die Kombattanten aufseiten des #gamergates behaupten steif und fest, dass es um ethische Grundsätze im Gaming-Journalismus gehen würde. Dass dem nicht so ist, wird in einem Beitrag vom Deutschlandfunk [Link] recht deutlich dargestellt. Wenn es aber um Ethik und Moral geht, dann werde ich automatisch hellhörig. Als Philosoph kann ich gar nicht anders. Nachdem ich nun die Beiträge und Medienartikel überflogen habe, stellte sich mir folgende Frage:

„Ihr redet von Ethik und bedroht Menschen, die eurer Meinung widersprechen mit Vergewaltigung und Tod?!? Wie gestört seid ihr eigentlich???“

Es mag sein, dass ich in meinem nicht ganz erfolglos abgeschlossenen Philosophiestudium irgendwas verpasst habe. Vielleicht hatte ich ja in dem entscheidenden Moment, als es um Ethik- und Moralbegründung ging eine Art Sekundenschlaf. Aber:

Niemals. Wirklich absolut niemals ist es eine ethisch (bezogen auf einen Einzelnen) oder moralisch (bezogen auf die Gesamtheit der Menschen) zulässige Methode, einen Menschen mit höchsten Übeln oder dem Tod zu bedrohen, nur um eine Meinung durchzusetzen!

Nicht nur, dass es gar nicht um eine echte Diskussion geht, es wird auch der Begriff der Ethik völlig pervertiert. Die Art und Weise, auf die diese Wortschlacht geführt wird, ist vielmehr vollkommen imoralisch.[2] Manche Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen. Und die #gamergate-Teilnehmer gehören dazu.

Pardon, aber: Ihr seid keine Kämpfer für einen ethischen Journalismus. Ihr seid einfach nur Arschlöcher.

Die Sache mit dem Feminismus

Ich frage mich, woher dieser Hass auf Frauen kommt. Ich verstehe es einfach nicht. Vielleicht ist es eine Art „primitiver Verteidigungsversuch“ gegen feministische Argumentationen. Ich kann ja durchaus verstehen, dass man sich als Mann davon angegriffen fühlen kann. Ging mir auch oft so und ich finde nach wie vor, dass es einige feministische Argumentationen gibt, die für meinen Geschmack übertrieben sind.
Das liegt aber nicht daran, dass die Argumentation falsch wäre. Es liegt viel mehr daran, dass der Ton die Musik macht und der Ton ist nicht selten recht aggressiv. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass der Ton auch aggressiv sein muss. Immer dann, wenn in der Vergangenheit für Freiheitsrechte gekämpft wurde, war der Ton nicht all zu freundlich. Gut, es ging zu Anfang des letzten Jahrhunderts auch nicht gerade unblutig vonstatten. Und hier setzt sich dann einfach ein lange unterdrückter (oder eben schlechter behandelter) Bevölkerungsteil zur Wehr. Und wir können von Glück reden, dass wir im 21. Jahrhundert leben und dieser Freiheitskampf (hoffentlich) unblutig vonstattengeht.

Also: Ich kann verstehen, dass insbesondere Männer sich ärgern. Wie gesagt: Kurzzeitig geht es mir ja genauso, bis ich das Ganze halt mal sacken lassen habe und drüber nachdenke. Ich kann, will und werde niemals verstehen, dass dieser Ärger zu primitivsten Beleidigungen, Erniedrigungen bishin zu Vergewaltigungs- und Morddrohungen führt. Ich kann nicht verstehen, woher all dieser Hass kommt. Wir leben in einer sich für aufgeklärt haltenden Wohlstandsgesellschaft. Es fehlt uns an nichts. Es gibt keine große Konkurrenz zwischen den Geschlechtern, die irgendeinen Mann in seinem Leben bedrohen würde. Nicht mal die Lebensqualität ist von ein wenig Gleichberechtigung bedroht. Und ich kann mich auch nicht daran erinnern (wobei ich es nicht mit ausreichend Inbrunst verfolgt habe), dass es jemals darum ging, etwaig als sexistisch deklarierte Motive aus Videospielen zu entfernen oder sie zu verbieten. Es soll (meiner Ansicht nach zumindest – aber ich lasse mich gern korrigieren) nur darum gehen, sie aufzuzeigen, damit jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann. Ein Problem muss schließlich erkannt werden können, damit es behoben werden kann.

