Facebook und die Luxussorgen

On 21. Mai 2013, in Persönliches, by Ingo

Nachdem ich nun seit etwa einem Jahr Facebook aktiv sabotiere, respektive mich ihm verweigere – tataa, hab ich mich wieder angemeldet. „Opportunisten-Arsch!“ hör‘ ich die Leute jetzt schon brüllen… und das ist vermutlich auch gar nicht so ganz falsch.

Mich überkamen da im Laufe des Jahres verschiedene Erkenntnisse – und es wäre ja schade, wenn ich die nun für mich behalten würde, nicht wahr?

Facebook ist alternativlos

Ich mag ja diesen Neusprech-Begriff von der Alternativlosigkeit nicht. Aber gerade was soziale Netze angeht, scheint das zuzutreffen. Ich habe mich im Laufe der Zeit mit Diaspora, Twitter, App.net und diversen anderen Kleinigkeiten beschäftigt. Messenger laufen bei mir sowieso immer und überall und Mailadressen hab ich im Duzend billiger. Es ist also nicht so das Problem, irgendwie Kontakt zu halten oder das System einfach zu wechseln und ein anderes zu benutzen – oder vielleicht sogar mehrere gleichzeitig, denn hoch lebe die Abwechslung… Erstaunlich daran: Es macht kaum jemand! Total spontan erfuhr ich, dass die einen umgezogen waren, die anderen neue Jobs hatten und die nächsten (wieder) studieren – oder gerade damit fertig waren. Das teilen sie dann über Facebook – aber sonst nirgends.

Sozialstrukturproblem?

Da frage ich mich ernsthaft: Ist das ein Strukturproblem, weil Facebook offenbar omnipräsent ist oder habe ich einfach nur die falschen Bekannten? Oder ist womöglich meine Anspruchshaltung, doch durchaus gern über Neuigkeiten in meinem entfernten Umfeld informiert zu werden irgendwie verfehlt? Könnte ich mir ggf. sogar den Vorwurf gelten lassen „Schließlich bist du ja verschwunden und könntest dich ja auch mal melden!“? Es scheint sich einfach in den Köpfen der Leute als die Anwendung festgesetzt zu haben – und dann ist das halt einfach so. Und wie ich feststellen muss, ist es gar nicht so einfach, die Leutchen per SMS oder Messenger zu erreichen (und wenn sie umziehen und ’ne neue Telefonnummer haben, DAS aber eben nur über das kleine blaue F mitteilen, ist das auch nicht gerade sehr kontaktförderlich). Datenschutz und andere Probleme werden nicht weiter reflektiert – und wer nicht dabei ist, bekommt halt auch nichts mit.

Luxusprobleme und jammern auf hohem Niveau

Joa, ich beklage mich über Dinge, die nun wirklich nicht weltbewegend sind. In Afrika verhungern Kinder, im nahen Osten herrscht Krieg, die Wirtschaft kriselt und kriselt, von Nordkoreas Plänen die Welt in die Luft zu sprengen, ist auch schon lange nichts mehr vermeldet worden – und ich kleiner Wicht jammer rum, weil’s mir so vorkommt, als würde sich die Welt irgendwie an mir vorbei drehen. Ja geht’s noch? Aber klaro! Ich gehe einfach davon aus, dass ich innerhalb meiner soziokulturellen Rahmenbedingungen absolut das Recht dazu habe, rumzunöseln.

Tja. Wie auch immer. Dann bin ich halt wieder da – ihr Torfnasen!

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Wie ich schon angekündigt habe, wollte ich mich noch ein wenig detaillierter dazu auslassen, was mich nun endgültig dazu bewog, Facebook den Rücken zu kehren. Da nun aber Facebook allein zu kurz gedacht wäre und es sicherlich andere derartige Netzwerke gibt und geben wird, habe ich mich dazu entschlossen, ganz allgemein über soziale Netzwerke und die Konsequenzen ihrer Nutzung nachzudenken.

So ein soziales Netzwerk ist eine tolle Sache. Immer und überall lässt sich herausfinden, wie es den Freunden wohl gehen mag, was sie gerade treiben. Andersrum lässt sich natürlich auch mitteilen, wie denn das eigene Befinden so ist, zu welcher Party es als Nächstes geht und wie die letzte denn so war. Ab und an werden die Nerven dann doch strapaziert, wenn der Freundeskreis die Ansicht vertritt, haufenweise YouTube-Videos zu posten, Bilder von verschiedenen Gruppen zu teilen oder einfach nur blindlinks jede ganz offensichtlich virenschleudernde App installiert. Aber an und für sich ist es ganz toll, immer mit den Lieben, nahen und fernen Bekannten und Freunden verbunden zu sein. Insbesondere dann, wenn sie sich nach Schule, Ausbildung und Studium über die ganze Welt verteilt haben. Das erzeugt dann ein gewisses Heimatgefühl. Ja, es führt sogar in manchen Fällen dazu, dass sich ein paar Leute über ihre Einsamkeit und ihr Fernweh hinweg selbst belügen. In jedem Fall erzeugt so ein soziales Netzwerk das dringende Bedürfnis danach, es zu behalten und möglichst weiter auszubauen. Die Freunde und Bekannten dürfen ja nicht einfach aus den Augen verloren werden. Früher gab es schließlich auch ein recht enges, wenn nicht sogar inniges Verhältnis. Und so entsteht, recht schnell und unbemerkt, eine gewisse Abhängigkeit von der Plattform, die gerade benutzt wird.

