Soziale Todeswünsche

On 5. Februar 2014, in Internet, by Ingo

Es ist erstaunlich, wie sehr ich alle einig sein, dass Facebook – mittlerweile 10 Jahre alt – es nicht mehr lange machen wird. Von genervten Usern ist die Rede. Von einer Verwandlung des offenen Internets in eine geschlossene Anstalt. Kein wirkliches soziales Netzwerk, sondern eher eine Art „betreutes Posten“ heißt es. Und Vergleiche mit dem Entstehen und Vergehen von anderen großen IT-Unternehmen lassen sich auch vernehmen.

Ist das nun alles nur journalistischer Futterneid? Ein Schlachtruf könnte so lauten: „Haha! Ihr verdient Milliarden mit den Daten anderer Menschen! Alle sind genervt aber trotzdem abhängig! ceterum censeo facebookinem esse delendam!“

Es ist ja sicher richtig, dass Facebook unglaublich nervtötend ist. So wie alles unglaublich nervtötend ist, wenn man sich all zu lang damit beschäftigt. Menschliches Verhalten zeichnet sich nicht gerade durch all zu viel Varianz aus. Wie sollte es auch, sind alle Menschen doch zumindest sehr ähnlich konfiguriert? Online wirkt sich das so aus, dass alle ungefähr die gleichen nervtötenden Dinge machen. Meist teilen sie Bilder, die sie irgendwo gefunden haben. Um damit irgendwas auszudrücken.

Wenn man es genau nimmt, ist da schon einiges an Kommunikation verloren gegangen. Die Leute drücken ihre Meinung nicht mehr aus – sie teilen ein Bild. Die eigentliche Botschaft stammt also gar nicht mehr von ihnen selbst, sondern äußert sich nur noch in stummer Zustimmung. Dabei kann es zu einiger Verwirrung führen: Manch einer postet ein Bild oder einen Spruch auch einfach nur, weil es ihm gefällt und nicht weil er die Meinung in stummer Übereinkunft übernehmen will. Am Ende kommt dann tatsächlich „Geschnatter“ dabei raus. Kein sozialer Austausch, sondern vielmehr ein Stakkato von Meinungen, Dingen, die gemocht werden, Bildern, unzusammenhängenden Dingen, die irgendwo aufgeschnappt wurden.

Die geschlossene Anstalt

Dass Facebook ein geschlossenes Netz ist, ist nicht weiter merkwürdig. Nur, wenn man die Leute bei der Stange hält, kann ihre Daten auswerten und Werbung verkaufen. Also integriert man alle Dienste aus dem offenen Netz in das geschlossene. Das macht auch nicht nur Facebook allein so. Google+ ist da nicht viel anders (auch wenn schon gefühlt viel, viel cooler ist und mit viel mehr Inhalten aufwartet) und Twitter ist zwar offener, hat aber auch einen entsprechenden Integrationssog.

Soziale Netzwerke, wie wir sie kennen, integrieren durch Exklusionseffekte. Das klingt verwirrend widersprüchlich? Nun, ich will’s erklären: Ich selbst route meinen Blog (also da das, was ich hier schreibe) auch zu Facebook und Google+ und Twitter. Ich stelle entsprechend fest, dass mein „Freundeskreis“ nur dann liest, was ich so von mir gebe, wenn sie es in ihren entsprechenden Accounts vor die Nase gelegt bekommen. Sie kommentieren auch nicht etwa die Blog-Artikel, sondern die Facebook- oder Google+-Einträge, an die sie weitergeleitet wurden. Inklusion durch Exklusion meint hier: Was nicht im System integriert ist, wird ausgeschlossen. Es wird nicht weiter wahrgenommen und führt zu keiner weiteren Reaktion. Und das wiederum löst eine Art „sanfte Gewalt“ (Bourdieu lässt grüßen) aus, die dazu führt, dass man gezwungen wird, Inhalte in die geschlossene Anstalt zu kippen, wenn man will, dass man wahrgenommen wird.

Düstere Prophezeiungen

Was ist nun aber mit all den düsteren Prophezeiungen vom Untergang Facebooks? Es ist das größte der Netzwerke und hat sich geradezu zur digitalen Weltherrschaft aufgeschwungen, verliert aber angeblich auch immer wieder Nutzer. Hochmut und Fall scheinen hier integraler Bestandteil zu sein – und gerade für die Medien ist das gefundenes Fressen, noch eine Runde darauf einzuhacken. „Was kommt danach?“ fragen die einen, „Der König ist tot, es lebe der König!“ rufen die anderen.

Ich frage mich eher: „Gibt es überhaupt ein zurück?“ Wir sind jetzt so von geschlossenen Gesellschaften angefixt worden, dass viele schon verlernt haben, das offene Netz zu nutzen. Überall lauern Logins, drohen PayWalls und locken Integrationsversprechungen, nur um Inhalte dann in ein System zu gießen. Dabei müsste man Inhalte gar nicht vom offenen Internet in ein geschlossenes System schicken, nur um sie mit „den Freunden“ zu teilen, wenn „die Freunde“ einfach die offenen Inhalte lesen würden.

