Portscans

On 1. Juni 2014, in Persönliches, by Ingo

Interessant, was einem so eine Software-Firewall so anzeigen kann. Unter anderem geblockte Portscans. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, den zurück zu verfolgen. Das Ergebnis ist erstaunlich:

Portscan

Also irgendwo in Saudi-Arabien. Gestern auch schon – aber aus einem anderen Ort und die letzten beiden Nodes waren nicht unbedingt sicher. Jetzt habe ich sogar eine direkte Adresse. Mhm… Hat jemand eine Idee, was da sein könnte? 😉

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Seit einigen Jahren benutze ich nun schon Google Mail. Ich weiß, das ist jetzt nicht unbedingt das, was man als datenschutzbewusster Mensch tun sollte. Schließlich und endlich filtert und liest Google ja jede Mail, die es in die Finger bekommen kann. Mit anderen Worten, alles, was man so schreibt und alles, was man so bekommt, landet irgendwann in einer großen Datenbank von Google. In den letzten Jahren, war mir das zumindest relativ egal. Immerhin hatte das Postfach eine ausreichende Größe, um wirklich alles zu sammeln, was sich bei mir so angehäuft. Das ist nun noch skandalöser – zumindest aus der Sicht des Datenschutzes. Ich hatte also mehrere Postfächer (die meisten waren ohnehin mit Spam voll gestopft) von Google einsammeln lassen, und dort fröhlich Mails gehortet.

Langsam aber sicher beschlich dann doch aber auch mich ein wenig das Unwohlsein, was die umfangreiche Analyse meiner E-Mails angeht. Immer mal wieder wurde in letzter Zeit der „kleine“ berliner Mail-Anbieter Posteo empfohlen. Also dachte ich mir, es kann ja nicht schaden, mir das einfach mal genauer anzusehen.

Was bietet Posteo?

Nun, zunächst einmal nichts Ungewöhnliches: E-Mails! Allerdings, und das ist durchaus besonders, ohne dass diese E-Mails durch irgendeinen Filter, Algorithmus, oder eine sonstige Datensammlung laufen (von einem Spamfilter mal abgesehen). Das beste daran: Es sind sogar Anhänge mit bis zu 50 MB möglich. Für jemanden wie mich, der gerne einmal recht große Dokumente verschickt, ist das allein schon unglaublich praktisch. Außerdem ist Posteo der einzige Anbieter, der momentan alle gängigen Übertragungsverschlüsselungen anbietet. Alle Mails sind, so wird zumindest behauptet, auf dem Server auf einer verschlüsselten Festplatte gespeichert – Kalender und Adressbuch können ebenfalls verschlüsselt werden – wenn also stimmt, was so behauptet wird (das muss ich glauben, denn ansonsten müsste ich nach Berlin fahren und fragen ob ich mir all das wirklich einmal ansehen darf), dann ist es ein Mail-Anbieter, wie man ihn sich so wünscht. Also im Grunde, machen sie wirklich alles richtig. Die Daten bleiben bei einem selbst, sie sind gegen den Zugriff von außen hinreichend geschützt, letztlich kann man wunschlos glücklich sein.

Der Spaß ist natürlich nicht umsonst – aber im Vergleich mit anderen großen E-Mail-Anbietern immer noch erschreckend günstig. Für nur einen Euro im Monat, bekommt man 2 GB Postfach Speicher und all die Sicherheitsfunktionen kommen gratis mit dazu. Jedes weitere Gigabyte kostet 0,25 EUR im Monat, was ich durchaus für einen fairen Kurs halte. Bei der Anmeldung lädt man das Konto mit mindestens zwölf Euro auf, sodass mindestens ein Jahr Postfach schon mal gesichert ist. Für die Vergesslichen unter uns (ich zähle mich durchaus dazu) gibt es auch eine Benachrichtigung, wenn das Geld am Ende des Jahres aufgebraucht ist. Es handelt sich also um einen Prepaid-Angebot, das ganz ohne eine Abofalle auskommen kann. Selbst wenn man das Konto am Ende vergisst aufzuladen, bleiben die E-Mails erhalten. Es wird lediglich die Sendefunktion gesperrt. Und wenn man das Ganze nicht benutzen möchte, kann man es monatlich kündigen. Bezahlt werden kann mit PayPal, wobei die Daten zwischen dem Konto und der Bezahlung nicht zusammengeführt werden sollen. Wie das allerdings funktioniert, weiß ich nicht – aber ich denke, das werde ich noch hinterfragen. Nun, so wird zumindest damit geworben, dass man das Postfach auch vollständig anonym eröffnen könnte. Das ist zwar nichts, wonach mir nun der Sinn steht, aber für den einen oder anderen dürfte das interessant sein.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn man seine E-Mails nicht selbst zuhause auf dem eigenen kleinen Server hosten möchte, dann ist Posteo besser als nur gut.

