Offline durch Router-Freiheit

On 3. September 2016, in Internet, Jammern, Persönliches, by Ingo

In letzter Zeit scheinen sich meine Beiträge über meinen Lieblings-Internetanbieter zu häufen. Das scheint aber nur so. Meist hab ich jahrelang kein Problem und fühl mich total wohl. Na ja – meist will ich ja auch nichts vom Kundenservice.

Seit dem 01.08. herrscht Router-Freiheit. Prinzipiell kann man damit also jedes beliebige Endgerät betreiben. Im Prinzip heißt das, für alle, die jetzt keinen ewig langen Text lesen wollen:

Kauft euch eine Kabel-Fritz!Box, meldet sie an – 30 Minuten später läuft sie.

Meine Geschichte ist weitaus komplizierter und nervenaufreibender gelaufen. Bis ich mir dann als Ultima Ratio doch eine Kabel-Fritz!Box gekauft habe.

Montag

Montagabend kam ich auf die Idee, ich könnte doch mal wieder den Kundendienst fragen, wie es sich denn mit der Connect-Box und dem Bridge-Modus verhält. Soll ja, laut Internetseite, möglich sein, den freizuschalten. Vor ein paar Wochen war das noch nicht so ganz klar – also dachte ich, lass ich allen mal einen guten Monat Zeit, um Erfahrungen zu sammeln und zu gucken, wie das alles denn so funktioniert.
Also rief ich an, hatte direkt eine freundliche, fitte junge Dame am Apparat, die fragte, was sie denn für mich tun könnte.

„Den Bridge-Modus freischalten – das würde schon reichen.“

„Aber sehr gern, mach ich sofort.“

„Brauchen Sie dafür noch irgendwas? Vielleicht die MAC-Adresse oder sowas, damit Ihr System mein Gerät erkennt oder braucht es das gar nicht? Soll ja nur als Router dahinter laufen…“

„Oh, ja, geben Sie die mal her. Also Seriennummer und MAC-Adresse bitte.“

Also diktierte ich Seriennummer und MAC-Adresse – und genau ab diesem Moment lief dann alles schief. Wie auch immer hieß es, im Laufe des Abends, spätestens morgen, sollte dann alles laufen.

Dienstag

Ein seltsam grünes Licht begrüßte mich an der Connect-Box. All zu viel teilt einem die kleine Kiste ja nicht mit. Rot heißt, dass da irgendwas nicht stimmt, weiß heißt „alles OK“. Aber grün? Grün war neu. Also machte ich den Rechner an und stellte fest, dass der offenbar keine Internetverbindung bekam. Ok – alte IT-Weisheit: Machs’s mal aus und wieder an… also mal Connect-Box und Fritz!Box dahinter neugestartet. Kein Effekt. Na gut. Also vielleicht mal alles auf Werkseinstellungen zurücksetzen und noch mal neu synchronisieren lassen? Auch das half nicht.

Immerhin: Die Connect Box lies mich jetzt wählen zwischen „Router“ und „Modem“ – ich konnte jetzt also hin und her schalten, nachdem ich die Werkseinstellungen wiederhergestellt hatte. Aber auch nur für einen kurzen Moment, dann schaltete sie einfach die Netzwerkverbindung ab und ließ keine Einstellungen mehr zu…

Ergo: Ein neuer Anruf beim Kundenservice. Diesmal hatte ich einen ziemlich unfreundlichen Mitarbeiter am Apparat.

Ich fragte also, was da schief gelaufen sein könnte. Gestern hatte ich ja beauftragt, den Bridge-Modus freizugeben, damit die Connect Box nur noch als Modem fungiert und meine Fritz!Box den ganzen Rest machen kann.

„Das geht nicht. Das funktioniert gar nicht.“

„Äh – aber ich habe doch eben gesehen, dass ich den Modus jetzt umschalten kann? Es kommt nur halt kein Netz durch und die Kiste schaltet sich ab.“

„Nein, da haben Sie was falsch verstanden, die Connect Box kann keinen Bridge-Modus. Moment. Ich frag mal eben bei der Fachabteilung nach.“

„Hören Sie? Nein, also das geht wirklich nicht. Der Bridge-Modus wird von unseren Servern blockiert und damit können Sie dann keine anderen Geräte dahinter anschließen.“

„Aber das habe ich doch gestern erst beauftragt? Was haben Sie denn da nun eigentlich gemacht?“

„Keine Ahnung. Hier steht nichts drin…“

(Mittlerweile genervt.) „Na dann stellen Sie mich doch einfach zu jemandem durch, der Ahnung hat!“

Zack. Aufgelegt.

Meinen kurzen Wutanfall konnte die Viertelstunde Wartezeit an der Hotline nach erneutem Anrufen dann abkühlen. Der nächste Mitarbeiter war dann entspannter.

Stellt sich raus: Man hatte meine Fritz!Box als Kabel-Fritzbox mit Modem eingetragen – und das gleich doppelt, sodass es zu einem Konflikt kam. Ich meinte, dass das gleich dreifacher Unsinn wäre – zum einen hab ich ja nur eine Fritz!Box und zum anderen hat die kein Modem. Die Connect Box soll als Modem fungieren – nicht mehr und nicht weniger.

Ok, das würde korrigiert werden. Allerdings wäre es nicht ganz so einfach, ein Gerät wieder aus dem System zu löschen. Und ich könnte das Gerät dann auch nie wieder benutzen, denn das würde dann auf ewig als Modem gesperrt werden. Na ja – kein Problem, die Kiste hat ja gar kein Modem. Und was dann hinter der Connect Box passiert, scheint dem System mehr oder weniger egal zu sein. Wie dem auch sei: Morgen im Laufe des Tages soll alles wieder laufen.

Mittwoch

Immer noch das heimelige smaragdgrüne Leuchten an der Connect Box. Immer noch kein Internet. Neuer Anruf bei der Hotline – mittlerweile schon etwas genervter.

Schlagworte wie: „Hier sind alle Aufträge abgearbeitet, ich habe nichts mehr offen“ fielen – zusammen mti dem Hinweis, dass da ja meine Fritz!Box als Router angemeldet ist und die Connect Box auf Rücksendung steht. Ich hätte ja jetzt einen eigenen Router dran.

Auch das war ja wieder Unfug. Ich hatte doch gestern erst den Irrtum mit der Fritz!Box aufgeklärt und gehofft, dass sich die Connect Box einfach nur als Modem nutzen lässt. Alternativ hatte ich auch noch ein Modem im Keller rumliegen. Das würde dann angeblich auch funktionieren. Aber gut, erstmal müsste jetzt mal ein Ticket aufgemacht werden, damit die Fritz!Box da aus dem System kommt und die Connect Box wieder anspringt. Sollte im Laufe des Abends laufen, spätestens morgen. Ok. Also noch einen Tag warten.