Jedes neue Star-up, das irgendwas mit dem Internet machen will, läuft aktuell darauf hinaus, ein System zu entwickeln, dass irgendwelche Inhalte einsammelt, damit man sie mit Freunden teilen kann. Die dann natürlich auch erst mal in das geschlossene System integriert werden müssen… und so weiter, und so fort.

Nein, ich denke, es wird Zeit, die düsteren Prophezeiungen vom Untergang des sozialen Abendlandes und der großen sozialen Netzwerke sein zu lassen. Außerdem sollten wir das Internet vielleicht wieder so nutzen, wie es „früher mal“ war: Als offene, dezentrale Infrastruktur, bei der einfacher jeder mit jedem anderen jederzeit Inhalte austauschen kann, wenn er will. Ohne, dass diese Inhalte erst von irgendwem integriert, verwaltet und vermarktet werden müssen.

Ja – ich bin der Ansicht, wir müssen das Internet und soziale Netzwerke nicht neu denken. Wir müssen sie alt denken. Einen Schritt zurück machen ist keine Schande. Im Gegenteil: Es führt dazu, dass man einen besseren Überblick darüber bekommt, wohin der Weg geführt hat, den man gegangen ist.

Tagged with:  

Wie ich schon angekündigt habe, wollte ich mich noch ein wenig detaillierter dazu auslassen, was mich nun endgültig dazu bewog, Facebook den Rücken zu kehren. Da nun aber Facebook allein zu kurz gedacht wäre und es sicherlich andere derartige Netzwerke gibt und geben wird, habe ich mich dazu entschlossen, ganz allgemein über soziale Netzwerke und die Konsequenzen ihrer Nutzung nachzudenken.

So ein soziales Netzwerk ist eine tolle Sache. Immer und überall lässt sich herausfinden, wie es den Freunden wohl gehen mag, was sie gerade treiben. Andersrum lässt sich natürlich auch mitteilen, wie denn das eigene Befinden so ist, zu welcher Party es als Nächstes geht und wie die letzte denn so war. Ab und an werden die Nerven dann doch strapaziert, wenn der Freundeskreis die Ansicht vertritt, haufenweise YouTube-Videos zu posten, Bilder von verschiedenen Gruppen zu teilen oder einfach nur blindlinks jede ganz offensichtlich virenschleudernde App installiert. Aber an und für sich ist es ganz toll, immer mit den Lieben, nahen und fernen Bekannten und Freunden verbunden zu sein. Insbesondere dann, wenn sie sich nach Schule, Ausbildung und Studium über die ganze Welt verteilt haben. Das erzeugt dann ein gewisses Heimatgefühl. Ja, es führt sogar in manchen Fällen dazu, dass sich ein paar Leute über ihre Einsamkeit und ihr Fernweh hinweg selbst belügen. In jedem Fall erzeugt so ein soziales Netzwerk das dringende Bedürfnis danach, es zu behalten und möglichst weiter auszubauen. Die Freunde und Bekannten dürfen ja nicht einfach aus den Augen verloren werden. Früher gab es schließlich auch ein recht enges, wenn nicht sogar inniges Verhältnis. Und so entsteht, recht schnell und unbemerkt, eine gewisse Abhängigkeit von der Plattform, die gerade benutzt wird.

Diese Abhängigkeit nutzt das Netzwerk natürlich für seine eigenen Zwecke. Ich mag es an dieser Stelle „soziale Diktatur“ taufen, was dort vor sich geht. Diktiert wird allerdings nicht aus der sozialen Struktur heraus – vielmehr wird diese Struktur als Machtmittel in die Waagschale geworfen. Wann immer nun also etwas an dem Regelwerk, den Datschutzbestimmungen oder den allgemeinen Nutzungsbedingungen des Netzwerkes geändert werden soll, kann jede angemeldete Person sicherlich dagegen protestieren. Sie kann auch damit drohen, das Netzwerk zu verlassen – und wenn all zu viele damit drohen, dann wären auch die Betreiber letztlich zum Handeln genötigt. Aber passiert das wirklich? Seitens der Betreiber ist ein solches Verhalten kalkulierbar: Der psychologische Druck, der von dem Gefühl ausgelöst wird, dass der Freundeskreis plötzlich unerreichbar wird, ist eine vorhersehbare Größe. Da ja alle Daten vorliegen, wie die Nutzer untereinander kommunizieren, wie eng ihre Bindungen sind und wie loyal sie sich einander gegenüber verhalten, lässt sich schnell eine Statistik errechnen, die dann mit der Wahrscheinlichkeit verknüpft werden kann, ob die Nutzer ihre Drohungen wirklich wahr machen oder nicht. Es ist also vielmehr ein Scheinproblem und lösbar auf einem ganz einfachen Weg: Immer mal wieder werden kleinere Änderungen vorgenommen. Änderungen, die nicht all zu schnell auffallen und die auch keine dramatischen Konsequenzen nach sich ziehen. Ist eine Änderung dann doch mal größer oder fällt sie den Nutzern auf, kommt es dann zu größeren Protesten und sogar Abwanderungen. Diese lassen sich aber schnell kompensieren, schließlich und das lässt sich statistisch ebenso genau berechnen, lässt sich sagen: „Die kommen sowieso wieder!“
Ist so ein soziales Netzwerk also erst einmal aufgebaut, dann läuft es fast von allein, wenn das Angebot nur gut genug ist. Menschen geben ihre Bindungen schließlich nicht einfach leichtfertig auf, wenn sie einmal manifestiert sind – und das wissen auch diejenigen, die so ein Netzwerk betreiben. Im Gegenteil: Die Menschen kämpfen darum, das Netzwerk weiter benutzen zu können – und zwar so, wie sie es gern hätten. Eben das führt dann zu verschiedenen virtuellen Protesten. Dabei ist das, was sich immer öfter in verschiedenen Bereichen des Internets beobachten lässt, ein recht spannendes Phänomen und gar nicht so alltäglich, wie es auf den ersten Blick erscheint. Immerhin könnten sie ja auch wieder auf althergebrachte Kommunikationswege ausweichen; sie könnten einander anrufen, E-Mails oder gar Briefe schreiben – und die ganz hartgesottenen könnten einander glatt besuchen! Nein, stattdessen polemisieren sie über Menschenrechte, -würde und quengeln an mehr oder weniger heimlich durchgeführten Änderungen in den Nutzungsbedingungen herum. Es erstaunt mich nicht umsonst, wie viel Macht so ein soziales Netzwerk ausüben kann – insbesondere, weil ich bis vor kurzem auch Mitglied eines solchen war.