Diese Abhängigkeit nutzt das Netzwerk natürlich für seine eigenen Zwecke. Ich mag es an dieser Stelle „soziale Diktatur“ taufen, was dort vor sich geht. Diktiert wird allerdings nicht aus der sozialen Struktur heraus – vielmehr wird diese Struktur als Machtmittel in die Waagschale geworfen. Wann immer nun also etwas an dem Regelwerk, den Datschutzbestimmungen oder den allgemeinen Nutzungsbedingungen des Netzwerkes geändert werden soll, kann jede angemeldete Person sicherlich dagegen protestieren. Sie kann auch damit drohen, das Netzwerk zu verlassen – und wenn all zu viele damit drohen, dann wären auch die Betreiber letztlich zum Handeln genötigt. Aber passiert das wirklich? Seitens der Betreiber ist ein solches Verhalten kalkulierbar: Der psychologische Druck, der von dem Gefühl ausgelöst wird, dass der Freundeskreis plötzlich unerreichbar wird, ist eine vorhersehbare Größe. Da ja alle Daten vorliegen, wie die Nutzer untereinander kommunizieren, wie eng ihre Bindungen sind und wie loyal sie sich einander gegenüber verhalten, lässt sich schnell eine Statistik errechnen, die dann mit der Wahrscheinlichkeit verknüpft werden kann, ob die Nutzer ihre Drohungen wirklich wahr machen oder nicht. Es ist also vielmehr ein Scheinproblem und lösbar auf einem ganz einfachen Weg: Immer mal wieder werden kleinere Änderungen vorgenommen. Änderungen, die nicht all zu schnell auffallen und die auch keine dramatischen Konsequenzen nach sich ziehen. Ist eine Änderung dann doch mal größer oder fällt sie den Nutzern auf, kommt es dann zu größeren Protesten und sogar Abwanderungen. Diese lassen sich aber schnell kompensieren, schließlich und das lässt sich statistisch ebenso genau berechnen, lässt sich sagen: „Die kommen sowieso wieder!“
Ist so ein soziales Netzwerk also erst einmal aufgebaut, dann läuft es fast von allein, wenn das Angebot nur gut genug ist. Menschen geben ihre Bindungen schließlich nicht einfach leichtfertig auf, wenn sie einmal manifestiert sind – und das wissen auch diejenigen, die so ein Netzwerk betreiben. Im Gegenteil: Die Menschen kämpfen darum, das Netzwerk weiter benutzen zu können – und zwar so, wie sie es gern hätten. Eben das führt dann zu verschiedenen virtuellen Protesten. Dabei ist das, was sich immer öfter in verschiedenen Bereichen des Internets beobachten lässt, ein recht spannendes Phänomen und gar nicht so alltäglich, wie es auf den ersten Blick erscheint. Immerhin könnten sie ja auch wieder auf althergebrachte Kommunikationswege ausweichen; sie könnten einander anrufen, E-Mails oder gar Briefe schreiben – und die ganz hartgesottenen könnten einander glatt besuchen! Nein, stattdessen polemisieren sie über Menschenrechte, -würde und quengeln an mehr oder weniger heimlich durchgeführten Änderungen in den Nutzungsbedingungen herum. Es erstaunt mich nicht umsonst, wie viel Macht so ein soziales Netzwerk ausüben kann – insbesondere, weil ich bis vor kurzem auch Mitglied eines solchen war.