Donnerstag

Das grüne Lichtlein an der Connect Box ließ mich schon vermuten, dass es auch diesmal nicht funktioniert hat. Diesmal war sie immerhin wieder an und ich konnte Einstellungen (Einstellungen an der Connect Box.. welch Hohn, es überhaupt so zu nennen!) vornehmen. Dass die Config-Datei „no-service.bin“ hieß, verhieß schon nichts Gutes…

Ihr werdet’s erraten haben: Ein neuer Anruf beim Kundenservice. Mittlerweile hatten die meine Nummer gespeichert und brauchten nicht einmal mehr Name oder Kundennummer. Ob so ein Bekanntheitsgrad nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt… Diesmal lief das etwa so:

„Ich hatte gestern die Zusage bekommen, dass spätestens heute alles wieder laufen würde, nachdem Sie dann endlich die fälschlicherweise eingetragene Fritz!Box wieder gelöscht und die Connect Box wieder angeknipst haben. Was ist denn diesmal schief gelaufen?“

„Ja, wees ick auch nich… also hier is jetzt mal keen Auftrag.. Moment. Also ick wees nich, ob da wer wat schief geguckt oder schief gedacht hat… aber scheinbar haben die die Dienste von der Connect Box gelöscht. Die steht hier auch auf Rücksendung im System.“

„Ja – ich weiß. Das sollte aber spätestens seit Dienstag nicht mehr der Fall sein. Da hatte ich schon aufgeklärt, dass das Unsinn gelaufen ist und dass das eigentlich so nicht gehört… also – buchen Sie die Dienste da doch bitte einfach wieder drauf. Und als Modem. Lassen Sie den Bridge-Modus an. Ich will die Connect Box als Modem und die Fritz!Box als Router benutzen…“

„Ja, ich kiek mal.. also alle Ihre Geräte unterstützen den Brige-Modus.. klar.. keen Problem, det kriejen wa hin. Sollte dann heute oder morgen wieder laufen. Guckense einfach kurz vom Schlafengehen noch mal nach, dann is eigentlich alles wieder da.“

Nun. Nein. Im Laufe des Abends passierte gar nichts.

Freitag

Am nächsten Morgen strahlte mir immer noch ein fröhliches grünes Lichtlein entgegen (für mich ein klares „Ich habe keine gebuchten Dienste“-Zeichen) – und so schrieb ich dann eine böse E-mail über das Kundenseviceportal, dass ich jetzt nach vier Tagen überhaupt kein Verständnis mehr für irgendwelche Irrtümer, Fehler oder Geduldsspielchen hätte… die sollen einfach nur die Dienste wieder buchen und den Bridge-Modus aktivieren und gut ist. Bis heute Nachmittag. Ende mit netter und verständnisvoller Kunde.

Nachmittags strahlte mir immer noch ein höhnisches grünes Licht entgegen. Ich dachte mir: Vielleicht hilft ein Neustart? Nein – tat’s nicht… also noch mal Anruf beim Kundenservice.

Stellt sich raus: Ok – die Dienste hätten gebucht werden sollen, aber es gab einen Provisionierungsfehler. Das steht jetzt auf manuell bei einem Kollegen von der IT. Läuft aber noch. Also auf keinen Fall die Connect Box ausschalten oder neustarten, sonst läuft’s ja wieder auf einen Fehler.

Ok. Ich habe also einen kleinen Spaziergang gemacht, bin einkaufen gegangen – und als ich wieder da war? Genau! Weißes Licht! Alles wieder online! Hurra.

Fast.

Leider hatten sie mit der Dienstebuchung auch den Bridge-Modus wieder abgeschaltet.

Ich war kurz davon jemanden sehr laut und sehr unfreundlich anzuschreien. Oder einfach in Tränen auszubrechen.

Also noch mal Anruf beim Kundenservice. Gefragt, was denn das nun wieder soll und ob es da wirklich ein technisches Problem gibt, den Bridge-Modus zu aktivieren, um ein Gerät dahinter zu betreiben? Scheinbar führt das ja immer irgendwie dazu, dass die Dienste von der Connect Box gelöscht werden… die sollen mir das einfach sagen, wenn’s ein Problem gibt – dann hab ich spätestens eine Stunde später eine Kabel-Fritz!Box am Start und dann können sie ihre Dienste draufbuchen und die Connect Box abschalten… meinetwegen. Aber vier Tage offline sein, nur weil man endlich von der versprochenen Router-Freiheit gebrauch machen will, ohne sofort neue Hardware kaufen zu müssen, wäre schon echt hart…

Einen kurzen Moment später, Rückruf vom Kundenservice. Es wäre tatsächlich besser, eine eigene Kabel-Fritz!Box anzuschließen. Das würde weniger Probleme machen.

Ok. 45 Minuten später hatte ich eine Kabel-Fritz!Box gekauft und angeschlossen, noch mal 10 Minuten Warteschleife – und die gleiche fitte, freundliche junge Dame vom ersten Mal am Apparat. Diesmal dürfe sie eine echte Kabel-Fritz!Box freischalten. Klar. Macht sie doch glatt. MAC-Adresse und Seriennummer diktiert, noch mal abgeglichen… „In etwa zwei bis drei Stunden ist die freigeschaltet.“

20 Minuten später lief sie. Ich konnt alles einrichten, was ich brauchte. Frieden und Glückseligkeit stellten sich ein, Engelschöre sangen schönste Lieder. Und ich brauchte dringend Bier.

Fazit

Wer nun also glaubt, Router-Freiheit wäre einfach – joa.. ist sie. Man muss sich nur einen eigenen Router kaufen. Oder darf auf keinen Fall die MAC-Adresse mitteilen, wenn man einen DSL-Router hinter einem Kabel-Modem betreiben will (und so Dinge wie VPN und Co. nutzen möchte).

Heute Mittag rief mich eine freundliche junge Dame an, hatte meinen Blog gelesen und fragte sich, wie ich es denn nun genau geschafft hätte, das UnityMedia-Netflix-Problem zu lösen. Wie sich herausstellte, habe ich doch einiges an Nachforschungen angestellt, die für Menschen mit weniger technischem Verständnis nur schwer nachvollziehbar sind – und vor allem habe ich all meine Nachforschungen dazu auch noch gar nicht veröffentlich.

Nun – Zeit, das zu ändern. Ich blogge ohnehin sträflich selten in letzter Zeit. Hier nun also die (hoffentlich für alle) nachvollziehbare Lösungsstrategie, wie man UnityMedia dazu bekommt, den Anschluss auf IPv4 zurückzustellen.

Ich hoffe, dass in Zukunft die großen Dienste komplett auf IPv6 umstellen, damit dieser DSLite-Hinkefuß bald der Vergangenheit angehört. Bis das soweit ist, muss man dafür sorgen, dass die Verbindungen, die man bisher genutzt hat, auch funktionieren.

Das Problem

Seit über 20 Jahren geistert die Spezifikation für IPv6 herum – aber es wird aktuell von erkläglich wenig Diensten effektiv benutzt (jetzt mal von Google und Facebook abgesehen). Aktuell laufen so gut wie alle gewöhnlichen Geräte, die man sich so kaufen kann mit IPv4. Und da mittlerweile der alte Spruch aus den 90’ern „The internet is full, go home!“ langsam aber sicher wahr wird, werden die Geräte und Programme nach und nach von IPv4 auf IPv6 umgestellt. Schließlich gibt es immer mehr und mehr Geräte.

IP? Hab ich schon mal gehört – aber was ist das jetzt eigentlich?

So einfach wie möglich ausgedrückt: So etwas wie eine Telefonnummer, mit der euer Gerät im Internet erreichbar und erkennbar ist
Stellt euch das Internet wie ein gigantisch großes Telefonbuch vor in dem lauter Nummern stehen. In der alten Schreibweise haben die aber viel kürzere Nummern. Ihr erinnert euch sicher noch daran, als ihr das letzte Mal eure Oma angerufen habt, die schon seit über 40 Jahren Telekom-Kundin ist und noch eine vierstellige Telefonnummer hat… in etwa so ist das auch mit den IP-Adressen: Früher hat man nicht damit gerechnet, dass es mal so viele Geräte geben wird, also brauchte man nur kurze Nummer. Mittlerweile sind aber fast alle kurzen Nummern vergeben, somit braucht es eine neue Schreibweise – längere Nummer – mit denen dann wieder neue IP-Adressen vergeben werden können.