Vieles, was hier zu Protest und virtuell geäußerter Aggression führt hat mit etwas zu tun, was ich „digitale Bevormundung“ nennen möchte. In den meisten Nutzungsbedingungen von beliebigen Internetplattformen steht, dass die Betreiber das Angebot jederzeit einstellen können – oder auch ändern – und dass diejenigen, die es nutzen, dann immerhin die Chance haben, ihren Zugang zu kündigen, sofern sie sich nicht mit den Änderungen einverstanden erklären. Häufiger kommt es zu solchen Eskalationen, wenn Dinge verändert werden sollen, die den Nutzerinnen und Nutzern direkt auffallen, wie zum Beispiel ein verändertes Profil-Design. Nun mögen hier Gegenstimmen sein, die lauthals verkünden, dass es kein großes Drama wäre, wenn hier etwas und da ein paar Neuerungen an der Ansicht vorgenommen werden. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen sich nicht so anstellen! Immerhin sei der Dienst ja kostenlos und das, was sich dort verändere, sei ja immerhin auch ganz toll. Statt nun zu meckern, dass alles anders werde und sich darüber zu beklagen, dass die Profile für alle, die lückenlos nachvollziehen wollen, wer wann wo gewesen und was getan hat viel einfacher zu lesen werden, sollte es doch eher ein Grund zu Freude sein, alles immer noch kostenlos nutzen zu dürfen. Immerhin steckt ja auch eine Menge Arbeit dahinter.  Und von Seiten derer, die das Netzwerk betreiben, wurde ja auch schon lange im Voraus angekündigt, was sich verändern wird und wann. Auch wenn sie sich durch einige Proteste haben ausbremsen lassen, so geht doch letztlich das Kalkül auf: Die Leute werden schon nicht gehen, ihr soziales Umfeld und der Spaß den sie haben können, ist ihnen viel zu wichtig. Und wenn sie doch gehen? Na und? Die kommen wieder!

Ich soll mich also nicht so anstellen? Immerhin darf ich einen tollen Dienst ja gratis nutzen.[1] 

Aber Moment. Da wird etwas gegen meinen ausdrücklichen Willen verändert und die einzige Chance, die ich habe, ist, das liebgewonnene System nicht mehr zu nutzen und womöglich den Kontakt zu meinem entfernteren Freundes- und Bekanntenkreis deutlich erschwert zu sehen? Griffe hier nun die Sozial-Diktatur voll durch, so würde ich es mir einfach gefallen lassen. Aber vielleicht vergleiche ich es mit einem anderen Beispiel, das für mache Leserinnen und Leser nachvollziehbarer erscheint:

Ich habe ein Auto.  Das ist soweit nichts ungewöhnliches. Ich mag mein Auto auch sehr – immerhin ist es groß, bequem, komfortabel und bringt mich entspannt auch über weite Strecken ans Ziel. Es hat so seine Macken und verschlingt für die eine oder andere Reparatur mehr, als ich mir überhaupt leisten kann. Aber ich bin bereit so viel Geld auszugeben, denn immerhin will ich nicht auf diese Freiheit an Mobilität verzichten müssen. Mein Einsatz ist also verhältnismäßig hoch und der Nutzen, den ich dafür habe, ist Fahrspaß und die Freiheit schnell und bequem überall und jederzeit hinfahren zu können. Tolle Sache.
Nun bekomme ich aber einen Brief von der Herstellerfirma meines Autos, dass man eine neue Version des Cockpits verfügbar hätte. Sie hätten mir schon einmal Bilder mitgeschickt, wie es denn demnächst aussehen würde. Alles sehr modern und hellblau erleuchtet, aufgeräumt, voller neuer digitaler Anzeigen und Sensoren und überhaupt würden mir die Instrumente viel mehr Informationen bieten, als ich jetzt aktuell verfügbar hätte. Ach ja – und innerhalb der nächsten 6 Monate wird der Wagen dann abgeholt und kostenlos umgebaut. Gehört alles zum Service.