Umzugsstress

Nun der Umzug mit E-Mails von einem Anbieter zum anderen ist nicht immer einfach. Wie ich dabei feststellen musste, ist das Google-Postfach sogar verhältnismäßig dumm. Aus der Sicht des Servers, ist es einfach nur eine große Inbox, in der wirklich alles landet. Egal, ob es sich nun um geschriebene oder empfangene E-Mails handelt, es landet wirklich alles in dieser einen Inbox. Das wurde mir bewusst, als ich den Importfilter aktivierte, mit dem die E-Mails aus dem Google-Postfach herausgezogen werden sollten.

Ich hatte natürlich vorher alle E-Mails noch einmal lokal gespeichert (sogar auf zwei verschiedenen Computern), damit nichts verloren gehen kann. Und dann, so dachte ich, löschte ich einer alten E-Mails, die ich eigentlich nicht in das neue Postfach importieren wollte. Da ja ohnehin alles in einer Inbox zusammengefasst wird, ging ich davon aus, dass es auch völlig ausreichend ist, wenn ich in meinem E-Mail-Programm die alten E-Mails markiere, lösche und aktualisiere. Ein fataler Irrtum. Ich stellte fest:

Google löscht rein gar nichts.

Selbst, als ich auf der Weboberfläche von Google-Mail erst alle alten E-Mails aus der Inbox löschte, waren sie noch vorhanden. Auch das Leeren des Papierkorbs brachte nicht viel. Über einen Klick auf „alle Mails“ waren sie immer noch vorhanden. Da ich den Umzug gegen Abend begann, ließ ich den Importfilter einfach über Nacht laufen. Dieser holte die E-Mails über POP3 ab und löschte sie auch automatisch aus dem alten Postfach. Damit waren sie dann auch tatsächlich weg. Allerdings stopfte es mein neues Postfach ganz ordentlich zu – schließlich holte der Importfilter auch alle gesendeten E-Mails ab, da bei Google ja alles in einer großen Kiste landet.

Da kann der Importfilter überhaupt nichts dafür – „Schuld“ ist vielmehr Google, die alles über eine Sortierfunktion mit Labels lösen. Und diese Labels erzeugen nicht etwa Ordner (Ordner im Google-Postfach existieren eigentlich gar nicht, sondern sind auch nur Sortieransichten), sondern ändern einfach nur die Ansicht.

Ich hatte heute Morgen also eine volle Inbox (naja, zum Glück hatte ich den Speicher direkt auf 3 GB erweitert, weil ich schon damit gerechnet hatte, dass da einiges zu viel importiert würde) und ordentlich damit zu tun, noch einmal alles auszusortieren.

Wechseltipps

Aber daraus kann man nur lernen. Solltet ihr in Zukunft auch eure E-Mails von Google-Mail umziehen wollen, gilt es also ein paar Kleinigkeiten zu beachten:

  • Alle E-Mails sollten zuerst lokal gesichert werden, damit nichts verloren geht.
  • Bevor ihr die E-Mails importiert, solltet ihr alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr benötigt, aus dem Google-Postfach löschen. Dazu reicht es nicht aus nur die Inbox zu löschen; sie müssen über die Ansicht „alle E-Mails“ aus der Weboberfläche gelöscht werden.
  • Prüft, bevor er den Importfilter aktiviert, ob auch wirklich alle alten E-Mails, die ihr nicht mehr haben wollt, gelöscht wurden. Alles andere stopfte euer neues Postfach nur unnötig zu.
  • Google erkennt den Importfilter von Posteo als einen unbekannten Zugriff aus Russland. Wenn man nach der IP-Adresse sucht, stellt man allerdings schnell fest, dass der Zugriff nicht aus Russland, sondern aus Berlin kommt. Das Zurückverfolgen bestätigt dann auch die Herkunft von Posteo. Ihr müsst also nicht (so wie ich…) panisch werden und direkt all eure Passwörter ändern. Das schadet zwar nicht, ist aber unnötige Arbeit.
  • Kalender und Kontakte können bei Android nur über eine kostenpflichtige (2,56 EUR) App synchronisiert werden. iPhone-Nutzer sind hier im Vorteil. Insbesondere, weil auf Android, die Kontakte im Handy plötzlich massiv vermehrt werden. Bei mir tauchten plötzlich Unmengen „unbekannte“ Kontakte auf. Ich vermute, das liegt einfach nur an der App, mit der die Kontakte synchronisiert werden. Wie und ob ich Google die Herrschaft über meine Kontakte entreißen kann, werde ich noch herausfinden.

Also dann, viel Spaß beim Umziehen. Und immer daran denken: Macht immer brav eure Backups.

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Eben gerade machte Heise.de darauf aufmerksam, dass auf der TrueCrypt-Seite der Hinweis zu finden wäre, dass die Software nicht sicher ist. Das ist nur insofern erstaunlich, als dass eine kürzlich erst stattgefundene Überprüfung des Quellcodes keine Sicherheitslücken ergeben hat. Auch der Heise Verlag vermutet, dass die Entwickler der Verschlüsselungssoftware einen NSL bekommen haben, der sie zur Herausgabe der Schlüssel verpflichtet. Damit dürften sie nicht darauf hinweisen, dass sie dazu aufgefordert werden – um die Nutzer zu schützen, wäre es lediglich logisch, dass sie von der weiteren Nutzung der Software abraten.

Hierzu gibt es etwas zu bedenken: da die Software quelloffen ist, gibt es nichts, was den Sicherheitsbehörden übergeben werden könnte. Passwörter werden schließlich und endlich nicht auf irgend einem Server gespeichert. Es ist also anzunehmen, dass die Software so sicher ist, dass die Behörden in verschlüsselte Container nicht hineingucken können. Der ist es ebenfalls verständlich, dass man nicht möchte, dass diese Software benutzt wird.

Nun ist es allerdings relativ einfach, die meisten Passwörter zu knacken. Insbesondere dann, wenn sie aus Zahlen und Buchstaben bestehen, sind sie nicht sonderlich sicher. Das klingt abenteuerlich, lässt sich aber auch relativ einfach beweisen. Es wird immer wieder empfohlen, dass ein Passwort mindestens 16 Zeichen haben soll und aus Zahlen und Buchstaben und Sonderzeichen zu bestehen hat. Je mehr Zeichen desto besser.

Noch viel sicherer ist allerdings ein Passwort, das aus zufälligen Worten besteht. Nun könnte man davon ausgehen, dass hier eine Wörterbuchattacke das Passwort in Sekunden zu Fall bringt. Nun, wie lange es für einen durchschnittlichen Computer dauert, ein aus zufälligen Worten bestehendes Passwort zu errechnen, kann auf dieser Website jeder nachvollziehen: https://howsecureismypassword.net/

Nehmen wir in den einfachen kleinen Satz „Dies ist ein sicheres Passwort“. Das Ergebnis ist erstaunlich:

Passwortsicherheit

Das macht es selbstverständlich einfach, sich für jede Website einfach einen Satz auszudenken, mit dem man sich dort eingeloggt. Allerdings – und das halte ich für ernsthaft problematisch – sind erstaunlich viele Websites nicht in der Lage, Passwörter mit einer Länge über 16 Zeichen überhaupt anzunehmen. Erst kürzlich habe ich mal wieder einen Satz neuer Passwörter generiert und dabei festgestellt, wie oft doch eine Begrenzung auf diese mysteriösen 16 Zeichen vorhanden ist.