#Gamerstolz

Zu guter Letzt möchte ich, nachdem ich mir meinen Ärger von der Seele gebloggt habe, noch ein wenig melancholisch und pathetisch werden.

Ich bin stolz, Gamer zu sein. Nicht zuletzt, bin ich stolz darauf, in all den Jahren so viele tolle Menschen kennen lernen zu dürfen (ja – und dabei sind sogar nicht wenig Frauen). Videospiele begleiten mich jetzt schon seit ich acht Jahre alt war und meinen ersten C64 bekam (also seit jetzt 25 Jahren – herrje, ein Vierteljahrhundert… ich werd alt…). Und in all den Jahren, in denen sich die Games von ihrem „Kellerkind-Image“ bis zur aktuellen Salonfähigkeit entwickelt haben, habe ich in meinem Umfeld niemals so etwas wie Intoleranz erlebt. Niemals habe ich auch nur den Hauch von Sexismus oder Hass gegenüber Frauen (oder „damals“ eben Mädchen) kennen gelernt. Das exakte Gegenteil war der Fall: Frauen wurden immer problemlos integriert, sexuelle Diskriminierung kam nicht vor… im Grunde lebte ich jahrzehntelang in einer schönen heilen Welt, in der uns Probleme wie Sexismus und dergleichen überhaupt nicht bewusst waren. Wir hatten sie einfach nicht. Wir haben alle Spielerinnen und Spieler völlig gleich behandelt und integriert. Aber hey, wir waren jung und sind damit groß geworden.[3]

Lasst uns all das nicht vergessen. Lasst uns nicht vergessen, dass Spiele dazu da sind, Spaß zu haben. Gemeinsam Spaß zu haben. Wo, wenn nicht in den Spielen können wir alle kurz mal hinter uns lassen, woher wir kommen. Wir können unabhängig von unsrem biologischen Geschlecht agieren, denn das lässt sich in den Spielen nach belieben wechseln. Games sind Teil der Unterhaltungskultur – und genau deswegen sollten wir uns diese Unterhaltung nicht von aggressiven, beleidigenden und bedrohlichen Strömungen kaputtmachen lassen. Kaum, dass das Gaming in der Gesellschaft ein wenig positiv gesehen wird, gibt es wenige (ich hoffe inständig, dass es wenige sind), die mediale Aufmerksamkeit durch Beleidigungen und Gewalt bekommen. Pardon, aber: Das darf einfach nicht sein. Es darf nicht sein, dass ein Hobby, das dazu geeignet ist, Menschen zu verbinden, mit einer derartigen Brutalität ins Gegenteil verkehrt wird.

Und zu Guter letzt möchte ich Danke sagen. 🙂 Mein Dank gilt all den bekannten und unbekannten Spielerinnen und Spielern, die mir in den letzten 25 Jahren über den Weg gelaufen sind und die mir Hoffnung machen (obwohl es eine ungültige Einpersonenstatistik ist), dass nicht wenige da draußen wirklich tolerante, intelligente und friedfertige, gern albern-verückte Menschen sind, die ihr Hobby mit Spaß ausüben, ohne negative Hintergedanken dabei zu haben. Ihr seid großartig! Und allein das gibt mir das gute Gefühl, dass die diffuse Menge der „Gaming-Community“ diesen Skandal unbeschadet überstehen wird. Besser noch: Ich denke, es wird uns, uns Spielern von Videospielen, eine Lektion in Toleranz und Demut sein. Wir können nur daraus lernen – vor allem, wie wir in Zukunft mit derartig aggressiven Störungen umgehen wollen. Denn genau darüber gilt es nun zu diskutieren.