Aber: Ich mag mein Cockpit. Ich mag die Zeigerinstrumente, die Anzeigen sind meines Erachtens völlig zureichend und noch mehr Informationen beim Fahren würden mich nur verwirren. Auch die dunkelrote Beleuchtung sagt mir durchaus zu, denn rein kognitionsphysiologisch ist das eine ideale Farbe für Fahrten im Dunklen.

Nun rückt der Termin näher und die Herstellerfirma kündigt an, meinen Wagen innerhalb der nächsten sieben Tage abschleppen und aufwerten zu lassen. Ob ich will oder nicht. Das wird einfach so gemacht. Hilfsweise hätte ich ja auch die Möglichkeit, mein Auto zu verkaufen. Es gibt ja noch andere Firmen, die Autos bauen, welche mir womöglich eher zusagen könnten.

Die Fälle sind insofern ähnlich, als dass ein Wert in Frage gestellt wird, welcher zum eine eine starke emotionale Bedeutung hat und zum anderen etwas direkt gegen den Willen der Person durchgeführt wird, die hier direkt betroffen ist. Wird also eine derart massive Änderung durchgeführt, die sich gegen den Willen der Person richtet, und wird ihr nur die Möglichkeit gelassen zuzustimmen oder die Nutzung aufzugeben, so ist das zum einen ein Fall von Bevormundung. Diejenigen auf der Angebotsseite, die hier eine Änderung vornehmen, behaupten nämlich von sich selbst, dass sie schon wüssten, was für diejenigen, die hier auf der Nutzen-Seite stehen, das Beste sei. Se wissen es halt besser. Es wird schon stimmen, denn immerhin haben sie ja alles bestens berechnet, vorhergesehen und kennen auch alle Vorlieben und Geschmäcker in und auswendig. Zudem lassen sich ja auch über die Veränderungen noch viel mehr Informationen ablesen, sodass man die Vorlieben und Geschmäcker noch viel besser kennen lernen kann. Zum anderen ist es nichts anderes als Zwang. Wird etwas gegen den Willen einer Person getan und hat sie gar keine andere Wahl als zustimmen oder die Nutzung aufgeben, so muss hier rein formal von Zwang gesprochen werden. Gestützt wird dieser Zwang von einem massiven sozialen Druck, der dadurch entsteht, dass diejenigen, die das System nutzen, es in Zukunft schwerer haben werden, mit ihrem Freundes- und Bekanntenkreis in Kontakt zu bleiben, sofern sie die Nutzung denn aufgäben.

Wenn nun bei manchen Leserinnen und Lesern ein leichtes Unbehagen entstanden ist, dann dürfte das in etwa meinem Gefühl entsprechend, dass ich hatte, als ich kürzlich die Mitteilung bekam, Facebook würde mir nun endlich und endgültig die neue Chronik überstülpen. Sieben Tage hätte ich noch Zeit – dann wäre es so weit und sie würde für alle sichtbar. Bis dahin hätte ich Zeit, um mein Profil noch ein Mal ordentlich aufzuräumen, falls dort Inhalte wären, die nicht jeder sehen sollte. Das allerdings wird durch die immer wieder geänderten Datenschutz- und vor allem Verwaltungsmöglichkeiten gar nicht so einfach. So könnte ich alte Beiträge zwar unsichtbar machen,[2]  aber ob sie dann wirklich weg sind oder nicht, kann ich nicht sagen. Sie sind ja sogar für mich „ausgeblendet“. Und wer weiß, was ich damals alles für einen Unsinn gepostet, geteilt und verbreitet habe? Und so überlegte ich: Sollte ich wirklich meinen entfernten Bekanntenkreis aufgeben? Immerhin ist Facebook für die meisten von ihnen mittlerweile (leider!) eins der Hauptkommunikationsmittel. Mein „Ein Monat ohne“-Experiment zeigte allerdings auch, dass ich überhaupt nichts verpassen würde – und dass ich gar nicht all zu sehr vermisst werde. Das alles insgesamt führt mich zu verschiedenen Überlegungen. Zum einen habe ich mir mal ernsthafte Gedanken über meinen Bekanntenkreis gemacht. All zu eng scheint die Bindung an jenen ja nicht zu sein. Zum anderen, ob Menschen, zu denen ich ohnehin keine all zu enge Bindung habe, es wirklich wert sind, dass ich sowohl mich selbst verkaufe, als auch meine freie Entscheidungsgewalt über die Inhalte meines Profils aufgebe.

Nach kurzer Überlegung war mir klar, dass beides nicht der Fall ist. Diejenigen, zu denen ich dann doch öfter und vor allem besseren Kontakt habe, kann ich dann doch noch über verschiedene Messenger, E-Mail-Adresse oder auch einfach telefonisch erreichen. Und ob sie gerade irgendein Musikvideo bei YouTube mögen, Katzenfotos teilen oder gerade mal wieder Grafiken mit dummen Sprüchen, Hamburger Hafenansichten, kitschiger Küchenpsychologie oder leichtbekleideten Frauen teilen ist dann auch mehr als zweitrangig.