Vieles, was hier zu Protest und virtuell geäußerter Aggression führt hat mit etwas zu tun, was ich „digitale Bevormundung“ nennen möchte. In den meisten Nutzungsbedingungen von beliebigen Internetplattformen steht, dass die Betreiber das Angebot jederzeit einstellen können – oder auch ändern – und dass diejenigen, die es nutzen, dann immerhin die Chance haben, ihren Zugang zu kündigen, sofern sie sich nicht mit den Änderungen einverstanden erklären. Häufiger kommt es zu solchen Eskalationen, wenn Dinge verändert werden sollen, die den Nutzerinnen und Nutzern direkt auffallen, wie zum Beispiel ein verändertes Profil-Design. Nun mögen hier Gegenstimmen sein, die lauthals verkünden, dass es kein großes Drama wäre, wenn hier etwas und da ein paar Neuerungen an der Ansicht vorgenommen werden. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen sich nicht so anstellen! Immerhin sei der Dienst ja kostenlos und das, was sich dort verändere, sei ja immerhin auch ganz toll. Statt nun zu meckern, dass alles anders werde und sich darüber zu beklagen, dass die Profile für alle, die lückenlos nachvollziehen wollen, wer wann wo gewesen und was getan hat viel einfacher zu lesen werden, sollte es doch eher ein Grund zu Freude sein, alles immer noch kostenlos nutzen zu dürfen. Immerhin steckt ja auch eine Menge Arbeit dahinter.  Und von Seiten derer, die das Netzwerk betreiben, wurde ja auch schon lange im Voraus angekündigt, was sich verändern wird und wann. Auch wenn sie sich durch einige Proteste haben ausbremsen lassen, so geht doch letztlich das Kalkül auf: Die Leute werden schon nicht gehen, ihr soziales Umfeld und der Spaß den sie haben können, ist ihnen viel zu wichtig. Und wenn sie doch gehen? Na und? Die kommen wieder!

Ich soll mich also nicht so anstellen? Immerhin darf ich einen tollen Dienst ja gratis nutzen.[1] 

Aber Moment. Da wird etwas gegen meinen ausdrücklichen Willen verändert und die einzige Chance, die ich habe, ist, das liebgewonnene System nicht mehr zu nutzen und womöglich den Kontakt zu meinem entfernteren Freundes- und Bekanntenkreis deutlich erschwert zu sehen? Griffe hier nun die Sozial-Diktatur voll durch, so würde ich es mir einfach gefallen lassen. Aber vielleicht vergleiche ich es mit einem anderen Beispiel, das für mache Leserinnen und Leser nachvollziehbarer erscheint:

Ich habe ein Auto.  Das ist soweit nichts ungewöhnliches. Ich mag mein Auto auch sehr – immerhin ist es groß, bequem, komfortabel und bringt mich entspannt auch über weite Strecken ans Ziel. Es hat so seine Macken und verschlingt für die eine oder andere Reparatur mehr, als ich mir überhaupt leisten kann. Aber ich bin bereit so viel Geld auszugeben, denn immerhin will ich nicht auf diese Freiheit an Mobilität verzichten müssen. Mein Einsatz ist also verhältnismäßig hoch und der Nutzen, den ich dafür habe, ist Fahrspaß und die Freiheit schnell und bequem überall und jederzeit hinfahren zu können. Tolle Sache.
Nun bekomme ich aber einen Brief von der Herstellerfirma meines Autos, dass man eine neue Version des Cockpits verfügbar hätte. Sie hätten mir schon einmal Bilder mitgeschickt, wie es denn demnächst aussehen würde. Alles sehr modern und hellblau erleuchtet, aufgeräumt, voller neuer digitaler Anzeigen und Sensoren und überhaupt würden mir die Instrumente viel mehr Informationen bieten, als ich jetzt aktuell verfügbar hätte. Ach ja – und innerhalb der nächsten 6 Monate wird der Wagen dann abgeholt und kostenlos umgebaut. Gehört alles zum Service.

Aber: Ich mag mein Cockpit. Ich mag die Zeigerinstrumente, die Anzeigen sind meines Erachtens völlig zureichend und noch mehr Informationen beim Fahren würden mich nur verwirren. Auch die dunkelrote Beleuchtung sagt mir durchaus zu, denn rein kognitionsphysiologisch ist das eine ideale Farbe für Fahrten im Dunklen.

Nun rückt der Termin näher und die Herstellerfirma kündigt an, meinen Wagen innerhalb der nächsten sieben Tage abschleppen und aufwerten zu lassen. Ob ich will oder nicht. Das wird einfach so gemacht. Hilfsweise hätte ich ja auch die Möglichkeit, mein Auto zu verkaufen. Es gibt ja noch andere Firmen, die Autos bauen, welche mir womöglich eher zusagen könnten.

Die Fälle sind insofern ähnlich, als dass ein Wert in Frage gestellt wird, welcher zum eine eine starke emotionale Bedeutung hat und zum anderen etwas direkt gegen den Willen der Person durchgeführt wird, die hier direkt betroffen ist. Wird also eine derart massive Änderung durchgeführt, die sich gegen den Willen der Person richtet, und wird ihr nur die Möglichkeit gelassen zuzustimmen oder die Nutzung aufzugeben, so ist das zum einen ein Fall von Bevormundung. Diejenigen auf der Angebotsseite, die hier eine Änderung vornehmen, behaupten nämlich von sich selbst, dass sie schon wüssten, was für diejenigen, die hier auf der Nutzen-Seite stehen, das Beste sei. Se wissen es halt besser. Es wird schon stimmen, denn immerhin haben sie ja alles bestens berechnet, vorhergesehen und kennen auch alle Vorlieben und Geschmäcker in und auswendig. Zudem lassen sich ja auch über die Veränderungen noch viel mehr Informationen ablesen, sodass man die Vorlieben und Geschmäcker noch viel besser kennen lernen kann. Zum anderen ist es nichts anderes als Zwang. Wird etwas gegen den Willen einer Person getan und hat sie gar keine andere Wahl als zustimmen oder die Nutzung aufgeben, so muss hier rein formal von Zwang gesprochen werden. Gestützt wird dieser Zwang von einem massiven sozialen Druck, der dadurch entsteht, dass diejenigen, die das System nutzen, es in Zukunft schwerer haben werden, mit ihrem Freundes- und Bekanntenkreis in Kontakt zu bleiben, sofern sie die Nutzung denn aufgäben.