So, genug finsteren (und zum Schluss doch noch positiven) Gedanken. Ich geh zocken. 🙂

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. Ich hätte es auch gern in einem Podcast verwurstet – aber meine Aufzeichnungs-App hat das Upgrade auf iOS 8.1 wohl nicht so wirklich gepackt und die sonstige Audioqualität ist mir mittlerweile einfach zu schlecht. Ich warte also auf ein Update – oder eben auf Geld für vernünftiges Equipment. 🙂
  2. Zur (vereinfachten) Erklärung: Amoralische Menschen achten moralische Grundsätze, wie es ihnen passt und brechen andere – so wie Räuber zwar stehlen, aber die Beute untereinander teilen. Imoralische Menschen dagegen ignorieren alle moralischen Regeln – etwa wie der Joker bei Batman.
  3. Und ein Problem ist immer etwas, wie oben schon erwähnt, das sich einem in den Weg stellt und hinderlich wirkt – wenn es einem nicht bewusst ist, dann ist es offensichtlich kein Problem.
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Mit ein wenig Verwunderung betrachte ich den neuen Google-Play-Kiosk, an dem es nun digitale Versionen von Zeitschriften zu kaufen gibt. Was mich daran verwundert? Die klare Geschlechtertrennung. Für Sie und für Ihn.

Für Sie und Ihn

Ok. Und warum genau sollen sich Frauen jetzt nicht für Computer, Videospiele oder Autos interessieren? Und gar nicht wenige von ihnen sind Fußballfans. Diäten sind übrigens auch für Männer ganz interessant (gut, da gibt es weit bessere Quellen, aber es geht ums Prinzip). Genauso wie Kochrezepte oder Fitnesstipps. Oder bin ich jetzt irgendwie unmännlich weil ich gern koche und mich für Fitness interessiere? Und sind die Frauen, die ich kenne, die sich für Technik und Computer begeistern jetzt irgendwie unweiblich?

Liebe Google-Kiosk-Manager: Ihr habt da am Internet was nicht verstanden. Wir sind hier alle online. Egal welches Geschlecht wir haben. Es gibt Interessengemeinschaften, keine Geschlechtsgemeinschaften. So eine Sortierung habt ihr ja auch eingebaut – aber erst weiter unten. Ganz oben und ganz prominent wird man direkt vom der strikten Geschlechtertrennung erschlagen. Eigentlich könntet ihr das doch auch schlicht entfernen und es bei den Sortierungen weiter unten belassen, oder nicht? 🙂

 

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Eigentlich wollte ich über die gamescom 2013 keine großen Worte verlieren. Ich hatte sogar vor, die Messe mit Missachtung zu strafen, da die Veranstalter der Kölnmesse es fertig gebracht haben, mich zu akkreditieren, aber meine stellvertretende Chefredakteurin nicht. Dabei macht sie ihren Job exzellent und ist diejenige, die bei uns die Hosen anhat. Im Grunde hätte sie den Chef-Posten viel eher verdient, denn ich betreibe die Plattform eigentlich fast nur und kümmere mich um allerlei Organisatorisches. Aber gut, für Institutionen wie die Kölnmesse AG scheint nur der Besitz eines Presseausweises zu zählen. An meiner Meinung, keine weiteren Worte, über die gamescom verlieren zu wollen, hat sich nichts geändert – darum werde ich keinen offiziellen Artikel schreiben, sondern lediglich hier meine Gedanken bloggen.

Games, Sexismus und journalistische Grundsätze

Nachdem ich nun aber einen Artikel las, bei dem es um sexistische Eskapaden der Kollegen von GIGA ging, muss ich das eine oder andere Wort verlieren. Es geht gar nicht anders. Denn ich habe das Gefühl, dass es um die Ehrenrettung des Gaming-Journalismus als Ganzem geht. Glücklicherweise hat GIGA das Video mittlerweile wohl von ihrer Webseite und ihrem YouTube-Kanal gelöscht – die Produzenten des Werks wohl aber noch nicht und ich hoffe, dass es zu Dokumentationszwecken schon republiziert wurde. Das Internet vergisst schließlich nichts.