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. Für mein Verständnis, habe ich mich viel mehr schon für die Nutzung des Dienstes verkauft. Immerhin werden meine Daten zu purem Geld gemacht. Sicherlich weiß ich, dass das passiert und sicherlich will ich das auch, im Gegenzug zu einer kostenlosen Nutzbarkeit. Moralisch einwandfrei ist das allerdings nicht, denn faktisch handelt es sich dabei um eine Form der virtuellen Prostitution. Ich bin meine Daten. Gebe ich meine Daten her, um etwas nutzen zu können, gebe ich mich her. Das ist moralisch sicherlich zweifelhaft. Aber diesen zweifelhaften Fleck auf meiner moralischen Landkarte werde ich in einem anderen Artikel noch näher umkreisen und beleuchten. Immerhin ist es schon starker Tobak, von „virtueller Prostitution“ zu reden – und eine Begründung dessen nimmt mehr Platz ein, als eine Fußnote hergäbe.
  2. Was ich vor einem halben Jahr, als die Funktion eingeführt wurde schon tat.

…toll! Wie wundervoll! Ich habe mich ja nicht umsonst all die Monate standhaft dagegen gewehrt, es immer brav ignoriert und all die flehentlichen Versuche seitens des blauen Ungetüms ignoriert, die Profileinstellungen schon mal vorab zu ändern. Und nun kommt sie dann also doch, wie schon angedroht, ohne dass man sich dagegen wehren kann und mit der einzigen Option, sich direkt mal  – die „wundervolle“ Chronik.

Kürzlich wurde dann auch noch öffentlich sichtbar gemacht, wann wer welche Inhalte (in Gruppen oder bei Nachrichten z. B.) gelesen hat. Schön. Und wen geht’s was an, wann ich welche Inhalte lese? Und überhaupt ist’s ja schön, immer mal wieder bevormundet zu werden. Auf Dauer gefallen lassen muss ich mir das allerdings nicht. Wird Zeit, die seit Monaten angedachte Löschung dann doch mal in die Tat umzusetzen. Schade nur um den entfernteren Bekanntenkreis, von dem man sonst nur etwas über ihre Statusaktualisierungen erfährt. Wer mitkommen mag, der kann über diesen Link gern folgen.

Ein paar sachlichere Gedanken zum Thema digitaler Bevormundung werden folgen. 🙂

Tagged with:  

Wie ich ja schon angekündigt hatte, habe ich nun einen Monat ohne Facebook zugebracht. Eine, wie ich fand, höchst entspannende Zeit. Um ehrlich zu sein: Ich hab’s nicht wirklich vermisst. Interessanter ist daher, wie mein erweiterter Bekanntenkreis so reagiert hat. 🙂

Eine hat sich tatsächlich nach einer Woche gemeldet und gefragt, ob denn alles OK wäre. Ich plötzlich offline? Da kann was nicht stimmen. Natürlich kam das per Facebook-Nachricht. Meine Antwort per SMS wurde ebenfalls wieder per Facebook-Nachricht beantwortet. Danach herrscht Schweigen.
Ganz ähnlich verhielt es sich mit einer anderen Bekannten. Die meldete sich via Facebook, ich antwortete per SMS, dass ich derweil keine Lust hätte, dass Onkel Zuckerberg meine private Kommunikation vollüberwacht – und der Rest ist Schweigen. Keine weiteren Reaktionen mehr (auch nicht, als ich dann später mal wieder die eine oder andere SMS schickte).

Der überwiegenden Großteil meines erweiterten, virtuellen, Bekanntenkreises verhielt sich geradewegs so wie üblich. Kommt nichts, was sie „liken“ oder kommentieren können, nehmen sie es offenbar gar nicht erst wahr. Und das, wovon ich meine, dass es „like- und kommentarwürdig“ wäre, wurde über die letzte Zeit hinweg ohnehin ignoriert.

Aber was sagt mir das nun? Es sagt mir, dass Facebook dergestalt in die private Kommunikation eingebunden zu sein scheint, dass viele gar keinen anderen Weg mehr benutzen (wollen). Es sagt mir aber auch, dass sie vermutlich gar nicht wissen, dass alle Nachrichten, die man so schreibt, analysiert und ausgewertet werden. Bis vor kurzem wusste ich auch noch nicht, dass Facebook einen „Happiness-Index“ hat, nach dem die aktuale Stimmung und psychologische Verfassung des Autors von Postings oder („privaten“) Nachrichten  bestimmt werden kann. Das dient dann dazu, zum ihm Werbeanzeigen zu präsentieren, die auf Produkte hinweisen, die ihn dann wieder individuell glücklich machen könnten (oder ihm psychologische Hilfe anbieten). Glaubt ihr nicht? Probiert’s doch mal aus. 🙂 Nichts leichter als das: Sucht euch einen Kommunikationspartner eurer Wahl und schreibt eine Reihe von Nachrichten in denen es um Depressionen und Selbstmordgedanken geht. 2-3 Tage sollten reichen. Danach schaltet ihr den Werbeblocker ab und lasst euch überraschen.