Aber zurück zum Thema TrueCrypt:

Bisher kann ich keinen nachvollziehbaren Grund erkennen, warum man die Version 7.1a nicht benutzen sollte. Schließlich sind ja keine Lücken gefunden worden. Zumindest nicht im ersten Durchgang. Dafür, sollte man sich vielleicht nun ein neues Passwort ausdenken. Und wie wir sehen, kann dieses Passwort aus leicht zu merkenden Worten bestehen, bei denen eine Berechnung unglaublich lange dauern. Zum Glück nimmt die Software auch solch unglaublich lange Passwörter an.

Also dann: Ändert brav eure Passwörter. 😉

 

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Eine Frage des Vertrauens

On 21. Februar 2014, in Internet, by Ingo

Die Messenger-Wars brodeln weiter im Untergrund des Netzes. Facebook kauft WhatsApp, ein paar Leute auf Twitter räuspern sich, große Print- und Digitalmagazine wälzen sich kurz in ihrem permanenten Zeitgeist-Tiefschlaf und greifen ein paar der Twitterkommentare auf, bei denen Threema gelobt und Telegram zerrissen wird… und schon bekommen die Schweizer einen völlig unerwarteten Zustrom. Lerneffekt: Wenn ein paar wenige Twitter-Accounts mit vielen Followern (Meinungsmacher?) behaupten etwas sei gut und vor sich hin dämmernde Medien das dann all zu ernst nehmen – dann kann sich auch eine kleine Firma die PR-Arbeit sparen.

Aber Moment. Das ganze Internet ist von Threema begeistert? Nein, nicht das ganze Internet. Ein kleiner IP-Realm voller Querulanten leistet noch erbitterten Widerstand. Man könnte Threema nicht vertrauen. Der Quellcode wäre nicht offen, es wäre eine Firma und wenn die nur groß genug würde, würde sie womöglich von einem der Global Player aufgekauft. Stimmt. Das kann natürlich immer wieder passieren. Allerdings hätte niemand etwas davon.

Wenn ma sich die FAQ’s einmal anguckt, dann stellt man schnell fest, dass die Nachrichten auf eine Weise verschlüsselt sind, die es unmöglich macht, dass sie ausgelesen werden. Selbst die Betreiber der Server können nicht hineingucken, da die privaten Schlüssel ausschließlich auf den Geräten gespeichert sind:

Könnten Sie meine Nachrichten entschlüsseln, z.B. wenn Sie von den Behörden dazu gezwungen würden?
Nein, das ist unmöglich, da wir die privaten Schlüssel unserer Benutzer nicht haben (Ihr privater Schlüssel verlässt Ihr Gerät nie). Unsere Server müssen natürlich wissen, wer wem eine Nachricht schickt, damit sie diese dem richtigen Empfänger zustellen können. Diese Information wird aber nicht geloggt, und der Inhalt der Nachrichten kann keinesfalls entschlüsselt werden.

Wenn also jetzt Google oder Facebook auf die Idee kämen, Threema zu kaufen, um das Kommunikationsverhalten der Nutzer auszuwerten, würden sie vermutlich auf Granit beißen, weil sie dann eine große Menge verschlüsselter Nachrichten bekommen würden. Dass die Server zumindest wissen müssen, wer mit wem kommuniziert, erscheint jetzt irgendwie selbsterklärend. Wenn es nicht geloggt wird, dann gibt es da auch nicht viel an Meta-Daten, die abgefangen werden könnten. Sorgen macht mir da nur die Vorratsdatenspeicherung, die in der Schweiz ja etabliert ist. Threema ist in dem Sinne ja ein Dienstanbieter und irgendwo fallen dann ja doch Meta-Daten an. Die lassen sich schließlich nicht verschlüsseln.