Games und Sexismus stehen bedauerlicherweise in einer engen Verbindung miteinander. Das liegt zum einen ander Zielgruppe der meisten Spiele (männliche Jugendliche und junge Erwachsene). Zum anderen an der werbepsychologisch schon länger bekannten und ausgenutzten Erkenntnis aus der Neurokognitionsforschung (die ist allerdings recht neu), dass der Anblick von nackter weiblicher Haut für das männliche Gehirn ein enorm starker Reiz ist (Quelle: SZ).
Nicht selten kritisiert werden weibliche Charaktere in Spielen. Lara Croft hat übertrieben große Brüste, weibliche Kriegerinnen in Fantasyspielen (da kann wirklich jedes beliebige herangezogen werden) laufen nicht selten in einer Art verziertem Kampf-Bikini herum (der in einem realistischen Schlachtfeld ungefähr so viel Schutz bietet wie eine schusssichere Weste aus Seidenpapier) und bis auf wenige Ausnahmen sind sie schwach und schutzbedürftig.
Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass wir Männer durchaus auch an Stereotypen in Videospielen leiden können. Wie werden männliche Hauptcharaktere in Spielen dargestellt? Meist als Draufgänger; breitschultrig, unglaublich trainiert und zu sportlichen Höchstleistungen fähig, für die es bei Olympia eigentlich Platin geben müsste. Außerdem haben männliche Charaktere nie Angst, sind grundsätzlich mit einem ganze Arsenal an Waffen ausgestattet und stecken Wehwehchen weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Pardon, aber bei derartig überzogener Plakatierung von Stereotypen könnte ich auch Komplexe kriegen. Ich bin zwar relativ gut trainiert (schließlich zocke ich ja nicht nur) aber trotzdem verhältnismäßig speckig, ich habe in verschiedenen Situationen durchaus Angst, und wenn mir jemand eine Waffe in die Hand drückte, würde ich sie eher möglichst vorsichtig möglichst weit weglegen. Abgesehen davon bin ich auch auch recht empfindlich. Warum gibt es eigentlich keinen Hauptcharakter in Spielen, der so ist, wie du und ich? Haben die Entwickler Angst, so etwas würde sich nicht verkaufen? Ich denke, das Gegenteil ist der Fall – aber das wäre ein Thema für einen anderen Artikel.
Ich kann aus eigener Erfahrung übrigens sagen, dass „sex sells“ kein großes Gewicht hat. Ich hab’s ausprobiert. Die Klickzahlen wurden davon nicht beeinflusst.

Auf Spielemessen wie der gamescom wird diese stereotype Sexualisierung gern dazu ausgenutzt, Werbung zu machen. Leichtbekleidete (oder zumindest ziemlich herausgeputzte) Messe-Hostessen mit Traum-Maßen präsentieren die Spiele, die eigentlich für sich selbst sprechen könnten. Offenbar sollen sie sich sogar präsentieren. Ich erinnere mich an die Enttäuschung einer Hostes, die ich bat, doch mal aus dem Bild zu gehen, als ich ein Foto von einem Casemod machen wollte. Mich interessierte die Technik – nicht die junge Dame im Bikini.

Und damit komme ich auch direkt zu dem, was im Gaming-Journalismus irgendwie „nicht ganz richtig“ läuft. Ich meine – es gibt da journalistische Grundsätze, die sich jeder schon aus der eigenen Vernunft ableiten kann, ohne dazu direkt Journalismus studiert haben zu müssen. Ich selbst bin von meiner Profession her schließlich auch Philosoph und trotzdem journalistisch tätig.
Grundsätzlich geht es darum, über ein Ereignis zu berichten. Dabei kommt es auf die Zielsetzung des Berichts an: Es kann sich um eine reine Fotodokumentation handeln oder auch um eine Reportage über die Messe selbst oder auch Interviews mit Hardware-Herstellern oder den Spieleentwicklern. Wenn man nun als Journalist zu so einer Messe losgeschickt wird, dann hat man nicht selten einen „Redaktionsauftrag“. Zur Vorstellung der Wii U haben wir beispielsweise unseren Technikredakteur David damit beauftragt, sowohl die Konsole als auch die Spiele einmal näher unter die Lupe zu nehmen.
Wenn ich mir jetzt das Video von GIGA so ansehe, dann frage ich mich, wie der Redaktionsauftrag dazu wohl gelautet haben muss. Immerhin ist das Video ja sogar (kurzzeitig) veröffentlicht worden, sodass ich unterstelle, dass der Auftrag wunschgemäß erfüllt worden ist. Erst nachdem es massive (und durchaus berechtigte) Kritik hagelte, wurde das Video offenbar wieder entfernt.

Nun handelt es sich bei GIGA nicht gerade um eine kleine Seite. Im Gegenteil, sie sind eher „ganz oben“ angesiedelt. Wenn schon so große und bekannte Seiten derartige Inhalte produzieren und veröffentlichen, was für ein Bild wirft das dann wohl auf den Gaming-Journalismus insgesamt? Vor allem, weil ich ja ein eher kleines und beschauliches Magazinchen betreibe, das mit „den Großen“ weder konkurrieren kann noch will. Muss ich jetzt fürchten, dass ich für (pardon) eine perverse Drecksau gehalten werde, wenn ich mich Cosplayerinnen mit einer Kamera nähere, weil ein Kostüm einfach gut gelungen ist oder Gamerinnen interviewen will, weil mich ihre Meinung zu einem Spiel interessiert? Muss ich ab jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich eine reine Fotodokumentation mache und da eben hauptsächlich Frauen abgebildet sind, weil‘s das Mischungsverhältnis halt so hergibt?

Ich meine: Wie die Leute sich nun privat benehmen, kann und will ich nicht beurteilen. Und wenn’s nach mir geht, kann sich privat auch jeder Aufführen wie er will – meinetwegen sich auch in aller Öffentlichkeit zum Affen machen (der Widerspruch zwischen „privat“ und „öffentlich“ ist nur scheinbar – gemeint ist „privat“ und „beruflich“ in der Öffentlichkeit). Das geht mich einfach nichts an. Aber in einem professionellen Umfeld [1] erwarte ich einfach auch ein professionelles Verhalten.

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  1. ich erinnere gern daran, dass der Gaming-Journalismus ernsthafte Arbeit ist, auch wenn es nach Außen hin gern mal so wirkt, als hätte man den ganzen Tag Spaß und würde nur zocken. Sorry, aber das ist nicht so. Und das Zocken für ein Review macht auch überhaupt keinen Spaß.
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Sexistisches Müsli

On 13. April 2013, in Allgemein, Fundstück, by Ingo

Nicht selten gehe ich mit einer guten Freundin zusammen einkaufen. Und kürzlich blieb sie vor dem Regal mit dem Müsli stehen, zog die Augenbrauen hoch und beschwerte sich lauthals…

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„So, so, Frauen bekommen also Schokolade in ihr Müsli und Männer Obst?“ Klagte sie. „Was soll denn der Scheiß? Schokolade macht doch eh nur dick. Obst ist doch viel gesünder! Und warum kriegen Männer und Frauen überhaupt verschiedene Müslis?“

Gute Frage eigentlich. Warum bekommen Männer und Frauen verschieden Müslis? So extrem verschieden ist die Biochemie zwischen männlichen und weiblichen Körpern nun auch nicht. Oder ist das nur ein geschickter Marketing-Trick, der auf eine Pseudogleichberechtigung abzielt? Nun, scheinbar kommt das bei Frauen nicht so sonderlich gut an. Zumindest bei meiner guten Freundin löste es deutliches Missfallen aus.

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„Irgendwie sind all die Aufschreie schon wieder recht schnell verklungen“, dachte ich eben und fragte das große Orakel zu St. Google um Rat. Und siehe da – vor knapp 19 Stunden machte die Welt sich ein eigenes Sexismus-Problem. Komplimente machen soll nun eine sexistische Handlung sein? Vielleicht habe ich den Begriff nicht ganz richtig verstanden (also mag man mich korrigieren), aber aus meiner Sicht der Dinge, handelt es sich um Sexismus, wenn eine Person auf Grund ihres Geschlechtes besser oder schlechter behandelt wird, als eine andere Person eines anderen Geschlechtes. Also im Großen und Ganzen positive oder negative Diskriminierung basierend auf biologischen Geschlechtsmerkmalen.

Und was ist nun ein Kompliment? Ich will meinen, es handelt sich um eine Äußerung, mit der bekundet werden soll, dass einer Person an einer anderen etwas positiv auffällt. Und wenn sich dieses Kompliment nun auf oberflächliche und äußerliche Tatbestände bezieht? Auch hier würde ich lediglich sagen: Es ist ein Geschmacksurteil. Nicht viel mehr und nicht viel weniger als die Äußerung darüber, dass etwas für gut befunden wird. Ist das dann schon eine positive Diskriminierung? Nur, weil ich sage, dass mir etwas gefällt? Ich denke nicht. Ich denke, hier macht die Welt etwas zu einem Problem, das eigentlich keins ist. Zumindest kein sexistisches.

Es ist vielmehr ein Problem mit der Oberflächlichkeit. Einen Mann dafür loben, dass er sich einen Bart hat wachsen lassen? Eine Frau für ihre neue Frisur loben? Dafür, dass er oder sie tolle neue Kleidung hat? Oder dafür, dass er oder sie  sich neuerdings sportlich betätigt und abgenommen hat? Nun – all das sind vielleicht ab und an teuer erkaufte Dinge (Friseure, Fitness-Studios und Bekleidungsgeschäfte sind nicht gerade darauf aus, wirtschaftlich schlecht da stehen zu wollen), aber eine lobenswerte Leistung für die ein Kompliment angebracht wäre, ist es sicher nicht. Möglicherweise nutze ich hier einen zu engen Kompliment-Begriff, denn für mich ist es nichts anderes als das Aussprechend eines Lobes in Bezug auf etwas, dass der Person, die es ausspricht, besonders gefällt. Komplimente betrachte ich somit als subjektiv, wohingegen ein Lob allgemein durchaus objektiven Charakter haben kann. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ich kann eine Person für ihr soziales Engagement loben. Dabei muss es mir nicht gefallen, sondern kann rein objektiv als Leistung für sich stehen. Ein Kompliment hängt aber immer mit subjektivem Gefallen zusammen und das, wofür ich ein Kompliment ausspreche, muss keine besondere Leistung sein; es muss auch niemandem anderen außer mir gefallen.
Insofern haben wir bei dem, von der Welt thematisierten Kompliment, also lediglich ein oberflächliches Lob für etwas, das nicht jede(r) für lobenswert erachtet. Und ein selbstgemachtes Sexismus-Problem, dass eigentlich gar keins ist.

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Es ist mal wieder so weit: Ich zweifle am gesunden Menschenverstand meiner Mitmenschen. Nicht, dass ich das nicht regelmäßig täte. Das letzte Mal ist nur schon wieder eine Weile her.

Diesmal grüble ich über die Sexismusdebatte rund um Rainer Brüderle nach. Gut, die von ihm getätigten Aussagen sind, sofern sie überhaupt genau so stattgefunden haben, sicherlich geschmacklos. Daran habe ich nichts auszusetzen. Mir geht da aber ein Kommentar einer Anruferin bei WDR5 durch den Kopf, den ich heute Morgen im Auto hörte. Sinngemäß sagte sie in etwa:

Da schreibt eine unbekannte Journalistin vor einem Jahr einen Artikel, der jetzt ausgegraben wird und medienwirksam stürzen sich Leute wie Alice Schwarzer darauf, die abgedroschene Argumente wiederholen und eine kleine Gruppe von Frauen die Twittert wird zu einem riesigen Skandal aufgebauscht.

Die anwesende feministische Redakteurin wollte das natürlich nicht hören und hat die Argumente glatt ignoriert. Ich fand das äußerst erschreckend. Warum? Nun ja…

Hier werden Frauen politisch instrumentalisiert, um einen Politiker oder eine ganze Partei in den Schmutz zu ziehen. Nun, ich mag die FDP auch nicht – aber Menschen instrumentalisieren ist meiner Ansicht nach immer falsch. Um dem noch eine Krone aufzusetzen: Menschen erst nach Geschlecht zu selektieren und sie dann zu instrumentalisieren ist Sexismus pur. Das, liebe Feministinnen, solltet ihr euch noch mal durch den Kopf gehen lassen. Ihr seid nämlich gerade sexistisch. Ihr instrumentalisiert Menschen auf Grund ihres weiblichen Geschlechts dazu, eine politisch motivierte Situation künstlich hochzukochen. Von Emanzipation und Gleichbehandlung ist das ungefähr so weit weg wie Russland von einer lupenreinen Demokratie. Da haben Journalisten tatsächlich etwas zu befürchten, wenn sie ihre Meinung sagen. Hier zum Glück nicht – sonst würde ich vermutlich auch einfach mal die Klappe halten und mir denken: „Lasse mal alle machen. Wenn genug von den wichtigen Themen des Lebens abgelenkt wurde und die Medien sich wieder beruhigen, ist‘s eh schnell wieder vergessen.“

Aber nicht nur Frauen werden ja sexistisch Instrumentalisiert. Die bösen Männer, die ja ohnehin an allem Schuld sind, dürfen nicht verschont bleiben. Wie war das? Der alte Spruch, dass es psychologisch bewiesen wäre, dass Krawatten Phallussymbole darstellen und genauso sexistisch sind wie Frauen im Dirndel, wurde auch mal wieder ausgegraben. Verdammt. Ich mochte Krawatten noch nie. Was mach ich denn jetzt liebe Frau Schwartzer? Habe ich jetzt ein gestörtes Verhältnis zu meinem Geschlechtsteil? Herrjeh! Sich über Kleidungsstücke a) Gedanken machen und b) der Welt verkünden, wie schrecklich sie doch sind. Gut, dass ich überhaupt gar keine Zeit habe, um im Fernsehen aufzutreten. Ich habe wichtigeres zu tun. Aber vielleicht sollten wir alle in geschlechtsneutralem Sackleinen gekleidet auf die Straße gehen. Am besten im Unisex-Overall. Möglichst weit ausfallen, damit weder Brüste noch Penisse oder sonst irgendein Geschlechtsmerkmal einen Unterschied machen kann. Gleichbehandlung durch Gleichmacherei! Hurra!

Und dann hieß es, es wäre schon lange an der Zeit gewesen, dass all die Frauen ihre Leidensgeschichten twittern. In Großbritannien gäbe es das ja schon lange. Da würde jedes Jahr regelmäßig von Frauen über ihre sexistischen Übergriffe getwittert.

Ja. Finde ich auch. Es war lange überfällig beobachten zu können, mit wie viel Leichtigkeit man ein Thema so aufbauschen kann, dass alle glauben, es wäre ein Skandal.

Versteht mich nicht falsch – ich finde Sexismus durchaus bekämpfenswert. Aber nicht, in dem man ihn mit seinen eigenen Waffen schlägt und Menschen nach ihren Geschlechtern selektiert und instrumentalisiert. Wir sollten da ein Diskussionsniveau erreichen, dass sich nicht nur auf Rollenbilder und Geschlechtsmerkmale fixiert. Das ist in meinen Augen genauso hilfreich wie zu versuchen, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Am Ende hat man nämlich nur eine ganze Menge heiße Luft gemacht und Asche übrig.

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