Deutlich wird daraus auch, dass Facebook die privaten Nachrichten wieder privat werden lassen sollte. Das diese Forderung illusorisch ist, weil sie damit dann ja kein Geld mehr verdienen, ist klar. Auf der anderen Seite scheint es genauso schwierig zu sein, die Leute dazu zu überzeugen, sich wieder auf althergebrachte Kommunikationswege zu besinnen. Auch wenn der große blaue Riese alles so schön „schnell und einfach“ macht. Es gibt aber auch noch einen dritten Weg, den ich bevorzugen werde, bis einer der anderen beiden beschreitbar wird: Mein erweiterter Bekanntenkreis wird in Zukunft schrecklich wenig Dinge von mir via Facebook erfahren. 🙂

Ich habe ja erwähnt, dass ich mich noch dazu auslassen wollte, warum es meiner Ansicht nach gar nicht so toll ist, wenn sich Online-Magazine (oder ganz allgemein: Firmen), via Facebook mit ihren Lesern austauschen. Letztlich handelt es sich dabei ja um eine Form von Unternehmenskommunikation – und zwar eine, die allenthalben, insbesondere von Werbetreibenden, angepriesen wird. Grund genug, sich einmal das Für und Wider durch den Kopf gehen zu lassen.

Ich habe mir also angesehen, worin die Postings der Firmen bestehen, die sich in meinen Facebook-Stream geschmuggelt haben. Klar, das ist deutlich auf Gaming konzentriert, also kommen da Aktualisierungen von Publishern, Spieleseiten, Gaming-Magazinen und Co. Inhaltlich handelt es sich dabei meistens um die Ankündigung von neuen Produkten, Gewinnspielen, Testberichten oder einfach nur „Leserbespaßung“, in dem verbreitete „Web-Jokes“ ala 9gag in der Timeline des entsprechenden Magazins republiziert werden. Was mir dabei deutlich auffällt ist folgendes: Bei der Ankündigung eines neuen Spiels, eines Werbespots zu einem Spiel oder einem coolen neuen Accessoire,  kommuniziert das veröffentlichende Medium nicht. Der Rückkanal, den die Web-2.0-Funktionen ermöglichen sollten, wird in den seltensten Fällen genutzt. Sicherlich – ein Beitrag wird hundertfach, vielleicht tausendfach kommentiert und geteilt und geliked… letztlich ist es aber doch nur ein Marketing-Trick, der die Werbung in das soziale Umfeld der Kunden integrieren soll. Kommunikation oder gar ein Diskurs über die Inhalte ist offenbar nicht intendiert. Selbst dann, wenn die Kunden (oder Leser) zu Recht Kritik äußern.

Ok – unter Marketinggesichtspunkten hat man gewonnen. Man kann seine Werbung quasi in die privaten Unterhaltungen seiner Kunden integrieren (denn soziale Netzwerke bestehen ja zumeist aus privaten Kontakten). Damit erzeugt man einen gewissen Grad an Intimität. Aus der sozialen Perspektive ist das allerdings alles andere als toll. Die Kundschaft wird mit Werbung in ihrem privaten Umfeld konfrontiert und ihre Rückmeldungen versacken im Nichts.

Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit der Kommunikation. Ich stelle mir da eine einfache Frage: Wenn ich mit meinen Lesern/Kunden kommunizieren will: Warum benutze ich dann ein fremdes Unternehmen (Facebook, Google+, etc.) zu diesem Zweck? Die Möglichkeiten des Web 2.0 bringen es mit sich, dass wirklich alles immer und überall kommentiert werden könnte. Ein Feedback kann also relativ direkt geliefert werden. Selbst wenn die großen Anbieter der sozialen Netzwerke aktuell im Aufwind sind, heißt das noch nicht, dass es sie ewig geben wird. Was mache ich nun also, wenn mein Unternehmen Facebook überdauert? Die Kommunikation und die Rückmeldungen meiner Leser wären vermutlich verloren. Noch ein Problem: Wenn ich ausschließlich soziale Netzwerke als Rückkanal nutzen würde, zwänge ich meinen Lesern die Notwendigkeit auf, ihre Daten einem weiteren Anbieter übergeben zu müssen.

Auf einer anderen Ebene, ist eine Firma oder ein Magazin ein Fremdkörper in der sozialen Kommunikation zwischen Personen. Sie tauschen sich über private Dinge aus, die sie eben gerade interessieren. Ob nun Firma X einen neuen Turnschuh veröffentlicht, Firma Y ein neues Spiel oder ob das Shampoo von Z die beste Wirkung gegen Schuppen hat, dürfte sie dabei weniger tangieren, wenn nicht sogar irritieren. Es handelt sich dabei um Informationen, die mit dem eigentlichen Inhalt der privaten Unterhaltungen nichts zu tun haben. Aus meiner eigenen Perspektive kann ich sagen, dass es sogar mehr ein Ärgernis ist.

Ich würde also meinen, dass soziale Netzwerke viel mehr eine optionale Erweiterung der Unternehmenskommunikation sein sollten – nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nicht das ultimative Marketing-Instrument, mit dem sich nun der absolut bombastische Anstieg der Leser- und Verkaufszahlen einstellen soll. Es ist quasi „für die, die’s interessiert“, sollte aber meiner Ansicht nach nicht als Medium für aggressive Werbekampagnen ausgenutzt werden. Darum denke ich bei vielen Unternehmen, die mit „jetzt nur auf Facebook“ werben: „Warum zwingt ihr mich zu Facebook? Nur, weil ihr eure Zielgruppe mit Hilfe des Social Graph besser eingrenzen und Werbung noch personalisierter gestalten könnt? Habt ihr keine eigene Homepage? Danke… verzichte…“

Tagged with:  

Und es hat gar keiner gemerkt…

On 10. Oktober 2011, in Gesellschaft, Persönliches, by Ingo

Ich muss wieder einmal über Facebook und die Art und Weise wie es zwischenmenschliche Beziehungen verändert nachdenken. Auf die Idee brachte mich, mehr oder weniger unfreiwillig, eine sehr gute Freundin von mir. Sie hatte vor einer Weile mal alle ihre Einträge und Fotos bei Facebook gelöscht – und war verwundert.