Nun – wie dem auch sei: Ich habe mal einen kleinen freundlichen Fragenkatalog auf den Weg geschickt. Der Artikel, den ich draus stricken werde, erscheint dann auf www.modern-nerdfare.com. Das ist dann schließlich kein privater Blog-Beitrag mehr. 😉

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Die große Koalition aus SPD und CDU ist fast beschlossene Sache, der Entwurf des Koalitionsvertrages ist geleaked und Spiegel-Online war so nett, ihn als PDF ins Netz zu stellen (vielen Dank liebe Kollegen). Da das Thema Vorratsdatenspeicherung scheinbar nicht so schnell tot zu kriegen ist und Immer wieder als „sinnvolles Instrument“ bezeichnet wird, will ich an dieser Stelle eine Reflexion des Themas durchführen. Das Problem ist nämlich nicht nur ein juristisches – es ist vor allem ein philosophisches. Meine Betrachtung ist an dieser Stelle auch mehr oder weniger nur ein „oberflächliches Brainstorming“. Dementsprechend ist das nun einfach nur der Fluss meiner Gedanken – und keineswegs ein abschließendes Urteil.

Im Entwurf des Koalitionsvertrags liest sich der Abschnitt zur Vorratsdatenspeicherung so:

„Die EU-Richtlinie über den Abruf und die Nutzung von Telekommunikationsverbindungsdaten werden wir umsetzen. Dabei soll ein Zugriff auf die gespeicherten Daten nur bei schweren Straftaten und nach Genehmigung durch einen Richter sowie zur Abwehr akuter Gefahren für Leib und Leben erfolgen. Die Speicherung der deutschen Telekommunikationsverbindungsdaten, die abgerufen und genutzt werden sollen, haben die Telekommunikationsunternehmen auf Servern in Deutschland vorzunehmen. Auf EU-Ebene werden wir auf eine Verkürzung der Speicherfrist auf drei Monate hinwirken.“

Das Bundesverfassungsgericht hatte die Vorratsdatenspeicherung schon einmal für verfassungswidrig erklärt – und ich sehe hier nicht, warum sich an der Art der erhobenen Daten und der Art und Weise ihrer Speicherung etwas geändert haben sollte – warum diese neue Vorratsdatenspeicherung nunmehr also verfassungskonformer sein sollte, als die alte. Aber ich bin Philosoph, kein Jurist. Ich will hier also keine juristische Würdigung durchführen.

Für mich als Philosophen ist die Speicherung von Verbindungsdaten ein besonderes Problem. Insgesamt ist es sogar so komplex, dass ein kleiner Blog-Beitrag kaum ausreicht, um es in seiner gesamten Tragweite vollumfänglich zu würdigen. Ich will aber trotzdem von verschiedenen Seiten aus auf das Problem blicken.

Nützlichkeit des Instrumentes

Es wird immer wieder betont, dass die Vorratsdatenspeicherung ein nützliches und vor allem unverzichtbares Instrument zur Aufklärung von schweren Straftaten sei. Insbesondere das Bundeskriminalamt und der Bundesinnenminister betonen gern, dass es Straftaten gäbe, die allein nur durch die Speicherung von Vorratsdaten besser aufgeklärt werden könnten. Ein offizielles Gutachten des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages, veröffentlicht in einer Pressemitteilung vom 21.03.2012, ergibt jedoch, dass es keinen messbaren Einfluss der Vorratsdatenspeicherung auf die Aufklärungsquote von Verbrechen gibt.

Damit ist die Aussage, es handele ich um ein wichtiges, unverzichtbares Instrument falsch. Die erhobenen Daten widersprechen der Argumentation, dass die Aufklärungsquote verbessert werden würde. Wenn es faktisch keine Auswirkungen auf die Aufklärungsquote von Verbrechen gibt, dann ist die Sammlung von Verbindungsdaten nicht sinnvoll. Im Gegenteil: Die Provider werden gesetzlich verpflichtet, übermäßig viel Geld in die Speicherung von Daten zu investieren, die nicht den Zweck erfüllen, für den sie erhoben werden. Damit ist die Vorratsdatenspeicherung nicht nur nicht nützlich, sondern sogar (wirtschaftlich) schädlich.

Freiheit

Es wird von Kritikern immer wieder betont, dass die Sammlung von Daten die Freiheit einschränke. Ich sehe das zwiegespalten.
Einerseits ist es mittlerweile gut erforscht, dass Menschen, die sich beobachtet fühlen, ihr Verhalten ändern. Sie passen sich (auch unbewusst) an und handeln entsprechend konformer. Es lastet also ein unbewusster Druck auf ihnen, der verhindert, dass sie frei und offen kommunizieren. Mich würde an dieser Stelle interessieren, ob das auch zu einem Anstieg von Stress- und Depressionserkrankungen führen kann.

Ich sehe das allerdings kritisch – aber ich bin auch kein Psychologe. Ich will hier also nur von bewussten Entscheidungen ausgehen, die von reflektierten, autonomen Menschen getroffen werden, ausgehen.[1] Die Frage ist also: Wird durch die Speicherung von Verbindungsdaten die Entscheidungs- oder Handlungsfreiheit eingeschränkt? Ich denke nicht. Das hat einen einfachen Hintergrund: Ich kann mich jederzeit immer noch für oder gegen eine Handlung entscheiden, auch wenn die Verbindungsdaten meiner Kommunikation gespeichert werden. Schließlich gibt es niemanden, der mich einschränkt. Ich habe, was meine Kommunikation angeht, keine Verbote, keine Zwänge, denen ich unterliege. Es wird nur gespeichert, was ich gemacht habe. An dieser Stelle wird meine Freiheit also nicht eingeschränkt.
Ich gestehe ein, dass diese Aussage eine Schwäche hat: Wenn es möglich ist, so viele Daten über mich zu sammeln, dass es möglich wird vorauszuberechnen, was ich tun werde, dann habe ich keine Freiheit mehr über meine Entscheidungen oder Handlungen. Ich bin in der Tat kein Freund der Willensfreiheit (auf Wunsch erkläre ich gerne noch warum). Insofern halte ich es tatsächlich für möglich, dass vorherberechnet werden kann, was Menschen tun werden, wenn man nur ausreichend Daten über sie sammelt. Und sobald es jemand anderen gibt, der weiß, was ich tun werde, kann ich nicht mehr sagen, dass meine Handlung frei und unbestimmt ist. Im Gegenteil: Sie ist dann nicht nur vorherbestimmt (was sie aus meiner physikalistischen Sicht ohnehin ist), sie ist auch vorhersagbar, bestimmbar, berechenbar. Jemand, der so viele Daten über mich hat, könnte meine Wirklichkeit auf eine Weise manipulieren, auf die ich dann Entscheidungen treffe, wie er es gern hätte. Meine Handlungen würden somit nicht nur vorhersagbar, sie würden steuerbar. Und diese Steuerbarkeit ist ein Problem.

Was ich nicht weiß, ist, ob sich allein aus den Verbindungsdaten schon eine Steuerbarkeit des Verhaltens von Menschen ergeben könnte. Gespeichert wird ja schließlich wer mit wem, wann wie lange kommuniziert hat. Und vielleicht auch noch der Ort, von dem aus kommuniziert wurde. Ließe sich damit das Verhalten von Menschen gezielt steuern? Ich weiß es nicht.

Bürger unter Generalverdacht

Ob nun durch die Vorratsdatenspeicherung alle Bürger unter Generalverdacht gestellt werden, lässt sich durch verschiedene Sichtweisen betrachten. Einerseits kann man sagen: Wenn alle Verbindungsdaten von jedem erhoben werden, mit dem Zweck, Möglicherwiese irgendwann einmal eine schwere Straftat, die Leib und Leben eines anderen gefährdet, aufklären zu können, dann wird unterstellt, dass jeder Betroffene potenziell in der Lage ist, eine solche schwere Straftat zu begehen.

Ich sehe an dieser Aussage keinen Fehler. Jeder von uns ist tatsächlich in der Lage, jederzeit eine schwere Straftat gegen Leib und Leben eines anderen zu begehen. Allein unser präfrontaler Kortex bremst uns aus und sorgt dafür, dass wir moralisch auf Kurs bleiben. Die allermeisten Gehirne (die, der Normalverrückten) funktionieren aber ziemlich gut. Würden die allermeisten Gehirne nicht so gut funktionieren, dann würden wir uns alle regelmäßig an die Gurgel gehen und es würde das sprichwörtliche Sodom und Gomorrha herrschen. Blickt man sich auf der Straße um, stellt man fest, dass dem nicht so ist (auch wenn gerade hier in OWL die Leute deutlich verstockter und unfreundlicher sind als sonst wo in Deutschland).