DSLite – die Wurzeln allen Übels

Wenn jetzt jemand mit einer alten Nummer jemanden mit einer neuen Nummer anrufen will, hat der für gewöhnlich kein Problem. In der Mitte steht eine Vermittlungsstelle, die das übersetzen kann. Bei IP-Adressen gibt es so etwas auch – das nennt sich „aftr-Router“ und steht beim Internetanbieter herum. Der macht die ganze Zeit nichts anderes, als die IPv6-Adresse des Kunden in eine IPv4-Adresse nach Außen zu übersetzen, damit ein Dienst, der noch kein IPv6 versteht, das entsprechend verarbeiten kann.
Hier gibt es dann nur ein Problem: Der Router weist meist ein paar Tausend Kunden die gleiche IPv4-Adresse zu und der Dienst ist dadurch völlig verwirrt.

Stellt euch vor, ihr würdet am Tag ständig von der gleichen Telefonnummer angerufen werden, aber es ist immer jemand anderes am Apparat. Das macht euch Kopfzerbrechen. Und nicht nur euch – so einem Webserver auch. Ihr wollt ja wissen, wer da anruft – und wenn das immer die gleiche Nummer aber immer jemand anders ist, dann geht ihr irgendwann nicht mehr ans Telefon. Sowas macht der Server dann auch: Er weiß nicht mehr genau, mit wem er spricht und lehnt die Verbindung ab.

Netflix – ein Spezialfall

In diesem Fall hatte ich sowohl zu Technikern von Netflix als auch von UnityMedia Kontakt und habe mehr oder weniger Stille Post gespielt. Dabei kam ich zu folgender Erkenntnis:

Alle Server von Netflix laufen nativ auf IPv6. Es sollte also kein Problem mit UnityMedia geben. Natürlich gibt es ein Fallback auf IPv4 für beispielsweise mobiles Streaming.

Und genau da ist der Haken: Der aftr-Router von UnityMedia spricht mit dem Login-Server von Netzflix. Statt nun aber die native IPv6-Adresse zu nutzen, übersetzt er die des Kunden in eine IPv4-Verbindung (das passiert übrigens auch, wenn man das gesamte private Netzwerk auf IPv6 umgestellt hat – ich hab’s ausprobiert…). Der Login-Server von Netflix kann nun aber den Nutzer nicht mehr korrekt identifizieren – weil es ja mehrere Tausend Leute gibt, die sich hier jetzt eine Adresse teilen. Also weist er die Anmeldung zurück und kommentiert das mit „Fehler NW-2-5“. Man könnte auch sagen: Er knallt genervt den Höher auf die Gabel, weil schon wieder die gleiche Nummer anruft und irgendjemand anders dran ist.

Sowohl bei Netflix als auch bei UnityMedia ist das Problem bekannt. Man sagte mir bei Netflix (die haben übrigens einen absolut grandiosen Kundenservice!) ss gäbe gemeinsame Teams, die hier schon an einer Lösung arbeiteten. Es gäbe nur hin und wieder mal Querelen, weil UnityMedia mit Maxdome ja einen eigenen Streaming-Dienst anböte und die Konkurrenz im eigenen Netz unterstützen – naja, scheinbar finden die das ein wenig uncool und lassen sich Zeit damit. Scheinbar machen die Kunden da auch nicht unbedingt all zu viel Druck. Der Netflix-Kundendienst hat zumindest wöchentlich mit hunderten von UnityMedia-Kunden zu tun, die keine Verbindung bekommen und dene sie immer das gleiche erzählen können: „Tut uns leid, ist nicht unsere Schuld…“

Ein einfacher Beleg, um herauszufinden, dass es am Internetanbieter liegt: Einen Hotspot über das Handy öffnen (das hat aktuell immer IPv4 und es kommt nicht zu Zuordnungsproblemen), den Fernseher über Wifi mit dem Handy verbinden und dann Netflix starten. Wenn das dann problemlos funktioniert: Voilà – Problem erkannt.

Nicht das einzige Verbindungsproblem

Bei meiner Untersuchung habe ich herausgefunden, dass Netflix nicht die einzige App ist, die gestört war. Ihr könnt also untersuchen, was sonst noch in eurem W-LAN gestört ist und was bisher problemlos funktionierte.

In meinem Fall waren folgende Geräte und Apps betroffen:

Withings SmartBody Analyser (Wifi-Waage): Immer wieder Verbindungsprobleme, bishin keine Verbindung/Synchronisation möglich.

Garmin fenix 3 HR (Sport-Smartwatch): Verbindet sich zwar mit dem W-LAN, synchronisiert aber effektiv nur über das Mobilfunknetz.

Smartphone-Apps (verschiedene – als Beispiel hier auch die Withings-App oder MyFitnessPal): Verbindung nicht möglich, keine Synchronisation. Funktioniert tadellos über das Mobilfunknetz, nicht über das W-LAN im UnityMedia-Netz.

Drucker (HP OfficeJet Pro 8620): Seit der Umstellung im Dezember Abstürze, sobald er online geht. Ich musste mir hier eine eigene Fritzbox zulegen, damit das Gerät wieder eine Wifi-Verbindung bekommt und die Online-Dienste fehlerfrei funktionierten

PS3, PS-Vita, Xbox 360 und PS4: Keine Verbindung zu Online-Diensten, Updates schlagen fehl, Downloads sind unmöglich. Einstellungen an den MTU-Größen bei der PS3 ändern daran nicht viel – allein die Verbindung über den eigenen Router versprach ein kleines bisschen Besserung, ständige Verbindungsabbrüche kamen trotzdem vor.

VPN-Verbindungen: Sobald ich eine VPN-Verbindung mit dem Firmen-Netz aufbauen wollte, stürzte der UnityMedia-Router sang- und klanglos ab und startete neu. Noch mal auf die Schnelle wichtige Daten austauschen, die nicht bis zum nächsten Tag im Büro warten können – keine Chance.

Ihr könnt Apps auf folgende Art und Weise testen:

1. W-LAN am Handy abschalten
2. Aus der App im Mobilfunknetz ausloggen
3. W-LAN wieder einschalten
4. In der App einloggen

In meinem Fall kam es dann zu Verbindungs- und Synchronisationsproblemen. Ist das bei euch auch der Fall, schreibt diese Apps und die Verbindungsprobleme auf.

Lösungsfindung mit UnityMedia

Eins muss ich ihnen lassen: Sie sind um eine Lösungsfindung ernsthaft bemüht! Es hat mich ein wenig Zeit und Nerven gekostet alles zu Recherchieren (ich habe Netflix, Sony und UnityMedia über Wochen hinweg mit Anfragen und Hotline-Telefonaten genervt…), aber ich kann nicht sagen, dass ich unzufrieden bin. Im Gegenteil: Wenn man allen Beteiligten alle Informationen zur Verfügung stellt, dann sind sie recht schnell dabei eine konstruktive Lösung zu finden. Auch wenn meine letzte Mail schon sehr genervt war.

1. Störung melden

Über das Kontaktformular im UnityMedia-Kundencenter könnt ihr eine Störung melden. Dort tragt ihr zusammen, welche Apps bei euch gestört sind. Meist ist es übrigens die Netflix-App. Die Website lässt sich grundsätzlich problemlos aufrufen. Darauf solltet ihr euch übrigens nicht einlassen. Weil, mal ehrlich: Wer stellt sich denn schon einen Fernseher im Wert eines Kleinwagens ins Wohnzimmer und guckt dann am „kleinen“ PC-Monitor in schlechterer Auflösung? Genau… niemand. 😉

Wenn ihr dann alle Verbindungsstörungen aufgelistet habt, bittet ihr um eine Umstellung auf IPv4, da sich hiermit die Verbindungsprobleme beheben lassen.
Hilfreiche Links, die ihr dazu noch lesen und ggf. auch mit in die Störungsmeldung einfügen könnt, hättet ihr z. B. hier:

https://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=1548544
http://stadt-bremerhaven.de/netflix-und-unitymedia-ausgesperrt-ohne-vpn/
https://help.netflix.com/de/node/14424

2. Kontakt mit dem Kundendienst

Innerhalb kürzester Zeit bekam ich einen Anruf auf die Fehlermeldung hin, dass man mir einen Techniker schicken wollte. Wie gesagt: Wenn es um Störungsbeseitigung geht, sind die Jungs von UnityMedia echt schnell – da kann man nicht meckern.

Der Techniker wird da nicht viel tun können, da das Problem ja der aftr-Router von UnityMedia ist und nicht in eurem Haus oder an eurer Konfiguration liegt. Aber es kann nicht schaden, ihn kommen zu lassen. In meinem Fall hat er tatsächlich einen Fehler am Kabelverstärker im Keller gefunden. Und wenn er nett ist und ihr auch zu ihm, dann tauscht er euren alten Ubee- oder Technicolor-Router als defekt aus und stellt euch eine Connect-Box hin. Warum das eine gute Idee ist?

Nun ja, weil: http://www.golem.de/news/unitymedia-kritische-sicherheitsluecken-in-zehntausenden-zwangsroutern-1607-122068.html

3. Mir wird eine Horizon-Box angeboten. Soll ich das annehmen?

Ganz klar: Nein! Das ist nur mit einer höheren Monatsgebühr und einer Vertragsverlängerung verbunden. Netflix funktioniert dann, weil die Horizon-Box nur IPv4 kann (euer Anschluss wird dann also automatisch umgestellt) – aber ihr wollt ja nicht mer bezahlen als unbedingt nötig, oder?

4. Die stellen sich quer! Soll ich mit Kündigung drohen?

Das wäre seltsam, denn ich kann wirklich nicht sagen, dass sich UnityMedia tatsächlich weigert das Problem zu lösen. Es hat eine ganze Weile gedauert – aber nachdem ich all meine Informationen in eine zugegebenermaßen nöselige Mail gepackt hatte, rief mich einen Tag später der Second-Level-Support an, verkündete, dass man meinen Anschluss wieder auf IPv4 umstellen würde – und schon am selben Abend, nur ein paar Stunden später, liefen alle Verbindungen wieder genau so, wie ich es erwartete.

Also: Wenn’s denn unbedingt sein muss und ihr wirklich total genervt seid… ich kann euch ja nicht davon abhalten.

5. Ich soll auf IPv4 umgestellt werden – habe ich damit jetzt irgendwo anders ein Problem?

Nein. Im Gegenteil: Die meisten „alten“ Geräte und Programme in eurem Leben werden ohnehin noch IPv4 sprechen. Vermutlich funktionieren dann sogar mehr Sachen als vorher. Und Geschwindigkeitsverluste gibt es auch nicht.

So. Ich hoffe, das hilft all jenen weiter, die erstmal nicht so genau wissen, wo eigentlich das Problem ist und die von einem Kundenservice zum nächsten geschickt werden.

Übrigens: Seid nett zum Kundenservice. Die haben ihre festen Zeitvorgaben, in denen sie Kunden abgefertigt haben müssen, Ablaufprotokolle, nach denen Fehler gesucht werden müssen und jeden Tag haufenweise Stress. Selbst wenn ihr euch gerade ärgert – die können nichts dafür. Fasst die Fehlermeldungen lieber sachlich zusammen und recherchiert ggf. noch mal alle Ursachen und Quellen. Es hilft viel mehr, Daten und Fakten zu liefern, statt sich zu ärgern und den Ärger an anderen auszulassen. 🙂

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So ein bisschen war ich ja schon darüber erstaunt, dass UnityMedia einen Techniker rausschickt, obwohl die eigentlich ein internes Routing-Problem haben. Der Techniker übrigens auch.

Techniker: „Klar, es ist bekannt, dass die da ein Problem haben. Die schicken aber lieber einen von uns, weil wir billiger sind, als sich um ihre Server zu kümmern.“

Ich: „Joa. Offenbar haben die da ein Problem mit dem DualStack von IPv6 auf IPv4. Irgendwas läuft da nicht richtig. Vielleicht hilfts, wenn im August dann der Routerzwang wegfällt und die die Zugangsdaten rausrücken müssen.“

Techniker: „Das können Sie vergessen. Sie glauben nicht ernsthaft, dass die Ihnen irgendwas rausrücken? Vielleicht dürfen Sie dann eigene Hardware kaufen, ja, aber die Zugangsdaten? Im Leben nich…“

Ich: „Naja,  wenn ich recht überlege – am DSLite-Anschluss wird das eh ein Problem, da isses dann ja  auch egal, welche Router/Modem-Kombi da hängt, der Anschluss ist ja das Problem…“

Techniker: „Joa und das können Sie nur über die extra teure Horizon-Box lösen, denn die kann im Prinzip kein IPv6 – oder Sie machen solange Druck, bis die Ihnen den Anschluss wieder umstellen. Ich kann Ihnen auch einfach mal den Router tauschen, das Ubee-Ding ist das schlimmste, was die jemals auf den Markt gebracht haben – die ConnectBox kommt deutlich besser mit IPv6 klar.“

Ich: „Naja, die haben sie mir ja geschickt – und ich hab Sie wieder zurückgehen lassen, weil ich dachte, dass ich’s nicht brauche, denn in der aktuellen Konfiguration läuft ja alles. Mehr oder weniger.“

Facepalm.

Wie sich dann aber herausstellen sollte, gab es zusätzlich dazu auch noch ein Problem am Verstärker im Keller. Der leuchtete in wundervollem rot und sorgte dafür, dass der Upstream der Modems gestört war. Laut Techniker wäre der in den nächsten Tagen komplett verreckt – also hat er ihn getauscht.

Nachdem der dann nun aber etwa drei bis vier mal rein und raus gelaufen war und feststellte, dass die Modems im Haus immer noch keine guten Werte brachten und baute sowohl einen neuen Vorverstärker als auch einen neuen Verteiler und einen neuen Übergabeknoten ein. Alles neu – Hurra.

Netflix bekommt immer noch keine Verbindung – aber das wusste ich ja schon vorher…

Die Aussage, dass sich die UnityMedia-Techniker mit den Netflix-Technikern mal zusammensetzen wollen, um eine Lösung zu finden, ist übrigens auch nicht neu.

Hier zum Beispiel wird das Problem ganz gut aufgegriffen: http://www.markusbrunner.de/news-detail/unitymedia-amazon-firetv-die-netflix-app-und-der-ui-113-fehler.html

Und noch mehr technische Details dazu finden sich hier: https://gist.github.com/jalogisch/62d5a3df39932dda2541#file-netflix-unitymedia-customer-hell

Aktuell scheinen sich also die Parteien die Bälle bzw. die Kunden hin und her zu werfen.

Es bleibt bei „der Techniker ist infomiert“ – mal sehen, ob sich eine Lösung findet oder ob ich es schaffe, auf IPv4 zurückgestellt zu werden. Das hat mir ja nun nicht nur den Drucker sondern nun auch noch Netflix unbrauchbar gemacht. So insgesamt kann das keine Lösung sein. Ich werde es mir nun also auf die Fahnen schreiben, in den nächsten Wochen sowohl bei Netflix als auch bei UnityMedia nachzuhaken, bis einer von beiden das Problem gelöst hat. Ich bin ja nicht der Einzige, der unter diesen Netzumstellungen zu leiden hat – und die Netflix-App scheint die einzige zu sein, die damit ein Problem hat.

Fragt sich nun: Warum geht es eigentlich über den Browser? Wenn es ein Problem bei Routing ist, dann dürfte es doch auch über den Browser nicht funktionieren. Tut’s aber ganz offensichtlich – und das auch total problemlos. Dem muss ich mal nachgehen…

Nur habe ich weder Lust, meinen PC ins Wohnzimmer zu verlegen, noch kann der Browser 4k-Inhalte wiedergeben. Das wiederum geht nur über die App und die funktioniert nicht.

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Vor gar nicht all zu langer Zeit beschloss ich, dass ich Netflix endlich bequem im Wohnzimmer genießen will. Ständig vor dem kleinen Rechner hocken – auf Dauer ist das nicht so prickelnd. Also schaffte ich mir einen schönen großen Fernseher an.

Damit nahm das Unglück seinen Lauf.

So ein Smart-TV braucht, damit er mühelos funktioniert, eine möglichst schnelle Internetverbindung. Als UnityMedia-Kunde mit 100 MBit-Leitung reicht das dreimal für 4k-Streams, somit machte ich mir keine großen Sorgen.

Die erste Hürde war der Ubee-Router. Der konnte zwar (relativ) schnelles W-LAN über 5 GHz, aber eben nur einfach. Dualband? Geht nicht. Connect-Box? Nur bei Produktupgrade. Der Ubee-Router hatte mich ohnehin genervt, weil seit einem halben Jahr, nachdem UnityMedia ein Update der Firmware durchführte, mein Drucker (Officejet Pro 8620) bei Kontakt abstürzte. Eine feste IP-Vergabe hatte da zeitweise geholfen, aber eben auch nur zeitweise. Ich musste also einen neuen Router anschaffen, um zumindest die W-LAN-Geräte wieder nutzen zu können, wie gewohnt.

Also schaffte ich mir eine Fritzbox an. Die konnte zwei W-LANs gleichzeitig, machte dann auch gleich das Zuhause ein wenig Smarter (es spart schon Strom, wenn man Standby-Geräte einfach automatisiert an der Steckdose abschalten kann) und sorgte für ordentlich Dampf. Die von meinem Nachbarn empfohlenen Powerline-Adapter sorgten dann auch gleich für eine saubere Netzwerkgeschwindigkeit – alles gut, will man meinen.

Weit gefehlt.

Netflix auf dem Fernseher ist eine wundervolle Sache – wenn der Dienst nicht gebremst wird. Zunächst einmal war die Verbindungsqualität und -geschwindigkeit über W-LAN tatsächlich höher als über’s Kabel. Unglaublich? Wahr! In der Vermutung, dass Sony hier in seine Smart-TVs einfach dusselige LAN-Adapter einbaut, habe ich den Support damit ein paar Tage lang genervt. Dort war man der Ansicht, Netflix wäre schuld, schließlich ist das ja die einzige App, die nicht richtig läuft (YouTube feuerte saubere 4k in ordentlicher Übertragungsgeschwindigkeit raus).
Netflix damit konfrontiert, hieß es nur, dass man dort ja nur die Apps an die Hersteller der Geräte ausliefert – und die müssen sie dann an die Fernseher anpassen. Das wäre also ein sehr seltsames Verhalten, dass über Kabel weniger Datendurchsatz als über W-LAN kam – aber nicht die Schuld von Netflix.
Zurück zu Sony wollte man sich dem nicht weiter annehmen. Man würde ja schließlich nur die Apps einbauen, wie sie geliefert werden und ein technischer Fehler wäre nicht herleitbar, da ja immerhin alle anderen Apps und Funktionen fehlerfrei laufen.

Wie von Geisterhand funktionierte dann plötzlich alles. Es brauchte ein wenig Ladezeit – aber die Kombination aus Powerline und Ubee-Router (und später auch die Kombination Powerline – Fitzbox – Ubee-Router) führte zu sauberen Ergebnissen und Netflix in 4k.

Bis Donnerstag den 21.04.2016.

Donnerstagabend brauchte die App dann eine ganz ordentliche Ladezeit – und konfrontierte mich mit dem Fehler „NW-2-5“. Ein, wie sich herausstellen sollte, unglaublich beliebter Fehler, wenn es darum geht, IPv4 auf IPv6-Routing zu machen.

Mit diesem Fehler konfrontiert, startete ich zunächst mal den Fernseher neu (reboot tut gut) – ohne Erfolg. Dann startete ich die Powerline-Adapter neu, die Fritzbox, vergab eine neue, feste IP-Adresse, überließ die IP-Vergabe auch mal komplett der Fritzbox über DHCP, probierte eine direkte Verbindung über den Ubee-Router, opferte ein Lamm und tanzte um’s Sofa herum (Döner kann echt scharf sein), probierte Workarounds mit dem Log-in über einen Handy-Hotspot und dann das Fallback zum UnityMedia-Netzwerk… all das kostete mich die Freitagnacht, funktionierte für einen kurzen Moment – und dann nicht mehr.

Also wieder ein Anruf bei Netflix. Nach einem langen und ausführlichen Pläuschchen mit der Hotline (die Jungs nehmen sich echt Zeit und bemühen sich um eine empathische Lösungsfinden, Kompliment dafür!) stellte sich heraus: In den letzten fünf Monaten rufen tausende von UnityMedia-Kunden bei denen an. UnityMedia hat das Netz komplett auf IPv6 umgestellt (was gut ist), aber es gibt wohl ein Routing-Problem (was wiederum schlecht ist). Aussage Netflix: Wir verstehen das auch nicht so richtig, vermuten aber, dass die uns ausbremsen, denn auch unsere Server akzeptieren selbstverständlich IPv6. Von ihrer Seite aus gibt es aber keine Lösung für das Problem, denn der Dienst selbst steht ja uneingeschränkt zur Verfügung (Hotspot über Handy und die Sache verbindet ohne zu murren). Ich sollte also mal UnityMedia kontaktieren. Einige Kunden hätten schon mit Kündigung gedroht und plötzlich ging’s am nächsten Tag… aber das nur so am Rande. Ok.

Nächster Anruf UnityMedia. Das Problem geschildert (es war tatsächlich kein Unbekanntes, in den letzten Tagen kommt es wohl auch tatsächlich häufiger vor). Angeblich ist das Prüfverfahren bei Netzflix auf IPv4-Basis. Nun gibt es kaum noch freie IPv4-Adressen und bei solchen Diensten werden UnityMedia-Kunden, die nativ IPv6 haben, über einen speziellen Server geroutet, der ihnen dann einen IPv4-Tunnel zu Netflix liefert. Wenn nun aber diese IP-Adresse mehrfach vergeben ist (scheinbar gibt es nur einen recht kleinen Adressraum für UnityMedia-Kunden), dann soll das Netflix-Prüfverfahren den Kunden nicht mehr korrekt identifizieren können. Aber es soll wohl mal an die Technik zur Prüfung weitergegeben werden, eben weil es in den letzten Tagen auch häufiger vorkommt. Meine Ansage war klar: Mit einem „Wir sind nicht Schuld“ oder „Das ist Netflix‘ Problem“, um den Ball wieder zurück zu spielen, kommen sie mir nicht davon. Ich kaufe mir doch keinen Fernseher im Wert eines gebrauchten Keinwagens, um dann Kernfunktionen nicht nutzen zu können, weil irgendwo eine Routing-Tabelle nicht stimmt. Mich hat’s ja schon angekotzt, dass ich einen neuen Router kaufen musste, damit mein Drucker nicht mehr abstürzt.

Weniger Minuten später kommt ein Anruf von einem Subunternehmer. Es soll ein Techniker geschickt werden. Ich bin irritiert. Warum? Es ist doch ein Routing-Problem bei einem Server von UnityMedia und nicht meins? Was will der dann hier? Ein Blick auf die Werte ließ die Dame am anderen Ende dann aber auch ein wenig irritiert zurück. Meine RX/TX-Werte wären wohl dramatisch schlecht. Der Techniker müsste mal an die Anlage im Keller (hoffentlich findet er die).

Irritiert wie ich war, machte ich direkt mal einen Speedtest. Der sieht soweit sauber aus.

Oder hat die Übertragungsgeschwindigkeit soweit gar nichts mit der Qualität zu tun? Ich werde es in wenigen Stunden erfahren…

To be continued.

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Es begab sich zu einer Zeit, da ich meinen finalen Umzug vom Hotel, in dem ich einen Monat hofierte, in meine Wohnung plante. Da war dann nunmehr einiges zu erledigen – beispielsweise den Strom für meine alte Wohnung abmelden, den Internetanschluss ummelden und derlei Dinge mehr. Die Sache mit dem Strom war schnell erledigt – ein Telefonat und eine einfache Mail an den alten Anbieter reichte völlig aus.

Dem Internetanschluss ummelden war dagegen schon eine ganz andere Angelegenheit.

Ich war Unitymedia-Kunde. Und eigentlich wollte ich demgemäß auch gern KabelBW-Kunde werden, denn die Leitung, die ich hatte, war brauchbar schnell und stabil. Wie ich schon von einem Telefonat, das ich noch in Minden führte, wusste, war das fast ein und dieselbe Firma – ein Umzug wäre also kein Problem; der Vertrag würde einfach übergeben, ich würde ein neues Modem bekommen und die Sache wäre erledigt.

Also rückte der reale Umzugstermin mit großen Schritten näher und mit einigem Stress (das ist eine ganz andere Geschichte, vermutlich aber an anderer Stelle erzählenswert) schaffte ich es dann tatsächlich meine paar wenigen Sachen großteils unversehrt in die neue Wohnung zu bugsieren. Kurz zuvor rief ich noch bei Unitymedia an und teilte mit, dass ich wohl ab dem 29.12.2014 in der Wohnung sein werde, weil ich dann ja schon alles da haben dürfte. Man wollte mir dann so schnell wie möglich das Modem zukommen lassen und dann sollte alles problemlos laufen. Soweit, so gut.

Dummerweise gab mir mein Vermieter zwar schon die Schlüssel und ließ mich einziehen, hielt sich aber auf penetrant förmliche Art und Weise daran, meinen Namen erst am 01.01. an die Klingel und den Briefkasten zu kleben.[1] damit erreichte mich natürlich kein Modem. Stattdessen ging es sang- und klanglos per Post zurück.

Diesen Umstand (korrekterweise) vermutend (nicht wissend, da ich ja keine Benachrichtungskarte bekam, da am Briefkasten ja noch nicht mein Name stand), machte ich mich auf eine kleine Expedition. Zum einen wollte ich zum nächsten Baumarkt fahren und LED-Strahler beschaffen, um die Halogenleuchtmittel in der Decke von Flur, Bad und Klo loswerden zu können. 6,5W pro Lampe sind am Ende des Jahres einfach deutlich günstiger als 35W – und den Unterschied, um welche Art von Leuchtmittel es sich handelt, sieht man wirklich nicht. Außer vielleicht, dass die LEDs heller sind. Das ist aber kein Problem, denn ich mag’s ja hell, wenn ich schon mal Licht anmache.

Zum andere dachte ich, auf einem Weg mal im örtlichen KabelBW-Shop vorbei zu laufen. Der war im Grunde direkt um die Ecke bei der Straßenbahnhaltestelle und somit sowieso auf dem Weg. Gesagt, getan, machte ich mich auf den Weg. Am Ziel meines Begehrens angekommen, schlug mir die betriebsame Atmosphäre einer einsamen Angestellten (trotz der zwei Beratungstische) und eines eben noch im Gespräch befindlichen Pärchens entgegen. Zu meiner Rechten eine schrecklich fette Familie mit verzogenem, pausbäckigen Sohn, der keinen Hehl daraus machte, dass seine chronisch laufende Nase sowohl lautstark als auch feucht und triefend nach Aufmerksamkeit lechzte… Das war der Moment, in dem ich dachte, dass es wohl oder übel ein langer Abend werden könnte.[2]
Das Pärchen hatte wohl ein Produkt bestellt aber ein anderes geliefert bekommen und wollte sich nun für Alternativen entscheiden und überhaupt etwas am Vertrag abändern. Ich habe nur mit einem Ohr zugehört. Das andere Ohr war damit beschäftigt, das voluminöse Rotzen des Sohns der Familie aus der Hölle zu ignorieren. Zusammen mit Gesprächsfetzen, die darauf hinausliefen, dass er irgendwas nicht getan hat, was sie aber erwartet hätte und womit nun das eine oder andere ganz grundsätzliche Element des Haussegens sich dem Schiefstand neigte.[3] Im Hinterkopf schweifte ich ein wenig ab. Schließlich wollte ich noch Leuchtmittel kaufen und ging durch, welcher Art diese wohl sein müssten. 15 Minuten später verkündete die einsame Feldherrin auf dem Schlachtfeld der Internetanbieter, dass sie nun ein Schreiben aufsetzen müsste, um dem Pärchen dienstbar sein zu können. Das würde aber mindestens zwanzig Minuten dauern. Täte ihr leid. Wäre aber nun mal so.[4]
Dies vernommen beschloss ich zunächst meinen anderen Angelegenheiten Vorrang einzuräumen, bevor ich noch länger das Rotzende Kind, dass mit seinen kleinen fetten Fingern Mamas Smartphone misshandelte, antun musste, welches mich in den gleichen Bann gezogen hatte, wie eine Massenkarambolage auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn. Ich hatte schließlich noch Pläne. Also machte ich mich auf den Weg zur Bahnhaltestelle gegenüber (45 Sekunden), wartete auf die nächste Bahn in Richtung Stadt (5 Minuten), fuhr zur Haltestelle, die dem Baumarkt am Nächsten war (6 Minuten), stapfte über die nassen und ungastlichen Straßen (10 Minuten), suchte im Baumarkt nach den passenden LEDs (7 Minuten), wurde dann von einem der anderen Kunden in ein kurzes Gespräch verwickelt, was die Lichtstärke, die Farbtemperatur und seine Frau anging, die ja LEDs gar nicht mochte, weil die zu hell und zu kalt wären[5] und weswegen er sie ja jetzt umtauschen müsste, damit der eheliche Frieden gewahrt bliebe und der Haussegen zukünftig weniger schief hänge. Ich versuchte ihm zu erklären, was es mit LEDs auf sich hat und mit den entsprechenden Farbtemperaturen (er hatte tatsächlich „kalte“ gekauft) – letztlich ließ er sich aber dann doch lieber von einem der freilaufenden Baumarktsberater, dieser seltenen und vom Aussterben bedrohten Spezies, die besonders scheu hinter Regalen hervorlugt und bei zu schnellen, ungewöhnlichen oder hektischen Bewegungen (insbesondere Winken, rufen oder „hilflos gucken“) schlagartig die Flucht ergreift, ein paar besonders teure Leuchtmittel aufschwatzen, weil die ja angeblich viel besser wären, wenngleich sie alle ohnehin im gleichen Werk in China vom Band laufen (6 Minuten). Dann schwankte ich mit einem Arm voller LED-Kartons zur Kasse, nur um mich in die Schlange der Wartenden einzureihen und, wie es sich für das Stehen an der Kasse eben so gehört, sogleich den leichten aber unnachgiebigen Druck einer vollen Blase zu vernehmen, welcher sich in jeder beliebigen Wartesituation immer genau dann manifestiert, wenn man alle Hände voll hat, mitten im Stau oder einer Schlange steht oder sich fernab jeder Toilette und möglichst in dichtem Gedränge befindet, sodass selbst der Gedanke an spontanes Wildpinkeln schon etwas Unzüchtiges hat. Mit einem freundlichen Hinweis der Dame an der Kasse,[6] die wohl mein leidiges und ungeduldiges Gesicht richtig gedeutet haben muss, dass ich an der Baustoffkasse schneller fertig würde, machte ich mich dann auch auf den Weg zum anderen Ende des Baumarktes (2 Minuten). Dort war tatsächlich gähnende Leere und bis auf zwei Kassiererinnen, die eben keine Kunden, dafür aber ein offenbar interessantes Gespräch über die Beschwerden an den starken Tagen der Menstruation hatten, keinerlei Aktivität. Um so schneller konnte ich abkassiert werden, die neuen Mittel der technologischen Erleuchtung in den Rucksack stopfen und sogleich wieder zurück in Richtung Bahn hetzen (10 Minuten) und auf die nächste Bahn warten (6 Minuten), was sich in Anbetracht meiner nunmehr deutlich spürbaren Blase als nicht gerade herausforderungsarm herausstellen sollte. Nach einer kurzen Fahrt zurück und einem Sprint in den KabelBW-Shop auf der anderen Seite der Haltestelle (6 Minuten), stellte ich fest, dass die schrecklich fette Familie mittlerweile zwar an der Reihe war, sich aber ausgiebig darüber unterhielt, welche Art von Dose denn in der Wand verbaut wurde und dass man bestimmte Dosen (nämlich die Multimedia-Dosen) ja nicht selbst verbauen können sollte. Ich hatte nun also 58 Minuten Wegstrecke und die Torturen einer vollen Blase hinter mich gebracht, ohne meinem Ziel irgendwie näher gekommen zu sein. Ich machte auf der Hacke kehrt, begab mich im Laufschritt zu meiner Wohnung, warf den Rucksack in die Küche und tat, was ich nun einmal tun musste. Zumindest das konnte als Erfolgserlebnis gewertet werden. Erleichtert und beinahe glücklich machte ich mich dann wieder zurück zum Shop. Die schrecklich fette Familie war immer noch da – und ein russisches Pärchen hatte sich dann auch noch direkt vor mir eingereiht. Sie in einem Leopardenfellimitationsmäntelchen und Schuhen, deren Absätze man als Waffen bezeichnen könnte, er mit knarzender Lederjacke, Glatze und obligatorischen dicken Platinketten behangen. Interessanterweise sollte sich herausstellen, dass ihm das Angebot zu teuer gewesen wäre, weswegen er es gekündigt hat. Klar. Wenn ich mir Klamotten und Accessoires im Wert von insgesamt 20.000 Euro kaufen würde, wären die Raten für den Kredit, den ich dafür aufnehmen müsste, auch so hoch, dass ich mir keinen Kabel- und Telefonanschluss mehr leisten könnte. Ganz zu schweigen von dem klitzekleinen UHD-Flachbildschirm, der dann meine Wohnzimmerwand dekorieren würde.
Kurz vor Feierabend hatte ich dann aber doch noch die Gelegenheit zu einem Schwätzchen mit der guten Frau, die mir jetzt schon ein wenig Leid tat. Schließlich konnte sie ja nichts dafür, dass sie in einem Laden arbeitete, dessen Organisation zwar für zwei Personen ausgelegt war, aber sie allein auf weiter Flur mit einer Schar nerviger Kunden hinterlassen hatte. Ich versuchte nun also herauszufinden, was aus meinem Modem geworden war, das nunmehr verschollen war. Das wollte die gute Frau dann bei der Hotline erfragen (das hätte ich auch gekonnt), da sie meinte, dass sie das schneller könnte, als ich (das war leider falsch), da sie den direkteren Draht hätte (mag sein).
Wir konnten herausfinden, dass das Modem zurückgeschickt wurde, da ich eben nicht gefunden werden konnte. Es sollte also in zwei oder drei Tagen wieder ankommen und ich könnte es mir erneut zuschicken lassen. Nebenbei fand die junge Frau dann noch heraus, dass sich wohl jemand im Unitymedia-Land noch mal eine dicke Provision verdienen wollte, weil ich gar keinen Umzug, sondern einen Neuvertrag gebucht bekommen hätte. Also auch mit neuer Vertragslaufzeit, neuen Kündigungsfristen und allem, was so dazu gehört. Eigentlich schon für sich ein kleiner Skandal, aber ich hatte nun keine Lust darauf, mich darüber aufregen zu müssen – ich war einfach nur noch müde und wollte endlich nachhause, essen und schlafen. Ich wurde entlassen, dass ich dann noch mal zwei Tage später die Hotline anrufen sollte, damit das Modem neu zugestellt werden könnte – und dann sollte alles laufen.

Gesagt, getan. Zwei Tage später rief ich die Hotline an und fragte nach dem Modem. Mir wurde bestätigt, dass das da wäre und man könnte es durchaus wieder versenden. Ich bestand darauf, dass zunächst einmal der Vertrag überprüft werden sollte. Schließlich war nie die Rede von neuen Vertragslaufzeiten gewesen und den Telefon-Teil des Vertrages würde ich dann ohnehin schnellsten kündigen wollen. Bei meinem aktuellen Handyvertrag brauchte ich das Festnetz ohnehin nie. Außerdem wollte ich noch eine der Dosen hier in eine Multimedia-Dose umgebaut bekommen – es sollte also direkt mal ein Techniker kommen, der das macht. 69,95 Euro würde das kosten hieß es und auf meine Frage hin wurde mir bestätigt, dass der Techniker das Modem dann auch direkt mitbringen könnte. Da die Aussage aber nun nicht ganz sicher war, habe ich die Hotline noch mal um einen Tag vertröstet. Am nächsten Tag nahm ich dann Anschluss an das geführte Telefonat und beauftragte eben einen Techniker, der mir die Dose umbaut und eben das Modem mitbringt. Den genauen Termin sollte ich bei der Partnerfirma erfragen, die würden dann mit mir Kontakt aufnehmen. Da ich nun aber schwer zu erreichen war (ich bin ja den ganzen Tag über im Büro und kann da nicht unbedingt immer telefonieren), brauchte ich da schon eine Zeitabsprache, damit die Rückmeldung etwa in meiner Mittagspause kommt. Das wurde zwar angeblich erfasst – am nächsten Tag passierte in meiner Pause dann aber mal rein gar nichts. Auch davor und danach nicht. Ich rief die gute Partnerfirma (CableWay Süd GmbH) also an, als ich wieder Zuhause war – also etwa um 18 Uhr. Die nächsten 45 Minuten (fünfundvierzig fucking Minuten!) verbrachte ich in einer Warteschleife ohne, dass irgendetwas passierte. Wenn die nicht mehr arbeiten, dann können Sie doch einfach eine Bandansage laufen lassen oder zumindest ihre Öffnungszeiten auf ihre Internetseite schreiben? Nichts dergleichen gab es. Ich versuchte es also am nächsten Morgen im Büro noch einmal. Diesmal in weiser Voraussicht mit dem Headset und das iPhone einfach zur Seite gelegt – so konnte ich dann gleichzeitig arbeiten und die nervige Wartemelodie erdulden, ohne dass das eine irgendwie in Konflikt mit dem anderen geriet. Sagenhafte 11 Minuten später (elf! ELF MINUTEN! Elf Minuten hirnerweichende Musik ohne einen Hinweis, dass es sich um eine Warteschlange handelte oder dass man gleich an der Reihe wäre – ein Gefühl, wie im Fahrstuhl des Grauens auf dem Weg zur Hölle runter fahren… langsam, ganz, ganz langsam…) wurde mir dann mitgeteilt, dass der nächste freie Termin für einen Techniker frühestens in 14 Tagen möglich wäre. Mein Entsetzen über diese Zeitvorstellungen wurde nur noch von der Aussage übertroffen, dass ja momentan so viel los wäre und es ja nur begrenzt viel Personal gäbe und dass es eben alles ein wenig länger dauern würde.[7]
Ich nahm also einen Termin am Samstag hin, denn ansonsten hätte es nur noch einen freien Donnerstag gegeben – irgendwann zwischen 11 und 18 Uhr, was allein schon eine Zeitvorstellung ist, die ich nicht mal im Ansatz einplanen kann.

14 Tage des Bangens, Wartens und mit dem iPhone online seins später und #dertechnikeristinformiert. Irgendwann gegen kurz nach 11 klingelt es dann auch an der Tür. Ein ziemlich unsortierter Techniker, wie er selbst sagte, auch gerade erst neu und eingearbeitet, kommt und klärt mich erst mal darüber auf, dass die Installation einer neuen Dose 99,95 Euro in bar und sofort zu entrichten kosten würde. Außerdem würde die nur auf Putz gesetzt – irgendwo anders hin und mit dem Kabel dann wohl oder übel quer durch die Wohnung hängend. Vor meinem geistigen Auge werfe ich den Techniker mit einem quer durch die Wohnung hängenden Kabel um den Hals vom Balkon. Diese kurze, aber sehr befriedigende, Mordfantasie später deute ich auf die Dose unter dem Tisch und meine, dass ich die ja eigentlich nur von einer normalen in eine Multimedia-Dose umgebaut haben wolle. Daraufhin schluckt er kurz und meint, dass es dann ja völlig kostenlos wäre. Ist ja nur ein Umbau und keine Neuinstallation. Soweit, so gut. Ich bot ihm Kaffee an – womöglich, hatte er ja schon einen anstrengenden Tag hinter sich. Den wollte er nicht, ging aber nochmal zu seinem Auto, um dann eine neue Dose zu holen, da hier ja eine alte verbaut wäre, die zudem noch eine minimale Dämpfung hätte und das könnte man ja machen, weil dann das Fernsehbild gut wäre, aber für Daten wäre das dann auch wieder nicht so gut und überhaupt haben die Dreier-Dosen eine viel höhere Dämpfung als die alten Zweier-Dosen und die ganz neuen Vierer-Dosen würden sich nicht lohnen, dann könnte es sein, dass die Qualität doch zu schlecht würde. Zehn Minuten später hatte ich jede Menge unnützes Wissen über Kabelanschlussdosen. So ging er dann zum Auto, die neue Dose holen und wollte dann noch mal kurz auf’s Klo. Die Frage nach dem Kaffee sorgte für entsprechenden Druck in der Blase, denn schließlich hatte er ja schon eben so etwa drei Tassen getrunken. Nachdem ich ihm dann den Weg zum Klo wies, wurde ich Ohrenzeuge, wie er ganz offenbar recht voluminös im Stehen pinkelte. Zwei Stunden später würde ich mein Klo in Sagrotan tauchen. Ich kann mir nämlich kaum was Ekligeres vorstellen als fremde Urinspritzer, die sich überall verteilen…
Zumindest schaffte er es mit einigem Gefummel die Dose anzubauen{[8}}[[8]]Eine kleine Drahtspitze von einem Kabel in die Mitte der Dose stecken und festschrauben hätte aber vermutlich sogar ich mit meinen zwei linken Händen hinbekommen…[[8]] und begann mit der Leitungsmessung. Alles perfekt, alles supi, Werte im Normbereich – aber das Modem fand kein Internet. Ich meinte daraufhin, dass es im Schlafzimmer ja durchaus Online anzeige, aber eben alle anderen Geräte nicht ins Internet kämen. Nach etwa fünf Minuten Diskussion, dass das Modem ja ein total tolles Modem wäre und er sich das bei den Werten auch gar nicht erklären könnte, zeigte ich es ihm dann einfach. Daraufhin beschloss der freundliche aber irgendwie unkoordinierte junge Mann dann, die Dose noch einmal zu entfernen und das Kabel zu prüfen. Sein Messgerät bekam nämlich im Schlafzimmer andere Werte als im Büro – und das konnte nur darauf hindeuten, dass es sich womöglich um zwei verschiedene Kabel handeln müsste. Schließlich bekam er dann aber wieder gleiche Werte ohne die Dose[9] und beschloss, einfach ein Stück Kabel abzuknipsen. Vielleicht war’s einfach nur ein Kabelbruch. Damit ging’s dann auch tatsächlich. Das Modem bekam eine Online-Verbindung, aber alle anderen Geräte eben kein Internet. So weit waren wir ja schon.
Nun, dachte ich, wäre es an der Zeit, die alles entscheidende Frage zu stellen: Wo ist denn mein neues Modem? Das, so hieß es, sollte er ja mitbringen und dann das alte mitnehmen.

Um so erstaunter war ich, dass nicht nur er, sondern auch das System und seine Vorgesetzten erst Recht nichts davon wussten, dass ich gar kein BaWü-Modem haben, sondern noch das NRW-Modem und dass das hier ja nun, aus nachvollziehbaren Gründen gar nicht funktionieren würde. Wenngleich er nun vom Cicso-Modem träumte – ein neues hatte er nicht dabei. Und ein „nacktes“, das dann aus der Ferne programmiert werden könnte, was ja durchaus machbar wäre, könnte er nicht einfach so da lassen. Mein Modem wäre ja noch irgendwo unterwegs und es dürfte keine zwei Modems mit den gleichen Daten darauf geben. Und so verließ er mich dann nach zwei Stunden des Bastelns und Verbreitens von unnützem Wissen mit einer neuen Multimedia-Dose aber immer noch ohne Internet.

Es brauchte dann noch einen Anruf bei der Hotline und noch eine Woche Zeit, bis dann endlich das Modem kam. Ohne einen weiteren Hinweis oder ein Begleitschreiben übrigens. Ich hätte es ja nett gefunden, wenn mir zumindest meine neue Telefonnummer oder die Zugangsdaten zum Kundenportal mitgeteilt worden wären. Erstere konnte ich in Erfahrung bringen, indem ich mich einfach selbst anrief, wenngleich ich ohnehin kein Festnetztelefon brauche und den entsprechenden Anschluss auch kündigen kann. Zugangsdaten? Naja, wer braucht die schon? Ich kann ja wieder die Hotline anrufen. Die nehmen dann vermutlich wieder die falschen Daten auf, aber das ist schon mal besser als nichts. Aber immerhin hat man mir den Monat, den ich nun auf einen Anschluss verzichten musste, gutgeschrieben.

Footnotes    (↵ returns to text)

  1. er hat, wie ich noch rausfinden sollte, noch ganz andere Anwandlungen, was die Einhaltung von Formalitäten angeht…
  2. Damit sollte ich Recht behalten.
  3. Gedanklich vermutete ich, dass das wohl oder übel darin münden dürfte, dass an diesem Abend keine ehelichen Pflichten vollzogen werden würden – und in Anbetracht des Sohnes und der offensichtlichen Sozialisation der mir gegenüberstehenden Kombattanten im Kampf für schnelles Internet, war ich den Göttern dankbar dafür.
  4. In diesem Moment zweifelte ich kurz daran, dass KabelBW ein effizient geführtes Unternehmen war. Ich hätte erwartet, dass es so etwas wie „Bürozeiten“ und „Beratungszeiten“ gab. Eine eigene Abteilung für das verfassen von Briefen. Textbausteine für Standardanliegen von Kunden. Oder zumindest jemanden, der das später oder eben dann erledigt, wenn nicht gerade Kunden für Beratungs- oder Informationsgespräche im Laden stünden und sowieso nur eine Beraterin ganz allein vor Ort war. Meine Erwartungen wurden bitter enttäuscht.
  5. Was aber auch sehr relativ ist, schließlich muss man nur welche mit der passenden Farbtemperatur kaufen…
  6. diesmal scheinbar nicht „Frau SB 42“ von der Selbstbedienungskasse
  7. Freunde, ihr spart an der falschen Stelle…
  8. Den Hinweis, dass es sich ja auch um eine Dose mit viel mehr Dämpfung handeln könnte, wenngleich im Schlafzimmer, das vormals wohl Wohnzimmer war, ja schon Multimedia-Dosen waren, habe ich mir verkniffen.
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