„Da lösch ich alles – und eine Woche lang fällt das gar niemandem auf. Glaubste es hätte sich einer gemeldet? Ein Einziger hat sich gemeldet und gefragt, was denn los wäre…“

Für mich ist das nun nicht verwunderlich. Ich beobachte die Profile meiner Kontakte nicht und ich zähle auch nicht ihre Fotos. Und wenn mal jemand sein Profilfoto löscht, dann dauert es meist nur ein paar Tage bis er ein neues hat. All das ist für mich nichts weiter ungewöhnliches. Deutet aber auf einen besonderen Umstand hin:

Wir sind es offenbar gewohnt, mit unseren „Freunden“ (Facebook-Kontakte sind selten echte Freunde) in Echtzeit zu kommunizieren. Zumindest von denen, mit denen wir regelmäßigen Kontakt haben, erwarten wir, dass wir bemerkt werden. Und das in recht kurzer Zeit. Wie war das eigentlich früher? Da haben wir uns alle noch in unregelmäßigen Abständen getroffen, uns Fotos gezeigt und über allerlei Erlebnisse geplaudert. Das alles fällt jetzt weg. Denn wir laden unsere Fotos sofort hoch, bekommen Kommentare dazu (oder auch nicht) und haben uns erschreckend wenig zu erzählen.

Wenn ich mal ernsthaft darüber nachdenke: Wie viel Kommunikation findet ernsthaft statt? Nachdem man alle Spiele (FarmVille und Co.) blockiert hat, weil die „Freunde“ nichts weiter von sich geben, als die Anforderung von irgendwelchen grünen Kühen, Holzbalken für Schweineställe oder Eier unbekannter Herkunft – nicht mehr sehr viel. Hin und wieder spamt jemand einen blöden, schmalzigen Spruch. Zeitweise meldet jemand, wo er war und was er da gemacht hat. Und hin und wieder kommt eine Sammlung von Partyfotos, auf der Menschen abgebildet sind die man nicht kennt, welche sich in einem Zustand befinden, in dem man nicht sein möchte. Aber sonst? Erschreckend wenig ernsthafte Kommunikation. Erschreckend wenig Austausch.

Gehe ich nun also vom reinen Nutzwert aus… nun ja… dann kann ich sagen, dass Facebook im Großen und Ganzen völlig unnütz ist und ich es vermutlich nur auf Grund des Gruppendrucks nutze. Man „muss halt dabei sein“.

Irgendwie ist das jetzt gerade noch ein Grund mehr, den Account da zu löschen. 🙂

Tagged with:  

76 Menschen sterben durch einen Terroranschlag – Drama! Wir brauchen Internet-Vollüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Killerspielverbote und am besten noch Gedankenkontrollen.

Jährlich sterben tausende Zivilisten auf allerlei Kriegsschauplätzen weltweit – kein Drama, sondern ein statistisch erfassbarer Kollateralschaden, denn immerhin verteidigt man die Freiheit der zivilisierten Welt.

Bedenkt man jetzt, dass der als recht freundlich, zurückhaltend, ja geradezu sympathisch beschriebenen Attentäter all diese Medienaufmerksamkeit geradezu minutiös geplant hat (was man erfahren kann, wenn man andere Medien als RTL II und die BILD konsumiert), dann ist die Errichtung einer „virtuellen Menschenkette“ nicht nur vom Sinngehalt her völliger Schwachsinn, sondern genau das i-Tüpfelchen an Aufmerksamkeit, das jedem Nachahmungstäter ein Tröpfchen in der Hose beschert, denn man weiß ja, dass man in sekundenschnelle weltberühmt sein kann.

Allein schon anhand meiner ungewohnt drastischen Reaktion dürfte deutlich werden, dass ich es für völlig verfehlt halte, einem derartigen Ereignis – einem derartigen Täter – so viel mediale Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Reaktion der Politik kann als übertrieben beschrieben werden; es ist nur wieder ein Ereignis, das Wasser auf die Mühlen der Überwachungsfetischisten ist. Das schöne ist: Der freundliche junge Mann von Nebenan wurde ja schon seit längerer Zeit beobachtet – man hat nur einfach nichts getan und konnte damit auch nichts verhindern. Überwachung hat also keine Toten verhindern können. Ja, schade.

Und nun spammen virtuelle Menschenketten für Oslo über die Facebook-Timeline. Man will sich solidarisch zeigen. Oh, ja – natürlich hilft das besonders. Sicherlich ist es schwer, irgendeine Form der Anteilnahme auszudrücken. Aber nun über soziale Netzwerke zu versuchen eine solche Anteilnahme zu verbreiten, hilft genau niemandem. Vielmehr ist es eine bessere Marketingkampagne für Terroranschläge, denn jeder potenzielle Terrorist weiß jetzt, dass seine Handlung genau den Erfolg hat, den sie haben soll: Angst und Schrecken verbreiten. Und das nicht nur lokal begrenzt sondern dank der massiven Verbreitung weltweit.