Es ist also richtig, dass wir alle potenziell schwere Straftaten gegen Leib und Leben verüben könnten, die meisten tun es aber einfach nicht. Rechtfertigt also die Tatsache, dass Wenige kriminell werden, die Verdächtigung aller? Ich denke nicht. Es ist ein einfacher, induktiver Schluss (Achtung: Fehlschlussgefahr!): Die meisten Leute waren in der Vergangenheit friedlich. Sie sind aktuell friedlich. Also werden sie auch in Zukunft friedlich sein. Natürlich kann man das nicht sicher wissen – aber ich kann genauso wenig sicher wissen, dass morgen die Sonne aufgehen wird. Ich kann darauf nur schließen, weil ich sie bisher jeden Morgen aufgehen sehen habe. Sicheres Wissen habe ich darüber nicht.

„Aber Moment? Hast du nicht vorhin von der Vorhersagbarkeit menschlichen Verhaltens gesprochen?“
Ja, habe ich. Und das soll auch gleich die Verschiedenheit der Argumentationsstrukturen deutlich machen. Für mich ist das Aufgehen der Sonne eine einfache physikalische Tatsache, so wie menschliches Verhalten auf einfachen physikalischen Tatsachen beruht. Für mich sind induktive Schlüsse damit nicht auf das Verhalten von Menschen anwendbar – und damit auch nicht auf das Argument der Verübung von Straftaten. Ich würde eher sagen: Wenn ich genug Informationen über einen Menschen habe, dann kann ich vorherberechnen, wie er sich verhalten wird – und ob er straffällig werden würde oder nicht.

Physikalismus hin oder her, gibt es ein wichtigeres Argument gegen den Generalverdacht: Er ist unmoralisch. Warum? Nun ja…

Wir Menschen als Gesellschaft funktionieren, weil wir einander erst einmal grundsätzlich vertrauen. Wir sind zwar vorsichtig, aber grundsätzlich gehen wir erst einmal nicht davon aus, dass uns jemand Gewalt antun möchte. Wenn wir nun aber einen Generalverdacht erheben und laut und deutlich behaupten, dass unsere Mitmenschen (und sogar wir selbst) potenziell gefährlich sind, dann säht da Zweifel und Zwietracht. Es erzeugt Angst – und das ganz bewusst. Es ist einfach falsch, Menschen absichtlich Angst voreinander zu machen. Es zerstört das gesellschaftliche Miteinander und führt im Großen und Ganzen nur zu noch mehr Angst und damit am Ende tatsächlich zu Gewalt.

Es ist also richtig, dass wir alle in der Lage sind, einander schwer zu schaden. Genauso richtig ist aber, dass solche Schädigungen nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung durchgeführt werden. Es mag die Sicherheit verbessern, wenn einfach alle beobachtet und ihr Verhalten vorausgesagt wird – das kann ich nicht verleugnen. Aber es erzeugt auch ein Gefühl des Misstrauens, der Unzufriedenheit und der Angst – und zwar der Menschen untereinander. Und genau das ist falsch. Es ist falsch, etwas zu tun, von dem man ausgehen kann, dass es Menschen schadet – und ihnen Angst machen kann kaum als unschädlich bezeichnet werden.

Umsetzung der EU-Richtlinie

Nun – für mich wird deutlich, dass das Instrument der Vorratsdatenspeicherung, nicht sinnvoll ist. Es ist offensichtlich nicht zu dem in der Lage, wozu es eigentlich installiert werden soll, nämlich der Verbesserung der Aufklärungsquote von schweren Straftaten. Dafür, dass nichts verbessert wird, werden aber viele negative Dinge in die Wirklichkeit befördert: Nämlich das Sähen von Angst und Zwietracht unter der Bevölkerung und die (möglicherweise unbewusste) Veränderung der Denk- und Verhaltensmuster von Menschen, die wissen, dass ihre Kommunikationsverbindungen überwacht werden.

Statt also auf EU-Ebene auf eine Verkürzung der Speicherfristen hinzuwirken, sollte hier dringend nahegelegt werden, dass die Vorratsdatenspeicherung insgesamt abgeschafft wird. Es geht hier schließlich nicht allein in Deutschland um die Installation eines sinnlosen Instruments, mit dem negative Dinge einhergehen. Es betrifft ganz Europa. Hier ist somit das Europaparlament gefragt, dieses offensichtlich überflüssige, angstverursachende und das Denken und Handeln verändernde Instrument abzuschaffen. Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung muss, um ein psychisch und moralisch gutes Funktionieren der Gesellschaft gewährleisten zu können, aufgehoben werden.

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. Ich weiß, allein das müsste ich jetzt näher erläutern. Das will ich mir aber hier ersparen…

Ausgegoogled

On 15. Mai 2012, in Internet, by Ingo

Wer hätte gedacht, dass es so schwer ist, wenn nicht gar unmöglich, ein altes Google-Konto zu löschen? Klar, der Konzern möchte natürlich Missbrauch vermeiden und muss überprüfen, ob derjenige, der hinter den Daten steht, auch wirklich derjenige welche ist, der er behauptet zu sein. Sonst könnte ja jeder hergehen und jedes beliebige Konto löschen.

Ich für meinen Teil habe gestern beim „Selbst-Stalking“ noch ein paar alte Accounts in Foren und Co. gefunden, die schon seit gefühlt einem Jahrzehnt obsolet sind. Nun ja – ein halbes Jahrzehnt. Aber immerhin. Unter anderem auch ein altes, aber kaum bis gar nicht genutztes Blogger-Konto. Was versucht man also, wenn man es löschen will? Richtig: Benutzername, Passwort. Keine Kombination wollte so recht glücken. Dann stellte ich fest, dass Google auch offenbar keine E-Mail-Adresse zu diesem Konto mehr kennt. Es muss eine Adresse damit verbunden sein, denn es wurde ja eine Passwort-Erinnerungsmail verschickt. Allerdings existiert die dazugehörige Adresse auch schon seit über vier oder fünf Jahren nicht mehr. Das ist jetzt dumm – denn einen wirklichen Support gibt es bei Google nicht (außer das Hilfe-Forum in dem kaum wirkliche Hilfe zu erwarten ist). Na, ich bin gespannt, ob ich das Konto noch mal los werde…

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Wikileaks unter Feuer

On 3. Dezember 2010, in Gesellschaft, Technik, by Ingo

Nicht genug damit, dass die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen durch Wikileaks für internationalen Aufrur, bishin zu Todesforderungen, führten. Jetzt wurde die Seite mit DDOS-Angriffen so sehr unter Feuer genommen, dass der für die Registrierung zuständige Anbieter EveryDNS.net die Weiterleitung zum Server, bzw. die Domain, abgeschaltet hat. wikileaks.org ist allerdings nicht tot. Es bleibt über verschiedene Weiterleitungen aktiv und ist unter der IP-Adresse http://46.59.1.2/ weiter erreichbar.

Ein derartiger „Gegenschlag“ ist genauso sinnlos wie überflüssig, zumal die Inhalte mit Sicherheit schon mehrfach kopiert wurden und auch die Originale über die Welt verteilt sein dürften. Aber offensichtlich wissen die Angreifer auch, dass eine DDOS-Attacke die kostengünstige Alternative zum Auftagsmord ist.

Gefunden bei: Gizmodo

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Medien, Moral und Wikileaks

On 3. Dezember 2010, in Gesellschaft, Technik, by Ingo

Ein Aufschrei des Entsetzens rollte durch die on- und offline Medien, als die Enthüllungsplattform Wikileaks diplomatische Depeschen von amerikanischen Botschaftern veröffentlichte.

Die einen brandmarkten maßgebliche Informanten als Verräter, die nächsten wetterten, dass man so ein Portal verbieten müsste, weil es der Gesellschaft schaden würde, wieder andere hielten es für gut und richtig, dass die Dokumente veröffentlicht worden sind. Aber was stimmt nun?

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