Wenn nun bei manchen Leserinnen und Lesern ein leichtes Unbehagen entstanden ist, dann dürfte das in etwa meinem Gefühl entsprechend, dass ich hatte, als ich kürzlich die Mitteilung bekam, Facebook würde mir nun endlich und endgültig die neue Chronik überstülpen. Sieben Tage hätte ich noch Zeit – dann wäre es so weit und sie würde für alle sichtbar. Bis dahin hätte ich Zeit, um mein Profil noch ein Mal ordentlich aufzuräumen, falls dort Inhalte wären, die nicht jeder sehen sollte. Das allerdings wird durch die immer wieder geänderten Datenschutz- und vor allem Verwaltungsmöglichkeiten gar nicht so einfach. So könnte ich alte Beiträge zwar unsichtbar machen,[2]  aber ob sie dann wirklich weg sind oder nicht, kann ich nicht sagen. Sie sind ja sogar für mich „ausgeblendet“. Und wer weiß, was ich damals alles für einen Unsinn gepostet, geteilt und verbreitet habe? Und so überlegte ich: Sollte ich wirklich meinen entfernten Bekanntenkreis aufgeben? Immerhin ist Facebook für die meisten von ihnen mittlerweile (leider!) eins der Hauptkommunikationsmittel. Mein „Ein Monat ohne“-Experiment zeigte allerdings auch, dass ich überhaupt nichts verpassen würde – und dass ich gar nicht all zu sehr vermisst werde. Das alles insgesamt führt mich zu verschiedenen Überlegungen. Zum einen habe ich mir mal ernsthafte Gedanken über meinen Bekanntenkreis gemacht. All zu eng scheint die Bindung an jenen ja nicht zu sein. Zum anderen, ob Menschen, zu denen ich ohnehin keine all zu enge Bindung habe, es wirklich wert sind, dass ich sowohl mich selbst verkaufe, als auch meine freie Entscheidungsgewalt über die Inhalte meines Profils aufgebe.

Nach kurzer Überlegung war mir klar, dass beides nicht der Fall ist. Diejenigen, zu denen ich dann doch öfter und vor allem besseren Kontakt habe, kann ich dann doch noch über verschiedene Messenger, E-Mail-Adresse oder auch einfach telefonisch erreichen. Und ob sie gerade irgendein Musikvideo bei YouTube mögen, Katzenfotos teilen oder gerade mal wieder Grafiken mit dummen Sprüchen, Hamburger Hafenansichten, kitschiger Küchenpsychologie oder leichtbekleideten Frauen teilen ist dann auch mehr als zweitrangig.

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. Für mein Verständnis, habe ich mich viel mehr schon für die Nutzung des Dienstes verkauft. Immerhin werden meine Daten zu purem Geld gemacht. Sicherlich weiß ich, dass das passiert und sicherlich will ich das auch, im Gegenzug zu einer kostenlosen Nutzbarkeit. Moralisch einwandfrei ist das allerdings nicht, denn faktisch handelt es sich dabei um eine Form der virtuellen Prostitution. Ich bin meine Daten. Gebe ich meine Daten her, um etwas nutzen zu können, gebe ich mich her. Das ist moralisch sicherlich zweifelhaft. Aber diesen zweifelhaften Fleck auf meiner moralischen Landkarte werde ich in einem anderen Artikel noch näher umkreisen und beleuchten. Immerhin ist es schon starker Tobak, von „virtueller Prostitution“ zu reden – und eine Begründung dessen nimmt mehr Platz ein, als eine Fußnote hergäbe.
  2. Was ich vor einem halben Jahr, als die Funktion eingeführt wurde schon tat.

Vor gar nicht all zu langer Zeit, faszinierte mich ein kleines neues Internetprojekt, für das ich durchaus gern das eine oder andere Wort verlieren wollte. Allerdings waren genau diese Worte, die ich da verlor, dann doch ein kleines Problem – ein Streitpunkt der für mich zunächst einmal unüberwindbar war. Aktuell ist er das auch – aber ich arbeite daran.

Was war nun das Problem? Nun, es ist nicht so, dass ich völligen Unsinn von mir gab, sachlich falsch lag oder irgendwie thematisch wirres Zeug von mir gab. Das Problem war, dass mir von feministischer Seite vorgehalten wurde, dass ich maskuline Worte benutzte. Dem unbedarften Leser mag das nun überhaupt nicht problematisch vorkommen. Mir kam es auch nicht problematisch vor, im Gegenteil, ich fühlte mich sogar recht wohl damit. Und allein die Tatsache, dass man mich dazu aufforderte, von meiner maskulinen Sprache abzurücken führte zu einer heftigen Gegenreaktion. Ich fühlte mich geradezu angegriffen, sogar fast schon beleidigt, und ging im Geiste zu einer entsprechend heftigen Gegenwehr über. „Was wollt ihr eigentlich von mir? Habt ihr nichts Besseres zu tun, als euch über so einen lächerlichen Kleinkram aufzuregen? Haben wir hier nicht viel wichtigere Dinge zu sagen?“ ging es mir durch den Kopf. Und so suchte ich dann intuitiv, aus der Position der beleidigten Leberwurst heraus, allerlei Argumente um mich mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Schilde hoch! Waffen bereit! Ohne Befehl feuern!

Whait, what? Moment. Nochmal langsam… Nachdem ich nun die eine oder andere Nacht darüber geschlafen habe und grübelte, kam ich zu dem Entschluss, besser mal zuzuhören, statt mich angegriffen und beleidigt zu fühlen. Derart emotionalisierte Situationen sind immerhin keine gute Diskussionsgrundlage – und schon gar keine Grundlage, um sinnvoll nachzudenken. Wenn man sich ohnehin schon beleidigt fühlt, dann neigt man dazu, einfach nicht mehr zuzuhören (mir zumindest geht es so…) und damit geht dann jegliche Sachlichkeit für ein Thema völlig verloren.
Wie auch immer: Ich habe mir dann mal zwei empfohlene Lektüre-Links angesehen und festgestellt, dass ich mit meiner spontanen Abwehrhaltung gar nicht all zu allein war. Schlimmer noch: Ich habe tatsächlich ein Problem, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es habe. Auch ich mache anzügliche Witze, ärgere mich über Frauen am Steuer (und habe sogar manchmal Angst, wenn ich bei einer Frau als Beifahrer mitfahre, insbesondere, wenn sie nicht gerade langsam fährt), auch finde durchaus meinen Gefallen an leicht bekleideten Frauen im Sommer und mag die (mal subtile, mal sehr offene) Erotik in der Werbung. Ich hätte das auch niemals als problematisch empfunden und gerade jetzt in diesem Moment fallen mir auch eine ganze Reihe von Argumenten aus der physiologischen Psychologie ein, mit denen ich all das zum Teil rechtfertigen könnte. Aber genau das will ich hier jetzt nicht. Ich will mich gar nicht rechtfertigen, ich will darüber nachdenken, wo das Problem ist, wie schwerwiegend es ist und ob es sich lösen lässt.

Gut, da ich nun vom Feminismus rein überhaupt gar nichts verstehe (und bis dato auch gar nicht verstehen wollte), war ich erst einmal mit der Fragestellung überfordert. Wie nähert man sich dem Themenkomplex am einfachsten? Wen fragen, wie fragen und in welchem Rahmen? Meine erste Anlaufstelle waren die Frauen in meinem nahen und fernen Freundes- und Bekanntenkreis.

So ging ich also hin und fragte ganz einfach, ob sich wirklich jemand ignoriert, unterdrückt, beleidigt oder irgendwie sonst tangiert fühlt, wenn man maskuline Worte in der Alltagssprache verwendet. Die Reaktionen waren durchweg negativ, ja teilweise sogar aggressiv. Ich bekam Antworten wie: „wo haste das jetzt her? lieste mittlerweile frauenzeitschriften?“, „also ich habe schon gehört, dass es leute gibt die wert darauf legen. ich hab genug selbstbewusstsein um damit klar zu kommen“, „welcher männl. sprachgebrauch bitte? Und wenn,trifft nix bei mir zu… Et gibt schon komische menschen/frauen *kopfschüttel“, „Ey, die soll‘n sich doch verpissen und wo anders rumheulen! Die können sich aufregen… was für ein schwachsinn“

In einem ähnlichen, teils sogar noch aggressiverem, Tonfall bewegten sich die meisten Reaktionen. Hier war nun also überhaupt keine Hilfe zu erwarten. Wenn also die Betroffenen sich selbst schon darüber lustig machen, dachte ich, gibt es dann überhaupt ein ernsthaftes Problem? Nach zwei kleinen Lektüreeinheiten stellte ich dann fest: Ja, gibt es. Ein Problem struktureller Natur. Und ich muss wohl oder übel anerkennen, dass ich Teil des Problems bin und weniger Teil der Lösung. Wie komme ich dazu? Gehen wir noch mal ein Level tiefer.

Ohne Zweifel bewegen sich Männer und Frauen im gleichen gesellschaftlichen Rahmen. Pierre Bourdieu machte das in „Die männliche Herrschaft“ eigentlich schon recht deutlich. Die Gesellschaft ist androzentristisch ausgerichtet und somit nehmen ihre Teilnehmer die Positionen ein, in die sie qua Sozialisation gedrängt werden. Sozialisationseinflüsse sind unglaublich stark und ihnen zu entkommen ist so gut wie unmöglich. Sie beeinflussen das Handeln, Denken, Fühlen – die vollständige Selbst- und Fremdwahrnehmung. Wenn ich mich also mit meinem sexistischen Verhalten wohl fühle, dann nur, weil mich die Gesellschaft, die mich bisher umgab, positiv konditioniert hat. Man lachte über frauenfeindliche Witze, zusammen mit anderen Männern im Auto fluchte man über „die blöde Kuh da vorn“, die wieder mal an der Ampel den Wagen abgewürgt hat und bei Umzügen dürfen Frauen (auch dann, wenn sie physisch durchaus dazu in der Lage wären), natürlich nicht bei den schweren Möbeln mit anpacken. Da werden dann irritierte Blicke ausgetauscht, wenn ein weiblicher Stammtischgast Pils statt Wein bestellt und überhaupt tendiert man immer öfter zu Sticheleien oder Provokationen, allein um zu zeigen, wer hier die Hosen anhat.
Und was ist mit den Frauen? Die behaupten von sich selbst, sie hätten kein Problem damit. Sie behaupten sogar, dass es Blödsinn wäre, alberner Quatsch, sich darüber Gedanken zu machen. „Die Welt ist halt so.“, kam mir entgegen.

Aber Moment. „Die Welt ist halt so.“ klingt nicht akzeptierend. Es klingt nach Resignation. Es klingt danach, als hätte jemand schon aufgegeben, sich irgendwie zu behaupten. Und ich bin daran Mitschuld.

Nun, am Ende dieser Überlegung wird mir einiges klarer, worüber ich sonst eigentlich nie nachgedacht habe. Trotz aller liberaler Einstellungen, trotz sämtlicher Annehmlichkeiten und Freiheiten und Offenheiten, die ich den Frauen in meinem Umfeld einräume, bin ich wohl oder übel zu einem ziemlichen Sexisten sozialisiert worden. Obwohl ich mich jederzeit darum bemühe, so viel Gerechtigkeit walten zu lassen, wie nur möglich, bin ich doch im Grunde ungerecht. Es scheint auch völlig normal zu sein, sich zunächst einmal angegriffen zu fühlen und seinen Standpunkt, wenn auch total unsachlich, auf jede Weise verteidigen zu wollen. Immerhin kommt ja Gegenwind aus einer Richtung, die, zumindest im Geiste, eher abwertend betrachtet wurde. Eine Abwertung, die weder gerechtfertigt noch logisch begründbar ist, die aber vom größten Teil der Gesellschaft vorgelebt wird und die jederzeit durch Medien, Werbung und Umfeld kommuniziert wird.

Und wie geht‘s jetzt weiter? Ich denke, es wäre am klügsten, es zum einen mit Rüdiger Bittner zu halten, der in seinem (sehr erhellenden) Aufsatz „Is IT Reasonable to Regret Things One Did?“ im Kern davon ausgeht, dass man schlechte Taten nicht bereuen sollte. Das macht die schlechte Tat weder ungeschehen noch besser und man selbst ändert sich auch nicht. Man leidet darunter – aber das führt nur dazu, dass auf eine schlechte Tat eine weitere schlechte Tat folgt.

Nein, ich denke, ich sollte einfach anerkennen, dass ich bis dato schlecht gehandelt habe. Statt ein schlechtes Gewissen zu haben, will ich vielmehr aufhören, schlecht zu handeln. Ein Schritt dahin ist, sicher erst einmal zuzuhören, bevor ich emotionalisiert zu den Waffen greife und meine, mir zufällig zugefallene und überpriviligierte Männlichkeit verteidige. Das wird, wohl oder übel, noch ein recht langer, harter Weg. Immerhin reden wir hier vom Ausbruch aus dem Sozialisationsgefängnis. Etwas, das für Bourdieu unmöglich war, da man seinen Habitus immer und überall mitschleift.

Unmöglich? Erfahrungsgemäß ist etwas nur so lange unmöglich, wie man denen glaubt, die behaupten, dass es so sei. Denn solange man das glaubt, probiert man es gar nicht erst aus.

Ich will kein Feminist werden. Ich will mein Gerechtigkeitsdefizit beheben.

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Wie ich ja schon angekündigt hatte, habe ich nun einen Monat ohne Facebook zugebracht. Eine, wie ich fand, höchst entspannende Zeit. Um ehrlich zu sein: Ich hab’s nicht wirklich vermisst. Interessanter ist daher, wie mein erweiterter Bekanntenkreis so reagiert hat. 🙂

Eine hat sich tatsächlich nach einer Woche gemeldet und gefragt, ob denn alles OK wäre. Ich plötzlich offline? Da kann was nicht stimmen. Natürlich kam das per Facebook-Nachricht. Meine Antwort per SMS wurde ebenfalls wieder per Facebook-Nachricht beantwortet. Danach herrscht Schweigen.
Ganz ähnlich verhielt es sich mit einer anderen Bekannten. Die meldete sich via Facebook, ich antwortete per SMS, dass ich derweil keine Lust hätte, dass Onkel Zuckerberg meine private Kommunikation vollüberwacht – und der Rest ist Schweigen. Keine weiteren Reaktionen mehr (auch nicht, als ich dann später mal wieder die eine oder andere SMS schickte).

Der überwiegenden Großteil meines erweiterten, virtuellen, Bekanntenkreises verhielt sich geradewegs so wie üblich. Kommt nichts, was sie „liken“ oder kommentieren können, nehmen sie es offenbar gar nicht erst wahr. Und das, wovon ich meine, dass es „like- und kommentarwürdig“ wäre, wurde über die letzte Zeit hinweg ohnehin ignoriert.

Aber was sagt mir das nun? Es sagt mir, dass Facebook dergestalt in die private Kommunikation eingebunden zu sein scheint, dass viele gar keinen anderen Weg mehr benutzen (wollen). Es sagt mir aber auch, dass sie vermutlich gar nicht wissen, dass alle Nachrichten, die man so schreibt, analysiert und ausgewertet werden. Bis vor kurzem wusste ich auch noch nicht, dass Facebook einen „Happiness-Index“ hat, nach dem die aktuale Stimmung und psychologische Verfassung des Autors von Postings oder („privaten“) Nachrichten  bestimmt werden kann. Das dient dann dazu, zum ihm Werbeanzeigen zu präsentieren, die auf Produkte hinweisen, die ihn dann wieder individuell glücklich machen könnten (oder ihm psychologische Hilfe anbieten). Glaubt ihr nicht? Probiert’s doch mal aus. 🙂 Nichts leichter als das: Sucht euch einen Kommunikationspartner eurer Wahl und schreibt eine Reihe von Nachrichten in denen es um Depressionen und Selbstmordgedanken geht. 2-3 Tage sollten reichen. Danach schaltet ihr den Werbeblocker ab und lasst euch überraschen.

Deutlich wird daraus auch, dass Facebook die privaten Nachrichten wieder privat werden lassen sollte. Das diese Forderung illusorisch ist, weil sie damit dann ja kein Geld mehr verdienen, ist klar. Auf der anderen Seite scheint es genauso schwierig zu sein, die Leute dazu zu überzeugen, sich wieder auf althergebrachte Kommunikationswege zu besinnen. Auch wenn der große blaue Riese alles so schön „schnell und einfach“ macht. Es gibt aber auch noch einen dritten Weg, den ich bevorzugen werde, bis einer der anderen beiden beschreitbar wird: Mein erweiterter Bekanntenkreis wird in Zukunft schrecklich wenig Dinge von mir via Facebook erfahren. 🙂

Und es hat gar keiner gemerkt…

On 10. Oktober 2011, in Gesellschaft, Persönliches, by Ingo

Ich muss wieder einmal über Facebook und die Art und Weise wie es zwischenmenschliche Beziehungen verändert nachdenken. Auf die Idee brachte mich, mehr oder weniger unfreiwillig, eine sehr gute Freundin von mir. Sie hatte vor einer Weile mal alle ihre Einträge und Fotos bei Facebook gelöscht – und war verwundert.

„Da lösch ich alles – und eine Woche lang fällt das gar niemandem auf. Glaubste es hätte sich einer gemeldet? Ein Einziger hat sich gemeldet und gefragt, was denn los wäre…“

Für mich ist das nun nicht verwunderlich. Ich beobachte die Profile meiner Kontakte nicht und ich zähle auch nicht ihre Fotos. Und wenn mal jemand sein Profilfoto löscht, dann dauert es meist nur ein paar Tage bis er ein neues hat. All das ist für mich nichts weiter ungewöhnliches. Deutet aber auf einen besonderen Umstand hin:

Wir sind es offenbar gewohnt, mit unseren „Freunden“ (Facebook-Kontakte sind selten echte Freunde) in Echtzeit zu kommunizieren. Zumindest von denen, mit denen wir regelmäßigen Kontakt haben, erwarten wir, dass wir bemerkt werden. Und das in recht kurzer Zeit. Wie war das eigentlich früher? Da haben wir uns alle noch in unregelmäßigen Abständen getroffen, uns Fotos gezeigt und über allerlei Erlebnisse geplaudert. Das alles fällt jetzt weg. Denn wir laden unsere Fotos sofort hoch, bekommen Kommentare dazu (oder auch nicht) und haben uns erschreckend wenig zu erzählen.

Wenn ich mal ernsthaft darüber nachdenke: Wie viel Kommunikation findet ernsthaft statt? Nachdem man alle Spiele (FarmVille und Co.) blockiert hat, weil die „Freunde“ nichts weiter von sich geben, als die Anforderung von irgendwelchen grünen Kühen, Holzbalken für Schweineställe oder Eier unbekannter Herkunft – nicht mehr sehr viel. Hin und wieder spamt jemand einen blöden, schmalzigen Spruch. Zeitweise meldet jemand, wo er war und was er da gemacht hat. Und hin und wieder kommt eine Sammlung von Partyfotos, auf der Menschen abgebildet sind die man nicht kennt, welche sich in einem Zustand befinden, in dem man nicht sein möchte. Aber sonst? Erschreckend wenig ernsthafte Kommunikation. Erschreckend wenig Austausch.

Gehe ich nun also vom reinen Nutzwert aus… nun ja… dann kann ich sagen, dass Facebook im Großen und Ganzen völlig unnütz ist und ich es vermutlich nur auf Grund des Gruppendrucks nutze. Man „muss halt dabei sein“.

Irgendwie ist das jetzt gerade noch ein Grund mehr, den Account da zu löschen. 🙂

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Heute Mittag im Fitnessstudio nervte mich mal wieder eines der älteren Mitglieder. Er ist 77 Jahre alt, durchaus nicht unsportlich, hat aber die absolut nervtötende Angewohnheit sich mit jedem sofort „gut Freund“ sein zu wollen. Kommunikation wäre ja so wichtig, Sport wäre ja eine Gemeinschaftssache, man müsste ja alles mehr als Miteinander betrachten. Solcherlei Dinge.

Nun, es ist nicht meine primäre Intention Sport zu treiben um neue Freunde zu finden. Genauso wenig will ich mich mit den Leuten dort unterhalten oder etwas gemeinsam haben. Ich will lediglich meine Energiebilanz ausgleichen – und dazu brauche ich die Maschinen, nicht die Menschen.

Wie auch immer, ich ignoriere diesen armen, alten Mann einfach – und habe durchaus überdeutlich gemacht, dass ich weder an Gesprächen mit ihm interessiert bin, noch daran, mich irgendwie mit ihm anzufreunden. Das scheint allerdings wenig erfolgreich gewesen zu sein, denn erst vorhin nötigte er mir wieder ein Gespräch darüber auf, dass man ja wenigstens grüßen müsste.

Ich hätte keinen Anstand und man müsste sich ja anpassen und es wäre meine verdammte Pflicht, die Leute in meiner Umgebung zu beachten. Abgesehen davon, dass mich der alte Mann wieder einmal ziemlich aufgeregt hat (und im Grunde jeden anderen im Studio auch nervt, sich nur niemand wirklich traut, ihm das zu sagen), fühle ich mich veranlasst, über Pflichten nachzudenken.

Ist es also meine Pflicht, jemanden zu grüßen und zu beachten, den ich nicht mag? Ja, dessen gesamte Art mich im Grunde abstößt? Und wenn es eine solche Pflicht gäbe, wie würde dann ein Verstoß dagegen sanktioniert?

Ein kurzer, und nich unbedingt genauer, Blick in das Historische Wörterbuch der Philosophie bescheinigt, dass Pflichten etwas mit Gemeinschaft zu tun habe. Man muss also schon etwas mit jemandem gemeinsam haben, damit man verpflichtet sein kann. Und Pflichten beziehen sich damit auf einen sozialen Kontext. Da ich nun überhaupt nichts mit dem guten Mann gemeinsam habe und das auch gar nicht will, fehlt hier schon die Basis für eine Verpflichtung.

Ließe sich dann aber eine soziale Pflicht konstruieren? Ist man verpflichtet, Menschen zu begrüßen, auch wenn man sie nicht mag, weil es der soziale Druck gebietet? Ja und nein. Einerseits sind Exklusionseffekte wohl oder übel die Sanktion für das Unterlassen eines Grußes. Andererseits lässt sich aber auch keine „starke“ Pflicht ableiten, weil sonst jeder jeden anderen zu jeder Zeit grüßen und beachten müsste. Das ist im gewöhnlichen Rahmen des menschlichen Zusammenlebens geradezu unmöglich. Man bedenke, wie es sich auswirken würde, wenn in einer vollen Innenstadt am Samstagnachmittag jeder erst einmal jeden anderen begrüßen müsste. Man würde nicht mehr dazu kommen, die eigentlichen Erledigungen zu machen.

Also kann die, vorläufige, Antwort nur lauten, dass ich keinerlei Pflicht sehe, mich mit dem nervigen alten Mann näher zu beschäftigen. Es wäre vermutlich lediglich „nett“ von mir. In Anbetracht der Tatsache, dass ich mich dabei allerdings durchaus nicht wohl fühlen würde und es keinen Zwang dazu gibt, mich unwohl fühlen zu müssen, werde ich also auch weiterhin darauf verzichten. 🙂

 

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