Was ich damit sagen will ist einfach: Solidarität ist in Ordnung. Aber nun ein weltweites Medienecho und völlig übertriebene, politische Reaktionen an den Tag legen ist falsch. Falsch, weil es „dem Terrorismus“ (ganz gleich welchem) den gewünschten Erfolg schenkt. Falsch, weil jeder Geisteskranke mit Aufmerksamkeitsbedürfnis wieder einmal bestätigt bekommt, dass er mit möglichst viel brutaler Gewalt unglaublich schnell weltberühmt werden kann. Falsch, weil es Menschen und Taten gibt, denen man kein derartiges Forum bieten darf.

Und darum: Vergesst diese virtuelle Menschenkette. Es hilft niemandem. Es schadet nur, in dem es mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als gut ist. Wenn ihr Freunde und Verwandte in Oslo habt, zeigt euch solidarisch, indem ihr hinfahrt oder anruft. Als reale Menschen. Nicht nur als virtueller Verbund, der außer vielleicht einem symbolischen (und damit stark zuschreibungsabhängigen), gar keinen Wert hat. Seid als reale Menschen für andere reale Menschen da – wenn ihr könnt und wollt. Ein einfacher Klick auf einen Button, der Bildchen von schlafenden Katzen, Engeln und derlei Kitsch im Profil postet ist nicht viel mehr als genau das: Ein Klick auf einen Button, der Kitsch im Profil postet.

Making Games?

On 28. Juni 2011, in Games, by Ingo

Ein Spiel zu entwickeln, zu produzieren und zu veröffentlichen kostet Geld. Viel Geld. Designer und Entwickler arbeiten nicht für umsonst (klar, auch die müssen essen, wohnen und Rechnungen bezahlen), Publisher wollen auch etwas daran verdienen, dass die das Spiel veröffentlichen und überhaupt braucht es einiges an Planung und Marketing. Aber warum nutzt man nicht einfach mal die Synergieeffekte des Internets und der sozialen Netzwerke aus? Eine Idee, die mir vorhin so kam, ist es, ein Spiel „von Gamern für Gamer“ zu entwickeln. Völlig ab von jeder klassischen Strategie, die man so kennt – quasi mal ein Experiment wagen. Und das läuft so…

Man nehme sich ein paar soziale Netzwerke, einschlägige Gamingforen, vielleicht auch Kontakte zu „Profi-Entwicklern“, die gerade ein wenig Freizeit opfern können und vor allem auch wollen und suche sich Leute, die bereit sind, sich an diesem Experiment zu beteiligen. Es braucht da im Grunde Leute von jeder Profession und jeder dieser Leute sollte einfach nur Spaß an dem haben, was er macht – das ist absolut wichtig für den Erfolg des Experiments. Hat man auf diese Weise ein Team zusammengestellt, kann’s auch schon losgehen. Bloß womit? Man kann ja nicht einfach irgendwas entwickeln. Richtig. Da es sich um ein Spiel handelt, dass „out of the crowd“ entwickelt wird, sollte auch daher die Idee dafür stammen. Ergo würde ein zweiter Teil darin bestehen, über eine bestimmte Zeit Ideen aus der Internet-Community zu sammeln, zusammen zu tragen und zur Abstimmung aufzustellen. Entwickelt würde dann dasjenige Spiel, dass dementsprechend gewählt wurde.

Zeit und Geld sind dabei natürlich enorme Kritikpunkte. Klar ist: Alle, die sich an so einem Projekt beteiligen, opfern ihre Freizeit dafür. Das Spiel selbst sollte free-to-play sein und sich auch nicht über Premium-Funktionen oder Itemshops finanzieren. Hier greift dann auch wieder die flattr-Idee: Wenn jemandem die Art und Weise wie das Spiel entstanden ist und das Spiel selbst dann natürlich auch gefällt, dann steht es ihm frei, einen Betrag X (also ein frei wählbarer) dafür zu spenden. Das ist ein weiterer Teil des Experiments: Sowohl die Entwicklungsarbeit als auch das Bezahlen für das Produkt sollte freiwillig sein. Wenn dann tatsächlich Geld damit verdient wird, lässt sich überlegen, ob man aus diesen Einnahmen dann entweder ein neues, noch besseres Spiel entwickelt (das dann auf die gleiche Art und Weise ensteht wie das erste – nur mit der entsprechenden Kapitalbasis) – oder es einfach gerecht durch die Beteiligten aufteilt und wieder auseinander geht.

In jedem Fall wäre die Idee nicht nutzlos. Man hätte an Erkenntnis gewonnen, ob es starre Strukturen, wie sie derzeit in der Industrie vorliegen, wirklich braucht – und man hätte jede Menge Spaß dabei gehabt, eine ganz neue Idee zu entwickeln und auszuprobieren.

Na? Klingt doch genauso verrückt wie genial oder? 🙂

%d Bloggern gefällt das: